[5] Ueber die persönlichen Verhältnisse des Eutropius läßt sich nicht viel Zuverlässiges sagen. Es mag Derselbe der im vierten Jahrhundert berühmt gewordenen Familie der Eutropier, aus welcher mehrere Glieder Hof- und Staatsämter bekleideten, angehört haben: indeß kennen wir nicht einmal sein Vaterland genau. Man hält ihn für einen Griechen, oder Gallier, oder Italiener: übrigens werden die Gründe für seinen Italischen Ursprung durch die für eine anderweitige Abkunft nicht überwogen. – Kaiser Constantin dem Aeltern soll er als Epistolograph gedient haben. Unter Julian machte er nach seiner eigenen Erzählung den Feldzug gegen die Perser mit, aber blühte jedenfalls noch unter Kaiser Valens, dessen Regierung in die Zeit von 364 – 378 fällt, indem Letzterem sein Werk gewidmet ist, welches mit Jovian endet. Ob übrigens ein gewisser Asiatischer Prokonsul Eutropius, der um das Jahr 373 vorkommt, mit dem unsrigen ein und dieselbe Person [6] sey, ist ungewiß. Weder aus dem gegenwärtigen Werke selbst, noch unabhängig von demselben läßt sich ausmitteln, ob Eutrop Christ gewesen ist, oder nicht. Indeß ist zu vermuthen, daß Constantin achtungsvoller und Julian weniger schonend beurtheilt worden wäre, wenn er wirklich Christ gewesen wäre; es sey denn, daß man ihm Unbefangenheit genug zutrauen will, um sich in Würdigung dieser Kaiser durch Religionsmeinungen nicht stören zu lassen. Entscheidend dürfte vielleicht der Umstand seyn, daß Eutrop die Erhebung des Christenthums zur Staatsreligion durch Constantin, und dessen nachmalige Einschränkung unter Julian mit mehr Theilnahme und Umständlichkeit berichtet hätte, wenn er sich selbst zum Christenthum bekannt hätte.
Was den Werth der Schrift Eutrop’s als historisches Werk betrifft, so muß man gestehen, daß er seinen Plan, einen Abriß der Römischen Geschichte zu geben, im Ganzen wohl festgehalten hat, und in Auswahl des Stoffs nicht ungeschickt verfahren ist. Daß die Geschichte der Kaiser mit größerer Ausführlichkeit als die der Republik und die der letzteren wieder umständlicher als die der Könige behandelt ist, dürfte dem Schriftsteller kaum zum Vorwurfe gereichen. Denn die Natur der Sache gebot [7] gewissermaßen diese Anordnung, und jedenfalls konnte eine solche Anlage im Plane der Darstellung liegen. Uebrigens läßt sich zugleich nicht leugnen, daß manche Nebensachen, wie gewissen Anekdoten aus der Geschichte der Könige und Konsuln, besondre Aufmerksamkeit gewidmet wird, während höchst wichtige Epochen, wie z. B. der unmittelbare Uebergang zum Kaiserthum und größtentheils die Geschichte des inneren Verwaltungs- und Kulturzustandes mit Nachlaßigkeit behandelt sind. – Im Allgemeinen kann man sich auf die Wahrheit der erzählten Thatsachen verlassen, und die Berichte Eutrop’s sind für den betreffenden Theil der Kaisergeshichte nicht ganz unwichtig: dagegen sind manche Einzelnheiten, und namentlich Zeitangaben nicht immer richtig angeführt.1 Nichts desto weniger hat Eutrop’s Werk schon in den frühesten Zeiten eine gewisse Berühmtheit erlangt, wie denn Sextus Rufus noch in seinem eigenen Zeitalter Auszüge aus demselben machte. – Man hat Vermuthungen, daß Eutrop außer gegenwärtiger noch andere Schriften verfaßt habe: indeß sind keine weitere auf uns gekommen.
[8] Die Schreibart Eutrop’s ist zwar nicht so beschaffen, daß sie einen der klassischen Latinität gerade entgegengesetzten Eindruck machte: ja manche Formen und Wendungen sind der Manier einer geschmackvolleren Zeit völlig treu gehalten. Uebrigens ist doch nicht zu verkennen, daß weder auf die Darstellung besondere Sorgfalt verwendet, noch den Barbarismen eines späteren Zeitalters mit derjenigen Aufmerksamkeit ausgewichen ist, welche von einem Schriftſteller zu erwarten gewesen wäre, der mit den Werken einer besseren Zeit der Natur der Sache nach vertraut seyn mußte. Doch eben diese Nachläßigkeit gehört ja mit zum Charakter dieser spätern Schriftsteller. Der Uebersetzung wurden hauptsächlich die Ausgaben von Tzschucke (Leipz. 1796 und 1804), ferner die Große’sche Ausgabe (Halle 1813), so wie die Högersche (München 1816) zu Grunde gelegt.
1 Die Verbesserungen der Zeitrechnung sind in dieser Uebersetzung, wo es nöthig schien, in Anmerkungen und Parenthesen beigefügt.
