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10. Buch

1. Nachdem Diocletianus und Herculius von der Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten sich zurückgezogen hatten, wurden Constantius und Galerius zu Kaisern gewählt. Es wurde das Römische Reich unter Diese also vertheilt, daß Constantius Gallien, Italien, Afrika, Galerius Illyrien, Asien und die Morgenländer erhielt. Jeder Derselben nahm einen Cäsar an. Constantius war indeß mit der Würde eines Augustus zufrieden, und wollte sich mit der mühevollen Verwaltung von Italien und Afrika nicht befassen. Dieser war ein Mann von vielen Vorzügen und namentlich voll edler Menschenfreundlichkeit. Die Emporbringung des Wohlstandes der Provinzbewohner und Bürger war ihm eine dringende Angelegenheit: weniger war er auf Gewinn für den kaiserlichen Schatz bedacht und pflegte zu sagen, es sey zuträglicher, wenn der Staatsreichthum in den Händen der Bürger sich befinde, als wenn er in Einem Behälter verwahrt werde. Seine Lebensweise war so einfach, daß er sich genöthigt sah, bei festlichen Gelegenheiten, wenn mehr Gäste als gewöhnlich zur Tafel geladen wurden, in mehreren Häusern für die Bedürfnisse der Tafel Silbergeschirr entlehnen zu lassen. Indeß besaß er nicht blos die Liebe, sondern auch die Hochachtung Galliens, insbesondere, weil man durch seine Regierung der lauernden Umsicht Diocletian’s, und der schonungslosen Blutgier Maximian’s entronnen war. Er starb zu Eboracum [306.] in Britannien im dreizehenten Jahre seiner Regierung und wurde unter die Götter versetzt.

2. Galerius war ein Mann von rechtlichen Sitten und war als Krieger ausgezeichnet. Als er, durch den Zurücktritt von Constantius, Italien seinem Verwaltungsgebiet zuwachsen sah, wählte er zwei Cäsarn in der Person von Maximinus, dem er die Regierung in den Morgenländern und Severus, dem er Italien anwies. Er selbst blieb in Illyrien. Nach dem Tode des Constantius wurde jedoch in Britannien Constantinus auf den Kaiserstuhl berufen, ein Sohn Desselben, mit einer Gattin geringeren Standes erzeugt. Durch Niemand, als ihn, sah man die Herrscherstelle seines Vaters gerne ausgefüllt. Zu Rom stand inzwischen die Leibwache auf, und rief den Sohn von Herculius, Maxentius, der sich nicht ferne von der Stadt auf einem dem Staate zugehörigen Gute aufhielt, zum Augustus aus. Auf die Nachricht von diesem Ereignisse wurde Maximianus Herculius von der Hoffnung belebt, den Scepter, welchen er ungerne niedergelegt hatte, wieder in die Hand zu bekommen und eilte deswegen aus Lucanien, das er als Privatmann sich zum Aufenthalt erwählt hatte, und wo er, die reizendsten Umgebungen bewohnend, die Tage seines Alters verlebte, nach Rom. Auch Diocletianus wurde schriftlich von ihm aufgefordert, seine aufgegebenen Gewaltsrechte wieder an sich zu ziehen. Inzwischen that dieses Ansinnen bei Lezterem keine Wirkung. Zur Dämpfung der Unruhen, welche die Leibwache und Maxentius erregt hatten, wurde nun der Cäsar Severus von Galerius mit einem Heere nach Rom geschickt, wurde aber, während er die Stadt berennte, von seinen Soldaten schändlicherweise verlassen.

3. So befestigte sich die Macht des Maxentius und sein Platz auf dem Throne war gesichert. Severus floh und wurde zu Ravenna ermordet, Herculius Maximianus machte inzwischen Anstalten, in einer Versammlung des Heeres seinen Sohn des Purpurs zu berauben, zog sich aber blos einen Aufstand und Beschimpfungen zu. Hierauf reiste er nach Gallien unter dem listig ausgedachten Vorwande, als wäre er von seinem Sohne vertrieben worden, und wollte nun mit seinem Schwiegersohne Constantinus gemeinschaftliche Sache machen. Inzwischen ging er insgeheim damit um, Constantinus mit Gelegenheit aus der Welt zu schaffen: dessen Regierung in Gallien sowohl bei den Soldaten als den Einwohnern sehr beliebt war. Er hatte die Franken und Alkemannen vollständig geschlagen und ihre Könige gefangen genommen, welche er bei den glänzenden Schauspielen, die nach dem Krieg gegeben wurden, wilden Thieren preis gab. Die bösartigen Plane des Herculius wurden aber nun durch seine Tochter Fausta, welche ihrem Gemahl davon Anzeige machte, entdeckt, worauf Jener entfloh, aber in Massilia,1 wo er sich zu seinem Sohne eiuzuschiffen gedachte, eingeholt wurde und durch seinen Untergang die verdiente Strafe empfing [310.]. Ihm war ein Hang zu jeder Härte und Grausamkeit eigen: er war wortbrüchig, eigensinnig, widerwärtig und menschenfeindlich, und jede Herablassung war ihm fremd.

4. Um dieselbe Zeit wurde Licinius von Galerius zum Kaiser erhoben. Er stammte aus Dacien, war durch alte Bekanntschaft ihm vertraut, und hatte sich ihm im Kriege mit Narseus durch Muth, Beharrlichkeit und Diensteifer empfohlen. Sogleich darauf erfolgte der Tod des Galerius. Die Reichsregierung befand sich sonach in den Händen von vier neuen Kaisern, Constantinus und Maxentius, den Söhnen von Kaisern, und den Emporkömmlingen Licinius und Maximinus. Indeß ergriff Constantinus im fünften Jahre seiner Regierung [312.] die Waffen zu einem inneren Kriege gegen Maxentius, schlug dessen Truppen in vielen Gefechten, überwand ihn selbst, der gegen den Adel in Rom mit allen Mitteln der Tyrannei wüthete, bei der Mulvischen Brücke, und nahm von Italien Besitz. Nicht lange darnach machte auch Maximinus gegen Licinius in den Morgenländern unruhige Bewegungen, kam aber seinem nahen Untergang noch durch einen Selbstmord bei Tarsus zuvor.

5. Constantinus, ein Mann von gewaltigem Geiste, entschlossen, alle seine Plane zu verwirklichen, trachtete zugleich nach der Herrschaft über das ganze Reich und bekriegte auch Licinius, obwohl er durch Verwandtschaft und Schwägerschaft mit Jenem verbunden war: denn seine Schwester, Constantia, war mit Licinius vermählt. Zuerst überfiel er plötzlich seinen Schwager im unteren Pannonien bei Cibalä, mitten unter den Anstalten zu einem ernstlichen Kriege und vereitelte diese, bemächtigte sich sodann ganz Dardanien s, Mösien s, Macedonien’s, und bekam unermeßliche Länderstriche in seine Gewalt [314.].

6. Es kam in der Folge noch verschiedenemale zu Feindseligkeiten zwischen ihnen, dann zu Aussöhnungen und neuem Friedensbruche. Endlich, zu Wasser und zu Lande geschlagen, ergab sich Licinius bei Nicomedien [324.], und wurde mit Verletzung heilig beschworner Verträge, in Thessalonich im Privatstande getödtet. Es stand nun das Römische Reich unter Einem Augustus und drei Cäsarn, ein Fall, der noch nie eingetreten war. Es verwalteten nämlich die Söhne Constantin s Gallien, die Morgenländer und Italien. Inzwischen wurde jene herzengewinnende Milde und Fügsamkeit Constantin’s, durch sein ungewöhnliches Glück herabgestimmt. Zuerst verfolgte er seine Verwandte: er ließ seinen Sohn, einen trefflichen Mann und einen Schwestersohn, einen Jüngling von gefälliger Gemüthsart, dann seine Gemahlin und hernach sehr viele Personen aus seiner Umgebung hinrichten.

9. Constantinus konnte in der ersten Zeit seiner Regierung den besten, in der letzten Hälfte nur Fürsten von mittelmäßigem Werthe an die Seite gestellt werden. Es vereinigten sich in ihm sehr viele glänzende Vorzüge des Geistes und Körpers. Nach Kriegsruhm strebte er leidenschaftlich: er hatte in seinen Feldzügen viel Glück, jedoch ohne daß dieses mit seiner Thätigkeit und Geschicklichkeit im Mißverhältniß stand. Verschiedenemale schlug er nach dem bürgerlichen Kriege auch die Gothen und verwilligte ihnen endlich Frieden: wodurch er sich unter den Barbaren in hohem Grade ein dankbares Andenken stiftete. Den bürgerlichen Künsten und schönen Wissenschaften war er sehr ergeben. Er war aufrichtig bemüht, durch jede Art von Freigebigkeit und Gefälligkeit sich gegründete Liebe zu erwerben: gegen Einige seiner Freunde benahm er sich zwar zweideutig, gegen die Uebrigen aber mit ausnehmender Güte, und ließ keine Gelegenheit unbenützt, ihren Wohlstand und ihr Ansehen zu erhöhen.

8. Er gab viele Gesetze, deren einige gut und billig, die meisten aber überflüssig und mehrere endlich hart waren. Er unternahm es, zuerst die Stadt, welche seinen Namen führt, zu einer solchen Stufe von Glanz zu erheben, daß sie mit Rom wetteifern konnte. Eben war er mit Anstalten zu einem Kriege gegen die Parther beschäftigt, welche damals Mesopotamien durch Einfälle beschwerlich wurden, als er in Nicomedien auf einem Staatsgute nach einer ein und dreißigjährigen Regierung sechs und sechzig Jahre alt starb [337.]. Sein Tod wurde durch einen Schweifstern von ungewöhnlicher Größe, der sich eine Zeitlang am Himmel zeigte, vorherverkündet: in der Griechischen Sprache heißt ein solcher Stern Komet. Constantinus wurde verdientermaßen unter die Götter versetzt.

9. Als Nachfolger hinterließ er seine drei eigenen Söhne und einen Bruderssohn. Indeß wurde der Cäsar Dalmatius, ein Mann von den vielversprechendsten Anlagen, und seinem Oheim nicht unähnlich, in Folge einer Verschwörung der Soldaten umgebracht, die Constantius, sein Vetter, zwar nicht eingeleitet, jedoch auch nicht gehindert hatte. Sodann wurde Constantinus, der seinen Bruder bekriegte, und bei Aquileja sich unvorsichtigerweise in ein Treffen einließ, von den Heerführern des Constans getödtet. So kam der Staat wieder in die Hände von zwei Kaisern [340.]. Constans regierte eine Zeitlang kraftvoll und gerecht. Nachher aber, als er an seiner Gesundheit zu leiden anfing und von schlechten Räthen umgeben war, gerieth er in gefährliche Verirrungen, machte sich den Provinzbewohnern unerträglich, den Soldaten gehässig, und wurde durch eine Verschwörung des Magnentius ums Leben gebracht [350.]. In der Nähe der Spanischen Grenze in einem festen Platze, Namens Helena2 starb er im siebenzehenten Jahre seiner Regieruug uud im dreißigsten seines Lebens: seine meisten kriegerischen Unternehmungen zeugten von Tapferkeit: er war sein ganzes Leben hindurch, ohne grausame Strenge anzuwenden, vom Heere gefürchtet.

10. Constantius erfuhr verschiedene Wechsel des Glückes. Durch die Perser litt er manche empfindliche Verluste, sie nahmen manche Städte weg, berennten audere, schlugen seine Heere: nicht Einmal focht er mit Sapor glücklich. Zwar hatte er bei Singara den Sieg schon in der Hand, allein der stürmische Muth seiner Soldaten entriß ihm denselben wieder, indem Diese auf eine unbotmäßige und tolldreiste Art gegen alle Kriegsregel, verlangten, noch am späten Abend in die Schlacht geführt zu werden. Nach dem Tode des Constans hatte Magnentius Italien, Afrika und Gallien inne, aber auch in Illyrien gab es einen Aufstand, indem Vetranio durch den ausgesprochenen Willen der Soldaten auf den Thron berufen wurde. Dieser war schon sehr bejahrt, aber lange und glückliche Kriegsdienste hatten ihn allgemein beliebt gemacht: dieses war der Grund, warum ihm zur Sicherung Illyriens die Kaiserwürde übertragen wurde. Er war ohne Zweifel ein redlicher Mann von altbiederem Wesen und empfehlender Leutseligkeit: übrigens war er ohne alle wissenschaftliche Bildung: ja selbst die ersten Anfangsgründe des Wissens mußte er erst in hohem Alter als Kaiser lernen.

11. Aber Constantius, der, um die Ermordung seines Bruders zu rächen, das Heer zum einheimischen Kriege aufgeboten hatte, entsetzte den Vetranio des Kaiserthrons. Dieß geschah auf eine neue und ungewöhnliche Weise, indem eine Aufforderung der Soldaten ihn zur Niederlegung der kaiserlichen Insignien zwang. Auch in Rom fielen unruhige Auftritte vor, indem Nepotianus, ein Schwestersohn von Constantinus, mit Hülfe der Fechter die Zügel der Regierung an sich riß. Sein Ende entsprach dem stürmischgrausamen Wesen womit er begonnen hatte. Denn nach acht und zwanzig Tagen wurde er von den Feldherren des Magnentius gestürzt und erlitt die gebührende Strafe: sein Haupt wurde auf einen Spieß gesteckt und in der Stadt herumgetragen. Grausame Achtserklärungen und Hinrichtungen wurden nun über die Vornehmen verhängt.

12. Nicht lange darnach wurde Magnentius bei Mursa geschlagen und beinahe gefangen. In diesem Kampfe wurden die besten Kräfte des Reiches, fähig jeden auswärtigen Feind zu bekämpfen, verschwendet, wodurch manche Triumphe und Sicherungsmittel hätten errungen werden können. Den Morgenländern übergab Constantius einen Cäsar in der Person seines Vetters Gallus. Magnentius wurde in verschiedenen Treffen geschlagen, und endete bei Lyon, durch Selbstmord, im dritten Jahre und siebenten Monate seiner Regierung. Seinem Beispiele folgte sein Bruder, den er zur Deckung Galliens als Cäsar dahin geschickt hatte, zu Senoni [Sens].

13. Um diese Zeit ließ Constantius den Cäsar Gallus, nachdem Dieser viele menschenfeindliche Gewaltstreiche begangen hatte, hinrichten [354.]. Dieser hatte einen heftigen Charakter und wäre ein völliger Tyrann geworden, wenn er unumschränkt hätte regieren können. Auch Silvanus machte in Gallien unruhige Bewegungen, wurde aber innerhalb dreißig Tagen gestürzt: und damals stand an der Spitze der Reichsangelegenheiten als einziger Gebieter Augustus Constantius. 1

14. In kurzem sandte er Julianus als Cäsar nach Gallien. Dieser war sein Vetter, ein Bruder von Gallus, und erhielt eine Schwester von ihm zur Gemahlin. Schon hatten die Barbaren viele Städte erobert, andere eingeschlossen; weithin lag Alles in grausenhafter Verwüstung: und der Umsturz der Römischen Herrschaft schien bei dieser entscheidenden Noth nicht mehr ferne: da wurden von Julianus bei der Gallischen Stadt Argentoratum [Strasburg] mit geringen Mitteln zahlreiche Heeresmassen der Allemannen aufgerieben, ihr vornehmster König gefangen und Gallien dem Reiche wieder gegeben. Derselbe Julianus führte auch nachher noch die glänzendsten Unternehmungen gegen die Barbaren aus: die Deuschen wurden über den Rhein zurückgedrängt, und das Römische Reich erhielt wieder seine alten Grenzen.

15. Nicht lange darauf, als man dem Römischen Heere an Deutschlands Grenze die Bewachung Galliens abnehmen wollte, wurde Julianus durch einstimmigen Zuruf der Soldaten zum Augustus erhoben [360.], und begab sich in Jahresfrist nach Illyrien, um dieses in Besitz zu nehmen, indem Constantius im Kriege mit den Parthern beschäftigt war. Als Dieser vom Stande der Dinge Nachricht erhielt, kehrte er um, einen einheimischen Krieg zu eröffnen, starb jedoch auf dem Zuge zwischen Cilicien und Cappadocien, im acht und dreißigsten Jahre seiner Regierung und im fünf und vierzigsten seines Alters. Es ward ihm die Ehre zu Theil, unter die Götter versetzt zu werden. Er war ein Fürst von ungemeinem Gleichmuth: gefällig, doch allzu leichtgläubig gegen seine Freunde und Vertrauten; später ließ er auch seiner Gemahlin zu viel Einfluß. In seinen ersten Regierungsjahren trat er äußerst anspruchlos auf, bereicherte seine Umgebungen und versetzte Alle, die ihm aufopfernd gedient hatten, auf ehrenvolle Posten. Uebrigens neigte er sich zu allzu harten Maßregeln hin, wenn der Verdacht bei ihm erweckt wurde, als habe Jemand Absichten auf die Krone: außerdem war er mild gesinnt. Was endlich seine kriegerischen Unternehmungen betrifft, so begünstigte ihn das Glück in den bürgerlichen Kriegen mehr, als in den auswärtigen.

16. Jetzt bestieg Julianus den Thron, und bekriegte die Parther mit Aufbietung aller möglichen Hülfsmittel. Diesem Feldzuge wohnte ich selbst auch bei. Einige Persische Städte und feste Plätze gewann er durch Uebergabe oder durch Waffengewalt: Assyrien verwüstete er. Eine Zeitlang hatte er sein Standlager bei Ctesiphon, trat sodann als Sieger den Rückzug an; da er sich aber zu unbedachtsam und verwegen in das Getümmel der Gefechte mischte, wurde er von Feindes Hand den 26. Junius [365.] getödtet, im siebenten Jahre seiner Regierung und im ein und dreißigsten seines Alters. Er wurde unter die Götter versetzt. Unstreitig war er ein Mann von hohen Vorzügen und würde den Staat ruhmvoll beherrscht haben, hätte nicht das Schicksal ihm ein frühes Lebensziel gesteckt. Er besaß einen hohen Grad von wissenschaftlicher Bildung in dem Fache der freien Künste: mit der Griechischen Literatur war er vertrauter, und ohne Vergleichung besser darin unterrichtet, als im Lateinischen. Er hatte eine entschiedene, ihm jederzeit zu Gebot stehende Rednergabe und das treuste Gedächtniß: in einigen Hinsichten näherte er sich allzu sehr dem Wesen eines Philosophen. Gegen seine Umgebung bezeugte er sich wohlwollend, wählte diesselbe jedoch nicht mit der Zartheit aus, die von einem Fürsten so hohen Ranges zu erwarten gewesen wäre: denn es gab unter derselben Solche, die seinem Ruhme Nachtheil brachten. Die Unterthanen in den Provinzen behandelte er mit der größten Gerechtigkeitsliebe, und setzte die Abgaben, soweit es die Umstände gestatteten, herab. Jedermann begegnete er leutselig: dem öffentlichen Schatz widmete er keine besondere Aufmerksamkeit: gierig nach Ruhm, wußte er gewöhnlich seinen Muth nicht zu zügeln. Die christliche Religion verfolgte er [mit übertriebenem Eifer],3 ohne jedoch sich blutige Maßregeln zu erlauben. Er war dem Marcus Antoninus nicht unähnlich und bemühte sich wirklich, Denselben nachzuahmen.

17. Nach ihm wurde Jovianus, der damals unter der Leibwache diente, durch den einstimmigen Willen des Heeres an s Staatsruder gestellt. Jedoch war er mehr durch die Beliebtheit seines Vaters, als durch eigeue Vorzüge den Soldaten bekannt. Schon war man in Verlegenheit und Bestürzung: das Heer litt durch Mangel an Lebensbedürfnissen und einige Treffen fielen zu seinem Nachtheil aus. Da schloß er mit Sapor einen, zwar durch die Umstände gebotenen, übrigens unrühmlichen Frieden. Der Kaiser mußte einen Verlust an Gebiet erleiden: ein Theil des Römischen Reichs wurde dem Feinde überlassen, was in 1118 Jahren, seit der Römische Staat gestiftet war, niemals geschehen war. Zwar waren unsre Legionen bei Caudium von Pontius Telesinus, so wie in Spanien bei Numantia und in Numidien unter dem Joch hindurch geführt worden, ohne daß jedoch jemals ein Theil des Gebietes abgetreten worden wäre. Indeß wäre gegen diesen Punkt des Friedensschlusses immer noch nicht so viel einzuwenden gewesen, wenn der Kaiser die Uebereinkunft, als dieß in seiner Macht stand, wieder hätte aufheben wollen, wie solches denn durch die Römer nach allen vorhin erwähnten Kriegen geschah. Die Samniter, Numantiner und Numidier wurden nämlich alsbald wieder bekriegt, und dem Friedenschlusse keine Gültigkeit ertheilt. Aber weil Jovianus Nebenbuhler um den Thron fürchtete, wenn er sich länger in den Morgenländern aufhielte: so trat er, gleichgültig gegen seine Ehre, den Rückzug an, nahm die Richtung nach Illyrien, starb aber noch innerhalb Galatiens eines plötzlichen Todes. Er war übrigens ein Mann, dem es weder an Thätigkeit noch Klugheit fehlte.

18. Manche waren der Meinung, er sey an einer Störung im Verdauungsgeschäft gestorben: denn er hatte bei der Abendtafel so lange verweilt und viel genossen. Andre schrieben seinen Tod den Ausdünstungen seines Schlafgemachs zu, das frisch übertüncht, und deswegen für den Uebernachtenden gefährlich war: Andere dem Dampfe der Kohlen, die er wegen eingetretener empfindlicher Kälte in großer Anzahl anzünden ließ. Er starb den 16. Februar [364.] im siebenten Monate seiner Regierung, und nach mittleren Angaben, im drei und dreißigsten Jahre seines Alters. Durch das Wohlwollen der ihm nachfolgenden Regenten wurde er unter die Götter versetzt. Er hatte nämlich einen Hang zur Leutseligkeit: auch war er von Natur sehr freigebig. Dieses war der Stand der öffentlichen Angelegenheiten im Jahre der Stadt 1119, unter dem Consulate des bisher erwähnten Jovianus und des Varronianus. Da nun die Geschichte bis zur Regierungszeit ruhmgekrönter, ehrwürdiger Fürsten fortgeführt ist, so wollen wir einstweilen dieses Werk schließen. Denn die ferneren Ereignisse müßen in einer würdigeren Sprache dargestellt werden: wir werden dieselben nicht unberücksichtigt lassen, sondern vielmehr einer sorgfältigeren Bearbeitung vorbehalten.

Anmerkungen

1 Lag in der Nähe des heutigen Marseille.

2 Jetzt Elen bei Perpignan.

3 Dieser Beisatz fehlt in einigen Handschriften.

Highlights

  • Anonyme Kaisergeschichte
  • Sueton: Kaiserbiographien
  • Curtius Rufus: Geschichte Alexanders des Großen

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