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Epitome

Erstes Buch

Romulus, Roms erster König

(V. E. R. 26 V. Chr. G. 776)

[L] (1) [36] Das Römische Volk hat binnen siebenhundert1 Jahren, von König Romulus bis auf Cäsar Augustus, eine solche Masse von Thaten im Krieg und Frieden verrichtet, daß, Wer die Größe seiner Herrschaft mit den Jahren vergleicht, glauben möchte, sein Alter reiche weiter hinauf. (2) Es hat seine Waffen so weit und breit auf dem Erdkreis umhergetragen, daß die Leser seiner Geschichte nicht die Schicksale eines einzigen Volkes, sondern des Menschengeschlechtes kennen lernen. Denn es ward in so vielen Mühseligkeiten und Gefahren umhergetrieben, daß Heldenmuth und Glück im Wettstreit begriffen schienen, seine Herrschaft zu gründen. (3) So lohnend es nun aber ist, auch dieses Volk, wie andere, in den einzelnen Zügen seiner Geschichte kennen zu lernen, so bin ich doch, weil hier die Menge der Thatsachen sich selbst im Wege steht, und die Verschiedenheit der Begebenheiten den Blick des aufmerksamen Beobachters zerstreut, gesonnen, nach der Weise des Künstlers, der Länderabrisse entwirft, zu verfahren, und sein ganzes Bild in einen kleinen Rahmen zu fassen, in der Hoffnung, ich werde einen nicht werthlosen Beitrag zur Verherrlichung des ersten [37] Volkes liefern, wenn ich auf einmal und an ihm selbst2 seine Gesammtgröße darstelle. (4) Stellt man sich nun unter dem Römischen Volke einen Menschen vor, und durchgeht man seine ganze Lebensdauer, wie es entstanden, wie es herangewachsen, wie es in die Blüthe des Mannesalters getreten, wie es später gleichsam gealtert ist, so wird man vier Stufen und Fortschritte einer Entwicklung gewahr werden.3 (5) Sein erstes Alter, unter den Königen, dauerte beinahe zweihundert und fünfzig Jahre,4 wo es, unmittelbar um die Mutter weilend, mit den Nachbarn im Kampfe lag. Dieses soll seine Kindheit seyn. (6) Das Folgende umfaßt einen Zeitraum von zweihundert und fünfzig Jahren, von dem Konsulate des Brutus and Kollatinus bis auf das Konsulat des Appius Klaudius und Quintus Fulvius, wo es Italien unterjochte. Dieses war eine Zeit hochbewegt durch Helden und Waffenkämpfe. Man möchte sie deßhalb das Jünglingsalter nennen. (7) Von diesem Zeitpunkt an bis auf Cäsar Augustus sind es zweihundert Jahre, in denen er dem Erdkreis den Frieden schenkte. Dieß ist das Mannesalter, so zu sagen die gereifte Stärke der Römischen Herrrschaft. (8) Von Cäsar Augustus bis auf unsre Zeit sind es wiederum beinahe zweihundert Jahre, wo es die Unthätigkeit der Cäsarn altern und hinschwinden [38] ließ. Nur unter dem Fürsten Trajanus rührt5 es seine Arme, und das Greisenalter des Reiches grünt gegen alles Erwarten von neuem auf, als wäre ihm seine Jugend wieder geschenkt.

1 [L] (1) Jener erste Stifter der Stadt und des Reichs war Romulus,6 von Mars erzeugt mit Rhea Silvia. (2) So viel bekannte die schwangere Priesterin von sich selbst, und bald setzte es die Sage außer Zweifel, da Romulus, auf des Amulius Geheiß sammt seinem Bruder Remus in den Fluß geworfen, dennoch nicht ertränkt werden konnte. (3) Denn theils hemmte Tiberinus die Strömung; theils ging eine Wölfin, ihre Jungen verlassend, dem Gewimmer der Kinder nach, säugte sie, und vertrat Mutterstelle.7 So fand sie der Hirt der königlichen Heerde8 an einem Baume liegend; er trug sie in seine Hütte und zog sie auf. (4) Alba, eine Schöpfung des Julus, war damals Latiums Haupt. Denn an der Stadt seines Vaters Aeneas, Lavinium,9 hatte Julus keine Freude gehabt. Von Diesen herab schon im [39] vierzehenten Gliede, war Amulius nach Vertreibung seines Bruders Numitor König, von dessen Tochter Romulus geboren ist. (5) Gleich im ersten Jugendfeuer verdrängt er seinen Oheim Amulius aus der Königsburg, und setzt den Großvater wieder ein. Er selbst ein Freund des Flusses und der Berge, in deren Nähe er erzogen worden, ging mit dem Gedanken, eine neue Stadt zu gründen, um. (6) Die Brüder waren Zwillinge. Unter Wessen Auspicien10 sollte der Bau der Stadt beginnen, und Welcher von beiden sollte regieren? Man beschloß, die Götter zu Rathe zu ziehen. Remus besetzt den Aventinischen Berg, Dieser den Palatinischen. Jener sag zuerst Geier, sechs; Dieser nachher, aber zwölf. (7) So erbaut er denn, Sieger durch den Vogelflug, die Stadt voll Hoffnung, sie werde eine Kriegerin werden. So lautete die Verheißung der an Blut und Raub gewöhnten Vögel. (8) Zur Schutzwehr der Stadt schien ein Wallgraben hinzureichen. Indem nun Remus über dessen geringen Breite lachte, und durch das Hinüberspringen seinen Spott zu erkennen gab, wurde er ermordet, ungewiß, ob auf Befehl des Bruders. Wenigstens war er das erste Opfer, und weihte die Veste der neuen Stadt mit seinem Blut. Noch war es mehr der Entwurf zu einer Stadt, als die Stadt selbst. Es fehlten die Bewohner. (9) In der Nähe war [40] ein Hain. Diesen machte er zur Freistätte;11 und sogleich erschien eine außerordentliche Menschenmenge, Latinische und Tuscische Hirten; auch überseeische Leute, Phrygier, die unter Aeneas, Arkadier, die unter Evander12 in’s Land hereingeströmt waren. So formte er aus verschiedenen gesammelten Grundstoffen einen Körper, und schuf so selbst das Römische Volk. (10) Es war ein Werk für ein Menschalter. Ein bloßes Männervolk! Darum warb man um Weiber bei den Nachbarn; und weil man sie nicht bekam, nahm man sie mit Gewalt. Zum Schein gab man ritterliche Spiele, und zur Beute wurden die Jungfrauen, die als Zuschauer erschienen waren; dieß gab sogleich Anlaß zum Krieg. Die Eltern13 der Geraubten wurden geschlagen und in die Flucht getrieben, (11) das Städtchen der Cänineer erobert und zerstört, und der König brachte überdieß die dem feindlichen Könige abgenommene Waffenrüstung auf eigenen Armen dem Jupiter Feretrius14 mit aus dem Kampfe. (12) An die Sabiner wurden die Stadtthore durch eine Jungfrau überantwortet. Es geschah nicht in böser Absicht.15 [41] Allein sie hatte sich, was Jene an der Linken trugen, als Lohn der Uebergabe erbeten, ungewiß, ob die Schilde, oder [42] die Armspangen. Jene, theils um ihr Wort zu halten, theils um sich dafür zu rächen, warfen sie mit ihren Schilden zu [43] Boden. (13) So waren die Feinde in die Stadt eingelassen, und gerade auf dem Marktplatz kam es zu einem so schrecklichen Kampfe, daß Romulus zu Jupiter flehte, er möchte der schmählichen Flucht der Seinigen Einhalt thun. Daher der Jupiter Stator16 und sein Tempel. (14) Zuletzt warfen sich die Geraubten mit zerrauften Haaren unter die Leichname.17 So wurde mit Tatius Friede gemacht, und ein Bündniß geschlossen. Und jetzt erfolgte ein Ereigniß, ein Wunder zum erzählen. Die Feinde verließen ihre eigenen Wohnsitze, wanderten in die neue Stadt aus, und theilten als Mitgift mit ihren Eidamen das Vermögen ihrer Vorfahren. (15) Bald wuchsen die Kräfte des Staats, und der weiseste König gibt ihm folgende Einrichtung: die junge Mannschaft wird nach Tribus (Stadtbezirken) eingetheilt, und muß zu Pferd und in den Waffen stets auf die plötzlichen Zufälle18 des Krieges gefaßt seyn. Die Berathung über Staatsangelegenheiten kommt den Greisen zu, die vermöge ihres Ansehens Väter,19 und vermöge ihres Alters Senat (Altrath) genannt wurden. (16) Nach diesen also getroffenen Anordnungen wurde er plötzlich, während er vor der Stadt, [44] in der Nähe des Ziegensee’s, eine Rede an das Volk hielt, aus den Augen derselben entrückt. (17) Einige glauben, er sey wegen seiner strengen Gemüthsart im Senat in Stücken zerrissen20 worden. Allein ein ausgebrochener Sturm und eine Sonnenfinsterniß gewährten den Schein der Vergötterung, (18) die bald in der Person des Julius Proculus21 ihre Beglaubigung fand, welcher versicherte, den Romulus in einer herrlicheren Gestalt, als die bisherige, gesehen zu haben, während er überdieß Weisung gab, ihn als eine Gottheit anzuerkennen. Im Himmel nenne man ihn Quirinus;22 also sey es Wille der Götter, daß Rom Herr werde über die Völker.

Numa Pompilius

(N. E. R. 38. V. Chr. G. 712.)

2 [L] (1) Auf Romulus folgte Numa Pompilius,23 ein Mann, den man, berühmt wegen seines frommen Sinnes, von Kures im Sabinischen, wo er sich aufhielt, aus freier Wahl herbeirief. (2) Dieser lehrte die heiligen Handlungen und Gebräuche, und den ganzen Dienst der unsterblichen Götter; er bestellte die Oberpriester, die Augurn, die Salier und die übrigen Priesterwürden; er theilte auch [45] das Jahr in zwölf Monate, (3) und bestimmte die geschlossenen und freien Tage. Er gab den Römern die Ancilien und das Palladium,24 geheimnißvolle Unterpfänder des Reichs; den zweifachen Janus, des Krieges und des Friedens Bürgen; insbesondere übergab er jungfräulichen Händen Vesta’s Feuerdienst,25 damit nach dem Urbild der himmlischen Gestirne ihre Flamme zum Schutze des Staates wachen sollte: dieß Alles auf den Wink der Göttin Egeria,26 damit der rohe Haufe es um so williger annähme. (4) Das ungeschlachte Volk endlich brachte es soweit, daß er die durch Unrecht und Gewalt erworbene Herrschaft mit Frömmigkeit und Gerechtigkeit handhabte.

Tullus Hostilius

(N. E. R. 81. V. Chr. G. 669.)

3 [L] (1) Auf Pompilius Numa folgt Tullus Hostilius,27 dem zum Ehrensolde seiner Tapferkeit der Thron freiwillig gegeben wurde. Dieser ist der Schöpfer aller Kriegszucht und Kriegskunst. (2) Zum Erstaunen ward die junge Mannschaft geübt, und so konnte er es wagen, die Albaner herauszufordern, ein bedeutendes, ja lange das erste Volk.28 (3) Allein da beide Theile bei gleicher Stärke durch häufige [46] Gefechte sich entkräfteten, so zog man den Krieg in’s Kleine, und vertraute die Entscheidung des Schicksals beider Völker, Drillingsbrüdern von jeder Seite, den Horatiern und den Kuratiern, an. (4) Ein schwankender, herrlicher Kampf, und gerade durch seinen Ausgang bewunderungswürdig! Drei waren von jener Seite verwundet, zwei auf dieser gefallen, als der noch lebende Horatius, List mit Tapferkeit paarend, um den Feind zu theilen, zum Scheine die Flucht ergreift, und sie so im Einzelnen, wie ihm Jeder folgen konnte, angreift und überwindet. (5) So wurde – sonst ein seltener Ruhm – durch den Arm eines einzigen Mannes ein Sieg errungen, den jener jedoch bald durch einen Verwandtenmord befleckte. Er hatte in seiner Nähe seine Schwester erblickt, wie sie über die Waffenrüstung ihres Verlobten, der aber Feind gewesen, Thränen vergoß. Diese so unzeitige Liebe des Mädchens rächte der Bruder mit dem Schwert. (6) Die Gesetze forderten den Frevler vor Gericht; allein das Verdienst sprach den Verwandtenmörder los, und die That verschlang der Ruhm des Helden. Doch nicht lange verbleiben die Albaner treu. Im Krieg nämlich gegen Fidenä vertragsmäßig zur Hülfe abgesendet, warteten sie zwischen beiden Theilen schwankend die Wendung des Kriegsglückes ab. (7) Allein sobald der schlaue König bemerkte, daß die Bundesgenossen zum Feinde sich neigten, wußte er, als wäre dieß auf seinen Befehl geschehen, den Muth seiner Krieger noch zu steigern. Das machte den Unsrigen Vertrauen, den Feinden [47] Furcht. So war die List der Verräther vereitelt. (8) Daher ließ er nach Besiegung des Feindes den bundbrüchigen Mettus29 Fufetius zwischen zwei Wagen binden und durch rasche Pferde zerreißen, und Alba selbst, zwar die Mutter, aber Nebenbuhlerin Roms, zerstörte er, (9) nachdem er zuvor alle Habe dieser Stadt und das Volk selbst nach Rom verpflanzt hatte. So schien diese blutsverwandte Stadt nicht vernichtet, sondern ihrem Körper von Neuem einverleibt worden zu seyn.30

Ankus Marcius

(N. E. R. 113. V. Chr. G. 637.)

4 [L] (1) Jetzt folgte Ankus Marcius,31 ein Enkel des Pompilius, von gleicher Gemüthsart. (2) Dieser umgab die Stadt mit einer Mauer, schlug eine Brücke über die durch die Stadt fließende Tiber,32 und legte gerade an der Stelle, wo Meer und Strom zusammenströmen, die Pflanzstadt [48] Ostia an; indem er nämlich schon damals das Vorgefühl hegte, die Zeit werde kommen, wo jene Seeherberge der Stadt die Schätze und Zufuhren aller Welt aufnehmen würde.

Tarquinius Priscus

(N. E. R. 137. V. Chr. G. 613.)

5 [L] (1) Hiernächst bewarb sich, wenn gleich von überseeischer Abkunft, unaufgefordert Tarquinius Priscus33 um den Thron, und erhielt ihn wegen seiner Thätigkeit und seinen Sitten; er hatte nämlich als geborner Korinthier34 griechischen Geist in Italiens Kunst und Sitte verwebt. (2) Dieser erhöhte die Würde des Senats durch die Anzahl seiner Mitglieder, und erweiterte die Tribus, da Attius Navius, damals der größte Vogelschauer, deren Zahl zu vermehren verbot, durch Erweiterung oder Verdoppelung der Rittercenturien.35 (3) [50] Diesen fragte der König,36 seine Kunst erprobend, ob das geschehen könne, was er jetzt in Gedanken habe. (4) Jener zog Kunde von den Vögeln ein, und gab zur Antwort, es könne geschehen: „Nun ja,“ sprach er, „ich hatte mir gedacht, ob nicht jener Wetzstein mit einem Scheermesser könne zerschnitten werden.“ Da sprach der Augur: „Nun das kannst du auch;“ und so zerschnitt er ihn. (5) Von da an war den Römern das Augurat heilig. Tarquinius war im Krieg nicht minder thätig, wie im Frieden. Denn er unterjochte nach vielen Kämpfen zwölf Tuscische Volksstämme. (6) Von diesen kommen die Gewaltstäbe, die Trabea,37 die Curulischen Stühle,38 die Ringe,39 der Pferdeschmuck,40 [51] die Paludamente,41 die verbrämte Toga,42 dorther der Triumph auf goldenem Viergespann,43 die gestickte Toga, [52] die bepalmte Tunika;44 dorther endlich alle Zierden und Ehrenzeichen, von welchen Roms Herrscherwürde erglänzt.

Servius Tullius

(N. E. R. 175. V. Chr. G. 575.)

6 [L] (1) Zunächst tritt Servius Tullius45 an das Ruder der Stadt. Obschon einer Sklavin Sohn, war ihm doch seine dunkle Abkunft nicht hinderlich. Denn seinen ausgezeichneten Anlagen hatte Tarquinius Gattin, Tanaquil, eine edle Bildung geben lassen, und eine um sein Haupt sichtbare Flamme war ihr Bürge seines künftigen Ruhmes gewesen. (2) Darum wurde, während Tarquinius starb, unter thätigem Vorschub der Königin, Servius angeblich als einstweiliger Stellvertreter des Königs aufgestellt, und er wußte den durch List an sich gebrachten Thron mit so kluger Thätigkeit zu behaupten, wie wenn er ihn auf gesetzlichem Wege bestiegen hätte. (3) Er ist es, der das Römische Volk der Vermögensschatzung46 unterwarf, der es in [53] Klassen theilte, nach Curien47 und Innungen48 unterschied; und der große Erfindungsgeist dieses Königs wußte das Gemeinwesen so zu ordnen, daß Vermögen, Würde, Alter, Gewerbe und Bedienungen49 sämtlich nach ihren Abstufungen in Verzeichnisse50 eingetragen, und auf diese Weise der größte Staat mit der Sorgfalt des kleinsten Hauswesens verwaltet wurde.

Tarquinius der Despot

(N. E. R. 219. V. Chr. G. 531.)

7 [L] (1) [54] Der letzte aller Könige war Tarquinius, dem sein Charakter den Beinamen des Despoten gab.51 (2) Diesem gefiel es besser, den großväterlichen52 Thron, welchen Servius noch besaß, zu rauben, als zu erwarten,53 und nachdem er ihn durch Meuchelmörder hatte anfallen lassen, führte er die durch Frevel erworbene Herrschaft eben so schlecht, als er sie erlangt hatte.54 (3) Seinem Charakter war auch seine Gattin Tullia nicht fremd, die, um ihren Mann als König zu begrüßen, in ihrem Wagen sitzend über des Vaters blutigen Leichnam hinweg die scheuen Rosse trieb.55 (4) Er selbst aber tobte gegen den Senat durch Blutbefehle,56 gegen alle Uebrigen mit tyrannischem Hochmuth, [55] der den Edlen härter fällt, als Grausamkeit, und der Wuth gegen die Einheimischen müde wandte er sich endlich gegen den Feind. (5) So wurden die mächtigen Städte in Latium erobert, Ardea,57 Okrikulum, Gabii, Suessa, Pometia.58 Aber auch jetzt war er noch blutgierig gegen die Seinigen. (6) Denn er nahm keinen Anstand, seinen eigenen Sohn zu stäupen, damit diesem, als verstelltem Ueberläufer, der Feind deßhalb Vertrauen schenken möchte.59 (7) Derselbe ließ nun, als er in Gabii die erwünschte Aufnahme gefunden hatte, den König durch mündliche Botschaft um Verhaltungsbefehle fragen. Dieser schlug mit einer kleinen Ruthe an einem Mohnbeet die hervorragenden Köpfe ab; und dieß war, scheinbar in Hochmuth,60 seine Antwort, durch die er die Ermordung der Volkshäuptlinge zu verstehen gab. [56] Gleichwohl führte er von der Beute aus den eroberten Städten ein heiliges Gebäude auf.61 (8) Als dieses eingeweiht wurde, räumten alle Götter den Platz, nur – sonderbar genug – Juventas (die Jugendgöttin) und Terminus (der Grenzgott) wichen nicht.62 (9) Die Seher bemerkten mit Wohlgefallen die Beharrlichkeit dieser Gottheiten, dieweil sie in Allem eine feste und ewige Dauer verhießen. Aber Das ist schauderhaft, daß man beim Beginn des Baues im Tempelgrunde ein Menschenhaupt fand. Jeder glaubte, dieses schöne Wunderzeichen verheiße den Sitz der Oberherrschaft und das Oberhaupt der Völker.63 (10) So lange duldete das Römische Volk den Uebermuth des Königs, als die Wollust fern blieb. Aber den schamlosen Ausbruch derselben von Seiten seiner Söhne konnte es nicht ertragen. (11) Als der Zweite von diesen der Lukretia, der edelsten Frau, Gewalt angethan, so büßte die Matrone diesen Schandfleck mit dem Dolche. Jetzt wurde die Königsherrschaft abgeschafft.64

Kurzer Rückblick auf die sieben Könige

8 [L] (1) Dieß ist das erste Lebensalter des Römischen Volkes, gleichsam seine Kindheit. Sie verlebte es unter den sieben Königen, deren Sinnesart nach des Schicksals Absicht [57] so wechselte, wie es des Staates Lage und Wohlfahrt erheischte. (2) Wer war feuriger als Romulus? Eines solchen Mannes bedurfte es, um sich des Thrones zu bemächtigen. (3) Wer war frommer als Numa? So wollten es die Verhältnisse, um ein wildes Volk durch Gottesfurcht zu milderer Sitte zu stimmen.65 (4) Ferner jener Meister in der Kriegskunst, Tullus, wie unentbehrlich für Kriegsmänner war er, um ihre Tapferkeit durch Regel und Zucht zu schärfen! Was sollte Ankus, der Baumeister? Die Stadt durch eine Kolonie erweitern, durch eine Brücke verbinden, durch Mauern schützen. (5) Ferner des Tarquinius Pracht- und Ehrenzeichen – welche Würde gaben sie dem herrschenden Volke durch ihr Aeußeres!66 (6) Die von Servius eingerichtete Schatzung – lehrte sie nicht den Staat sich selbst kennen? (7) Sogar die unerträgliche Herrschaft jenes Uebermüthigen war von einigem, ja – von sehr vielfachem Nutzen; denn sie hatte die Folge, daß das durch Mißhandlungen gereizte Volk von Freiheitslust entflammt wurde.

Veränderung der Staatsverfassung

(N. E. R. 244. V. Chr. G. 506.)

9 [L] (1) Unter Anführung und dem Vorgang des Brutus67 und Kollatinus,68 denen jene Matrone sterbend [58] ihre Rache anempfohlen, setzt das Römische Volk, um die Ehre der Freiheit und der Sittlichkeit zu rächen, wie von göttlicher Eingebung getrieben, den König auf der Stelle ab, raubt ihm seine Güter,69 weiht seine Ländereien seinem Schutzgott Mars70, und trägt auf dieselben Männer, die seine Freiheit gerettet, die Herrschaft über, jedoch mit Veränderung der Rechte und des Namens. (2) Denn man beliebte aus der lebenslänglichen eine jährige zu machen, aus Einem Oberhaupte zwei; damit die Staatsgewalt nicht unter einem vereinzelten Oberhaupt, noch durch zu lange Dauer verschlechtere, und Konsuln (Berather)71 nannte man sie, statt Könige, damit sie ihrer Pflicht eingedenk blieben, ihre Mitbürger zu berathen. (3) Und über die neue Freiheit hatte sich eine so große Freude verbreitet, daß man dem Wechsel der Verfassung kaum Glauben beimaß, und dem zweiten der Konsuln blos des Namens72 und der königlichen Abkunft wegen die Gewaltstäbe abnahm und ihn selbst aus der Stadt verwies. (4) Sein Stellvertreter, Valerius Poplikola,73 bemühte sich mit allem Eifer, die Majestät des freien Volkes [59] zu erhöhen. Denn nicht nur ließ er in der Volksversammlung die Gewaltstäbe vor dem Volke neigen, sondern räumte ihm auch das Recht der Berufung gegen die Konsuln selbst ein.74 Und um nicht durch das burgartige Ansehen75 seines Hauses ein Aergerniß zu geben, ließ er dasselbe in die Ebene setzen. (5) Brutus dagegen buhlte nach der Bürgergunst zum Unglück seiner eigenen Familie mit dem Blute seiner Kinder. Als er nämlich die Kunde erhielt, seine Kinder gehen darauf um,76 die Königsfamilie in die Stadt zurückzurufen, so schleppte er sie auf den Gerichtsplatz und stäupte und enthauptete sie mitten in der Volksversammlung, so daß es ganz das Ansehen gewann, als hätte er als Vater des Gemeinwesens das Volk an Kindesstatt angenommen. (6) Jetzt77 ergriff das von nun an freie Römervolk zum erstenmal die Waffen gegen Ausländer für die Freiheit, bald darauf für sein eigenes Land, sodann für seine Bundesgenossen; endlich, weil von allen Seiten her unaufhörlich die Grenznachbarn reizten, für Ruhm und Herrschaft. (7) Denn keine Erdscholle vaterländischen Bodens besaß es:78 gleich der [60] Zwinger79 stieß an feindliches Gebiet, und zwischen Latium und den Tuskern wie auf einem Scheideweg stehend, zog es zu allen Thoren hinaus gegen den Feind, (8) bis endlich sein Zug, gleich einer ansteckenden Seuche, von Volk zu Volk ging, und immer wieder den Nächsten ergreifend, ganz Italien ihm unterwarf.

Krieg mit dem Etruskerkönig Porsena

(N. E. R. 244. V. Chr. G. 506.)

10 [L] (1) Nach80 Vertreibung der Könige aus der Stadt ergriff Rom zuerst für die Freiheit die Waffen. Denn der Etruskerkönig Porsena erschien mit mächtigen Streitkräften, und wollte die Tarquinier mit gewaffneter Hand wieder einsetzen. (2) Allein ungeachtet er die Römer durch Schwert und Hunger bedrängte, und durch die Besetzung des Janikulum81 sich gerade an die Ausgänge der Stadt gelegt hatte, so hielten die Römer doch Stand, schlugen ihn zurück und setzten ihn zuletzt in solches Staunen, daß er, der überlegene Theil, zuletzt mit den Halbbesiegten Freundschaftsbündnisse schloß.82 (3) Damals sah man jene [61] übermenschlichen Erscheinungen, jene Wunderhelden Roms: einen Horatius, einen Mucius und eine Kloelia. Stünden sie nicht in den Jahrbüchern unsrer Geschichte, man würde sie heut zu Tage für fabelhaft halten. (4) Horatius Cokles83 nämlich, nachdem er die von allen Seiten eindringenden Feinde allein nicht zum Weichen bringen konnte, brach die Brücke84 ab, und schwamm über die Tiber, ohne die Waffen fallen zu lassen. – (5) Mucius Scävola85 fällt mit Hinterlist den König im eigenen Lager an. Allein sowie er im Irrthum den Stoß auf den in Purpur gekleideten Diener desselben geführt und ergriffen ward, so legte er seine Hand auf den brennenden Heerd, und verdoppelte den Schrecken durch List. (6) „Damit du erfahrest,“ sprach er, „welchem Manne du entronnen bist, so wisse: wir haben – unser dreihundert – das Nämliche geschworen.“ Und – es ist schrecklich auszusprechen – während der König zittert, wie wenn seine eigene Hand brennte,86 bleibt er selbst unerschrocken stehen. (7) So handelten die Männer. Aber kein Geschlecht sollte ruhmlos bleiben. Man betrachte den Heldenmuth der Jungfrauen. Kloelia, eine der Geißeln, die man dem Könige gestellt, entkam der Wache und ritt durch den vaterländischen Strom. (8) Da ließ der König, durch so viele und große Wunder des Heldenmuths geschreckt, die [62] Geißeln gehen, und setzte sie in Freiheit. – Die Tarquinier kriegten so lange, bis Brutus mit eigener Hand den Königssohn Aruns erlegt hatte, und selbst auch von ihm verwundet über seinem Leichnam den Geist aushauchte, gerade wie wenn er den Ehebrecher bis in die Unterwelt verfolgen sollte.87

Krieg mit den Latinern

(N. E. R. 257. V. Chr. G. 493.)

11 [L] (1) Auch die88 Latiner machten die Sache der Tarquinier zu der eigenen aus Eifersucht und Neid. Das Volk, welches auswärts herrschend war, sollte wenigstens im Innern dienstbar seyn. Mit Muth erhebt sich daher ganz Latium,89 angeblich zur Rache des Königs, unter Anführung des Mancilius aus Tuskulum. (2) Am See Regillus90 wird gestritten. Lange schwankt das Kriegsglück, bis [63] der Diktator Posthumius selbst – ein neuer,91 ausgezeichneter Gedanke – das Feldzeichen unter die Feinde warf, damit es im Lauf geholt würde. (3) Kossus, der Reiterobrist, befahl – auch dieß war neu92 – die Pferde auszuzäumen, damit sie um so hitziger auf den Feind losgingen.93 (4) Kurz, das Treffen war so schrecklich, daß die Sage will, Götter hätten diesem Schauspiel beigewohnt, zwei auf weißen Rossen: Kastor und Pollux,94 glaubte Jedermann, seyen es gewesen. Darum hat ihnen der Oberfeldherr seine Verehrung gezollt, und um den Sieg einen Tempel gelobt, den er auch als gebührenden Sold für die Götter, als seine Kampdgenossen, errichtete. – (5) Bis hieher für die Freiheit! Bald begann auch ein anhaltender und ununterbrochener Kampf für das Grenzgebiet mit denselben Latinern. (6) Kora95 und Algidum – Wer sollte es glauben? – waren uns furchtbar. [64] Satrikum und Kornikulum unsre Provinzen. Ueber Verulä und Bovillä feierten wir – fast war das eine Schande – einen Triumph. (7) Tibur, jetzt eine Vorstadt,96 und unsre Sommerlust Präneste, griff man an, nachdem man öffentliche Gelübde auf dem Kapitol gethan hatte. (8) Fäsulä97 war uns damals, was später Karrä; der Aricinische Hain, was der Hercynische98 Wald; Fregellä, was Gesoriakum;99 die Tiber, was der Euphrat. (9) Der Sieg über Korioli – o Schande! – schien so ruhmvoll, daß Knejus Marcius das eingenommene Städtchen in seinen Namen aufnahm, wie wenn es Numantia oder Afrika gewesen wäre. (10) Noch sind auch die erbeuteten Waffenrüstungen von Antium vorhanden, die Mänius an der Rednerbühne auf dem Forum100 nach Eroberung der feindlichen Flotte angeheftet hat; wenn jenes anders eine Flotte war: denn sie zählte blos sechs Schnabelschiffe. Freilich101 reichte in jener Anfangsperiode diese [65] Zahl zu einem Seekrieg hin. (11) Doch waren unter den Latinern die hartnäckigsten und – ich möchte sagen – tagtäglichen Feinde die Aequer und Volsker. (12) Allein diese bändigte besonders Lucius Quinctius, der vom Pfluge berufene Diktator, welcher das umringte und fast schon eroberte Lager des Konsuls Markus Minucius durch seinen Heldenmuth rettete. (13) Es war ungefähr um die Mitte der Staatszeit, als der Liktor102 den Patricier, auf seinen Pflug gestützt, gerade über der Arbeit antraf. Von hier zieht Jener in die Schlacht, und um auch hier den Landbau nachzuahmen, trieb er die Besiegten, gleich Zugthieren, unter das Joch.103 (14) So wurde der Feldzug beedingt und der triumphirende Landbauer kehrte zu seinen Rindern zurück. Götter im Himmel, mit welcher Geschwindigkeit! (15) Innerhalb fünfzehn Tagen ein Krieg angefangen und vollendet; ganz als wollte sich der Diktator beeilen, wieder an die verlassene Arbeit zu kommen!104

Krieg mit den Etruskern, Faliskern und Fidenaten

12 [L] (1) [66] Unabläßig thätige und jährlich wiederkehrende Feinde waren von Etrurien her die Vejenter, so daß das eine Haus der Fabier105 gegen sie eine außerordentliche Kriegsschaar gelobte und einen Privatkrieg führte. Es erfolgte eine nur zu große Niederlage. (2) Ihrer fielen dreihundert106 an der Kremera, ein Heer von Patriciern, und das Thor, durch welches sie zum Kampfe auszogen, wurde mit dem Namen Greuelthor bezeichnet. (3) Allein diese Niederlage wurde durch gewaltige Siege wieder ausgesühnt, nachdem ein Feldherr um den andern die festesten Städte erobert hatte; freilich mit verschiedenem Erfolg. (4) Die Falisker ergaben sich von freien Stücken. Die von Fidenä wurden mit ihrer Stadt verbrannt. Die Vejenter wurden völlig ausgeraubt und vertilgt. (5) Bei der Belagerung der Falisker bewunderte man, und dieß nicht mit Unrecht, die Rechtlichkeit unseres Feldherrn,107 weil er den Verräther der Stadt, einen Schulmeister, gefesselt, sammt seinen mitgebrachten Lehrknaben von selbst zurücksandte. (6) Denn der unbescholtene und weise Mann wußte, daß der Sieg ein ächter und wahrer sey, welcher unbeschadet der Rechtlichkeit und ohne Verletzung [67] der Würde errungen wird. (7) Fidenä, weil es für das Schwert sich zu schwach fühlte, waffnete sich, um Schrecken einzuflößen, mit Fackeln, und rückte mit buntfarbigen und schlangenförmigen108 Kopfbinden, gleich Furien aus. Aber eben dieser an die Unterwelt mahnende Aufzug war eine Vorbedeutung der Zerstörung. (8) Wie groß die Macht von Veji war, beweist seine zehnjährige Belagerung.109 Damals überwinterte man zuerst unter Thierhäuten, bestimmte für den Winterfeldzug einen Sold,110 und der Soldat machte sich durch freiwilligen Eidschwur verbindlich, nicht eher zurückzukommen, als bis die Stadt erobert wäre. (9) Die vom Könige Lars111 Tolumnius erbeutete Waffenrüstung brachte man dem Feretrius (Jupiter) dar.112 Endlich gelang die Zerstörung der Stadt, aber nicht durch Leitern, noch durch einen Sturm, sondern durch eine Mine und unterirdische List. (10) Die Beute war so groß, daß man dem [68] pythischen Apollo113 den Zehnten davon schickte, und das ganze Römische Volk zur Plünderung der Stadt herbeirief. (11) Dieß war damals Veji: Wer erinnert sich erst seines Daseyns? wo sind die Trümmer? wo eine Spur? Mit Mühe überzeugen uns die Jahrbücher der Geschichte, daß einst ein Veji war.114

Der Gallische Krieg

(N. E. R. 365. V. Chr. 385.)

13 [L] (1) Hier wird, sey es durch Mißgunst115 der Götter, oder durch das Schicksal, dem Laufe des reißend fortschreitenden Reichs durch den Einfall der Senonischen Gallier eine Weile Einhalt gethan. Eine Zeit – ich weiß nicht, war sie für das Römische Volk trauriger durch das erlittene Unglück, oder verherrlichender durch die Proben seiner Heldentugenden. Unstreitig war das Maß der Leiden so groß, daß ich glaube, sie waren von göttlicher Hand zur Prüfung verhängt, indem die unsterblichen Götter wissen wollten, ob Römergröße die Weltherrschaft verdiene. Die Senonischen Gallier waren ein von Natur wildes Volk von ungeschlachten Körperbau, welches sich überdieß durch seinen riesenhaften Körperbau, sodann durch seine ungeheuren Waffen allgemein so furchtbar machte, daß es zum Untergang [69] des Menschengeschlechts und zum Ruin der Städte ganz geboren zu seyn schien.116 Einst von den äußersten Erdgrenzen des alles umströmenden Oceans mit großer Heeresmacht ausgezogen, verheerten sie zuerst die Mittelländer, setzten sich dann zwischen den Alpen und dem Po fest,117 und durchschwärmten nun, auch damit sich nicht begnügend, Italien. Eben belagerten sie Clusium.118 Das Römische Volk tritt als Vermittler für seine Freunde119 und Bundesgenossen auf. Man schickt der Sitte gemäß Gesandte. Allein was wissen Barbaren vom Recht? Sie werden nur ungestümer; und die Folge ist der Kampf. Sie wenden sich daher von Clusium weg, und rücken gegen Rom an: da begegnet ihnen am Flusse Allia120 der Konsul121 Fabius mit einem Heere. Nicht leicht war eine Niederlage schmählicher. Darum verdammte Rom diesen Tag als unselig in seinem Kalender.122 Als das Römische Heer geschlagen war, näherten sich die Gallier sofort den Mauern der Stadt. [70] Hier war keine Besatzung. Da zeigte sich Rom, wie sonst nie, in seiner wahren Größe. Zuvörderst versammeln sich die Alten, welche die vornehmsten Ehrenstellen bekleidet, auf dem Forum, und weihen sich da unter Einsegnung des Oberpriesters den Göttern der Unterwelt. Sogleich gehen sie in ihre Häuser zurück und setzen sich hier, wie sie waren, in ihrer Trabea und im feierlichen Schmuck auf den curulischen Stühlen nieder, um, wenn der Feind käme, in ihren Ehren und Würden zu sterben. Die Oberpriester und die Flamines123 verscharrten zum Theil das Heiligste, was in den Tempeln war, in Tonnen unter die Erde, theils führten sie es auf Wagen mit sich fort. Zugleich begleiteten die Jungfrauen aus Vesta’s Priesterthum baarfuß die fliehenden Heiligthümer. Doch nennt man einen Mann aus dem Bürgerstande, Lucius Albinius,124 der die Flehenden eingeholt, und nachdem er Weib und Kinder hatte absteigen lassen, die Jungfrauen auf seinen Wagen nahm. So sehr überwog auch damals die Rücksicht auf die öffentliche Religion selbst in der äußersten Noth die Privatgefühle. Die junge Mannschaft aber, welche, wie man gewiß weiß, kaum tausend Mann zählte, besetzte unter Anführung des Manlius die Burg des capitolinischen Berges, und beschwor den gleichsam selbst gegenwärtigen Jupiter, „so wie sie zur Vertheidigung seines Tempels zusammengeeilt wären, so möchte [71] er ihre Tapferkeit durch seine waltende Macht schirmen.“ Unterdessen waren die Gallier angerückt, und ziehen in die offene Stadt anfangs mit zaghafter Furcht, es möchte eine List dahinter stecken, bald jedoch, da sie Alles verlassen sahen, eben so mit Geschrei und Sturm ein. Sie betreten die da und dort offen stehenden Häuser. Mit ehrfurchtsvoller Scheu betrachteten sie die auf ihren curulischen Stühlen in der Prätexta sitzenden Greise, wie wenn es Götter und Genien wären.125 Bald aber, als ihnen klar wurde, daß es Menschen seyen, redeten sie dieselben an, und da sie keiner Antwort gewürdigt wurden, schlachteten sie dieselben mit gleicher Gefühllosigkeit hin, steckten die Häuser in Brand, und machten die ganze Stadt durch Feuer und Schwert und der Hände Gewalt dem Erdboden gleich. Sechs126 Monate lang lagen – Wer hätte es geglaubt? – die Barbaren um Einen Berg herum, und ließen nichts unversucht, bei Tag sowohl als bei Nacht; bis zuletzt Manlius, durch das Geschnatter einer Ganz aufgeweckt, die bei nächtlicher Weile heraufklimmenden Belagerer vom höchsten Fels stürzte, und um dem Feinde jede Hoffnung zu benehmen, trotz der drückendsten Hungersnoth zum Schein des vertrauenden Muthes Brode von der Burg hinabschleuderte. Und an einem bestimmten Tage schickte er den Priester Fabius mitten durch die feindlichen Wachen von der Burg hinab, um auf dem quirinalischen Berg ein feierliches Opfer zu verrichten.127 [72] Jener kam unter dem Schutz der Religion mitten durch die feindlichen Pfeile hindurch wohlbehalten zurück, und brachte die Kunde von der günstigen Stimmung der Götter. Zuletzt, als die Barbaren ihre Belagerung bereits müde gemacht hatte, boten sie ihren Abzug um tausend Pfunde Goldes128 aus. Dieß geschah mit solchem Uebermuthe, daß sie zu den falschen Gewichten noch ein Schwert legten, und dazu in scheltendem Tone ausriefen: Wehe den Besiegten! Da griff sie auf einmal Kamillus von hinten an und hieb sie dergestalt zusammen, daß er alle Spuren der Feuersbrunst durch eine überströmende Fluth Gallischen Blutes vertilgte. In Erwägung einer so großen Zerstörung möge man den unsterblichen Göttern Dank sagen. Die Schäferhütten machte jenes Feuer verschwinden, und seine Flammen bargen des Romulus Armseligkeit. Jene Feuersbrunst – was bewirkte sie anderes, als daß die zum Wohnsitz von Menschen und Göttern bestimmte Stadt nicht als vertilgt oder verschüttet, sondern vielmehr als versöhnt und durch diese Weise gereinigt erscheint? Darum stand Rom nach seiner Vertheidigung durch Manlius, nach seiner Wiederherstellung durch Kamillus,129 nur um so muthiger und heftiger [73] gegen seine Nachbarn von neuem auf. Fürs Erste begnügte man sich nicht damit, eben jenes Gallische Volk aus Roms Mauern vertrieben zu haben, sondern als es weit und breit durch Italien die Trümmer seiner Niederlage schleppte, verfolgte man es unter Anführung des Kamillus dergestalt, daß heut zu Tage keine Spuren mehr von den Senonen vorhanden sind.130 Einmal wurden sie am Anio131 niedergemetzelt, wo Manlius einem Barbaren im Zweikampf unter anderen Beutewaffen eine goldene Halskette (torquem) abriß: daher die Torquati (die Beketteten). Wiederum auf dem Pomtinischen Felde,132 wo aus einem ähnlichen Kampfe Lucius Valerius, unter dem Beistande eines auf seinem Helm sitzenden heiligen Vogels,133 Beutewaffen zurückbrachte: daher die Corvini (die mit dem Raben). Endlich vertilgte nach etlichen134 Jahren Dolabella in Etrurien am Badimonischen See alle [74] Ueberreste der Gallier; damit kein Mann aus einem Volke übrig bliebe, das sich rühmen konnte, die Stadt Rom eingeäschert zu haben.135

Krieg mit den Latinern136

14 [L] (1) Von den Galliern wandte sich Rom unter den Konsuln Manlius Torquatus und Decius Mus gegen die Latiner, die als Nebenbuhler um die Oberherrschaft zwar immer, jetzt aber als Verächter der eingeäscherten Stadt gegen die Römer feindselig gesinnt waren, indem sie das Bürgerrecht, Antheil an der Staatsregierung und an den Aemtern verlangten, und schon Weiteres als bloßes Zusammenrotten wagten.137 Daß der Feind damals wich, Wen wird das befremden – zu einer Zeit, wo der eine der Konsuln138 seinen Sohn selbst, als Sieger, hinrichtete, weil er gegen den Befehl gefochten hatte, wie wenn am Befehl mehr, als am Siege läge; wo der Andere139 wie auf eine Mahnung der Götter mit verhülltem Haupte vor dem ersten Treffen den Todesgöttern sich weihte, um, in den dichtesten Hagel der feindlichen Pfeile sich stürzend, durch seinen blutigen Pfad eine neue Bahn zum Sieg zu eröffnen?

Krieg mit den Sabinern140

(N. E. R. 464. V. Chr. G. 288.)

15 [L] (1) [75] Nach den Latinern141 griff es das Volk der Sabiner an, die uneingedenk der unter Titus Tatius gestifteten Verwandtschaft, gleichsam von der Kriegsseuche angesteckt, an die Latiner sich angeschlossen hatte. Unter dem Konsul Kurius Dentatus verheerte es den ganzen Landstrich, den der Nar, der Anio und die Quellen des Velinus142 umfließen, bis an das Adriatische Meer, mit Feuer und Schwert. Dieser Sieg brachte so viele Menschen [76] und Ländereien unter seine Gewalt, daß das Mehr von beiden selbst der Sieger nicht zu schätzen vermochte.

Krieg mit den Samniten143

(N. E. R. 413. V. Chr. G. 337.)

16 [L] (1) Durch die Bitten Kampaniens bewogen,144 greift Rom jetzt die Samniten an, nicht für sich, sondern, was ruhmvoller ist, für die Bundesgenossen. Mit Beiden war ein Bündniß geschlossen. Allein die Kampaner hatten demselben durch Uebergabe all des Ihrigen mehr Unverletzlichkeit und den Vorzug145 zu verschaffen gewußt. So führte denn der Römer den Samnitenkrieg wie den seinigen. Unter allen Ländern, nicht nur Italiens, sonder des ganzen Erdkreises, ist Kampanien das schönste. Nichts ist milder, als sein Himmel. Ja zweimal blüht der Lenz. Nichts geht über die Fruchtbarkeit des Bodens; daher die Sage vom Wettkampfe des Liber [Bacchus] und der Ceres. Nichts ist wirthbarer als sein Meer. Hier sind [77] jene berühmten Seehäfen Kajeta, Misenus und das von seinen Heilquellen laue Bajä, der Lukriner- und der Avernersee, Ruhepunkte der See.146 Hier sind die mit Reben bekleideten Berge, der Gaurus, Falernus, Massikus, und der schönste von allen, Vesuvius, der Nachspieler der Flammen des Aetna.147 Hier liegen am Meer die Städte Formiä, Kumä, Puteoli, Neapolis, Herkulaneum, Pompeji, und selbst der Städte Haupt, Kapua,148 einst neben Rom und Karthago unter den drei größten gezählt. Dieser Stadt, diesen Gegenden zu lieb griff das Römische Volk die Samniten an, ein Volk, sieht man auf seinen Reichthum, mit goldenen und silbernen Waffen,149 mit buntfarbigen Kleidern bis zur Eitelkeit geschmückt; sieht man auf seine Verschlagenheit, sich umtreibend in waldigen und trügerischen Gebirgen; sieht man auf seine Wuth und Raserei oder unverbrüchliche Eidschwüre, durch Banngesetze150 und Menschenopfer zu Roms Untergang getrieben; betrachtet man seine Halsstarrigkeit, durch [78] sechsfachen Bundesbruch und selbst durch seine Niederlagen nur noch mehr ermutigt.151 Doch wußte Rom sie in einem Zeitraume von fünfzig Jahren,152 durch Fabius und Papirius,153 Väter und Söhne, dergestalt zu Paaren zu treiben und zu bändigen, und zerstörte dergestalt sogar die Trümmer ihrer Städte, daß man heut zu Tage Samnium in Samnium selbst suchen muß und der Stoff zu vier und zwanzig Triumphen mit Mühe noch erkennbar ist. Doch vor allen bekannt und berühmt ist die unter den Konsuln Veturius und Posthumius bei den Kaudinischen154 Engpässen durch jenes Volk erlittene Niederlage. Als nämlich das Heer in jenem waldigen Gebirgslande durch Kriegslist dergestalt eingeschlossen war, daß es nicht mehr heraus konnte, so bat der feindliche Feldherr Pontius, staunend über ein so günstiges Ereigniß, bei seinem Vater Herennius um seinen Rath. Dieser gab als der Aeltere den weisen Rath, er solle entweder Alle durchlassen, oder niedermachen. Pontius aber zog es vor, sie der Waffen beraubt durch den Jochgalgen ziehen zu lassen, damit die Wohlthat der Erhaltung sie nicht zu Freunden, sondern der Schimpf der Entehrung zu noch heftigeren Feinden machte. [79] Deßhalb zerrissen auch die Konsuln sogleich durch eine großherzige freiwillige Selbstauslieferung an den Feind den schimpflichen Vertrag, und der Soldat, nach Rache schnaubend, wüthet, von Papirius geführt – o Schauder! – mit gezücktem Schwert auf dem Schlachtweg dahin; der Feind aber bezeugte, in der Schlacht selbst hätten Aller Augen Feuer gesprüht,155 und dem Gemetzel wurde nicht eher ein Ziel gesetzt, als bis man das Joch auf den Nacken der Feinde und ihres gefangenen Feldherrn zurückgeworfen hatte.

Krieg mit den Etruskern und Samniten156

17 [L] (1) Bis dahin kriegte das Römische Volk mit einzelnen Völkern, bald mit ganzen Schaaren derselben, doch auch so noch allen gewachsen. Zwölf Etruskische Volksstämme, die Umbrer, bis jetzt noch unangetastet, Italiens ältestes Volk, nebst den Ueberresten der Samniten,157 [80] verschwören sich auf einmal zur Vertilgung des Römischen Namens. Mächtig war der Schrecken vor dem Verein so vieler und so großer Völker. Weit durch Etrurien hin flogen die Feldzeichen von vier feindlichen Heeren.158 Der Ciminische159 Wald lag in der Mitte, bis jetzt unwegsam, ganz wie der Kaledonische160 oder Hercynische, und war damals so furchtbar, daß der Senat dem Consul die Weisung ertheilte, er möchte es nicht wagen, sich in eine solche Gefahr zu begeben. Aber nichts der Art schreckte den Feldherrn. Ja er schickt seinen Bruder voraus und erkundet die Zugänge. Dieser, als Hirt verkleidet, erspäht alles bei nächtlicher Weile, und meldet, der Weg sey sicher.161 So löste Fabius Maximus den Knoten des gefährlichsten Kriegs ohne Gefahr. Denn plötzlich überfällt er den ungeordneten und umherschweifenden Feind, besetzt die höchsten Anhöhen, und donnert nach Gebühr auf die Feinde unter ihm hinab. In diesem Kampfe sah es aus, wie wenn Geschoße vom Himmel herab und aus den Wolken auf die Erdensöhne geschleudert würden.162 Doch erkaufte man diesen Sieg nicht ohne Blut. Denn Decius, der eine Konsul, in der Vertiefung eines Thales überfallen, gab wie sein Vater sein den Todesgöttern geweihtes Leben zum Opfer hin,163 und machte [81] diese feierliche Weihe seines Hauses zum Lösegeld des Sieges.

Krieg mit Tarent und mit König Pyrrhus164

(N. E. R. 471. V. Chr. G. 279.)

18 [L] (1) Jetzt folgt der Tarentinische Krieg, Titel und Namen nach zwar nur Einer, aber durch Siege vervielfältigt. Dieser war es, der die Kampaner, Apulier und Lukaner,165 und das Haupt des Krieges, die Tarentiner, also ganz Italien, und mit diesen allen Pyrrhus, den berühmtesten König Griechenlands, unter gemeinschaftlichen Sturze begrub, um so zu gleicher Zeit Italiens Unterjochung zu vollenden, und die Bahn zu den überseeischen Triumphen zu eröffnen. Tarent, eine Stiftung [82] der Lacedämonier,166 einst die Hauptstadt von Kalabrien, Apulien und ganz Lukanien, ist nicht nur berühmt durch seine Größe, seine Mauern und seinen Hafen, sondern auch ausgezeichnet durch seine Lage. Gerade am Eingang des Adriatischen Meeres gelegen, sendet es in alle Länder, nach Istrien, Illyrikum, Epirus, Achaja, Afrika, Sicilien, seine Segel aus. Dicht am Hafen, mit der Aussicht aufs Meer, erhob sich das größere Theater, und dieß war die Ursache aller Drangsale der unglücklichen Stadt. Eben wurden Spiele gefeiert, als man von hier aus eine Römische Flotte dem Ufer zusteuern sah. Man hält sie für eine feindliche. Alles stürmt heraus und treibt sein Gespött ohne Bedacht. „Wer und woher sind denn diese Römer?“ Nicht genug, unverzüglich erscheint eine beschwerdeführende Gesandtschaft. Auch diese mißhandeln sie mit unzüchtigem, unflätigem Schimpf, den der Anstand auszusprechen verbittet.167 So kommt’s zum Krieg. Aber schrecklich war die Zurüstung, da der Völker so viele auf einmal sich für die Tarentiner erhoben, und erbitterter als alle Pyrrhus, der zum Schutz der halbgriechischen, von Lacedämoniern erbauten Stadt, mit den Streitkräften von ganz Epirus, Thessalien und Macedonien, mit seinen bis dahin unbekannten Elephanten,168 zu Wasser [83] und zu Land, mit Mann und Roß, mit Waffen, und außerdem mit dem Schrecken wilder Thiere erschien. Bei Heraklea, am Kampanischen Flusse Siris,169 fiel unter dem Konsul Lävinus das erste Treffen vor, welches so hitzig war, daß Obsidius, der Anführer des Frentanischen Geschwaders, gegen den König ansprengte, ihn außer Fassung brachte und nöthigte, seinen Herrscherschmuck abzuwerfen und von dem Kampfplatz zu entweichen. Es war um ihn geschehen, wären nicht die dem Schauplatz des Kampfes zugewandten Elephanten hervorgerannt. Allein vor der Größe und Ungestalt und zugleich vor dem ungewöhnlichen Geruch170 und Getöse wurden die Pferde scheu, und indem sie die unbekannten Thiere für mehr ansahen, als sie waren, verbreiteten sie weit umher Flucht und Verderben. In Apulien bei Asculum wurde darauf unter den Konsuln Cneius und Fabricius glücklicher gestritten.171 Der Schrecken vor diesen Ungeheuern war nämlich schon vergangen, und Kajus Minucius, ein Spießträger172 der [84] vierten Legion, hatte dadurch, daß er einem derselben den Rüßel abhieb, den Beweis geliefert, daß sie zu tödten seyen. Daher man jetzt auf sie selbst die Wurfspieße, und auf die Thürme Feuerbrände schleuderte, deren brennende Trümmer ganze Schaaren von Feinden bedeckte. Und es war des Gemetzels kein Ende, bis die Nacht die Streitenden trennte, und der König selbst, der letzte Flüchtling, an der Schulter verwundet, von seinen Trabanten mit seinen Waffen aus dem Kampfe getragen wurde. In Lukanien fiel das letzte Treffen auf den sogenannten Arusinischen Feldern vor,173 unter den nämlichen Anführern wie vorher. Damals aber war der Sieg vollständig,174 und den Ausschlag, welchen die Tapferkeit hätte geben sollen, gab ein Zufall. Als man nämlich abermals die Elephanten ins Vordertreffen führte, so brachte ein Junges derselben der starke Stoß eines gegen seinen Schädel geschleuderten Wurfspießes zur Umkehr. Es rannte, die Seinigen niederwerfend, überall mitten durch,175 mit Gekreisch wehklagend. Da erkannte dasselbe die Mutter, sprang, als wollte sie es retten, hervor, und brachte jetzt alles umher, als wäre es unter lauter Feinden, durch seine schwere Körpermasse in Unordnung. Und [85] so haben dieselben wilden Thiere, welche den ersten Sieg uns entzogen, und den zweiten unentschieden gelassen hatten, den dritten uns unwidersprechlich in die Hände gelegt. Man stritt jedoch nicht nur durch Waffen und im Felde mit König Pyrrhus, sondern auch durch Berathungen zu Hause innerhalb der Stadt. Gleich nach dem ersten Siege nämlich verzweifelte der schlaue König, mit der Römischen Tapferkeit bekannt, am Glück seiner Waffen, und nahm seine Zuflucht zur List. Die Gebliebenen ließ er verbrennen, die Gefangenen aber behandelte er mit Schonung, und gab sie ohne Lösegeld zurück.176 Hierauf schickte er Gesandte nach Rom, und gab sich alle Mühe, ein Freundschaftsbündniß auszuwirken. Allein im Krieg wie im Frieden, zu Hause wie auswärts, bewährte sich jetzt in jeder Beziehung die Römergröße, und kein anderer Sieg setzte die Tapferkeit des Römischen Volkes, die Weisheit des Senats und die Seelengröße der Feldherrn so ins Licht, wie der Tarentinische Sieg. Wer waren jene Männer, die, wie wir vernommen, im ersten Gefecht von den Elephanten niedergetreten wurden? Die Wunden hatten Alle auf der Brust; Einige starben, auf ihren Feinden liegend; Alle hatten noch das Schwert in der Hand; in ihren Mienen las man noch die Drohung, und selbst im Tode lebte noch der Groll. Ueber solche Züge wunderte sich Pyrrhus dergestalt, daß er sagte: O wie leicht wäre es gewesen, der Weltherrschaft sich zu bemächtigen, mir, wenn die Römer meine [86] Soldaten, den Römern, wär‘ ich ihr König gewesen! Aber welche Hast der Uebriggebliebenen in Ergänzung des Heeres! so daß Pyrrhus sagte: Ach! ich sehe, ich bin ganz im Zeichen des Herkules geboren. Wie aus der Lernäischen Schlange177 wachsen mir die abgeschlagenen Köpfe der Feinde immer wieder aus ihrem eigenen Blute hervor. Was war das für ein Senat! – da auf den Vortrag des Appius Cäkus die Gesandten mit ihren Geschenken von der Stadt zurückgewiesen wurden, und dem Könige auf seine Frage, was ihnen vom Wohnsitz der Feinde dünke, das Geständniß ablegten, die Stadt sey ihnen vorgekommen wie ein Tempel,178 der Senat wie eine Versammlung von Königen. Wie waren ferner die Heerführer selbst! In ihrem Lager? Ein Kurius, der jenen Arzt zurückliefert,179 welcher des Königs Kopf feil ausbietet? Ein Fabricius, der den ihm vom Könige angebotenen Antheil der Herrschaft ausschlug? Oder im Frieden? wo Kurius seine irdenen Töpfe dem Golde der Samniten vorzog; wo Fabricius Rufinus,180 gewesenem Konsul, [87] den Gebrauch von zehen Pfund Silber als eine Schwelgerei mit censorischem Ernste rügte? Wer wird sich sonach wundern, wenn bei diesem Charakter, bei dieser Tapferkeit der Soldaten, das Römische Volk Sieger wurde, und wenn es in dem Einen Krieg mit Tarent innerhalb vier Jahren den größten Theil Italiens, die tapfersten Völker, die reichsten Städte und die fruchtbarsten Landstriche unter seine Botmäßigkeit brachte?181 Aber was übersteigt so sehr allen Glauben, als die Vergleichung der Anfänge des Krieges mit seinem Ausgang? Pyrrhus, in der ersten Schlacht Sieger, verheert, während ganz Kampanien bebt, das Gebiet des Liris und Fregellä,182 schaut von Präneste’s Burg beinahe auf das der Eroberung nahe Rom in, und erfüllt vom zwanzigsten Meilenstein her die Augen der erschreckten Bürgerschaft mit Rauch und Staub. Nachmals aber, wo derselbe Pyrrhus zweimal sein Lager verlor, zweimal verwundet, und flüchtig über Land und Meer nach Griechenland getrieben ward, trat Ruhe und Friede ein: und die Masse der von so vielen der reichsten Völker gewonnenen Beutewaffen war so groß, daß Rom seinen Sieg kaum faßte. Denn nicht leicht ging ein schönerer noch prachtvollerer Triumph zur Stadt ein. Vor diesem Tage hatte man nichts als Volscisches Vieh, Sabinische Heerden, Gallische Kriegswagen, zerbrochene Samnitenwaffen gesehen; jetzt aber sah, Wer auf die Gefangenen blickte, Molosser, Thessalier, Macedonier, Bruttier, Apulier und Lukaner; [88] und wer den Blick auf die Prachtaufzüge warf, sah Gold, Purpur, Statuen, Gemälde und Tarents Köstlichkeiten. Aber auf keinem Gegenstande ruhten die Blicke des Römischen Volkes lieber, als auf jenen bethürmten Ungeheuern, die nicht ohne Gefühl ihrer Gefangenschaft den Nacken beugten, und den siegreichen Rossen folgten.

Der Picentinische Krieg183

(N. E. R. 484. V. Chr. G. 266.)

19 [L] (1) Bald hatte ganz Italien Friede. Denn Wer sollte es nach Tarent noch wagen? Nur beliebte, jetzt auch die Bundesgenossen der Feinde zu verfolgen. Es wurden daher die Picenter,184 und das Haupt dieses Volksstammes, Asculum,185 bezwungen, unter Anführung des Sempronius, welcher, als das Schlachtfeld unter den Kämpfern erbebte, der Göttin Tellus einen Tempel gelobte, und sie so versöhnte.

Der Sallentinische Krieg186

(N. E. R. 486. V. Chr. G. 264.)

20 [L] (1) Zu den überwundenen Picentern kamen noch [89] durch Markus Atilius die Sallentiner,187 und die Hauptstadt ihres Landes, Brundusium, mit ihrem berühmten Hafen hinzu. Auch in diesem Kampfe verlangte die Hirtengöttin Pales188 von selbst für sich als Preis des Sieges einen Tempel.

Der Volsinische Krieg189

(N. E. R. 487. V. Chr. G. 263.)

21 [L] (1) Als die Letzten unter den Italischen Völkern kamen die Volsinier unter unsre schützende Botmäßigkeit, die Reichsten unter den Etruskern, die einst unsre Hülfe gegen ihre Sklaven anriefen. Diese hatten sich nämlich gegen ihre eigenen Herrn, die ihnen die Freiheit geschenkt190, aufgelehnt, und wurden Herrscher im Staate, dessen Gewalt sie auch sich übertrugen. Aber auch sie mußten büßen unter der Anführung des Fabius Gurges.191

Innere Unruhen

22 [L] (1) Dieß ist das zweite Lebensalter des Römischen Volks und so zu sagen seine Jugend, wo es am herrlichsten [90] grünte, wo es in er Blüthe seiner Kraft glühte und brauste. Der ihm vom Hirtenleben her noch innewohnende Zug von Wildheit athmete etwas Unbändiges.192 Daher kommt es, daß das Kriegsheer den Feldherrn Postumius,193 weil er sich nicht zur Herausgabe der versprochenen Beute verstehen wollte, in Folge einer im Lager erhobenen Verschwörung steinigte; daß es unter Appius Klaudius194 den Feind zu schlagen sich weigerte, was in seiner Macht stand; daß unter Anführung Volero’s,195 während der größte Theil der Mannschaft den Kriegsdienst verweigerte, dem Konsul die Gewaltstäbe zerbrochen wurden; daher kommt es, daß es die erlauchtesten Häupter des Staats, wenn sie seinem Willen entgegenstrebten, mit der Verbannung bestrafte, z. B. einen Koriolanus, weil er den Anbau der Felder gebot196 (und dieser Mann hätte eben so stolz und trotzig die Unbild mit den Waffen gerächt; allein seine Mutter Veturia entwaffnete durch ihre Thränen den Sohn, als schon seine Paniere sich nahten): selbst einen Kamillus, weil er die Vejenterbeute zwischen Volk und Heer ungleich vertheilt zu haben schien. Aber dieser Mann, [91] der edler dachte, alterte zu Veji, in der von ihm eroberten Stadt, und bald rächte er die Flehenden am Gallischen Feinde. Auch mit dem Senate197 wurde heftiger, als recht und billig war, gestritten, so daß dieser die Wohnsitze verlassen wollte, und das Vaterland mit Verödung und Untergang bedrohte.

(N. E. R. 259. V. Chr. G. 491.)

23 [L] (1) Die erste Spaltung veranlaßte der Uebermuth der Wucherer.198 Durch deren grausame Wuth gleich Sklaven gestäupt, entwich das Volk bewaffnet auf den heiligen Berg,199 und nur mit Mühe, und blos, weil es Tribunen erhielt, konnte dasselbe durch das Ansehen des beredten und weisen Menenius Agrippa wieder zurückgerufen werden. Noch hat man aus seiner alten Rede folgendes, zur Stiftung der Eintracht sehr wirksame Gleichniß.200 Es geriethen einst, sprach, er die Glieder des menschlichen Leibes mit einander in Zwist, weil, während jedes seine bestimmte Verrichtung habe, der Bauch allein müßig gehe. Hierauf durch die Trennung dem Absterben nahe gebracht, versöhnten sie sich wieder mit einander, dieweil sie erkannt hatten, daß der Bauch es sey, der sie befeuchte, indem er durch seine Thätigkeit die Speisen in Blut verwandle.

(N. E. R. 302–304. V. Chr. G. 446–448.)

24 [L] (1) Die zweite Spaltung hat201 mitten in der Stadt die freche Lüsternheit der Decemvirn202 angefacht. Zehen hierzu auserlesene Männer vom ersten Range hatten auf Geheiß des Volks die aus Griechenland geholten Gesetze zusammengetragen, und die ganze Rechtspflege wurde in zwölf Tafeln geordnet.203 Aber sie behielten in einer Art von königlicher Herrscherwuth204 die ihnen übertragenen Gewaltstäbe zurück. Vor den Andern trieb es Appius in der Vermessenheit so weit, daß er eine freigeborne Jungfrau zum Opfer seiner Wollust bestimmte, uneingedenk der Lukretia, der Könige und des Gesetzes, das er selbst verfaßt [93] hatte.205 Darum, so wie der Vater des Mädchens bemerkte, daß seine Tochter, dem Richterspruch unterlegen, in die Knechtschaft geschleppt werde, tödtete er sie ungesäumt mitten auf dem Forum mit eigener Hand, und nachdem er die Paniere seiner Kampfgenossen um sich versammelt hatte, riß er die ganze mit Waffen umlagerte Tyrannei vom Aventinischen Berge herab in Kerker und Ketten.206

25 [L] (1) Den dritten Aufstand erregte die Würde der Ehen: Plebejer sollten sich mit Patriciern ehlich verbinden dürfen. Dieser Auflauf entbrannte auf dem Berge Janiculum:207 der Volkstribun Kanulejus stand an der Spitze.

26 [L] (1) Der vierte entstand aus Ehrfurcht: auch Bürgerliche sollten zu obrigkeitlichen Aemtern gewählt werden.208 Fabius Ambustus, Vater von zwei Töchtern, hatte die eine dem Sulpicius aus patricischem Blute, die andere einem Bürgerlichen, dem Stolo, gegeben. Diese wurde einmal, weil sie vor dem ihrem Hause unbekannten Anklopfen209 des [94] Liktorstabes erschrak, von ihrer Schwester auf eine ganz übermüthige Weise verlacht, ließ sich aber diese Unbild nicht gefallen. Darum drang ihr Gemahl, als er das Tribunat erlangt hatte, dem Senate, so sehr sich dieser dagegen sträubte, die Gemeinschaft der Ehrenstellen und Staatsämter ab. Aber gerade in diesen aufrührischen Bewegungen erkennt man mit Recht das erste Volk; dieweil es bald die Freiheit, bald die Züchtigkeit, bald die Würde der Geburt, bald die Ehrenauszeichnungen der Staatsämter rächend geschützt hat; und bei allem dem bewachte es nichts eifriger als seine Freiheit, und blieb gegen jede Schenkung, die der Preis ihrer Hingabe werden sollte, unbestechlich; wiewohl, was sich in einem so großen und von Tag zu Tag wachsenden Volke erwarten ließ,210 mitunter verderbliche Staatsbürger auftraten. Den Mälius,211 der durch sein Ackergesetz den Verdacht des Strebens nach Königsherrschaft auf sich geladen, bestrafte es augenblicklich mit dem Tode. Und zwar vollzog die Strafe an Spurius sein eigener Vater; den Erstern aber durchbohrte der Reiterobriste Servilius Ahala212 auf des Diktators Quinctius Befehl mitten auf dem [95] Forum. Den Manlius dagegen, des Kapitols Beschirmer, der, weil er die meisten Schuldner frei gemacht hatte, sich zu hoch und wenig bürgerlich trug, stürzte es von der nämlichen Burg herab, die er vertheidigt hatte. So zu Hause und auswärts, so im Krieg und Frieden legte das Römische Volk das stürmende Meer seiner Jugend,213 d. h. das zweite Lebensalter seiner Herrschaft, zurück, in der es ganz Italien zwischen den Alpen214 und der Meerenge215 mit seinen Waffen unterjochte.

Zweites Buch

Erster Punischer Krieg216

(N. E. R. 488. V. Chr. G. 262.)

1 [L] (1)217 [102] Jetzt war Italien bezwungen und unterjocht, und das Römische Volk, beinahe schon fünfhundert Jahre alt, war nunmehr wahrhaft herangewachsen. Gibt es eine Stärke, gibt es eine Manneskraft, so begann jetzt dasselbe in der That kraftvoll und mannhaft, dem Erdkreis die Spitze zu bieten. So durchzog es denn – wunderbar und unglaublich – das es beinahe fünf Jahrhunderte zu Hause218 gerungen hatte (so schwierig war es gewesen, Italien ein Haupt zu geben), in den folgenden zwei Jahrhunderten219 Afrika, Europa, Asien, ja den ganzen Erdkreis in siegreichen Kriegen.

2 [L] (1) Als daher dieses Volk, Italiens Besieger, vom Lande her bis an die Meerenge gekommen war, so stand es, [103] der Flamme gleich, die, nachdem sie vor sich her die Wälder sengend verheert, durch einen dazwischen fließenden Strom gehemmt wird, eine Weile still. Bald, als es ganz in der Nähe die reichste Beute gewahr wird, von seinem Italien wie abgeschnitten und losgerissen –220 da entbrannte es von solcher Begierde darnach, daß es der Meinung schien, Was sich weder durch einen Damm, noch durch Brücken verbinden lasse, das müße durch Krieg und Waffen verbunden, und seinem Festlande wieder einverleibt werden. Und siehe! das Schicksal bahnte von selbst ihm den Weg, und die Gelegenheit fehlte nicht, da sich die bundesverwandte Stadt Messana221 wegen des Uebermuthes der Punier beschwerte. Nach Siciliens Besitz strebte aber der Punier nicht minder, als der Römer, und zur nämlichen Zeit gingen beide, mit gleichen Wünschen und Kräften, damit um, die Weltherrschaft zu erringen. Zwar unter der Maske, den Bundesgenossen zu helfen, in der That aber durch die Beute gereizt,222 zeigte – so groß ist die Zuversicht des Heldenmuths – jenes rohe, jenes Hirtenvolk, wenn gleich die Neuheit etwas Abschreckendes hatte, dennoch, daß die Tapferkeit nichts darnach fragt, ob man zu Pferde oder zu Schiffe, ob man zu Wasser oder zu Lande kämpfe. Unter dem Konsul Appius Klaudius223 betrat es zuerst jene durch fabelhafte [104] Ungeheuer224 und durch ihre Brandungen ungestüme Meerstraße. Allein es ließ sich so wenig abschrecken, daß es gerade jenes Ungestüm der daherstürzenden Wogen für ein Geschenk annahm. Und auf der Stelle, ohne Verzug besiegte es den Syrakusanerkönig Hiero225 mit solcher Schnelligkeit, daß Dieser selbst gestehen mußte, schon besiegt gewesen zu seyn, ehe er noch den Feind gesehen hatte. Unter den Konsuln Duillius und Kornelius wagte es auch ein Seetreffen, wo schon die Geschwindigkeit der Flottenausrüstung ein glückliches Vorzeichen war. Denn binnen sechzig Tagen, nachdem der Wald gefällt war, lag schon eine Flotte von einhundert und sechzig Schiffen vor Anker; so daß es schien, nicht menschliche Kunst, sondern der Götter Gnade habe die Bäume in Schiffe verkehrt und verwandelt. Wunderbar war die Gestalt des Treffens, da diese schwerfälligen und langsamen Schiffe jene schnellfliegenden Segler der Feinde ergriffen. Nichts halfen die Schifferkunstgriffe, die Ruder der Feinde abzuschlagen, und durch Ausweichen den Anlauf der Schiffschnäbel zu vereiteln. Denn man warf eiserne Haken aus und andere226 Werkzeuge, über die der Feind vor dem Kampfe sich sehr lustig machte; und die Feinde wurden gezwungen, gleichsam auf festem Grund und Boden [105] zu fechten. So feierte es als Sieger bei Liparä,227 wo die feindliche Flotte theils versenkt, theils in die Flucht geschlagen wurde, jenen ersten Seetriumph. Wie groß war nicht die Freude darüber, da der Feldherr Duillius, nicht zufrieden mit dem eintägigen Triumph, so lange er lebte, sich, so oft er vom nächtlichen Mahle heimkehrte, mit Fackeln vorleuchten und mit Flöten vorspielen ließ, wie wenn er täglich einen Triumph zu feiern hätte!228 Gegen einen so großen Sieg war der Verlust, den man erlitt, gering. Der eine der Konsuln, Asina Kornelius,229 wurde abgeschnitten: durch eine vorgebliche Unterredung herausgelockt, wurde er übermannt, und diente zum Beleg der Punischen Treulosigkeit. Unter dem Diktator Kalatinus zwang es fast alle Besatzungen der Punier in Agrigentum, Drepana, Panormus, Eryx und Lilybäum230 zum Abzug. Einmal zitterte man in der Nähe des camarinischen Waldes. Allein der ausgezeichneten Tapferkeit des Kriegstribuns Kalpurnius Flamma231 verdankten wir unsre Rettung. Dieser bemächtigte sich nämlich mit einer auserlesenen [106] Schaar von Dreihunderten einer gefährlichen232 und von dem Feinde besetzten Anhöhe, und hielt Denselben so lange hin, bis das ganze Heer entkam. Und so erreichte er durch den herrlichsten Erfolg der Ruhm der Thermopylen und des Leonidas, und dieser Ruhm ward für ihn um so glänzender, weil er eine so große Unternehmung überlebte.233 Unter Lucius Kornelius Scipio, wo Sicilien schon eine ganz nahe Provinz des Römischen Volkes war, und der Krieg immer weiter fortglomm, ging es nach Sardinien und das daran stoßende Korsika über. Dort schreckte es die Bewohner durch die Zerstörung von Olbia, hier durch die von Aleria,234 und säuberte235 Land und Meer so ganz von allen Puniern, daß für den Sieg nur noch Afrika übrig war. Unter des Markus Atilius Regulus236 Anführung steuerte der Krieg schon nach Afrika hinüber. Und es fehlte nicht an Solchen, die beim bloßen [107] Namen und Schrecken des Punischen Meeres kleinmüthig wurden, und der Tribun Nautius (Mannius) vermehrte überdieß die Besorgniß. Allein der Oberfeldherr bedrohte seinen Ungehorsam mit entblöstem Beil, und erweckte durch Todesfurcht den Muth zur Seefahrt. Alsbald beeilte man sich, was Segel und Ruder vermochten, und der Schrecken vor der Ankunft des Feindes war bei den Puniern so groß, daß Karthago fast bei offenen Thoren eingenommen wurde. Der erste Kriegsgewinn war die Stadt Klypea237, die vor andern als Burg und Warte vom Punischen Gestade vorspringt. Dieses und über dreihundert andere Kastelle wurden geschleift. Und nicht mit Menschen allein, sondern sogar mit Ungeheuern ward gekämpft, indem eine Schlange von außerordentlicher Größe, wie zu Afrika’s Vertheidigung gebrütet, das Lager am Bagrada238 beunruhigte. Allein der alles besiegende Regulus, der den Schrecken seines Namens weit umher verbreitete; der eine große Anzahl der Kriegsmannschaft und die Heerführer selbst theils gefangen hatte, theils noch in Fesseln hielt; der eine Flotte, mit ungeheurer Beute beladen, und mit Gegenständen des Triumphs schwer belastet, nach der Stadt Rom vorausgeschickt hatte, bedrängte jetzt selbst schon Karthago, das Haupt des Krieges, durch eine Blokade und lag schon dicht vor den Thoren. Hier wandte sich das Glück ein wenig, blos damit der glänzenden Denkmale des Römischen Heldenmuthes mehrere [108] wären, dessen Größe239 in Widerwärtigkeiten gewöhnlich sich bewährt. Denn die Feinde nahmen ihre Zuflucht zu auswärtiger Hülfe, und nachdem ihnen Lacedämon den Feldherrn Xanthippus geschickt, so werden wir von diesem sehr kriegserfahrnen Manne besiegt.240 Jetzt kam’s zu einer schmählichen Niederlage, den Erfahrungen der Römer neu. Der tapfere Oberfeldherr kommt lebendig in des Feindes Hände. Aber Jener war einem solchen Unglück gewachsen. Denn weder der Punische Kerker, noch die übernommene Gesandtschaft beugen ihn. Er stimmte nämlich für das Gegentheil des feindlichen Auftrags; er will keinen Frieden, keine Auswechslung der Gefangenen, um zurückbleiben zu können. Allein weder durch die freiwillige Rückkehr zu seinen Feinden, noch durch die Kreuzesstrafe ward seine erhabene Würde entstellt. Ja nur bewunderungswürdiger macht ihn dieß Alles. Was war es anders, als ein Triumph des Besiegten über den Sieger, und sogar, weil Karthago noch nicht gebeugt war, ein Triumph über das Schicksal?241 Das Römische Volk aber kämpfte für des Regulus Rache mit weit heftigerem Groll, als für den Sieg. Hochmuth blähte jetzt die Punier auf, und der Krieg hatte sich wieder nach Sicilien gewendet, als Rom unter dem Konsul Metellus [109] die Feinde bei Panormus242 so schlug, daß sie selbst nicht mehr an diese Insel dachten. Ein Beweis des gewaltigen Sieges ist die Gefangennehmung von ungefähr hundert Elephanten: selbst dann eine große Beute, wenn es jene Schaar nicht im Kriege, sondern auf der Jagd gefangen hätte. Unter dem Konsul Appius Klaudius wurde es nicht von den Feinden, sondern durch die Götter selbst überwunden, auf deren Zeichen es nicht geachtet hatte. Denn plötzlich versank die Flotte auf der Stelle, wo Jener die heiligen Hühner aus dem Schiffe werfen ließ, weil sie die Schlacht verboten.243 Unter dem Konsul Markus Fabius Buteo schlug es die feindliche Flotte auf dem Afrikanischen Meere bei Aegimurus,244 als sie angriffsweise schon nach Italien steuern wollte. O welch ein Triumph entging damals durch einen Seesturm unsern Händen, als die beutereiche Flotte, von widrigen Winden getrieben, mit ihren Trümmern Afrika, die Syrten und das Gestade aller dazwischen liegenden Inseln245 bedeckte! Ein großer Verlust, aber nicht ohne allen Ruhm für das erste Volk, daß der Sturm dem Sieg in die Seite kam, und den Triumph der Schiffbruch verschlang. Und doch, obgleich die Punische Beute an allen [110] Vorgebirgen und Inseln zerstückelt umherschwamm, triumphirte auch so das Römische Volk.246 Unter dem Konsul Lutatius Katulus ward endlich dem Krieg bei den sogenannten Aegatischen Inseln ein Ziel gesetzt.247 Nie gab es sonst eine größere Seeschlacht; denn schwerbeladen mit Proviant, Soldaten, Wehr und Waffen war die feindliche Flotte, und auf ihr befand sich gleichsam ganz Karthago. Dieß war aber gerade ihr Verderben. Die Römische Flotte war gewandt, leicht, schlagfertig, gewissermaßen lagermäßig gerüstet. Das Ganze glich einem Reitertreffen. Ruder lenkten die Schiffe, wie Zäume die Rosse, und die dahin und dorthin beweglichen Schiffschnäbel schienen belebt zu seyn. In einem Augenblick wurden die feindlichen Fahrzeuge zetrummert, und die Trümmer bedeckten das ganze Meer zwischen Sicilien und Sardinien. Kurz dieser Sieg war so groß, daß von Zerstörung der feindlichen Befestigungswerke nicht mehr die Rede war. Man hielt es für überflüssig, gegen Burg und Mauern zu wüthen, da Karthago schon im Meere vernichtet war.

Ligurischer Krieg247

(N. E. R. 515. V. Chr. G. 235.)

3 [L] (1) Auf das Ende des Punischen Krieges folgte eine in der That kurze Ruhe, nur um gleichsam wieder Athen zu [111] holen. Zum erstenmal ward jetzt seit Numa, zum Zeichen des Friedens und der wahrhaft rastenden Waffen, die Pforte des Janus geschlossen. Sogleich aber und ohne Verzug öffnete sie sich wieder. Denn bald beunruhigten uns die Ligurier,248 bald die Insubrischen Gallier,249 so wie die Illyrier. Es sind dieß die Völker,250 die am Fuße der Alpen, d. h. an den Zugängen nach Italien selbst wohnten. Irgend eine Gottheit reizte sie wohl unabläßig, damit ihre Waffen nicht vom Rost und Schimmel litten. Jene beiden Völker, zuletzt unsre täglichen und heimischen Feinde, bildeten die Kriegsschule für unsre Krieger, und ganz wie an einem Wetzstein schärfte das Römische Volk an beiden Völkern das Schwert seiner Tapferkeit.251 Die Ligurier, am untersten Fuße der Alpen hängend, zwischen den Flüssen Varus und Makra,252 und im Walddickicht versteckt, waren mit etwas mehr Mühe aufzufinden, als zu besiegen. Gesichert durch Lage und Auswege, ein abgehärtetes [112] und rasches Volk, beschäftigten sie sich, wie’s die Gelegenheit bot, mehr mit Raub als mit Krieg. Darum, weil die Salyer, Deciaten, Orybier, Euburiaten, Ingaunen253 lang und viel ihr Spiel mit uns trieben, umgab endlich Fulvius ihre Schlupfwinkel mit Feuer, Bätius führte sie in die Ebene herab, und Postumius entwaffnete sie dergestalt, daß er ihnen kaum das Eisen für den Feldbau übrig ließ.

Der Gallische Krieg254

(N. E. R. 522. V. Chr. G. 225.)

4 [L] (1) Die Insubrischen Gallier und ihre Nachbarn an den Alpen hatten die Sinnesart wilder Thiere und Körper von übermenschlicher Größe. Allein – eine Entdeckung, auf welche die Erfahrung geführt – sowie255 ihr erster Anfall Manneskraft übersteigt, so sinkt der folgende unter die weibliche Schwäche herab. Denn die unter feuchtem Himmel aufgewachsenen Alpenkörper haben einige Aehnlichkeit mit ihrem Schnee. Sobald sie im Kampfe warm geworden, zerfließen sie in Schweiß, und bei leichter Bewegung schmelzen sie wie an der Sonne [der Schnee]. Diese Leute hatten sonst oft, besonders unter ihrem Anführer Britomarus geschworen, [113] nicht eher ihr Wehrgehänge abzulegen, als bis sie das Kapitolium erstiegen hätten. Dieß geschah auch; denn Aemilius löste den Gürtel der Besiegten auf dem Kapitolium. Bald gelobten sie unter Ariovist’s Anführung von der Beute unsrer Soldaten ihrem Kriegsgott256 eine Halskette. Jupiter fing das Gelübde auf. Denn Flaminius errichtete ihm von ihren Halsketten eine goldene Trophäe. Unter ihrem Könige Viridomarus hatten sie dem Römischen Vulkan unsre Waffen gelobt: das Gelübde schlug anders aus. Ihr König wurde nämlich getödtet, und Marcellus hing das drittemal seit Vater Romulus dem Jupiter Feretrius die Waffen auf.257

Der Illyrische Krieg258

(N. E. R. 532. V. Chr. G. 218.)

5 [L] (1) An dem äußersten Fuße der Alpen, zwischen den Flüssen Arsia und Titius, leben die Illyrier oder Liburner, und breiten sich an dem ganzen Gestade des Adriatischen Meere beherrscht, begnügten sie sich nicht mit ihren [114] Plünderungen, sondern gesellten zum Muthwillen auch Frevel. Denn als unsre Gesandten über Das, was sie verbrochen hatten, Rechenschaft forderten, tödteten sie dieselben nicht einmal mit dem Schwerte, sondern wie Opferthiere mit dem Beil; die Befehlshaber der Schiffe verbrannten sie, und zwar, um den Schimpf noch zu erhöhen, auf das Machtgebot eines Weibes. Darum bändigte sie weit umher Knejus Fulvius Centumalus. Das über die Hälfte ihrer Oberhäupter gezückte Beil versöhnte die Schatten unsrer Gesandten.

Der zweite Punische Krieg

(N. E. R. 533. V. Chr. G. 217.)

6 [L] (1) Kaum war nach dem ersten Punischen Krieg eine Ruhezeit von vier Jahren verstrichen,259 siehe da erhob sich ein zweiter Krieg, zwar von nicht so langer Dauer (denn er zähl nur achtzehen Jahre), aber um so furchtbarer durch grausame Niederlagen; so daß, wenn man die Verluste beider Völker vergleicht, das Volk, welches gesiegt, mehr dem besiegten glich.260 Brennend schmerzte das stolze Volk der [115] Verlust des Meeres, die Entreißung der Inseln, die Last des Tributs, den es einst [Andern] aufzulegen gewohnt war.261 Darum hatte Hannibal als Knabe dem Vater am Altare Rache geschworen, und er säumte nicht. Man erkor sich daher als Grund zum Kriege Sagunt,262 eine alte und reiche Stadt in Spanien, ein großes, aber trauriges Denkmal der Treue gegen die Römer. Diese durch gemeinschaftlichen Vertrag für frei erklärte Stadt zerstörte Hannibal, Stoff zu neuen Unruhen sichend, mit seinen eigenen und der Bewohner Händen, um durch den Bruch des Vertrags sich Italien zu öffnen. Verträge sind den Römern über Alles heilig. Darum schritten sie, eingedenk des auch mit den Puniern geschlossenen Vertrags, auf die Nachricht von der Belagerung der mit ihnen verbündeten Stadt, nicht sogleich zu den Waffen, indem sie lieber vorher noch auf dem gesetzlichen Wege Beschwerde führen wollten. Unterdessen thürmten die schon seit neun263 Monaten durch Hunger, Sturmzeug und das Schwert Entkräfteten, deren Treue zuletzt sich in Wuth verwandelt, einen ungeheuern Scheiterhaufen auf dem Marktplatze auf. Jetzt stürzen sie sich selbst mit den Ihrigen in denselben von oben herab, und vernichten sich so durch Feuer und Schwert sammt allen ihren Schätzen. Man dringt auf [116] Hannibals Auslieferung als des Urhebers dieses großen Unglücks. Und da die Punier Ausflüchte suchen, so sagt der Anführer der Römischen Gesandtschaft, Fabius:264 Was soll das Zaudern? In diesem Busen trage ich Krieg und Frieden. Was wählt Ihr? – Krieg,265 rief ihm Alles zu. – Krieg also, war seine Antwort; hier habt Ihr ihn! Und er schüttelte, gerade wie wenn er im Busen den Krieg trüge, mitten in dem Rathsaale den Schoos der Toga nicht ohne Schaudern aus. Und der Ausgang des Krieges war seinem Anfang ähnlich. Denn wie wenn die letzten Flüche der Saguntiner bei jenem öffentlichen Morde und Brande ein solches Todtenopfer empfohlen hätten, so wurde durch Italiens Verwüstung,266 durch Afrika’s Eroberung und durch den Untergang der kriegführenden Feldherrn und Könige die Todtenfeier ihrer abgeschiedenen Geister begangen. So wie daher einmal in Spanien jenes schwere und traurige Ungewitter des Punischen Krieges mit Macht sich geregt, und der den Römern längst bestimmte Wetterstrahl aus Sagunts Flammen emporgelodert, so brach es, wie von einem Sturme fortgerissen, sogleich mitten durch die Alpen, und stieg, wie vom Himmel gesendet, von den fabelhaft hohen [117] Schneegebirgen nach Italien hinab.267 Und es ließ der erste Wirbelsturm zwischen dem Padus und Ticinus sogleich mit mächtigem Krachen seine Donner vernehmen. Das Kriegsheer, von Scipio geführt, wurde jetzt geschlagen. Ja der verwundete Feldherr selbst wäre in Feindeshand gerathen, hätte nicht der noch lange mit der Prätexta268 bekleidete Sohn den Vater beschirmt und selbst dem Tode entrissen. Dieß ist jener Scipio, der zu Afrika’s Verderben heranreist, um aus dessen Unglück seinen Beinamen zu erhalten. – Auf den Ticinus folgt die Trebia.269 Hier war es, wo der zweite Sturm des Punischen Krieges unter dem Konsul Sempronius tobte. Dort benutzten die überaus schlauen Feinde einen kalten, schneeigen Tag, und nachdem sie sich vorher mit Feuer und Oehl wohlgethan hatten, überwanden uns – ha! schrecklich! – diese von Mittag und von der heißen Sonne kommenden Menschen durch unsern eigenen Winter. Der Trasimenische See270 war Hannibals dritter Blitzstrahl, Flaminius unser Feldherr. Auch hier entschied ein neuer Kunstgriff Punischer List.271 Denn [118] plötzlich fiel die vom Nebel und dem Gesträuche des Sees verdeckte Reiterei den Streitenden in den Rücken. Die Götter können wir nicht anklagen. Die bevorstehende Niederlage hatten dem unbesonnenen Feldherrn die auf den Bannern sitzenden Bienenschwärme,272 die gegen das Vortreten sich weigernden Adler, und ein auf das Treffen gefolgtes großes Erdbeben verkündigt, wenn jene Erschütterung des Bodens nicht das Hin- und Herrennen der Pferde und Menschen, und die mächtig geschwungenen Waffen verursachten.273 Die vierte, d. h. beinahe die letzte Wunde schlug dem Reich Kannä, ein elender Flecken in Apulien; aber durch die Größe der Niederlage erhob er sich, und das Blutbad von vierzig tausend Gefallenen274 verschaffte ihm Ruhm. Hier verschworen sich zum Untergang des Heeres Anführer, Erde, Himmel, Tag, kurz die ganze Natur. Denn Hannibal begnügte sich nicht mit seinen verstellten Ueberläufern, die bald im Rücken auf die Streitenden einhieben; ja der so verschlagene Feldherr stellte überdieß auf dem weiten Felde unter Beobachtung [119] der Ortslage, der dortigen stechenden Sonnenhitze, des gewaltigen Staubes und des hier wie auf Abrede zutreffenden Ostwindes275 sein Heer dergestalt in Schlachtordnung, daß, während die Römer dieses Alles gegen sich hatten, er dagegen, wie eines günstigen Himmels genießend, mit Wind und Staub und Sonne gegen seine Feinde kämpfen konnte. So wurden zwei der größten Heere bis zur Sättigung der Feinde niedergemacht, bis Hannibal seinem Kriege zurief: haltet ein mit dem Schwert. Von den Heerführern ist der Eine entflohen, der Andere getödtet worden: Wessen Seele die größte, ist zweifelhaft. Paulus erlag der Schaam, Varro siegte über die Verzweiflung. Der eine Zeitlang blutrothe Aufidus, die Brücke von Leichnamen auf des Heerführers Befehl über den Gießbach Vergellus erbaut, zwei Scheffel nach Karthago übersandte Fingerringe und die nach dem Kornmaß geschätzte Ritterwürde – das waren die Beweise dieser Niederlage.276 Man zweifelte jetzt nicht mehr daran, daß dieß Roms letzter Tag gewesen wäre, und daß Hannibal binnen fünf Tagen auf dem Kapitolium hätte speisen können,277 wenn er, wie der Punier Maharbal, Himilko’s Sohn, sich geäußert haben soll,278 den Sieg eben so gut zu benützen, als [120] zu erfechten verstanden hätte. Aber jetzt trieb ihn, wie man insgeheim urtheilt, das Geschick der zur Herrscherin bestimmten Stadt, oder sein eigener verkehrter Sinn und die Karthago entfremdeten Götter, nach der entgegengesetzten Richtung. Während es in seiner Macht steht, den Sieg zu benützen, will er ihn lieben genießen, lieber Rom zurücklassen und Kampanien und Tarent durchziehen, wo alsbald er selbst279 und seines Heeres Begeisterung ermattet. So wird denn die Behauptung wahr: Kapua ist Hannibals Kannä geworden. Wer sollte es glauben: Kampaniens Sonne und Bajä’s blauen Quellen unterliegt der Held, den die Alpen nicht besiegt, den Waffengewalt nicht gebändigt hat?280 Unterdessen schöpfte der Römer wieder Luft, und arbeitete sich gleichsam aus der Unterwelt empor. Es gebrach an Waffen: man entzog sie den Tempeln. Es fehlte an waffenfähiger Mannschaft: man macht Sklaven frei, und läßt sie zum Kriegsdienst schwören. Der Staatsschatz war arm: der Senat281 schoß seine Reichthümer willig zusammen, und [121] behielt von Gold sich Nichts zurück, als was an Bullen282 und einzelnen Ringen war. Die Ritterschaft folgte dem Beispiele, und sie ahmten die Tribus nach. Zuletzt unter dem Konsulate des Lävinus und Marcellus, als die Privatschätze zum Gebrauche des Staats herbeigezogen wurden, reichten kaum Verzeichnisse und Schreiberhände zu. Ferner bei der Wahl der Obrigkeiten, welche Weisheit der Centurien, daß über die Wahl der Konsuln die Jüngeren sich den Rath der Aelteren erbaten!283 Denn gegen einen so oft siegreichen, so schlauen Feind mußte man sich nicht allein mit Tapferkeit, sondern auch mit besonderer Klugheit kämpfen.284 Die erste Hoffnung des wiederkehrenden und – um mich so auszudrücken – wiederauflebenden Reichs war Fabius, der eine neue Art, über Hannibal zu siegen, erfunden hat, sich nicht zu schlagen. Darum ward ihm der neue285 und für den Staat so heilbringende Beiname des Zauderers. Daher seine Volksbenennung Reichsschild. Durch ganze Samnium, durch das Falernische und Gauranische286 [122] Waldgebirg schwächt er den Hannibal dergestalt, daß Der, den Tapferkeit nicht beugen konnte, durch Zögern entkräftet wurde. Jetzt wagt man sogar unter Klaudius Marcellus ein Treffen. Dieser rückt ihm nahe, schlägt ihn in seinem Kampanien,287 und treibt ihn von der Stadt Nola hinweg, die er belagerte. Man wagt es, ihm unter Sempronius Gracchus288 durch Lukanien zu folgen, und den Entweichenden im Rücken zu drängen, wiewohl man damals – o der Schmach! – mit Sklavenrotten kämpfen mußte; denn dahin hatten Rom so viele Unglücksfälle gebracht. Allein den Sklaven schenkte man die Freiheit.289 Ihre Tapferkeit hatte sie aus Sklaven zu Römern gemacht. Welch erstaunenswürdige Zuversicht in so vielen Drangsalen! Welch seltener Muth und Hochsinn des Römischen Volkes! In der so bangen und betrübten Lage, wo es sein Italien auf dem Spiele sah, war es doch kühn genug, seine Blicke nach andern Seiten zu richten; und während der Feind, ihm auf dem Nacken, Kampanien [123] und Apulien durchflog, und aus Italien Mittelafrika machte, so hielt es ihm zu gleicher Zeit nicht blos Stand, sondern entsandte auch seine auf der Erde vertheilten Waffen nach Sicilien, Sardinien und Spanien. Des Marcellus Aufgabe wird Sicilien, und es widerstand nicht lange. Denn in Einer Stadt eroberte man die ganze Insel.290 Jene große und vor dieser Zeit unbesiegte Hauptstadt Syrakus mußte endlich, wenn gleich durch Archimedes Geist vertheidigt, sich ergeben. Nichts halfen ihr die dreifache Mauer und eben so viele Kastelle; nichts jener Marmorhafen noch Arethusa’s291 gefeierte Quelle. Sie dienten zu nichts, als daß man der Schönheit der besiegten Stadt schonte. Sardinien raffte Gracchus hinweg.292 Nichts frommte jenem seiner Völker Wildheit, Nichts die schreckende [124] Gestalt seiner Berge, jener Ungeheuer, wie man sie nennt. Man wüthete gegen die Städte, und gegen die Hauptstadt Karalis,293 um ein hartnäckiges, den Tod geringschätzendes Volk wenigstens durch die Liebe zum vaterländischen Boden zu bändigen. Spanien hatten die dahin geschickten Scipionen, Knejus und Publius,294 fast ganz den Puniern entrissen; allein durch die Fallstricke Punischer List überrascht, verloren sie es wieder, ob sie gleich in großen Schlachten die Punische Macht überwunden hatten. Der Eine unterliegt, während er das Lager absteckt, dem Schwerte des lauernden Puniers; der Andere, der sich in einen Thurm geflüchtet, den Brandfackeln, die derselbe um ihn gelegt. Darum wird zur Rache des Vaters und des Oheims Scipio mit einem Heer abgeschickt, und dieser Mann, dem das Schicksal wegen Afrika einen so großen Namen bestimmt hatte, ist es, der jenes kriegerische,295 durch Waffen und Männer berühmte Spanien, jenes Pflanzfeld des feindlichen Heeres, jene Bildungsschule Hannibals – unglaublich zu hören – in seinem ganzen Umfang von dem Pyrenäengebirge bis zu den Säulen des Herkules296 und bis zum Ocean wieder erobert hat: ob mit mehr Schnelligkeit, oder Glück, Wer mag das bestimmen? Wie rasch es ging, beurkunden vier Jahre; wie glücklich, beweist schon eine [125] Stadt: denn an demselben Tage, wo diese berannt wurde, ward sie auch eingenommen,297 und es war ein Vorzeichen des Afrikanischen Sieges, daß das Spanische Karthago so leicht besiegt wurde. Entschieden ist es jedoch, daß die seltene Tugend des Feldherrn sehr viel zur Unterwerfung der Provinz beitrug. Er gab nämlich die gefangenen Knaben und Jungfrauen von ausgezeichneter Schönheit den Barbaren zurück, und ließ sie nicht einmal vor sein Angesicht führen, um selbst den Schein zu meiden, auch nur mit seinen Blicken ihre jungfräuliche Reinheit gekostet zu haben.298 Das war das Römische Volk in entlegenen Erdstrichen; und doch war es nicht im Stande, den in Italiens Eingeweiden fest sitzenden Hannibal zu verdrängen. Fast Alles war zum Feinde abgefallen, und der so scharfsichtige Feldherr bediente sich gegen die Römer auch Italischer Streitkräfte. Doch hatten wir ihn bereits aus den meisten Städten und Gegenden vertrieben. Schon war Tarent uns wieder zugefallen;299 schon hatten wir auch Kapua inne, Hannibals Wohnsitz und zweites Vaterland, dessen Verlust den Punischen Feldherrn so sehr schmerzte,daß er mit seiner Gesammtkraft gegen Rom sich wandte. O Volk, würdig der Weltherrschaft; würdig des Beifalls Aller; würdig der Bewunderung von Menschen und Göttern! Zu den äußersten Besorgnissen getrieben, [126] stand es von seinem Vorsatz nicht ab, und wenn gleich um seine Hauptstadt beängstigt, gibt es Kapua doch nicht auf; sondern indem ein Theil des Heeres unter dem Konsul Appius zurückblieb, und ein anderer Theil dem Flakkus in die Haupstadt folgte, kämpfte es abwesend zu gleicher Zeit. Was wundern wir uns also, wenn dem Hannibal, wie er vom dritten Meilenstein mit dem Lager aufbricht, abermals die Götter selbst, die Götter, sage ich – und will mich nicht schämen, dieß zu gestehen – in den Weg traten? Denn auf jede seiner Bewegungen ergoß sich ein so heftiger Platzregen, erhob sich auf einmal ein so gewaltiger Windsturm, daß es schien, als werde der Feind von den Göttern selbst zurückgedrängt; als sende nicht der Himmel, sondern die Mauern der Hauptstadt selbst und das Kapitol jenen Sturm. Er floh und entwich und zog sich in den äußersten Winkel Italiens zurück,300 nachdem er der Stadt den Rücken geboten, der er fast blos göttliche Verehrung bezeugt zu haben schien. Ein an sich wenig besagender Umstand; jedoch wichtig genug, um den hohen Sinn des Römischen Volkes zu beweisen, ist es, daß gerade während der Belagerungstage jenes Feld, welches Hannibal mit seinem Lager besetzt hielt, in Rom zum Kauf ausgeboten wurde, und bei der Versteigerung einen Käufer fand.301 Hannibal wollte seiner Seits dieses Selbstvertrauen nachahmen, und bot die Wechselbuden in Rom feil; aber es fand sich [127] kein Kaufliebhaber, zum Beweis, daß das Schicksal auch seine Vorboten hatte.302 Nichts war gethan mit diesem großen Heldenmuthe, ja nicht einmal mit er großen Gunst der Götter. Denn von Spanien rückte Hannibals Bruder, Hasdrubal,303 mit einem neuen Heere, mit neuen Streitkräften, mit neuer Kriegslast an. Ohne Zweifel war es um uns geschehen, hätte sich dieser Mann mit seinem Bruder vereinigt. Allein auch ihn überwältigen, wie er das Lager absteckt, Klaudius Nero und Livius Salinator. Im äußersten Winkel Italiens bedrängt Nero den Hannibal.304 Livius hatte seine Paniere nach der ganz entgegengesetzten Seite, d. h. gegen die Pässe des beginnenden Italiens, gekehrt. Mit welcher Besonnenheit, mit welcher Schnelligkeit die Konsuln, die ein so große dazwischen liegende Länderstrecke, die ganze Länge Italiens trennte, ihre Lager vereinigt,305 den Feind unversehens überfallen und in förmlicher Schlacht geschlagen haben, ohne daß Hannibal Dieß inne wurde, das ist schwer mit Worten zu schildern. Hannibal wenigstens, als er nach der Kunde dieses Vorfalls das vor sein Lager hingeworfene Haupt seines Bruders erblickte, sagte: jetzt erkenne ich Karthago’s Mißgeschick.306 Dieß war das erste Bekenntniß [128] jenes Mannes, nicht ohne eine gewisse Ahnung des über ihm schwebenden Verhängnisses. Schon war es gewiß, da0 Hannibal selbst nach eigenem Geständniß nicht unüberwindlich sey. Aber voll Selbstgefühl wegen so vieler glücklicher Ereignisse, achtete es das Römische Volk für wichtig, den wildesten seiner Feinde in seinem Afrika zu besiegen. Es wandte sich daher unter Scipio’s Anführung mit seiner gesammten Heeresmasse nach Afrika selbst, und begann Hannibals Beispiel nachzuahmen, und für die Schläge seines Italiens an Afrika Rache zu nehmen. Gute Götter! welche Streitmassen des Hasdrubal, welche Heere von Syphax307 hat Scipio geschlagen! Welch große Feldlager von beiden hat er durch eingelegte Brandfacken in Einer Nacht vernichtet.308 Endlich erschüttert er, nicht erst vom dritten Meilenstein aus, Karthago’s Thore selbst durch eine Belagerung. So geschah es, daß er den in Italien festsitzenden und eingenisteten Hannibal aus diesem Lande verdrängte. Nie war, so lange Rom herrscht, ein größerer Tag, als jener, wo die größten Feldherrn der Vor- und Nachwelt, Jener Italiens, Dieser Spaniens Besieger, mit ihren Panieren nahe wider einander gerückt, die Schlachtreihen ordneten.309 Allein es kam noch zwischen beiden zu einer Unterredung über die Friedensbedingungen. Lange standen sie da, der Eine in starre Bewunderung des Andern [129] versunken. Als man über den Frieden nicht einig wurde, so ertönten die Zeichen der Schlacht. Das beiderseitige Geständniß macht es gewiß, daß keine Schlacht besser angeordnet und in keiner hitziger gekämpft werden konnte. Dieses Zeugniß gab Scipio Hannibal’s, und Hannibal Scipio’s Heere. Gleichwohl mußte Hannibal weichen, und des Sieges Lohn war Afrika,310 dem alsbald der übrige Erdkreis folgte.

Der erste Macedonische Krieg312

(N. E. R. 551. V. Chr. G. 199.)

7 [L] (1) Nach Karthago besiegt zu werden, hiel Niemand für eine Schande. Auf Afrika folgten alsbald die Völker von Macedonien, Griechenland, Syrien und alles Uebrige, wie in einem brausenden und überwallenden Strome des Glücks; unter allen zuerst die Macedonier, ein Volk, das einst um die Weltherrschaft rang. Ob nun gleich damals Philippus auf dem Thorne saß, so däuchte doch die Römer, sie stritten mit dem König Alexander. Den Krieg mit Macedonien machte der Name des Völkes größer, als die Probe, die das Volk ablegte. Die Veranlassung ging von Philipps Vertrag aus, durch den sich der König schon früher mit Hannibal, der in Italien das Uebergewicht [130] hatte, verbunden hatte; er gewann aber nachher an Gewicht, als Athen313 gegen die Gewaltthätigkeiten des Königs um Hülfe flehte, der gegen alle Rechte des Sieges Tempel, Altäre, und selbst die Gräber zu Opfern seiner Wuth machte.314 Der Senat beschloß, Schutzflehenden von dieser Bedeutung Hülfe zu leisten. Denn schon erbaten sich Könige, Feldherrn, Völker und Nationen Schutz von unsrer Stadt.315 So betrat denn das Römische Volk unter dem Konsul Lävinus316 zum erstenmal das Ionische Meer, und umsegelte [131] die ganze Griechische Küste mit seiner gleichsam triumphirenden Flotte. Denn diese trug Siciliens, Sardiniens, Spaniens, Afrika’s Beutewaffen vor sich her, und ein auf dem Schiffe des Anführers emporgewachsener Lorber verhieß unfehlbaren Sieg. Freiwillig erschien zur Hülfe Attalus, König der Pergamener.317 Es erschienen die Rhodier, ein seefahrendes Volk. Während der Konsul mit diesen von der See, vom Land aus aber mit Mann und Roß alles erschütterte,318 wurde der König zweimal besiegt, zweimal in die Flucht geschlagen, zweimal seines Lagers beraubt. Jedoch war den Macedoniern nichts furchtbarer, als gerade der Anblick der Wunden, die nicht mit kleinen Speeren, nicht mit Pfeilen, nicht mit einem kleinen Griechenschwert, sondern mit ungeheuren Lanzen319 und Schwertern gleicher Größe beigebracht, noch stärker als zur Tödtung klafften. Aber unter Flaminius Anführung drangen wir durch die bisher unwegsamen Gebirge der Chaonier,320 [132] durch den über Klippen daherstürzenden Aous, kurz durch den Schlüssel von Macedonien ein. Eingedrungen zu seyn, galt schon für einen Sieg. Denn nachher wagte der König nie mehr einen Kampf. Bei jenen Hügeln,321 welche man die Hundeköpfe nennt, wurde er in einem einzigen, nicht einmal förmlichen Treffen überwältigt. Der Konsul322 schenkte ihm Frieden, und ließ ihm sein Reich. Alsbald aber, damit kein Feind mehr übrig bliebe, trieb er Theben, Euböa und das unter seinem Nabis übermüthige Lacedämon zu Paaren. Griechenland gab er seine alte Verfassung zurück. Es sollte nach seinen eigenen Gesetzen leben, und der angestammten Freiheit genießen. Welche Wonne, welche Ausrufe, als diese Kunde zufällig auf der Schaubühne zu Nemea323 bei den fünfjährigen Spielen des Herolds Stimme vortrug! Wie ward in die Wette gejubelt! Welchen Blumenreichthum streute man dem Konsul! Immer und immer wieder ließ man den Herold die Worte wiederholen, durch die Achaja’s Freiheit verkündigt wurde; und der [133] Vortrag dieses konsularischen Beschlusses gewährte denselben Genuß, wie die wohlklingendste Saiten- und Flötenmusik.

Krieg mit Antiochus, König von Syrien324

(N. E. R. 560. V. Chr. G. 190.)

8 [L] (1) Auf Macedonien und dessen König Philippus folgte alsbald Antiochus, wie durch einen Zufall,325 indem Fortuna gleichsam mit Vorbedacht es so lenkte, daß die Weltherrschaft, wie zuvor von Afrika nach Europa,326 so jetzt – die Anlässe boten sich von selbst dar – von Europa nach Asien fortschreiten, und die Reihe der Siege auf ihrer Fahrt der Lage der Länder und des Erdkreises folgen sollte. Keinen Krieg hat sonst das Gerücht so furchtbar gemacht; denn Perser dachte man sich und das Morgenland, einen Xerxes327 und Darius, dieweil die Kunde einlief, unwegsame Gebirge seyen durchgraben, das Meer sey mit Segeln bedeckt; zudem schreckten Drohungen des Himmels, indem der Kumanische328 Apollo unaufhörlich [134] von Schweiß befeuchtet war. Allein dieß war Besorgniß der Gottheit für ihr geliebtes Asien. In der That ist kein Land reicher begabt mit Mannschaft, Schätzen und Waffen, als Syrien; allein es war in die Hände eines so schwachen Königs, des Antiochus, gefallen, dessen größte Verherrlichung die war, von den Römern besiegt zu werden. Angetrieben zu diesem Krieg hat den König einerseits Thoas,329 Fürst von Aetolien, der über den von den Römern schlecht belohnten Waffenbund im Krieg gegen Macedonien, klagte; andrerseits Hannibal,330 der in Afrika besiegt, landesflüchtig, ein Friedensfeind, für das Römische Volk auf dem ganzen Erdkreis einen Feind suchte. Aber was wäre dieß auch für eine Gefahr gewesen, hätte sich der König Hannibals Rathschlägen hingegeben,331 das heißt, hätte Asiens Macht dem unglücklichen Hannibal zu Gebote gestanden! Allein der König, gestützt auf seine reiche Macht und auf den Königsnamen, hielt für hinreichend, den Krieg anzufangen. Europa hing bereits nach unbezweifeltem Rechte von den Römern ab. Hier forderte Antiochus die von seinen Vorfahren auf dem Thracischen Gestade erbaute Stadt Lysimachia, als rechtmäßiges Erbgut, zurück.332 Gleichsam unter diesem Gestirn erhob sich [135] der Sturm des Asiatischen Krieges; und der größte der Könige, zufrieden, den Krieg keck angekündigt zu haben, nahm, als er mit mächtigem Geräusch und Lärm aus Asien aufgebrochen war, sogleich die Inseln und Küsten Griechenlands in Besitz, und überließ sich, als wäre er Sieger, dem Nichtsthun und der Schwelgerei. Die mit dem Festland zusammenhängende Insel Euböa riß des Euripus wechselnde Fluth durch einen schmalen Sund von demselben los. Hier, gerade an den Wogen, läßt er goldene und serische Gezelte aufschlagen, und unter dem Geplätscher der Wogen des Sundes das Spiel der Flöten und Saiten ertönen, und trotz dem Winter werden aus allen Gegenden Rosen zusammengebracht333 und um wenigstens in einem Betracht den Feldherrn zu spielen, stellt er unter Knaben und Jungfrau’n eine Musterung an. Einen solchen König, den schon seine Schwelgerei besiegt hatte, durfte das Römische Volk unter dem Konsul Acilius Glabrio nur334 angreifen, und es nöthigte ihn alsbald, blos durch die Kunde von seiner Ankunft, von der Insel sich zu flüchten: bei den Thermopylen335 sodann, jenem durch den glänzenden Tod der dreihundert Lakonier denkwürdigen Orte, holte es den [136] eilig Fliehenden ein, und zwang ihn, dem selbst diese Stätte kein Vertrauen zum Widerstand einflößte,336 Land und Meer zu räumen. Stehenden Fußes bricht das Heer alsbald nach Syrien auf. Die königliche Flotte wird dem Polyxenidas und Hannibal anvertraut: denn der König konnte ein Treffen nicht einmal ansehen.337 Unter den Befehlen des Aemilius Regillus und der Beihülfe der heranrudernden Rhodier wurden sie gänzlich zerstreut. Athen bilde sich nichts ein! In Antiochus haben wir einen Xerxes besiegt, in Aemilius den Themistokles erreicht; und Salamis wiegt Ephesus338 auf. Jetzt beschließ man des Königes Bezwingung zu vollenden, und überträgt dieselbe dem Konsul Scipio, dem sein Bruder, so eben Karthago’s Ueberwinder, der Afrikaner, als freiwilliger Legat339 zu Seite steht. Schon hatte der König das ganze Meer geräumt; allein wir gehen weiter. Beim Flusse Mäander340 am Berge Sipylus341 schlägt man das Lager.342 Hier hatte sich der König – man glaubt [137] es nicht mit wie vielen Hülfstruppen und Streitkräften – gesetzt. Dreimal hunderttausend Mann Fußvolk waren da; die Zahl der Reiter und der Sichelwagen war nicht geringer. Zudem hatte er das Schlachtheer auf beiden Seiten mit einem Wall von ungeheuer großen Elephanten umschanzt, die von Gold und Silber, von Purpur und Elfenbein glänzten. Allein dieß Alles hemmte seine eigene Masse, außerdem ein Platzregen, der sich plötzlich ergoß, und – ein wunderbarer Glückszufall – die Bogen der Perser unbrauchbar machte. Zuerst zeigt sich eine ängstliche Bewegung; dann folgt die Flucht, und auf diese der Triumph. Man beschloß, dem Besiegten, dem Gnadeflehenden den Frieden und einen Theil seines Reiches zu geben, und zwar um so williger, weil er mit so geringem Widerstand das Feld geräumt hatte.

Aetolischer Krieg343

(N. E. R. 563. V. Chr. G. 187.)

7 [L] (1) Auf den Syrischen Krieg folgte, wie sich’s gebührte, der Aetolische. Als nämlich Antiochus besiegt war, verfolgte der Römer die Urheber des Asiatischen Krieges. Demgemäß wurde dem Fulvius Nobilior die Rache übertragen. Sofort erschüttern seine Belagerungswerkzeuge Ambracia,344 die Hauptstadt des Volkes; den Königssitz des [138] Pyrrhus. Es erfolgt die Uebergabe. Zu den Bitten der Aetolier gesellten sich die der Athener und der Rhodier; wir waren ihrer Hülfe345 eingedenk. Darum beschloß man, ihnen zu vergeben. Der Krieg griff aber weiter um sich zu den Nachbarn und weit und breit durch ganz Cephallenia und Zakynthos; und alle Inseln in jenem Meere zwischen dem Ceraunischen Gebirge und dem Gebirge Malea346 wurden ein Zuwachs des Aetolischen Kriegs.

Der Istrische Krieg347

(N. E. R. 574. V. Chr. G. 176.)

10 [L] Nach den Aetoliern kommen die Istrier. Denn kurz zuvor hatten sie Jenen Beistand im Kriege geleistet. Der für die Feinde glückliche Anfang des Treffens ward auch Veranlassung zu dessen Verderben. Denn als sie das Lager des Cnejus Manlius348 genommen hatten, und auf der fetten Beute lagen, überfiel sie, die Meisten beim Schmaus und Spiel, und über dem Becher den Ort, wo sie waren, vergessend, Appius Pulcher.349 So mußten sie den mit Blut und Anstrengung schlecht errungenen Sieg [139] wieder von sich geben. Der König Aepulo350 selbst, der zu Pferde war, wankte im Taumel des Rausches und im Schwindel des Kopfes oft hin und her, und konnte nach dem Erwachen kaum und mit Mühe begreifen, daß er gefangen sey.

Gallogräcischer Krieg351

(N. E. R. 563. V. Chr. G. 187.)

11 [L] (1) Auch Gallogräcien (Galatien) wird in das Verderben des Syrischen Krieges verwickelt. Ob es auch dem König Antiochus Hülfsvölker geschickt, oder ob der nach dem Triumph lüsterne Manlius blos vorgegeben, sie seyen da gesehen worden, ist zweifelhaft.352 Wenigstens wurde dem Sieger der Triumph versagt, weil er den Beweggrund zum Krieg nicht zu rechtfertigen wußte. Uebrigens sind die Gallogräken, wie schon ihr Name anzeigt, ein gemischter und unächter Volksstamm, Reste der Gallier, die unter Brennus Anführung Griechenland verwüsteten.353 Von [140] hier aus wandten sie sich östlich, und setzten sich mitten in Asien fest. Gleichwie nun Fruchtsaame bei verändertem Boden ausartet, so wurde auch ihre natürliche und angeborne Wildheit durch Asiens Reize gemildert. In zwei Treffen wurden sie geschlagen und in die Flucht gejagt, obgleich sie mit der Ankunft des Feindes ihre Wohnsitze verlassen, und sich auf die höchsten Berge zurückgezogen hatten: die Tolistobogen354 hatten den Olymp, die Tektosagen den Magaba besetzt. Beide, mit Schleudern und Pfeilen verfolgt, ergaben sich zu daurendem Frieden. Aber ein wunderbares Schauspiel war es, wie die Gefesselten in ihre Ketten bißen, wie sie sich gegenseitig den Hals zum Erwürgen darboten. Ja! die von einem Hauptmann geschändete Gattin des Königes Ortiago entkam auf eine merkwürdige Weise ihrer Haft, und brachte den abgehauenen Kopf des Kriegers ihrem Gemahl zurück.355

Zweiter Macedonische Krieg356

(N. E. R. 583. V. Chr. G. 167.)

12 [L] (1) Während der Syrische Krieg ein Volk nach dem [141] andern zum Fall brachte, erhob sich Macedonien von neuem. Das Andenken und die Erinnerung an seinen Ruhm und Adel357 setzte dieses heldenmüthige Volk in Bewegung; und auf Philipp war sein Sohn Perses gefolgt, den die Würde seines Volkes nicht glauben ließ, daß das einmal besiegte Macedonien auf ewig besiegt sey. Unter ihm erheben sich die Macedonier mit weit mehr Hitze, als unter seinem Vater. Sie hatten die Thracier zu ihren Streitkräften gezogen, und mischten so die Thatkraft der Macedonier mit Thracischer Kraft, Thracische Wildheit mit Macedonischer Kriegszucht. Dazu kam die Einsicht des Feldherrn, der, nachdem er vom Gipfel des Hämus herab die Lage seiner Länder betrachtet358 hatte, sein Lager über steilen Klippen aufschlug, seine Macedonier dergestalt mit Wehr und Waffen schirmte, daß es schien, er habe dem Feinde nur vom Himmel herab einen Zugang offen gelassen. Unter dem Konsul Marcius Philippus nämlich drang das Römische Volk in diese Provinz, erkundete sorgfältig die Zugänge und rückte endlich längs dem See Askuris359 über schwer zu erklimmende und gefährliche Anhöhen hinweg [142] nach einem Punkte vor, der selbst den Vögeln unzugänglich schien, und setzte den sorglosen, Nichts der Art befürchtenden König durch den plötzlichen kriegerischen Einfall in Schrecken. Die Bestürzung desselben war so groß,360 daß er befahl, alles Geld ins Meer zu versenken, damit es nicht verloren ginge, und die Flotte zu verbrennen, damit sie nicht in Brand gesteckt werde. Unter dem Konsul Paulus, wo stärkere und zahlreichere361 Schutzposten aufgestellt waren, überfiel man Macedonien auf andern Wegen, und zwar mit der größten Kunst und Thatkraft des Feldherrn, der, während er die eine Seite bedrohte, auf der andern sich einschlich. Seine Ankunft selbst erfüllte den König mit solchem Schreck, daß dieser es nicht wagte, gegenwärtig zu bleiben, sondern die Führung des Kriegs seinen Feldherrn übertrug. Er floh daher, in seiner Abwesenheit besiegt, auf die See und nach der Insel Samothrace,362 im Vertrauen auf die berühmte Heiligkeit des Orts, wie wenn Tempel und Altäre Denjenigen schützen könnten, den weder seine Berge, noch seine Waffen zu schützen vermocht. In keinem Könige haftete länger das Bewußtseyn des verlornen Glücks. Als er von dem Tempel aus, in den er sich geflüchtet, an den Römischen Feldherrn wie ein Schutzflehender schrieb, so setzte er in der Aufschrift des Briefs seinem Namen den Königstitel bei. Aber Niemand war ehrerbietiger [143] gegen die gefangene Majestät als Paulus. Als ihm der Feind zu Gerüchte kam, nahm er ihn in sein Zelt363 auf, zog ihn zu seinen Gastmahlen, und ermahnte seine Kinder, dem Schicksal, dem so viel Macht eingeräumt sey, mit Ehrfurcht sich zu unterwerfen. Unter die schönsten Triumphe, die das Römische Volk gefeiert und erlebt hat, gehört auch dieser über Macedonien. Drei volle Tage dauerte sein Schaugepränge. Der erste Tag führte die feindlichen Standbilder und Gemälde auf; der folgende die Waffen und das Geld; der dritte die Gefangenen und den König selbst, der noch betäubt, und, als hätte ihn auf einmal das Unglück überfallen, außer sich war. Aber das Römische Volk hatte den Jubel des Sieges weit eher vernommen, als durch die Briefe des Siegers. Denn schon an demselben Tage, wo Perses in Macedonien besiegt wurde, erfuhr man es zu Rom.364 Zwei Jünglinge auf weißen Rossen wuschen sich am See der Juturna365 Staub und Blut ab: Diese hatten die Meldung gebracht. Man glaubte allgemein, Kastor und Pollux seyen es gewesen, weil es ihrer zwei waren; sie sollten dem Kampfe beigewohnt haben, weil sie von Blut trieften, und von Macedonien gekommen seyn, weil sie noch ganz außer Athem waren.

Illyrischer Krieg366

(N. E. R. 584. V. Chr. G. 166.)

13 [L] (1) [144] Die Seuche des Macedonischen Kriegs ergriff auch die Illyrier. Sie selbst waren von König Perses für den Kriegsdienst gedungen worden, und sollten die Römer im Rücken beschäftigen. Ohne Zeitverlust bringt sie der Prätor Anicius zur Unterwerfung. Man begnügte sich mit der Vertilgung der Hauptstadt Skodra.367 Alsbald erfolgte die Uebergabe. Kurz, der Krieg ging eher zu Ende, als man in Rom von seinem Ausbruche Kunde erhielt.

Dritter Macedonische Krieg368

(N. E. R. 603. V. Chr. G. 147.)

14 [L] (1) Ein Verhängniß, wie wenn Punier und Macedonier es verabredet hätten, sich auch zum drittenmal überwinden zu lassen, trieb zu gleicher Zeit beide Theile zu den Waffen. Doch schüttelt der Macedonier zuerst das Joch ab, weil man ihn geringschätzt, um so gefährlicher als zuvor. Fast zum Erröthen ist der Anlaß zum Krieg. Andriskus, ein Mensch von niedrigster Herkunft369 – ob ein Freier, oder ein Sklave, ist zweifelhaft; Miethling wenigstens war er – hatte sich des Thrones und der Kriegführung bemächtigt. Aber weil er wegen seiner Aehnlichkeit mit Philippus [145] insgemein Philippus genannt wurde,370 so suchte er des Königs Gestalt und Namen auch mit königlichem Geiste zu ergänzen. Das Römische Volk, indem es dieses Alles gering achtete, fiel, mit dem Prätor Juventinus371 sich begnügend, unbesonnener Weise diesen Mann an, den nicht nur Macedonische, sondern auch bedeutende Thracische Hülfsvölker mächtig gemacht, und wurde, von den wahren Königen unbesiegt, durch diesen eingebildeten Theaterkönig besiegt. Allein durch den Konsul Metellus372 hat es den Verlust des Prätors sammt der Legion373 aufs vollste gerächt. Denn Dieser bestrafte nicht nur Macedonien mit der Knechtschaft, sondern führte auch den Anstifter des Kriegs, den der Thracische Häuptling, zu dem er sich geflüchtet hatte, auslieferte, in Fesseln mit sich nach Rom, und das Schicksal gewährte ihm in seinem Unglück auch die Vergünstigung, als ein wahrer König vom Römischen Volke im Triumphe aufgeführt zu werden.

Dritter Punischer Krieg374

(N. E. R. 603. V. Chr. G. 147.)

15 [L] (1) [146] Der dritte Krieg mit Afrika war nicht nur von kurzer Dauer (denn binnen vier Jahren wurde er vollendet), sondern auch, in Vergleichung mit den vorhergehenden, mit der geringsten Anstrengung verbunden. Denn nicht sowohl mit Männern kämpfte man, als mit der Stadt selbst. Aber der Erfolg war durchaus der größte. Denn durch ihn hat Karthago endlich sein Ende erreicht. Betrachtet man die Sache nach ihren drei Zeitperioden, so begann in der ersten der Krieg, näherte sich in der zweiten der Vollendung, und erreichte diese in der dritten. Die Ursache dieses Krieges aber war, daß Karthago vertragswidrig gegen die Numidier Flotte und Heer freilich nur einmal wieder ausrüstete,375 Massinissa’s Grenzgebiet aber häufig beunruhigte. Diesem biedern und bundesverwandten Könige war man gewogen. Als der Krieg fest beschlossen war, berieth man sich schon wegen seines Ausgangs. Kato that, selbst wenn er über etwas Anderes um seine Meinung gefragt wurde, in seinem unversöhnlichen Hasse stets den Ausspruch: Karthago muß vertilgt werden.376 Scipio Nasika erklärte sich für dessen Erhaltung, damit nicht, wenn die Furcht vor dieser Nebenbuhlerin verschwunden wäre, [147] Rom einem schwelgenden Glückstaumel sich hingebe. Der Senat wählte den Mittelweg: die Stadt sollte blos von ihrer Stelle gerückt werden. Denn nichts schien herrlicher, als die Fortdauer eines Karthago, das nicht weiter zu fürchten wäre. Daher griff das Römische Volk unter den Konsuln Manilius und Censorinus Karthago an, und verbrannte die nach gemachter Friedenshoffnung freiwillig ausgelieferte Flotte im Angesichte der Stadt. Hierauf rief man die Häupter auf, und befahl ihnen auszuziehen, wenn ihnen an ihrer Erhaltung gelegen wäre. Dieses entsetzliche Ansinnen erbittert sie dergestalt, daß sie lieber zu dem äußersten greifen.377 Alsbald brach Alles in Wehklagen aus, und es ertönte der einstimmige Ruf: zu den Waffen! und fest stand der Entschluß, sich auf jede Art zu wehren; nicht als leuchtete noch ein Schimmer von Hoffnung, sondern weil man die Vaterstadt lieber durch der Feinde, als durch die eigenen Hände zerstören lassen wollte. Welche Wuth die Vertheidiger entflammte, läßt sich schon daraus erkennen, daß sie zum Bau einer neuen Flotte Dächer und Häuser abtrugen. In den Waffenschmieden wurde, statt Erz und Eisen, Gold und Silber zusammengeschmolzen, und die Matronen gaben ihre Haare zu Strängen für das grobe Geschütz her.378 Hierauf wird unter dem Konsul Manilius379 die Belagerung [148] zu Wasser und zu Lande hitzig betrieben. Schon ist der Hafen seiner Werke entblöst,380 schon die erste, zweite, ja die dritte Mauer, als noch Byrsa (so hieß die Burg) wie eine zweite Stadt Widerstand leistete.381 Und so sehr bereits Karthago’s Zerstörung dem Ende nahe war, so schien doch der Name der Scipionen dazu bestimmt, Karthago’s Schicksal zu vollenden. Darum wendete sich der Staat an einen andern Scipio, und forderte von diesem die Beendigung des Krieges. Diesen Sprößling von Paulus, dem Macedonier, hatte der Sohn jenes großen Afrikaners zur Zierde seines Stammes an Kindesstatt angenommen, indem das Schicksal so wollte, daß die Stadt, welche der Großvater erschüttert, der Enkel zerstören sollte. Aber gleichwie die Bisse sterbender wilder Thiere die tödtlichsten zu seyn pflegen, so machte das halbzerstörte Karthago weit mehr Mühe als das ganze und unversehrte. Nachdem man die Feinde in die einzige Burg zusammengetrieben hatte, hatte der Römer auch den Hafen enger382 eingeschlossen. [149] Jene gruben sich dort383 auf der andern Seite der Stadt einen zweiten Hafen, nicht der Flucht wegen; vielmehr brach von dem Ort, wo nicht einmal Jemand an die Möglichkeit des Entrinnens dachte,384 in einem Augenblick, wie aus dem Boden emporgeschossen, eine Flotte hervor; während inzwischen bei Tag und bei Nacht ein neuer Wall, ein neues Kriegswerkzeug, eine neue Schaar verzweifelter Menschen nach der andern, gleich der Flamme, die aus der Asche einer gedämpften Feuersbrunst plötzlich auflodert, emporstieg. Als zuletzt Alles für verloren gegeben war, so ergaben sich vierzig tausend Männer, und – was man weniger glauben sollte – unter Hasdrubals Anführung. Um wieviel muthiger benahm sich ein Weib, die Gattin des Feldherrn!385 Sie ergriff ihre zwei Kinder, und stürzte sich mit denselben vom Gipfel ihres Hauses mitten in die Flammen, nach dem Beispiel der Königin, die Karthago erbaut.386 [150] Wie groß die Stadt gewesen, die vertilgt wurde, beweist, um nichts Anderes anzuführen, schon die Dauer des Brandes. Denn siebzehn Tage gingen vorüber, bis das Feuer mit Mühe gelöscht werden konnte, daß die Feinde vorsätzlich in ihren Häusern und Tempeln eingelegt hatten. Weil die Stadt den Römern nicht mehr entrissen werden konnte, so sollte ihr Triumph im Feuer aufgehen.

Achäischer Krieg387

(N. E. R. 606. V. Chr. G. 144.)

16 [L] (1) Als wollte jenes Jahrhundert blos unter Zerstörungen von Städten verlaufen, folgte auf Karthago’s Fall sogleich Korinth, Achaja’s Haupt, Griechenlands Stolz, zwischen zwei Meere, das Jonische und das Aegäische, wie zum Schauspiel hingestellt. Die Stadt wurde – eine empörende Handlung – noch eher überwältigt, als in die Zahl der entschiedenen Feinde aufgenommen.388 Die Veranlassung zum Kriege gab Kritolaus, der die von den Römern geschenkte Freiheit gegen diese selbst gemißbraucht, und die Römischen Gesandten – ob auch mit Thätlichkeiten, ist zweifelhaft – auf jeden Fall mit Reden beleidigt hatte. Darum wurde dem Metellus, der gerade damals Macedoniens [151] Verhältnisse in Ordnung brachte, die Rache aufgetragen; somit der Achäische Krieg. Zuerst389 schlug der Konsul390 Metellus die Schaar des Kritolaus in den offenen Gefilden von Elis, den ganzen Alpheus entlang, und mit einem Treffen391 war der Krieg vollendet. Schon erzitterte die Stadt selbst vor der Belagerung; allein – o der menschlichen Schicksale! – als Metellus den Kampf bestanden hatte, kam Mummius zum Siege. Dieser schlug das Heer des zweiten Feldherrn Diäus gerade am Eingang des Isthmus vollständig aufs Haupt, und färbte beide Häfen mit Blut. Endlich wurde die von den Einwohnern verlassene Stadt zuerst geplündert, hierauf unter Trompetenschall392 geschleift. Was wurde hier an Bildsäulen, was an Stoffen, was an Gemälden geraubt, verbrannt und weggeworfen! Welch große Schätze Mummius davon getragen und verbrannt habe, läßt sich daraus erkennen, daß, was immer auf dem ganzen Erdkreis als Korinthisches Erz393 gepriesen wird, blos, wie wir erfahren, Ueberreste jenes Brandes sind. Denn eben das Unglück der so reichen Stadt drückte diesem Erze den Stempel höhern Werthes auf, indem das Feuer die meisten Bildsäulen und Kunstwerke in einander [152] schmolz, und so die Ströme von Erz, Gold und Silber in eine Masse zusammenfloßen.394

Begebenheiten in Spanien395

17 [L] (1) Sowie auf Karthago Korinth, so folgte auf Korinth Numantia, und von nun an blieb kein Ort in der Welt von den Waffen verschont. Nach jenen zwei so denkwürdigen Städteeinäscherungen war weit und breit nicht mit Abwechslung, sondern zugleich und zumal gleichsam ein Krieg allenthalben, ganz wie wenn jene Städte auf den Flügeln der Sturmwinde Kriegsflammen über den ganzen Erdball ausgegossen hätten.396 Spanien hatte nie im Sinne gehabt, in vereinter Kraft gegen uns sich zu erheben; hatte nie Lust, seine Kräfte zu vereinigen; nie insgesammt einen Versuch der Oberherrschaft zu machen, oder seine Unabhängigkeit zu schützen. Außerdem ist es durch das Meer und die Pyrenäen so sehr von allen Seiten umschanzt,397 daß seine natürliche Lage nicht einmal einen Zugang gestattet. Aber die Römer besetzten es früher, als es sich selbst kennen [153] lernte, und dieß ist unter allen das einzige Land, das seine Kräfte erst kennen lernte, nachdem es besiegt war. Hier kämpfte man fast zwei hundert Jahre lang,398 von den ersten Scipionen bis auf Cäsar Augustus, nicht in Einem fort, nicht zusammenhängend, sondern wie die Umstände dazu lockten; auch anfänglich nicht mit den Spaniern selbst, sondern mit den Puniern in Spaniern. Daher die ansteckende Seuche, die Kette, die Ursache von Kriegen. Die ersten Römischen Paniere trugen über das Pyrenäengebirge399 die Scipionen, Publius und Knejus, und schlugen in gewaltigen Schlachten den Hanno und Hasdrubal, Hannibals Bruder; und im Sturme war Spanien doch hingerafft, wären nicht diese Helden, diese Sieger zu Wasser und zu Lande, in ihrem Siege selbst, durch Punische Arglist überrascht, dahingesunken. Nun brach jener Scipio, als Rächer seines Vaters und Oheims, bald nachher der Afrikaner genannt, in diese gleichsam neue und unberührte Provinz ein. Dieser eroberte sogleich Neukarthago und andere Städte; und nicht zufrieden, die Punier verjagt zu haben, machte er uns die Provinz zinsbar. Alles Land diesseits und jenseits des Iberus (Ebro) unterwarf er der Römischen Herrschaft, und war der Erste unter den Römischen Feldherrn, der siegreich bis nach Gades [154] und an die Mündung des Ocean gelangte. Mehr ist es aber, eine Provinz zu behaupten, als zu erobern. Es wurden daher nach verschiedenen Seiten, dahin und dorthin, Feldherrn ausgesandt, die jene äußerst wilden, bis dahin frei lebenden, daher des Joches ungewohnten Völker mit großer Anstrengung und nicht ohne blutige Kämpfe die Knechtschaft lehrten. Kato400 der Censor brach die Kraft der Celtiberer, d. h. den Kern der Spanier, in etlichen Treffen. Gracchus,401 jener Vater der Gracchen, züchtigte dieselben mit der Zerstörung von hundert fünzig Städten. Jener Metellus, welchem Macedonien seinen Beinamen schuf, verdiente auch der Celtiberier zu heißen, da er durch die Wegnahme von Kontrebia ein denkwürdiges Beispiel gab, und durch die Schonung von Nertobriga402 sich noch größern Ruhm errang. Lukullus403 kam an die Turduler und [155] Baccäer,404 von denen jener jüngere Scipio aus einem Zweikampf, zu welchem ihn der König herausgefordert, dessen Waffenrüstung als kostbare Beute zurückbrachte.405 Decimus Brutus406 drang noch etwas weiter vor, und kam bis zu den Celten und Lusitaniern und zu allen Volksstämmen Galläciens (Galliciens), und an den unsern Soldaten so furchtbaren Strom der Vergessenheit.407 Siegreich zog er über das Gestade des Ocean, und wendete nicht eher seine Paniere, als bis er nicht ohne Furcht und Schauder vor einem Frevel gegen das Heilige die Sonne in die Meerfluth sich senken und ihr Feuer von den Wellen verschlungen sah. Allein die ganze Nacht und Last des Kampfes betraf die Lusitanier und Numantiner; und nicht mit Unrecht. Denn unter den Spanischen Völkern hatten sie allein Feldherrn.408 Jene Macht würden auch alle Celtiberier gefühlt haben, wäre nicht der Anführer [156] jenes Aufstandes,409 Salondikus, gleich im Anfang des Krieges gefallen; ein Mann, hätte ihn nur der Erfolg begünstigt, voll Schlauheit und Kühnheit. Dieser hatte, seinen silbernen Speer schwingend, als wäre er ihm vom Himmel gesendet, einem Wahrsager ähnlich, alle Gemüther sich zugewandt. Als er sich aber mit gleicher Verwegenheit zur Nachtzeit dem Lager des Konsuls näherte, wurde er dicht am Zelte von einem Wurfspieß der Wache durchbohrt. Außerdem erhob sich der Lusitanier Viriathus,410 ein Mann von der feinsten Verschlagenheit, aus einem Jäger ein Räuber, aus einem Räuber sogleich ein Anführer und Feldherr, und, hätte das Glück gewollt, Spaniens Romulus. Nicht zufrieden, die Freiheit der Seinigen zu vertheidigen, verheerte er vierzehn Jahre lang alles Land diesseits und jenseits des Iberus und Tajus mit Feuer und Schwert. Auch die Feldlager der Prätoren und Präfekten der Provinzen griff er an, den Klaudius Unimanus dergestalt, daß er fast sein Heer aufrieb, und errichtete auf seinen Bergen Trophäen, die mit den von uns erbeuteten Amtsgewändern und Gewaltstäben geschmückt waren. Endlich überwältigte ihn der Konsul Fabius Maximus; aber von seinem Nachfolger Cäpio Servilius wurde der Sieg befleckt. Denn begierig, zum Ziele zu gelangen, fiel er den Feldherrn, der entkräftet, schon an das Aeußerste, die Uebergabe, [157] dachte, verrätherisch aus einem Hinterhalt durch einheimische Meuchelmörder an, und ließ so dem Feinde den Ruhm, den der Anschein ihm gab, als hätte er anders nicht besiegt werden können.

Numantinischer Krieg411

(N. E. R. 615. V. Chr. G. 135.)

18 [L] (1) Numantia, so sehr es Karthago, Kapua und Korinth an Macht und Reichthum nachstand, machte doch der ruhmvolle Name der Tapferkeit allen gleich, und war, wenn man seine Männer schätzt, Spaniens höchster Stolz. Denn ohne Mauern, ohne Thürme, auf mäßiger Anhöhe am Fluß Durius (Duero) gelegen, hielt es sich mit viertausend Celtiberiern allein vierzehen Jahre lang gegen ein Heer von vierzig tausend Mann. Ja es hielt sich nicht blos gegen den Feind, sondern schlug ihn, was etwas wildern Muth verräth, sogar, und nöthigte ihn zu schimpflichen Verträgen. Zuletzt, als seine Unbesiegbarkeit für entschieden galt, bedurfte man des Nämlichen, der Karthago zerstört hatte. Nicht leicht war, wenn man die Wahrheit sagen darf, eine Veranlassung zum Krieg so ungerecht. Die Numantiner hatten die Segideer,412 ihre Bundesgenossen und Blutsverwandte, die den Händen der Römer entronnen waren, aufgenommen. Die für sie eingelegte Fürbitte [158] war fruchtlos. Von ihnen, die sich von jeder Verführung zum Kriege bisher zurückgezogen, wird verlangt, einen gesetzmäßigen Bundesvertrag durch Niederlegung der Waffen zu erkaufen. Dieß galt den Barbaren so viel, als wollte man ihnen die Hände abhauen. Deßhalb griffen sie sogleich unter Anführung des tapfern Megaravirus zu den Waffen. Sie lieferten dem Pompejus ein Treffen, und ob sie ihn gleich jetzt hätten besiegen können, zogen sie doch ein Bündniß vor.413 Hierauf traf die Reihe den Hostilius Mancinus. Auch Diesen schwächten sie durch unausgesetzte blutige Schläge so sehr, daß Niemand mehr auch nur das Antlitz oder die Stimme eines Mannes von Numantia zu ertragen vermochte. Dennoch schloßen sie auch mit Diesem lieber ein Bündniß, zufrieden mit der Waffenbeute, obwohl sie bis zur Vertilgung gegen ihn hätten wüthen können. Aber das Römische Volk, nicht minder wegen des Numantinischen, als wegen des Kaudinischen Vertrags vor Schmach und Schamgefühl glühend, büßte zwar die Schande der letzten Unthat durch die Auslieferung des Mancinus,414 entbrannte jedoch endlich auch zur Rache, unter Anführung des durch Karthago’s Einäscherung zum Städtevertilger geweihten Scipio. Jetzt aber gab es heftigere Kämpfe im Lager, als im Felde, heftigere mit unsern Soldaten, als mit den Numantinern. Denn durch unaufhörliche, übermäßige und völlig sklavische Arbeiten [159] geschwächt, sollten Leute Pallisaden in ungewöhnlicher Anzahl herbeischaffen, welche die Waffen nicht zu tragen verstanden; sollten Die sich mit Koth besudeln, die sich vor dem Blute scheuten. Zudem nimmt man ihnen die Lustdirnen, die Troßknechte und alles entbehrliche Gepäcke. Wie der Feldherr, so das Heer, ein wahres Wort der Geschichte. Nachdem so der Soldat zur Manneszucht zurückgeführt war, kam es zur Schlacht, und was Niemand je zu sehen erwartet, geschah: man sah die Numantiner fliehen. Auch ergeben wollten sie sich, wenn man ihnen Bedingungen vorschriebe, die sie als Männer sich gefallen lassen könnten. Allein da Scipio einen vollen und unbedingten Sieg wollte, so trieb er sie dergestalt in die Enge, daß sie vorerst auf Leben und Tod in’s Treffen zu stürzen sich entschloßen, nachdem sie sich bei einem Mahle, als wäre es ihr Todtenmahl, mit halbgekochtem Fleisch und der Celia – so nennen sie einen einheimischen Trank aus Getreide – angefüllt hatten. Der Feldherr erkennt ihre Absicht, und versagt den zum Tode Entschlossenen die Schlacht. Da die von Gräben und Brustwehren, von vier Lagern Umschlossenen der Hunger quälte, so baten sie den Feldherrn um eine Schlacht, damit er sie als Männer tödten könnte; und als ihnen dieß nicht gewährt wurde, entschloßen sie sich zu einem Ausfall. So wurden die Meisten im Handgemenge niedergemacht, und von ihren Leichnamen fristeten sich die Uebrigen bei der harten Hungersnoth eine Weile das Leben. Zuletzt entschied man sich für die Flucht; aber auch diese vereiteln die Weiber, indem sie, aus Liebe den größten Frevel verübend, die [160] Pferdegurten zerschnitten.415 So war denn jeder Ausweg aufgegeben, und auf den höchsten Grad von Wuth und Raserei gesteigert, entschloßen sie sich zuletzt auf folgende Weise zu sterben. Ihre Heerführer sich selbst, ihre Vaterstadt vertilgten sie durch’s Schwert, durch Gift, durch überall angelegtes Feuer. Ehre dieser heldenmüthigen, nach meinem eigenen Urtheil im Unglück hochbeglückten Stadt! Mit Treue unterstützte sie ihre Bundesgenossen; gegen das auf die Macht aller Länder gestützte Volk hält sie sich so lange Zeit mit eigener Arme Kraft. Zuletzt unterliegt die Stadt, ohne dem Feinde die geringste Freude über sich zu hinterlassen. Denn nicht ein Mann von Numantia war da, den man in Ketten aufführen konnte. Beute war, wie sich bei armen Leuten denken läßt, nicht vorhanden. Ihre Waffen hatten sie selbst verbrannt. Nur ihr Name ward im Triumph aufgeführt.

19 [L] (1) Bis hieher erscheint das Römische Volk herrlich und unvergleichbar, pflichttreu, mackellos und erhaben. Der Rest dieses Zeitraums ist zwar nicht minder großartig, jedoch mehr trübe und befleckt, da mit der wachsenden Größe des Reichs auch seine Laster wuchsen, dergestalt, daß man bei einer Theilung dieser seiner dritten überseeischen Altersperiode, die wir auf zweihundert Jahre gesetzt haben, in dem ersten Jahrhunderte,416 in welchem es Afrika, Macedonien,417 [161] Sicilien und Spanien überwältigt, das goldne Zeitalter, wie es die Dichter besingen, in den nächstfolgenden hundert Jahren aber das eiserne und blutige, oder, wenn es sonst einen noch schrecklicheren Namen gibt, mit Fug und Recht anerkennen muß. Denn unter die Jugurthinischen, Cimbrischen, Mithridatischen und Parthischen Kriege, unter die Gallischen und Germanischen,418 durch die sein Ruhm den Himmel selbst erreichte, mischte sich das Gracchische und Drusische Blutbad, außerdem die Sklavenkriege, und um das Maas der Schande voll zu machen, der Krieg mit den Fechtern. Endlich gegen sich selbst gekehrt, zerfleischte sich das Volk selbst – o Frevel! – in einem Zustande von Wuth und Raserei mit Marius und Sulla’s, zuletzt mit Pompejus und Cäsar’s Händen. Obgleich alle diese Erscheinungen unter sich zusammenhängen und eins sind, so will ich sie doch, damit sie leichter an’s Licht treten, und die Tugenden nicht die Stimme des Lasters übertäube, abgesondert darstellen. Wir wollen also, wie wir angefangen haben, zuvörderst jene gerechten und pflichtmäßigen Kriege mit den ausländischen Völkern erzählen, um die täglich wachsende Größe des Reichs anschaulicher zu machen; sodann auf jene [162] Bürgergreuel, jene schändlichen und verruchten Kämpfe zurückkommen.

Asiatischer Krieg419

20 [L] (1) Im Westen war Spanien überwunden; im Osten genoß das Römische Volk des Friedens, nicht des Friedens allein; sondern durch ein ungewöhnliches und unerhörtes Glück fielen ihm durch Beerbung die hinterlassenen Schätze eines Königs und ganze Königreiche auf einmal zu. Attalus, König von Pergamus,420 Sohn des Königes Eumenes, unseres alten Bundesgenossen und Kriegsgefährten, hinterließ ein Testament des Inhalts: „Das Römische Volk soll der Erbe meiner Güter seyn.“421 Deßhalb trat das Römische Volk die Erbschaft an, und nahm das Land nicht durch Krieg und Waffen, sondern, was besser ist, nach dem Erbrecht in Besitz. Allein es läßt sich schwer bestimmen, ob es dieses Land leichter verlor oder wieder eroberte. Aristonikus,422 ein wilder Jüngling aus königlichem Geblüt, wiegelt zum Theil mit leicher Mühe die [163] der Königsherrschaft gewohnten Städte auf; die wenigen widerspenstigen, Myndus, Samos, Kolophon,423 nimmt er mit Gewalt wieder weg; auch das Heer des Prätors Krassus424 vertilgt er und nimmt ihn selbst gefangen. Aber dieser, eingedenk seines Geschlechtes425 und des Römischen Namens, blendet den Barbaren, seinen Wächter, mit einer kleinen Ruthe, und reizt ihn zu seinem eigenen Untergang, den er beabsichtigte. In Kurzem wurde er von Perperna426 bezwungen, gefangen und in Folge der Uebergabe in Fesseln verwahrt. Aquilius vollendete den Rest des Asiatischen Kriegs, vergiftete aber – o Schande! – die Brunnen, um gewisse Städte zur Uebergabe zu zwingen. Dieß Verfahren brandmarkte den Sieg eben so sehr, als es ihn beschleunigte. Denn gegen alle göttlichen Rechte, gegen die Sitten der Vorfahren, hatte dieser Sieg durch jenen unlautern Trank die bis dahin reinen Römerwaffen entweiht.

Drittes Buch

Krieg mit Jughurta427

(N. E. R. 637. V. Chr. G. 113.)

1 [L] (1) [164] So ging’s im Osten. Aber nicht dieselbe Ruhe herrschte im Süden. Wer hätte nach Karthago noch einen Krieg in Afrika erwartet? Ja nicht geringe Erschütterungen [165] erlitt jetzt Numidien, und nach Hannibal mußte noch ein Jugurtha Stoff zur Furcht geben. Dieser ungemein verschlagene König griff nämlich mit seinen Schätzen das waffenberühmte und unbesiegbare Römervolk an, und gegen Aller Erwartung wollte das Glück, daß der überlistige König selbst durch List gefangen werden sollte. Er hatte als Enkel des Masinissa und Adoptivsohn des Micipsa,428 von Begierde nach dem Throne getrieben, den Entschluß gefaßt, seine Brüder zu ermorden, und er fürchtete diese eben so wenig, als den Senat und das Römische Volk, unter deren Schirm und Schutzgenossenschaft das Königreich stand. Das erste Bubenstück vertraute er dem Versuche geheimer Nachstellung. Er bemächtigt sich des Kopfs von Hiempsal,429 und nachdem er sich gegen Hasdrubal gewendet, und dieser nach Rom entflohen war, schickte er Gesandte mit Geld dahin ab, und brachte den Senat auf seine Seite. Und dieß war sein erster Sieg über uns. An die zur Theilung des Reichs zwischen ihm und Adherbal bevollmächtigten Gesandten machte er sich auf ähnliche Weise, und nachdem er in Skaurus430 des Römischen Staates Geist und Grundsätze [166] gebrochen hatte, vollbrachte er den begonnenen Frevel nur um so frecher.431 Allein Verbrechen bleiben nicht lange im Dunkeln. Der Frevel der bestochenen Gesandtschaft brach zur ruchbaren Kunde hervor, und man beschloß, den Brudermörder mit den Waffen des Kriegs zu verfolgen. Zuerst wurde der Konsul Kalpurnius Bestia nach Numidien geschickt; allein der König, der die Erfahrung gemacht, daß Gold auf den Römer stärker wirke, als Eisen, erkaufte den Frieden.432 Als er, dieses Verbrechens schuldig, unter sicherem Geleite vom Senate vorgefordert wurde, so erschien er nicht nur mit gleicher Frechheit, sondern entledigte sich auch Massiva’s,433 des Mitbewerbers um Masinissa’s Thron, vermittelst eines gegen ihn abgeordneten Meuchelmörders. Dieß war die zweite Veranlassung zum Krieg gegen diesen König. So wird die zweite Rache dem Albinus aufgetragen. Aber auch dessen Heer – o Schmach! – wußte der Numidier so gut zu bestechen, daß die freiwillige Flucht der Unsrigen ihn siegen und unseres Lagers sich bemächtigen ließ; und nachdem er zum Preis unsrer Befreiung einen für uns schmählichen Vertrag geschlossen, entließ er das Heer, das er schon vorher erkauft [167] hatte.434 Um diese Zeit endlich erhebt sich, nicht sowohl um den Römischen Staat, als um die Ehre zu rächen, Metellus, welcher den verschmitzten Feind, der bald durch Bitten, bald durch Drohungen, bald durch verstellte, bald durch halb wahre Flucht ihn zu hintergehen suchte, mit den Künsten seiner eigenen Taktik angriff. Sich nicht begnügend mit der Verheerung der Felder und Dörfer, machte er auf Numidiens Hauptstädte selbst einen Angriff. Zwar hatte er Zama lange vergeblich im Auge, plünderte übrigens doch das mit Waffen und königlichen Schätzen schwer angefüllte Thala. Hierauf verfolgte er den seiner Städte beraubten, schon aus den Gränzen seines Reichsgebiets flüchtenden König durch das Land der Mauren435 und durch Getulien.436 Zuletzt griff Marius mit beträchtlich verstärkten Streitkräften (denn er hatte als ein Mann von gemeiner Herkunft die Kopfsteuerpflichtigen zur Fahne schwören lassen) den schon geschlagenen und verwundeten König an; und doch wurde ihm der Sieg eben so schwer, als wäre Jener noch unbeschädigt und bei frischen Kräften gewesen. Dieser Held eroberte nicht nur die von Herkules erbaute, mitten in Afrika gelegene, durch Schlangen und Sandwüsten gedeckte Stadt Kapsa437 mit wunderbarem Glücke, sondern er drang auch mit Hülfe eines Liguriers auf einem steilen und schwer [168] zugänglichen Pfade in die auf einem Felsberge erbaute Stadt Mulucha438 ein. Bald schlug er nicht nur ihn, sondern auch den König Bocchus von Mauretanien, der sich Blutsverwandtschaftshalber des Numidiers annahm, bei der Stadt Cirta439 aufs Haupt. Letzterer, an seinem eigenen Glück verzweifelnd, befürchtete, den Fall des andern durch seinen eigenen vermehren zu müßen, und machte daher den Kopf des Königs zum Preis seines Bündnisses und seiner Freundschaft mit uns. So wurde der trugvollste König durch den Trug seines Schwiegervaters in die Falle gelockt und an Sulla ausgeliefert. Und zuletzt durfte den mit Ketten bedeckten Jugurtha das Römische Volk im Triumph aufführen sehen. Aber auch er hat, obgleich besiegt und in Ketten, die Stadt wieder gesehen, von welcher er eitel geweissagt hatte, sie sey feil zum Kaufe und ihrem Untergange nahe, so wie sich nur ein Käufer fände. Gesetzt sie war feil, so hat sie den Käufer gefunden, und da dieser nicht entrann, so dürfte gewiß seyn, daß ihr Untergang vereitelt war.440

Krieg mit den Allobrogern441

(N. E. R. 631. V. Chr. G. 119.)

2 [L] (1) So stand es mit dem Römischen Volke im Süden. Weit schrecklicher, weit vielfacher stürmte es vom Norden. [169] Nichts ist gefährlicher als diese Weltgegend. Rauh ist der Himmel, eben so die Gemüther. Aus allen Gegenden, rechts und links,442 aus der Mitte des Nordens brach der ungestüme Feind hervor. Zuerst fühlten jenseits der Alpen die Gewalt unsrer Waffen die Salyer,443 da über ihre Einfälle die gegen uns so treu und freundlich gesinnte Stadt Massilia444 Beschwerde führte; nach Diesen die Allobroger445 und Arverner,446 da ähnliche Klagen der Aeduer447 unsere Hülfe und unsern Beistand gegen sie in Anspruch nahmen; und der Fluß Varus und Isara und der Vindelikus und der rasche Rhodanus.448 Der größte Schrecken für die Barbaren waren die Elephanten, die dem Ungeheuer dieser Völker gleich kamen. Beim Triumph war nichts herrlicher als der König Bituitus selbst in seinem vielfarbigen Waffenschmuck und auf einem silbernen Streitwagen, ganz wie er gekämpft hatte. Wie groß die Freude über beide Siege gewesen, läßt sich auch daraus [170] abnehmen, daß sowohl Domitius Ahenobarbus449 als Fabius Maximus450 auf den Wahlstätten selbst steinerne Thürme errichteten, und die mit feindlichen Waffen geschmückten Trophäen an denselben befestigten; obgleich dieser Gebrauch bei den Unsrigen nicht üblich war. Denn nie hat das Römische Volk den bezwungenen Feinden seine Siege vorgehalten.

Krieg mit den Cimbrern, Teutonen und Tigurinern

(N. E. R. 643. V. Chr. G. 107.)

3 [L] (1) Die Cimbrer, Teutonen451 und Tiguriner suchten, weil der Ocean ihre Länder überschwemmt hatte, von den äußersten Theilen Galliens452 flüchtend, neue Wohnplätze auf der ganzen Erde; und als sie, von Gallien und Spanien abgeschnitten, eine wiederholte Wanderung nach Italien versuchten,453 schickten sie Gesandte in das Lager des (M. Jun.) Silanus und von da an den [171] Senat mit dem Gesuche, „das Volk des Mars möchte ihnen etwas Land geben, gleichsam als Gold, dagegen aber nach Belieben über ihr Heer und ihre Waffen verfügen.“ Allein, welche Landstriche sollte das Römische Volk geben, das schon wegen der Ackergesetze unter sich selbst in Streit kommen sollte?454 Man weißt sie daher ab; sie beschließen, mit den Waffen zu suchen, was sie durch Bitten nicht erlangen konnten. Aber es vermochte weder Silanus455 dem ersten, noch Manlius dem zweiten, noch Cäpio dem dritten Angriff der Barbaren zu widerstehen. Alle mußten die Flucht ergreifen und verloren ihr Lager. Geschehen war es um Rom, hätte nicht das Glück jener Zeit einen Marius geschenkt. Dieser wagte nicht sogleich ein Treffen, sondern hielt den Soldaten im Lager, bis jene unbesiegbare Wuth und jener Ungestüm, was bei den Barbaren die Stelle der Tapferkeit vertrat, verrauchte. Letztere zogen daher unter lautem Hohne zurück, und (so groß war ihr Vertrauen, die Stadt zu erobern) fragten, ob die Römer ihnen keine Aufträge an ihre Frauen zu geben hätten? Und eben so rasch, als ihre Drohungen waren, ging ihr Lauf in drei Heereshaufen über die Alpen, den Schlüssel von Italien. Marius, der sogleich mit wunderbarer Eile den kürzesten Weg einschlug, kam dem Feinde zuvor. Und nachdem er dessen Vorhut, die Teutonen, gerade am Fuße der Alpen eingeholt, schlug er sie bei den sogenannten Heilquellen des Sextius:456 und bei den Göttern! was war das für eine Schlacht! Das Thal und den Fluß in der Mitte desselben hatten die Feinde besetzt. Die Unsrigen litten Wassermangel. Ob unser Feldherr dieß vorsätzlich veranstaltet, oder ob er einen begangenen Fehler mit Klugheit benützt habe, ist zweifelhaft. Wenigstens war die durch die Noth gesteigerte Tapferkeit die Ursache des Sieges. Denn als das Heer Wasser forderte, so war die Antwort: „Ihr seyd Männer, seht, dort habt ihr’s.“ So entspann sich ein so hitzigger Kampf, und ein solches Blutbad wurde unter den Feinden angerichtet, daß der siegende Römer457 eben so viel Blut als Wasser aus dem gefärbten Flusse trinken mußte. So viel ist gewiß, daß der Barbarenkönig, Teutobochus, selbst, der sonst gewohnt war, vier bis sechs Pferde zu wechseln, kaum eins, als er floh, zu besteigen [173] hatte. Im nächsten Walde ergriffen, mußte er zum auffallenden Schauspiele des Triumphes dienen; denn als ein Mann von ausnehmender Größe ragte er über die Trophäen hinaus. Nach gänzlicher Vertilgung der Teutonen wandte man sich gegen die Cimbrer. Diese hatten sich (Wer sollte es glauben?) bereits während des Winters, der die Alpen noch höher aufthürmt, von den Tridentinischen Gebirgshöhen458 wie ein Bergsturz hinuntergewälzt. Dem Fluß Athesis459 stellen sie anfänglich nicht etwa Brücken oder Fahrzeuge, sondern in einer Anwandlung von barbarischer Albernheit ihre Körper selbst entgegen, und nachdem sie sich vergeblich bemüht hatten, den Strom mit Hand und Schild zurückzuhalten, verdämmen sie ihn mit hineingeworfenem Waldholz und setzen über, und groß war die Gefahr, wäre gleich das Heer angreifend auf Rom losgegangen. Aber im Venetianischen, welcher Landstrich Italiens ungefähr unter die mildesten gehört, erschlaffte gerade die Güte des Bodens und Klima’s ihre Manneskraft. Zudem hatte sie der Genuß des Brodes und gekochten Fleisches und die Süßigkeit des Weines schon zahmer und milder gemacht, als sie Marius zur guten Stunde angriff.460 Schon hatten sie von unserm Feldherrn einen Tag zur Schlacht sich erbeten, [174] und so bestimmte er den nächsten dazu.461 Auf einem sehr weiten Felde, das Raudische genannt, stieß man auf einander. Gegen sechzig tausend Mann fallen auf jener Seite,462 auf unserer Seite weniger denn drei hundert. Den ganzen Tag über werden Barbaren niedergehauen. Hier hatte unser Feldherr auch List mit der Tapferkeit gepaart, indem er Hannibal und den Meisterstreich bei Kannä463 nachahmte. Für’s Erste gewann er einen nebligen Tag, um dem Feinde unvermuthet464 entgegenzutreten, sodann auch einen stürmischen, der dem Feinde den Staub in die Augen und in das Gesicht trieb; endlich gab er der Schlachtlinie eine östliche Richtung, so daß, wie man bald von den Gefangenen erfuhr, von dem Glanz und Wiederschein der Helme der Himmel wie zu glühen schien. Auch der Kampf mit den Weibern der Feinde war nicht minder heftig,465 als mit ihnen selbst, indem Jene ringsum verschanzt in ihrer Wagenburg wie von Thürmen herab mit Lanzen und Piken sich wehrten.466 Ihr Tod war eben so schön, wie ihr Kampf. Denn nachdem ihre an Marius abgeschickte Gesandtschaft [175] die Freiheit und das Priesteramt467 (was nicht seyn durfte) für sie nicht ausgewirkt, erwürgten und erschlugen sie häufig ihre Kinder, und elen sodann entweder in Folge wechselseitiger Verwunderung, oder flochten sie aus ihren Haaren Stricke und hiengen sich daran an den Bäumen und an ihren Wagen auf. Der König Bojorix kämpfte rastlos im Vordertreffen,468 und fiel nicht ungerächt. Die dritte Heerschaar, die Tiguriner, die als Hinterhut die Norischen Alpenhöhen besetzt hatte, zerstreute sich nach verschiedenen Richtungen, und verlor sich in unrühmlicher Flucht und Räubereien. Eine so erfreuliche und so glückliche Botschaft von Italiens Befreiung und des Reiches Sicherung erhielt das Römische Volk nicht, wie gewöhnlich, durch Menschen, sondern, wenn man’s glauben darf, durch die Götter selbst. Denn an demselben Tage, wo die Schlacht vorfiel, sah man, wie vor dem Tempel des Kastor und Pollux zwei mit Lorber bekränzte Jünglinge dem Prätor ein Schreiben einhändigten, und das im Schauspielhaus vielfach sich verbreitende Gerücht äußerte sich durch den Ausruf: Glück zum Cimbrischen Siege! Kann etwas so Wunderbares, so Außerordentliches geschehen? Nicht anders, als hätte sich Rom auf seine Berge erhoben, und einer Kriegsscene, wie man sie gewöhnlich bei den Fechterspielen sieht, beigewohnt, klatschte das Volk in der Stadt in einem und demselben [176] Augenblick dem Sieger Beifall zu, wo die Cimbrer in der Schlacht unterlagen.469

Thracischer Krieg470

(N. E. R. 638. V. Chr. G. 112.)

4 [L] (1) Nach den Macedoniern werfen sich, weil es den Göttern beliebte, die Thracier auf, selbst einst zinsbar den Macedoniern. Sie begnügten sich nicht blos mit Einfällen in die nächsten Provinzen, Thessalien und Dalmatien: bis an’s Adriatische Meer kamen sie, und unzufrieden471 mit diesem Ziel, das ihnen die Natur, gleichsam in den Weg tretend, gesteckt, schoßen sie ihre Pfeile selbst nach den Fluthen. Doch lassen die Wüthriche während dieser ganzen Zeit keine Grausamkeit an den Gefangenen unversucht. Sie opfern den Göttern Menschenblut zur Sühne, trinken aus Hirnschädeln, und entehren den Tod unter allen Arten von Beschimpfung, durch Feuer und Dampf, und treiben sogar durch Martern die Früchte der Schwangeren ab. Die grausamsten unter allen Thraciern waren die Skordisker.472 Aber sie paarten mit der Stärke auch List. Die Lage ihrer Wälder und Gebirge entsprach ihrer Sinnesart. Von Diesen wurde das Heer, das Cato473 geführt, nicht blos geschlagen oder in die Flucht gejagt, [177] sondern – einem Wunder gleich – ganz und gar gefangen.474 Didius jagte die Herumschweifenden, auf ungestrafte Verheerungen Zerstreuten, in die Grenzen Thraciens zurück. Drusus trieb sie noch weiter und verwehrte ihnen den Uebergang über die Donau.475 Minucius verwüstete alles Land um den Hebrus,476 obschon er viele Leute verlor, als er über das betrügliche Eis des Stromes ritt. Piso drang über die Höhen des Rhodope und Kaukasus.477 Kurio kam bis nach Dacien; aber er erzitterte vor der Finsterniß der Wälder. Appius drang bis zu den Sarmaten, Lukullus bis zur Völkergrenze, dem Tanais und Mäotischen See vor.478 Und man bändigte diese Feinde, die blutgierigsten unter allen, nicht anders als durch ihr eigenes Verfahren. Gegen die Gesandtschaft wüthete man nämlich Feuer und Schwert. Nichts aber kam den Barbaren grausamer vor, als daß sie, mit [178] abgehauenen Händen dem Schicksal überlassen, ihre Bestrafung überleben mußten.

Krieg mit Mithridates479

5 [L] (1) Die Pontischen Völker liegen von Norden links,480 und haben ihren Beinamen vom Pontischen Meere. Dieser Völker und Landschaften ältester König war Aeetas; nachher folgte Artabazes, von den sieben Persern abstammend; hierauf Mithridates, der Größte von allen; denn während einem Pyrrhus vier, einem Hannibal siebzehn Jahre genügt, hat sich Jener vierzig Jahre lang gewehrt, bis seine Macht, in drei gewaltigen Kriegen besiegt, durch Sulla’s481 Glück, Lukullus Tapferkeit und Pompejus Größe aufgerieben wurde. Als Ursache zu diesem Krieg hatte er gegen den Gesandten Kassius vorgeschützt: „der Bithynier Nikomedes fechte seine Grenzen an.“ Uebrigens brannte dieser von gewaltigem Geiste aufgeblasene Fürst von Begierde nach dem Besitz von ganz Asien, und, wäre es möglich gewesen, auch von Europa. Hoffnung und Vertrauen boten unsere eigenen Fehler dar. Denn während Bürgerkriege uns entzweiten, lud die Gelegenheit ein, und [179] ein Marius, Sulla, Sertorius zeigten in der Ferne die Blößen des Reichs. Während der Staat an diesen Wunden, an diesen Unruhen litt, brach plötzlich, die Gunst des Augenblicks ergreifend, der schnelle Wirbelsturm des Pontischen Kriegs von der äußersten Warte des Nordens482 auf die Erschöpften und mehrseitig Beschäftigten los. Gleich der erste Sturm des Krieges raffte Bithynien dahin. Asien ergriff hiernächst gleicher Schreck, und ohne Zaudern fielen unsere Städte und Völker zum König ab. Er nahte, drängte, und Grausamkeit galt ihm für Tapferkeit. Denn was ist schrecklicher, als einer seiner Befehle, in welchem er die Ermordung aller Römischen Bürger in Asien anordnete?483 Jetzt wurden Häuser, Tempel484 und Altäre, alle menschlichen und alle göttlichen Gesetze entheiligt. Aber dieser Schreck Asiens bahnte dem König auch den Weg nach Europa. Nachdem er seine Befehlshaber Archelaus und Neoptolemus abgesendet, wurden, Rhodus ausgenommen, das für uns fester stand, die Cycladen, Delos, Euböa und sogar Griechenlands Zierde, Athen, besetzt. Schon wehte der Schreck vor dem König Italien und selbst Rom an. Darum beeilte sich Lucius Sulla, ein großer Kriegsheld, und schlug, so zu sagen, mit einer Hand voll [180] Leute den mit gleicher Gewalt weiter hervorbrechenden Feind zurück, und zwang zuerst – Wer sollte es glauben? – die Stadt Athen, diese Quelle des Fruchtbaus, durch Belagerung und Aushungerung, Menschenfleisch zu essen. Nachdem er alsbald den Hafen Piräeus nebst sechs und mehr Mauern unterwühlt und zerstört,485 und, wie er sich selbst ausgedrückt, die undankbarsten Menschen gebändigt hatte, verschonte er doch zu Ehren der Verstorbenen486 ihre Heiligthümer und ihren Ruf. Bald nachdem er die Besatzungen des Königs aus Euböa und Böotien vertrieben, zerstreute er alle Streitkräfte desselben in der einen Schlacht bei Chäronea und bei Orchomenos487 in der zweiten, setzte sogleich nach Asien über488 und überraschte den König selbst mit einem Schlage; und der Krieg wäre zu Ende gewesen, hätte er nicht lieber schnell als wahrhaft über Mithridates triumphiren wollen.489 Asien erhielt [181] jetzt folgende Verfassung durch Sulla. Mit den Völkern des Pontus (Angrenzern vom schwarzen Meer) schloß man ein Bündniß. Bithynien erhielt zum König wiederum Nikomedes,490 Ariobarzanes Kappadocien; und so war Asien wieder unser, wie anfangs. Mithridates war blos zurückgetrieben. Diese Lage beugte daher die Pontischen Völker nicht, sondern entflammte sie vielmehr. Denn der König, für den Asien und Europa gleichsam eine Köderspeise geworden, forderte es schon nicht mehr als ein fremdes, sondern, dieweil er es verloren, als ein geraubtes Gut mit dem Rechte der Waffen zurück. Wie nun eine nachläßig gelöschte Feuersbrunst mit stärkeren Flammen wieder ausbricht, so kam auch Jener von Neuem wieder mit noch stärker vermehrten Streitkräften, ja zuletzt mit der ganzen Macht seines Reichs zur See, zu Land und auf Flüssen nach Asien. Cyzikum,491 eine berühmte Stadt, verherrlicht durch ihre Burg, Mauern und Hafen und marmorne Thürme die Küsten des Asiatischen Landes. Ueber diese Stadt, gleichsam das zweite Rom, war er mit seiner ganzen Kriegsmacht hergefallen. Aber den Einwohnern flößte die Botschaft von Lukullus Ankunft Muth zum Widerstand ein. Dieser war – man muß erschrecken, wenn man es hört – an einem Schlauche hängend,492 und mit den Füßen seine Bahn [182] durchsteuernd, vor den Augen der fernen Zuschauer als ein Seethier erscheinend, mitten durch die feindliche Flotte entschlüpft. Bald wechselt die Niederlage. Hunger aus Verzögerung, Pest aus Hunger erzeugt, quälte den belagernden König, den jetzt Lukullus auf dem Rückzuge einholte und dergestalt schlug, daß die Flüsse Granikus und Aesapus493 blutroth wurden. Der schlaue und mit der Römischen Habsucht vertraute König befahl den Fliehenden, Gepäck und Geld auszuwerfen, um die Verfolger aufzuhalten.494 Nicht glücklicher als zu Land war seine Flucht zur See. Denn seine mehr als hundert Schiffe zählende, von Kriegsbedürfnissen schwere Flotte überfiel ein Sturm im Pontischen Meer, und zerstreute sie so schmählich, wie wenn sie aus einem Seetreffen gekommen. Es war, als hätte Lukullus, mit Sturm und Wellen im Einverständniß, die endliche Bekriegung des Königs den Winden übertragen.495 Jetzt waren alle Kräfte dieses so mächtigen Reiches geschwächt: aber die Unglücksfälle erhöhten den Muth. Der König wandte sich zu den nächsten Völkerschaften, und zog fast den ganzen Osten und Norden in seinen Sturz. Die Iberier, [183] Kaspier, Albaner und beide Armenien496 werden aufgeregt. Durch Alles dieß suchte das Glück seinem Liebling, Pompejus, Ruhm, Namen und Titel zu erwerben. So wie Dieser bemerkte, daß neue Bewegungen Asien in Flammen setzen, und ein König nach dem andern auf den Schauplatz tritt, da glaubte er nicht zögern zu dürfen, sondern ließ, ehe jene Völkerschaften ihre Macht vereinigen konnten, sogleich eine Schiffbrücke schlagen, und setzte, der Erste unter allen seinen Vorgängern, über den Euphrat,497 holte den fliehenden König mitten in Armenien ein, und rieb ihn – welches Glück für diesen Mann! – in einem einzigen Treffen auf. Es war ein Nachtgefecht und der Mond nahm Partie. Denn da sich dieser gleichsam als Kriegsgefährte dem Feinde in den Rücken, den Römern in’s Gesicht stellte, so schoßen die Pontischen Krieger nach ihren verlängerten Schatten, als wären dieß die Leiber der Feinde. Mithridates wurde in jener Nacht ganz besiegt. Nachher vermochte er nichts mehr, obgleich er nicht unversucht ließ, gleich den Schlangen, die, wenn man ihnen den Kopf zertreten, zuletzt noch mit dem Schwanze drohen. Nachdem er vor dem Feinde zu den Kolchiern498 geflüchtet [184] war, wollte er auch Siciliens Küsten und unser Kampanien durch eine plötzliche Landung in Schrecken setzen. Kolchis wollte er mit dem Bosporus499 verbinden, von da durch Thracien nach Macedonien und Griechenland übersetzen, und so unverhofft in Italien einfallen.500 Doch dieß war ein bloßer Gedanke. Denn der Abfall seiner Unterthanen und die Verrätherei seines Sohnes Pharnaces übereilte ihn, und so trieb er mit dem Schwert den Lebenshauch aus,501 gegen den er vergeblich Gift versucht hatte. Unterdessen durchflog der große Knejus, die Ueberreste des rebellischen Asiens verfolgend, verschiedene Länder und Völkerschaften. Er nahm seinen Zug östlich gegen die Armenier, eroberte ihre Hauptstadt Artaxata,502 und erlaubte dem flehenden Tigranes, die Krone503 zu behalten. Aber nach dem Scythischen Norden hin verfolgte er, als wär‘ er auf der See, seinen Weg unter Leitung der Gestirne, und schlug die Kolchier. Iberien begnadigte er; die [185] Albaner schonte er. Dem Könige der Kolchier, Orodes, befahl er, nachdem er sich dicht am Fuß des Kaukasus504 gelagert, in das flache Land herunterzukommen; dem Arthoces, der über die Iberier herrschte, überdieß, seine Kinder zu Geißeln zu geben. Den Orodes, der ihm von seinem Albanien her aus freiem Antrieb ein goldenes Bett und andere Geschenke schickte, beschenkte er ebenfalls. Auch gegen Mittag wendete sich sein Heereszug, und nachdem er über den Libanon in Syrien und durch Damaskus gezogen, trug er die Römischen Paniere durch jene duftenden Haine, durch jene Wälder von Weihrauch und Balsam. Die Araber erschienen und waren seiner Befehle gewärtig. Jerusalem versuchten zwar die Juden zu vertheidigen; aber er drang auch in diese Stadt ein, und sah jenes große Heiligthum der gottlosen Nation, das sich ihm hinter dem Vorhang, der seine heilige Stätte umschloß, aufthat.505 Zum Schiedsrichter zwischen zwei um die Herrschaft zankenden Brüdern bestellt, will er, daß Hyrkanus regiere. Den Aristobulus, weil er die Händel erneuerte, legte er in Ketten.506 Nachdem so das Römische Volk, von Pompejus507 geführt, ganz Asien nach seiner weitesten [186] Ausdehnung508 durchzogen, machte es diejenige Provinz des Reichs, welches zuvor die äußerste war, zur mittleren. Denn mit Ausnahme der Parther, welche ein Bündniß vorzogen, und der Indier, die uns noch nicht kannten, war ganz Asien, zwischen dem rothen und Kaspischen Meere und dem Ocean,509 durch Pompejus Paniere gedemüthigt oder überwunden, in unserer Gewalt.

Krieg mit den Piraten (Seeräubern)510

(N. E. R. 685. V. Chr. G. 65.)

6 [L] (1) Interdessen, während das Römische Volk sich nach verschiedenen Erdstrichen hin zerstreut, hatten die Cilicier die Meere überzogen, und dieselben, unter Aufhebung des Verkehrs, unter dem Bruch des allgemeinen Völkerrechts, durch die Waffen, wie zur stürmischen Jahreszeit, verschlossen.511 [187] Kühnheit lieh den verworfenen wüthenden Räubern das durch Mithridates Schlachten beunruhigte Asien, indem sie unter dem Tumult eines fremden Kriegs, und unter dem Namen eines durch sie verhaßten ausländischen Königs ungestraft ihr Wesen treiben. Zuerst, unter Anführung des Isidors, beschränkten sie sich auf das nächste Meer; bald512 aber verfolgten sie ihre Räubereien zwischen Kreta und Cyrene, zwischen Achaja und dem Maleischen Meerbusen,513 welches Meer sie der Beute halber das goldene nannten. Und obschon der gegen sie abgesandte Publius Servilius die leichten und flüchtigen Kaperschiffe mit seiner schweren und kriegerischen Flotte durch einander jagte, besiegte er sie doch nicht ohne Blut. Er begnügte sich aber nicht, sie vom Meere verdrängt zu haben; er zerstörte auch ihre mächtigsten, lange her von Beute überfüllten Städte Phasélis und Olympus514 und selbst Isaurus, die Feste Ciliciens. Weswegen er, im Bewußtseyn jener schweren Arbeit, an dem Beinamen des Isauriers mit Vorliebe hing. Und wenn schon durch so [188] viele Niederlagen gebändigt, konnten sie sich doch nicht auf das Festland beschränken, sondern gleich Amphibien sprangen sie unmittelbar nach dem Abzug der Feinde, des Festlandes überdrüssig, in ihre Gewässer zurück, und zwar etwas weiter als früher. So wurde auch dem Cilicier515 die Ehre zu Theil, von Pompejus besiegt zu werden, ein neuer Zuwachs zu der Mithridatischen Provinz. Pompejus, mit dem Vorsatz, dem über die ganze See verbreiteten Unwesen für immer ein Ende zu machen, griff mit einer fast jede Menschenkraft übersteigenden Zurüstung an. Denn da er mit eigenen und der verbündeten Rhodier Schiffen reichlich ausgerüstet war, umschloß er die Eingänge des Pontus und Oceanus516 durch mehrere Legaten und Befehlshaber. Gellius wird auf’s Tuscische, Plotius auf’s Sicilische Meer gewiesen. Gratilius besetzt den Ligurischen, Pompejus517 den Gallischen Meerbusen; Torquatus die Balearische, Tiberius Nero die Gaditanische Meerenge, wo sich die erste Pforte zu unserem Meere518 öffnet; Lentulus das Libysche Meer, Marcellinus [189] das Aegyptische, die Söhne des Pompejus das Adriatische, Varro Terentius das Aegäische und schwarze Meer, Metellus das Pamphylische, das Asiatische Cäpio; die Mündungen der Propontis schloß Porcius Kato durch vorgelegte Schiffe wie einen Thorweg. So wurde in allen Seehäfen, Buchten, Schlupfwinkeln, auf allen Vorgebirgen, Seestraßen, Halbinseln, die ganze Seeräuberei wie mit einem Jagdnetz umschlossen.519 Pompejus selbst kehre sich gegen Cilicien, den Ursprung und die Quelle des Krieges. Auch schlugen die Feinde den Kampf nicht aus, schienen ihn aber mehr im Gefühl ihrer Bedrängniß, als mit vertrauensvoller Erwartung gewagt zu haben. Jedoch nur zum ersten Schlag eilten sie zusammen. Dieß war alles, was sie thaten. Bald, so wie sie sich von unsern Schiffschnäbeln allwärts umringt sahen, warfen sie auf der Stelle Waffen und Ruder weg, und baten durch ein allgemeines Händeklatschen, was ein Zeichen der Gnadeflehenden war, um ihr Leben. Noch nie sonst hat uns ein Sieg so wenig Blut gekostet, aber auch nie ward in der Folge ein treueres Volk gefunden. Und solches hatte auch die außerordentliche Klugheit des Feldherrn bedacht, der dieser Seenation das Meer weit aus den Augen entrückte, und dieselbe an die landeinwärts liegenden Felder fesselte.520 Und zu ein und derselben Zeit gewann er für die Schiffe das freie Meer wieder, und gab dem Lande seine Menschen zurück.521 [190] Was soll man eher an diesem Siege bewundern? Die Schnelligkeit, da er am vierzigsten Tage (des Kriegs) erfochten war? Oder das Glück, weil nicht einmal ein einziges Schiff verloren ging? Oder endlich die haltbare Dauer desselben, weil es von nun an keine Seeräuber mehr gab?

Der Krieg mit Kreta522

(N. E. R. 684. V. Chr. G. 66.)

7 [L] (1) Den Krieg mit Kreta, wenn wir die Wahrheit wissen wollen, haben wir selbst angesponnen; blos aus Begierde, die berühmte Insel zu erobern.523 Sie schien es mit Mithridates gehalten zu haben. Dieß beschloß man mit Waffen zu rächen. Den ersten Einfall auf dieses Eiland machte Markus Antonius mit unbegrenzter Hoffnung und Gewißheit des Sieges, so daß er mehr Fesseln als Waffen an Bord führte. Er büßte aber für seine Unbesonnenheit. Denn die Feinde nahmen die meisten Schiffe weg, hingen die Leiber der Gefangenen gebunden an die Segel und Taue, und so ruderten die Kreter mit vollen Segeln gleich Triumphirenden ihren Häfen zu. Metellus verheerte darauf die ganze Insel mit Feuer und Schwert, unterwarf sich, was zwischen den Kastellen und Städten lag, sowohl Knossus als auch Erythräa, und, wie die Griechen sie zu nennen pflegen, die Mutter der Städte, Cydonea. [191] Mit den Gefangenen verfuhr man so grausam, daß die Meisten sich vergifteten, andere ihre Ergebung nur dem abwesenden Pompejus melden ließen. Dieser, noch in Asien beschäftigt, schickte den Antonius als Befehlshaber hierher, und erntete Ruhm in einer fremden Provinz. Mit desto größerer Erbitterung übte Metellus das Recht des Siegers gegen die Feinde, und nachdem er Cydonea’s Häupter, Lasthenes und Panares besiegt, kehrte er als Sieger zurück. Und doch trug er von einem so berühmten Sieg nichts weiter, als den Beinamen Kretikus davon.524

Der Balearische Krieg525

(N. E. R. 629. V. Chr. G. 121.)

8 [L] (1) Wie das Haus Metell’s, des Macedoniers, einmal an Beinamen aus dem Kriege gewöhnt, und einer seiner Söhne zum Kretikus gemacht worden war, so stand es nicht lange an, und auch der zweite ward Balearikus genannt.526 Die Balearischen Inseln hatten in jenem [192] Zeitraum527 mit einer Art von Korsarenwuth die Meere unsicher gemacht. Man muß sich wundern, wie wilde Waldmenschen sich unterstanden, von ihren Klippen in die hohe See hinauszuschauen. Allein sie besiegten auch unförmliche Fahrzeuge, und schreckten zuweilen die Vorübersegelnden durch plötzliche Angriffe. Und als sie von der Höhe herab die Römische Flotte sich nahen sahen, hielten sie dieselbe für gute Beute, wagten sogar ein Gefecht und bedeckten jene im ersten Anfall mit einem ungeheuren Hagel von Steinen und Felsstücken. Ein jeder streitet mit drei Schleudern. Was Wunder, wenn diese Würfe sicher trafen, da die Schleuder die einzige Waffe dieses Volkes ist, das Einzige, worauf sie sich von Kindheit an legen? Der Knabe bekommt von der Mutter keine andere Speise, als welche er nach ihrer Anweisung zielend getroffen hat.528 Aber nicht lange schreckte ihr Steinhagel die Römer. Nachdem man sich im Kampfe genaht, und sie unsere Schiffschnäbel und Wurfspieße versucht, da erhoben sie ein thierisches Geschrei und flohen der Küste zu; und nachdem sie sich auf die nächsten Berge verlaufen hatten, mußte man sie erst aufsuchen, um sie besiegen zu können.

Unternehmung auf Cypern529

(N. E. R. 692. V. Chr. G. 58.)

9 [L] (1) [193] Das Loos traf jetzt die Inseln. So ward denn auch Cypern ohen Schwertstreich genommen. Auf dieser von altem Reichthm überfüllten, und dazu530 der Venus geheiligten Insel herrschte Ptolemäus. Der Ruf ihrer Reichthümer war und hieß mit Recht so groß, daß das völkerbesiegende Volk, sonst gewohnt, Königreiche zu verschenken, unter dem Tribun Publius Klodius die Gütereinziehung gegen einen verbündeten und noch lebenden König anordnete. Dieser kam jedoch auf das Gerücht von dieser Anordnung seinem Schicksal durch Gift zuvor. Porcius Kato führte die Cyprischen Schätze auf Liburnen531 durch die Mündung der Tiber hinein; und sie füllten die Schatzkammer des Römischen Volkes mehr,532 als irgend ein Triumph.

Der Gallische Krieg533

(N. E. R. 694. V. Chr. G. 56.)

10 [L](1) [194] Asien war durch Pompejus Macht unterjocht. Was in Europa noch übrig blieb, übertrug das Glück an Cäsar. Uebrig waren noch die Gallier und Germanen, die ungeschlachtesten Völkerschaften; und obgleich vom ganzen Erdboden abgeschnitten, fand doch auch Britannien Besieger. Die erste Bewegung in Gallien ging von den Helvetiern aus. Diese wohnten zwischen dem Rhodanus und dem Rhein, und weil sie nicht genug Land hatten,534 erschienen sie, um eine Niederlassung zu suchen, nachdem sie ihre festen Wohnplätze in Brand gesteckt hatten. Nie wiederzukehren, war ihr Gelöbniß. Man bat um Bedenkzeit; während der Zögerung aber brach Cäsar die Brücke über den Rhodanus ab,535 und benahm ihnen so die Gelegenheit, zu entwischen; und trieb sofort, wie der Hirt die Heerde in den Stall, dieses kriegerische Volk in seine Wohnsitze zurück. Der folgende, weit blutigere Kampf – denn sie stritten für ihre Freiheit – war der mit den Belgiern.536 Wie diesen Kampf viele treffliche Thaten [195] Römischer Soldaten auszeichnen, so vorzüglich jenes des Feldherrn selbst, indem er, als das Heer schon Miene zur Flucht machte, aus den Armen eines Fliehenden den Schild riß, an die Spitze des Treffens flog, und so die Schlacht eigenhändig wiederherstellte. Jetzt folgte auch ein Seekrieg mit den Venetern;537 aber größer war der Streit mit dem Ocean, als mit den Schiffen selbst. Denn diese waren roh und unförmlich, und sogleich leck, so wie sie unsere Schnäbel verspürten. Allein die Kämpfenden saßen auf Untiefen fest, als der Ocean, durch die gewöhnliche Ebbe sich mit dem Gefechte zurückziehend, in den Krieg sich zu mischen schien. Dazu kamen jene verschiedenartigen Maßregeln, sich zu helfen, nach Beschaffenheit der Länder und Völker. Die Aquitaner,538 eine schlaue Art von Menschen, verkrochen sich in Höhlen; er läßt sie einschließen. Die Moriner539 verliefen sich in die Wälder; diese läßt er in Brand stecken. Nicht blos wild darf man die Gallier nennen; sie handeln auch mit List. Induciomarus rief die Trevirer,540 Ambiorix die Eburonen541 auf. Beide zettelten [196] in Cäsars Abwesenheit eine Verschwörung an und stießen auf dessen Legaten. Aber jener wurde von Titus Labienus542 tapfer zurückgedrängt, und der Kopf des Königs aus dem Kampfe gebracht. Dieser (Ambiorix) legte einen Hinterhalt im Thale an, und schlug uns durch List. Und so wurde das Lager geplündert, und wir verloren hier Aurunkulejus Kotta nebst Titurius Sabinus, beide Legaten.543 Auch war sobald keine Rache mehr gegen den König möglich; denn er hielt sich in steter Flucht jenseits des Rheines verborgen. Es blieb also auch der Rhein nicht verschont. Es wäre ja nicht recht gewesen, diesen Hehler und Beschützer der Feinde frei zu lassen. Sein erster544 Kampf war gegen die Germanen; dieser war durch die besten Gründe gerechtfertigt. Die Häduer545 beschwerten sich über ihre Einfälle. Aber welcher Hochmuth des Königs Ariovist! Als die Gesandten ihm sagten: [196] Komm zu Cäsar! gab er zur Antwort: Wer ist Cäsar? hat er Lust, so mag er zu mir kommen. Was kümmtert ihn denn, was wir in unserem Germanien treiben?546 Mische ich mich denn in die Angelegenheiten der Römer? Und so entstand ein so großer Schrecken vor diesem fremden Volke im Lager, daß man da und dort sogar im Hauptquartier547 Testamente niederschrieb. Allein je größer jene Riesenkörper waren, desto mehr waren sie den Schwertern und Waffen blosgestellt. Nichts schildert die Hitze der Soldaten im Kampfe treffender, als der Umstand, daß die Römer, indem die Barbaren ihre Schilde über den Kopf in die Höhe hielten, und sich so durch ein Schirmdach zu decken suchten, auf die Schilde selbst hinaufsprangen, und von oben herab ihre Schwerter in des Feindes Kehle stießen. Abermals beschwerten sich die Teukterer548 über die Germanen. Jetzt [198] aber setzt Cäsar von selbst mittelst einer Schiffbrücke über die Mosel und sogar über den Rhein, und sucht den Feind in den hercynischen Wäldern auf; aber alles Volk hatte sich in das Dickicht des Waldes und in die Moräste flüchtend zerstreut. So groß war der Schrecken, den die plötzliche Erscheinung der Römischen Macht innerhalb des Gestades den Gemüthern einjagte. Und nicht blos einmal, sondern nochmals, und zwar auf einer geschlagenen Brücke,549 drang man über den Rhein. Aber der Schrecken war jetzt viel größer; denn da sie ihren Rheinstrom durch die Brücke, wie unter einem Joche, gefangen sahen, floh Alles abermals in die Wälder und Moräste, und – was die bitterste Erfahrung für Cäsar gewesen – es war Niemand da, den man besiegen konnte. Nachdem alles zu Wasser und zu Lande erobert war, blickte er nach dem Ocean zurück, und dachte, als genügte ihm die Römische Welt nicht, an eine zweite.550 Er brachte eine Flotte zusammen, und setzte mit bewunderungswürdiger Schnelligkeit nach Britannien über. Denn um die dritte Nachtwache551 stach er vom Morinischen552 Hafen in die See, und noch vor Mittag betrat er die Insel. Der Allarm der Feinde erfüllte das Gestade, [199] und in ängstlicher Eile flogen bei dem Anblick dieser neuen Erscheinung die Rollwagen553 davon. So galt hier zitternde Angst für den Sieg. Waffen und Geißeln nahm er den Furchtsamen ab, und wäre weiter vorgerückt, hätte nicht der Ocean die verwegene Gier seiner Flotte mit einem Schiffbruch gezüchtigt. Er kehrte nach Gallein zurück, erschien aber wieder mit einer größeren Flotte und einem verstärkten Heere auf demselben Ocean, und gegen dieselben Britannier, die er in die Kaledonischen554 Wälder verfolgte, und warf sogar Einen von den unter Kassivelaunus555 fechtenden Fürsten in Fesseln. Hiermit zufrieden – denn nicht auf eine Provinz, sondern auf Ruhm war sein Streben gerichtet – schiffte er mit größerer Beute als früher zurück. Auch war der Ocean selbst ruhiger und günstiger, gleichsam als wollte er seine Uebermacht anerkennen.556 Aber die größte und letzte aller Verschwörungen war die in Gallein, indem jener durch Körper, Waffen und Muth furchtbare Vercingetorix, dessen Name selbst auf Schrecken [200] berechnet schien,557 auf einmal alle Arverner, und Bituriger, die Carnuten sammt den Sequanern, aufgewiegelt hatte. Es suchte sie an Fest- und Versammlungstagen, deren er viele in Hainen feierte, durch heftige Reden für das Recht ihrer alten Freiheit zu begeistern. Cäsar war damals abwesend zu Ravenna, mit Truppenwerbungen beschäftigt. Hoch lag der Schnee auf den Alpen, und so wähnten die Leute, der Weg sey Cäsarn verschlossen. Dieser aber, wie er war, bei der Nachricht eines Streiches, der eine so glückliche Kühnheit erheischte,558 arbeitete sich durch die bis jetzt unwegsamen Gebirgshöhen, über unbetretene Bahnen und Schneemassen mit leichbewaffneter Heeresmacht hindurch, und überfiel Gallien, zog aus den entlegenen Winterlagern ein Heerlager zusammen, und war früher in der Mitte von Gallien, als man ihn noch an der Grenze mit Furcht erwartete. Jetzt ging er auf die Hauptplätze des Krieges los, die Städte; nahm Avarikum559 mit seinen vierzig tausend Vertheidigern weg, und machte das auf zweimal hundert fünfzig tausend Krieger gestützte Alesia560 durch Einäscherung dem Boden gleich. Um Gergovia561 im Arverner Gebiet vereinigte sich die ganze Macht des [201] Kriegs. Achtzig tausend Mann vertheidigten dessen Mauern, Burg und steile Anhöhen. Er aber bändigte die so große, mit einem Wall, mit Pallisaden und Graben, mit einem in den Graben geleiteten Fluß, überdieß noch mit achtzehn Kastellen und einer mächtigen Brustwehr umgebene Stadt zuerst durch Aushungerung; bald aber, wo sie Ausfälle wagten, ließ er sie auf dem Wall mit Schwertern und Pfählen niedermachen, und zuletzt zwang er sie zur Uebergabe. Er selbst, der König, die größte Zierde des Sieges, erschien, um Schutz und Gnade flehend, im Lager, und legte seinen Pferdeschmuck und seine Waffen Cäsarn zu Füßen, mit den Worten: Nimm hin, tapferster Held: einen tapferen Mann hast du überwunden.

Der Parthische Krieg562

(N. E. R. 689. V. Chr. G. 52.)

11 [L] (1) Indeß das Römische Volk im Norden die Gallier durch Cäsar besiegt, erhält es im Orient eine schwere Wunde von den Parthern. Auch können wir das Schicksal nicht anklagen. Trostlos ist das Unglück. Die Habsucht des Konsuls Krassus, Göttern und Menschen zuwider, indem sie nach Parthischem Golde lechzte, wurde mit dem Verluste von eilf Legionen und seines eigenen Kopfes bestraft. Schon der Volkstribun Atejus563 hatte den ausziehenden Feldherrn [202] den feindlichen Furien zum Tode geweiht; und als das Heer nach Zeugma564 übersetzte, so verschlang der Euphrat die in plötzlichen Wirbelwinden dahin gerafften Feldzeichen, und als er bei Nicephorium565 ein Lager geschlagen, kündigten ihm die von König Orodes abgeschickten Gesandten an: „er möchte an die mit Pompejus und Sulla geschlossenen Verträge denken.“ Er aber, lechzend nach den Schätzen des Königs, schützte nicht einmal ein scheinbares Recht vor, sondern versetzte blos, „er wolle in Seleucia566 antworten.“ Die Götter, als Rächer verletzter Verträge, unterstützten daher sowohl die List als die Tapferkeit der Feinde. Zuerst verließ man jetzt den Euphrat, welcher allein die Mundvorräthe zuführen und den Rücken decken konnte. Sodann traute man einem verstellten Ueberläufer, dem Syrer Mazares, und ließ sich von ihm verleiten, das Heer in die Mitte einer weiten Wüste zu führen, wo es von allen Seiten dem Feinde blos gestellt war. Kaum war das Heer nach Karrä567 vorgerückt, als die Befehlshaber des Königs, [203] Sillaces und Surenas, auf allen Seiten ihre von Gold und seidenen Wimpeln schimmernden Paniere568 zeigten. Alsbald umschloß uns ringsum die Reiterei, und schüttete, Platzregen ähnlich, einen dichten Hagel von Pfeilen auf einmal über uns aus. So wurde unser Heer in einer kläglichen Niederlage vertilgt. Krassus selbst, den man in eine mündliche Unterredung gelockt, würde auf ein gegebenes Zeichen lebendig in die Hände des Feindes gefallen seyn, hätten nicht die Barbaren beim Widerstande der Tribunen die Flucht des Feldherrn durchs Schwert vereitelt. So mußte sein aus dem Kampfe gebrachter Kopf dem Feinde noch zum Hohne dienen. Des Feldherrn Sohn569 bedeckten sie fast vor den Augen des Vaters mit eben den Geschossen. Die Reste des unglücklichen Heeres zerstreuten sich, wo Jeden die Flucht hintrieb, nach Armenien, Cilicien und Syrien, und brachten kaum die Botschaft von der Niederlage zurück. Der abgehauene Kopf des Krassus nebst seiner rechten Hand wurde dem Könige überbracht, und diente ihm zum wohlverdienten Spott. Man goß ihm nämlich flüssiges Gold in den aufgesperrten Mund, um auch den entseelten und verblichenen Körper Desjenigen mit Golde zu brennen, dessen Seele die Goldgier entflammt hatte.570

Wiederholende Uebersicht des ersten Abschnitts der dritten Altersperiode Roms571

12 [L] (1) [209] Dieß ist jenes dritte Lebensalter des Römischen Volkes, jenseits des Meeres, in welchem es aus Italien vorzurücken wagte, und auf dem ganzen Erdkreis seine Waffen umhertrug. Das erste Jahrhundert desselben war unbefleckt, fromm, und wie wir uns ausgedrückt, golden, ohne Schandthat, ohne Frevel, indem noch die unverfälschte und schuldlose Reinheit jener Hirtenschaar, und die drohende [210] Flucht vor den Punischen Feinden die alte Zucht und Ordnung bewahrte. Das letzte Jahrhundert hingegen, von Karthago’s, Korinth’s und Numantia’s Zerstörung, und von der Asiatischen Erbschaft des Königs Attalus an gerechnet, bis auf Cäsar und Pompejus herab und bis auf deren Nachfolger Augustus, von dem wir noch reden werden, so herrlich durch den Glanz kriegerischer Thaten es war, so jammervoll und beschämend war es durch das Unheil innerer Niederlagen. Denn gleichwie es schön und ruhmvoll war, Gallien, Thracien, Cilicien, Kappadocien, die reichsten und mächtigsten Provinzen, auch die Armenier und Britannier, alles große Namen, zwar nicht zum Gewinn und Nutzen, aber doch zur Verherrlichung des Reiches, erobert und besiegt zu haben, eben so schimpflich und beklagenswerth waren zur nämlichen Zeit die einheimischen Befehdungen, die mit den Bürgern, Bundesgenossen, Sklaven und Fechtern, die selbst unter dem ganzen Senat geführt wurden. Und ich weiß nicht, ob es nicht für das Römische Volk besser gewesen wäre, sich mit Sicilien und Afrika zu begnügen, oder, selbst auch ohne deren Besitz, in seinem Italien zu herrschen, als zu einer solchen Größe anzuwachsen, bei der es seine eigenen Kräfte aufrieb. Denn was anders hat die Wuth der Bürgerkriege in’s Leben gerufen, als übergroßes Glück? Die Eroberung Syriens572 [211] hat uns zuerst verdorben, und bald darauf die Asiatische Erbschaft des Königes von Pergamus (Attalus). Jene Schätze und Reichthümer griffen die Sitten des Jahrhunderts an, und richteten den in dem Schlamm seiner Laster versunkenen Staat zu Grunde. Woher sonst, als aus Hunger, den die Schwelgerei geschaffen, konnte das Römische Volk Ländereien und Lebensmittel von seinen Tribunen verlangen? Daher schreibt sich denn jene erste und zweite Gracchische, daher jene dritte Apulejische Empörung. Was anders als Habsucht, welche die Staatsgefälle und selbst die Gerichte zum Gegenstand des Erwerbes erhob, konnte sie durch die Gesetze von der Gerichtspflege, vom Senate getrennten Ritter zu gebietenden Herren machen?573 Daher das Latium von Neuem zugesagte Bürgerrecht, und durch dieses der Krieg mit den Bundesgenossen. Und nun die Sklavenkriege? Woher anders kamen sie über uns, als von Ueberhäufung des Gesindes?574 Woher die Schaaren der Fechter gegen [212] ihre Herren, als weil die für die Erwerbung der Gunst des Pöbels verschwenderische Freigebigkeit, indem sie die Schauspiele begünstigte, eine ehemalige Todesstrafe der Feinde zu einer Kunst erhob?575 Um jetzt aber noch glänzendere Laster zu berühren, hat nicht eben jener Reichthum die unerlaubten Bewerbungen um Ehrenstellen geweckt? Daher kamen die Marianischen, daher die Sullianischen Stürme. Oder der prachtvolle Aufwand bei den Gastmahlen, die kostspieligen Spenden – stoßen sie nicht aus einem Reichthum, der bald Dürftigkeit gebären mußte? Diese war es, welche Katilina gegen sein eigenes Vaterland seine Stöße führen ließ. Woher anders kam endlich eben jene Sucht, den Ober- und Alleinherrn zu spielen, als aus übermäßigem Güterreichthum? Gerade jene hat einen Cäsar und Pompejus mit Furienfackeln zum Untergang unseres Freistaates bewaffnet. Alle diese einheimischen Unruhen des Römischen Volkes wollen wir jetzt, abgesondert von den auswärtigen und rechtmäßigen Kriegen, der Reihe nach erzählen.

13 [L] (1) Die Veranlassungen zu allen inneren Aufständen hat die Gewalt der Volkstribune hervorgerufen, welche unter [213] dem Scheine, den Bürgerstand, zu dessen Beistand sie eingesetzt waren, zu schützen, eigentlich aber um eine unumschränkte Herrschaft sich zu gründen, mittelst der Acker-, Getreide- und Justizgesetze um des Volkes Gunst und Neigung buhlten. Alle hatten den Anstrich von Billigkeit. Denn was war gerechter, als daß der Bürgerstand von den Patriciern das Seinige576 zurückerhielt, damit nicht eben das Volk, welches der Besieger der Nationen und Herr der Welt geworden, vom eigenen Heerde und Altare verdaunt, sich umhertriebe? Was billiger, als einem armen Volke aus seinem öffentlichen Schatze den Unterhalt zu reichen? Was für die Gleichstellung des Freiheitsrechtes wirksamer, als wenn, indeß der Senat die Provinzen regierte, das Ansehen des Ritterstandes sich wenigstens auf unbeschränkte Handhabung der Gerichte stützte? Aber gerade Dieß führte zum Verderben, und der bejammernswürdige Staat war der Preis seines eigenen Verderbens. Denn theils unterschlug die vom Senat auf die Ritter übertragene richterliche Gewalt die Gefälle, d. h. das Staatsvermögen, und der Einkauf des Getreides erschöpfte die Schatzkammer,577 den eigentlichen Nerv des Gemeinwesens. Wie konnte der Bürgerstand wieder in den Besitz der Ländereien eingesetzt werden, ohne die Besitzer zu verdrängen, welche selbst ein Theil [214] des Gesammtvolkes waren, und die von ihren Voreltern überkommenen578 Niederlassungen in Folge der Verjährung gleichsam erbrechtlich inne hatten.

Der Aufruhr des Tiberius Gracchus579

(N. E. R. 619. V. Chr. G. 131.)

14 [L] (1) Die erste Fackel dieser Kämpfe zündete Tiberius Gracchus an, durch Geburt, Gestalt und Beredsamkeit wohl einer der ersten Männer. Dieser, entweder weil er als Bürge des Vertrags die Folgen der Auslieferung des Mancinus580 fürchtete, und darum die Volkspartei ergriff, oder geleitet von der Rücksicht des Rechts und der Billigkeit, weil er den von seinen Ländereien vertriebenen Bürgerstand bedauerte, wagt, damit, damit das Volk, das der Besieger der Nationen und Herr der Welt geworden, nicht seinen Heerd und seine Laren verlassen müßte, mag der Beweggrund gewesen seyn, welcher er will, ein großes Unternehmen.581 Als der Tag der Kundmachung des Gesetzesvorschlages [215] erschien, bestieg er, von einer zahlreichen Schaar umgeben, die Rednerbühne; auch hatte sich ihm gegenüber der ganze Adel mit seiner Mannschaft eingestellt, und die Tribunen nahmen Partei. Aber so wie Gracchus bemerkte, daß Knejus582 Oktavius das Recht der Einsprache gegen seine Vorschläge geltend machte, vergriff er sich an ihm wider alles Recht und Herkommen der Machtbefugniß des Tribunals, trieb ihn von der Bühne herab, und jagte ihm im Augenblick eine solche Todesfurcht ein, daß er sich genöthigt saß, seines Amtes sich zu begeben.583 So wählte man ihn zum Mitglied der Kommission584 für die Feldervertheilung, und da er, um sein angefangenes Werk zu vollenden, am Tage der Komitien eine Verlängerung seiner Amtsgewalt beabsichtigte, so fing durch die entgegentretende Mannschaft des Adels und Derer, die er von Ländereien verdrängt hatte, das Gemetzel auf dem Forum an. Gracchus floh auf’s Kapitol, und ermahnte die Gemeinen, sein Leben zu schützen, wobei er sein Haupt mit der Hand berührte. Das ward für ein Zeichen gehalten, als begehre er den Königsthron und das Diadem; und so [216] wurde er unter Anführung des Scipio Nasika von dem unter die Waffen gerufenen Volke unter dem Scheine des Rechts niedergemacht.

Aufruhr des Kajus Gracchus585

(N. E. R. 629. V. Chr. G. 121.)

15 [L] (1) Alsbald entbrannte mit gleichem Ungestüm Kajus Gracchus, um seines Bruders Tod und Gesetze zu rächen. Mit gleichem Lärm und Schreck rief er den Bürgerstand zur Besitznahme seiner urväterlichen Ländereien auf, und versprach die frisch eingegangene Erbschaft von Attalus dem Volke zum Unterhalt, und durch das zweite Tribunat übertrieben und zügellos586 gemacht, schwärmte er, vom folgsamen Pöbel begleitet, umher, und, da es der Tribun Minucius wagte, seinen Gesetzen mit andern Vorschlägen entgegenzutreten, so warf er sich, gestützt auf die Macht seiner Begleiter, in das für seine Familie so verhängnißvolle Kapitol. Vertrieben von hier durch die Niederstreckung der ihm zunächst Stehenden, flüchtete er sich auf den Aventinischen Berg; aber indem sich ihm auch hier die Mannschaft des Senates in den Weg stellte, wurde er von dem Konsul Opimius niedergestreckt. Man verhöhnte noch die Ueberreste des Getödteten, und man wog jenes hochheilige [217] Haupt eines Volkstribuns mit dem Golde auf, das man seinen Mördern gab.

Der Apulejische Aufruhr587

16 [L] (1) Nichts desto weniger ließ Apulejus Saturninus nicht nach, die Gesetze der Gracchen zu verfechten. Dieser588 (so viel Muth flößte ihm Marius ein), von jeher ein Feind des Adels, überdieß gestützt auf das von ihm besetzte589 Konsulat, unterfing sich, nachdem er den Mitbewerber um das Tribunat Annius öffentlich in der Wahlversammlung getödtet hatte,590 an des Getödteten Stelle zu setzen. Da er bei [218] dem frechen Spiele, das er auf so vielfache und so starke Weise trieb, ungestraft frohlockte, lag er der Empfehlung der Gracchischen Gesetze mit solcher Heftigkeit ob, daß er sogar den Senat nöthigte, eidlich seinem Ansinnen beizupflichten, indem er Denen, die sich weigerten, mit Aechtung drohte. Doch ein Mann fand sich, der die Verbannung vorzog.591 Nach Metellus Entweichung, wo der ganze Adel eingeschüchtert war, und er schon in’s dritte Jahr seine Tyrannei übte, ging er im Wahnsinn so weit, daß er sogar die konsularische Wahlversammlung durch eine neue Mordthat störte. Denn um den Gehülfen seiner tollen Streiche, Glaucias zum Konsul zu machen, ließ er den Mitbewerber Kajus Memmius ermorden, und nahm es freudig an, wie ihn seine Spießgesellen in jenem Tumulte als König begrüßten. Jetzt aber, nachdem sich der Senat gegen ihn verschworen und bereits auch der Konsul Marius, weil er ihn sonst nicht mehr schützen konnte, sein Gegner geworden war, stellte man sich gegen ihn in Schlachtordnung auf dem Forum auf. Von da vertrieben, warf er sich in’s Kapitol. Allein hier belagerte man ihn und schnitt ihm die Wasserröhren592 ab, und weil er den Senat durch Abgeordnete von seiner Reue versichert, so durfte er von der Burg herabsteigen, und wurde nebst den Faktionsführern in die Kurie aufgenommen. Jetzt aber brach das Volk herein, bedeckte [219] ihn mit Prügeln und Steinen, und zerriß seinen Leichnam selbst im Tode.

Der Aufruhr des Livius Drusus593

17 [L] (1) Zuletzt wagte es Livius Drusus, nicht nur auf die Macht des Tribunats, sondern auch auf das Ansehen des Senats und auf die Zustimmung von ganz Italien gestützt, eben dieselben Gesetze zu verfechten, und indem er eines durch das andere erschlich und erjagte, fachte er ein solches Feuer an, daß man nicht einmal den ersten Ausbruch desselben zu dämpfen vermochte; und von schleunigem Tode hinweggerafft, pflanzte er diesen Krieg wie ein Erbe auf seine Nachkommen fort. Durch das Gesetz über die Rechtspflege hatten die Gracchen das Römische Volk gespalten und aus dem Einen Staaten einen zweiköpfigen gebildet. Die Römischen Ritter, auf eine solche Macht gestützt, welche das Schicksal und Vermögen der ersten Männer in ihre Hände legte, unterschlugen die Zölle und befahlen so unter dem ihnen zustehenden Rechtstitel den Staat. Durch Metell’s594 Verbannung und durch die Verurtheilung des Rutilius595 war der Senat geschwächt und hatte allen [220] Glanz seiner Majestät verloren. In dieser Lage der Dinge stritten Servilius Cäpio und Livius Drusus, beide an Reichthum, Muth und Würde einander gleich (daher kam bei Drusus die Standeseifersucht),596 der Erstere für den Ritterstand, der Letztere für den Senat. Paniere, Adler und Fahnen zeigten sich. So war man in Einer Stadt wie in zwei Lager geschieden. Zuerst machte Cäpio einen Angriff auf den Senat, und erlas sich zur Anklage wegen unerlaubter Aemterbewerbung die Häupter des Adels, den Skaurus und Philippus.597 Um diesen Umtrieben Widerstand zu leisten, setzte Drusus unvermittelst der Gracchischen Gesetze die Gemeinen für sein Interesse, und auf demselben Wege durch die eröffnete Aussicht auf das Bürgerrecht die Bundesgenossen für die Sache der Gemeinen in Bewegung. Bekannt ist noch von ihm die Aeußerung: „Er habe Niemand etwas zum Verschenken übrig gelassen, es wollte denn Jemand Koth oder Luft austheilen.“ Der Tag der öffentlichen Bekanntmachung der Gesetzesvorschläge598 war erschienen, als plötzlich von allen Orten her eine so große Menschenmenge sich zeigte, daß die Stadt durch einen [221] ausgerückten Feind berennt schien. Dennoch unterfängt sich der Konsul Philippus, gegen diese Gesetze seinen Widerspruch durch andere Vorschläge geltend zu machen. Allein ein Gerichtsbote faßt ihn bei der Kehle, und läßt ihn nicht eher los, bis ihm das Blut in den Mund und in die Augen strömte. So wurden die Gesetze durch Gewalt gegeben und befohlen. Und die Bundesgenossen drangen unverzüglich auf deren Vollziehung, als den unmächtigen und wegen unbehutsam und voreilig erregter Unruhen bekümmerten Drusus – der gewöhnliche Lauf solcher kritischen Händel – ein frühzeitiger Tod hinwegraffte. Nichts desto weniger ließen die Bundesgenossen nicht ab, die Erfüllung der Versprechungen des Drusus vom Römischen Volke mit gewaffneter Hand zu fordern.

Krieg mit den Bundesgenossen599

(N. E. R. 662. V. Chr. G. 88.)

18 [L] (1) Man kann diesen Krieg, um das Gehässige desselben zu mildern, Bundesgenossenkrieg nennen; doch, die Wahrheit zu gestehen, war es eigentlich ein Bürgerkrieg. Denn da das Römische Volk der Etrusker, die Latiner und die Sabiner mit sich vermischt hat, und aus dem gemeinschaftlichen Geblüte Aller seine Herkunft ableitet, so hat es aus diesen Gliedern sein Leib gebildet und ist aus allen Eins geworden. Die Bundesgenossen empörten sich mit gleichem Frevel innerhalb Italien’s, wie die [222] Bürger innerhalb der Mauern Rom’s. Wiewohl mit vollem Rechte600 forderten jetzt die Bundesgenossen das Bürgerrecht in einer Stadt, die sie durch ihre Kräfte vergrößert hatten, eine Hoffnung, die in ihnen Drusus, nach unumschränkter Herrschaft lüstern, geweckt und belebt hatte. Nachdem aber Letzterer durch einheimischen Frevel gefallen war,601 so entflammte die nämliche Fackel, welche diesen Mann verzehrte, die Bundesgenossen zum Krieg und zum Sturm auf die Stadt Rom. Läßt sich etwas Traurigeres und etwas Unglücklicheres denken, als jene Verheerung, wo ganz Latium und Picenum, ganz Etrurien602 und Kampanien, zuletzt ganz Italien sich gegen die Mutterstadt Rom erhoben; wo jene Wunderhelden der Municipalstädte, jeder Einzelne unter seinen Panieren den Kern der tapfersten und treuesten Bundesgenossen führten, z. B. Popedius die Marser und die Latiner, Afranius die Umbrer, Egnatius alle Hetrusker, Telesinus die Samniter und Lukaner;603 [223] wo ein Volk, das der Schiedsrichter unter Königen und Nationen geworden, sich selbst so wenig zu regieren vermochte, daß Rom, die Besiegerin von Asien und Europa, von Korfinium604 angegriffen wurde? Der erste Kriegsplan wurde auf dem Albanischen Berge verabredet, wo man beschloß, die Konsuln Julius Cäsar und Marcius Philippus am Latinerfeste605 zwischen Opfern und Altären zu schlachten. Nachdem dieses Bubenstück durch Verrätherei sich zerschlagenm kam zu Askulum606 die Wuth zum vollen Ausbruch, indem gerade bei einem zahlreich besuchten Schauspiele die damals anwesenden Abgeordneten von Rom niedergemacht wurden. Dieß war die Losung zum pflichtvergessenen Kriege. Von jetzt an erschallten überall von allen Seiten Italiens, unter dem als Anführer und Stifter des Krieges hin und hereilenden Popedius, die nach Völkern und Städten verschiedenen Kriegssignale. Weder unter Hannibal noch unter Pyrrhus war die Verwüstung so groß. Siehe da! Wie Okrikulum, wie Grumentum, wie Fäsulä, wie Karseoli, wie Reate, Nuceria, Picentia mit Mord, mit Feuer und Schwert verheert wurden! Geschlagen werden die Kriegsschaaren des Rutilius, geschlagen die des Cäpio. Denn der Konsul [224] Rutilius selbst wurde nach dem Verlust seines Heeres vom Blute triefend nach Rom zurückgebracht, und das Blut seines bejammernswürdigen Leichnams benetzte sogar die Mitte der Stadt.607 Aber das große und in Unfällen immer noch größere Glück des Römischen Volkes erstand von Neuem mit aller Macht und Kraft, und Jeder greift einzeln ein Volk an. Kato zerstreut die Hetrusker, Gabinius die Marser, Karbo die Lukaner, Sulla die Samniten. Strabo Pompejus aber verheerte Alles mit Feuer und Schwert, und setzte dem Morden nicht eher ein Ziel, als bis durch Askulums Zerstörung den Manen so vieler Kriegsheere und Konsuln und den Göttern so vieler geplünderten Städte die schuldige Sühne gebracht war.

Der Sklavenkrieg608

19 [L] (1) Mag es immerhin arg genug609 seyn, auch mit Bundesgenossen kämpfen zu müßen: doch waren es Freie und Freigeborne. Wer kann aber ohne Unwillen beim ersten der Völker an Sklavenkriege denken? Der erste Sklavenkrieg ward in den ersten Zeiten Roms unter Anführung des [225] Sabiners Herdonius, in der Stadt selbst versucht,610 wo, während letztere durch die aufrührischen Bewegungen der Tribunen in Anspruch genommen war, das Kapitol belagert und vom Konsul eingenommen wurde. Doch dieß war mehr ein Auflauf, als ein Krieg. Später –611 Wer sollte es glauben? wo unsere Oberherrschaft schon über die entlegensten Länder ausgebreitet war, erlitt Sicilien durch den Sklavenkrieg eine blutigere Verheerung, als durch den Punischen. In diesem getreidereichen Lande, in dieser Provinz, die gleichsam eine Vorstadt Roms bildete, hatten sich die Römer weit und breit angebaut. Hier gaben eine Menge zum Feldbau angelegte Sklavenzwinger und die gefesselten Arbeiter Stoff zum Kriege. Ein Syrer, Namens Eunus (die Größe der Verwüstungen erinnert uns an ihn), wiegelte mit erheuchelter fanatischer Begeisterung, in der er das Haar der Syrischen Göttin schüttelte612, die Sklaven, vorgeblich auf göttlichen Befehl, zur Freiheit und zu den Waffen auf; und zum Beweis, daß die Götter hier wirken, hatte er eine mit Schwefel und Glut gefüllte Nuß im Munde versteckt, und indem er diese leicht anblies, hauchte er Feuerflammen unter dem Reden aus. Mittelst dieses [226] Wunders brachte er anfänglich von aufstoßenden Zuläufern zwei tausend Mann, bald darauf aber, nachdem die Sklavenzwinger durch Waffengewalt erbrochen waren, ein Heer von mehr als sechzig tausend Mann auf die Beine, und um das Maß der Leiden voll zu machen, legte er den königlichen Schmuck an, und plünderte und verwüstete Schlösserl, Dörfer und Städte auf eine jämmerliche Weise. Ja dazu kam noch, was die äußerste Schmach des Krieges war: die Lager der Prätoren wurden eingenommen. Ich schäme mich nicht, solche zu nennen: das Lager eines Manilius, Lentulus, Piso, Hypsäus. Darum verfolgten gerade Die, welche man durch nachsetzende Häscher hätte einbringen sollen, die in der Schlacht flüchtigen prätorischen Heerführer. Endlich, unter dem Oberfeldherrn Perperna,613 vollzog man die Strafe an ihnen. Dieser rieb die Ueberwundenen und bei Enna614 Eingeschlossenen durch Hunger, wie durch eine Pest, auf; den Rest der Räuber ließ er in Ketten615 schmieden und kreuzigen. Und um die Würde eines Triumphes nicht durch eine Sklaveninschrift zu entweihen, begnügte er sich mit einer Ovation616 über die Sklaven. Kaum [227] hatte sich die Insel etwas erholt, so verfallen die Sklaven von dem Syrer auf einen Cilicier,617 Athenio. Ein Hirt erschlug seinen Herrn, und stellte das aus dem Zwangshaus befreite Gesinde unter die Waffen. Er selbst im Purpurgewande, mit einem silbernen Stabe, und um die Stirn ein königliches Diadem, zieht kein geringeres Heer, als jener erste Schwärmer, zusammen, und gleich als wollte er Jenen rächen, plünderte er Dörfer, Schlösser, Städte, und wüthete auf viel grausamere Weise gegen die Dienstherren, und mit noch größerer Erbitterung gegen die Sklaven, die er als Ueberläufer ansah. Auch von ihm wurden prätorische Heere geschlagen, das Lager des Servilius, das des Lukullus von ihm erobert. Aber Aquilius folgte Perperna’s Vorbilde, brachte den von der Zufuhr abgeschnittenen Feind in die äußerste Noth, und rieb die durch den Waffenkampf schon verminderte Streitmacht desselben mit leichter Mühe durch Hunger auf. Auch würde sich letztere ergeben haben, wenn sie nicht aus Furcht vor der Todesstrafe den freiwilligen Tod vorgezogen hätte. Nicht einmal am Anführer konnte man die Strafe vollziehen, ob er gleich in unsere Hände kam. Denn während sich die Volksmenge ringsum beeiferte, ihn zu ergreifen, ward der Raub unter den Händen der Streitenden zerrissen.

Der Krieg mit Spartakus618

(N. E. R. 679. V. Chr. G. 71.)

20 [L] (1) [228] Freilich muß man sich die Würde eines Sklavenkriegs gefallen lassen. Denn Sklaven, wenn schon vom Schicksal Allem unterworfen,619 sind dennoch als eine zweite Menschengattung zu betrachten, und können in die Vortheile unserer Freiheit eingesetzt werden. Aber welchen Namen ich dem Kriege geben soll, welchen Spartakus erregt, weiß ich nicht. Die Knechte waren Soldaten, die Gladiatioren Befehshaber. Letztere, Menschen von der niedrigsten und schlimmsten Art,620 vermehrten noch das Elend durch den Hohn und Spott, den sie auf uns luden. Spartakus, Krixus, Oenomaus erbrachen die Fechterschule des Lentulus, und drangen mit nicht mehr als dreißig Mann ihres Gelichters aus Kapua heraus; und nachdem sie die Sklaven zu Hülfe gerufen, und alsbald über zehen tausend Mann sich zusammengerottet hatten, begnügten sie sich nicht, entflohen zu seyn: sie wollten sich jetzt auch rächen. Zum ersten Sitz erkoren sich diese Unmenschen den Berg Vesuv.621 Als sie hier von Klodius Glaber belagert wurden, ließen sie sich an Stricken von Weinranken durch den Krater des hohlen Berges bis an den untersten Fuß desselben hinab; [229] hier fanden sie einen Ausgang622, durch den sie plötzlich über das Lager des nichts der Art ahnenden Feldherrn herfielen. Von da ging’s auf das Lager des Varinius623 los; und in Einem weg durchstreifen sie die Küste und das ganze Gebiet von Kampanien; und ohne sich mit der Verwüstung der Höfe und Dörfer zu begnügen, verheeren sie die Städte Nola, Nuceria, Thurii und Metapontum624 mit fürchterlichem Greuel. Als ihre Streitkräfte durch tägliches Zuströmen ganzer Schaaren zu einem förmlichen Heere angewachsen waren, verfertigten sie sich aus Ruthengeflecht und Thierhäuten unförmliche Schilde, aus dem ungeschmolzenen Eisen der Sklavenzwinger aber Schwerter und Geschoße. Und damit dem ordentlichen Heere nicht Gebührendes abgehe, so bildete man aus den ihnen aufgestoßenen und gebändigten Pferdeheeren625 eine Reiterei, und die von den Prätoren erbeuteten Feldzeichen und Ruthenstäbe trug man dem Anführer zu. Auch schlug jene Ehrenzeichen der Mann nicht aus, welcher aus einem zinspflichtigen Thracier ein Soldat, aus einem Soldaten ein Ausreißer, hierauf ein Straßenräuber und endlich zum Ruhme seiner Leibesstärke ein Fechter geworden war; ja er beging die Todtenfeier der im Treffen gebliebenen Anführer mit allen einem Feldherrn [230] gebührenden Ehren, und befahl den Gefangenen, um den Scheiterhaufen Fechterspiele626 anzustellen, gleichsam als könnte er jeden früheren Schandfleck dadurch ganz verwischen, wenn er nicht mehr selbst focht, sondern Fechterspiele gab. Von jetzt an griff er bereits sogar consularische Heere an, schluf auf den Apenninen das Heer des Lentulus auf’s Haupt, und zerstörte bei Mutina das Lager des Kajus Kassius. Aufgeblasen durch diese Siege ging er bei sich – Entehrung genug für uns! – damit um, über die Stadt Rom herzufallen. Endlich erhebt sich die ganze Macht des Reiches gegen den Mirmillo,627 und Licinius Krassus rettet die Römische Ehre. Von ihm geschlagen und verjagt fliehen die Feinde – ich mag sie nicht einmal Feinde nennen – nach dem untersten Italien. Dort, in den Winkel von Bruttium eingeschlossen, schickten sie sich zur Flucht nach Sicilien an, und da keine Fahrzeuge vorräthig waren, so versuchten sie es, wiewohl in diesem reißenden Seekanals vergebens, mit Flößen, aus Faschinen gebildet, und mit Tonnen überzusetzen, die durch Ruthengesträuche zusammengebunden waren. Endlich aber wollten sie sich durchschlagen, und starben eines heldenwürdigen Todes, und wie sich’s unter Anführung eines Fechters geziemte, man kämpfte ohne Gnade und Schonung.628 Spartakus [231] selbst focht mit dem größten Heldenmuthe an der Spitze des Schlachtheeres, und fiel wie ein Feldherr.

Bürgerkrieg unter Marius und Sulla629

(N. E. R. 664. V. Chr. G. 86.)

21 [L] (1) Das allein fehlte noch den Leiden des Römischen Volkes, daß dieses jetzt unter sich selbst zu Hause die mörderische Waffe zückte, und mitten in der Hauptstadt und auf dem Forum, wie auf einem Tummeplatze, Bürger mit Bürgern gleich Gladiatoren kämpfend zusammenstießen. Wie ließen es auf jeden Fall noch hingehen, hätten Anführer aus dem Pöbel, oder Adelige, zwar doch Bösewichte, dem Frevelunternehmen die Leitung gegeben. So aber haben630 – o des Verbrechens! – welche Männer? welche Feldherrn? der Stolz und die Zierde ihres Jahrhunderts, Marius und Sulla dem schlimmsten Bubenstück sogar die Würde ihres persönlichen Ansehens geliehen. Unter dem Einfluß, so zu sagen, von drei Gestirnen erfolgten die Bewegungen. Die erste war leicht und gemäßigt, mehr ein Tumult, als ein Krieg, indem sich die Wuth blos auf die Führer der Waffen beschränkte; bald aber kam es zu einem grausameren und blutigeren Ausbruch, und der Sieger durchwühlte [232] die Eingeweide des ganzen Senats. Der letzte Sturm überstieg nicht nur Bürger-, sondern sogar Feindeswuth, indem die Kräfte von ganz Italien den Grimm der Kämpfenden unterhielten, und der gegenseitige Haß so lange tobte, bis Niemand mehr übrig war, den man morden konnte. Des Krieges Anfang und Ursache war des Marius unersättlicher Durst nach Ehrenstellen, indem er die dem Sulla schon zuerkannte Provinz unter Vermittlung des sulpicischen Gesetzesvorschlags631 an sich zu bringen suchte. Aber Sulla, der sich kein Unrecht gefallen läßt, wendet stehenden Fußes mit seinen Legionen um, läßt dem Mithridates noch Frist, und überschwemmt, durch das esquilinische und kollinische Thor eindringend, die Stadt mit einem doppelten Heere. Sulpicius und Albinovanus warfen ihm auf einen Senatsbeschluß632 ihre Streitschaaren entgegen, und allenthalben wurden Pfähle, Steine und Pfeile von den Mauern herabgeschleudert. Sulla selbst bediente sich gleicher Waffen633 und bahnte sich den Weg durch Feuer, und besetzte als Sieger die eingenommene Veste des Kapitols, welche den Puniern und Senonischen Galliern entgegen war. Jetzt erklärte man durch einen Senatsbeschluß, was Gegner hieß, für Staatsfeinde, und [233] den anwesenden Tribun,634 so wie andere Mitglieder der Gegenpartei ließ man die gerechte Strenge fühlen. Den Marius rettet sklavische Flucht, oder vielmehr bewahrte ihn das Schicksal für einen zweiten Krieg auf. Unter dem Konsulate des Kornelius Cinna und Knejus Oktavius brach das schlecht gedämpfte Feuer von Neuem aus, und zwar durch ihre eigene Zwietracht, als man den Vorschlag wegen Zürückberufung Derer, die der Senat für Staatsfeinde erklärt hatte, an das Gesammtvolk brachte. Die Versammlung war mit Schwertern umgeben; als aber Diejenigen, welche den Frieden und die Ruhe vorzogen, die Oberhand gewannen, entfloh der aus seiner Vaterstadt flüchtige Cinna zu seiner Partei. Aus Afrika kehre Marius zurück, erhaben über sein Unglück; denn Gefängniß, Ketten, Flucht und Verbannung hatten seiner Würde ein furchtbares Ansehen gegeben. Bei dem Namen eines großen Mannes läuft weit und breit alles zusammen. Sklaven – o Frevel! – und Sklavenhäuser werden bewaffnet, und mit leichter Mühe findet der unglückliche Feldherr ein Heer. Indem er nun mit Gewalt sein Vaterland in Anspruch nimmt, aus dem er mit Gewalt vertrieben worden war, konnte der Schein des Rechts für ihn sprechen, hätte er sich nicht selbst seine Sache durch Grausamkeit verdorben. Allein als ein Feind der Götter und Menschen kehrte er zurück, und gleich beim ersten Anfall wird Ostia, Roms [234] Schutzverwandte und Pflegetochter, unter frevelhafter Zerstörung und Niedermetzlung geplündert. Bald darauf eilte man in vier Heerhaufen in die Stadt. Cinna, Marius, Karbo und Sertorius theilten sich in die Schaaren. Nachdem jetzt die ganze Mannschaft des Oktavius vom Janikulum635 vertrieben, und sofort die Losung zur Ermordung der Staatshäupter gegeben war, so wurde noch weit unmenschlicher gewüthet als in einer Punischen Stadt.636 Der Kopf des Konsuls Oktavius wird auf der Rednerbühne aufgestellt, der des gewesenen Antonius auf der Tafel des Marius selbst. Die Cäsarn werden von Fimbria im Schooße ihrer Hausgötter ermordet. Die beiden Krassus, Vater und Sohn, einer vor dem Angesichte des Andern niedergemacht. Den Bäbius und Numitorius schleppten die Haken der Henker mitten über das Forum. Katulus verschluckte Feuer, um sich der Mißhandlug der Feinde zu entziehen. Merula, der Eigenpriester des Jupiters, bespritzte im Kapitol selbst des Jupiters Augen mit dem Blute seiner Adern. Ancharius wurde im Angesicht des Marius durchbohrt, weil nämlich Dieser ihm beim Gruße jene verhängnißvolle Hand nicht gereicht hatte.637 So viele Senatorenleichen trug zwischen dem 1. und 13. Jänner des Marius siebentes Konsulat.638 [235] Was würde erst geschehen seyn, hätte der Konsul dieses Jahr vollendet? Unter dem Konsulat des Scipio und Norbanus tobte jener dritte Sturm von Bürgerraserei mit voller Wuth aus. Auf der einen Seite standen acht Legionen und fünfhundert Kohorten unter den Waffen; von der andern Seite eilte Sulla mit dem siegreichen Heer aus Asien herbei. Und fürwahr, da Marius so unmenschlich mit den Sullanern verfahren, welche Grausamkeit war erforderlich, um Sulla an Marius zu rächen! Das erste Treffen fällt bei Kapua unweit des Flusses Vulturnus vor; sogleich war des Norbanus Heer geschlagen, sogleich alle Schaaren Scipio’s durch vorgespiegelte Friedensaussichten besiegt. Jetzt brachten die Konsuln, Marius der jüngere, und Karbo, gleich als ob sie an dem Siege verzweifelten, um nicht ungerächt zu sterben, sich selbst ihr vorzeitiges Todtenopfer mit dem Blute des Senats. Die Kurie wurde umlagert, und Die, welche zum Tode bestimmt waren, wurden aus dem Senat, wie aus einem Kerker, herausgeführt. Was für Leichen sah man da nicht auf dem Forum, im Cirkus639 und in den geöffneten Tempeln! Der Oberpriester Quintus Mucius Skävola umfaßt640 die vestalischen Altäre, und wird fast von dem heiligen Feuer verbrannt. Lamponius und Telesinus, Anführer der [236] Samniten, verheeren schrecklicher als Pyrrhus und Hannibal, Kampanien und Hetrurien, und rächen sich unter dem Namen der Parteinehmenden. Aber bei Sacriportus und am collinischen Thore werden alle Schaaren der Feinde besiegt. Dort wird Marius, hier Telesinus niedergeworfen. Doch nicht gleich mit dem Kriege hörte das Morden auf. Denn auch, wo es schon Friede war, wurden die Schwerter gezückt und Diejenigen bestraft, welche sich freiwillig ergeben hatten. Daß Sulla bei Sacriportus und am collinischen Thore über siebzig tausend niedergemacht, will nicht viel heißen. Es war Krieg. Aber jetzt läßt er viertausend wehrlose Bürger, die sich ergeben hatten, im Stadthofe641 hinschlachten. So viele im Frieden? Sind ihrer nicht mehr? Wer kann aber jene zählen, welche da und dort in der Stadt dem nächsten besten Mörder unterlagen, bis endlich auf die Erinnerung des Fufidius, „man müße Einige leben lassen, um Welche zu haben, über die man herrschen könne,“ – jene ungeheure Liste kund gethan, und aus dem Kern des Ritterstandes und aus dem Senate zwei tausend Männer auserlesen wurden, die sterben sollten. Ein Edikt neuer Art! Ich fühle keine Lust in mir, auf dieses hin noch zu erzählen, wie Karbo, wie Soranus, wie die Plätorier und Venulejer noch im Tode gemißhandelt; wie Bäbius nicht mit dem Schwerte, sondern gleich wilden Thieren, mit den Händen zerfleischt; wie Marius, ein [237] Bruder des Feldherrn, an dem Grabmal des Katulus, nachdem ihm die Augen ausgestochen, und Hände und Beine gebrochen waren,642 eine Zeitlang noch bei Leben erhalten wurde, damit er Glied für Glied absterbe. Die Strafen Einzelner könnte man sich gefallen lassen.643 Allein die schönsten Municipalstädte Italiens, Spoletium, Interamnium, Präneste, Florentia, wurden zum Verkauf ausgeboten. Sulmo,644 die alte, mit uns befreundete und bundesverwandte Stadt, ließ Sulla, so wie man Geißeln auch dem Kriegsrecht zum Tode verurtheilt und hinrichtet, nach vorgängiger Verurtheilung645 – eine nichtswürdige That! – vertilgen.

Krieg mit Sertorius646

(N. E. R. 675. V. Chr. G. 77.)

22 [L] (1) Der Sertorianische Krieg – was war er anders, als ein Vermächtniß der Sullanischen Aechtungen? Ich weiß nicht, soll ich ihn einen Krieg mit auswärtigen Feinden, oder einen Bürgerkrieg nennen, indem ihn die Lusitaner und Celtiberier unter einem Römischen [238] Feldherrn führten. Verbannt und flüchtig in Folge jener Leichentafel,647 ein Mann von hohem, aber unglücklichem Heldenmuth, verwickelte Sertorius Land und Meer in sein Unglück. Bereits hatte er in Afrika und auf den Balearischen Inseln sein Glück versucht, und drang im Geiste schon durch das Weltmeer auf die glücklichen Inseln,648 als er endlich Spanien bewaffnete. Ein Mann findet leicht Männer. Nie trat der lebendige Muth des Spanischen Kriegers mehr an’s Licht, als unter dem Römischen Heerführer, wiewohl Dieser, mit Spanien sich nicht begnügend, auch auf Mithridates und auf die Pontischen Völker seine Absicht richtete.649 Der König unterstützte ihn mit einer Flotte. Und was konnte einem so bedeutenden Feinde genügen, dem die Römische Macht mit Einem Feldherrn nicht widerstehen konnte? Denn dem Metellus mußte noch Knejus Pompejus zugetheilt werden. Diese beiden schwächten die Streitkräfte des Helden durch lange und immer unentschiedene Gefechte. Und doch kam er eher durch Frevel und Verrath der Seinigen, als durch den Krieg um. Jene verfolgten seine Streitkräfte durch ganz Spanien, und bändigten650 sie erst nach langen und jedesmal [239] unentschiedenen Gefechten. Die ersten Kämpfe leiteten Legaten, indem auf unserer Seite Domitius und Thorius, auf jener die Hirtulejer651 das Vorspiel machten. Bald darauf aber, nachdem Diese bei Segovia, Jene bei’m Fluß Ana652 geschlagen waren, rückten die Feldherrn selbst, um sich zu messen, näher zusammen, und glichen bei Lauro und am Sukro653 Verlust gegen Verlust aus. Nunmehr wandten sich jene zur Verheerung der Ländereien, diese zur Zerstörung der Städte; und unter Römischen Feldherrn büßt so das unglückliche Spanien die Strafe seiner Entzweiung, bis einheimische Verrätherei den Sertorius bewältigte, bis der überwundene Perperna sich ergeben, und sogar die Städte Oska, Termes, Tuttia, Valentia, Uxama und das mit allen Qualen der Hungersnoth heimgesuchte Kalagueris654 sich unter Römischen Schutz begeben. So wurde der Friede in Spanien wieder hergestellt. Die siegreichen Feldherrn wollten diesen Krieg mehr für einen ausländischen, als für einen Bürgerkrieg gelten lassen, um der Ehre eines Triumphs theilhaftig zu werden.

Bürgerkrieg mit Lepidus655

(N. E. R. 674. V. Chr. G. 76.)

23 [L] (1) [240] Unter dem Konsulate des Markus Lepidus und Quintius Katulus wurde der Bürgerkrieg fast schneller unterdrückt, als er begann. Aber die Flamme jenes Aufruhrs – wie klein sie auch gewesen seyn mochte656 – loderte unmittelbar vom Brandhügel Sulla’s auf. Der aus Uebermuth neuerungssüchtige Lepidus ging damit um, die Einrichtungen eines so gewichtigen Mannes wieder aufzuheben, auch nicht mit Unrecht, wäre es nur ohne großen Nachtheil für den Staat möglich gewesen. Denn da der Diktator Sulla seine Feinde nach dem Rechte der Waffen geächtet hatte, und Lepidus die noch übrigen zurückrief, was hieß dieß anders, als sie zum Kriege berufen? Und da die Güter der verurtheilten Bürger, wenn auch von Jedem, dem dieselben Sulla zusprach, schlecht, aber doch rechtlich erworben, zurückgefordert wurden,657 so mußte die Zurückforderung die geordneten Verhältnisse des Staats ohne Frage zum Wanken bringen. Es war daher dem kranken und verwundeten Staat jede Art von Ruhe zuträglich, damit nicht durch die Heilung selbst seine Wunden wieder aufgerissen würden. Sobald Jener die Bürger durch stürmische Versammlungen, wie durch ein Feldsignal, in Schrecken [241] gesetzt, ging er nach Etrurien, und rückte von hier mit Heer und Waffen gegen die Stadt. Aber schon hatten Lutatius Katulus und Knejus Pompejus, jene Häupter und Ordensträger der Sullanischen Gewaltherrschaft, die Mulvische Brücke658 und den Berg Janikulum mit einem anderen Heere besetzt. Von diesen gleich beim ersten Angriff zurückgeschlagen und vom Senat für einen Staatsfeind erklärt, floh Lepidus ohne Blutvergießen, und zog sich nach Etrurien und von da nach Sardinien zurück, wo ihn eine Krankheit und Reue dahinraffte. Die Sieger, was in Bürgerkriegen sonst nicht leicht geschieht, begnügten sich mit dem Frieden.

Viertes Buch

Verschwörung des Katilina659

(N. E. R. 689. V. Chr. G. 61.)

1 [L] (1) [242] Katilina wurde anfangs durch Schwelgerei, nachher durch die hieraus entsprungene Zerrüttung seiner Vermögensumstände, zugleich durch den günstigen Zufall, daß Roms Waffenmacht gerade außer Landes in den entferntesten Weltgegenden beschäftigt war, zu unseligen Planen getrieben, sein Vaterland zu unterdrücken, die Mitglieder des Senats zu durchbohren, die Konsuln nieder zu machen, die Stadt selbst an verschiedenen Orten in Brand zu stecken, endlich den ganzen Staatsverband in seinen Grundvesten aufzuheben. Was wohl nicht einmal Hannibal gewünscht haben mochte, das vermaß sich Katilina um – o Frevel! – mit welchen Gehülfen! Er selbst ein Patricier! Doch das ist das Wenigste. Aber ein Kurius, ein Porcius, ein Sulla, ein Cethegus, ein Antonius und Varguntejus, ein Longinus, welche Häuser! Welche [243] Zierden des Senats! Sogar Lentulus, damals gerade Prätor! Alle diese waren Waffenträger seines unmenschlichen Bubenstückes. Als Unterpfand der Verschwörung gebrauchte man Menschenblut,660 welches man in Trinkschalen herumgab – abscheulich genug, wäre nicht der Zweck des Trunkes noch abscheulicher gewesen. Geschehen war es um das schönste Reich, wäre nicht jene Verschwörung in das Konsulat des Cicero und des Antonius gefallen, von denen der Eine druch rastlosen Eifer den Anschlag entdeckte, der Andere durch Kriegsmacht unterdrückte.661 Das große Verbrechen kam durch Fulvia heraus, die gemeinste Dirne, jedoch unschuldig an diesem Staatsverbrechen. Jetzt hielt Cicero in dem versammelten Senate wider den anwesenden Beschuldigten eine Rede:662 aber es wurde damit weiter nichts erreicht, als daß Dieser als Staatsfeind sich davon machte, und offen663 und unumwunden die Drohung ausstieß „er werde mit den Trümmern durch Umsturz diesen Brand löschen, der ihn verzehren solle.“ Er ging nun nach Etrurien zu dem von Mallius in Bereitschaft gehaltenen Heere ab, um dasselbe nach Rom zu führen. Lentulus, der das durch die sibyllinischen664 Bücher [244] seiner Familie verheißene Reich sich weissagte, vertheilte auf den von Katilina festgesetzten Tag durch die ganze Stadt [245] Mannschaft, Brandfackeln und Waffen. Er begnügte sich aber nicht mit einer Bürgerverschwörung. Die Gesandten der Allobroger,665 die zufällig anwesend waren, suchte man zu den Waffen aufzuwiegeln, und die Wuth wäre über die Alpen gedrungen, hätte man nicht durch eine zweite Verrätherei des Vulturcius den Brief des Prätors666 in die Hände bekommen. Sogleich wurden auf Cicero’s Befehl die Ausländer festgehalten. Der Prätor wird öffentlich im Senat überwiesen. Als es sich um die Strafe handelte, stimmte Cäsar für Schonung der Würde, Cato für Ahndung des Verbrechens. Letzterer Meinung folgten Alle, und so wurden die Staatsverbrecher im Kerker erdrosselt. Obgleich jetzt die Verschwörung zum Theil unterdrückt war, stand doch Katilina von seinem Vorhaben nicht ab, sondern nahte von Etrurien her seinem Vaterlande mit feindlichen Waffen, fiel aber, besiegt von dem ihm entgegenkommenden Heere des Antonius. Wie blutig der Kampf [246] gewesen, lehrte der Ausgang. [Kein einziger Feind überlebte die Schlacht. Die Stätte, die Jeder im Gefechte eingenommen hatte, bedeckte er entseelt mit seinem Leichnam. Katilina wurde fern von den Seinigen unter den Leichen der Feinde gefunden – ein herrlicher Tod, wäre er so für das Vaterland gefallen.]667

Krieg zwischen Cäsar und Pompejus668

(N. E. R. 703. V. Chr. G. 67.)

2 [L] (1) Schon war fast der ganze Erdkreis zur Ruhe gebracht, und das Römische Reich größer, als daß es von irgend einer ausländischen Macht unterdrückt werden konnte. Darum beneidete das Glück das erste Volk der Welt, und bewaffnete es zu seinem eigenen Untergang. Die Wuth eines Marius und Cinna hatte bereits gleichsam zur Probe innerhalb der Stadt das Vorspiel gegeben. Eine weitere Ferne, doch innerhalb Italiens, hatte das Sullanische Ungewitter durchdonnert. Cäsars und Pompejus Wuth aber ergriff die Stadt Rom, Italien, alle Völker und Nationen, wie eine Wogenfluth oder Feuersbrunst, so daß man nur mit Unrecht von einem Bürgerkrieg sprechen [247] kann; nicht einmal ein Bundesgenossen-, ja selbst kein auswärtiger Krieg war es, sondern vielmehr ein aus allen gleichsam gemischter, und mehr als ein Krieg. Betrachtet man nämlich die Anführer in demselben: der ganze Senat nimmt Partei; die Heere – hier stehen eilf, dort achtzehn Legionen, die ganze Blüthe und Kraft des Italischen Blutes; die Hülfstruppen der Bundesgenossen – hier die Auserlesenen der Gallier und Germanen, dort Dejotarus, Ariobarzanes, Tarkondimotus, Cotus,669 der Kern von ganz Thracien, Kappadocien, Cilicien, Macedonien, Griechenland, Aetolien und vom ganzen Morgenland; die Dauer des Krieges – vier Jahre, nach Maßgabe der Verluste, eine kurze Zeit; den Schauplatz und die Ausdehnung desselben, innerhalb Italien; von da lenkte der Krieg nach Gallien und Spanien ab, kehrte von Westen wieder um, und setzte sich mit seiner ganzen Stärke in Epirus und Thessalien über; blickt von da nach Asien zurück, legt sich sodann auf Afrika; zuletzt kreist er nach Spanien zurück, wo er endlich nachläßt. Aber der Haß der Parteien hörte nicht zugleich mit dem Kriege auf. Denn man ruhte nicht eher, bis mitten in Rom, mitten im Senate der Groll der Besiegten sich am Blute des Siegers sättigte. Die Ursache so großer Drangsale war, wie immer, übermäßiges Glück. Denn unter dem Konsulate des Quintus [248] Metellus und Lucius Afranius, als die ganze Welt die Kraft der Römischen Herrscherwürde fühlte, und Rom seine neuen Siege, die Pontischen und Armenischen Triumphe, in dem Theater des Pompejus670 besang, fachte die übergroße Macht des Letzteren, wie dieß gewöhnlich geschieht, den Neid müßiger Bürger an. Metellus wegen Schmälerung des Triumphs über Kreta,671 Kato aus immerwährender Schelsucht gegen Mächtige, verunglimpften den Pompejus, und setzten sich mit lauter Stimme Allem entgegen, was derselbe that. Der Aerger hierüber trieb ihn auf die Abwege und spornte ihn an, sein Ansehen in Sicherheit zu stellen. Zufälliger Weise glänzte damals Krassus durch Geburt, Reichthum und Ansehen; doch wünschte er sich ausgedehntere Macht. Den Kajus Cäsar erhob Beredsamkeit und Geist und auch schon das Konsulat. Dennoch überragte Pompejus beide. So strebte denn Cäsar nach dem Besitz, Krassus nach dessen Vergrößerung, Pompejus nach Befestigung des politischen Gewichts; und da Alle gleiche Gewalt und Herrschersucht belebte, so vereinigte man sich leicht für einen Angriff auf den Staat. Während nun Jeder für seinen Ruhm gegenseitig seine Kräfte anstrengte, überfiel Cäsar Gallien, Krassus Asien, Pompejus Asien: die drei größten [249] Heere standen da;672 und die Herrschaft der Welt wurde durch den Bund von drei Häuptern in Besitz genommen. Zehn Jahre vergingen unter dieser Gewaltherrschaft. Hierauf aber kam, weil gegenseitige Furcht sie in Spannung erhielt, nach Krassus Tode im Kriege mit den Parthern, und nach dem Ableben der Julia, Cäsars Tochter, die, mit Pompejus vermählt, die Eintracht zwischen Eidam und Schwiegervater durch das Band der Ehe fest hielt, die Eifersucht sogleich zum Ausbruch. Schon dem Pompejus war Cäsars Macht verdächtig, Cäsarn aber Pompejus Ansehen lästig. Dieser ertrug keinen neben sich, Jener keinen über sich.673 Beide rangen – o Frevel! – dergestalt nach Alleinherrschaft, als könnte das Glück eines so mächtigen Reiches nicht Zweien genügen. Als daher unter dem Konsulate des Lentulus und Marcellus der Treubruch unter der ersten Verschwörung erfolgt war,674 betrieb der Senat, d. h. Pompejus, Verhandlungen über Cäsars Nachfolger (im Konsulat); und Dieser weigerte sich nicht, wenn man bei der nächsten Wahlversammlung ihn berücksichtigte. Das Konsulat versagte man dem Abwesenden, den kürzlich zehn Tribunen unter Begünstigung des Pompejus zu dieser Würde bestimmt hatten, weil Dieser jetzt nichts mehr davon wissen wollte. „Er komme,“ hieß es, [250] „und melde sich nach altväterlicher Sitte.“ Dieser hingegen dringt auf den frühern Beschluß und droht, „wenn sie nicht Wort hateln, das Heer nicht zu entlassen.“ Also wird er für einen Staatsfeind erklärt. Dadurch aufgebracht, beschloß Cäsar, die Errungenschaft seiner Waffen durch Waffen zu vertheidigen. Der erste Kampfplatz des bürgerlichen Krieges war Italien, dessen Vesten Pompejus mit schwachen Besatzungen versehen hatte; aber Cäsars plötzlicher Angriff schlug alles nieder. Bei Ariminum675 ertönten die ersten Kriegsdrommeten. Jetzt wurde Libo aus Etrurien, Thermus aus Umbrien, Domitius aus Korfinium vertrieben. Und ohne Blutvergießen war der Krieg geendigt, hätte Cäsar den Pompejus in Brundisium676 niederschlagen können. Und er hätte ihn gefangen; allein er entwischte in nächtlicher Flucht durch die enge Mündung des eingeschlossenen Hafens. Er – welche Schmach! – eben noch das Haupt der Väter, der Mittler des Kriegs und Friedens, mußte auf einem lecken, fast unbewaffneten Fahrzeuge durch jenes Meer entfliehen, über welches er schon triumphirt hatte. Die Flucht des Pompejus aus Italien war aber nicht schimpflicher, als die des Senats aus der Stadt Rom.677 Dieser war aus Furcht fast ausgestorben, [251] als Cäsar einzog, der sich jetzt selbst zum Konsul machte. Auch ließ er die heilige Schatzkammer,678 weil die Tribunen mit der Eröffnung zögerten, erbrechen, und raubte das Einkommen und Staatsvermögen des Römischen Volkes früher als die Herrschaft. Nachdem einmal Pompejus geschlagen und in die Flucht gejagt war, wollte er lieber vorher die Provinzen ordnen als ihn verfolgen. Sicilien und Sardinien, jene Unterpfänder der Lebensmittel, hält er durch Legaten besetzt. In Gallien war kein Feind mehr: er selbst hatte den Frieden zu Stande gebracht. Aber die Stadt Massilia unterfängt sich, diesem Feldherrn, gerade wie er durch ihre Mauern gegen die Spanischen Heerschaaren des Pompejus ziehen will, ihre Thore zu sperren. Die Arme! Sie verfällt aus Liebe zum Frieden und aus Furcht vor dem Kriege in Krieg. Aber weil sie feste Mauern hatte, so befahl er, sie in seiner Abwesenheit zu erobern. Eine Stadt von Griechlein bewohnt, nicht so weichlich als dieser Name klingt, wagt es, unsere Schanzen zu durchbrechen, die Belagerungsmaschinen in Brand zu stecken, und ein Seetreffen zu liefern! Aber Brutus, dem der Krieg aufgetragen war, demüthigt die Besiegten zu Wasser und zu Lande. Als sie sich hierauf ergaben, wurde ihnen alles genommen, nur die Freiheit nicht, die sie über alles schätzten. Zweifelhaft und schwankend, aber nicht blutig679 war der Kampf [252] in Spanien mit den Legaten des Pompejus Petrejus und Afranius, welche er, da sie bei Ilerda680 im Lager standen, am Flusse Sikoris einzuschließen, und von der Stadt abzuschneiden sucht. Indessen sperrte681 die Ueberschwemmung des Flusses im Frühjahr die Zufuhr. So suchte Hungersnoth das Lager heim, und der Belagerer wurde gleichsam selbst belagert. Wie aber der Fluß wieder in sein friedliches Bett zurücktrat, öffnete er die Felder den Verheerungen und dem Kampfe. Abermals drängt Cäsar mit Ungestüm auf die Feinde los, holt die nach Celtiberien zurückweichenden ein, und zwingt sie durch Damm und Wall und mittelst dieser durch Wassermangel zur Uebergabe. So wurde das disseitige682 Spanien erobert, und das jenseitige weilte nicht lange. Denn was vermochte Eine Legion noch gegen fünf? Varro zog sich freiwillig zurück, und so folgten Gades, die Meerenge, der Ocean, alles Cäsars Glück. Etwas erlaubte sich doch das Schicksal gegen den abwesenden Feldherrn in Illyrikum und Afrika, als sollte geflissentlich das Unglück seinem Glücke den Glanz geben. Als nämlich Dolabella und Antonius auf seinen Befehl die adriatische Meerenge besetzen mußten, und Jener auf dem Illyrischen, Dieser auf dem Kuriktischen683 Gestade sich gelagert hatte, so wurden [253] Beide von Oktavius,684 dem Legaten des Pompejus, der schon weit und breit Meister der Meere war, auf einmal mit einer gewaltigen Streitmacht von Seeleuten umringt. Von Antonius erzwang Hungersnoth die Uebergabe. Auch die vom Basilus zum Entsatz geschickten Fahrzeuge, so gut man sie aus Mangel an eigentlichen Schiffen685 gebaut hatte, wurden durch einen neuen Kunstgriff der Pompejanischen Cilicier durch Seile, die man unter dem Wasser zog, wie in Schlingen gefangen. Zwei wurden jedoch durch die Fluth losgemacht. Das Eine, welches die Oviterginer trug, strandete auf einer Sandbank, und nahm ein für die Nachwelt merkwürdiges Ende. Eine Schaar von kaum tausend jungen Kriegern hielt sich nämlich einen ganzen Tag gegen die Pfeilschüsse eines sie allenthalben umringenden Heeres, und da die Tapferkeit keinen Ausweg fand, so hieben und stießen sie auf Zureden des Tribunen Vultejus, damit es nicht zur Uebergabe käme, einander wechselseitig nieder. In Afrika war nicht minder Kurio’s Tapferkeit seinem Unglücke gleich. Abgeschickt, diese Provinz in Besitz zu nehmen, und schon stolz auf die Flucht des geschlagenen Varus, konnte er gegen die plötzliche Ankunft des Königs Juba und gegen die Reiterei der Mauren nicht Stand halten. Dem Besiegten stand die Flucht offen; aber das Ehrgefühl rieth ihm, ein Heer nicht zu überleben, das durch seine Unbesonnenheit verloren ging. [254] Nun aber forderte das Schicksal das zum Kampfe bestimmte Männerpaar vor. Pompejus hatte Epirus zum Schauplatz des Krieges gemacht. Auch Cäsar säumte nicht. Nachdem er alles hinter sich geordnet hatte, schiffte er, so sehr ihm auch die Witterung mitten im Winter entgegen war, unter Stürmen zum Krieg sich ein, schlug bei Orikum686 ein Lager, und war, da der aus Mangel an Schiffen unter Antonius zu Brundisium zurückgelassene Theil des Heeres zu kommen zögerte, so ungeduldig, daß er, um sie herbeizuholen, mitten in der Nacht auf einem Wachschiffe die Fahrt dahin durch die von Stürmen brausende See allein wagte. Man weiß noch, was er bei dieser Gefahr zu dem zitternden Steuermanne gesagt: „Was fürchtest du dich?“ – waren seine Worte: – „du führt Cäsarn.“ Endlich hatte beide Heerführer von allen Seiten ihre Streitkräfte zusammengezogen und ihr Lager einander näher gerückt; aber ihre Maßregeln waren entgegengesetzter Art. Cäsar, von Natur hitzig, voll Ungeduld, sich bald am Ziele zu sehen, bietet Schlachten an, fordert heraus, und reizt den Feind bald durch Berennung des Lagers, das er mit einem Walle von sechzehn tausend Schritt umgeben hatte (aber was konnte die Berennung Denen schaden, die bei offener See an allem Ueberfluß haaten?); bald durch einen vergeblichen Sturm auf Dyrrhachium687 (diesen Ort machte aber seine Lage unüberwindlich), [255] überdieß durch beständige Gefechte gegen die Ausfälle der Feinde, bei welcher Gelegenheit der Heldenmuth des Hauptmanns Scävola sich glänzend zeigte, in dessen Schilde einhundert zwanzig Pfeile steckten; endlich durch die Plünderung der verbündeten Städte, indem er Orikum, Gomphi688 und andere feste Plätze Thessaliens verwüstete. Pompejus dagegen sucht Verzögerungen, weicht aus, um sowohl den von allen Seiten abgeschnittenen Feind durch Mangel an Lebensmitteln allmählig aufzureiben, als auch um den Ungestüm des feurigen Feldherrn durch Ermattung zu schwächen. Doch nicht lange frommte dem Heerführer die heilsame Maßregel. Der Krieger murrte über Unthätigkeit, die Bundesgenossen über den Verzug, die Vornehmen über die eitle Ehrfurcht ihres Feldherrn. So eilte und drängte das Geschick, und Thessalien wird zum Kampfplatz erwählt und die Philippischen689 Gefilde sollten über das Glück und Unglück Roms, des Reichs, des Menschengeschlechts entscheiden. Noch nie hat das Schicksal an einem Platze eine so mächtige Kraftentwicklung, so viel Hoheit und Würde vereint gesehen: mehr als dreimal hundert tausend Krieger auf beiden Seiten, ohne die Hülfsvölker der Könige und ohne den Senat.690 Nie verbündeten [256] untrüglichere Wunderzeichen den drohenden Untergang. Die Opferthiere rissen los; Bienenschwärme setzten sich auf die Feldzeichen; das Tageslicht verfinsterte sich. Der Feldherr selbst hörte in nächtlichem Traumgesicht den Jubelruf seines Theaters als Klaggetön wiederhallen, und Morgens sah man ihn – wie schrecklich! – im Hauptquartier in Trauerkleidern. Nie war dagegen Cäsars Heer muthiger und kampflustiger. Von diesem kam der erste Kriegslärm, von diesem die ersten Pfeile. Verewigt hat sich auch Krastinus,691 dessen Wurfspieß die Schlacht eröffnete, und der bald darauf, mit einem in den Mund gestoßenen Schwerte, unter den Todten gefunden, gerade durch diese seltsame Verwunderung seine Kampflust und Kampfwuth an den Tag legte. Nicht weniger bewunderungswürdig war der Ausgang dieses Kampfes. Denn während Pompejus so stark an Reiterei war, daß er Cäsarn leicht umzingeln zu können glaubte, wurde er selbst umzingelt. Lange stritt man mit gleichem Glück, als auf Befehl des Pompejus die am Flügel hervorbrechende Reiterei heranstürzte. Da machten plötzlich die Germanischen Kohorten auf ein disseits gegebenes Zeichen einen so starken Angriff auf die hervorgebrochenen Reiter, daß Diese zu Fuß und Jene zu Pferd zu kommen schienen. Diese Niederlage der fliehenden Reiterei begleitete zugleich die Vernichtung der leichten Truppen. Jetzt verbreitete sich der Schreck weiter, die Schaaren selbst verwirrten sich gegenseitig, [257] und gleichsam auf Einen Streich ist der Schlag vollendet. Nichts aber beschleunigte den Untergang mehr, als die Größe des Heeres selbst. Vielfach geschäftig war Cäsar in dieser Schlacht, und seine Rolle getheilt zwischen dem Feldherrn und gemeinen Soldaten. Auch wurde sein Zuruf vernommen, wie er umherritt – Blut fordernd der eine, aber fein ersonnen und wirksam: Soldaten, In’s Gesicht gehauen! der andere auf heuchelnde Großmuth berechnet: Schonet der Bürger, während er doch selbst sie verfolgte. O wie glücklich wäre trotz aller Unglücksfälle Pompejus gewesen, hätte ihn das gleiche Schicksal, wie sein Kriegsheer dahingerafft! Er mußte seine Größe überleben, um mit desto größerer Herabwürdigung durch das Thessalische Tempe692 zu flüchten, und mit einem einzigen Schiffchen auf Lesbos zu landen, um vertrieben von Syedra693 auf einer öden Klippe Ciliciens, an die Flucht zu den Parthern, oder nach Afrika oder Aegypten zu denken, um endlich auf Pelusiums694 Küste auf Befehl des nichtswürdigsten Königs, auf Eingebung [258] der Verschnittenen, und, damit das Maß des Unglücks voll werde, sogar durch das Schwerteines seiner Ausreißer, des Septimius, niedergemacht, im Angesicht seiner Gemahlin und seiner Kinder zu sterben. Wer hätte glauben sollen, daß der Krieg nicht mit Pompejus ein Ende habe? Im Gegentheil erglühte jetzt von Neuem, und noch weit hitziger und heftiger, die Asche des Thessalischen Feuerbrandes. Und in Aegypten kam es jetzt, wiewohl ohne innere Parteiung, zu einem Krieg gegen Cäsar. Nachdem nämlich Ptolemäus , König von Alexandria, den größten Frevel dieses Bürgerkieges vollbracht, und den Freundschaftsbund mit Cäsar durch Pompejus Kopf versiegelt hatte, entging dem spähenden Schicksal die Gelegenheit nicht, die Manen eines Mannes von solcher Größe zu rächen. Kleopatra, eine Schwester des Königs, warf sich Cäsarn zu Fußen, und begehrte ihren Reichsantheil zurück.695 Für die Jungfrau sprach die Schönheit, deren Reize sich verdoppelten, weil sie die Leidende schien: so wie auch der Haß gegen den König selbst, der das Leben des Pmpejus blos dem Schicksal der Parteien, nicht aber Cäsarn selbst zum Opfer gebracht, und ohne Zweifel bei Gelegenheit auch gegen Diesen das Nämliche gewagt haben würde. Cäsar hatte nicht sobald Jene wieder in’s Reich einzusetzen befohlen, als er von denselben Meuchelmördern des Pompejus in der Burg belagert wird; und, wenn gleich sehr schwach an Mannschaft, hielt er sich doch mit wunderbarer Tapferkeit [259] gegen eine gewaltige Heeresmasse. Zuerst steckte er die nächsten Gebäude696 und die Schiffwerfte in Brand, und hielt so die Geschosse der erbitterten Feinde ab; alsbald aber machte er einen plötzlichen Ausfall auf die Halbinsel Pharus.697 Von da in die See getrieben, schwamm er mit wunderbarem Glück zu den nächsten Schiffen, ließ aber seinen Feldherrnmantel in den Fluthen zurück, sey es aus Zufall, oder vorsätzlich, um seine Kleidung zum Ziel der Pfeile und Steinwürfe des nachsetzenden Feindes zu machen. Endlich von den Leuten seiner Flotte wieder aufgenommen, griff er den Feind zugleich von allen Seiten an, und weihte den Manen seines Eidams ein schuldiges Totdenopfer von diesem feigen und treulosen Volke. Sohohl Theodotus, der Anstifter und Urheber des ganzen Kriegs, als auch die entmannten Ungeheuer Pothinus und Ganymedes endeten auf verschiedene Weise zu Wasser und zu Lande durch Flucht und Tod ihre Laufbahn. Den leichnam des Königs fand man im Schlamm stecken, jedoch noch in der Pracht seines goldenen Panzers. Auch in Asien erhoben sich vom Pontus her neue Unruhen, als strebte das Schicksal geflissentlich nach einer solchen Endschaft des Mithridatischen Reichs, wobei der Vater durch Pompejus, der Sohn durch [260] Cäsar überwunden werden sollte. Der König Pharnaces brach, mehr im Vertrauen auf unsere Zwietracht, als auf eigene Kraft, mit feindlichem Heere in Kappadocien ein. Allein Cäsar fiel ihn an und zermalmte ihn, gleich dem Wetterstrahle, der in einem und demselben Augenblicke herabschießt, trifft und verschwindet, und zwar in einem einzigen, fast möchte ich sagen, nur halben Treffen. Auch war es nicht Eitelkeit, wenn Cäsar von sich rühmte: Er habe den Feind schon besiegt, noch ehe er ihn gesehen. Dieß war der Verlauf im Ausland. Aber in Afrika ging’s viel blutiger mit unsern Mitbürgern zu.698 Hier war es, wo ein Sturm der Wuth die Ueberreste der gescheiterten Parteien ausgeworfen. Aber nicht „die Ueberreste“ hätte man sagen mögen; es war eine vollständige Kriegsmacht. Die Kräfte waren mehr zerstreut, als unterdrückt. Gerade der Fall des Oberfeldherrn hatte die Bande des Eides noch fester geknüpft, und die Folgenreihe der Anführer war des Pompejus nicht unwerth. Denn weit und breit genug ertönten an dessen Stelle die Namen Kato und Scipio. Zu ihren Streitkräften gesellte sich Juba, König von Mauretanien, nur damit Cäsars Siega an Ausdehnung gewänne. Zwischen Pharsalia und Thapsus699 war kein Unterschied, außer daß der Angriff der Cäsarianer noch ausgedehnter und hitziger war, weil es sie aufbrachte, daß nach Pompejus der Krieg zugenommen hatte. Endlich [261] erschollen, was sonst nie vor der Feldherrn Befehl geschehen, die Schlachtzeichen von selbst. Die Niederlage beginnt mit Juba. Seine Elephanten, noch nicht zum Kriege abgerichtet, und eben vom Walde her, wurden scheu ob dem plötzlichen Schall der Trompeten, und gingen umwendend auf ihren eigenen Herrn los. Alsbald700 wandte sich auch das Kriegsheer zur Flucht. Selbst die Feldherrn fühlen sich zur Gegenwehr nicht beherzt genug. Auch sie flohen. Alle jedoch starben eines rühmlichen Todes. Scipio entfloh auf einem Schiffe; als aber die Feinde ihn einholten, stieß er sich das Schwert durch den Leib, und gab Dem, der nach ihm fragte, die Antwort: der Feldherr befindet sich wohl.701 Juba zog sich in seinen Königssitz zurück, veranstaltete Tags darauf ein prächtiges Gastmahl, und über Tafel und Pokalen stellte er sich dem Petrejus, dem Gefährten seiner Flucht, zum durchbohren dar. Dieser willfahrte dem König, dann sich selbst; und die in der Mitte stehenden halbverzehrten Speisen dieses Leichenmahles trieften von des Königs und des Römers Blute. Kato war nicht in der Schlacht, sondern hatte am Bagradas702 sein Lager aufgeschlagen, und deckte Utika, als Afrika’s zweiten Schlüssel. Als er aber die Kunde von der Niederlage [262] seiner Partei erhielt, säumte er nicht, sondern rief, wie es einem Weisen geziemt, mit heiterem Gemüthe auch seinen Tod herbei. Nachdem er seinen Sohn und seine Gefährten aus der Umarmung entlassen, und Plato’s Buch über die Unsterblichkeit der Seele bei der Nachtlampe gelesen, ruhte er ein wenig; dann, um die Zeit der ersten Nachtwache, durchstieß er sich mit gezücktem Schwert wiederholt die mit der eigenen Hand entblöste Brust. Nach der That wagten es die Aerzte, den Helden durch Verbände herabzuwürdigen. Er duldete es, bis sie hinweggegangen waren; dann riß er die Verletzungen wieder auf, und nach erfolgter Verblutung fand man seine sterbenden Hände noch in der Wunde. Abermals erhoben die Parteien ihre Waffen, als hätte man sich noch nirgends geschlagen, und um wie viel Afrika Thessalien, um so viel überbot Spanien jetzt Afrika. Am meisten begünstigte die Parteien die Brüderschaft ihrer Anführer703 und die Stellvertretung des Einen durch zwei Pompejer. Darum war der Kampf nirgends so schrecklich, nirgends das Kriegsglück so zweifelhaft. Zuerst schlugen sich gerade an der Mündung des Ocean704 die Legaten Varus und Didius. Aber heftiger war der Kampf der Schiffe mit der See, als unter sich selbst; denn der Ocean, als wollte er die Bürgerwuth züchtigen, [263] suchte beide Flotten durch Schiffbruch heim. Welcher Schreck, als zu gleicher Zeit Regen, Sturm, Menschen, Schiffe, Schiffswaffen aller Art miteinander kämpften! Man rechne noch das Furchtbare der Gegend selbst, die sich in Eins zusammenneigenden Gestade, diesseits Spaniens, jenseits Mauretaniens; hier das innere, dort das äußere Meer; endlich die drohenden Warten ders Herkules, als alles von allen Seiten her im Kampf und Sturme wüthete. Bald darauf liefen beide Theile aus einander, um Städte zu belagern; und bald unter diesen, bald unter jenen Heerführern büßten jene Unglücklichen für ihre Verbindung mit Rom. Den Beschluß aller Kämpfe machte Munda.705 Hier war nicht das Glück, wie bisher; sondern lange schwankte der harte Kampf. Das Schicksal schien, ich weiß nicht, über was, im Zweifel zu seyn. Ja Cäsar selbst war vor der Schlacht gegen seine Gewohnheit etwas trübe gestimmt, sey es nun im Hinblick auf die Vergänglichkeit alles Menschlichen, oder aus Mißtrauen auf die Dauer seines übergroßen Glückes; oder weil er die gleichen Besorgnisse wie Pompejus hegte, nachdem er Gleiches erreicht. Aber in der Schlacht selbst, als lange mit gleichem Kriegsglück die Heere nichts als mordete, entstand, deßgleichen sich Niemand je erinnert, mitten in der Hitze des Gefechts auf einmal, wie verabredet, zwischen beiden Theilen eine tiefe Stille.706 Zuletzt [264] stellt sich Cäsars Augen ein ungewohntes Schauspiel der Schande dar. Die seit vierzehn Jahren geprüfte Mannschaft der Veteranen weicht zurück. Zwar hatte sie noch nicht die Flucht ergriffen; doch war ersichtlich, daß mehr das Schamgefühl, als der Muth sie zurükhielt. Er gab daher sein Pferd ab, und lief halbwüthend ins Vordertreffen. Hier faßte er die Fliehenden, sprach ihnen Muth ein, und durchflog endlich das ganze Schlachtheer mit Augen, Händen, Stimme. Man sagt, er habe in dieser Verwirrung bei sich selbst an das Aeußerste und Letzte gedacht, und seine Miene habe die unverkennbare Absicht verrathen, dem Tode mit eigener Hand zuvorzukommen, als auf einmal fünf feindliche Kohorten, die Labienus dem in Gefahr schwebenden Lager zu Hülfe schickte, quer durch die Schlachtordnung brachen, und den Schein der Flucht darboten. Dieß glaubte er entweder selbst, oder ergriff er als schlauer Feldherr diese Erscheinung als Gelegenheit, stürzte auf die scheinbar Fliehenden los, und zu gleicher Zeit richtete er so den Muth der Seinigen auf und schlug den der Feinde nieder. Denn Jene, weil sie zu siegen meinten, setzten um so muthiger nach; die Pompejaner, weil sie die Ihrigen auf der Flucht wähnen, fangen selbst an zu fliehen. Wie groß der Verlust der Feinde, die Wuth und Rachgier der Sieger gewesen, läßt sich daraus abmessen,707 daß, nachdem sich die Fliehenden aus der Schlacht nach Munda zurückzogen, und Cäsar sogleich die Besiegten zu belagern befohlen hatte, aus den aufgehäuften Leichen, die durch Spieße und Lanzen [265] an einander befestigt waren, ein Wall gebildet wurde. Ein Greuel selbst unter Barbaren! Freilich verzweifeln jetzt des Pompejus Söhne708 am Sieg. Der aus der Schlacht fliehende, am Fuß verwundete, Einöden und unwegsame Gegenden suchende Knejus wird von Cäsonius bei der Stadt Lauro eingeholt, und stirbt fechtend unter dessen Händen. Den Sextus verbarg indessen das Glück in Celtiberien,709 und sparte ihn für andere Kriege noch Cäsarn auf. Cäsar zog als Sieger in die Vaterstadt Rom ein, den ersten Triuph über Gallien feiernd. Hier ließ er den Rhein, den Rhodanus und den Ocean im goldenen Bilde als Gefangene aufführen.710 Den zweiten Lorber bot Aegypten. Unter den Schaubildern erschien der Nil, Arsinoe711 und der im Nachbild leuchtende Pharos; der dritte Siegeswagen galt dem Pharnaces und Pontus.712 Der vierte stellte Juba und die Mauren und das zweimal unterjochte Spanien vor. Pharsalia, Thapsus und Munda erblickte man nirgends. Aber um wie viel größer war Das, wovon der Triumph schwieg! Hier ruhten endlich die Waffen.713 Uebrig ist noch die [266] Betrachtung des Menschenblut schonenden Friedens: der Krieg wurde durch Milde vergütet. Niemand fiel auf Cäsars Befehl, außer Afranius (einmal im verziehen, war genug), Faustus Sulla (Schwiegersöhne zu fürchten, hatte Cäsar gelernt) und die Tochter des Pompejus mit ihren Söhnchen714 und Sulla. Hierdurch sorgte man für die Nachwelt. Also wurden von den dankbaren Bürgern alle Ehren auf ein Oberhaupt gehäuft: Bildnisse in den Tempeln, im Theater, eine Strahlenkrone, in der Kurie ein erhöhter Sitz, eine Tempelzinne715 auf dem Palaste, ein Monat im Jahr;716 zu allem diesem noch, Vater des Vaterlandes und immerwährender Diktator. Zuletzt werden ihm – ob mit seinem Willen, ist ungewiß – von dem Konsul Antonius die Zeichen der Königswürde von der Rednerbühne gereicht. Alles dieß waren so zu sagen heilige Binden, gehäuft auf das Haupt eines zum Tode bestimmten Schlachtopfers.717 Denn der Neid siegte über die Milde des Herrschers, und selbst die Macht, welche Wohlthaten spendete, war für Freigeborne eine Last. Auch ward keine längere Frist vergönnt. Brutus und Kassius [267] und andere Patricier beschloßen einhellig den Mord des Regenten. Welche Macht des Schicksals! Ueberall war die Verschwörung schon ruchbar geworden. Auch wurde Cäsarn am nämlichen Tage eine schriftliche Anzeige eingehändigt, und von hundert Opfern fiel nicht eines günstig für ihn aus. Gleichwohl kam er in die Kurie, voll von Gedanken an den Parthischen Feldzug. Hier wurde er, auf dem kurulischen Stuhle sitzend, von den Senatoren angefallen, und mit drei und zwanzig Wunden zur Erde gestreckt. So erfüllte Der, welcher den ganzen Erdkreis mit Bürgerblut überschwemmt, zuletzt mit dem eigenen Blut die Kurie.

Cäsar Augustus718

3 [L] (1) Nach Cäsars und Pompejus Ermordung schien das Römische Volk in den Zustand seiner ursprünglichen [268] Freiheit zurückgekehrt zu seyn. Es wäre auch wirklich dahin zurückgekehrt, wenn Pompejus keine Kinder, und Cäsar keine Erben hinterlassen hätte; oder, was verderblicher als beides war, wäre nicht Antonius, einst Genosse, jetzt Nacheiferer der Cäsarianischen Macht, die Brandfackel und der Orkan der Folgezeit, noch am Leben gewesen. Während nämlich Sextus719 sein väterliches Vermögen zurückforderte, erzitterte die ganze See; während Oktavius den Tod seines Vaters zu rächen suchte, mußte Thessalien720 nochmals erschüttert werden; während der wankelmüthige Antonius bald den Oktavius als Cäsars Nachfolger mit Unwillen ansah, bald aus Liebe zu Kleopatra zum Könige ausarten wollte, konnte Rom sich721 nicht mehr anders retten, als wenn es seine Zuflucht zur Sklaverei nahm. Doch hatte man Grund, in dieser großen Verwirrung den Göttern zu danken, daß besonders Oktavius Cäsar Augustus an das Staatsruder kam, der durch seine weiße Staatskunst den von allen Seiten erschütterten und verworrenen Staatskörper wieder ordnete. Dieser konnte ohne Zweifel nie zu einem harmonischen Ganzen vereinigt werden, wäre nicht der Wink eines Oberhauptes gleichsam der belebende und lenkende Geist desselben geworden. Unter [269] dem Konsulate des Markus Antonius und Publius Dolabella, wo bereits das Schicksal die Herrschaft Roms auf die Cäsarn übertrug, gab es mancherlei und vielfache Bewegungen im Staate. Und, wie bei der jährlichen Umdrehung des Himmels es gewöhnlich ist, daß die in Bewegung gesetzten Gestirne donnern, und ihre Wendung durch Gewitter anzeigen, so erfolgte mit der Umwälzung der Römerherrschaft, d. h. des ganzen Menschengeschlechts, ein durchgreifendes Erdbeben, und alle Arten von Gefahren, Bürgerkriege und auswärtige Land- und Seekriege erschütterten den ganzen Staatskörper.

Der Krieg von Mutina722

(N. E. R. 709. V. Chr. G. 41.)

4 [L] (1) Die erste Veranlassung der bürgerlichen Unruhen gab Cäsars Testament, dessen zweiter723 Erbe Antonius, wüthend, sich den Oktavius vorgezogen zu sehen, wegen der Adoption724 des so thatkräftigen Jünglings einen unversöhnlichen Kampf begonnen hatte. Indem er nun, voll Stolz auf die Ehre, Cäsars Kriegsgefährte gewesen zu seyn, erkannte, daß ein Jüngling in dem zarten Alter von kaum achtzehn Jahren, jedem Unrecht ausgesetzt und preiß gegeben [270] sey, so zerstückelte er mit diebischen Händen725 die Hinterlassenschaft,726 verfolgte Cäsars Person selbst mit Verunglimpfungen, suchte mit allen Kunstgriffen die Adoption in die Julische Familie zu hintertreiben, und rüstete sich endlich zum offenen Krieg, um den jungen Mann niederzudrücken. Schon belagerte er mit einem ausgerüsteten Kriegsheere den Decimus Brutus, der sich im cisalpinischen Gallien seinen Bewegungen widersetzte. Aber Oktavius Augustus,727 durch sein Alter, durch das erlittene Unrecht und durch die hohe Würde des angenommenen Namens begünstigt, rief die Veteranen unter die Waffen, griff – Wer sollte es glauben? – als Privatmann den Konsul an, und entsetzte den in Mutina728 belagerten Brutus. Damals zeichnete er sich durch persönliche Tapferkeit aus; denn blutend und verwundet trug er einen Adler, den ihm der sterbende Träger übergeben hatte, auf seinen Schultern in’s Lager zurück.

Der Perusinische Krieg729

(N. E. R. 711. V. Chr. G. 39.)

5 [L] (1) [271] Den zweiten Krieg erregte die Theilung der Ländereien, die Cäsar den Veteranen als Belohnung ihrer Kriegsdienste zum Besten gegeben hatte. Immer hetzte das sonst schon verdorbene Gemüth des Antonius Fulvia, die mit dem Schwerte männlicher Rüstung umgürtete Gemahlin, auf.730 Indem man also die von ihren Ländereien verstoßener Anbauer731 aufwiegelte, kam es neuerdings zum Krieg. Hier aber griff Cäsar den nicht mehr von Privatleuten, sondern durch die Stimme des ganzen Senats erklärten Staatsfeind an, trieb ihn durch schmähliche, mit jedem Elend begleitete Hungersnoth, zur Uebergabe.

Das Triumvirat732

(N. E. R. 709. V. Chr. G. 41.)

6 [L] (1) [272] Indem schon Antonius allein die Ruhe und den Staat gefährdete, kam noch Lepidus als neuer Brandstoff hinzu. Was vermochte Ein733 Mann gegen zwei Heere? Nothwendig mußte Cäsar diesem so blutigen Bündnisse beitreten. Aber ihre Wünsche waren verschieden, wie ihre Sinnesart.734 Lepidus entflammte die Begierde nach Reichthum, wozu ihm aus der Verwirrung des Staates Hoffnung erwuchs; Antonius brannte von Rachegefühl gegen Diejenigen, welche ihn als Feind erklärten; Cäsarn setzte ein ungerächter Vater und der den Manen735 desselben verhaßte Kassius und Brutus in Bewegung. Auf dieses Bündniß hin schloßen die drei Feldherrn unter sich Friede. Bei dem Zusammenfluß des Rhenus mit dem Padus zwischen der Insel, die der erstere bildet, und Bononia,736 [273] gaben sie sich den Handschlag, und begrüßten die Heere. Nach schlimmen Vorbildern737 greift man zu dem Triumvirat, und nach gewaltsamer Unterdrückung der Staatsverfassung kehren die Sullanischen Aechtungen zurück, deren grausame Maßregeln nicht weniger als eine Zahl von hundert und vierzig Senatoren738 in sich begriffen. Diese flohen in aller Welt umher; schmachvoll, grauenvoll und erbarmungswürdig war ihr Ende. Wer soll ihrem Verhängniß die gebührenden Seufzer zollen, wenn Antonius seinen Oheim Lucius Cäsar, wenn Lepidus seinen eigenen Bruder Lucius Paulus ächtet? Die Köpfe der Hingerichteten vor der Rednerbühne aufgestellt zu sehen, war in Rom schon etwas Gewöhnliches. Dessen ungeachtet konnten sich die Bürger der Thränen nicht erwehren, als sie das abgehauene Haupt Cicero’s vor dieser seiner Rednerbühne aufgestellt sahen. Man lief, um ihn zu sehen, eben so zusammen, wie ehedem, um ihn zu hören. Dieß die Verbrechen, welche die Aechtungstafeln des Antonius und des Lepidus befahlen. Cäsar ließ es bei den Mördern seines Vaters bewenden. Auch würde man diese Hinrichtungen für gerecht ansehen, wären derselben nicht so viele gewesen.

Krieg mit Cassius und Brutus739

(N. E. R. 709. V. Chr. G. 41.)

7 [L] (1) Brutus und Cassius schienen den Kajus Cäsar, [274] als einen zweiten Tarquinius, von der Herrschaft entsetzt zu haben. Aber die Freiheit, deren Wiederherstellung sie hauptsächlich beabsichtigt hatten, ging gerade durch jenen Meuchelmord verloren. Nach vollbrachtem Mord hatten sie sich, weil sie, und zwar nicht mit Unrecht, Cäsar’s Veteranen fürchteten, sogleich von der Kurie ins Kapitol geflüchtet. Auch gebrach Jenen der Muth zur Rache nicht, nur hatten sie noch keinen Anführer. Da es nun in die Augen fiel, welcher Ruin den Staat bedrohe, so unterließ man die Rache, nachdem man einmal auf Cicero’s Vorschläge eine allgemeine Amnestie beschlossen hatte.740 Um aber nicht länger der Miene des öffentlichen Schmerzens zu begegnen, begaben sie sich in die von Cäsar, den sie ermordet hatten, ihnen verliehenen Provinzen, Syrien und Macedonien. So wurde Cäsar’s Rache vielmehr aufgeschoben, als aufgehoben. Inzwischen war der Staat, mehr wie es möglich, als erforderlich war, den Triumvirn741 untergeordnet; Lepidus blieb zur Besetzung der Stadt zurück. Octavius und Antonius rüsteten sich gegen Kassius und Brutus. Diese hatten eine ungeheure Streitmacht742 aufgebracht, und eben den Kampfplatz eingenommen,743 der das Unglück [275] von Knejus Pompejus gewesen. Aber auch jetzt fehlte es nicht an drohenden Anzeigen der ihnen vom Schicksal bestimmten Niederlage. Denn schon umflatterten die an Nahrung todter Körper gewohnten Raubvögel das Lager, wie wenn es bereits ihre Beute wäre, und ein Mohr, der ihnen beim Ausrücken in die Schlacht entgegen kam, war ein mehr als offenbares Todeszeichen. Und dem Brutus selbst stellte sich in der Nacht, als er bei angestecktem Lichte nach Gewohnheit bei sich über Dieses und Jenes nachdachte, ein schwarzes Gespenst dar. Auf die Frage: was es sey, gab es zur Antwort: dein böser Genius. Sprach’s und verschwand vor den Augen des Staunenden. Eben so, aber mit günstigerer Vorbedeutung, versprachen in Cäsar’s Lager Vögel und Opferthiere Alles. Aber kein Zeichen schien zuverläßiger, als die Mahnung, die Cäsar’s Arzt im Traume erhielt: „Cäsar soll das Lager verlassen, in welchem ihm Gefangenschaft bevorstände;“744 und so war es in der That. Nachdem nämlich die Schlacht begonnen, und eine Zeitlang mit gleicher Hitze gefochten worden war, nahm, obgleich die Anführer abwesend waren, deren Einen körperliche Krankheit, den Andern Furcht und Trägheit dem Gefechte entzogen,745 dennoch das unüberwindliche Glück sowohl für den Rächer Partei, als auch für den Gerächten. Gleichwohl [276] war der erste gefahrvolle Versuch sogar schwankend, und wie der Ausgang des Kampfes bewies, auf beiden Seiten Vortheil und Nachtheil gleich: hier wurde Cäsars, dort Kassius Lager genommen. Aber um wie viel mächtiger ist das Glück, als die Tapferkeit! Und wie wahr ists, was der sterbende Brutus gesagt: „Tapferkeit sey in leeres Wort, nicht Wirkliches.“ Ein Irrthum verlieh in dieser Schlacht den Sieg. Kassius, dessen Flügel gewichen war, sah, wie die Reiterei, unmittelbar nach der Eroberung des Cäsarischen Lagers, plötzlich zurückjagte; er hielt dieß für eine Flucht, und entrannte auf einen Hügel. Staub, Lärm und die einbrechende Nacht hinderten ihn an der Wahrnehmung des Vorgefallenen, und da auch der zu diesem Behuf ausgesendete Kundschafter mit seinem Berichte zu spät eintraf, so gab er die Sache seiner Partei für verloren, und bot Einem der zunächst Stehenden seinen Kopf zum Abschlagen hin. Brutus,746 der in Kassius auch seinen Muth verloren, ließ sich selbst auch, um der Heiligkeit Dessen, was man gelobt, nichts zu vergeben (sie hatten nämlich ausgemacht, so den Krieg nicht zu überleben),747 durch einen seiner Begleiter durchbohren. Wer sollte nicht über diese weisen Männer sich wundern, daß sie zu diesem äußersten und letzten Werk nicht ihre eigenen Hände gebrauchten? wenn [276] nicht auch dieß Grundsatz ihrer philosophischen Schule war,748 die Hände nicht zu beflecken, sondern das Leben so reiner und frommer Seelen zwar auf eigenen Entschluß hin, aber durch die verbrecherische Hand eines Andern hinwegnehmen zu lassen.

Krieg mit Sextus Pompejus749

8 [L] (1) Nachdem Cäsar’s Mörder aus dem Wege geräumt, waren die Nachkommen des Pompejus noch übrig. Der Eine dieser jungen Männer war in Spanien gefallen, der Andere durch die Flucht entkommen. Dieser hielt, nachdem er die Trümmer eines unglücklichen Kriegs zusammengezogen, und überdieß die Sklavenzwinger bewaffnet hatte, Sicilien und Sardinien besetzt. Schon hatte er mit einer Flotte das mittelländische Meer besetzt. O wie der verschieden war er von seinem Vater! Jener hatte die Cilicier vertilgt,750 Dieser trieb sich mit Seeräuberschiffen umher. Groß war die Kriegsrüstung; aber in der Sicilischen Meerenge wurde der junge Held angegriffen751 und aufgerieben. Er würde den Ruf eines großen Feldherrn mit sich in die Unterwelt genommen haben, hätte er nichts weiter [278] versucht, als, wie es in der Art großer Geister liegt, nie die Hoffnung aufgegeben. Nachdem er Alles verloren, entfloh er mit vollen Segeln nach Asien, um dort in Feindeshand und Bande zu fallen, und, was für Helden das Schmerzlichste ist, nach Willkühr der Feinde unter den Händen eines Mörders zu sterben. Seit Xerxes war keine Flucht so jämmerlich. Denn vor Kurzem noch Herr von dreihundert fünfzig Schiffen, floh er mit sechs oder sieben, nachdem er das Licht des Anführerschiffes gelöscht und die Schellen752 in die See geworfen, zitternd und umherblickend, ohne jedoch schon seinen Untergang zu fürchten.

Der Parthische Krieg unter Ventidius Anführung753

(N. E. R. 714. V. Chr. G. 36.)

9 [L] (1) Obgleich Cäsar in Kassius und Brutus die Parteien aus dem Wege geräumt, in Pompejus aber den ganzen Namen derselben vertilgt hatte, so hatte er es doch noch nicht zu einem dauerhaften Frieden gebracht, weil Antonius, diese Klippe und Schlinge, dieses Hinderniß der öffentlichen Sicherheit, noch übrig war. Letzterer ließ es zwar an keinem Laster fehlen, das zum Untergang führte; [279] vielmehr, nachdem er durch Umtriebe und Verschwendung alles versucht, befreite er zuerst seine Feinde, dann seine Mitbürger, endlich auch seine Zeit von den Schrecknissen seiner Person. Die Niederlage des Krassus hatte den Muth der Parther wieder mehr gehoben, und mit Freude hatten sie die Bürgerzwiste des Römischen Volkes vernommen. Darum zögerten sie auch bei der ersten günstigen Gelegenheit keinen Augenblick, hervorzubrechen, wozu sie überdieß Labienus754 aufforderte, der als Abgesandter des Kassius und Brutus – wie weit geht die Wuth des Verbrechens! – die Feinde zur Hülfe herbeizuziehen gesucht hatte. Diese aber, angeführt von dem königlichen Prinzen Pakorus, jagen die Besatzungen des Antonius aus einander. Der Legat Saxa verdankte es seinem Schwert, daß er nicht in ihre Gewalt gerieth. Endlich geht Syrien verloren, und die Feinde machen für sich Eroberungen unter dem Namen von Hülfsvölkern, und das Uebel wollte weiter um sich greifen, hätte nicht Ventidius755 und hier der Legat des Antonius mit unglaublichem Glücke sowohl die Schaaren des Labienus, als auch den Pakorus selbst und die ganze Parthische Raserei auf der ganzen Landesstrecke, die der Orontes und Euphrat umschließt, in weiter Ausdehnung geschlagen. Es waren ihrer mehr als zwanzig tausend, die auf dem Platz blieben, nicht ohne Kriegslist unseres Heerführers, der durch verstellte Furcht die Feinde [280] so nahe aus Lager rücken ließ, bis er ihnen die gehörige Schußweite benahm und den Gebrauch der Pfeile vereitelte.756 Der königliche Prinz fiel in tapferem Kampfe. Bald, nachdem man sein Haupt durch die Städte, welche abgefallen waren, herumgetragen hatte, ward Syrien ohne Schwertstreich eingenommen. So haben wir mit dem Falle des Pakorus die Niederlage des Krassus aufgewogen.

Der Parthische Krieg mit Antonius757

(N. E. R. 716. V. Chr. G. 34.)

10 [L] (1) Nachdem die Parther und Römer sich gegenseitig gemessen, nachdem Krassus und Pakorus beiderseits Proben ihrer gegenseitigen Kräfte abgelegt, so ward die Freundschaft mit gleicher Hochachtung erneuert, und zwar von Antonius selbst ein Bündniß mit dem Könige geschlossen.758 Aber – o der unbegrenzten Eitelkeit des Menschen!759 – indem er aus Begierde nach Titeln des Ruhmes den Namen Araxes760 und Euphrates unter seinen Bildsäulen zu lesen begehrte, so verließ er plötzlich Syrien, und machte ohne Veranlassung, ohne Plan, sogar ohne die [281] mindeste Kriegserklärung, als ob heimliche Beschleichung auch unter die Künste des Feldherrn gehörte, einen Angriff auf die Parther. Dieses Volk, neben der Zuversicht auf seine Waffen verschlagen, heuchelt Zagen und Flucht in seine Ebenen. Antonius folgte, wie wenn er Sieger wäre, dem Feinde auf dem Fuße nach, als plötzlich ein nicht sehr starker761 Heerhaufen der Feinde um die Abendzeit unversehens auf die schon vom Wege Ermüdeten losbricht, und zwei Legionen mit einem Pfeilhagel bedeckte. Es war noch nichts vorgefallen in Vergleichung mit jener Niederlage, die auf den folgenden Tag bevorstand, hätten sich nicht die erbarmenden Götter ins Mittel gelegt. Ein aus der Niederlage des Krassus Uebriggebliebener kam in Parthischer Kleidung an unser Lager geritten,762 und nachdem er durch seinen Gruß in lateinischer Sprache Vertrauen erweckt hatte, verkündete er, was bevorstehe: bald werde der König mit allen seinen Streitkräften da seyn; sie sollten sich zurückziehen und die Berge zu erreichen suchen; und selbst dort noch werde es vielleicht mit dem Feinde zu thun geben. Und so erfolgte ein schwächerer Andrang von Seiten des Feindes, als er gedroht hatte. Doch war Dieser erschienen; und die noch übrigen Schaaren wären aufgerieben worden, hätten sich nicht die Krieger in dem Zeitpunkte, wo ein Hagel von Pfeilen sie bedrängte, aus Zufall, gleichsam wie abgerichtet, auf die Kniee niedergelassen, [282] und die Schilde über die Köpfe gehalten, einen Haufen von Gefallenen vorgestellt. Jetzt hielt der Parther mit seinen Bogen inne. Nachdem sich hierauf die Römer wieder erhoben, erregte diese Erscheinung ein solches Staunen, daß Einer von den Barbaren ausrief: Gehet und gehabt Euch wohl, Ihr Römer. Mit Recht nennt Euch der Ruf „Ueberwinder der Nationen!“ Nicht geringer war darauf der Verlust durch den Weg,763 als durch die Feinde. Fürs Erste machte Wassermangel die Gegend gefährlich, aber noch gefährlicher ein Flußwasser von salziger Schärfe. Zuletzt war auch das süße Wasser schädlich, da es von bereits entkräfteten Menschen und zu gierig getrunken wurde.764 Bald äußerte sowohl die Hitze durch Armenien, als auch der Schnee durch Kappadocien und der plötzliche Wechsel beider Himmelsstriche pestartige Einflüsse. So blieb von sechzehn Legionen kaum ein Drittheil übrig; alles Silbergeräthe des Antonius zerschlug man mit Aexten, und nachdem der herrliche Oberfeldherr unter diesen Hindernissen mehrmals den Tod aus der Hand seines Fechters verlangt, entwich er endlich nach Syrien. Hier machte ihn eine unglaubliche Geistesverblendung noch ungestümer, als ob der Flüchtling der Sieger wäre.

Krieg mit Antonius und Kleopatra765

11 [L] (1) Die Wuth des Antonius, sofern sie nicht im Ehrgeiz erstickte, erlosch in Schwelgerei und Wollust. Denn [283] nach dem Partherkriege ergab er sich, der Waffen überdrüssig, dem Müssiggange, und erholte sich, durch Liebe zu Kleopatra gefesselt, wie nach rühmlich vollbrachten Thaten, am Busen der Königin. Dieses Aegyptische Weib forderte von dem trunkenen Imperator766 das Römische Reich als den Preis seiner Liebesgenüsse. Und als könnte man mit dem Römer leichter fertig werden, denn mit dem Parther – Antonius versprach es ihr. Nunmehr arbeitete er darnach, unumschränkter Herrscher zu werden, nicht etwa im Stillen; nein er artete, des Vaterlandes, des Namens, der Toga, des Ruthengebindes vergessend,767 wie dem Geiste, so dem Herzen und Aeußeren nach, ganz in jenes Ungeheuer aus. Einen goldenen Stab in der Hand, zur Seite einen Persischen Säbel, ein Purpurkleid mit großen Edelsteinen besetzt, ein Diadem trug er, um selbst auch als König der Genüsse einer Königin sich zu erfreuen. Auf den ersten Ruf neuer Unruhen setzte Cäsar von Brundisium über, um dem herannahenden Kampfe entgegenzutreten; er schlug in Epirus ein Lager, und schloß die Insel Leukas,768 [284] das Leukatische Gebirge und die Spitzen des Ambracischen Meerbusens mit einer feindlichen Flotte ein. Wir hatten über vierhundert Schiffe, die Feinde nicht weniger als zweihundert, aber die Zahl wurde ersetzt durch ihre Größe. Denn von sechs bis neun Reihen Ruder, überdieß Thürme und Verdecke erhöht, schwammen diese gleich Kastellen und Städten einher; so daß das Meer seufzte und die Winde ihre Kraft anstrengen mußten. – Aber gerade diese Schwerfälligkeit gereichte zum Verderben. Cäsar’s Schiffe stiegen von drei zu sechs Ruderreihen, nicht höher. Zu allem demnach geschickt, wozu man sie nöthig hatte, zum Angriff, zum Rückzug, zu den vorzunehmenden Wendungen, griffen immer ihrer mehrere jene schwerfälligen und zu allem unbehülflichen Schiffe einzeln an, und zerstreuten sie nach Willkühr theils durch Wurfgeschosse, theils zugleich durch ihre Schiffschnäbel, zudem durch abgeschleuderte Feuerbrände. Nirgends zeigte sich die Größe der feindlichen Streitkräfte deutlicher, als nach dem Siege. Denn eine ungeheure Flotte ward nach dem unglücklichen Seetreffen auf dem ganzen Meere herumgetrieben, und Beutewaffen von den Arabern und Sabäern und tausend andern Nationen Asiens, und Purpur und Gold spieen die Seestürme ohne Unterlaß an’s Gestade aus. Die Königin selbst, als Führerin der Flucht, begab sich mit ihrem goldenen Schiffe und purpurnen Segeln auf die hohe See. Alsbald folgte Antonius; aber Cäsar setzte ihm auf der Ferse nach. Darum half ihnen alle Vorbereitung zur Flucht auf den Ocean eben so wenig, als die befestigten und besetzten Landspitzen Aegyptens, [285] Parätonium769 und Pelusium. Fast ergriff man beide mit der Hand. Aber Antonius griff eher zum Schwert. Die Königin warf sich Cäsarn zu Füßen, und setzte die Augen des Heerführers in Versuchung. Umsonst. Denn die Enthaltsamkeit des Fürsten siegte über ihre Reize. Jedoch war ihr weniger am Leben, das er ihr anbot, als an ihrem Reichsantheil gelegen. So wie sie nun die Hoffnung, den letztern vom Fürsten zu erhalten, aufgab, und bemerkte, daß sie für den Triumph aufbewahrt werde, so entwischt sie der zu sorglosen Wache in’s Mausoleum770 (so nennt man die Gräber der Könige). Hier zog sie nach ihrer Gewohnheit den schönsten Schmuck an, und setzte sich auf einem von Riechstoffen durchdufteten Königsstuhle neben ihren Antonius, und nachdem sie Schlangen an die Adern gesetzt hatte, ward sie durch den Tod, wie im Schlummer, aufgelöst.

Krieg mit auswärtigen Völkern771

12 [L] (1) Hiermit schloß sich der Bürgerkrieg. Was noch übrig war, betraf auswärtige Völker, welche, während das [286] Reich mit seinen eigenen Uebeln zu kämpfen hatte, aus verschiedenen Weltgegenden hervorbrachen. Der Friede war neu, und noch nicht gewohnt an den Zügel der Knechtschaft sprang der emporschwellende Nacken der Nationen von dem eben aufgelegten Joche ab. Am wildesten gebehrdeten sich die nördlichen Landstriche, die der Noriker, Illyrier, Pannonier, Dalmatier, Mösier, Thracier und Dacier, der Sarmaten und Germanen. Den Norikern gaben ihre Alpen und Schneemassen Muth, als könnte der Krieg diese Höhe nicht erklimmen. Aber alle Völker dieser Gegend, die Breunen, die Cennen und die Vindelicier,772 brachte er durch seinen Stiefsohn Klaudius Drusus ganz zur Ruhe. Von der Wildheit dieser Alpenvölker773 gaben schon die Weiber einen auffallenden Beweis. In Ermanglung von Geschossen schleuderten sie ihre Kinder, nachdem sie dieselben gewaltsam zur Erde gestoßen, den gegenüberstehenden Feinden ins Angesicht. – Auch die Illyrier [287] leben an den Alpen, und bewachen und halten, zwischen abstürzenden Bergströmen eingenistet, die untersten Alpthäler wie Pässe besetzt. Gegen diese unternahm er selbst einen Zug und ließ Brücken schlagen. Hier war es, wo er, durch Gewässer und Feinde gedrängt, einem Krieger, der die Anhöhen zu ersteigen zögerte, den Schild aus der Hand riß, und auf dem Wege voranschritt. Das Heer folgte ihm: die schon halb eingerissene Brücke brach von der Menschenmasse.774 Er aber, an Händen und Füßen verwundet, schöner im Blute und herrlicher in der Gefahr, hieb die Feinde im Rücken gewaltig nieder. – Die Pannonier waren durch zwei ziemlich reißende775 Flüsse, die Drau und Sau, verschanzt. Hatten sie ihre Nachbarn geplündert, so zogen sie sich wieder innerhalb der Gestade zurück. Diese zu bezwingen, schickte er den Tiberius776 ab. Sie wurden an beiden Flüssen geschlagen. Die Waffen der Besiegten wurden nicht nach Kriegsgebrauch verbrannt, sondern zerschlagen777 und in die Ströme geworfen, um so den Uebrigen, die noch Widerstand leisteten, unsern Sieg zu verkünden. – Die Dalmatier leben meistens in Wäldern; daher sind sie so fertig im Straßenraub. Diesen hatte zwar schon Marcius778 durch Einäscherung [288] der Stadt Delminium gleichsam das Haupt vom Rumpfe gehauen; später hatte sie Asinius Pollio779 um Heerden, Felder und Waffen gestraft; aber Augustus trug ihre völlige Bändigung dem Vibius780 auf, der das wilde Volk zwang, das Erdreich zu durchgraben und das Gold aus seinen Adern zu scheiden, welches auch ein ohnedieß nach allem überaus gieriges Volk mit so sorgsamem Fleiße aufsuchte, daß es dasselbe für seinen eigenen Gebrauch aufzubewahren schien. – Es erregt Schauder, zu beschreiben, wie wild, wie grausam, wie barbarisch sogar unter den Barbaren die Mösier gewesen. Wer seyd denn Ihr? rief einer ihrer Heerführer, nachdem er vor der Schlacht Stillschweigen geboten. Römer, die Beherrscher der Völker, war die Antwort. Hierauf erwiederte Jener: So soll es seyn, wenn Ihr uns werdet überwunden haben. Dieß nahm Markus Krassus781 für ein gutes Zeichen. Auf der Stelle opfern sie vor dem Beginn der Schlacht ein Pferd, und bringen das Gelübde dar, die Eingeweide der erschlagenen Feldherrn theils den Göttern zu opfern, theils zu verzehren. Ich möchte glauben, die Götter [289] hätten es gehört. Nicht den Trompeten vermochten sie Stand zu halten. Einen nicht geringen Schreck jagte der Hauptmann Knejus Ovidius782 den Barbaren durch eine Posse ein, Barbaren ähnlich genug, aber doch bei Menschen gleichen Gelichters nicht unwirksam, indem er ein Feuerbecken auf dem Helme trug, und als bei der Bewegung die Flamme emporloderte, wie mit brennendem Haupte einherzustürmen schien. – Die Thracier hatten sich früher schon öfter, jetzt aber besonders unter ihrem Könige Kotus783 empört. Diese Barbaren hatten sich an Feldzeichen und an Kriegszucht, auch an Römische Waffen gewöhnt; aber von Piso überwältigt, zeigten sie ihre Wuth selbst in der Gefangenschaft. Denn indem sie in ihre Ketten bißen, bestraften sie selbst ihre Wildheit. – Die Dacier hängen an Gebirgen. So oft der Trost die beiderseitigen Ufer der Donau vereinigte, pflegten sie unter Befehl ihres Königs Kotiso herabzueilen, und die Nachbarschaft zu verheeren. Cäsar Augustus fand für gut, dieses Volk, dem so schwer beizukommen, zu vertreiben. Er schickte daher den Lentulus ab, und trieb sie über das jenseitige Donauufer zurück; diesseits legte er Besatzungen an. So wurde damals Dacien nicht besiegt, sondern entfernt und fortgerückt. Die Sarmaten reiten in offenen Feldern einher. Es genügte auch, diese durch denselben Lentulus von der Donau abzuhalten. Sie haben nichts als Schnee, [290] Reifen und Wälder.784 Ihre Barbarei ist so groß, daß sie vom Frieden keinen Begriff haben. – Wollten die Götter, er hätte es nicht für so wichtig gehalten, auch Germanien zu besiegen!785 Die Schande seines Verlusts geht über den Ruhm seiner Eroberung. Aber weil er wußte, daß sein Vater Cäsar, indem er zweimal mittelst einer Brücke über den Rhein gesetzt, Krieg suchte, so trieb ihn das Verlangen, dasselbe zu dessen Ehre zur Provinz zu machen, und es war gethan, hätten die Barbaren unsre Laster eben so erträglich gefunden, wie unsre Herrschaft. Der in diese Provinz geschickte Drusus bändigte zuerst die Usipeter; dann durchflog er die Teukterer und die Katten. Mit den glänzenden Beutewaffen der Markomannen schmückte er einen erhabenen Hügel nach Art der Trophäen aus. Jetzt griff er auf einmal die mächtigsten Völkerstämme, die Cherusker, Sueven und Sygambrer786 an, welche, nachdem sie zwanzig Hauptleute lebendig verbrannt hatten,787 gleichsam unter dieser heiligen Verpflichtung zu den Waffen griffen, ihres Sieges so gewiß, daß sie im Voraus vertragsmäßig [291] die Beute theilten. Die Cherusker wählten die Pferde, die Sueven das Gold und Silber, die Sygambrer die Gefangenen. Aber von allem geschah das Gegentheil. Denn der siegreiche Drusus vertheilte und verkaufte ihre Pferde, ihre Heerden, ihren Halsschmuck und sie selbst als Beute. Ueberdieß legte er überall zum Schutz der Provinz, an der Mosel, Elbe, Weser Besatzungen und Wachen an; und dem Gestade des Rheines entlang ließ er mehr denn fünfzig Kastelle788 aufführen. Bonna und Novesium789 verband er durch Brücken und verstärkte sie mit einer Flotte. Er öffnete den bis auf diese Zeit nie gesehenen und unzugänglichen Hercynischen Wald. In Germanien endlich herrschte ein solcher Friede, daß die Menschen umgeschaffen, der Boden neu, der Himmel selbst milder und sanfter als bisher geworden zu seyn schien. Endlich ertheilte, was sonst nie geschah, der Senat dem dort gestorbenen jungen Helden nicht aus Schmeichelei, sondern der Verdienste wegen, den Beinamen von der Provinz.790 Aber schwerer ist, Provinzen zu behaupten, als zu erobern. Macht erringt sie, Gerechtigkeit sichert ihren Besitz. Diese Freude war also kurz. Die Deutschen waren mehr besiegt als bezähmt, und achteten unter dem Oberfeldherrn Drusus mehr unsere Sitten, als unsere Waffen. Nach dem Tode des Letztern aber fingen sie an, die Willkühr und den Hochmuth [292] des Quintilius Varus nicht weniger als seine Grausamkeit791 zu verabscheuen. Dieser unterfing sich, Versammlungen zu halten, und saß im Lager zu Gericht;792 gleichsam als könnte er dem Ungestüm der Barbaren mit den Liktorstäben und dem Rufe seiner Herolde Einhalt thun. Jene aber, die sich schon längst nach ihren verrosteten Schwertern und ihren müßigen Pferden umsahen,793 wurden nicht sobald die Togen und eine Gerichtsbarkeit, die noch strenger denn die Waffengewalt schien, gewahr, als sie unter Anführung des Arminius zu den Waffen griffen. Varus vertraute indessen dem Frieden so sicher und fest, daß ihn selbst eine vorhergesagte und von Segestes, einem Fürsten, entdeckte Verschwörung, nicht aus der Ruhe bringen konnte. Und so überfallen sie unerwartet den Unvorsichtigen und nichts der Art Befürchtenden, gerade wie er – o der Sicherheit! – Leute vor Gericht laden läßt, brechen von allen Seiten herein, nehmen das Lager im Sturme weg, und machen drei Legionen nieder. Dem allgemeinen Untergang folgte auch Varus mit gleichem Sinn und Geschick, wie Paulus am Tage bei Cannä. Nichts war blutiger als jenes Gemetzel in den Sümpfen und Wäldern, nichts unerträglicher als der Spott der Barbaren, vorzüglich gegen die Sachwalter. Einigen stachen sie die Augen aus, Andern schnitten sie die Hände ab. Einem wurde der Mund vernäht, vorher aber die Zunge ausgeschnitten, und ein Barbar, der [293] sie in der Hand hielt, sprach: Endlich, Viper, hast du aufgehört zu zischen.794 Sogar der Leichnam des Konsuls, den die Liebe der Soldaten in der Erde Schoos verborgen, wurde ausgegraben. Die Barbaren besitzen noch Feldzeichen und zwei Adler. Den dritten rieß der Fahnenträger, ehe er in Feindes Hände gerathen sollte, aus, steckte ihn in die Oeffnungen seines Wehrgehenkes und verbarg sich damit in dem blutigen Sumpfe. Diese Niederlage hatte zur Folge, daß unsere Herrschaft, welche sich durch die Küsten des Oceans nicht begrenzen ließ, an dem Ufer des Rheinstromes ein Ziel fand. – Dieß der Verlauf der Dinge gegen Norden. Im Süden war mehr Toben als Krieg. Die Musulaner und Gätuler, Anwohner der Syrten, brachte er unter Kossus795 Anführung zum Gehorsam. Daher diesem der Beiname Gätulikus. Der Sieg erstreckte sich weiter. Die Unterjochung der Marmariden und Garamanten796 überließ er dem Quirinus. Auch dieser konnte als Marmarikus zurückkehren; aber er war bescheidener in der Schätzung eines einzigen Sieges. – Im Osten gab es mehr zu thun mit den Armeniern. Dahin schickte er den Einen der Cäsaren, seiner Enkel. Beide enden nach kurzer Laufbahn, aber der eine ruhmlos. Denn [294] Lucius wurde zu Massilia durch eine Krankheit aufgelöst, Kajus starb in Syrien an einer Wunde, während er Armenien, das sich den Parthern in die Arme warf, wieder eroberte. Die Armenier hatte Pompejus nach Besiegung ihres Königs Tigranes blos in sofern an Dienstbarkeit gewöhnt, als sie Statthalter von uns annehmen mußten. Dieses außer Acht gelassene Recht brachte Cäsar wieder in Ausübung. Der Kampf war darum doch blutig, blieb aber nicht ohne Rache. Denn Domnes, welchen der König über Artaxata gesetzt hatte, stellte sich als Verräther, und überreichte dem Kajus einen Aufsatz, in welchem eine Berechnung der Schätze enthalten seyn sollte. Während der Prinz mit der Durchsicht beschäftigt ist, fällt er ihn plötzlich mit gezücktem Dolche an.797 Kajus erholte sich zwar wieder von der erhaltenen Wunde, aber nur auf kurze Zeit. Nichts desto weniger mußte der auf allen Seiten vom feindlichen Heere gedrängte Barbare durch Schwert und Scheiterhaufen, auf welchen sich der Durchbohrte gestürzt, dem immer noch lebenden Cäsar Genugthuung geben. – Gegen Westen war fast ganz Spanien798 beruhigt, mit Ausnahme desjenigen Theils, der an den Klippen der letzten Ausläufer des Pyrenäengebirges hängend, vom diesseitigen Ocean bespült wurde. Hier lebten zwei sehr mächtige Volksstämme, die Kantabrer und Asturier, frei von der Römischen [295] Herrschaft. Bösartiger, stolzer, hartnäckiger war der Kantabrer Muth beim Aufstand. Nicht zufrieden, ihre Freiheit zu schützen, versuchten sie auch über ihre Nachbarn zu herrschen, und plagten die Vaccäer, Turmodigen799 und Austrigonen durch häufige Einfälle. Gegen Diese nun wird, nachdem die Nachricht von den überhandnehmenden Ausbrüchen ihrer Gewaltthätigkeit eingelaufen war, ein Feldzug nicht einem Andern aufgetragen, sondern in Person unternommen. Cäsar selbst kam nach Segisama, schlug ein Lager, und nachdem er mit seinen in drei Heerhaufen getheilten Streitkräften ganz Kantabrien umschlungen hatte, überwältigte er das unbändige Volk, nach Art des Wildes wie auf einer Jagd. Auch vom Ocean her war keine Ruhe; denn auch im Rücken wurde der Feind durch eine verderbliche Flotte geschlagen. Zuerst lieferte er unter den Mauern von Vellica800 den Kantabrern eine Schlacht. Sie flohen auf den hoch emporragenden Berg Vinnius, von dem sie glauben, er werde eher von den Fluthen des Oceans, als von den Römischen Waffen erstiegen werden. Zum Dritten thut die Stadt Arracillum starken Widerstand, wird aber doch zuletzt eingenommen. Endlich belagerte er den Berg Medullus, und umzog ihn mit einem ununterbrochenen Graben von fünfzehntausend Schritt. Von allen Seiten rücken jetzt die Römer zugleich an, und so wie die Barbaren bemerken, daß [296] es mit ihnen aus sey, hielten sie ihren Leichenschmaus, und kamen wetteifernd dem Tode mit dem Schwert, mit Feuer oder Gift zuvor, welches man hier insgemein dem Taxusbaume auspreßt; und der größere Theil rettete sich so von der Gefangenschaft, die ihnen ärger vorkam als der Tod.801 Dieß erfuhr Cäsar, der zu Tarrako an der See überwinterte, durch die Legaten Antistius, Furnius und Agrippa. Er selbst erschien an Ort und Stelle, zog Einige von den Gebirgen herab, und fesselte Andere durch Geißeln an sich, Andere stellte er nach Kriegsrecht zum Verkaufe aus. Die That schien dem Senat würdig des Lorbeers, würdig des Siegerwagens. Aber Cäsar war schon so groß, daß er Triumphe verachten konnte. Die Asturier waren um jene Zeit mit großer Heeresmacht von ihren Bergen herabgestiegen. Auch unternahmen sie nicht aufs Gerathewohl, wie sonst Barbaren pflegen, den Angriff, schlugen am Asturastrom ein Lager, und machten Anstalt, mit ihrem in drei Theile gesonderten Heere drei Römische Lager anzufallen. Mit so tapferen, so unverhofft und so vorsichtig heranrückenden Feinden wäre es jetzt zu einem zweifelhaften, blutigen und für beide Theile verlustvollen Kampfe802 gekommen, hätten nicht die Brigäcinen die Verräther gemacht. Von Diesen gewanrt, überfiel sie Karisius mit seinem heere, und vereitelte ihre Plane, aber auch so nicht ohne ein blutiges Gefecht. Die Trümmer des geschlagenen Heeres nahm [297] die mächtige Lancia auf, wo dergestalt gefochten wurde, daß, als man gegen die eroberte Stadt Brandfackeln verlangte, der Feldherr nur mit Mühe die Erlaubniß dazu auswirkte, weil man lieber ein stehendes als ein eingeäschertes Denkmal des Römischen Sieges haben wollte. Hier endigten sich August’s kriegerische Kämpfe; hier endigten sich auch die Aufstände in Spanien. Bald folgte sichere Treue und ein dauerhafter Friede. Denn theils waren die Spanier selbst mehr geneigt für die Künste803 des Friedens; theils war es Cäsar’s Vorsicht, der die Zuflucht in die Gebirge, in welche sie sich zurückzogen, fürchtend, ihnen befahl, seine in der Ebene gelegenen Lagerplätze zu bewohnen und anzubauen. Es fing sich bald an zu zeigen, daß hier eine wachsame804 Klugheit waltete. Die Natur der Landschaft begünstigte den klugen Plan, indem sie Gold, Zinnober, Berggrün und andere Färbestoffe im Ueberfluß erzeugt. Er wollte daher den Boden bearbeitet wissen. So fingen die Asturier an, ihre in der Tiefe verborgen liegenden Schätze und Reichthümer dadurch kennen zu lernen, daß sie solche für andere aufsuchen mußten. Alle Völker gegen Westen und Süden, auch gegen Norden, bis auf die zwischen dem Rhein und der Donau, so wie die gegen Osten zwischen dem Cyrus805 und Euphrat, waren jetzt zur Ruhe gebracht. Auch die noch Uebrigen, welche unsrer [298] Herrschaft sich nicht unterworfen, fühlten dennoch ihre Größe, und ehrten das Römische Volk als Sieger der Nationen. Denn die Scythen und Sarmaten schickten Gesandte, und ließen nun Freundschaft bitten. Auch die Serer und die unmittelbar unter der Sonne wohnenden Inder, die nebst Edelsteinen und Perlen sogar Elephanten unter ihren Geschenken führten, beschwerten sich über nichts so sehr, als über die Länge des Weges, auf dem sie vier Jahre zugebracht hatten. Schon die Farbe dieser Leute verrieth, daß sie aus einem andern Himmelsstrich kamen. Auch die Parther brachten, als bereuten sie ihren Sieg, die bei der Niederlage des Krassus erbeuteten Feldzeichen freiwillig zurück. So herrschte überall unter dem ganzen Menschengeschlechte ein allgemeiner, ununterbrochener Friede, oder wenigstens Vertrag. Und endlich wagte es Cäsar, im Jahre siebenhundert nach Erbauung Rom, den Tempel des zweifachen Janus zu schließen, was vor ihm nur zweimal geschehen war, nehmlich unter König Numa und nach der ersten Besiegung Karthago’s. Von jetzt an widmete er sich dem Frieden, und suchte das zu allen Lastern geneigte und in Schwelgerei zerfließende Zeitalter durch eine Menge ernster und strenger Gesetze in Zucht und Schranken zu halten. Thaten und Verdienste, so zahlreich, so groß, wie diese, erwarben ihm den Namen und Titel eines immerwährenden Diktator’s,806 eines Vaters des Vaterlandes. Man berathschlagte auch im Senate, ob man ihm nicht, als den Gründer dieses Reiches, Romulus nennen sollten. Allein heiliger und ehrwürdiger erschien der Name Augustus.807 Er sollte nehmlich schon als Erdenbewohner durch Namen und Titel vergöttert werden.

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