Übersetzung
[88] Unserem Gebieter, dem Kaiser Valens, dem Frommen, Unerschütterlichen, ewig Ehrwürdigen.
Zueignung an Kaiser Valens
1 Du hast mir gnädigst aufgetragen, eine kurze Uebersicht [unsrer Geschichte] zu entwerfen. Mit Freuden [89] gehorche ich diesem Gebot: denn wenn es mir gleich an der Gabe einer umfassendern Darstellung gebricht, so hoffe ich doch einen Umriß der Ereignisse andeuten, wenn auch nicht entwickeln zu können, wobei mir die Weise der Rechenkunst vorschwebt, welche mit einem kurzen Zeichen die größten Summen ausdrückt. So nimm denn meine Arbeit, welche in kurzer Rede einen noch kürzern Ueberblick gewährt, gnädig auf. Mögest Du, glorreicher Fürst, eine Unterhaltung dabei finden, wenn die Jahre, das Alter des Staats, alle Ereignisse der Vergangenheit nicht sowohl in Worten, als gleichsam in Zahlen, vor dir auftreten!
Zeitrechnung Rom’s, Regierungsformen
2 (1) Von Erbauung der Stadt bis zu der Zeit, wo du, unsterblicher Kaiser, die Zügel der Regierung zum Heile des Vaterlandes ergriffst, sind es eintausendeinhundertsiebzehn Jahre. Hiervon kommen auf die Regierung der Könige zweihundertdreiundvierzig; auf die Zeit der Consuln vierhundertsiebenundsechzig; auf die Herrschaft der Kaiser vierhundertsieben. (2) Innerhalb zweihundertdreiundvierzig Jahren regierten zu Rom der Zahl nach sieben Könige. Romulus regierte siebenunddreißig Jahre; sodann, je Einer fünf Tage, Senatoren Ein Jahr lang: hierauf Numa Pompilius dreiundvierzig, Tullus Hostilius zweiunddreißig, Ankus Marcius vierundzwanzig, Tarquinius Priscus siebenunddreißig, Servius Tullius vierundvierzig, Tarquinius Superbus fünfundzwanzig Jahre, worauf er vertrieben wurde. Nun folgen Consuln. (3) Die ersten waren Brutus und Publicola, die letzten Pansa und Hirtius. Sie füllen einen Zeitraum von vierhundertsieben Jahren. Ihrer waren vierhundertsiebzehn, diejenigen abgerechnet, welche etwa während eines und desselben [90] Jahres nachgewählt wurden. Neunundvierzig Jahre war das Consulat in Rom nicht besetzt, nämlich zwei Jahre unter den Decemvirn, dreiundvierzig Jahre unter den Kriegstribunen. Vier Jahre lang waren in Rom die höchsten Würden ganz unbesetzt. (4) Kaiser regierten von Oktavianus Cäsar Ausgustus bis auf Jovianus vierundvierzig innerhalb vierhundertsieben Jahren.
Vergrößerung Rom’s
3 (1) Nun will ich kurz angeben, wie sehr unter diesen drei Regierungsweisen, nämlich der königlichen, der consularischen und der kaiserlichen, Rom sich vergrößerte. Innerhalb der zweihundertdreiundvierzig Jahre, in welchen Rom die sieben Könige hatte, erstreckte sich sein Gebiet nicht über den Hafen der Tiber und Ostia hinaus, und betrug, von den Thoren der Stadt an gerechnet, nur achtzehn Meilen. Rom war damals noch klein und von Hirten erbaut, auch den Angriffen der benachbarten Völkerschaften ausgesetzt. (2) Unter den Consuln, deren Regiment bisweilen durch die Diktatur unterbrochen wurde, während eines Zeitraums von vierhundertsiebenundsechzig Jahren, wurde Italien bis über den Padus [Po] hinaus erobert, Afrika unterjocht, Spanien einverleibt, Gallien und Britannien zinsbar gemacht. Hierauf wurde Illyrien, Istrien, Liburnien, Dalmatien unterworfen: es wurde ein Zug nach Achaja gemacht, Macedonien bezwungen, Dardanien, Mösien und Thracien bekriegt: endlich gelangte man bis zur Donau. (3) Nun setzten die Römer zum erstenmal Fuß nach Asien, indem sie Antiochus vertrieben: Mithridates ward besiegt, und das Pontische Reich besetzt; Kleinarmenien, dessen sich Derselbe bemächtigt hatte, mit bewaffneter Hand genommen; ein [91] Römisches Heer drang nach Mesopotamien vor; mit den Parthern wurde ein Bündniß geschlossen; mit den Corduanern, Saracenen und Arabern Kriege geführt, ganz Judäa besiegt; Cilicien und Syrien kamen in die Gewalt des Römischen Volkes. Mit den Königen Aegyptens wurden Verträge gemacht. (4) Innerhalb der vierhundertsieben Jahre unter den Kaisern, während welcher mit verschiedenem Erfolg für den Staat viele Regenten auf dem Thron saßen, wuchsen doch die Seealpen, die Cottischen Alpen, Rhätien, Norikum, Pannonien, Mösien dem Römischen Reiche zu; auch wurden sämmtliche Küstengegenden der Donau zur Provinz gemacht; ganz Pontus, Großarmenien, alle Morgenländer mit Mesopotamien, Assyrien, Arabien und Aegypten kam in Römische Verwaltung.
Erwerbung einzelner Provinzen
4 (1) In welcher Ordnung aber Rom seine einzelnen Provinzen erworben habe, weist folgende Darstellung nach. Die erste Provinz ward Sicilien. Es wurde von Consul Marcellus nach seinem Siege über den Sicilischen König Hiero besetzt, hierauf von Prätoren verwaltet, endlich Statthaltern anvertraut; jetzt wird es von gewesenen Consuln regiert. (2) Sardinien und Corsika besiegte Metellus: auch triumphirte Dieser über die Sarden, die sich öfters empörten. Diese Inseln standen zuerst unter einer gemeinschaftlichen Verwaltung; nachher hatte jede ihren eigenen Prätor; jetzt werden sie von besonderen Statthaltern beaufsichtigt. (3) Zur Vertheidigung Siciliens wurden die Römischen Adler in Afrika aufgepflanzt. Dreimal erneuerte Afrika den Krieg: endlich wurde Carthago durch Publius Scipio zerstört, und Afrika zur Provinz gemacht; jetzt steht es unter Proconsuln. (4) [92] Numidien besaßen verbündete Könige. Uebrigens ward dem Jugurtha, wegen Ermordung der Söhne des Königs Micipsa, Adherbal und Hiempsal, der Krieg angekündigt; er wurde von dem Consul Metellus völlig geschlagen, von Marius gefangen genommen, und Numidien kam in die Gewalt des Römischen Volks; Mauretanien aber wurde vom König Bocchus besetzt. So war ganz Afrika unterjocht: nur die Mauren standen unter dem König Juba. Dieser gab sich selbst den Tod, nachdem er im Bürgerkriege von Julius Cäsar besiegt worden war. (5) Und so kam Mauretanien in unsre Hände, und es wurden in Afrika sechs Provinzen eingerichtet: der Mittelpunkt, wo Carthago liegt, kam unter einen Proconsul, Numidien und Byzazium unter gewesene Consuln; Tripolis und die beiden Mauretanien, nämlich das Sitifische and Cäsarische, erhielt Statthalter.
Spanien
5 (1) Den Spaniern wurde durch die Scipione zuerst Hülfe gegen die Afrikaner gebracht. Die Lusitanier, welche sich gegen uns wieder auflehnten, wurden in Spanien von Decimus Brutus unterworfen, ihr Land besetzt und ein Zug bis Gades [Cadix] an dem Ocean unternommen. Nachher zeigten sich in Spanien wieder Unruhen, worauf Decimus Junius Silanus mit einem Heere dahin geschickt wurde, und das Land besiegte. (2) Oefters erhoben sich in Spanien die Celtiberier: als aber der jüngere Afrikanus gegen sie abgesandt, und Numantia zerstört ward, wurden auch sie gedemüthigt. Fast ganz Spanien kam in Folge des Sertorianischen Krieges durch Pompejus und Metellus in unsere Gewalt: Pompejus bezwang dieses Land völlig, nachdem [93] ihm der Oberbefehl auf fünf Jahre verlängert worden war. (3) Zuletzt wurden auch die Cantabrer und Asturier, welche im Vertrauen auf ihre Berge Widerstand leisteten, von Oktavianus Cäsar Augustus aufgerieben. (4) In Spanien sind sechs Provinzen: Tarraco, [Neu-]Carthago, Lusitanien, Galläcien, Bätica. Jenseits der Meerenge, auf dem Boden von Afrika, befindet sich auch noch eine Spanische Provinz unter dem Namen des Tingitanischen Mauretaniens. Von diesen Provinzen stehen Bätica und Lusitanien unter gewesenen Consuln, die übrigen unter Statthaltern.
Gallien
6 (1) Die schwersten Kriege führte Rom mit den Galliern. Diese hatten nämlich auch denjenigen Theil von Italien, in welchem Mediolanum [Mailand] liegt, bis an den Fluß Rubico inne, und vertrauten ihrer Macht dermaßen, daß sie Rom selbst mit Krieg überzogen. Die Römischen Heere wurden bei dem Flusse Allia völlig geschlagen, und der Feind drang in die Stadt ein. Es wurde von den Galliern das Kapitol, auf dessen Burg sich sechshundert Edle und Senatoren geflüchtet hatten, berennt: doch standen Dieselben gegen tausend Pfund Guld von der Belagerung ab. Als Sieger zogen sie von Rom ab: da überfiel sie Camillus, der sich in der Verbannung befand, mit einem aus Landleuten gebildeten Haufen, und brachte das Gold, so wie die Feldzeichen, welche die Gallier genommen hatten, zurück. (2) Mit den Galliern kämpften viele Consuln, Prätoren und Diktatoren unter verschiedenem Erfolg. Marius vertrieb sie aus Italien, überstieg die Alpen, und schlug sich mit ihnen glücklich. (3) Uebrigens beschäftigte sich Cajus Cäsar an der Spitze von zehn Legionen, deren jede viertausend Mann Italischer [94] Truppen zählte, acht Jahre mit der Unterjochung Galliens von den Alpen bis an den Rhein; auch bekriegte er die jenseits des Rheins ansäßigen Barbaren, setzte nach Britannien über, und machte innerhalb zehn Jahren Gallien und Britannien zinsbar. (4) In Gallien befinden sich, Aquitanien und Britannien mitgerechnet, achtzehn Provinzen: die Seealpen, die Provinzen Narbo, Vienna, Novempopuli, die beiden Aquitanien, die zwei Lugdunum, die Grajischen Alpen, Großsequanien, zwei Germanien, zwei Belgien; in Britannien die große Cäsarische und Flavische Provinz, das erste und das zweite Britannien.
Illyrien, Creta, Griechenland, Epirus, Macedonien, die Alpen, Pannonien
7 (1) Illyrien wurde auf seiner Küstenseite nach und nach von uns angegriffen: der Consul Lävinus drang zuerst in’s Adriatische und Jonische Meer ein, und besetzte die Seestädte. Creta wurde von dem Proconsul Metellus, der daher der Cretiker genannt ward, zur Provinz gemacht. (2) Die Griechen begaben sich unter unsern Schutz, und so rückten wir nach Achaja. Gegen den König Philipp von Macedonien begehrte Athen unsern Beistand. Lange genoß Achaja in Folge unserer Freundschaft Freiheit: endlich aber wurde eine Römische Gesandtschaft in Corinth gemißhandelt, und so wurde diese Stadt von dem Proconsul L. Mummius eingenommen, und ganz Achaja besetzt. (3) Die Epiroten, die einst mit dem König Pyrrhus sich unterfangen hatten, nach Italien überzusetzen, wurden besiegt, und Thessalien mit Macedonien und Achaja traten uns bei. (4) Macedonien erhob noch drei Kriege unter Philippus, Perseus und Pseudophilippus. Philippus wurde von Flamininus, Perseus von Paulus, Pseudophilippus von Metellus geschlagen: mit [95] den Triumphen dieser Männer gewann das Römische Volk Macedonien. (5) Die Illyrier wurden von uns in Folge der von ihnen an Macedonien geleisteten Unterstützung bei der nämlichen Gelegenheit durch den Prätor Lucius Anicius besiegt und mit ihrem Könige Gentius zu Unterwerfung gebracht. Dardanien und Mösien unterwarf der Proconsul Curio: es war dieses der erste Römische Heerführer, der bis an die Donau vorrückte. (6) Unter den Cäsarn Julius und Oktavianus wurde über die Julischen Alpen eine Straße geführt: alle Alpenvölker wurden besiegt, und wir erhielten die Provinz Noricum. Der König Bato von Pannonien wurde unterworfen, und dieses Land kam in unsre Gewalt. Auch unterlagen die Amantiner zwischen der Sau und Drau, worauf die Gegend um die Sau und das zweite Pannonien besetzt wurde.
Markomannen und Quaden, Dacien
8 (1) Die Marcomannen und Quaden wurden aus dem Valerischen Gebiete zwischen der Donau und Drau vertrieben, und Vindelicien, Noricum, Pannonien und Mösien wurde von Augustus zur Gränze zwischen den Römern und Barbaren gemacht. (2) Trajanus besiegte Dacien unter dem König Decibalus, und machte dieses Land jenseits der Donau auf dem Gebiete der Barbaren zur Provinz. Dasselbe hatte eine Million Schritte im Umfang, ging aber unter dem Kaiser Gallienus verloren, und vom Kaiser Aurelianus wurden die Römer von da weggezogen. Man machte nun zwei Dacien in dem Gebiete von Mösien. (3) Illyrien enthält siebzehn Provinzen: zwei Noricum, zwei Pannonien, Valeria, Savia, Dalmatien, Mösien, zwei Dacien. In dem [96] Bezirke von Macedonien sind deren sieben: Macedonien, Thessalien, Achaja, die beiden Epirus, Prävalis und Creta.
Thracien
9 (1) Der Macedonische Krieg veranlaßte einen Zug nach Thracien. Die Thracier gehörten unter die wildesten Völker. In ihrem Gebiet wohnten die Scordisker, ein ebenso blutdürstiges als listiges Volk. Man erzählt sich manches Fabelhafte von ihrer Grausamkeit, daß sie vor Zeiten ihren Gottheiten Gefangene als Opfer schlachteten, und die Hirnschalen derselben gebrauchten, um Menschenblut daraus zu trinken. (2) Die Römischen Heere erlitten durch sie manche Niederlage. M. Didius drängte die umherschwärmenden Thracier zurück; M. Drusus schränkte sie auf ihre eigenen Gränzen ein: Minucius zerstreute sie auf dem mit Eis bedeckten Flusse Hebrus. Von dem Proconsul Appius Claudius wurden die Bewohner des Rhodopegebirgs besiegt: die Seestädte von Europa1 besetzte vorher eine Römische Flotte. M. Lucullus focht in Thracien zuerst mit den Bessiern. (3) Er eroberte Thracia, den Hauptort des Volkes, unterjochte die Hämimontaner, brachte Eumolpias, das jetzt Philippopolis heißt, so wie Uskudama, welches nunmehr Hadrianopolis genannt wird, in unsre Gewalt, und nahm Calybe weg. Er eroberte die am Pontus gelegenen Städte Apollonia, Calatis, Parthenopolis, Tomi, Histrus, rückte bis an die Donau vor, und ließ die Scythen den Klang der Römischen Waffen vernehmen. (4) So wurden dem Staatsgesbiete sechs Thracische Provinzen beigefügt: Thracia, Hämimontus, Niedermösien, Scythien, Rhodope, Europa, wo [97] jetzt die zweite Veste des Römischen Reichs liegt, Constantinopolis.
Kleinasien, Rhodus
10 (1) Jetzt will ich erzählen, wer die morgenländischen Gegenden, den ganzen Orient und die in den benachbarten Strichen liegenden Provinzen Deinem Scepter unterworfen hat. Möge diese Darstellung Deine Gnade in dem Entschlusse bestärken, Deine Herrschaft ebendaselbst weiter auszudehnen! (2) Kleinasien ist den Römern durch ein Bündniß mit dem König Attalus bekannt geworden, und unser Besitz dieses Landes beruht auf dem Erbrecht in Folge eines Vermächtnisses des Königs Attalus. Damit jedoch das Römische Volk keine seiner Erwerbungen einer anderen Quelle, als der Kraft zu verdanken hätte, musste Kleinasien gegen Antiochus, den größten König Syriens, mit bewaffneter Hand von uns vertheidigt werden. (3) Bei derselben Gelegenheit kam auch Lydien, ein alter Königssitz, Carien, der Hellespont und Phrygien durch Uebergabe in die Gewalt des Römischen Volkes. (4) Rhodus und die übrigen Inseln handelten zuerst sehr feindselig gegen uns, nachher aber wurden sie unsre getreuesten Verbündeten. So genossen Rhodus und die andern Inseln anfangs eine unabhängige Verfassung; später wurden ihnen auf eine schonende Weise Römische Gesetze auferlegt, und unter dem Kaiser Vespasianus wurde aus ihnen eine Inselnprovinz gebildet.
Pamphylien u. s. w., Bithynien, Galatien, Pontus
11 (1) Pamphylien, Lycien, Phrygien, Pisidien, Carien, Isaurien besetzte der Proconsul Servilius, der zum Seeräuberkrieg abgegangen war. Zu Bithynien gelangten wird durch ein Vermächtnis des verstorbenen Königs Nikomedes. (2) Gallagräcien oder Galatien (denn schon das Wort zeigt uns, [98] daß die Galatier von den Galliern abstammen) wurde von uns angegriffen, weil es Antiochus gegen Rom unterstützt hatte. Der Proconsul Manlius verfolgte die Galater; und als sie theils auf den Olympus, theils auf den Magaba, der jetzt Modiacus heißt, sich flüchteten, trieb er sie von den steilen Höhen in die Ebene herab, schlug sie, und brachte sie zu einem beständigen Frieden. Nachher beherrschte mit unsrer Verwilligung Dejotarus Galatien als Tetrarch. Endlich wurde unter Oktavianus Cäsar Augustus Galatien zur Provinz gemacht. Lollius verwaltete es zuerst als Proprätor. (3) Die Cappadocier baten zuerst unter dem Könige Ariarathes durch eine Gesandtschaft um ein Bündniß mit uns. Nachmals wurde der Cappadocische König Ariobarzanes, von Mithridates vertrieben, durch die Römischen Waffen wieder in sein Reich eingesetzt. Immer waren die Cappadocier bereit, uns Beistand zu leisten, und Rom stand bei ihnen in solchem Ansehen, daß Mazaka, die bedeutendste Stadt ihres Landes, zur Ehre des Cäsar Augustus,2 von ihnen den Namen Cäsaréa erhielt. Unter der Regierung von Cäsar Claudius [Tiberius] begab sich Archelaus von Cappadocien nach Rom, wurde das daselbst lange zurückgehalten, und starb; worauf Cappadocien in eine Provinz verwandelt wurde. (4) Pontus erhielt die Gestalt einer Provinz, nachdem der Pontische König Mithridates von Pompejus besiegt worden war. Paphlagonien hatte der König Pylämenes, ein Verbündeter Rom’s, inne. Oft wurde er aus seinem Reiche vertrieben, immer aber von uns wieder eingesetzt: nach seinem Tode wurde Paphlagonien als Provinz behandelt.
Der Taurus
12 (1) [99] Wie die Römischen Besitzungen jenseits des Taurusgebirges sich ausgedehnt haben, wird nicht der Zeitfolge nach, sondern an dem geeigneten Orte berichtet werden. (2) Der mächtige König Syriens, Antiochus, verwickelte Rom in einen furchtbaren Krieg. Er hatte dreihunderttausend Krieger; auch konnte er Sichelwagen und Elephanten in die Linie führen; allein von dem Consul Scipio, einem Bruder des Afrikanus, wurde er bei Magnesia in Asien geschlagen, erhielt einen Frieden und die Erlaubniß, jenseits des Taurusgebirgs zu regieren. Seine Söhne behielten unter dem Schutze des Römischen Volks die Regierung in Syrien: nach ihrem Tode bemächtigten wir uns der Syrischen Provinzen. (3) Cilicien und Isaurien, das sich mit den Seeräubern verbunden hatte, bezwang der mit dem Seeräuberkrieg beauftragte Proconsul Servilius, und bahnte zuerst einen Weg über das Taurusgesbirge. Er triumphirte über Cilicien und Isaurien, und erhielt den Beinamen der Isaurier.
Cypern, Cyrene, Aegypten
13 (1) Cypern, das als rehr reich bekannt war, erweckte die Lust der bedürftigen Römer, sich desselben zu bemächtigen. Es regierte daselbst ein [mit uns] verbündeter König: allein der Römische Schatz war so leer und das Geschrei von den Schätzen Cypern’s so groß, daß in Folge eines Gesetzes die Beschlagnahme der Insel beschlossen wurde. Auf die Nachricht hiervon nahm der Cyprische König Gift, um das Leben noch vor seinen Reichthümern zu verlieren. Cato brachte die Schäze Cypern’s zu Schiffe nach Rom. Und so beruhen unsre Ansprüche auf diese Insel nicht auf einem Recht, sondern auf unsrer Habsucht. (2) Cyrene, mit den übrigen Städten von Libya Pentapolis, wurde durch die Großmuth des älteren Ptolemäus3 [100] unser. Zu Libyen gelangten wir durch den letzten Willen des Königs Apion. (3) Aegypten stand ganz unter befreundeten Königen; als aber Cleopatra mit Antonius besiegt wurde, erhielt es zu den Zeiten von Oktavianus Cäsar Augustus die Gestalt einer Provinz, und wurde zuerst von Cornelius Gallus, mit dem Sitze in Alexandria, verwaltet.
Armenien u. s. w.
14 (1) Von L. Lucullus wurden die Römischen Adler durch den Bezirk von beiden Armenien bis jenseits des Taurus getragen. Die Saracenischen Phylarchen [Stämme, Stammesälteste?] wurden im Gebiet von Osroëne besiegt, und zogen sich zurück. In Mesopotamien nahm derselbe Lucullus Nisibis. (2) Nacher wurden durch Pompejus die nämlichen Plätze mit bewaffneter Macht besetzt: Syrien und Phönicien mußte Tigranes, König von Armenien, im Kriege abtreten. Die Araber und Juden wurden in Palästina besiegt. (3) Zuletzt wurde unter Kaiser Trajanus dem Könige von Großarmenien das Diadem genommen, Armenien, Mesopotamien, Assyrien und Arabien zur Provinz gemacht, und die Reichsgränze in den Morgenländern jenseits der Ufer des Tigris verlegt. (4) Doch gab Hadrianus, der Nachfolger des Trajanus, auf den Ruhm des Letztern eifersüchtig, Armenien, Mesopotamien und Assyrien freiwillig zurück, und bestimmte den Euphrat als Gränze zwischen dem Persischen und Römischen Gebiete. (5) Unter den beiden Antoninen aber, Marcus und Verus, Severus Pertinax und den anderen Römischen Kaisern, die mit verschiedenem Erfolg gegen die Parther fochten, wurde Mesopotamien viermal verloren und viermal wieder gewonnen. (6) Zu [101] den Zeiten Diocletian’s wurde König Narseus, nachdem der erste Angriff der Römer mißlungen war, beim zweiten Versuch geschlagen, seine Gemahlin und Töchter gefangen genommen, übrigens mit der zartesten Schonung behandelt, hierauf Friede geschlossen und Mesopotamien uns wieder überlassen. Man nahm als Gränze wieder das Ufer des Tigris an, und wir gelangten zur Herrschaft über fünf Völker jenseits des Tigris.4 Mit dieser Grundlage erhielten sich die Verträge bis auf die Zeiten des göttlichen Constantius.
Babylonien
15 (1) Ich weiß, mein glorreicher Gebieter, Deinen Willen zu ahnen. Gewiß begehrst Du Aufschluß über die verschiedenen Kriege der Römer mit Babylon, und das Ergebniß für die Kämpfer, als Pfeil und Wurfspeer sich begegneten.5 Darum will ich in Kürze die Ereignisse jener Kriege herzählen. Du wirst finden, daß sich die Feinde durch ihre Tücke einige Vortheile verschafften, daß aber die Siege der Römer stets der Lohn ächter Tapferkeit waren. (2) Zuerst bat der Parthische König Arsaces durch eine Gesandtschaft bei dem Proconsul L. Sulla um ein Bündniß mit dem Römischen Volk, welches ihm auch zu Theil wurde. (3) L. Lucullus verfolgte den König Mithridates, nachdem er aus seinem Reiche Pontus vertrieben war, nach Armenien. Den Armenischen König Tigranes, der siebentausendfünfhundert Geharnischte und einhundertzwanzigtausend Bogenschützen versammelt hatte, schlug er mit achtzehntausend Römern; eroberte Tigranocerta, die größte [102] Stadt Armenien’s; besetzte Madena, eine fruchtbare Gegend Armeniens; zog durch Melitena und Mesopotamien hinab, und nahm Nisibis weg, wo er den Bruder des Königs in seine Gewalt bekam. Während er nun gegen die Perser ziehen wollte, erhielt er einen Nachfolger.
Das Mithridatische Reich
16 (1) Cn. Pompejus, dessen Glück man schon kennen gelernt hatte, wurde mit dem Mithridatischen Kriege beauftragt, griff den König bei Nacht in Kleinarmenien an, und besiegte ihn: zweiundvierzigtausend Feinde machte er nieder, und rückte in das feindliche Lager ein. Mithridates entfloh mit seiner Gemahlin und zwei Begleitern nach dem Bosporus, wo er aus Verzweiflung über seine Lage Gift nahm, und als die Kraft desselben nicht gehörig wirkte, sich von einem seiner Soldaten das Schwert durch den Leib rennen ließ. (2) Pompejus verfolgte den Armenischen König Tigranes, der den Mithridates unterstützt hatte: er übergab sich ihm freiwillig bei Artaxata, und legte das Diadem in seine Hände. So wurde von ihm Mesopotamien, Syrien und ein Theil Phöniciens wieder gewonnen, und Tigranes durfte über Großarmenien regieren. (3) Pompejus gab den Bosporanern und den Colchiern den Aristarchus zum König, schlug sich mit den Albanern, und verlieh ihrem Könige Orösus, nach drei Siegen über ihn, den Frieden. Iberien mit seinem Könige Artoces unterwarf sich ihm. Die Saracenen und Araber besiegte er, eroberte Judäa und besetzte Hierosolyma. Mit den Persern schloß er ein Bündniß. (4) Auf seinem Rückwege zog ihn die liebliche Gegend und die Wasserfülle bei’m Daphnischen Hain in der Nähe von Antiochia an: er schenkte einen Hain dazu, und erklärte den Ort für geweiht.
Die Parther
17 (1) [103] Die Parther empörten sich: da wurde der Consul Crassus gegen sie ausgesandt. Einer Gesandtschaft, die im Namen des Volkes um Frieden bitten sollte, erklärte er, bei Ctesiphon werde er antworten. Bei Zeugma setzte er über den Euphrat, und ließ sich von einem Ueberläufer, Namens Abgarus, verleiten, in eine ihm unbekannte, abgelegene Gegend hinabzuziehen. (2) Da wurde das Heer von einem Schwarm von Bogenschützen, unter den königlichen Anführern Sillax und Surena, wie mit einem Walle eingeschlossen, und unter einem Pfeilhagel begraben. Crassus selbst wurde zu einem Gespräche eingeladen, und wäre beinahe lebend gefangen worden, entkam jedoch, während die Tribunen Widerstand leisteten, und wurde auf der Flucht getödtet. (3) Man schnitt ihm das Haupt nebst der rechten Hand ab, und überbrachte sie dem Könige. Dieser trieb seinen Spott damit, und ließ geschmolzenes Gold in die Kehle gießen: Wer sich durch seine brennende Gier nach Plünderung habe abhalten lassen, ihm auf seine Bitte Frieden zu verwilligen, dessen Reste müßten nach seinem Tode die Glut des Goldes empfinden. (4) C. Cassius, der Quästor des Crassus, ein tapferer Mann, sammelte die Trümmer des zerstreuten Heeres, brach gegen die Perser in Syrien ein, bestand mit einem erstaunenswerthen Erfolge drei Gefechte, trieb den Feind über den Euphrat zurück, und demüthigte ihn.
Fortsetzung
18 (1) Gleichwohl drangen die Parther unter Labienus6 von der Pompejischen Partei, der nach dem Unglück der letzteren [104] zu den Persern geflohen war, in Syrien ein, und bemeisterten sich der ganzen Provinz. (2) P. Ventidius Bassus stieß auf sie bei’m Taurusgebirge, schlug sie nur mit einer schwachen Abtheilung, tödtete den Labienus, setzte den Parthern nach, und brachte ihnen eine völlige Niederlage bei. In diesem Kampfe erschlug er den Sohn des Königs, Pacorus, und zwar an demselben Tage, der durch das Unglück des Crassus bezeichnet ist, damit nie der Tod eines Römischen Heerführers ungerächt bliebe: (3) Ventidius hielt zum erstenmal einen Triumph über die Perser. M. Antonius fiel in Medien ein, das jetzt Medena heißt, bekriegte die Parther, und schlug sie in den ersten Treffen, verlor aber in der Folge zwei Legionen, hatte mit Hunger, Seuchen und bösem Wetter zu kämpfen, und war, von den Persern stets verfolgt, kaum im Stande, das Heer durch Armenien zurückzuführen. Dieser Unfall schlug ihn dergestalt nieder, daß er von einem seiner Fechter durchbohrt zu werden begehrte, um nicht lebend in die Gewalt der Feinde zu kommen.
Auswärtige Verhältnisse unter Kaiser Augustus
19 (1) Unter Octavianus Cäsar Augustus machte Armenien mit den Parthern gemeinschaftliche Sache. (2) Es wurde nun C. Cäsar, ein Enkel August’s, mit einem Heer in die Morgenländer geschickt. Durch das Ansehen des Römischen Namens stellte er ohne Mühe die Ruhe wieder her, und die Armenier, die damals mächtiger waren als die Parther, ergaben sich ihm. Den genannten Völkern gab er, gemäß einer Einrichtung des Pompejus, Richter: (3) da kam ein gewisser Domnes, königlicher Befehlshaber von Artageris, als Verräther zu ihm, und überreichte ihm eine Schrift, welche ein Verzeichniß der feindlichen Schätze enthielt. Der Römische Feldherr nahm sie, und durchlas sie mit Aufmerksamkeit, als Domnes ihn mit einem [105] Messer anfiel und ihm eine Wunde versetzte. Der Mörder wurde nun zwar von den Soldaten durchbohrt: aber Cajus mußte nach Syrien zurückkehren, wo er an seiner Wunde starb. (4) Die Parther gaben zur Genugthuung für diesen kühnen Frevel zum erstenmal dem Kaiser Octavianus Geissel, und stellten auch die dem Crassus abgenommenen Feldzeichen zurück. Auf diese Weise waren die Völker des Morgenlandes in Ruhe gebracht, und Cäsar Augustus empfing zum erstenmal auch eine Indische Gesandtschaft.
Nero
20 (1) Nero, der unwürdigste Kaiser, welchen Rom kennen lernte, verlor beide Armenien: zwei Römische Legionen wurden damals von den Parthern unter das Joch geschickt und Römische Heere entweihten ihre Eide durch die ärgste Schmach. (2) Trajanus, der nach Kaiser Augustus die Kräfte des Staats in Thätigkeit setzte, nahm Armenien den Parthern wieder ab, und entzog dem Könige von Großarmenien Diadem und Reich. Den Albanern gab er einen König: von den Iberiern, Bosporanern, Colchiern ließ er sich Versicherungen der Unterwürfigkeit geben. Wohnsitze der Osroëner und Araber eroberte er, unterwarf die Corduener und Marcomeder, bekam Antemusium, eine üppige Gegend Persiens, Ctesiphon, Seleucia und Babylon in seine Gewalt, und behielt diese Plätze: er war es, der nach Alexander bis an Indiens Gränzen vorrückte. Im rothen Meer erbaute er eine Flotte; zu Provinzen machte er Armenien, Assyrien und Mesopotamiem, welches zwischen dem Tigris und Euphrat liegt, und gleich Aegypten seine Fruchtbarkeit der Bewässerung der Flüsse verdankt. (3) Uebrigens ist außer Zweifel, daß des Trajanus Nachfolger, Hadrianus, auf den Ruhm seines Vorgängers eifersüchtig [106] war. Aus freiem Entschluß zog er die Heere zurück, gab Armenien, Mesopotamien und Assyrien auf, und bestimmte den Euphrat als Gränze zwischen dem Römischen und Persischen Gebiete.
Die beiden Antonine
21 (1) Die beiden Antonine, Marcus und Verus, Jener der Schwiegervater, Dieser der Schwiegersohn, beide Kaiser, theilten sich in die Regierung der Römischen Welt mit gleicher Machtvollkommenheit. Der jüngere Antoninus machte einen Parthischen Feldzug, der an Ereignissen reich, und durch glückliche Erfolge ausgezeichnet war. Seleucia, eine Stadt Assyriens, nahm er nebst vierhunderttausend Feinden weg: mit seinem Schwiegervater hielt er einen glänzenden Triumph über Persien. (2) Septimius Severus, ein geborener Afrikaner und äußerst thätiger Kaiser, schlug die Parther mit vieler Tapferkeit, vernichtete die Adiabener, unterwarf die Araber des Binnenlandes, und machte Arabien zur Provinz. Aus seinen Siegen wurden ihm Beinamen geschöpft: man nannte ihn den Parther, den Adiabener und den Araber. (3) Antoninus Bassianus, mit dem Beinamen Caracalla, ein Sohn des Kaisers Severus, gab, während er einen Feldzug gegen die Perser vorbereitete, in Osroëne bei Edessa sich selbst den Tod, und wurde eben daselbst begraben.
Aurelius Alexander
22 (1) Aurelius Alexander, den das Schicksal wie zum Verderben Persiens geboren werden ließ, gelangte noch sehr jung an das Ruder des Römischen Staats. Er besiegte auf eine ruhmvolle Weise den persischen König Xerxes. Dieser Alexander bediente sich des Rechtsgelehrten Ulpianus als Geheimschreibers. Er triumphirte über die Perser mit ausnehmender Pracht. (2) Unter dem Kaiser Gordianus glaubten die Perser auf Dessen Jugend [107] hin etwas wagen zu können, und empörten sich, wurden aber durch blutige Schlachten gedemüthigt; als der Besieger Persiens kehrte er zurück, starb aber als ein Opfer der Bosheit des Befehlshabers der Leibwache, Philippus. Die Soldaten errichteten ihm einen Grabhügel, der noch jetzt steht, zwanzig Meilen von dem festen Lager Circessum: die Leiche aber geleiteten sie unter den stärksten Ausdrücken ihrer Ehrfurcht nach Rom.
Valerianus
23 (1) Die Schicksale des unglücklichen Kaisers Valerianus darzustellen, ist meinem Gefühl zuwider. Er übernahm mit Gallienus die Regierung: indeß hatte ihn das Heer, den Gallienus der Senat auf den Thron berufen. Valerianus wurde in Mesopotamien im Kampfe mit den Persern von Sapor, dem Perserkönige, besiegt, gefangen genommen, und brachte sein höheres Alter in der Schmach der Sklaverei hin. (2) Unter Gallienus wurde Mesopotamien angegriffen; auch begannen die Perser, sich in den Besitz von Syrien zu setzen, was ihnen auch weiter gelungen wäre, hätte nicht (was die Ehre kaum zu sagen gestattet) Odenathus, der Vorstand von Palmyra, mit einem Haufen Syrischer Landleute tapferen Widerstand geleistet, etlichemal die Perser geschlagen, und nicht bloß unsre Gränze vertheidigt, sondern sogar (was wie ein Wunder klingt) als Rächer des Römischen Namens bis Ctesiphon vorgerückt.
Aurelianus
24 (1) Zenobia, die Gemahlin des Odenathus, trug dazu bei, den Ruhm des Kaisers Aurelianus zu erhöhen. Diese Frau gelangte nämlich nach dem Tode ihres Gemahls zur Herrschaft über die Morgenländer. Sie rechnete auf die vielen Tausende ihrer Geharnischten und Bogenschützen: allein Aurelianus schlug sie bei Immä, nicht weit von Antiochia, und [108] ließ sie bei seinem Triumphe in Rom vor seinem Wagen hergehen. (2) Das Siegesglück des Kaisers Carus über die Perser mochte den himmlischen Machten übermäßig vorkommen, und man hat anzunehmen, daß das Missfallen der Götter auf demselben geruht habe. Es zog nämlich Derselbe in Persien ein, wie wenn ihm Niemand Widerstand leistete, und verwüstete das Land: Coche und Ctesiphon, die ansehnlichsten Städte Persiens, nahm er ein. Aber da er als Besieger des ganzen Volkes mit seinem Lager bereits jenseits des Tigris stand, wurde er vom Blitze getroffen und starb.
Diokletianus
25 (1) Unter dem Kaiser Diocletianus wurde ein bemerkenswerther Triumph über Persien gehalten. Der Cäsar Maximianus hatte gegen eine ungeheure Masse an der Spitze von wenigen Leuten mit löwenhaftem Muthe gefochten, wurde aber geschlagen und mußte sich zurückziehen. Nun empfing ihn Diocletianus mit solcher Ungnade, daß er in seinem Purpur einige tausend Schritte vor dessen Wagen hergehen mußte. (2) Kaum erhielt er die Erlaubniß, sein Heer mit den Grenztruppen in Dacien verstärkern zu dürfen, um das Kriegsglück von neuem zu versuchen. Nun legte sich der Feldherr selbst, von den Reitern begleitet, auf Kundschaft der Feinde, überfiel mit fünfundzwanzigtausend Mann das feindliche Lager, griff unerwartet die unermeßlichen Schwärme der Perser an, und rieb sie völlig auf. (3) Der persische König, Narseus, entkam: seine Gemahlin und Töchter geriethen in Gefangenschaft, worin sie mit der größten Schonung für ihr Geschlecht behandelt wurden. Dieses Verfahren machte auf die Perser einen solchen Eindruck, daß sie bekannten, nicht bloß im Gebrauch der Waffen, sondern auch in Sitte weit hinter den Römern zurückzustehen; [109] und sie gaben Mesopotamien mit den fünf Bezirken jenseits des Tigris zurück. Es wurde ein Friede geschlossen, der sich zum Vortheil des Staats bis auf unsre Zeit erhalten hat.
Konstantinus
26 (1) Der Kaiser Constantinus veranstaltete in der letzten Zeit seines Lebens einen Zug gegen die Perser. Im ganzen Römischen Reiche herrschte Ruhe; ein neuer Sieg über die Gothen erhöhte den Ruhm des Kaisers, welcher jetzt mit einem zahlreichen Heere den Persern entgegenrückte. (2) Sein Anzug versetzte die Babylonische [Persische] Regierung in solche Bestürzung, daß sie eine Gesandtschaft mit demüthigen Bitten an ihn abgehen und ihm erklären ließ, es werden seine Befehle erwartet. Uebrigens erhielten die Perser wegen ihrer unaufhörlichen Einfälle unter dem Cäsar Constantius, wodurch sie den Orient beunruhigten, keine Verzeihung.
Konstantius II.
27 (1) Der Kampf des Constantius mit den Persern hatte einen verschiedenen und nicht immer günstigen Erfolg. Leichte Vorpostengefechte an den Gränzen abgerechnet, fielen neun namhafte Treffen vor; in sieben derselben befehligten seine Heerführer, zweien eigentlichen und schweren Schlachten wohnte er selbst bei. (2) Uebrigens versetzte die zweimalige Schlacht von Singara,7 deren ersterer Constantius selbst beiwohnte, so wie die bei Constantina, auf welche die Einnahme von Amida folgte, dem Staate unter jenem Fürsten eine empfindliche Wunde. Dreimal wurde Nisibis von den Persern belagert: doch hatte der Feind während der Belagerung mehr Verlust als Vortheil. (3) Im Kriege mit Narseus, in welchem Dieser [110] umkam, war der Vortheil auf unsrer Seite. Insbesondere aber hätte durch die auf dem Elejischen Gebiet in der Nähe von Singara bei Nacht gelieferte Schlacht, wo Constantius selbst zugegen war, aller Aufwand und Verlust in den bisherigen Feldzügen aufgewogen werden können. Allein die Oertlichkeit und das Dunkel waren uns ungünstig; auch vermochte der Kaiser nicht, die kampflustigen Soldaten durch Anreden von einem unzeitigen Angriff abzuhalten. Zudem hatten sie im Gefühl frischer Kräfte übersehen, für Wasservorräthe zu sorgen. So fielen sie denn bereits gegen Abend das Persische Lager an, durchbrachen die Verschanzungen, eroberten dasselbe und verjagten den König. Während sie aber vom Kampf ausruhen wollten, und mit Lichtern voll Begierde über das von ihnen gefundene Wasser herfielen, wurden sie dort einem Pfeilhagel bedeckt, und waren durch ihre Unbesonnenheit, Lichter in der tiefen Nacht anzuzünden, selbst dazu behülflich, daß die Feinde keine Fehlschüsse thaten.
Julianus II.
28 (1) Der Kaiser Julianus wurde von dem Glück, das ihn gegen die auswärtigen Feinde begleitete, im Kampfe mit den Persern verlassen. Als Herr des ganzen Römischen Reichs machte er Anstalten zu einem Kriege gegen Persien, und ließ, als er den Feldzug eröffnete, durch eine Flotte auf dem Euphrat die Vorräthe herbeiführen. Der Angriff erfolgte mit Nachdruck, und Julianus erhielt die Uebergabe vieler Persischen Städte und Kastelle freiwillig, oder erzwang er sie durch die Gewalt der Waffen. (2) Als er mit seinem Lager Ctesiphon gegenüber, wo der Tigris und Euphrat bereits sich vereinigt haben, stand, suchte er die Aufmerksamkeit der Feinde dadurch zu täuschen, daß er den Tag über allerlei Spiele im Freien [111] aufführen ließ: um Mitternacht aber schiffte er plötzlich seine Soldaten ein, und setzte mit ihnen an das jenseitige Ufer über. Die steilen Punkte, die selbst bei Tage und ohne einen zu befürchtenden Widerstand Schwierigkeiten genug darboten, wurden erstiegen, und eine plötzliche Verwirrung unter den Persern verbreitet: ihre Schaaren wandten alle um, und die siegreichen Römischen Krieger hätten in die Thore Ctesiphon’s einziehen können, wenn nicht der Reiz einer reichen Beute sie gegen die Benützung des Siegs gleichgültig gemacht hätte. (3) Die Soldaten mahnten an den Rückzug: allein nach so glorreichen Erfolgen nahm der Feldherr nur auf seinen weitern Plan Bedacht. Nun aber waren die Schiffe verbrannt; auch hatte sich ein Ueberläufer eingestellt, um ihn irre zu führen. Wirklich ließ er sich von Diesem verleiten, seine Richtung nach Madena zu nehmen, und schlug in dieser Absicht den kürzesten Weg ein. So zog er, am Ufer des Tigris hinauf, wobei eine Seite seines Heeres entblößt wurde. Er machte daher eine rückgängige Bewegung. Während er nun auf diesem Zuge, ohne Gefahr zu ahnen, durch die Reihen der Seinigen sprengte, und durch den aufsteigenden Staub seinen Leuten aus dem Gesichte kam, rannte ihm ein feindlicher Reiter, der auf ihn stieß, die Lanze durch den Unterleib bis an die Scham hinein. Unter starkem Blutverlust stellte der verwundete Kaiser die Linien seiner Leute wieder her, und redete sie fortwährend an, bis das zögernde Leben von ihm wich.
Jovianus
29 Jovianus übernahm nun das Heer, welches sich auf dem Schlachtfelde würdig gezeigt hatte, aber durch den unerwarteten Tod seines Feldherrn in Unordnung gerieth. Die Lebensmittel gingen aus; der Rückweg zog sich bei den großen [112] Entfernungen in die Länge; die Perser beunruhigten durch häufige Angriffe bald den Vor-, bald den Nachtrab, ja selbst die Flügel des Mittelpunkts, und hielten das Vorrücken des Heeres auf. Gleichwohl bewirkte die bei ihnen herrschende Ehrfürcht vor dem Römischen Namen innerhalb weniger Tage, daß die Perser zuerst von Frieden sprachen, und dem Rückzuge des durch Hunger geschwächten Heeres keine Hindernisse in den Weg legten. Jedoch wurden der Römischen Regierung zum erstenmal in der Geschichte lästige Bedingungen gemacht, nämlich Nisibis und einen Theil Mesopotamiens herauszugeben, was Jovianus einging: denn er zog bei seiner Unkenntniß der Regierungsgeschäfte einen ruhigen Genuß vor.
30 Doch wo nehme ich Worte her, um Deine Großthaten, sieggekrönter Fürst, würdig zu schildern? Obgleich ich aber dem Gegenstande nicht gewachsen bin, und auch mein Alter schon vorgerückt ist, so werde ich mich doch bemühen, mich darauf vorzubereiten. Möge der Himmel, dem Du vertrauest, möge die befreundete Gottheit, deren Schutz über Dir waltet, das Glück, das Dir geworden, erhalten, damit Du zu der Siegespalme, die Du Dir im Kriege mit den Gothen erworben, den Ruhm erntest, den Frieden mit Babylon zu Stande gebracht zu haben! Heil Dir, glorreichster der Fürsten, Valens Augustus!
Anmerkungen
1 Ein Thrazischer Bezirk.
2 Nach Einigen Cäsar Augustus, nach Andern Tiberius.
3 Wahrscheinlich Ptolemäus Euergetes, den auch Polybius den Aeltern nennt.
4 Gesprochen vom Persischen Standpunkt aus. Denn von Römischer Seite lagen jene Völker nicht jenseits des Tigris.
5 Der Wurfspeer war die Hauptwaffe der Römer, der Pfeil die Hauptwaffe der Perser, Babylonier etc.
6 Der Sohn des Labienus. Sein Vater, desselben Namens, war in der Schlacht bei Munda in Spanien gefallen. Sein Sohn war von Brutus und Kassius zu den Parthern geschickt worden, um bei ihnen Hülfe zu suchen.
7 Singara, eine Stadt Mesopotamiens, Konstantina, eine Stadt bei Edessa. Beide wurden nach einer Belagerung von dreiundsiebzig Tagen genommen.
