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2. Buch

Übersetzung

1 [21] Im Jahre 365 nach Erbauung und im ersten Jahre nach der feindlichen Einnahme Rom’s wurden die öffentlichen Würden verändert, und statt zweier Consuln Kriegstribunen mit Consularischer Gewalt aufgestellt. Mit diesem Zeitpunkte begann das Wachsthum des Römischen Staats: denn Camillus besiegte in diesem Jahr die Volsker, welche siebenzig Jahre hindurch Krieg geführt hatten, so wie die Hauptstadt der Aequier und der Sutrier, und besetzte, nach Vernichtung ihrer Heere, das Gebiet derselben und hielt auf einmal einen dreifachen Triumph.

2 Es war Titus Quinctus Cincinnatus, der die Pränestiner, welche in einem Kriege bis vor die Thore Rom’s gedrungen waren, zurückwarf und bei dem Flusse Allia schlug: 8 Städte, welche unter ihnen standen, unterwarf er der Römischen Herrschaft: Präneste selbst griff er an, und brachte es zur Uebergabe: solches Alles führte er in zwanzig Tagen aus, worauf ihm ein Triumphzug zuerkannt wurde. [J. R. 375.]

3 Die Würde der Kriegstribunen hatte übrigens keinen langen Bestand. Denn man fand nach einiger Zeit nicht mehr für gut, solche zu wählen, und vier Jahre verfloßen dem Staate, ohne daß höhere Obrigkeiten in ihm bestanden hätten. Jedoch traten sofort wieder Kriegstribunen mit Consulargewalt in ihre Würde ein, und bestanden drei Jahre. Dann aber wurden wieder Consuln aufgestellt.

4 [22] Unter dem Consulat von Lucius Genucius und Quintus Servilius starb Camillus: es wurde ihm nach Romulus das ehrenvollste Andenken gewidmet. [J. R. 390.]

5 (1) Wider die Gallier, welche gegen Italien zogen, wurde Titus Quinctius als Diktator geschickt. Es hatten sich dieselben 4 Meilen von der Stadt jenseits des Flusses Anio1 festgesetzt. Da stellte sich ein junger Mann aus einer der vornehmsten Senatorenfamilien, Titus Manlius, gegen einen herausfordernden Gallier zum Zweikampf, erschlug Denselben und nahm ihm seine goldene Halskette ab, die er sich um den Hals legte, worauf er auf immer für sich und seine Nachkommen den Beinamen „Torquatus“ erhielt. (2) Die Gallier wurden zurückgedrängt: bald auch durch den Diktator Cajus Sulpitius besiegt. Nicht lange darnach wurden die Tusker von Cajus Martius überwunden: 8000 Gefangene von ihnen wurden im Triumphe mitgeführt.

6 (1) Es wurde wieder eine Schätzung gehalten. Die Latiner aber, welche in Römische Botmäßigkeit gebracht worden waren, wollten keine Soldaten stellen: man zog deswegen gerade um so viel mehr Mannschaft aus dem Römischen Volk und bildete 10 Legionen: diese Einrichtung lieferte 60,000 oder noch mehr Bewaffnete. Klein war zwar noch der Römische Staat, doch konnte er im Kriegswesen schon solche Kraft entwickeln. (2) Diese Leute zogen nun unter Anführung des Lucius Furius gegen die Gallier. Da forderte ein Gallier denjenigen Römer, welcher der tapferste wäre, zum Zweikampf. Hiezu erbot sich der Kriegstribun Marcus Valerius. [23] Bewaffnet schritt er vor: da ließ sich ein Rabe auf seine rechte Schulter nieder. (3) Da nun sogleich der Kampf mit dem Gallier begann; so schlug jener Rabe dem Gallier mit Flügeln und Klauen gegen die Augen, daß er nicht geradeaus schauen konnte. Auf diese Weise wurde er von dem Tribunen Valerius getödtet und verhalf Diesem nicht blos zum Sieg, sondern auch zu einem Namen. Denn es wurde Derselbe in Zukunft der „der Rabe“ [Corvus] genannt. Wegen dieses seines Verdienstes wurde er schon im drei und zwanzigsten Jahre Consul.

7 (1) Eben dieselben Latiner, welche keine Soldaten stellen wollten, machten auch noch den Anspruch an die Römer, es sollte Einer der Consuln aus ihrer, der andre aus der Mitte des Römischen Volks gewählt werden. (2) Man lehnte aber dieses Ansinnen ab, zog gegen sie zu Felde, und schlug sie in einer entscheidenden Schlacht: und als sie vollständig unterworfen waren, wurde ein Triumph über sie gehalten. (3) Wegen ihrer Verdienste bei diesem Sieg wurden die Bildsäulen der Consuln auf dem Forum aufgestellt. [417. n. Erb. R.] (In diesem Jahre wurde auch Alexandrien von dem Macedonischen Alexander gegründet.) [Eigentlich im J. R. 421., 332. v. Chr.]

8 (1) Jetzt fingen die Römer an, mächtig zu werden. Es wurde nämlich mit den Samnitern, ungefähr 130 Meilen von der Stadt ein Krieg geführt. Diese wohnen in der Mitte zwischen Picenum, Campanien und Apulien. (2) Lucius Papirius Cursor zog in der Würde eines Diktators zu diesem Kriege aus. [J. R. 430.] Bei einer Reise nach Rom gab er dem Befehlshaber der Reiterei, Quintus Fabius Maximus, [24] welchen er bei’m Heere zurückließ, auf, sich in seiner Abwesenheit in kein Treffen einzulassen. (3) Dieser fand jedoch Gelegenheit eine sehr vortheilhafte Schlacht zu liefern, und brachte den Samnitern eine gänzliche Niederlage bei. Um dieser Handlung willen, weil er gegen sein Verbot sich in eine Schlacht eingelassen hatte, wurde er vom Diktator zum Tode verurtheilt: aber Volk und Soldaten, voll Begeisterung für Denselben, machten ihn frei; ja es erhob sich ein solcher Sturm wider Papirius, daß er beinahe selbst ums Leben gekommen wäre.

9 (1) Nachher [J. R. 433.] wurden die Römer von den Samniten bei den Caudinischen Gabeln in einem Engpasse eingeschlossen, unter höchst beschimpfenden Umstanden geschlagen und unter dem Joche2 hindurchgeführt. (2) Die Noth gebot Frieden zu schließen, den jedoch Senat und Volk für ungültig erklärten. Es wurden nun vom Consul Cajus Papirius die Samniter besiegt, und ihrer 7000 unter dem Joch hindurchgeführt. (3) Um diese Zeit errichtete der Censor Appius Claudius die Claudische Wasserleitung und baute die Appische Straße. Die Samniter erneuerten den Krieg, schlugen den Quintus Fabius Maximus und machten 3000 Mann nieder. Nachher wurde ihm als Unterfeldherr sein Vater Fabius Maximus beigegeben, und nun besiegte er die Samniten und nahm ihnen ihre meisten Städte ab. Jetzt wurden die beiden [25] Consuln Publius Cornelius Rufinus und Manius Curius Dentatus gegen die Samniten geschickt, und zertrümmerten ihre Macht in gewaltigen Schlachten. Hierauf ruhte der Krieg mit den Samnitern, welcher neun und vierzig Jahre gedauert hatte [bis zum J. R. 464.]: wirklich war innerhalb Italien kein Feind, der die Römische Tapferkeit mehr, als Jene, auf die Probe gestellt hätte.

10 Nach Verfluß einiger Jahre verbanden sich wieder Gallische Truppen mit den Tuskern und Samnitern gegen die Römer. Indeß wurden sie auf ihrem Zuge nach Rom von dem Consul Cnejus Cornelius Dolabella gänzlich geschlagen.

11 (1) Um dieselbe Zeit [J. R. 471.] wurde den Tarentinern, welche schon im untersten Theile von Italien ihren Sitz haben, Krieg angekündigt, weil sie Römische Gesandte entwürdigend behandelt hatten.3 Sie riefen nun Pyrrhus, König von Epirus,4 der seine Abkunft vom Geschlechte des Achilles herleitete, gegen die Römer zu Hülfe. Wirklich kam dieser in kurzem nach Italien, und es fochten die Römer nun zum erstenmal mit einem überseeischen Feinde. (2) Wider ihn wurde ausgeschickt der Consul Publius Valerius Lävinus. Dieser fing Kundschafter des Pyrrhus auf, und befahl, sie durchs Lager zu führen, ihnen das ganze Heer zu zeigen und sie dann zu entlassen, um dem Pyrrhus von allen Anstalten der Römer berichten zu können. (3) Bald kam es zum Treffen und schon floh Pyrrhus, da siegte er noch mit Hülfe [26] der Elephanten, von welchen nie gesehenen Thieren die Römer in Schrecken gesetzt wurden: die Nacht machte dem Kampf ein Ende. Doch setzte Lävinus die Nacht hindurch seinen Rückzug fort. Pyrrhus machte 1800 Römer zu Gefangenen und behandelte sie höchst ehrenvoll. Die Erschlagenen ließ er begraben. Als er Diese mit Wunden vorne am Körper und im Tode noch mit grimmig herausforderndem Angesicht da liegen sah, soll er die Hände zum Himmel erhoben haben mit den Worten: „ich könnte Herr der Welt seyn, wenn mir das Glück solche Soldaten verliehen hätte.“

12 (1) Pyrrhus vereinigte sich nun [J. R. 472.] mit den Samnitern, Lucanern, Bruttiern, und rückte gegen Rom vor. Alles verwüstete er mit Feuer und Schwert, plünderte Campanien und kam bis Präneste, 18 Meilen von der Stadt. (2) Bald aber zog er sich aus Furcht vor dem Heere, welches ihm, den Consul an der Spitze, entgegenging, nach Campanien zurück. (3) Es wurden nun Gesandte wegen Auslösung der Gefangenen an Pyrrhus geschickt und von ihm ehrenvoll empfangen: die Gefangenen schickte er ohne Lösegeld nach Rom. Einen besondern Eindruck machte namentlich Einer der Gesandten, Fabricius, auf ihn: er hörte, daß dieser arm sey, und bot ihm den vierten Theil seines Reiches an, um ihn zu bewegen, Dienste bei ihm zu nehmen. Fabricius aber wies den Vorschlag mit Verachtung von sich. (4) Pyrrhus von der größten Hochachtung gegen die Römer erfüllt, ordnete einen Gesandten ab, mit Namen Cineas, einen Mann von Auszeichnung, der unter billigen Bedingungen auf Frieden antragen sollte, so zwar, daß Pyrrhus den Theil von Italien, [27] welchen seine bewaffnete Macht schon besetzt hielt, bekommen sollte.

13 (1) Aber ein solcher Friede mißfiel, und der Senat ließ dem Pyrrhus zurückmelden, Frieden könne er mit den Römern blos dann erhalten, wenn er Italien räume. (2) Die Römer erklärten hierauf öffentlich diejenigen Gefangenen, welche Pyrrhus zurückgegeben hatte, für ehrlos, weil sie mit den Waffen in der Hand sich hätten gefangen nehmen lassen, und zwar sollten sie in ihren vorigen Stand nicht wieder eingesetzt werden, bis Jeder die Rüstung von zwei erschlagenen Feinden vorzeigen würde. So zog der Abgesandte des Pyrrhus ab. (3) Auf die Frage des Pyrrhus, wie er Rom gefunden habe, erwiederte Cineas, er habe die Vaterstadt der Könige gesehen: denn dort seyen fast Alle Das, wofür man Pyrrhus in Epirus5 und im übrigen Griechenland achte. (4) Wider Pyrrhus wurden als Heerführer Publius Sulpitius und Decius Mus geschickt. Als es zur Schlacht kam, wurde Pyrrhus verwundet, die Elephanten getödtet, 20,000 Feinde niedergemacht und von den Römern fielen nur 5000. Pyrrhus wurde nach Tarent zurückgetrieben.

14 (1) Ein Jahr verging, dann wurde gegen Pyrrhus Fabricius ausgeschickt, Derselbe, welcher früher durch das Anerbieten des vierten Theiles vom königlichen Reiche sich nicht verlocken ließ. Als nun sein und des Königs Lager sich nahe gegenüber standen, erschien des Nachts der Arzt des Letztern bei ihm und ertlärte sich gegen eine Belohnung bereit, Pyrrhus [28] zu vergiften. Diesen Mann ließ Fabricius in Bande legen, zu seinem Herrn zurückführen und Letzterem sagen, welche Anträge der Arzt wider sein Leben gemacht hätte. (2) Voll Bewunderung über diese Handlung des Fabricius soll der König ausgerufen haben: „daran erkenne ich Fabricius! eher könnte die Sonne aus ihrer Bahn abgelenkt werden, als dieser Mann vom Pfade der Rechtschaffenheit!“ Es zog nun der König gegen Sicilien: Fabricius aber hielt nach seinem Sieg über die Samniter und Lucaner einen Triumph. Hierauf wurden gegen Pyrrhus die Consuln Curius Dentatus und Cornelius Lentulus gesandt: Curius lieferte ihm eine Schlacht, warf sein Heer darnieder, zwang ihn selbst zum Rückzuge nach Tarent, und nahm das feindliche Lager. Es wurden an diesem Tage 23,000 Feinde erschlagen. Curius hielt während seines Consulates [J. R. 478.] einen Triumph: er war der Erste, der 4 Elephanten nach Rom brachte. Pyrrhus zog sich von Tarent bald weg, und wurde bei Argos, einer Griechischen Stadt, erschlagen.

15 Unter dem Consulate des Cajus Fabius Licinus und Cajus Claudius Canina im Jahre 461. [richtiger 479.] nach Erbauung der Stadt kamen Alexandrinische Abgeordnete, von Ptolemäus gesandt, nach Rom, und baten die Römer um ein Freundschaftsbündniß, welches ihnen auch zugestanden wurde.

16 Unter dem Consulate des Quintus Ogulnius und Cajus Fabius Piktor erhoben die Picenter einen Krieg. Sie wurden von den Consuln des folgenden Jahres, Publius Sempronius und Appius Claudius, besiegt. Auch hielt man über [29] sie einen Triumph. Die Römer gründeten 2 Städte: Ariminum in Gallien und Benevent6 in Samnien.

17 Unter dem Consulate des Marcus Atilius Regulus wurde den Sallentinern in Apulien der Krieg erklärt: und es fiel die Stadt Brundusium mit ihren Einwohnern in die Gewalt der Römer: worüber ein Triumph gehalten wurde.

18 (1) Obwohl der Name Rom’s schon berühmt war, so war doch um’s Jahr 477. [488, v. Chr. 264.] Italien noch nicht mit bewaffneter Hand überschritten worden. (2) Um nun die Volkszahl der Römer kennen zu lernen, wurde eine Schätzung gehalten. Man fand die Bürgerschaft 292,334 Köpfe stark, ungeachtet seit der Gründung der Stadt die Kriege niemals geruhet hatten. (3) Unter dem Consulate des Appius Claudius und Quintus Fulvius wurde gegen Afrika der erste Krieg geführt: man schlug sich in Sicilien und Appius Claudius triumphirte über die Afrikaner und den König von Sicilien, Hiero.

19 (1) Großes wurde im folgenden Jahre von den Römern auf Sicilien ausgeführt unter dem Consulate des Valerius Mareus und Otacilius. Die Tauromenianer, Catineer und außer ihnen noch 50 Städte, ergaben sich in den Schutz der Römer. Im dritten Jahre wurde der Krieg auf Sicilien gegen Hiero beendigt. An der Spitze des ganzen Syrakusischen Adels bat er bei den Römern um Frieden und lieferte 200 Talente7 an Silber. Die Afrikaner wurden auf Sicilien besiegt und zum zweitenmal wurde über sie triumphirt.

20 (1) [30] Im fünften Jahr des Punischen, mit den Afrikanern geführten Kriegs unter dem Consulate des Cajus Duilius und Cnejus Cornelius Asina [J. R. 494.] bestanden die Römer das erste Seetreffen, wozu sie sich Schiffe mit Schnäbeln gebaut hatten, welche Liburnische8 heißen. Der Consul Cornelius ließ sich durch eine List fangen. Duilius lieferte eine Schlacht, besiegte den Carthagischen Feldherrn, nahm 31 Schiffe, versenkte 14, machte 7000 Feinde zu Gefangenen und tödtete ihrer 3000. Es war nicht leicht ein Sieg, der den Römern also schmeichelte, wie dieser, da sie unbesiegt zu Land, jetzt auch das Uebergewicht auf dem Meere hatten. Unter dem Consulate des Cajus Aquillius Florus und Lucius Scipio verwüstete Scipio Corsika und Sardinien, führte viele tausende Gefangene von da weg, und hielt einen Triumph.

21 (1) Unter dem Consulate des Lucius Manlius Vulso und Marcus Atilius Regulus wurde der Krieg nach Afrika hinübergetragen: [J. R. 498.] der Feldherr der Carthager, Hamilkar, wurde in einem Seegefechte besiegt. Nach einem Verlust von 64 Schiffen zog er sich zurück: die Römer hatten deren 22 verloren. Nach der Landung in Afrika bekamen sie zuerst die Stadt Clypea9 durch Uebergabe in ihre Gewalt. Die Consuln rückten bis Carthago vor, zerstörten viele Orte und Manlius kehrte mit 27,000 Gefangenen nach Rom zurück: Atilius Regulus blieb in Afrika stehen. Dieser stellte sein Heer in Schlachtordnung gegen die Afrikaner: drei Carthagische [31] Heerführer standen im Kampfe wider ihn: er aber siegte: 15,000 Feinde erschlug er, 5000 nebst 13 Elephanten bekam er gefangen und 24 Städte ergaben sich ihm. Nun waren die Carthager besiegt, und suchten bei den Römern um Frieden nach. Regulus aber wollte ihn nur unter den härtesten Bedingungen zugestehen: da sprachen die Carthager Lacedämon um Hülfe an: wirklich wurde von diesem Staate der Heerführer Xanthippus abgesandt, und durch ihn der Römische Befehlshaber Regulus aufs Haupt geschlagen. Denn vom ganzen Römischen Heere entkamen kaum 2000 Mann: 500 nebst dem Oberfeldherrn wurden gefangen, 30,000 erschlagen, Regulus selbst in Ketten geworfen.

22 (1) Unter dem Consulate des Marcus Aemilius Paulus und Servius Fulvius Nobilior zogen beide Consuln gegen Afrika mit einer Flotte von 300 Schiffen: zuerst schlugen sie die Afrikaner in einem Seetreffen. Der Consul Aemilius versenkte 104 feindliche Schiffe: 30 nahm er mit der Bemannung weg: 15,000 Feinde erschlug er oder nahm sie gefangen: seine Soldaten bereicherte er mit unermeßlicher Beute. Wirklich wäre Afrika damals unterjocht worden, wenn nicht ein solcher Mangel an Lebensmittel eingetreten wäre, daß das Heer sich nicht länger halten konnte. Die Consuln kehrten mit ihrer siegreichen Flotte zurück, hatten aber auf der Höhe von Sicilien einen Schiffbruch auszustehen und der Sturm war so gewaltig, daß von 464 Schiffen kaum 80 gerettet werden konnten. Nicht leicht hat man von einem ähnlichen heftigen Sturm zur See gehört. Doch rüsteten die Römer alsbald 200 Schiffe neu aus, und in keiner Beziehung offenbarte sich auf diese Unfälle eine Lähmung des Muths.

23 [32] Die Consuln Cnejus Servilius Cäpio und Cajus Sempronius Bläsus zogen mit 260 Schiffen gegen Afrika: sie nahmen einige Städte weg, brachten eine unermeßliche Beute zurück, erlitten aber Schiffbruch. Dieses anhaltende Mißgeschick verdroß die Römer und es beschloß der Senat, die Seeschlachten zu vermeiden, und blos 60 Schiffe zum Schutze von Italien in gutem Stande zu erhalten.

24 Unter dem Consulate vou Lucius Cäcilius Metellus und Cajus Furius Pacilus schlug Metellus auf Sicilien den Afrikanischen Heerführer, der mit 130 Elephanten und einer großen Truppenmasse dahin gekommen war, tödtete 20,000 Feinde, nahm 26 Elephanten, ließ die übrigen, welche zerstreut worden waren, durch Numidier, welche er als Hülfstruppen bei sich hatte, auffangen, und führte sie in großem Prachtzuge nach Rom, indem die 130 Elephanten alle Straßen bedeckten.

25 (1) Nach diesen Unglücksfällen wandten sich die Carthager an den gefangenen Feldherrn Regulus, und verlangten, daß er nach Rom reisen sollte, um ihnen Frieden mit den Römern auszuwirken, und die Auswechslung der Gefangenen zu Stande zu bringen. Als er zu Rom angekommen war, benahm er sich bei seiner Vorstellung im Senate in keinem Stücke als Römer, indem er erklärte, von dem Tage an, wo er in die Gewalt der Afrikaner gerathen sey, habe er aufgehört, ein Römer zu seyn. Er entzog sich daher der Umarmung seiner Gemahlin: auch rieth er dem Senat, mit den Carthagern keinen Frieden zu schließen; denn es seyen Diese durch so viele Unfälle geschwächt, und in einer verzweifelten Lage, an seiner einzelnen Person sey nicht so viel gelegen, daß so [33] viele tausend Gefangene gegen ihn, einen Greisen und gegen die wenigen übrigen gefangenen Römer ausgewechselt werden dürften. Er drang durch und die zur Friedensunterhandlung abgeordneten Afrikaner fanden nirgends Gehör. Regulus selbst reiste nach Carthago zurück, und erklärte den Römern, welche ihn gerne bei sich behalten hätten, er könne in dieser Stadt nicht bleiben, wo er, der Sklave von Afrikanern, den Rang eines achtbaren Bürgers nicht mehr einnehmen könne. Nach seiner Rückkehr wurde er in Afrika unter allen ersinnlichen Martern getödtet.

26 (1) Unter dem Consulate des Publius Claudius Pulcher und Lucius Junius unternahm Claudius einen Kampf wider die Carthager, gegen das Ergebniß der Götterzeichen, und unterlag in demselben. Denn von 220 Schiffen brachte er auf der Flucht nur 30 zurück; 90 wurden nebst der Mannschaft genommen, und die übrigen versenkt. Auch der andere Consul verlor eine Flotte durch Schiffbruch: doch wurde das Heer gerettet, weil die Küsten nicht ferne waren.

27 (1) Unter dem Consulate des Cajus Lutatius Catulus und Aulus Postumius Albinus im drei und zwanzigsten Jahre des Punischen Kriegs wurde dem Catulus der Krieg gegen Afrika übertragen. Er zog mit 300 Schiffen nach Sicilien. Die Afrikaner hatten deren 400 gegen ihn aufgestellt. Niemals hatten so große Streitmassen zur See sich geschlagen. Lutatius Catulus bestieg das Schiff krank: denn er war in einem früheren Treffen verwundet worden. Im Angesicht von Lilybäum,10 einer Stadt Siciliens, fochten die Römer [34] mit Heldenmuth. 73 Carthagische Schiffe wurden genommen, 125 versenkt, 32,000 Feinde gefangen, 13,000 getödtet: ein unermeßlicher Werth an Gold und Silber fiel in die Hände der Römer. Von der Römischen Flotte waren 12 Schiffe versenkt worden. Diese Schlacht fiel vor den 10. Merz. [J. R. 510.] Alsbald suchten nun die Carthager den Frieden nach, und er ward ihnen zugestanden: die Römischen Gefangenen, welche zu Carthago fest gehalten waren, wurden zurückgegeben. Auch die Carthager baten, die Afrikanischen Gefangenen, welche sich in Römischer Gewalt befanden, loskaufen zu dürfen. Der Senat gab nun Befehl, ihnen Diejenigen, welche sich in öffentlichem Gewahrsam befänden, ohne Lösegeld zuzustellen; für Diejenigen aber, welche Privatpersonen angehörten, sollte den Besitzern ein Lösegeld bezahlt und ihnen dann erst die Rückkehr nach Afrika gestattet werden: dieses Lösegeld sollte aber nicht sowohl von den Carthagern als aus Staatsmitteln bestritten werden.

28 Zu Consuln wurden Quintus Lutatius und Aulus Manlius gewählt. Sie bekriegten Falisci, eine ehemals angesehene Stadt Italiens. Beide Consuln beendigten innerhalb sechs Tagen diese Fehde. 15,000 Feinde wurden niedergemacht, den Uebrigen Frieden verwilligt, doch die Hälfte ihres Gebiets ihnen abgenommen.

Anmerkungen

1 Jetzt Teverone.

2 Die Römer und andere Völker hatten die Sitte, ihre besiegten Feinde unter einem Gestell, das aus 2 aufgerichteten und einem oben quer übergelegten Spieße bestand, hindurchgehen zu lassen, um dadurch ihre völlige Uebergewalt über den Feind darzuthun. Dieses Gestell hieß jugum, Joch.

3 Es war nämlich eine Gesandtschaft nach Tarent geschickt worden, um wegen der Plünderung Römischer Schiffe und der Wegnahme des mit Rom verbündeten Thurii Klage zu führen.

4 Dieses Epirus ist der südliche Theil Albaniens.

5 Epirus gehörte indeß nicht zum eigentlichen Griechenland und war zum Theil von barbarischen Völkerschaften bewohnt.

6 Jetzt Rimini und Benevento.

7 Das Talent hatte verschiedenen Werth. Das Attisch Sicilische betrug 1475 Thaler.

8 Die Liburnier [in Dalmatien] waren gute Seeleute und hatten eine Art beweglicher Schiffe, deren man sich in Seekriegen bediente.

9 Jetzt Aklibia oder Quippia.

10 Jetzt Marsala.

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  • Sueton: Kaiserbiographien
  • Curtius Rufus: Geschichte Alexanders des Großen

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