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De Reditu Suo

Originaltext

Des
Claudius Rutilius Namatianus
Heimkehr

Erster Gesang

Staunen ergreift, o Leser, dich wol, dass entsagen ich konnte

Römischen Gütern so bald, kehrend zum heimischen Strand.

Was ist lang wol für den, der Roma in Treue verehret?

Lang ja dünket uns nicht, was ohne Ende gefällt.

O, wie beneide ich sie, die Seligen, denen zur Heimat

Ruhmvolle Stätte des Glücks Gunst des Geschickes verliehn!

Sie, die dem Adel entstammt, der geehrt den römischen Namen,

Glanz der Geburt mit dem Glanz römischer Grösse vereint.

Denn die der Himmel gesandt, der Tugenden rühmliche Saaten,

Boden zu üppiger Frucht fanden sie nirgend wie hier.

Glücklich auch ihr, die jenen zunächst vom Schicksal begünstigt,

Die auf Latiums Grund bautet den eigenen Heerd.

Steht doch fremdem Verdienst die erhabene Curie offen.

Fremde erachtet sie nicht, die sie als würdig erkannt;

Die senatorischen Rangs sich erfreuen mit ihren Genossen,

Haben am Genius Theil dem sie Verehrung geweiht.

So im mächtigen Bau der umkreiseten Achsen des Erdpols

Sieht der geistige Blick Gottes erhabenes Sein.

Doch mein Loos lässt weilen mich nicht im Land, dem geliebten,

Denn es rufet den Sohn gallische Heimat zurück.

Wol hat verheerender Krieg ihr blutende Wunden geschlagen:

Mitleid heischt sie jemehr jetzt ihr an Schönheit gebricht.

Fern sich halten im Glück von Geschäften, ist leichtes Verschulden;

Helfen, wo Alles im Leid, fordert des Einzelnen Pflicht.

Wirken mit sorgendem Sinn, dem Heerde der Väter gebührt es;

Arbeit eilet zum Ziel, wird sie gefördert vom Leid.

Thöricht wär‘ es fürwahr, der Verluste misachten, der schweren,

Die umsomehr sich gehäuft, weil wir mit Hülfe gesäumt;

Zeit ist’s jetzt auf ödem Gefild, von der Fackel des Krieges

Früherer Zierden beraubt, ländliche Häuser zu bau’n.

Könnten die Quellen zu uns erheben die mahnenden Stimmen,

Könnten Gesträuche zumal reden vernehmliches Wort,

Sicherlich hätten sie schon mit gerechten Klagen gedrängt mich,

Hätten dem eigenen Wunsch helfende Schwingen gelieh’n.

Nun, da gelöst wir sind aus der Stadt, der geliebten, Umarmung,

Sieget der Drang und es ist zaudernde Reise verhasst.

Meerfahrt locket uns an, da das Land nur schlammige Ebne,

Nur unwegsam Gebirg bietet dem Wanderer dar.

Seit der tuscische Strand, seitdem die aurelische Strasse

Feuer erduldend und Schwert getischem Andrang erlag,

Seit nicht Häuser den Wald, nicht Brücken die Ströme bezwingen,

Sicherer ist es fürwahr trau’n der beweglichen See.

Küsse drücken wir noch aufs Thor, das wir zögernd verlassen,

Ungern löst sich der Fuss, heilige Schwelle, von dir;

Weinend bringen der Stadt ein Opfer des Lobs wir und Dankes,

Wird die Stimme uns auch oft von den Thränen gehemmt.

Höre mich, Königin, du, die Schönste der Welt die dein eigen,

Roma, ins selige Reich himmlischer Sphären versetzt!

Höre mich, Mutter der Menschen zumal und Mutter der Götter,

Wer deine Tempel betritt, wähnet dem Himmel sich nah‘.

Dich zu besingen ist Lust, so lang das Geschick es gestattet:

Wer, dem Leben noch blüht, könnte vergessen dich je?

Eher im Undank könnten wir wol misachten die Sonne,

Als der Ehre die dir ziemet verschliessen die Brust.

Gaben gewährest du ja, den Stralen der Sonne vergleichbar,

Breitest sie aus ringsum, wo der Oceanus kreist.

Phoebus, der Alles umfasst, in dir begreifet die Fahrt er,

Lässt sein stralend Gespann steigen und sinken in dir.

Libyens glühender Sand nicht konnte er hemmen den Lauf dir,

Fruchtlos schützte sich mit frostigen Wallen der Bär;

Hoch zu den Polen hinan, soweit sich bewohnet das Land dehnt,

Brach dein tapferer Arm Bahn dir im männlichen Kampf.

Völker in Menge umschlangst du mit Einem Bande der Heimat,

Die das Gesetz nicht gekannt, zwang und erhob deine Macht;

Denn das eigene Recht du gewährtest es frei den Besiegten,

Und es wurde zur Stadt, was da gewesen die Welt.

Mars und Venus vereint, sie verliehn dir himmlischen Ursprung,

Mutter aeneischen Stamms, Vater romulischen Volks;

Kraft, die in Wallen erprobt, verband sich hochherziger Milde,

Kraft wie Milde verlieh dir das erhabene Paar.

Drum mit gleichem Genuss erfüllen dich Kampf und Verzeihen,

Die du gefürchtet besiegst, liebst die Besiegeten du.

Die uns den Oelbaum gab, und den, der die Rebe gepfleget,

Ihn, der als Jüngling den Pflug lenkte, du ehrest sie all;

Die von Paeon gelehrt, sie verdient‘ sich Altäre, die Heilkunst,

Und die veredelte Kraft hob den Alcid zum Olymp.

Siege zugleich für Recht und Gesetz sind deine Triumphe,

Die einst lebten getrennt, eint ein gemeinsamer Bund;

Dich, o Himmlische, ehrt die römisch sich nennet, die Ferne,

Trägt mit friedlichem Joch frei ihren Nacken empor.

Die auf beständiger Bahn am Himmel kreisen, die Sterne,

Nie auf ein schöneres Reich schauten sie stralend herab

Ward wol Aehnliches einst erreicht von assyrischen Waffen,

Oder als Alles umher Mediens Stärke besiegt?

Parthische Könige erst, hierauf Macedonische Herrscher,

Nur in dem Wechsel sieh gleich, gaben der Welt das Gesetz.

Köpfe und Hände nicht mehr als Anderen gab die Natur dir,

Aber es wohnte in dir weise ein hellerer Geist;

Denn im Kriege gerecht, im Frieden nicht fröhnend dem Stolze,

Hast du zu herrlichem Ruhm glänzende Güter erstrebt.

Dass dir die Herrschaft gebührt, gilt mehr als dass sie dir zufiel;

Durch das eigene Thun hebst du dich über das Glück.

Siegsmonumente bei dir, wer zählen sie wollte, vergleichbar

Wär‘ er dem Thörichten, der Sterne am Himmel gezählt.

Tempel in blendendem Glanz erscheinen dem staunenden Auge,

Das zu erblicken vermeint Götter im eigenen Haus.

Wie nun schildert‘ ich sie, die Ströme auf luftigen Bogen

Fernhergetragen zu dir, kühn wie die Iris gewölbt?

Berge scheinen vielmehr zu steigen empor zu den Sternen,

Hellas priese fürwahr solch ein gigantisches Werk.

Flüsse in mächtigem Lauf hast du in die Mauern geleitet,

Kaum zu der Bäder Bedarf reichen die Seen dir aus;

Quellen entspringen dir auch im eigenen Boden, dem reichen,

Rings das Geplätscher vernimmt heimischer Brunnen das Ohr.

Hier labt kühlender Hauch die drückende Schwüle des Sommers,

Während den brennenden Durst lindert das köstlichste Nass.

Einst andrängenden Feind hat gehemmt die siedende Quelle,

Die dem Tarpejischen Fels mächtigen Sprudels entquoll;

Zufall nennt‘ ich es wol, wenn stetig geblieben die Strömung,

Doch sie versiegte sogleich, als sie dir Hülfe gebracht.

Eingeschlossen erblick‘ ich Wälder in deinen Palästen,

Wo die Räume belebt tausender Vögel Gesang;

Nie entsaget bei dir das Jahr dem lieblichen Frühling,

Denn der Winter, besiegt, dienet dem bleibenden Reiz.

Hebe den Lorbeer empor deiner Stirn im Schmucke der Jugend,

Zeige von Locken umwallt, Roma, das heilige Haupt;

Lass‘ ihn stralen den Reif, den thurmgekrönten, der Scheitel,

Lass‘ den goldenen Schild sprühen der Blitze Gewalt.

Sühne mit männlicher That des Geschicks vergängliche Ungunst;

Männlich verachtend den Schmerz, schliesse das blutige Mahl.

Immer im Unglück hast ja erhofft du bessere Zukunft,

Gleich dem Himmel erzielt hast vom Verlust du Gewinn,

Wie die Gestirne erneu’n im Sinken das Feuer des Aufgangs,

Wie man im Wechsel des Monds künftiges Leuchten gewahrt.

Brennus den Sieger ereilt‘ für den Tag an der Allia Strafe,

Samnium büsste im Leid drohende Bündnisse schwer;

Mehrfach besiegt sahst, Siegerin du, entfliehen den Pyrrhus,

Seine Erfolge zuletzt Hannibal selber beweint.

Was da dem Untergang nicht ist geweiht, es hebet aus Tiefen

Bergender Wasser empor sich mit gedoppelter Kraft;

Wie zur Erde geneigt die Fackel verdoppelt die Flamme,

Strebst zu höherem Glanz du nach Verdunklung hinan.

Römischen Zeiten verleih‘ du Gesetze, die nimmer veralten,

Du, die Einzige, nicht fürchte der Parze Beschluss,

Wenn gleich tausendundsechzehnmalzehn dir Jahre dahinfloh’n,

Und das neunte dazu sich ihrem Laufe gesellt.

Die dir bleibt, sie bindet sich nicht an Gesetze, die Zukunft,

Während die Erde besteht, Sterne am Himmel erglüh’n.

Was die Reiche zerstört, die andern, dich hebt es von neuem:

Wachsen im Unglück ist herrliches Wiedererstehn.

Auf denn! Es falle das Volk, das treulos freche, zum Opfer;

Auf, und heisse das Haupt beugen der Geten Geschlecht!

Mögen dir reichen Tribut die bezwungenen Triften gewähren,

Möge die Beute des Feinds füllen den herrlichen Schoos.

Möge dir pflügen der Rhein, der Nil seine Fluten ergiessen,

Seine Ernährerin nun nähren die dankbare Welt;

Africa möge getreu dir senden den Segen der Saaten,

Denen es Sonne, und du Regen gespendet zumal.

Möge dir Latium auch mit Ernten erfüllen den Speicher,

Dich, der Kelter entströmt, laben hesperischer Wein.

Auch der Tiber, mit Schilf bekränzt in Siegesgepränge,

Ebne den reissenden Strom römischer Flotte zu Dienst,

Biete den friedlichen Strand, zu pflegen erspriesslichen Handel,

Wo sieh Länder und Meer brüderlich reichen die Hand.

Oeffne den Pontus mir nun, von den Zwillingsbrüdern besänftigt,

Lass Cytherea die Bahn ebnen die flüssige mir,

Wenn ich genügte der Pflicht, als ich quiritisches Recht sprach,

Als ich ehrend befragt würdiger Väter Verein;

Denn dass nimmer zur Sühne von Schuld das Schwert ich gezogen,

Nicht dem Praefecten, dem Volk hat es zur Ehre gereicht.

Mag, was vom Leben mir bleibt, nun im Heimatlande verstreichen,

Mag ein freundlicher Tag wieder mich führen zu dir,

Glücklicher als ich geahnt, erscheint mein irdisches Loos mir,

Wenn du in kommender Zeit mir die Erinnerung wahrst.

Als ich geendet, begann die Reise; den Freunden, den treuen,

Konnte ich Abschied nicht winken mit trockenem Aug‘.

Während die Andern nach Rom den Fuss nun wandten, verweilte

Noch des Albinus Sohn, Rufius liebend bei mir;

Er, der würdige Spross des volusischen Stammes, des alten,

Der, nach Maros Gesang, Rutulerfürsten entsprang.

Als er noch jung, vertrau’t der Palast seinem Mund, dem beredten,

Seine Beschlüsse zu Recht, seine Befehle der Fürst;

Hatt‘ er doch, kaum zu Reife gelangt, an Stelle des Consuls

Ueber Karthago geherrscht, gleichwie gefürchtet geliebt.

Eifert den Vätern er nach, nicht können entgehen die Fasces

Ihm, dem glänzend Verdienst höchste der Würden verheisst.

Traurig bewog den Säumenden nun ich endlich zur Heimkehr:

Sind die Körper getrennt, bleiben vereint wir im Geist.

Nun zu den Schiffen hinweg, wo dort zur Rechten der Tiber

Wälzt die tiefere Flut seines gedoppelten Stroms,

Denn unnahbarer Sand verbietet zur Linken die Schifffahrt:

Nur des Aeneas Ruhm bleibet dem gastlichen Strand.

Schon hat Phoebus der Nacht vergönnt den weiteren Spielraum,

Blasser gefärbt ist der Pol schon bei der Wage Gestirn;

Sicher erscheinet es nicht, dem Meer zu trauen bei Nachtzeit,

Ankernd im Hafen gereut nicht die verlängerte Frist,

Während den treulosen Schlund aufwühlt die sinkende Pleias,

Bis die zürnende Flut lenket ein milderer Sinn.

Stets noch wendet zurück das Auge zur Stadt sich, der nahen,

Sieht nach den Höhen sich um, die sich ihm schwindend entziehn;

Rings dem inneren Blick erschliesst sich freundliche Landschaft,

Denn sehnsüchtiger Drang täuschet den willigen Sinn.

Nicht am steigenden Rauch erkenn‘ ich den Ort, der die Burgen,

Ragend auf herrschenden Höh’n, erdegebietend umschliesst.

Nennt gleich Vater Homer den Rauch, den leichten, ein Merkmal,

Wo er zum Himmel empor wirbelt vom gastlichen Heerd.

Denn wo ruhmesgekrönt die Hügel sich lieben, die sieben,

Heller erscheinet die Luft, heit’rer des Himmels Gewölb;

Ewig erglänzt ja dort in reinerem Lichte die Sonne

Und für Roma allein doppelt die Stralen der Tag.

Noch zum staunenden Ohr erschallt das Getöse des Circus,

Beifallrauschender Ruf kündet der Bühne Gedräng;

Ist mir doch als trage die Luft mir befreundete Stimmen,

Mag es der Zauber des Triebs, mag es die Wirklichkeit sein.

Fünfzehn Tage erwarteten so die Gunst wir des Pontus,

Bis der wechselnde Mond sicherte ruhige Fahrt.

Scheidend entlasse ich nun zur Stadt und der Studien Stille

Palladius, meines Stamms Hoffnung und Zierde zugleich.

Kürzlich von Galliens Strand war gekommen der treffliche Jüngling:

Römisches Forum soll lehren ihn römisches Recht.

Doppelten Anspruch gab auf liebende Sorge mein Herz ihm,

Der mir war wie ein Sohn, der mir im Blute vereint.

Exuperantius hat, sein Vater, Armoricas Gauen

Nach zerstörendem Kampf Frieden und Ruhe gebracht,

Wiederbelebt das Gesetz und mit dem Gesetze die Freiheit,

Während dem Volke er wehrt, Sklaven von Dienern zu sein.

Nun, da grauet der Tag, nun werden gelichtet die Anker,

Wo von neuem die Flur schimmert im farbigen Schmuck;

Leicht und sicher bewegt entlang sich am Ufer das Fahrzeug,

Welchem der schützende Strand Buchten in Menge gewährt.

Mögen die offene See im Sommer versuchen die Schiffe:

Herbstliche Jahrszeit räth trauen der leichteren Flucht.

Alsium fuhren wir erst vorüber und weiter an Pyrgi,

Wo ein wechselndes Loos Städte zu Villen gemacht;

Dann auf Caeres Gebiet hindeutet der kundige Fährmann,

Einst Agylla genannt, als noch Etrusker geherrscht.

Castrum kommen wir nah‘, durch Jahre und Fluten gealtert,

Wo ein verfallendes Thor führt zum verödeten Ort.

Schützend erhebt sich ein steinerner Gott, die Stirne gehörnet;

Auf der Hirten Geschäft deutet das einfache Bild.

Ob die verzehrende Zeit den Namen der Stätte getilgt hat,

Inuus‘ Veste benennt heute die Sage sie noch;

Sei’s dass als Pan er mänalischen Wald mit tyrrhenischem tauschte,

Sei’s dass er, Faunus benannt, heimische Schluchten bewohnt,

Venus‘ Geboten geneigt wird immer erscheinen der Gott uns,

Der im schaftenden Drang fruchtbaren Samen verleiht.

Centumcellae gebeut zu suchen der heftige Südwind,

Wo ungefährdet der Kiel rastet im schützenden Port.

Mole umschliessen im Kreis das Amphitheater, das feuchte,

Während den Eingang verengt künstlich inmitten ein Fels;

Doppelt erheben auf ihm sich Thürme, und hüben und drüben

Lässt der schmale Canal dringen ins Innere ein.

Noch nicht genügend erschien in der Breite des Hafens die Werfte:

Abzuwehren vom Port selber den leichteren Hauch,

Heben sich Bauten umher, die Wasserfläche umringend,

Dass wie ein Spiegel erscheint glatt die bestaudlose Flut;

Wie in euboeischer See die gefangene Welle dem Schwimmer

Mühlos stützet den Arm in dein gedoppelten Golf.

Suchen die Thermen wir auf, nach dem Stiere benannt, die in dreimal

Tausend Schritten erreicht reichlich belohnen die Müh’.

Nicht vom bittern Geschmack wird verderbt die kochende Quelle,

Nicht vom geschwefelten Dunst wird ihr gefärbet das Nass,

So dass Geruch und Gefühl im Zweifel den Badenden lassen,

Ob hier Trinken, ob auch Schwimmen das Bessere sei.

Hören die Sage wir an, so entdeckte ein Stier die verborg’ne

Quelle, und schenkte der Welt dieses urkräftige Bad,

Während zum Kampfe bereit mit den Hörnern im Felde er wühlte,

Wo ein knotiger Stamm seine Begierde gereizt;

Falls nicht ein Gott, der geborgt des Stieres Gestalt und die Waffe,

Länger dem Boden den Schatz nicht zu verbergen erlaubt,

Wie, zu erfreu’n sich am Raub, an Agenors Tochter begangen,

Er die vertrauende Maid über die Fluten entführt.

Nicht für die Griechen allein giebt’s himmlische Zeichen und Wunder:

Unter dem Hufe des Pferds Helikons Quelle entsprang;

Aehnlicher Ursprung ward zu Theil den Wassern der Nymphen,

Wie nach dem göttlichen Ross sich Hippokrene benennt.

Anderen Quellen, geweiht den Musen, vergleichet im Liede

Rühmend Messalla den Ort, den er in Versen besang,

Die, an die Pfosten gefügt, die heil’gen, erfreu’n den Besucher,

Den, wenn von dannen er geht, gerne sie hielten zurück.

Er ist’s, der den erhabenen Stamm vom ersten der Consuln

Herzuleiten vermag, denken Publicolas wir;

Er, der mit Fülle der Macht als Haupt dem Praetorium vorstand,

Höher durch geistige Kraft, fliessende Rede gestellt;

Er, der uns schaffend gelehrt, was dem Worte gebührt, dem beredten,

Welchem der innere Werth höhere Weihe verleiht.

Schon hat geröthet den Saum am Morgenhimmel das Zwielicht,

Als, zu fangen den Wind schräge das Segel gespannt,

Fern wir uns halten dem Strand, wo seicht der Munio mündet,

Der unsicher das Meer macht bei dem engen Erguss.

Jetzt sich zeigen dem Blick Graviscaes spärliche Dächer,

Denen verpesteten Hauch sendet im Sommer der Sumpf;

Doch die Umgebung bedeckt der Waldung grünendes Laubdach,

Wechselnde Schatten aufs Meer spielend die Pinie wirft.

Cosas Mauern sodann, die verfallenen, sehen wir ragen,

Wo kein Hüter das Haus, liegend im Schutte, bewacht.

Ernsteren Dingen geweiht nur ungern denk‘ ich der Ursach‘

Solchen Ruins, doch es weckt Lachen was lächerlich ist.

Einst, so heisst es, die Stadt, die augestammte, zu meiden

In unrühmlicher Flucht, zwangen die Ratten das Volk.

Lieber vernähm‘ ich fürwahr vom Geschick der Pygmäencohorte

Oder vom Kranichenkampf, zwischen den Brüdern entbrannt.

Fern nicht winket der Port, der benannt nach Hercules‘ Namen,

Während der schwächere Wind kündet das Scheiden des Tags.

An des Lepidus Flucht, die rasche, nach sardischem Strande

mahnen bei trautem Gespräch Spuren des Lagers uns hier.

Denn an Oosas Gestad‘ vertrieb mit Catulus‘ Führung

Heldenmuthigen Sinns Roma den Bürger und Feind.

Schlimmer der Andere war, der Lepidus, der mit den beiden

Herrschaftsgenossen vereint frevelnd die Heimat bedrängt,

Der, die bei Mutina neu im Kampf war errangen, die Freiheit

Hat zum Entsetzen der Stadt wieder mit Wallen erstickt.

Noch ein Dritter versucht‘ heimtückisch zu stören den Frieden,

Bis der Schuldigen Loos, das er verdient, ihn ereilt.

Wie sich der Vierte verfängt zu erschleichen caesarische Herrschaft,

Hat des verbotenen Bunds rächende Sühn‘ ihn gestraft.

Heute noch … doch es geziemt das Urtheil lassen der Nachwelt,

Einst zu verklagen nach Recht Thaten des schlimmen Geschlechts!

Sind es Sitten die so sich verketten mit einzelnen Namen?

Sind es Namen vielmehr, die sich mit Sitten vereint?

Wie dem sei, fast wunderbar scheint’s in Romas Annalen,

Dass solch Uebel aufs neu unter der Sichel ersteht.

Schon versuchen das Meer wir bevor entwichen die Schatten,

Von nachbarlicher Höh‘ wehet ein günstiger Wind.

Weithin tritt in die Flut das Argentarische Berghaupt,

Rundend im Meere sich ab mit dem gedoppelten Joch.

Sechs nur Millien misst in der Breite die hüglichte Gruppe,

Sechsunddreissig im Kreis bietet den Wellen der Strand;

Gleichwie die Zwillingsflut weithin der korinthische Isthmus

Doppelt umspület getheilt in der Ionischen See.

Mühsam windet die Fahrt um des Ufers zerrissene Kuppen,

Die vorspringend ins Meer heischen besonnene Hand;

Denn es wechselt der Wind mit stets veränderter Richtung,

Hier das Segel uns nutzt weiter erschwert es den Lauf.

Igilium nun betracht‘ ich vom Bord mit den waldigen Höhen:

Lob in reichlichem Maass wahrlich der Insel gebührt.

Ist es der Lage Verdienst, ist’s Glück das treu dem Gebieter,

Sicher bei drohn’der Gefahr hat sie ihr Ufer geschützt,

Hat, zu erreichen so leicht, widerstanden den siegenden Waffen,

Gleich als schlösse des Meers weiteste Ferne sie ein.

Flüchtlinge aus dem verwüsteten Rom, hier fanden sie Zuflucht,

Fanden hier sichere Ruh‘ nach überstandener Angst.

Selber das Meer hat wider Natur gefährdet der Reiter,

Der, wie zu Lande, zu Schilf führte den doppelten Krieg.

Wunderbar zeiget sich hier, im wechselnden Kampfe, der Hafen:

Wie er den Römern so nah, bleibet den Geten er fern.

Jetzt an der Mündung sind wir des Umbro, des stattlichen Flusses,

Der dem schwankenden Schiff ruhigen Ankerplatz beut;

Stets so öffnet bereit sich den wallenden Fluten das Bette,

Wird vom Sturme gepeitscht heftig die offene See.

Gerne beträte ich hier das friedlich winkende Ufer,

Aber der Schiffer Begehr ladet zur Eile mich ein.

Doch so der Wind wie der Tag, sie lassen uns beide im Stiche,

Vorwärts kann nicht der Fuss, kann sich nicht wenden zurück.

So auf dem Sand des Meeresgestads erwarten den Schlaf wir,

Nahrung nächtlichem Feu’r bietet ein Myrtengehölz;

Fest in den Boden gerammt die Ruder stützen die Zelte,

Denen zu halten das Dach dienet die Stange des Schiffs.

Tag ist’s. Während wir ziehn, scheint’s fast als lägen in Ruh‘ wir,

Aber der scheidende Strand zeigt die Bewegung des Kiels.

Ilva erscheint nun, der Welt bekannt durch Chalybererze,

Reichlicher noch als uns Norischer Boden sie beut.

Fülle wie diese gewähren ja nicht biturigisehe Oefen,

Nicht der gewicht’ge Ertrag, sardischen Erzen entströmt.

Nützlicher ist sie der Welt, des Eisens fruchtbare Mutter,

Als tartessischer Sand leuchtend vom Tagus gerollt.

Gold ist ja der verderbliche Grund von Verbrechen und Lastern,

Sucht nach Golde verderbt jegliches bess’re Gefühl;

Goldene Spende verhöhnt des Ehbunds keusche Bewahrung,

Wie jungfräulichen Schoos goldener Regen erkauft.

Nicht dem Gold widersteht die Treue der städtischen Wehren,

Gold bewährt seine Macht in der Comitien Raum.

Eisen bebauet das Land, das brach lag traurigen Anblicks,

Mittel auch reichte zuerst Eisen zum Leben uns dar;

Frei von blutigem Krieg überwanden die mythischen Zeiten

Stark mit Eisen bewehrt reissende Thiere des Walds;

Selber zu friedlichem Werk genügte dem Menschen die Hand nicht,

Wenn nicht eisern Geräth künstliche Hände ihm beut.

So im Sinnen beschwor ich die lästige Musse der Seefahrt,

Während eintöniger Ruf rings von den Schiffern erscholl,

Bis das säumige Boot zum Landen Faleria einlud,

Stand gleich leuchtend und hoch Phoebus am Himmelsgewölb.

Rings auf ländlicher Flur ergötzt‘ sich die singende Menge,

Scheuchte die Mühe des Tags Feier geheiligten Spiels.

Denn es war ja das Fest, an welchem verjünget Osiris

Lustige Keime der Frucht harrenden Saaten gewährt.

Landend begeben zur Villa wir uns, lustwandelnd im Haine,

Wo ein umschlossener Teich liebliche Frische gewährt,

Während, nach aussen geschützt, in der Tiefe das ruhige Wasser

Frei sich zu tummeln erlaubt Fischen im fröhlichen Spiel.

Doch der Gebieter des Orts misgönnte die freundliche Rast uns.

Schlimmer als Antiphates seine Besucher empfing;

Denn es hatte zur Pacht ein grämlicher Jude die Villa,

Einer vom Vieh, das schnöd‘ menschliche Speise verschmäht.

Niedergetretenes Gras und gebrochene Zweige verklagt er,

Gönnt das Wasser uns nicht, das wir am Quelle geschöpft.

Schmähung, gebührende, ward von uns dem verruchten Geschlechte,

Das nach des Knaben Geburt blutig das Messer gebraucht,

Das, mit der Thorheit im Bund, seine traurigen Sabbathe feiert,

Kalt der Glaube des Volks, kälter das innerste Herz;

Zur entehrenden Ruh verdammt den siebenten Tag es,

Gleichsam ein weibisches Bild von dem ermüdeten Gott.

Nicht das unmünd’ge Geschlecht nimmt an, so denk‘ ich, die Lügen

Sklavenverkäufern entlehnt, die ihm der Aberwitz reicht.

O dass Roma doch nie unterworfen sich hätte Judaea,

Dass Pompejus es nie, Titus es hätte bekämpft!

Schleicht ja das Gift der beendeten Pest stets weiter im Stillen,

Wie das bezwungene Volk seine Besieger besiegt.

Rauh weht Boreas uns entgegen, doch müh’n mit dem Ruder

Wider ihn tapfer wir uns, während noch leuchtet der Tag;

Sicher empfängt uns hier Populonias schützende Stätte,

Wo ins Ufer hinein schneidet natürliche Bucht.

Nicht lässt künstliche Wehr‘ am Strand zum Himmel den Pharus

Kühn anstreben, der Nacht ferne zu senden das Licht,

Sondern der mächtige Fels, der scharf die Fluten zurückweist,

Trägt Jahrhunderte schon weithin ersichtlich ein Mal;

Doppeltem Zwecke zu Dienst erhebt auf dem Scheitel die Burg sich,

Schutz für die Küste, Signal auf der bestandlosen See.

Ringsum spähst auf der Höh‘ du umsonst nach den Werken der Vorzeit:

Selber den schirmenden Kreis haben die Jahre verzehrt;

Mauern gewaltigen Baus versanken in formlose Trümmer,

Wohnungen, glänzend vordem, liegen begraben in Schutt.

Drum lasst klagen uns nicht, wenn menschliche Leiber zerfallen,

Während im Wechsel wir sehn sterben die Städte dahin.

Hier erreichet das Ohr aus Rom erfreuliche Kunde,

Fast zum Tiber zurück hätt‘ ich die Schritte gelenkt.

Eben, so hiess es, ward das erhabene Amt des Praefecten

Dir, dem geliebtesten Freund, deinem Verdienste verliehn.

Gerne vertraute ich hier dem Gesänge den eigenen Namen,

Lehnte nicht spröde der Vers wider die Sylben sich auf;

Doch wie dein Stamm sich benennt, schon lang‘ dem gewogenen Leser,

Rufius, theuerster mir, hat es verkündet mein Lied.

Möge der glückliche Tag. der einst das Haus mir veredelt,

Mir die Pfosten auf’s neu festlich bekränzen mit Laub;

Möge das grüne Gezweig‘ gemeinsame Freuden bezeichnen,

Denn einem Theil meiner selbst wurde die Ehre vergönnt.

Mir hat ein günstig Geschick verliehen gedoppelte Würde,

Da es erhoben den Mann, dem ich’s vor allen gewünscht.

Rasch nun geht mit dem Segel die Fahrt bei wehendem Nordwind,

Kaum dass am Himmel erscheint Eos mit ros’gem Gespann.

Corsica tauchet empor mit seinen Gebirgen, den dunkeln,

Hebt in das schattige Grau wolkenumlagerte Höh’n.

So entziehet der Mond die freundlich leuchtende Sichel

Spähendem Aug‘ und birgt wieder das schwindende Licht.

Wo sich verenget das Meer, erzählt die erfindende Fabel,

Wie in entlegener Zeit nach dem cyrnaeischen Strand

Schwamm von dem Festland her eine Rinderheerde, gefolget

Rasch von dem muthigen Weib, Corsa mit Namen genannt.

Schon aus höherer See steigt auf Capraria, wo sich

Lichtscheu birgt ein Geschlecht, Dunkel verbreitend umher.

Mönche benennen sie sich mit griechisch gebildetem Worte,

Weil sie, scheuend Verkehr, einsames Leben gewählt.

Fürchtend den Wechsel des Glücks verschmäh’n sie seine Geschenke:

Wer, das Uebel zu fliehn, weihet dem Uebel sich selbst?

Wahrlich, ein krankes Gehirn nur kann ersinnen die Thorheit,

Die dem Genüsse entsagt, weil sie Verluste besorgt,

Sei’s dass auf Götterbefehl verhängt seine Strafen das Zuchthaus.

Sei’s dass erkrankend der Leib schwarz von der Galle sich bläht,

Gleichwie der Sänger Achills herleitet von solcher Bedrängniss,

Die umnachtet den Geist, Bellerophontische Qual:

Krankheit, so heisst es, bethört‘ mit verzehrendem Schmerze den Jüngling,

In wahnsinnigem Gram hassend der Menschen Geschlecht.

In Volaterras Gebiet, wo Vada der richtige Name,

Lenken wir, nahe dem Strand suchend die sichere Furt;

Ringsum spähet mit Fleiss am Vordertheile der Wächter,

Mahnt mit tönendem Ruf ihn, der das Steuer regiert.

Links wie rechts in den Boden gerammt zwei Reihen von Pfählen

Schliessen den Fahrweg ein, führend zum tieferen Port.

Fromm die Sitte gebeut mit Lorbeerzweigen die Schranken

Auszuschmücken, mit stets sprossendem Blatte und Bast;

So, wo die schlammige Flut dem Schiffe gestattet die Durchfahrt,

Immer ergrünendes Laub deutet die richtige Bahn.

Anzulegen gebeut uns hier ein herrischer Nordwest,

Wie ehrwürdigen Wald stürmisch zu fegen er liebt;

Kaum gewähren uns Schutz beim Regen die Räume der Villa,

Die nicht ferne vom Strand meinem Albinus gehört.

Mein ist er, den nach mir zum Amte die Stadt sich erkoren,

Als in der Toga nach mir Recht er gesprochen dem Volk;

Ehe das Alter sie gab, verlieh sein Verdienst ihm die Würde,

Blühend in frischester Kraft war er an Reife ein Greis.

Gleiche Gesinnung vereint‘ uns zuerst in willkomm’ner Begegnung,

Freundschaftsbündnisse dann zogen das festere Band;

Als er siegen gekonnt, vergönnt‘ er das ehrende Amt mir,

Während ihm Liebe zu dem. der ihm vorausging, gefrommt.

Unter der Villa, gewandt zum Meere, besucht‘ die Salinen

Gerne ich nun: so benennt dort man den salzigen Teich,

Wo landwärts sich ergiesst die Flut in gesenkten Canalen,

Deren Geäder den Raum, vielfach getheilet, benetzt.

Doch wenn mit sengendem Stral der gefürchtete Sirius aufzieht,

Welk hinsinket das Laub, durstet die ächzende Flur,

Hemmen die Schleusen alsbald dem strömenden Wasser den Zufluss,

Lassen den schlammigen Grund dörren im sonnigen Brand.

So gestaltet sich nun durch Phoebus‘ Walten die Scholle,

Welcher der Hitze Gewalt festere Kruste verleiht.

Andres ist’s nicht, wenn zu Eise gefriert der greuliche Ister,

Wenn der Wagen Gewicht traget der starrende Strom.

Wer der Natur Geheimnisse prüft, er löse mir dieses:

Wie der nämliche Grund Folgen so ungleich erzeugt;

Wasser vor Kälte erstarrt, dort schmilzt’s an den Straten der Sonne,

Während das Flüssige hier unter der Sonne erstarrt.

Wie so oft doch gebiert uns Glück was Uebel uns dünkte!

Freundliche Weile gewährt mir der gehässige Sturm.

Er, dem mein Herz ist geweiht, Victorinus weilet am Orte;

Unsre Begegnung so diente gemeinsamem Wunsch.

Auszuwandern gebot ihm Tolosas Verlust, und er wählte

Andere Heimat sich an dem etruskisehen Strand.

Nicht im Unglück allein erglänzet jedoch seine Weisheit,

Denn gleichartigen Sinn zeigt er in günst’gem Geschick;

Seine Verdienste der Ocean kennt, wie Thule die ferne,

Wie vom Briten gepflügt, von dem unbänd’gen, die Flur.

Denn die weise Gewalt, die er übt‘, des Praefecten Vertreter,

Warb, wo immer er weilt‘, Liebe ihm dauernd als Pfand.

Freilich liegen uns fern die Länder, regiert von dem Guten,

Doch inmitten von Rom schien er Verwalter zu sein;

Löblicher ist es dem Mann, wenn Segen ihm spenden die Völker,

Denen, die schwelgen im Glanz, selten Beachtung gezollt.

Neulich zur Würde ernannt der Grafen des Kaiserpalastes,

Zog er den ländlichen Sitz solcher Beförderung vor.

Widrige Winde vergass ich leicht in seiner Umarmung,

Der das Vaterland halb wiederzugeben mir schien.

Schon mit dem Doppelgespann war erschienen Aurora die heit’re,

Als zu hissen die Raan mahnte vom Strande der Wind.

Kaum bewegte der Hauch, der sanfte, am Spiegel die Flagge,

Nur zur Hälfte gefüllt zittert das Segel am Tau.

Rings von der See, der hohen, umspült erhebet sich Gorgon,

Pisa zur Rechten erscheint, links der Cyrnaeische Strand.

Wie ist die Klippe verhasst, die mich mahnt an kläglichen Schiffbruch!

Hier stieg neulich hinab lebend ein Bürger ins Grab.

Jung, von edlem Geschlecht, mit irdischen Gaben gesegnet,

Glücklich im ehlichen Bund stand er in unserem Kreis;

Doch von den Furien gepeitscht verliess er Menschen und Götter,

Suchte im Wahnwitz hier sich ein unwürd’ges Asyl,

Glaubt unselig im Schmutz zu fördern die himmlischen Dinge:

Mehr als göttlicher Zorn quält er sich selber fürwahr.

Ist circaeisches Gift unschuldiger nicht als die Secte?

Jenes verwandelt den Leib, diese verkehret den Geist.

Wenden wir nach Triturrita uns hin, nach der Villa am Strande,

Abgewonnen der Flut, gleich einer Insel versteckt;

Denn es trägt sie der künstliche Damm aus Felsen geschichtet:

Wer das Haus sich gebaut, baute zuerst sich den Grund.

Nahe bewundre ich hier den Hafen, der, rühmlichen Namens,

Reich an Schätzen der See dient den Pisanern zum Markt.

Staunen erwecket der Ort. Mit der Wogen gewaltigem Anprall

Sämmtlichen Winden ein Ziel, dehnt sich der offene Strand,

Denn es schützen ihn nicht die gerundeten Arme der Mole,

Vor der aeolischen Wuth sichernd den hinteren Raum.

Hier sind einzige Wehr‘ die im Grunde wuchern, die Algen,

Die sich biegen gelenk ohne zu schaden dem Kiel;

Während entgegen sie sich dem Andrang stemmen der Wellen,

Mindern des Wassers Gewalt sie in dem inneren Port.

Eurus der helle verhiess mir nun bequemere Seefahrt,

Hätte nicht Protadius sehnlich zu seh’n ich gewünscht.

Wer zu erkennen ihn strebt am Merkmal sicherer Zeichen,

Lasse der Gaben Verein leuchten dem geistigen Blick.

Mag sich bemühen die Kunst ihn zu malen mit glänzenden Farben,

Nicht übertrifft sie das Bild, welches sein Handeln uns beut.

Fernhin kündet uns schon sein Auge, das sichere, Klugheit,

Welcher im höheren Maass Sinn für das Recht sich vereint.

Dünket das Lob dich zu viel, das Gallien zollt seinem Bürger,

Zeugniss leiste dann Rom, das des Praefecten gedenkt.

Umbrien bot ihm bescheid’nen Besitz anstatt des ererbten,

Stetig das wechselnde Glück machte der treuliche Sinn.

Vormals reich und heute beschränkt, dem kräftigen Geiste

Scheint es dasselbe, wie einst viel ihm als wenig erschien.

Die der Könige Herr’n, sie besassen unscheinbaren Acker,

Als Cincinnate gebar, lenkend die Stiere, die Flur;

Minderes Lob verdient solch Thun am heutigen Tag nicht,

Als des Regulus Pflug oder Fabricius‘ Heerd.

Während das Fahrzeug noch ausruht am sicheren Orte,

Geh‘ nach Pisa, der Stadt ich auf betretenem Weg;

Rosse mir giebt und Wagen bestellt zu Dienst der Tribun mir,

Den ich als Freund mir erwarb in dem gemeinsamen Dienst,

Als mir die Sorge vertraut des kaiserlich glänzenden Hofstaats,

Ich der Beherrscher zumal schützender Wache gebot.

Nun betracht‘ ich die Stadt, die alte, alphaeischen Ursprungs,

Die im gedoppelten Strom Arnus und Ausur umziehn.

Zur Pyramide gespitzt ist der Grund, wo sich einen die Flüsse,

Schmal dem Nahenden nur bietet der Boden sich dar;

Doch den Namen bewahrt allein im gemeinsamen Bette

Arnus, und mündet ins Meer nun in erbreitertem Strom.

Längst eh‘ Gunst des Geschicks auf den Stamm der Gebieter Laurentums

An dem latinischen Strand Troias Penaten gepfropft,

Nahm Etrurien auf, von Elis gesendet ihm, Pisa;

Dass es Hellas entstammt, deutet der Name noch an.

Hier nun beut meinem Blicke sich dar das Bildniss des Vaters,

Das auf städtischem Markt ihm die Pisaner geweiht.

Thränen entlockt mir das Lob, das gezollt dem theuren Verklärten:

Netzte die Wange mir doch Freude mit Wehmuth gemischt.

Denn mein Vater gebot vordem den tyrrheniselien Gauen,

Als sechs Fasces das Amt, das er verwaltet, verlieh.

Immer gedenke ich dran, wie er in der Fülle der Ehren

Sämmtlichen Wurden voran stellte sein tuscisches Amt,

Wie die Verwaltung nicht der Spenden der fürstlichen Grossmuth,

Nicht der Rang der Quaestur lieber ihm waren als dies;

Selbst des Praefecten Gewalt, die hohe, er schätzte sie minder,

Als die Liebe die ihn dauernd an Tuscien band.

Ja, er täuschte sich nicht, denn es blieben ihm hold die Erprobten;

Beiden zum Lobe gereicht, was sie verkündet von ihm:

Dass Standhaftigkeit er mit Milde gepaart, es berichten

Aeltere, die ihn gekannt, gerne dem Jüngern Geschlecht.

Dass ich in Ehren dem Vater gefolgt, sie lieben’s zu hören,

Nehmen mit achtem Beweis doppelter Freude mich auf.

Dann auch als die Flaminische Flur ich wandernd dahinzog,

Lebt‘ an des Vaters Verdienst dankend Erinnerung noch.

So wird Lachanius in den Reih’n seiner Tibergebornen

Heute vom lydischen Volk gleich einem Gotte geehrt.

Dankbar bewahret das Land die Sitten noch heute, die alten,

Während es, redlichen Sinns, gute Verwalter verdient,

So wie Decius jetzt, des Lucillus würdiger Sprössling,

Segen verbreitend umher Corythus‘ Fluren beherrscht;

Wundern darf es dich nicht, wenn, wiedergeboren im Sohne,

Glücklich der Vater am Ruhm seines Erzeugten sich freut.

Wenn er sich spielend ergeht in der Schärfe satirischer Dichtung,

Turnus an Witze ihn nicht, nicht Juvenal ihn erreicht.

Wieder belebt er die ältere Zucht mit censorischer Feile:

Wenn er die Schlimmen bedrängt, giebt er den Tüchtigen Muth.

Hat er nicht einst nach strengem Gesetz, als Verwalter des Schatzes,

Die ihn umlagerten rings, grause Harpyen verjagt?

Jene Harpy’n die die Welt mit der Spitze der Krallen zerfleischen,

Die mit dem Leime des Fangs was sie berühren erfasst,

Schielend den Argus gemacht, das Auge geblendet dem Lynceus,

Die wir sehen umher fliegen bei offenem Raub?

Aber es hat Lucillus getrotzt briarëischem Diebstal,

Hat mit der einzigen Hand zahllosen Händen gewehrt.

Nach Triturrita zurück von Pisas Mauern gekehret,

Freundlichem Notus gab gerne das Segel ich preis,

Als mit jäher Gewalt ein Wetter den Plimmel verdunkelt,

Aus dem geborst’nen Gewölk sendend der Blitze Geschoss.

Weile gebietet es uns. Wer möchte bei nahenden Sturmes

Wahnsinnschnaubender Wuth trotzen der tobenden See?

Die von dem Meere geboten uns ward, die Müsse, wir weihen

Sie im benachbarten Wald körperbelebender Jagd.

Was zum Waidwerk gehört, mir gewährt es der Pächter der Villa,

Leiht die Hunde dazu, kundig der Fährte des Wilds.

Bald der vereinten Gewalt von Waffen und fangenden Netzen

Fällt ein Eber, so scharf immer sein Hauer geblitzt,

Dem zu begegnen gescheut Meleager sich hätte, der Starke,

Den in der Schlingen Gewalt Hercules nimmer gefasst.

Laut dann weckte das Hörn der Höh’n antwortende Stimmen

Und bei heiterm Gesang dünkte die Beute uns leicht.

Aber es lässt nicht ab mit den Flügeln, den nassen, der Südwind,

Mit pechschwarzem Gewölk uns zu verwehren den Tag.

Schon am Himmel im Ost verschwanden die feuchten Hyaden,

Winterlich hat schon verhüllt Regen des Hasen Gestirn,

Das mit bescheidenem Glanz und gewaltigen Fluten heraufsteigt,

Mahnend das harrende Schiff, nicht zu verlassen den Port

Denn er bleibt in der Näh‘ des Sturmverkünders Orion,

Triefende Beute entflieht rasch er dem glühenden Hund.

Gelb von dem Sand, den auf es gewühlt, erblickten das Meer wir,

Das rings über den Strand wild seine Wogen ergiesst,

Wie der Ocean sich in die Mitte der Fluren hineindrängt,

Furchen, die bald er verlässt, füllend mit wandernder Flut,

Sei’s dass er über uns rollt, wenn ihm wehrt ein anderer Welttheil,

Sei’s dass der wäss’rige Dunst leuchtende Sterne ernährt.

Zweiter Gesang

Noch war nicht lang mein Gesang, nicht mehre der Bücher umfassend,

Tadel träfe mich kaum, hätt‘ ich ihn weiter gedehnt;

Doch es ergriff mich Furcht, dass Ermattung werde der Arbeit

Folgen, der Leser vom Werk wenden erschrocken sich ab.

Oft ja erwecket ein Mal, wenn die Speisen nicht enden, den Ekel,

Lieblicher löschet den Durst, massig geschlürfet, das Nass.

So im beschriebenen Stein, der die Meilen verzeichnet, der Wandrer

Rast zu gewahren vermeint auf der ermüdenden Bahn.

Im zweitheiligen Band versuch‘ ich die Scheu zu bemeistern,

Während zu tragen sie wär‘ Einmal mit besserem Fug.

Endlich ein Ende sie nahm, die regenbeschwerte Belag’rung,

Aus dem pisanischen Port ging es zu weiterer Fahrt;

Lächelnd empfängt mit gekräuselter Fläche die See uns, die hohe,

Um die Schiffenden tönt leises Gemurmel der Flut.

Schon sich senkend erscheint die Apenninische Kette,

Thetis erbebend im Zorn drängt sie mit luftiger Höh‘.

Wer mit dem Blicke sich sehnt, Italia, Herrin der Dinge,

Ganz zu umfassen, im Geist bildend sich ihre Gestalt,

Wird die ländliche Form vergleichbar finden dem Eichblatt,

Dem ein doppeltes Band enge die Seiten umfasst.

Tausend der Mühen schätzt man wol die Länge, gemessen

Von dem ligurischen Land bis zu Siciliens Phar;

Buchten, nicht wenig an Zahl, hat die See sich gewühlt in der Breite,

Hier die tyrrhenische Flut, salzig die Adria dort.

Da wo das schmalere Land die näheren Meere geschieden,

Hundert und dreissig allein rechnet der Millien Zahl,

Schräge erstreckt zwischen doppeltem Meer sich das Mittelgebirge,

Wo uns bringet den Tag Phoebus und wieder ihn holt;

Gegen Dalmatiens See ist gewendet die östliche Flanke,

Während die westliche sich hart an die tuscische drängt.

Nehmen wir an, dass ein hoher Verstand die Welt hat erschaffen,

Dass nach göttlichem Rath wuchs der gewaltige Bau,

Thürmte zu Latiums Schutz er den Apenninischen Bergwall

Der mit dem mächtigen Damm schwer sich der Strasse bequemt.

Denn so fürchtete Neid die Natur, dass nicht ihr der Alpen

Bollwerk gegen das Droh’n nordischer Feinde genügt;

Wie sie die edelsten Theile des Leibs mit doppelter Hülle,

Hat sie ihr köstlichstes Werk zwiefach beschützend gewahrt.

Vor dem Entstehen verdient‘ der Götter erhabene Sorge,

Seiner Erhaltung geweiht, schon das zukünftige Rom.

Drum war schlimmer fürwahr des verräth’rischen Stilicho Walten,

Welcher die Feinde des Reichs liess in das Heiligste ein:

Sinnend im grausamen Hass auf des römischen Stammes Verderben,

Wälzte das Höchste er frech, wälzte das Niedrige um.

Während er fürchtete selbst, wodurch er mit Furcht sich umgeben,

Rief er zu Romas Ruin fremde Geschosse herbei,

Barg in dem wehrlosen Schoos den Gegner, zum Kampfe gerüstet,

Die ihm erwünschte Gefahr mehrend durch listigen Trug.

Rom stand offen durch ihn den Trabanten, in Felle gekleidet,

Eh‘ ihm nahte der Sturm, war es genommen bereits.

Getischer Waffen Gewalt, noch genügte sie nicht dem Verräther:

Was die Sibylle berieth, hat er den Flammen geweiht.

Würdig des Hasses erscheint Althaea, verbrennend das Holzscheit,

Nisus‘ goldenes Haar schüchtern die Lerche beklagt,

Aber des ewigen Reichs schicksalbeherrschende Pfänder

Wollte zu sicherm Ruin Stilicho Roma entziehn.

Nero bleibe fortan verschont von des Tartarus Qualen:

Den er an Schuld nicht erreicht, duldet nun stygischen Brand.

Jener verletzt‘ eine Sterbliche nur, die Unsterbliche Dieser,

Jener die ihn gebar, Dieser die Mutter der Welt.

Doch es schweifet zu weit die Zunge, und wieder zur Reise,

Welche beschreibt der Gesang, führt der betretene Weg.

Flüchtigen Laufes gelangen wir bald zu schimmernden Mauern,

Luna die leuchtende hat ihnen den Namen gelieh’n.

Lilienweisse beschämt mit der Farbe der heimische Marmor,

Welchen im lieblichen Spiel leichtes Geäder verschönt.

Reich ist das Land am edlen Gestein schroffsteigender Berge,

Das mit dem Glänze des Schnees eifert im glücklichen Streit.

Highlights

  • Anonyme Kaisergeschichte
  • Sueton: Kaiserbiographien
  • Curtius Rufus: Geschichte Alexanders des Großen

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