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Antiquitas
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6. Buch

1 (1) 1 [171] [Während dieser Ereignisse in Asien waren auch die Verhältnisse in Griechenland und Makedonien nicht friedlich. König der Lakedämonier war Agis, Sohn des Archidamus, der den Tarentinern zu Hilfe ziehend umgekommen war, am gleichen Tage, wo Philipp die Athener bei Chäronea besiegte. Dieser, der mit Alexander an Tüchtigkeit wetteiferte, stachelte seine Mitbürger auf, die Knechtung Griechenlands durch die Makedonier nicht länger zu dulden; sonst sähen sie sich nicht bei Zeiten vor, würden auch sie das gleiche Joch zu tragen haben. Man müsse also einen Versuch machen, so lange die Perser noch einige Widerstandskraft besäßen: seien diese unterdrückt, so würden sie der ungeheuern Übermacht gegenüber vergebens der Freiheit ihrer Voreltern gedenken. Als so die Gemüter bearbeitet waren, sah man sich nach einer Gelegenheit um, den Krieg unter vorteilhaften Umständen zu beginnen. Die günstigen Erfolge Memnons veranlaßten sie, gemeinschaftliche Pläne mit ihm zu verfolgen; aber auch als ein allzufrüher Tod dessen glückliche Unternehmungen gleich im Beginn unterbrochen hatte, ermattete ihr Eifer keineswegs. Vielmehr begab sich Agis zu Pharnabazus und Autophradates, und erhielt von ihnen 30 Talente Silbers und zehn Dreiruderer, die er seinem Bruder Agesilaus sandte, um damit nach Kreta zu schiffen, dessen Bewohner teils den Lakedämoniern, teils den Makedoniern anhingen. Auch an Darius wurden Gesandte geschickt, welche bedeutendere Kriegssubsidien und mehr Schiffe erbitten sollten. Und dies ihr [172] Beginnen, weit entfernt durch die dazwischengekommene Niederlage bei Issus unterbrochen zu werden, wurde dadurch vielmehr gefördert. Einesteils nämlich ließ sich Alexander durch die Verfolgung des fliehenden Feindes weiter und weiter in entlegene Gegenden fortreißen, andernteils waren eine außerordentliche Anzahl aus jener Schlacht geflüchteter Soldtruppen nach Griechenland gelangt. Ihrer 8000 warb Agis mittels des persischen Geldes an und gewann mit ihrer Hilfe die meisten Städte von Kreta. Als hierauf der thrakische Feldhauptmann Menon die Barbaren zum Abfall von Makedonien veranlaßt, und Antipater, die Bewegung zu unterdrücken, ein Heer nach Thrakien geführt hatte, so benutzten die Lakedämonier diese günstige Gelegenheit aufs eifrigste, den gesamten Peloponnes mit Ausnahme weniger Städte auf ihre Seite zu ziehen, und brachten ein Heer von 20 000 Mann zu Fuß und 2000 Reitern zusammen, dessen Oberbefehl sie dem Agis übertrugen. Auf diese Nachricht hin beendigte Antipater den Krieg in Thrakien um jeden Preis, und eiligst nach Griechenland zurückgekehrt, zog er die Kontingente der befreundeten und verbündeten Staaten zusammen. Eine Musterung dieser Streitkräfte ergab eine Zahl von 40 000 Kämpfern. Auch aus dem Peleponnes war eine nicht unbeträchtliche Schar erschienen; doch von deren zweifelhafter Treue unterrichtet, sprach er ihnen, ohne seinen Verdacht merken zu lassen, seinen Dank aus, daß sie zur Wahrung von Alexanders Ansehen den Lakedämoniern gegenüber bereit gewesen wären: er werde dies dem König schreiben, der sich seiner Zeit dankbar beweisen werde. Für den Augenblick bedürfe er weiterer Truppen nicht: darum sollten sie, nachdem sie ihrer Bundespflicht genügt, wieder heimkehren. Dann schickte er Boten an Alexander, ihn von dem Aufstande in Griechenland zu benachrichtigen; doch holten diese den König erst in Bactra ein, während mittlerweile durch Antipaters Sieg und Agis’ Tod in Arkadien alles beendigt war. Allerdings hatte Alexander auf die Nachricht von den Unruhen der Lakedämonier schon früher, so weit er es bei der räumlichen Trennung durch so viele Länder vermochte, Vorkehrungen getroffen: Amphoterus hatte den Auftrag erhalten, mit den cyprischen und phönikischen Schiffen nach dem Peloponnes zu segeln, Menes aber, 3000 Talente nach der Meeresküste zu schaffen, um aus der Nähe den Antipater mit soviel Geld zu [173] versehen, als er ihn dessen bedürftig fände. Denn es war ihm nicht entgangen, von wie großem Gewicht in jeder Beziehung der Ausschlag dieser Bewegung sein werde, wenn er auch nachher bei der Siegesbotschaft, diese Entscheidung mit seinen eigenen Thaten vergleichend, spottete, es sei ein Kampf von Mäusen gewesen. Übrigens gestaltete sich der Beginn des Krieges für die Lakedämonier nicht ungünstig. Bei der Feste Corrhagus in Makedonien waren sie mit Antipaters Truppen zusammengestoßen und Sieger geblieben, und die Kunde von ihrem glücklichen Erfolge zog auch die auf ihre Seite, welche zweifelhaften Sinnes die Wendung des Schicksals abgewartet hatten. Von den eleischen und achäischen Städten wies allein Pellene das Bündnis mit ihnen zurück; in Arkadien blieb Megalopolis, der von Philipp empfangenen Wohlthaten eingedenk, den Makedoniern treu gesinnt. Letzteres wurde jedoch eng eingeschlossen, und war nahe daran sich zu ergeben, wäre nicht endlich Antipater zu Hilfe geeilt. Als dieser sich angesichts des Feindes gelagert hatte, und sich an Truppenzahl und sonstigem Kriegsapparat überlegen fand, beschloß er, sobald als möglich eine Entscheidungsschlacht zu kämpfen; und auch die Lakedämonier verweigerten den Kampf nicht. So kam es zur Schlacht, die Spartas Geschick einen harten Stoß versetzte. Im Vertrauen nämlich auf das enge Terrain, worauf man kämpfte, und wo, wie sie hofften, dem Feinde seine Überzahl nichts nützen werde, griffen sie feurigen Mutes an, und da die Makedonier herzhaften Widerstand leisteten, so gab es ein großes Blutvergießen. Wie aber Antipater den bedrängten Seinigen allmählich frische Mannschaften zu Hilfe schickte, wichen die lakedämonischen Reihen vor ihrem Stoße ein wenig zurück. Kaum gewahrte dies Agis, als er sich mit der königlichen Abteilung, die aus den Tapfersten bestand,] mitten in die Entscheidung des Kampfes warf, alle, welche kräftigeren Widerstand leisteten, niederhieb und einen großen Teil der Feinde vor sich her trieb. Die Sieger hatten bereits zu fliehen begonnen und sanken wehrlos, so lange bis sie die zu eifrigen Verfolger in die Ebene herabgelockt hatten: sobald sich ihnen aber ein Ort bot, wo sie festen Fuß fassen konnten, wurde wieder mit gleichen Kräften gestritten. Unter allen Lakedämoniern jedoch zeichnete sich ihr König aus, nicht allein durch Waffenschmuck und Körpergestalt, sondern auch durch hohen Mut, woran es ihm niemand gleichthun [174] konnte. Von allen Seiten, bald aus der Nähe, bald aus der Ferne wurde nach ihm gezielt und lange, ringsum die Waffen schwenkend, fing er hier die Geschosse mit dem Schilde auf und vermied sie dort durch eine Körperwendung, bis seine Schenkel von einem Speere durchbohrt wurden, und er nach großem Blutverluste kämpfend zusammensank. Seine Waffenträger nahmen ihn daher auf sein Schild und trugen ihn eiligst ins Lager zurück, unter kaum erträglichen Schmerzen durch die Erschütterung seiner Wunden. Dennoch gaben die Lakedämonier den Kampf nicht auf, und sobald sie ein Terrain erreichen konnten, das für sie günstiger war als für den Feind, empfingen sie in dicht gedrängter Stellung die stürmisch heranflutende Schlachtordnung desselben. Von keinem andern Kampfe berichtet die Geschichte, daß er hartnäckiger gewesen sei. Die Heere zweier im Kriege hochberühmter Nationen stritten mit gleicher Tapferkeit. Den Lakedämoniern schwebte ihr alter, den Makedoniern ihr gegenwärtiger Ruhm vor Augen; jene kämpften für ihre Freiheit, diese für ihre Herrschaft; den Lakedämoniern fehlte ihr Führer, den Makedoniern Raum sich zu entfalten. Selbst der so mannigfaltige Glückswechsel des einen Tages mehrte bald die Hoffnung, bald die Furcht beider Parteien, indem das Schicksal, wie mit Absicht, den Streit zwischen diesen tapfern Männern in der Schwebe hielt. Übrigens ließ der enge Raum, in welchem sich der Kampf festgesetzt hatte, nicht zu, sich mit allen Streitkräften daran zu beteiligen: mehr daher warteten auf den Kampf, als in denselben verwickelt waren, und die außerhalb Schußweite Befindlichen feuerten wechselweise die Ihrigen durch Geschrei an.

2 (1) Endlich ermattete das Heer der Lakedämonier, die von Schweiß triefenden Waffen kaum mehr zu halten im stande; dann fing es an zurückzuweichen und vor dem Andrange des Feindes entschiedener zu fliehen. Den Zerstreuten folgten die Sieger und erreichten, nachdem sie den ganzen Raum, den die lakedämonische Schlachtordnung eingenommen hatte, im Laufe durchmessen hatten, den Agis selbst. Sobald dieser die Flucht der Seinigen und die nächsten Feinde gewahr wurde, ließ er sich niedersetzen und versuchte seine Glieder, ob sie noch seinem Kampfesmut gehorchen könnten. Da er sie jedoch versagen fühlte, ließ er sich auf die Knie nieder, nahm mutig seinen Helm, deckte den Körper mit dem Schilde und schwang mit der Rechten [175] den Speer, selbst den Feind herausfordernd, obwohl einer wagte, ihm, dem am Boden liegenden, die Waffe zu entreißen. Aber keiner fand sich, der sich getraut hätte, mit ihm handgemein zu werden. Aus der Ferne warf man mit Geschossen nach ihm, die er selbst wieder gegen den Feind schleuderte, bis ihm eine Lanze in die unbedeckte Brust fuhr. Als er dieselbe aus der Wunde gezogen, lehnte er das geneigte und ermattende Haupt ein wenig gegen den Schild und sank dann, indem mit dem strömenden Blut zugleich der Atem entwich, sterbend auf seine Waffen nieder. Von den Lakedämoniern fielen 5300, von den Makedoniern nicht mehr als 1000; doch kehrte kaum einer von ihnen unverwundet ins Lager zurück.

3 (1) Dieser Sieg brach nicht nur den Mut Spartas und seiner Bundesgenossen, sondern auch aller derer, die auf den Ausgang des Krieges gewartet hatten. Auch entging es Antipater nicht, daß die Mienen der Glückwünschenden nicht mit ihren Gesinnungen überein stimmten; doch da er den Krieg zu beenden wünschte, mußte er sich täuschen lassen. Und obwohl der Erfolg seiner Thaten ihm schmeichelte, fürchtete er dennoch den Neid, weil das Geschehene wichtiger war, als es der beschränkten Stellung eines Statthalters angemessen schien. Denn Alexander hatte zwar die Feinde besiegt gewünscht, daß aber Antipater der Sieger war, trug er nicht einmal mit verschwiegenem Unmut, indem ihm seinem eigenen Ruhme entzogen deuchte, was fremdem zu teil geworden war. Darum wagte Antipater, der des Königs stolzen Sinn wohl kannte, nicht nach eigener Willkür bei seinem Siege zu verfahren, sondern befragte eine Versammlung der Griechen2, was sie meinten, das geschehen solle. Die Lakedämonier erlangten nur die Erlaubnis, Gesandte an den König schicken zu dürfen, den Tegeaten wurde Verzeihung für ihren Abfall, mit Ausnahme der Urheber desselben. Den Megalopolitanern, deren Stadt von den verbündeten Empörern belagert worden war, mußten die Achäer und Eleer 120 Talente zahlen. Dies war der Ausgang des Krieges, der, plötzlich entbrannt, dennoch eher geendet wurde, als Alexander den Darius bei Arbela besiegte.

4 (1) [176] Sobald jedoch Alexanders Geist der bedrängenden Sorgen entlastet war, stürzte er sich, mehr geeignet die Anstrengung des Krieges als Ruhe und Muße zu ertragen, in üppige Vergnügungen, und den die Waffen der Perser nicht bezwungen hatten, besiegten in ihre Laster: die maßlosen Schwelgereien, die unsinnige Lust an nächtlichen Trinkgelagen, die Spiele und die Herden von Buhlerinnen, alles neigte zu den fremden Sitten hin. Und indem er diese, gleich als wären sie besser wie die heimischen, nachahmte, beleidigte er die Gemüter und Augen seiner Landsleute so sehr, daß er von denen meisten seiner Freunde wie ein Feind betrachtet wurde. Denn er hatte die, die treu an ihrer alten Sitte hingen und gewohnt waren, sich eine mit sparsamer und leicht zu beschaffender Kost zur Stillung ihrer natürlichen Bedürfnisse zu begnügen, zu den fremdartigen Lastern besiegter Völker verlockt. Daher nun öfter gegen sein Leben gerichtete Nachstellungen, Empörung der Soldaten und freiere Äußerungen des Unwillens bei ihren wechselseitigen Klagen, dann von seiner Seite bald Zorn, bald Mißtrauen, wie es ihm unbedachte Furcht eingab, und anderes dem ähnliches, wovon seiner Zeit gesprochen werden soll.

5 (1) Während er also Tage sowohl als Nächte mit maßlosen Schlemmereien hinbrachte, unterbrach er die Übersättigung am Schmausen durch Spiele, wobei er sich nicht mit dem Künstlervolk begnügte, das er aus Griechenland hatte holen lassen; denn er ließ auch die gefangenen Weiber ihre gewohnten Weisen singen, eine rohe und für fremde Ohren mißtönende Musik. Unter diesen Weibern erblickte der König eine, die trauriger war als die andern und sich ihrer Vorführung sittsam widersetzte. Sie war von ausgezeichneter Schönheit und ihre Schönheit wurde durch Züchtigkeit geadelt: ihre Augen zu Boden gesenkt und das Antlitz so weit als möglich verhüllt, erweckte sie beim Könige die Vermutung, daß sie vornehmeren Standes sei, als daß es sich geziemt hätte, sie unter dem Zeitvertreib beim Gastmahl aufzuführen. Befragt also, wer sie sei, erwiderte sie, sie sei die Enkeltochter des Ochus, der noch vor kurzem in Persien geherrscht habe, und zwar die Tochter seines Sohnes; vermählt sei sie mit Hystaspes gewesen, einem Verwandten des Darius und selbst auch Befehlshaber einer großen Heeresabteilung. Noch hatten sich im Gemüt des Königs geringe Spuren seines früheren Charakters erhalten. Daher befahl er [177] aus Achtung vor dem Range der Königstochter und einem so berühmten Namen, nicht nur die Gefangene zu entlassen, sondern ihr auch ihre Schäße zurückzuerstatten, sowie nach ihrem Gemahle Nachforschungen anzustellen, um ihm, wenn man ihn ausfindig gemacht, seine Gattin zurückzugeben. Am folgenden Tage aber befahl er dem Hephästion, alle Gefangenen in den königlichen Palast bringen zu lassen. Dort erforschte er die Abkunft jedes einzelnen und sonderte diejenigen, die durch Geburt ausgezeichnet waren, von der übrigen Menge ab. Es waren deren tausend, unter ihnen der Bruder des Darius, Oxathres, weniger durch die hohe Stellung seines Bruders als durch seinen edeln Charakter hervorragend. Von der zuletzt gemachten Beute waren sechsundzwanzigtausend Talente eingebracht worden, von denen zwölftausend zu einem Geschenk an die Soldaten verwendet wurden; die gleiche Summe wurde durch den Betrug der Wächter unterschlagen. Ein vornehmer Perser namens Oxydates, von Darius zum Tode verurteilt, befand sich in Ketten und Banden. Diesen befreite Alexander und gab ihm die Satrapie Medien; Darius’ Bruder aber nahm er in das Korps der sogenannten Freunde auf und ließ ihm alle Ehrenzeichen seiner früheren Herrlichkeit.

6 (1) Von hier kam man in die Landschaft Parthiëne3, die, damals wenig bekannt, jetzt das Haupt aller Völker ist, die hinter dem Euphrat und Tigris bis zum Indischen Ozean hin wohnen. Skythen haben das ebene und fruchtbare Land in Besitz genommen, ein noch heute seinen Nachbarn lästiger Volksstamm.4 Ihre Wohnsitze haben sie sowohl in Europa als in Asien: die östlich vom kimmerischen Bosporus wohnenden werden zu Asien gerechnet; die europäischen erstrecken sich von der linken Seite Thrakiens bis zum Borysthenes5 und von da in gerader Richtung bis zum Tanaïs, einem andern Flusse, der [178] gerade auf der Grenze zwischen Europa und Asien fließt. Kein Zweifel aber, daß die Skythen, die das Partherreich gegründet haben, nicht vom Bosporus, sondern aus den Gegenden Europas bis dorthin vorgedrungen sind. Es befand sich dort eine damals bedeutende Stadt, namens Hekatompylos, von Griechen gegründet6: hierselbst hielt der König ein Standlager und hatte von allen Seiten Zufuhr herbeiführen lassen. Daher verbreitete sich, man weiß nicht durch wen, ein Gerücht, nach Art müßiger Soldatenlügen, der König habe, zufrieden mit den vollbrachten Thaten, beschlossen, sofort nach Makedonien zurückzukehren. Alles rennt wie unsinnig in die Zelte und macht das Gepäck für den Marsch zurecht: man hätte glauben können, es sei das Signal zum Aufpacken gegeben. Der Tummult im ganzen Lager, indem man hier seine Zeltkameraden suchte, dort die Wagen belud, drang bis zum Könige. Das thörichterweise verbreitete Gerücht hatte um so mehr Glauben gefunden, weil die griechischen Söldner Befehl erhalten hatten, in die Heimat zurückzukehren, und jedem ihrer Reiter sechstausend Denare ausgezahlt worden waren. So glaubten sie auch für sich das Ende ihres Kriegsdienstes gekommen. Wie natürlich aufs heftigste erschrocken, da er sich vorgesetzt hatte, Indien und die äußersten Gegenden des Ostens zu durchziehen, berief Alexander die Führer der Truppen in sein Zelt zusammen und klagte unter Thränen, daß er mitten aus seinem Ruhmeslaufe gerissen, mehr in Gestalt eines Besiegten als eines Siegers in das Vaterland zurückkehren werde; nicht aber Feigheit seiner Soldaten stelle sich ihm in den Weg, sondern der Neid der Götter, die in so tapfern Männern plötzlich die Sehnsucht nach dem Vaterlande erweckt hätten, wohin sie doch ein wenig später mit weit mehr Ehre und Ruhm zurückkehren könnten. Da erbot sich ihm jeder für seine Person zu Diensten, verlangte für sich die schwierigsten Aufgaben und verhieß auch Gehorsam von seiten der Soldaten, wenn er ihre Gemüter durch eine milde und geeignete Anrede [179] beruhigen wolle. Niemals seien dieselben gebrochenen und niedergebeugten Mutes zurückgewichen, so oft sie an seinem Feuer und am Schwunge seiner Begeisterung sich hätten erquicken können. Er versprach dies zu thun, nur möchten sie ihm die Ohren der Menge vorher geneigt machen. Nachdem er sich also alles zurecht gelegt, was ihm für seinen Zweck dienlich schien, befahl er das Heer zur Versammlung zu berufen und hielt vor ihm folgende Rede:

7 (1) „Wenn ihr, Soldaten, die großen von uns vollbrachten Thaten überblickt, so ist es durchaus kein Wunder, daß ihr Sehnsucht nach Ruhe und Sättigung am Ruhm empfindet. Um nicht die Illyrier und Triballer7, Böotien, Thrakien, Sparta, Achaja und den Peloponnes zu erwähnen, die teils unter meiner eigenen Führung, teils doch unter meinem Oberbefehl und meiner Leitung bezwungen wurden, laßt uns nur den Verlauf des Krieges vom Hellespont an betrachten: Jonien und Äolis haben wir von der Knechtschaft eines unbändigen Barbarentums befreit, Karien, Lydien, Kappadokien, Phrygien, Paphlagonien, Pamphylien, Pisidien, Cilicien, Syrien, Phönikien, Armenien, Persis, Medien und Parthiëne sind in unserer Gewalt. Mehr Länder habe ich gewonnen, als Andere Städte erobert haben, und vielleicht hat mich bei meiner Aufzählung die Masse des Vollbrachten manches noch vergessen lassen. Hielte ich nun den Besitz der Länder, die wir in solcher Schnelligkeit bezwungen haben, für hinlänglich gesichert, dann, ihr Soldaten, würde ich wahrlich zu meinen Hausaltären, zu Mutter und Schwestern und den übrigen Mitbürgern, selbst wenn ihr mich zurückhalten wolltet, aufbrechen, um am liebsten dort des Ruhmes und der Ehre, die ich mit euch gewonnen, zu genießen, wo uns der reichste Lohn unsres Sieges erwartet, der Jubel unsrer Kinder, Gattinnen und Eltern, Friede, Ruhe und sorgenfreier Besitz der durch unsre Tapferkeit gewonnenen Güter. Aber in einer neuen und, wollen wir die Wahrheit gestehen, noch unsichern Herrschaft, unter deren Joch sich die Barbaren mit störrigem Nacken beugen, da, ihr Soldaten, bedarf es der Zeit, bis sie mildere Sinnesart annehmen, und eine bessere Gewöhnung die Verwilderten zähmt. Auch die Feldfrüchte erwarten ihre Reife erst zur bestimmten Zeit, so [180] daß also selbst die Dinge, die aller Empfindung entbehren, sich dennoch nur nach festen Gesetzen erweichen. Wie? meint ihr nun, so viele Völker, an die Herrschaft und den Namen eines andern gewöhnt, mit uns weder durch Religion noch Sitte noch Umgangssprache verbunden, seien in derselben Schlacht, wo wir sie besiegt, auch bezwungen? Von euren Waffen werden sie im Zaume gehalten, nicht durch ihren eigenen Charakter, und sie, die euch fürchten, so lange ihr gegenwärtig seid, werden, seid ihr fern, eure Feinde sein. Mit wilden Tieren haben wir es zu thun, die, wenn man sie gefangen und eingeschlossen hält, nicht ihre eigene Natur, sondern nur die Länge der Zeit zu zähmen vermag.

8 (1) Und bisher sprach ich so, als ob alles mit den Waffen unterworfen wäre, was unter Darius’ Herrschaft gestanden hat. Aber Hyrkaniens hat sich Nabarzanes bemächtigt; der Königsmörder Bessus besitzt nicht nur Bactra, sondern bedroht uns auch von dort; die Sogdianer, Daher, Massageten, Sacer und Inder sind noch unabhängig. Alle diese, sobald sie uns den Rücken wenden sehen, werden uns verfolgen, denn sie gehören zu ein und derselben Nation; wir sind von fremder Abstammung und Ausländer. Seinen eigenen Stammgenossen aber gehorcht ein jeder bereitwilliger, selbst wenn ein solcher an der Spitze steht, den man mehr Ursache hat zu fürchten. Demnach müssen wir entweder aufgeben, was wir gewonnen, oder erobern, was wir noch nicht haben. Wie die Ärzte in einem kranken Körper keinen schädlichen Stoff zurücklassen, so, ihr Soldaten, wollen wir alles, was sich unserer Herrschaft widersetzt, mit dem Schwerte fällen. Oftmals hat ein kleiner Funke, den man vernachlässigte, einen großen Brand verursacht. Nichts wird beim Feinde ohne Gefahr für die eigene Sicherheit gering geachtet, denn verachtet man ihn, so macht man ihn durch seine Nachlässigkeit nur noch stärker. Auch Darius hat die Herrschaft über die Perser nicht durch Erbschaft gewonnen, sondern ist auf den Thron des Cyrus durch die Begünstigung des Eunuchen Bagoas erhoben worden. Glaubt also ja nicht, daß es dem Bessus schwer fallen würde, sich der erledigten Herrschaft zu bemächtigen.

9 (1) Von uns aber, ihr Soldaten, wäre es ein großer Fehler, wenn wir den Darius um deswillen besiegt hätten, um sein Reich seinem Sklaven zu überliefern: ihm, der das äußerste Verbrechen gewagt [181] und seinen König, der sogar des Beistandes Fremder bedurfte, und den wir, die Sieger, sicherlich verschont hätten, wie einen Gefangenen in Banden gehalten, ja ihn zuletzt getötet hat, damit er nicht von uns gerettet werden könnte. Diesen Menschen wolltet ihr herrschen lassen? ihn, den ich eile ans Kreuz geschlagen zu sehen, zur verdienten Genugthuung für alle Könige und Völker und für die gebrochene Treue? Nein wahrlich, wenn euch in kurzem gemeldet würde, daß eben dieser Mensch die griechischen Städte oder den Hellespont verheere, welchen Schmerz würdet ihr da empfinden, daß dieser Bessus den Lohn eures Sieges davongetragen! Dann werdet ihr eilen, das Verlorene wiederzugewinnen, dann zu den Waffen greifen. Wieviel besser ist es jedoch, den noch Erschrockenen und kaum der Besinnung Mächtigen zu überwältigen! Nur ein Marsch von vier Tagen ist uns noch übrig, uns, die wir so viele Schneefelder überschritten, so viele Ströme durchsetzt, so viele Bergjoche überstiegen haben. Hier hält unsern Marsch nicht jenes Meer auf, das aufbrausend mit seinen Wogen den Weg bedeckt, nicht schließen uns die Schluchten und Engpässe Ciliciens ein: alles ist eben und ohne Schwierigkeit. Auf der Schwelle des Sieges selbst stehen wir. Nur mit einigen wenigen Flüchtlingen und Mördern ihres Gebieters haben wir es noch zu thun. Bei Gott! eine herrliche That, die unter eure ruhmvollsten zu zählen sein wird, werdet ihr der Nachwelt und der Geschichte überliefern: daß ihr sogar an eures Feindes Darius Mördern, nachdem mit seinem Tode der Haß gegen ihn erloschen war, Rache genommen, und daß kein Verräter euren Händen entronnen ist. Habt ihr dies vollbracht, um wieviel williger, glaubt ihr, werden dann die Perser sein zu gehorchen, wenn sie einsehen, daß ihr gerechte Kriege führt und nur der Schandthat des Bessus, nicht ihrer Nation zürnt!“

10 (1) Mit der lebhaftesten Zustimmung wurde diese Rede von den Soldaten aufgenommen, die ihm zuriefen, sie zu führen, wohin er immer wolle. Und der König schuf ihrem Eifer keine Zögerung. Nach dreitägigem Marsche durch Parthiëne gelangte er an die Grenzen von Hyrkanien8, nachdem er den Craterus mit [182] den von ihm befehligten Truppen und der Abteilung, die Amyntas führte, nebst 600 Reitern und ebensoviel Bogenschützen zurückgelassen hatte, um Parthiene vor einem Einfall der Barbaren zu schützen. Dem Erigyius befahl er, das Gepäck unter einer mäßigen Bedeckung auf dem ebenen9 Wege zu befördern; er selbst legte mit der Phalanx und der Reiterei eine Strecke von 150 Stadien zurück und befestigte dann in einem Thale, welches den Zugang zu Hyrkanien bildet, sein Lager. Ein schattiger Wald erhebt sich von sehr hohen und dichten Bäumen, der Thalboden ist fett und von Quellen bewässert, die den darüber emporragenden Felsen entströmen. Am Fuße des Gebirges selbst entspringt der Fluß Ziobetis10, der ungefähr drei Stadien weit ungeteilt fließt, dann an einem Felsen, der das Flußbett unterbricht, zurückprallend, seine Gewässer wie in zwei Hälften teilt, jeder ihren besondern Weg eröffnend. Hierauf ein reißender Strom und durch die rauhen Felsen, zwischen denen er hinschießt, noch heftiger erregt, stürzt er hinab unter die Erde und fließt unsichtbar dreihundert Stadien weit fort. Dann bricht er wieder wie aus einer andern Quelle hervor, und bereitet sich ein neues Flußbett, geräumiger als das seines obern Laufes, denn er fließt in einer Breite von dreizehn Stadien; worauf er wieder, zwischen engere Ufer gebannt, seinen Lauf einschränkt, bis er endlich in einen andern Fluß, namens Ridagnus, fällt. Die Einwohner versicherten, wer in den der Quelle zunächstliegenden Schlund stürze, komme wieder zum Vorschein, wo sich die zweite Mündung des Flusses öffne. Daher ließ Alexander, wo die Gewässer unter die Erde strömen, zwei Männer hinabstürzen, deren Körper, wo der Fluß wieder hervorbricht, von denen, welche abgeschickt waren sie aufzufangen, ausgeworfen gesehen wurden.

11 (1) Schon vier Tage lang hatte er an einem und demselben Platze den Soldaten Rast gegönnt, als er von Nabarzanes, der sich mit Bessus des Darius bemächtigt hatte, einen Brief erhielt, des [183] Inhalt folgender war: er sei dem Darius nicht feindselig gesinnt gewesen, vielmehr habe er ihm sogar geraten, was ihm als das nützlichste erschienen sei, und weil er dem König einen treuen Rat gegeben, sei er von diesem beinahe getötet worden. Darius sei damit umgegangen, die Bewachung seiner Person gegen Recht und Herkommen fremden Söldnern anzuvertrauen, und habe über die Treue seiner Stammesgenossen, die sie doch zweihundertunddreißig Jahre lang11 ihren Königen unverletzt bewahrt hätten, den Stab gebrochen. In einer gefährlichen und unsichern Lage habe er seinen Entschluß nach der augenblicklichen Notwendigkeit gefaßt. Auch Darius, als er den Bagoas getötet, habe seinen Landsleuten durch die Rechtfertigung genügt, daß er diesen wegen Nachstellungen gegen ihn selbst umgebracht habe. Nichts sei den elenden Sterblichen teuerer als ihr Leben. Die Liebe dazu habe ihn zum Äußersten getrieben, aber es sei dies mehr im Drang der Verhältnisse als aus freier Wahl geschehen. Bei gemeinsamem Unglück treffe jeden sein besonderes Schicksal. Heiße ihn Alexander zu sich kommen, so werde er ohne Furcht kommen. Er befürchte nicht, daß ein so großer König das gegebene Wort brechen könne: von einem Gotte pflegten die Götter nicht betrogen zu werden. Scheine er ihm jedoch eines Schutzversprechens unwert, so ständen seiner Flucht viele Orte außerhalb Persien offen: ein tapferer Mann finde überall ein Vaterland, wo er sich seinen Wohnsitz wähle. Alexander trug aber kein Bedenken, ihm in der bei den Persern üblichen Form12 das Versprechen zu geben, er solle, wenn er käme, unverletzt bleiben.

12 (1) Doch marschierte er, die Truppen geordnet und im Viereck aufgestellt, indem er von Zeit zu Zeit Späher voraussandte, die Gegend zu erforschen. Die Leichtbewaffneten zogen voran, ihnen folgte die Phalanx, hinter dem Fußvolke das Gepäck. Sowohl die kriegerische Bevölkerung als die natürliche Lage des Landes, die es schwer zugänglich machte, erhielten den König in gespannter Sorge. Es dehnt sich nämlich ein ununterbrochenes Thal aus, das sich bis zum [184] Kaspischen Meere hin öffnet. Das Land erstreckt sich gleichsam in zwei Armen, die in ihrer Mitte einen Busen von mäßiger Krümmung bilden, der am meisten dem Monde ähnelt, wenn bei noch nicht gefüllter Scheibe seine Hörner hervorragen. Links von demselben wohnen die Cerceten, Mosyner und Chalyber; rechts sind die Leukosyrer und die Gefilde der Amazonen: jene liegen ihm gegen Mitternacht, diese gegen Westen.13 Das Kaspische Meer, mit süßerem Wasser als die übrigen14, nährt Schlangen von ungeheurer Größe. Die Farbe der Fische darin ist von der anderer Fische ganz verschieden. Manche nennen es das Kaspische, manche das Hyrkanische Meer: auch glauben manche, der Mäotische See ergieße sich hinein, und führen als Beweis an, daß das Wasser darum süßer sei als in den übrigen Meeren, weil es durch das Einströmen der Gewässer des Sees gemildert werde. Von Mitternacht her wirft sich (zuweilen) das Meer mit großer Gewalt auf das Küstenland, treibt weithin seine Wogen und bildet durch eine ausgedehnte Überflutung stehende Gewässer. Unter anderen Witterungsverhältnissen dagegen zieht es seine Gewässer wieder an sich, und mit derselben Gewalt, womit es sich ergoß, zurückströmend, giebt es dem Lande seine natürliche Gestalt zurück.15 Manche haben auch geglaubt, es sei dies nicht das Kaspische Meer, sondern die Flut ergieße sich aus Indien nach Hyrkanien16, dessen oberer Teil, wie oben gesagt wurde, sich in einem ununterbrochenen Thale hinabsenkt.

13 (1) Von hier rückte der König zwanzig Stadien [3,7 km] weit auf einem beinahe unwegsamen Pfade vor, den Wald überragte, [185] und wo Gießbäche und Wasserrisse den Marsch hemmten. Da sich ihm jedoch kein Feind entgegenstellte, drang er hindurch und gelangte endlich in angebautere Gegenden. Außer anderen Lebensmitteln, woran diese Gegend damals einen großen Überfluß hatte, gedeiht hier auch eine ungeheure Menge von Obst; und Weintrauben erzeugt der Boden in reichster Fülle. Ein häufig vorkommender Baum hat das Aussehen der Eiche, aber seine Blätter tropfen von reichlichem Honig; sammeln ihn jedoch die Einwohner nicht vor Sonnenaufgang, so vertrocknet der Saft schon von einer mäßigen Wärme.17 Dreißig Stadien [5,5 km.] war er von hier vorgerückt, als ihm Phrataphernes begegnete und sich ihm mit denen, die nach Darius’ Tode entflohen waren, ergab. Er nahm sie gütig auf und gelangte dann zu der Stadt Arvä18, wo er mit Kraterus und Erigyius zusammentraf, die den Befehlshaber des Stammes der Tapyrer19, namens Phradates, mit sich gebracht hatten. Da auch diesem Schutz verheißen wurde, so veranlaßte sein Beispiel viele die Milde des Königs zu erproben. Zum Satrapen über Hyrkanien setzte er dann den Manapis ein, der unter Ochus’ Herrschaft als Verbannter zu Philipp gekommen war. Auch die Tapyrer gab er dem Phradates zurück.

14 (1) Und bereits war er in die entlegensten Gegenden von Hyrkanien vorgedrungen, als ihm Artabazus, wie oben erwähnt, der vertrauteste Freund des Darius, mit Darius’ Verwandten, seinen eigenen Kindern und einer mäßigen Anzahl griechischer Söldner entgegenkam. Dem Herantretenden reichte der König die Rechte, denn war er schon ein Gastfreund Philipps gewesen, als er unter Ochus’ Regierung in der Verbannung lebte, so galt noch mehr als die Pfänder der Gastfreundschaft die seinem Könige bis zuletzt bewahrte Treue. Auf diese freundliche Aufnahme erwiderte er: „Du, König, mögest, so bitte ich die Götter, in dauerndem Glücke blühen; ich, sonst hocherfreut, empfinde nur den einen Kummer, daß ich bei meinem zum Ende eilenden Alter deine Güte nicht lange genießen kann.“ Er stand nämlich im fünfundneunzigsten Jahre. Neun [186] junge Männer, ihm alle von einundderselben Mutter geboren, begleiteten ihren Vater. Diese brachte Artabazus, dem Könige den Handschlag zu geben, indem er den Wunsch aussprach, sie möchten nur so lange leben, als sie nützliche Diener Alexanders wären. Mehrenteils machte der König seinen Weg zu Fuß; jetzt aber ließ er für sich und Artabazus Pferde herbeibringen, damit nicht der Greis, wenn er selbst zu Fuß ginge, Anstand nähme zu reiten.

15 (1) Wie nachher das Lager aufgeschlagen war, ließ er die Griechen zusammenrufen, die Artabazus mit sich gebracht hatte; jene erwiderten jedoch, wenn nicht auch den Lakedämoniern und Sinopensern Sicherheit versprochen würde, so wollten sie erst überlegen, was sie zu thun hätten. Es waren nämlich lakedämonische Gesandte an Darius geschickt worden, die sich nach dessen Besiegung an die bei den Persern um Sold dienenden Griechen angeschlossen hatten. Der König, ohne ihnen Pfänder eines vertragsmäßigen Schutzes zu gewähren, befahl ihnen zu ihm zu kommen: ihr Los solle so sein, wie er es bestimme. Nach langem Zögern, da die meisten schwankender Meinung waren, versprachen sie endlich zu kommen. Der Athener Demokrates jedoch, der immer einer der hauptsächlichsten Gegner der makedonischen Macht gewesen war, durchbohrte sich, da er keine Gnade hoffte, selbst mit dem Schwerte. Die übrigen ergaben sich, ihrer Entschließung gemäß, der Gnade Alexanders; es waren fünfzehnhundert Soldaten, dazu neunzig an Darius geschickte Gesandte. Die Soldaten wurden zur Ergänzung unter die anderen Mannschaften verteilt, die übrigen nach Hause geschickt, mit Ausnahme der Lakedämonier, die er in Gewahrsam zu nehmen befahl.

16 (1) An Hyrkanien grenzten die Marder20, ein Volk von rauher Lebensart und an Räuberei gewöhnt. Dieses allein hatte weder Gesandte geschickt, noch schien es sich den Befehlen fügen zu wollen. Entrüstet daher, wenn dieser eine Stamm machen könne, daß er nicht unbesiegt dastehe, ließ der König das Gepäck unter einer Bedeckung zurück und rückte, von seiner unbesieglichen Schar begleitet, vorwärts. Man war nachts marschiert, und bei Tagesanbruch war der Feind in [187] Sicht. Es gab mehr ein verworrenes Durcheinander als eine Schlacht. Von den Hügeln, die sie besetzt gehalten hatten, herabgeworfen, flohen die Barbaren davon, und die nächsten Dörfer, von ihren Bewohnern verlassen, wurden genommen. In das Innere dieser Gegend konnte man aber allerdings nicht ohne große Beschwerden für das Heer eindringen. Die Gebirgsrücken sind von tiefen Waldungen und unwegsamen Felsen umschlossen; den ebenen Teil hatten die Barbaren durch eine neue Art von Befestigung unzugänglich gemacht. Es sind mit Absicht dichte Bäume gepflanzt; die noch schwachen Zweige derselben biegen sie mit der Hand und stecken sie verkehrt wieder in die Erde, so daß daraus, wie aus einer neuen Wurzel, noch üppigere Stämme ergrünen. Diese nun lassen sie nicht in ihrer natürlichen Richtung wachsen, sondern verflechten sie gleichsam miteinander, worauf sie, wenn sie mit reichlichem Laube bekleidet sind, die Erde ganz bedecken. So versperrt also das Gezweig wie mit verborgenen Schlingen den Weg durch einen ununterbrochenen Verhau. Das einzige Mittel war, den Wald durch Niederfällen zu öffnen, doch auch dies war sehr schwierig, da die Stämme durch häufige Knoten verhärtet waren und die unter einander verflochtenen Baumäste, die schwebenden Ringen glichen, mit ihren biegsamen Zweigen dem Hiebe auswichen. Die Eingebornen aber, wilden Tieren gleich durch das Gestrüpp zu kriechen gewohnt, waren auch jetzt in den Wald eingedrungen und beunruhigten den Feind aus ihren Verstecken durch Geschosse.

17 (1) Der König ließ wie bei einer Jagd die Schlupfwinkel durchstöbern, und viele wurden erlegt. Zuletzt befahl er den Soldaten, den Wald rings einzuschließen, um, wo sich eine Öffnung biete, in denselben einzubrechen. Allein in der unbekannten Gegend verirrten sich sehr viele, und einige wurden abgefangen, unter andern auch das Pferd des Königs, mit Namen Bucephalus, welches Alexander nicht gleich einem anderen Tiere achtete. Es ließ nämlich keinen andern auf seinem Rücken sitzen, und wenn der König aufsteigen wollte, bog es von freien Stücken die Kniee, ihn aufzunehmen, so daß man meinte, es fühle, wen es trage. Heftiger daher von Zorn und Schmerz gereizt, als recht war, befahl er nach dem Rosse zu forschen, und ließ durch einen Dolmetscher den Feinden ankündigen, wenn sie es nicht zurückgäben, solle keiner am Leben bleiben. Durch diese Drohung [188] erschreckt, führten sie nebst anderen Geschenken das Pferd herbei. Doch auch so noch nicht besänftigt, gebot er die Waldung niederzuhauen und mittels Erde, die man von den Bergen herbeischaffte, die durch das Gestrüpp verschlossene Fläche aufzudämmen. Bereits war das Werk bis zu einer gewissen Höhe angewachsen, als die Barbaren, daran verzweifelnd, die von ihnen besetzte Gegend behaupten zu können, sich ihm unterwarfen. Der König nahm Geiseln und gebot ihnen, dem Phradates zu gehorchen.

18 (1) Hierauf kehrte er am fünften Tage in sein Standlager zurück, von wo er den Artabazus mit doppelt so viel Ehrenbeweisen, als er es von Darius gewohnt gewesen war, nach Hause entließ. Bereits war man zu der Stadt Hyrkaniens, worin sich der Palast des Darius befand21, gelangt: dort kam ihm, nachdem er das Versprechen der Sicherheit erhalten, Nabarzanes mit einer großen Menge Geschenken entgegen, worunter ein Verschnittener von ungemeiner Schönheit und gerade in der Blüte des Knabenalters, Namens Bagoas, mit dem Darius häufigen Umgang gepflogen hatte, und Alexander bald ebenso. Auf seine Bitten hauptsächlich erhielt Nabarzanes Verzeihung.

19 (1) Wie oben gesagt wurde, grenzte an Hyrkanien das Volk der Amazonen22, die um den Fluß Thermodon die Gefilde von Themiskyra bewohnen. Ihre Königin war Thalestris, welche über alle Amazonen zwischen dem Kaukasus und dem Flusse Phasis gebot. Diese verließ aus Begierde, den König zu sehen, die Grenzen ihres Reiches und schickte, als sie nicht mehr fern war, Botschaft voraus, die Königin sei gekommen, mit dem Wunsche, ihn zu sehen und kennen zu lernen. Nachdem ihr sofort Erlaubnis zu kommen erteilt worden war, befahl sie ihrem übrigen Gefolge Halt zu machen, während sie [189] selbst, von dreihundert Frauen begleitet, sich näherte. Sobald sie aber den König erblickten, sprang sie selbst, zwei Lanzen in der Rechten haltend, vom Pferde. Das Gewand der Amazonen bedeckt nicht den ganzen Körper, sondern die linke Seite bis zur Brust ist nackt, das übrige dann verhüllt; doch fallen die Falten des Gewandes, das sie in einen Knoten zusammenknüpfen, nicht über die Knie hinab. Die eine Brust bleibt unversehrt, um daran die Kinder weiblichen Geschlechtes zu nähren, die rechte wird ausgebrannt, um leichter den Bogen spannen und Geschosse schleudern zu können. Mit unerschrockener Miene schaute Thalestris den König an und musterte mit den Augen seine Gestalt, die keineswegs dem Ruhm seiner Thaten zu entsprechen schien. Denn alle Barbaren empfinden vor einer majestätischen Körpergestalt Ehrfurcht und halten dagegen niemand für fähig großer Thaten, den die Natur nicht gewürdigt hat ihn mit einem ausgezeichneten Äußern zu begaben. Auf die Frage übrigens, ob sie etwas von ihm zu erbitten wünsche, zögerte sie nicht zu gestehen, sie sei gekommen, um gemeinsam mit dem Könige Kinder zu erzielen; sie sei es wert, daß er mit ihr Erben seines Reiches erzeuge. Sei es ein Mädchen, so wolle sie es selbst behalten, einen Knaben aber dem Vater zurückgeben. Alexander fragte sie, ob sie mit ihm in den Krieg ziehen wolle, doch sie wandte vor, ihr Reich ohne Schutz zurückgelassen zu haben, und beharrte bei ihrer Bitte, daß er sie nicht in ihrer Hoffnung getäuscht weggehen lassen möge. Das Weib, heftiger in seiner Begierde als der König, vermochte denselben einige Tage Halt zu machen, und nachdem dreizehn Tage auf Erfüllung ihres Wunsches verwendet waren, begab sie sich in ihr Reich, der König nach Parthiene.

20 (1) Hier ließ er vollends offen seinen Begierden den Zügel schießen und wandelte seine Enthaltsamkeit und Mäßigung, Tugenden, die gerade auf dem höchsten Gipfel des Glückes am herrlichsten hervorstrahlen, in Übermut und Zügellosigkeit. Die vaterländischen Sitten und die heilsame geregelte Lebensweise und bürgerliche Haltung der makedonischen Könige erachtete er gleichsam zu niedrig für seine Größe und strebte nach der göttergleichen Erhabenheit der persischen Königsmacht. Er verlangte, man solle ihn am Boden liegend anbeten, und die Besieger so vieler Völker sollten sich allmählich an [190] knechtische Dienste gewöhnen und Gefangenen gleich werden. Daher legte er um sein Haupt ein purpurnes, weißgesticktes Diadem, wie es Darius getragen hatte, und that ein persisches Gewand an, ohne Scheu selbst vor übler Vorbedeutung, wenn er die Herrscherzeichen des Siegers mit der Tracht des Besiegten vertauschte. Wohl sagte er, er trage die den Persern abgenommene Siegesbeute; allein damit hatte er auch ihre Sitten angenommen, und dieses stolze Äußere hatte den übermütigen Sinn in seinem Gefolge. Auch die Briefe, die er nach Europa schickte, siegelte er mit dem Petschaft seines früheren Siegelringes, denen, die er nach Asien schrieb, wurde Darius’ Siegelring aufgedrückt, zum deutlichen Beweis, wie die Seele des einen die Stellung beider nicht in sich zu vereinigen vermochte. Die Freunde aber und die Reiter, denn diese waren die vorzüglichsten unter seinen Soldaten, hatte er gegen ihren Willen, ohne daß sie es jedoch zurückzuweisen wagten, mit persischen Gewändern geschmückt. Dreihundertundsechzig Kebsweiber, ebensoviel wie bei Darius, füllten die königliche Hofburg, gefolgt von einem Heere Eunuchen, die ebenfalls gewohnt waren, der Wollust zu dienen.

21 (1) Gegen diesen durch Schwelgerei und fremde Sitten verderbten Zustand sprachen die alten Soldaten Philipps, diese an Genüsse wenig gewöhnten Leute, offen ihren Abscheu aus, und im ganzen Lager war unter allen ein Gedanke und eine Stimme, daß durch ihren Sieg mehr verloren als durch den Krieg gewonnen worden sei. Jetzt würden sie ihrerseits besiegt, indem man ihnen fremde Sitten auswärtiger Völker aufnötige: zum Lohn für so langes Ausharren würden sie gleichsam wie Gefangene angethan nach Hause zurückkehren. Schon müsse man sich vor sich selbst schämen, und der König, den Besiegten mehr als den Siegern gleichend, sei aus dem Beherrscher Makedoniens ein Satrap des Darius geworden. Dieser, dem es nicht entging, wie schwer seine nächsten Freunde und das Heer beleidigt seien, versuchte durch Freigebigkeit und Geschenke ihre Gunst wiederzugewinnen; doch freien Männern, meine ich, ist an einem Knechtssold nichts gelegen. Damit es also nicht zur Empörung käme, mußte das müßige Leben durch Krieg unterbrochen werden, wozu glücklicher Weise die Veranlassung sich mehrte. Bessus nämlich hatte das königliche Kleid angelegt, hatte geboten ihn Artaxerxes zu nennen, [191] und zog nun die Skythen und übrigen Anwohner des Tanaïs23 zusammen. Diese Nachrichten brachte ihm Satibarzanes24, der sich ihm unterwarf, und den er über das vorher von ihm innegehabte Land setzte. Und da sich der Heereszug, von Beutestücken und Bedürfnissen des Wohllebens beschwert, nur mühsam vorwärts bewegte, so ließ er zuerst sein Gepäck und dann auch das des ganzen Heeres, mit Ausnahme des Allernotwendigsten, in die Mitte zusammenbringen. Es war eine geräumige Fläche, auf welche man die beladenen Wagen gefahren hatte. Unter allgemeiner Erwartung, was er weiter befehlen werde, gebot er die Zugtiere fortzuführen, und warf dann zuerst in sein eigenes Gepäck Feuer, worauf er auch das übrige anzuzünden befahl. So verbrannte, von den eigenen Besitzern angezündet, was unversehrt aus feindlichen Städten zu rauben man oftmals Flammen gelöscht hatte, ohne daß es einer gewagt hätte, diesen Lohn für ihr vergossenes Blut zu bejammern, da dasselbe Feuer auch die Schätze des Königs verzehrte. Bald darauf besänftigte die Überlegung ihren Unmut, und an den Dienst gewöhnt und zu allem bereit, freuten sie sich, lieber eine Einbuße an Gepäck als an Mannszucht erlitten zu haben. So marschierte er nach der Provinz Baktrien.

22 (1) Doch der plötzliche Tod des Nikanor, eines Sohnes Parmenios, hatte das ganze Heer mit großer Trauer erfüllt. Der König, vor allen betrübt, wünschte zwar Halt zu machen, um dem Leichenbegängnis beizuwohnen, allein Mangel an Lebensmitteln nötigte zur Eile. Darum wurde Philotas mit zweitausendsechshundert Mann zurückgelassen, um seinem Bruder die schuldigen Ehren zu erzeigen; er selbst zog gegen Bessus. Auf dem Marsche wurden ihm Briefe von den nächsten Satrapen überbracht, woraus er erfuhr, daß einerseits Bessus ihm mit einem [192] Heere feindlich entgegen ziehe, daß aber auch Satibarzanes, den er selbst zum Statthalter über die Arier eingesetzt hatte, von ihm abgefallen sei. Darum hielt er es, obwohl gegen Bessus unterwegs, dennoch für das beste, vorher Maßregeln zur Überwältigung des Satibarzanes zu ergreifen. Er nahm die Leichtbewaffneten und die Reiterei mit sich, und nachdem er die ganze Nacht angestrengt marschiert war, überraschte er den Feind ganz unerwartet. Auf die Nachricht von seiner Annährung entfloh Satibarzanes mit zweitausend Reitern – denn mehr konnte er in der Eile nicht sammeln – nach Baktrien, das übrige Volk besetzte die nächsten Berge. Es war ein nach Westen steil abfallender Felsen25, der sich aber gegen Osten allmählicher erhebt, mit vielen Bäumen bedeckt ist und eine nie versiegende Quelle hat, welcher reichliches Wasser entströmt. Sein Umfang beträgt dreiundzwanzig Stadien [41/4 km]; auf dem Gipfel ist eine mit Gras bewachsene Fläche. Hier ließen sie den unkriegerischen Haufen sich lagern, sie selbst wälzten, wo der Fels zugänglich war, Baumstämme und große Steine in den Weg. Es waren ihrer dreizehntausend Bewaffnete, zu deren Belagerung Kraterus zurückgelassen wurde, während Alexander selbst dem Satibarzanes zu folgen eilte.

23 (1) Weil er jedoch erfuhr, daß dieser schon zu weit entfernt sei, kehrte er zur Eroberung des von den Ariern besetzten Berggipfels zurück. Und zuerst befahl er, den Weg, so weit er gangbar war, wieder frei zu machen; dann aber, wie sich unzugängliche Klippen und schroffe Felsen entgegenstellten, schien den natürlichen Hindernissen gegenüber alle Anstrengung vergeblich. Wie er nun gewohnt war immer gegen Schwierigkeiten anzukämpfen, sann er, da sowohl vorzurücken gewagt als zurückzukehren gefährlich war, auf alle möglichen Pläne, indem ihm, wie es zu geschehen pflegt, wenn man eins nach dem andern verwirft, immer anderes und anderes einfiel. Während er so schwankte, gab ihm der Zufall ein Mittel an die Hand, das er durch Überlegung nicht hatte finden können. Es wehte ein heftiger Westwind, und die Soldaten hatten beim Wegbahnen über die Felsen viel Holz gefällt. Dieses war, von der Hitze ausgedörrt, bereits in Brand geraten. [193] Er ließ also noch mehr Bäume aufhäufen und dem Feuer Nahrung geben; und schnell kam man mittels der aufgetürmten Stämme der Höhe des Berggipfels gleich. Dann warf man von allen Seiten Feuer hinein, von dem alles ergriffen wurde. Der Wind jagte dem Feinde die Flamme ins Gesicht, ein ungeheurer Rauch überzog den Himmel wie mit einer Wolke, die Waldung erkrachte von dem Brande, und durch Mitteilung des Feuers geriet auch das in der Nähe Befindliche, was die Soldaten nicht angezündet hatten, nach einander in Flammen. Die Barbaren suchten, wo irgend das Feuer nachließ, dem qualvollen Tode zu entgehen, aber wo ihnen die Flamme Raum gab, stellte sich der Feind in den Weg. Auf verschiedene Weise also wurden sie vom Tode hinweggerafft, die einen stürzten sich mitten ins Feuer, andere von Felsen herab, manche rannten den Feinden in die Hände, nur wenige gerieten halbversengt in Gefangenschaft.

24 (1) Von hier kehrte er zu Kraterus zurück, der Artakoana26 belagerte. Dieser erwartete, nachdem er alles vorbereitet, die Ankunft des Königs, indem er selbst geziemenderweise auf den Ruhm, die Stadt gewonnen zu haben, verzichtete. Alexander ließ also die Türme heranrücken: doch die Barbaren, schon allein durch diesen Anblick erschreckt, streckten ihm von den Mauern die Hände bittend entgegen und begannen ihn anzuflehen seinen Zorn für Satibarzanes, den Urheber ihres Abfalls, aufzusparen, ihrer zu aber schonen, die seine Gnade anrufend sich ergäben. Der König gewährte ihnen Verzeihung und hob nicht nur die Belagerung auf, sondern gab auch den Einwohnern alles das Ihrige zurück. Als er von dieser Stadt abgezogen war, traf er auf einen Zug neuer Ergänzungsmannschaften. Zoilus hatte fünfhundert Reiter aus Griechenland herbeigeführt, Antipater aus Illyrien dreitausend Mann geschickt; mit Philippus kamen einhundertdreißig thessalische Reiter und aus Lydien zweitausendsechshundert fremde Söldner, gefolgt von dreihundert Reitern desselben Stammes. Durch diese Truppen verstärkt, gelangte er zu dem kriegerischen Volke der Dranger.27 Statthalter daselbst war Barzaentes, der sich mit Bessus an dem [194] Verbrechen gegen seinen König beteiligt hatte, jetzt aber aus Furcht vor der verdienten Strafe nach Indien geflohen war.

25 (1) Schon neun Tage befand man sich in einem Standlager, als der äußern Feinden gegenüber nicht nur gesicherte, sondern auch unbesiegte König sich aus der Mitte der Seinigen durch ein Verbrechen bedroht sah. Dymnus, der beim König bis zu einem gewissen Grade in Ansehen und Gunst stand, brannte von Liebe zu einem gewissen Nikomachus, der sich von ihm mißbrauchen ließ, und dessen ausschließliche Hingabe an seine Person ihn gefesselt hielt. Dieser führte in großer Aufregung, wie sich auch aus seiner Miene abnehmen ließ, den jungen Menschen fern von allen Zeugen in einen Tempel, mit dem Bedeuten, er habe ihm ein Geheimnis mitzuteilen, das Verschwiegenheit erfordere, und bat den in Erwartung Schwebenden bei ihrer gegenseitigen Liebe und den Beweisen ihrer beiderseitigen Gesinnung, ihm eidlich zu versprechen, über das, was er ihm anvertrauen werde, Stillschweigen beobachten zu wollen. Und dieser, in der Meinung, er werde ihm nichts mitteilen, was er selbst mit Verletzung des Eides enthüllen müßte, schwur es ihm bei den Gottheiten des Tempels zu. Hierauf eröffnet ihm Dymnus, in drei Tagen solle ein Anschlag gegen den König ausgeführt werden, und er sei mit tapfern und ausgezeichneten Männern bei diesem Plane beteiligt. Nachdem der junge Mensch dies vernommen, stellte er auf das bestimmteste in Abrebe, sein Versprechen für einen Königsmord gegeben zu haben, und kein Eid könne ihn binden, dies Verbrechen zu verschweigen. Dymnus, vor Liebe und Furcht seiner nicht mächtig, erfaßt die Rechte seines Lieblings und beschwört ihn erst unter Thränen, sich an dem Plane und dessen Ausführung zu beteiligen; könne er das nicht über sich gewinnen, so solle er doch wenigstens ihn nicht verraten, für dessen Wohlwollen er außer anderm den stärksten Beweis namentlich darin besitze, daß er seiner noch unerprobten Treue sein Leben anvertraut habe. Wie jener dabei beharrt, daß er eine solche That aufs äußerste verabscheue, sucht er ihn durch Bedrohung mit dem Tode zu erschrecken: mit seiner Ermordung würden die Verschworenen ihre herrliche That beginnen. Drauf nennt er ihn einmal einen Weichling und ein feiges Weib, das andre Mal einen Verräter ihrer Liebe; jetzt macht er ihm wieder ungeheure Versprechungen, bisweilen sogar bis zum Anteil an der Herrschaft, und [195] setzt so dem von einer solchen Unthat weit entfernten auf alle Weise zu. Ja er zieht sein Schwert, und indem er es bald jenem bald sich selbst an die Kehle setzt, erpreßt er endlich teils durch flehentliche Bitten, teils durch Drohungen von ihm das Versprechen nicht nur des Stillschweigens, sondern auch der Beihilfe. Voll fester Beharrlichkeit nämlich und wert, einen gesitteteren Lebenswandel zu führen, hatte er zwar an seinem vorigen Entschlusse nichts geändert, doch stellte er sich, als könne er, durch Dymnus’ Liebe gewonnen, demselben nichts abschlagen. Dann fuhr er fort nachzuforschen, mit wem sich jener zu einem so wichtigen Zwecke verbündet habe; denn es komme sehr viel darauf an, was für Männer Hand an ein so denkwürdiges Beginnen legten. Dieser, durch seine Liebe und sein Verbrechen ganz blind gemacht, sprach ihm nicht nur seinen Dank aus, sondern beglückwünschte ihn auch, daß er nicht weiter zögere, sich an so tapfere Männer anzuschließen, einen Demetrius, den königlichen Leibwächter Peukolaus und Nikanor. Hierzu fügte er noch die Namen Aphobetus, Jolaus, Dioxenus, Archepolis und Amyntas.

26 (1) Von dieser Unterredung losgekommen, berichtet Nikomachus seinem Bruder Cebalinus, was er gehört. Sie beschließen, er selbst solle in seinem Zelte bleiben, damit nicht die Verschworenen, wenn er, der nicht gewohnt war zum Könige zu gehen, in das königliche Quartier ginge, merkten, daß sie verraten seien. Cebalinus selbst stellte sich vor den Eingang des königlichen Zeltes, da ihm ein näherer Zutritt nicht offen stand, und wartete auf einen aus der Leibgarde der Hetären, um sich durch ihn zum Könige führen zu lassen. Zufällig war nach Entlassung der übrigen allein Philotas, Parmenios Sohn, ich weiß nicht aus welchen Grunde, im königlichen Zelte zurückgeblieben. Diesem eröffnet Cebalinus, in seinen erschrockenen Mienen große Bestürzung verratend, was er von seinem Bruder vernommen, und heißt es ihn ohne Verzug dem Könige melden. Philotas lobt ihn und tritt sofort zu Alexander ein, aber während zwischen ihnen ein langes Zwiegespräch über andere Gegenstände geführt wird, meldet er gleichwohl nichts von dem, was er von Cebalinus erfahren. Als er gegen Abend heraustritt, hält ihn der junge Mann in der Vorhalle des königlichen Zeltes an und fragt, ob er den Auftrag ausgerichtet habe. Jener schützte vor, der König habe keine Zeit gehabt mit ihm zu sprechen, [196] und entfernte sich. Wie er am folgenden Tage zum Könige geht, ist Cebalinus wieder bei der Hand und erinnert ihn bei seinem Eintritt an die ihm vorigen Tages gemachte Mitteilung. Jener entgegnet, er denke schon daran, eröffnet aber auch jetzt dem Könige nicht, was er gehört. Nun begann er dem Cebalinus verdächtig zu werden, weshalb ihn dieser nicht weiter glaubte angehen zu müssen, sondern einem jungen Edelmanne, Namens Metron, der über die Waffenkammer gesetzt war, anzeigte, mit welchem Verbrechen man umgehe. Dieser verbarg den Cebalinus in der Rüstkammer und teilte dem Könige, der gerade im Bade war, sofort mit, was ihm jener Angeber hinterbracht habe.

27 (1) Der König schickte sogleich Trabanten ab, den Dymnus zu ergreifen, dann trat er selbst in die Rüstkammer. Hocherfreut rief ihm hier Cebalinus entgegen: „So sehe ich dich denn unversehrt den Händen der Verräter entrissen!“ worauf ihn Alexander nach allem fragte, was er wissen mußte, und den ganzen Hergang der Reihe nach erfuhr. Als ihm aber auf die erneute Frage, der wievielte Tag es sei, seitdem ihm Nikomachus die Anzeige hinterbracht habe, jener bekannte, es sei schon der dritte Tag, argwohnte er, daß Cebalinus nicht ohne bestochen zu sein erst so viel später das Vernommene zur Anzeige bringe, und hatte schon Befehl gegeben, ihn zu fesseln. Doch dieser erhob ein Geschrei, in demselben Augenblicke, wo er die Sache gehört, sei er zu Philotas gelaufen; ihn solle er fragen. Weiter fragte der König, ob er wirklich den Philotas aufgesucht, ob er in ihn gedrungen sei, die Sache vor ihn zu bringen, und als jener dabei blieb seine Aussage zu bekräftigen, hob er die Hände zum Himmel und klagte unter rinnenden Thränen, daß ihm von einem vorher so teuern Freunde solcher Dank vergolten werde. Mittlerweile bringt sich Dymnus, der wohl wußte, weshalb er vor dem König gerufen werde, mit dem Schwerte, womit er gerade umgürtet war, eine schwere Wunde bei, aber die Trabanten sprangen dazwischen und trugen ihn nach dem Zelte des Königs. Den Blick auf ihn geheftet, rief Alexander: „Dymnus, welches große Unrecht habe ich denn gegen dich beabsichtigt, daß dir Philotas der Herrschaft über die Makedonier würdiger schien als ich selbst?“ Doch dieser hatte bereits die Sprache verloren. Er stieß einen Seufzer aus, wandte [197] sein Antlitz von den Augen des Königs weg, sank gleich darauf zusammen und starb.

28 (1) Der König ließ Philotas in sein Zelt kommen und sprach: „Cebalinus, der den härtesten Tod verdient, wenn er die gegen mein Leben angesponnene Verschwörung zwei Tage lang verschwiegen hat, wälzt die Schuld dieses Vergehens auf Philotas, indem er diesem unverzüglich Anzeige gemacht zu haben behauptet. Je näher du meiner Freundschaft stehst, desto schwerer ist das Vergehen dieser deiner Verheimlichung, so daß es mir, offen gestanden, mehr dem Cebalinus als dem Philotas angemessen erscheint. Du findest an mir einen günstigen Richter, wenn du, was nicht hätte begangen werden sollen, wenigstens in Abrede stellen kannst.“ Hierauf erwiderte Philotas nicht eben bestürzt, wenn man seinen Seelenzustand aus der Miene abnehmen durfte, Cebalinus habe ihm allerdings das Gespräch eines liederlichen Menschen hinterbracht, er selbst aber habe einem so unzuverlässigen Gewährsmanne keinen Glauben geschenkt und gefürchtet ausgelacht zu werden, wenn er den Zank zwischen einem liederlichen Burschen und seinem Liebhaber zur Anzeige brächte. Da sich Dymnus nun selbst getötet, so hätte er freilich, wie geringfügig auch immer die Sache sein möchte, sie doch nicht verschweigen sollen. Dann umfaßte er den König und beschwor ihn, mehr sein bisheriges Leben als seine Schuld ins Auge zu fassen, die doch nur im Verschweigen, nicht in irgend einer That bestehe. Schwer läßt sich entscheiden, ob der König ihm geglaubt oder nur seinen Zorn tiefer im Herzen verschlossen habe. Er reichte ihm als Pfand seiner Versöhnung die Rechte und sagte, es scheine ihm allerdings, als habe er die Anzeige mehr zu leicht genommen als verheimlicht.

29 (1) Hierauf berief er einen Rat seiner Freunde, zu dem jedoch Philotas nicht hinzugezogen wurde, und befahl den Nikomachus hereinzuführen, der ganz das Gleiche berichtet, was er dem König hatte hinterbringen lassen. Teurer, wie wenige, war dem König Kraterus, ebendeshalb aber dem Philotas aus Eifersucht auf dessen Ansehen feindlich gesinnt. Er wußte sehr wohl, daß derselbe dem Alexander oftmals durch zu vieles Anpreisen seiner Tüchtigkeit und seiner Verdienste lästig geworden sei und deshalb zwar nicht als ein verbrecherischer, doch aber trotziger Mensch beargwohnt werde. Da er nun keine [198] günstigere Gelegenheit, seinen Gegner zu stürzen, erwarten konnte, so sprach er, seinen Haß unter dem Scheine der Treue gegen den König verbergend: „O daß du doch gleich von Anbeginn über diese Angelegenheit mit uns beratschlagt hättest! Wir hätten dir geraten, wenn du dem Philotas verzeihen wolltest, ihn lieber in Unkenntnis zu lassen, welche große Gnade er dir verdanke, als ihn, nachdem er die Todesstrafe hat fürchten müssen, zu nötigen öfter seiner Gefahr als deiner Wohlthat zu gedenken. Denn er kann dir immer nachstellen, du nicht immer dem Philotas verzeihen. Und es ist kein Grund anzunehmen, daß der, welcher so etwas gewagt hat, durch seine Begnadigung umgewandelt werden könne. Er weiß, daß die, welche das Maß des Erbarmens erschöpft haben, nichts weiter hoffen dürfen. Ich aber meinesteils weiß, wenn auch er selbst, sei es aus Reue oder durch deine Gnade gerührt, Ruhe halten will, so wird doch sein Vater Parmenio, der ein so großes Heer befehligt und durch sein altgewohntes Ansehen bei seinen Soldaten nur wenig unter dem Range deiner Hoheit steht, nicht mit Gleichmut ertragen, daß er dir das Leben seines Sohnes schuldet. Manche Wohlthaten betrachtet man mit Haß im Herzen. Einzugestehen den Tod verdient zu haben, schämt man sich: dann bleibt nur übrig, daß man lieber scheinen möchte Unrecht erlitten, als das Leben geschenkt erhalten zu haben. Wisse demnach, daß du mit jenen beiden um dein Leben zu kämpfen hast. Genug äußere Feinde giebt es noch, zu deren Verfolgung wir auszuziehen im Begriff stehen; schirme deine Brust vor denen im eigenen Lager. Beseitigst du diese, dann fürchte ich nichts vom auswärtigen Feinde.“

30 (1) So sprach Kraterus. Auch den übrigen war es nicht zweifelhaft, daß er die Anzeige von der Verschwörung nicht unterdrückt haben würde, wäre er nicht selbst Urheber oder Teilnehmer derselben. Denn welcher pflichtgetreue und wohlgesinnte, gar nicht zu sagen Freund, sondern aus der untersten Schicht des Volkes, würde nicht, nachdem er jene Mitteilung vernommen, sogleich zum König gelaufen sein? Parmenios Sohn aber, der Befehlshaber der Reiterei, er, dem der König alle seine geheimsten Pläne vorzulegen pflegte, habe es nicht einmal nach Cebalinus Vorgange gethan, der ihm, was er aus seines Bruders Munde erfahren, gemeldet hatte! Ja, er habe sogar vorgegeben, der König hätte zu einer Unterredung mit ihm keine Zeit gehabt, damit der [199] Angeber keine andere Mittelsperson suchen solle. Nikomachus, obschon sogar durch einen heiligen Eid gebunden, sei dennoch geeilt sein Gewissen zu entlasten: dem Philotas habe es, nachdem er fast den ganzen Tag unter Spiel und Scherz hingebracht, zu viel gedünkt, die wenigen Worte, die das Haupt seines Königs angingen, einer so langen und vielleicht überflüssigen Unterhaltung einfließen zu lassen. Freilich, er habe den Burschen, die ihm solche Sachen hinterbrachten, nicht geglaubt! Warum aber habe er es zwei Tage hinausgezogen, gleich als ob er der Anzeige Glauben schenkte? Abweisen hätte er den Cebalinus müssen, wenn er seine Mitteilung verwarf. In eigenen Gefahren dürfe jeder hohen Mut beweisen, wo aber für des Königs Leben zu fürchten sei, da müsse man leichter glauben und auch solche zulassen, die Nichtiges hinterbrächten. Alle entschieden also, daß man eine Untersuchung über ihn anstellen müsse, um ihn zu nötigen, die Teilnehmer an dem Verbrechen anzuzeigen; worauf sie der König mit der Mahnung entließ, über ihren Beschluß Stillschweigen zu beobachten.

31 (1) Dann ließ er für den nächsten Tag den Weitermarsch ansagen, damit nichts darauf hindeutete, daß ein neuer Beschluß gefaßt worden sei. Auch Philotas wurde zur Mahlzeit eingeladen, die seine letzte werden sollte, und der König gewann es über sich, mit dem, den er bereits verdammt hatte, nicht nur zu speisen, sondern auch sich freundschaftlich zu unterhalten. Dann in der zweiten Nachtwache, als die Lichter verlöscht waren, versammelten sich im königlichen Hauptquartier von den Freunden des Königs Hephästion, Kraterus, Cönus und Erigyius, von seinen Generaladjutanten Perdikkas und Leonnatus mit einigen wenigen Begleitern. Von ihnen erhielt der Machtposten beim königlichen Zelte Befehl, in vollen Waffen Wache zu halten. An allen Zugängen waren bereits Reiter verteilt, mit dem Auftrag, auch die Straßen besetzt zu halten, damit niemand heimlich zu Parmenio entränne, der damals über Medien und eine große Truppenmacht gebot. Unterdes war Atharrias mit dreihundert Bewaffneten im Hauptquartier erschienen, wo ihm noch zehn Trabanten beigegeben wurden, deren jedem wieder zehn Bewaffnete folgten. Diese letztern verteilten sich, die übrigen Verschworenen zu verhaften, Atharrias aber mit den [200] Dreihundert wurde zu Philotas geschickt und erbrach den verschlossenen Eingang seiner Wohnung, von fünfzig der tapfersten Männer umgeben. Den übrigen nämlich hatte er geboten, die Wohnung von allen Seiten zu umzingeln, damit Philotas nicht durch einen verborgenen Ausgang entschlüpfen könne. Dieser lag, mochte er sich nun so sicher fühlen oder von Ermüdung erschöpft sein, in tiefem Schlafe, als sich Atharrias des noch Schlaftrunkenen bemächtigte. Wie er sich endlich ermuntert hatte und ihm Ketten angelegt wurden, rief er aus: „So hat denn, o König, der Haß meiner Feinde den Sieg über deine Güte davongetragen!“ und ohne daß er weiter gesprochen, führte man ihn verhüllten Hauptes in das Hauptquartier.

32 (1) Am folgenden Tage ließ der König bekannt machen, alle Bewaffneten sollten sich versammeln. Ungefähr sechstausend Soldaten waren zugegen, und außerdem füllte eine Menge von Troß- und Packknechten das Hauptquartier. Philotas stand hinter einer Schaar Phalangiten verborgen, damit er nicht früher von der Menge gesehen werden könnte, als bis der König zu den Soldaten gesprochen hätte. Über Kapitalverbrechen nämlich hielt nach altmakedonischer Sitte das Heer Gericht, im Frieden war es Sache des Volkes, und der König hatte nur dann Gewalt zum Vollzuge, wenn die von ihm vorgetragene Meinung Geltung gewonnen hatte. Zuerst also wurde Dymnus’ Leichnam herbeigebracht, während die Mehrzahl noch gar nicht wußte, was er beabsichtigt und durch welches Ereignis er sein Leben verloren habe. Hierauf trat der König vor die Versammlung, in seinen Mienen schmerzliche Bewegung zeigend. Auch der traurige Ernst seiner Freunde hatte die Erwartung der Dinge nicht wenig gesteigert. Lange stand der König mit zu Boden gesenktem Blick, einem Betäubten und Bestürzten gleich. Endlich, nachdem er sich wieder gesammelt, begann er: „Beinahe, Soldaten, wäre ich euch durch verbrecherische Menschen entrissen worden: durch der Götter Vorsehung und Gnade lebe ich. Und euer verehrungswürdiger Anblick zwingt mich den Mördern heftiger zu zürnen, weil es der beste, ja der einzige Gewinn meines Lebens ist, mich so viel tapfern und um mich hochverdienten Männern noch dankbar beweisen zu können.“ Hier unterbrach seine Rede das Schluchzen der Soldaten, da alle in Thränen ausbrachen. Dann fuhr er fort: „Um wie viel größeren Kummer werde ich in euern Herzen [201] erwecken, wenn ich euch die Urheber eines solchen Frevels ansage, die ich mich noch zu nennen scheue und ihre Namen verschweige, als ob sie sich noch retten ließen. Allein weichen muß die Erinnerung an die alte Liebe zu ihnen, und die Verschwörung treuloser Mitbürger muß enthüllt werden. Wie vermöchte ich auch ein solches Verbrechen zu verschweigen! Parmenio, ein Mann in solchen Jahren28, mir sowohl als meinem Vater durch unzählige Wohlthaten verbunden, unter allen mein ältester Freund, hat sich zum Anführer bei diesem Frevel aufgeworfen. Als sein Gehülfe hat Philotas den Peukolaus, Demetrius, diesen Dymnus, dessen Leichnam ihr hier seht, und andere gleich Wahnwitzige gegen mein Leben angestiftet.“

33 (1) Von allen Seiten aus der ganzen Versammlung tönten ihm Laute des Unwillens und des Schmerzes entgegen, wie es bei großen Massen, besonders Soldaten, zu geschehen pflegt, wenn sie entweder Teilnahme oder Zorn in Bewegung setzt. Dann wurden Nikomachus, Metron und Cebalinus vorgeführt, die ein jeder darlegten, was sie zur Anzeige gebracht hätten. Durch keine ihrer Aussagen ward Philotas als Teilnehmer an dem Verbrechen bezeichnet. Darum hörte man, nachdem sich der Unwille gelegt, ihre Worte mit Stillschweigen an. Hierauf begann der König: „Welche Gesinnung, dünkt euch nun, muß der haben, der die ihm von dieser Sache gemachte Anzeige unterdrückt hat? Denn daß sie nicht des Grundes entbehrte, zeigt offenbar der Tod des Dymnus. Cebalinus fürchtete nicht die Folter, indem er eine unsichere Sache zur Anzeige brachte, Metron verschob es keinen einzigen Augenblick, sich derselben zu entledigen, so daß er selbst in mein Badezimmer eindrang; Philotas allein fürchtete nichts, glaubte nichts. O über den hohen Mut des Mannes! Er hätte sich sollen durch die Gefahr seines Königs in Schrecken setzen lassen, hätte die Miene verändern, den Hinterbringer so wichtiger Dinge mit Besorgnis anhören sollen! Nein, unter diesem Stillschweigen birgt sich offenbar ein Verbrechen; und seine gierige Hoffnung auf Herrschaft hat ihn kopfüber zur äußersten Unthat getrieben. Sein Vater gebietet über Medien. Er selbst, bei vielen Führern meiner Truppen durch die ihm von mir verliehene Macht von überwiegendem Einfluß, [202] hegt Hoffnungen, die weit über seine Grenze hinausliegen. Selbst meine einsame Stellung, daß ich keine Kinder habe, steigert ihren Übermut. Dennoch irrt Philotas. Ihr seid mir Kinder, Eltern und Verwandte. So lange ich euch habe, kann ich nicht verlassen sein.“

34 (1) Hierauf las er einen aufgefangenen Brief Parmenio’s an seine Söhne Nikanor und Philotas vor, worin sich jedoch nicht gerade Zeichen einer gravierenden Absicht offenbarten. Denn der Hauptinhalt war dieser: „Sorgt zuerst für euch selbst, dann für die Eurigen: so werden wir, was wir uns vorgesetzt haben, erreichen.“ Wozu der König bemerkte, er sei so geschrieben, daß er, gelangte er an seine Söhne, von den Eingeweihten verstanden werden, aufgefangen aber die mit ihrer Absicht Unbekannten täuschen könne. „Ja, aber Dymnus hat, als er die übrigen Teilnehmer des Verbrechens bezeichnete, den Philotas nicht genannt! Dies ist jedoch nicht ein Beweis für seine Unschuld, sondern für seinen großen Einfluß, indem er selbst von denen, die ihn verraten könnten, so gefürchtet wird, daß sie, sogar wenn sie über sich selbst Geständnisse machen, doch ihn verschweigen. Übrigens klagt den Philotas sein eigenes Leben an. Er hat sich an Amyntas29, der mein Vetter war und in Makedonien meinem Leben treulos nachstellte, als Genosse und Mitverschworener angeschlossen, er dem Attalus30, dem heftigsten Feinde, den ich je gehabt, seine Schwester zur Gattin gegeben. Er vermochte es, als ich ihm als meinem Vertrauten und Freunde mitteilte, welchen Ausspruch ich vom Orakel Jupiter Ammons erhalten, mir dagegen zu schreiben, er für seinen Teil wünsche mir Glück, daß ich unter die Götter aufgenommen worden sei, doch müsse er die bedauern, welche unter einem Herrn leben müßten, der über die Grenzen der Menschheit hinausgehe. Das [203] sind Beweise einer schon längst mir entfremdeten und auf meinem Ruhm neidischen Gesinnung. Doch habe ich dies, ihr Soldaten, so lange es anging, in mir zurückgedrängt; denn ich meinte mir einen Teil meines eigenen Herzens abzureißen, wenn ich von denen, auf welche ich so große Wohlthaten gehäuft, geringer dächte. Allein jetzt gilt es nicht mehr bloß Worte zu bestrafen: der Frevel der Zunge hat sich zum Schwert verstiegen. Dies Schwert hat, wenn ihr mir glaubt, Philotas gegen mich geschärft, wenn ihr ihm selbst glaubt, schärfen lassen.31 Wohin, Soldaten, soll ich mich wenden? Wem mein Haupt anvertrauen? Über die Reiterei, den besten Teil meines Heeres, die Blüte der edelsten Jünglinge, habe ich ihn zum alleinigen Anführer gesetzt, mein Leben, meine Hoffnung, meinen Sieg seiner Treue und seinem Schutze anvertraut. Seinen Vater habe ich fast zu gleichem Range mit mir, eurem Könige, erhoben: Medien, bei weitem die reichste unter allen Provinzen, und soviele Tausende von Mitbürgern und Bundesgenossen seiner Gewalt und Botmäßigkeit unterstellt. Aber wo ich Schutz gesucht hatte, daher ist mir Gefahr erstanden. O wie glücklich, wäre ich in der Schlacht gefallen, lieber eine Beute des Feindes, als das Opfer eines Landsmannes! Jetzt bin ich, aus Gefahren errettet, die ich allein fürchtete, in solche geraten, die ich nie hätte fürchten sollen. Oftmals, Soldaten, pflegt ihr mich zu bitten mein Leben zu schonen. Ihr selbst könnt mir jetzt gewähren, was ihr mir zu thun ratet. Zu eurem Arm, zu euren Waffen flüchte ich mich: wollt ihr es nicht, so will ich nicht länger leben, wollt ihr dies aber, so kann ich es nur, wenn ihr mich in euren Schutz nehmt.“

35 (1) Hierauf ließ er den Philotas, mit auf den Rücken gebundenen Händen und in einen alten Mantel gehüllt, in den Kreis führen. Leicht konnte man bemerken, wie durch diesen kläglichen Aufzug des noch kurz zuvor nicht ohne Neid Betrachteten die Gemüter bewegt wurden. Gestern noch hatte man ihn als Führer der Reiterei gesehen, wußte, daß er bei der königlichen Tafel gewesen sei: plötzlich erblickte man ihn, nicht einmal als Angeklagten, sondern als schon Verurteilten, ja Gefesselten. Vor die Seele trat ihnen auch das Schicksal Parmenio’s, dieses großen Feldherrn und ausgezeichneten Mitbürgers, der, eben [204] nur zweier seiner Söhne, des Hektor und Nikanor, beraubt, jetzt mit dem ihm in seinem Unglück allein übrig Gebliebenen abwesend unter gleicher Anklage stand. Es erbitterte daher Amyntas, einer der königlichen Generale, die zum Mitleid geneigte Versammlung wieder durch eine heftige Rede gegen Philotas: man sei an die Barbaren verraten worden; niemand würde zu seinem Weibe, zu seinen Eltern und in das Vaterland zurückgekehrt sein; wie ein verstümmelter Leichnam ohne Haupt, Leben und Namen wäre man in fremdem Lande ein Spott der Feinde geworden. Doch war diese Rede des Amyntas dem König keineswegs so angenehm, als jener gehofft hatte, weil er fürchtete, sie möchten durch die Erinnerung an ihre Weiber und das Vaterland weniger willig zur Verrichtung ihrer ferneren Dienste geworden sein.

36 (1) Hierauf fuhr Cönus, obwohl er mit Philotas’ Schwester vermählt war, heftiger als irgend ein anderer gegen diesen los, schrie, er sei ein Mörder an König, Vaterland und Heer, und ergriff einen Stein, der ihm gerade vor den Füßen lag, um denselben auf ihn zu schleudern, wie die meisten glaubten, in der Absicht, ihn der Folter zu entziehen. Allein der König hielt seine Hand zurück und sagte, dem Angeklagten müsse zuvor Gelegenheit geboten werden sich zu verteidigen, und anders werde er ihn nicht verurteilen lassen. Als nun Philotas zu sprechen beginnen wollte, vermochte er, sei es durch das Schuldbewußtsein oder die Größe der Gefahr seiner Besinnung beraubt und betäubt, weder die Augen aufzuschlagen, noch einen Laut hervorzubringen. Dann sank er unter strömenden Thränen ohnmächtig auf den, von welchem er gehalten wurde, und erst allmählich, nachdem man ihm mit seinem Mantel die Augen getrocknet, gewann er Atem und Stimme wieder und schien sprechen zu wollen. Da sprach der König, den Blick auf ihn richtend: „Die Makedonier sind im Begriff über dich zu richten. Ich frage dich, ob du in der heimischen Sprache vor ihnen sprechen willst.“ Philotas entgegnete: „Außer den Makedoniern sind sehr viele zugegen, die, mich dünkt, leichter meine Worte verstehen werden, wenn ich mich derselben Sprache bediene, in welcher du eben gesprochen hast, wohl aus keinem anderen Grunde, als daß deine Rede von um so mehreren verstanden werden könnte.“ Hierauf der König: „Sehet ihr wohl, wie dem Philotas sogar die vaterländische Mundart zuwider ist? Denn er allein verschmäht es sich in ihr auszudrücken. [205] Doch mag er immerhin reden, wie es ihm beliebt, seid ihr nur auch eingedenk, daß er ebenso unsern Sitten wie unsrer Sprache entfremdet ist.“ Und damit verließ er die Versammlung.

37 (1) Hierauf begann Philotas also: „Worte zu finden ist dem Unschuldigen leicht, in seinen Worten Maß zu halten dem Unglücklichen schwer. So zwischen ein reines Gewissen und ein grausames Geschick verlassen hingestellt, weiß ich nicht, wie ich sowohl meinen Gefühlen, als der kurz bemessenen Zeit gerecht werden soll. Nicht zugegen ist zwar, der in meiner Sache die gültigste Entscheidung hat, und wahrlich, keinen Grund kann ich mir ausdenken, warum er mich nicht selbst hat anhören wollen. Steht es ihm doch nach Anhörung der beiderseitigen Gründe ebensowohl frei mich zu verdammen als loszusprechen; hört er mich aber nicht an, so kann ich von dem Abwesenden nicht freigesprochen werden, nachdem er mich hier in eigner Person verurteilt hat. Obwohl aber eines gefesselten Mannes Verteidigung nicht allein überflüssig, sondern auch verhaßt ist, indem er den Richter nicht sowohl zu belehren als anzuklagen scheint, so will ich doch, unter welchen Umständen mir immer zu reden verstattet ist, mich nicht selbst aufgeben, noch zulassen, daß ich auch durch meine eigene Stimme verurteilt erscheine. In der That sehe ich nicht, welcher Schuld man mich anklagt. Niemand nennt mich unter den Verschworenen, von mir hat Nikomachus nichts gesagt, und Cebalinus konnte nicht mehr wissen, als er gehört. Nun glaubt aber der König, ich sei das Haupt der Verschwörung gewesen! War es also wohl möglich, daß Dymnus den überging, dessen Leitung er folgte? Zumal da ich auf die Frage nach den Teilnehmern selbst fälschlich hätte von ihm genannt werden müssen, um dadurch den, welchen er zu gewinnen suchte, desto eher zu bewegen. Denn nicht nach Entdeckung des Verbrechens hat er meinen Namen übergangen, daß es scheinen könnte, als habe er den Genossen geschont: nein, bei seinem Bekenntnis vor Nikomachus, dem er zutraute, er werde das Geheimnis über ihn selbst bewahren, verschwieg er, als er die übrigen nannte, mich allein. Nun frage ich euch, Kameraden, wäre Cebalinus nicht zu mir gekommen, hätte er mich nicht über die Verschwörung unterrichten wollen, würde ich mich dann heute hier zu verteidigen haben, da niemand mich genannt hat? Dymnus allerdings – wenn er doch noch lebte! – würde mich vielleicht [206] schonen wollen: wie aber die übrigen? Werden die wohl ihre eigene Schuld eingestehen und mich verschweigen? Das Unglück ist mißgünstig, und meist findet der Schuldige, wenn er sich unter der eigenen Strafe krümmt, eine Beruhigung in der des andern. So viele Mitwisser sollten nicht einmal auf die Folterbank gespannt die Wahrheit gestehen? Aber niemand schont ja den, der doch sterben muß, und niemanden, meine ich auch, schont der, welcher sterben soll.

38 (1) Ich komme nun zu der eigentlichen und einzigen Anschuldigung: warum hast du das dir Hinterbrachte verschwiegen? warum es so sorglos angehört? Dieses Vergehen, wie groß es immer sein mag, hast du, Alexander, wo du auch weilst, mir auf mein Eingeständnis verziehen. Ich habe deine Rechte umfaßt als Pfand deines versöhnten Herzens und bin sogar als Gast bei deinem Mahle gewesen. Schenktest du mir Glauben, so bin ich dadurch freigesprochen, schontest du meiner, wenigstens von der Untersuchung entbunden: halte nun auch deinen Richterspruch aufrecht. Was hab ich nun in dieser letzten Nacht, wo ich von deinem Tische heimgekehrt bin, gethan? Welches neue Verbrechen ist dir hinterbracht worden und hat deinen Sinn geändert? In tiefem Schlummer ruhte ich, als mich, der ich in mein Unglück hineinschlief, meine Feinde durch die Fesseln, in die sie mich schlugen, aufweckten. Woher bei einem Mörder und Verräter die Ruhe eines so tiefen Schlafes? Bösewichter können vor den Vorwürfen ihres Gewissens nicht schlafen; die Rachegöttinnen verfolgen sie ebensowohl nach ersonnenem als nach vollbrachtem Morde. Mir dagegen hatte erstens meine Unschuld, sodann deine mir gereichte Rechte Sicherheit gegeben. Nicht fürchtete ich, daß fremde Grausamkeit mehr bei dir vermöchte, als deine eigene Milde. Doch damit es dich nicht gereue mir Glauben geschenkt zu haben: die Sache wurde mir von einem Burschen hinterbracht, der keinen Zeugen, kein Pfand für seine Anzeige vorbringen konnte und der alle mit Schrecken erfüllen mußte, wenn man ihm einmal Gehör schenkte. Ich Unseliger meinte, man menge mich in den Zank eines Liebhabers und seines Buhlen, und setzte Zweifel in seine Glaubwürdigkeit, weil er nicht selbst die Anzeige machte, sondern vielmehr seinen Bruder dazu anstellte. Ich fürchtete, er möchte in Abrede stellen den Cebalinus beauftragt zu haben, und ich dann in den Ruf kommen, viele Freunde des [207] Königs in Gefahr gestürzt zu haben. Auch so, wo ich niemand geschadet habe, fanden sich welche, die lieber meinen Untergang wünschten als meine Erhaltung. Wie viel Anfeindungen, glaubt ihr wohl, würde ich mir zugezogen haben, wenn ich Unschuldige angegriffen hätte? Ja, aber Dymnus hat sich doch getötet! Konnte ich denn aber ahnen, daß er dies thun werde? Gewiß nicht. Somit konnte das, was allein der Anzeige Glauben verschafft hat, damals, als ich von Cebalinus angegangen wurde, kein Beweggrund für mich sein.

39 (1) Ferner, wenn ich mit Dymnus in das schwere Verbrechen eingeweiht gewesen wäre, durfte ich doch wahrlich nicht während jener zwei Tage verheimlichen, daß wir verraten seien. Cebalinus selbst konnte, und zwar ohne große Mühe, aus dem Wege geräumt werden. Endlich bin ich, nachdem die Anzeige hinterbracht war, durch die ich meinen Untergang finden sollte, allein in das Gemach des Königs eingetreten, und zwar mit dem Schwerte umgürtet. Warum verschob ich die That? Oder hätte ich sie ohne Dymnus nicht gewagt? Dann war also jener das Haupt der Verschwörung! Unter dessen Fittichen barg ich mich, Philotas, der ich nach der Herrschaft über die Makedonier strebe! Wen von euch habe ich denn durch Geschenke bestochen? Welchem Führer, welchem Befehlshaber angelegentlicher geschmeichelt? Mir gerade wirft man vor, ich verschmähe die Gemeinschaft unserer Muttersprache, verachte die makedonischen Sitten. So also trachte ich nach einem Reiche, das ich verschmähe? Schon längst ist jene Sprache unsres Geburtslandes aus dem Verkehr anderer Völker verschwunden; sowohl Sieger als Besiegte müssen eine fremde Sprache lernen. Es trifft mich das wahrlich ebenso wenig, als daß Amyntas, Perdikkas’ Sohn, dem Könige nachgestellt hat. Daß ich mit diesem in freundschaftlichem Verhältnisse gestanden habe, darüber mich zu rechtfertigen weigere ich mich nicht, wenn es sich nämlich für uns nicht geziemt haben sollte, den nächsten Vetter des Königs zu lieben. War es nun aber sogar unsere Pflicht, ihm, der auf eine so hohe Rangstufe gestellt war, Verehrung zu zollen: bin ich dann, frage ich, schuldig, weil ich kein Prophet war, oder müssen auch die unschuldigen Freunde pflichtvergessener Männer sterben? Wäre dies dem Rechte gemäß, warum ließ man mich so lange leben? Ist es [208] aber ungerecht, warum werde ich jetzt schließlich getötet? – Ja, aber ich habe geschrieben, mich dauerten die, welche unter dessen Scepter Leben müßten, der sich für einen Sohn Jupiters halte. Treue Freundschaft, gefährliche Freimütigkeit eines ehrlichen Ratgebers, ihr habt mich betrogen! Habt mich angetrieben, das, was ich dachte, nicht zu verschweigen! Ja, daß ich dies an den König geschrieben, bekenne ich, doch nicht über den König habe ich es geschrieben. Denn nicht Haß gegen ihn wollte ich erwecken, sondern war nur für ihn besorgt. Würdiger schien es mir eines Alexander, sich im Stillen seiner Abstammung von Jupiter bewußt zu sein, als sich deren laut zu rühmen. Aber weil die Zuverlässigkeit des Orakels unzweifelhaft ist, so mag die Gottheit mein Zeuge in diesem Prozesse sein. Haltet mich in Fesseln, bis Ammon befragt wird, ob ich das geheime und verborgene Verbrechen geplant habe. Er, der unsern König seiner Sohnschaft gewürdigt hat, wird keinen von denen verborgen lassen, die seinem Abkömmlinge nachgestellt haben. Haltet ihr aber die Folter für sicherer als das Orakel, so weigere ich mich auch nicht dieses Beweismittels zur Ermittelung der Wahrheit.

40 (1) Es pflegen die auf den Tod Angeklagten euch ihre Angehörigen vorzuführen. Zwei Brüder habe ich kürzlich verloren, auf meinen Vater kann ich weder hinweisen, noch es wagen mich auf ihn zu berufen, da er selbst auch unter dieser schweren Anklage steht. Nicht genug ja, daß er, eben noch Vater so vieler Kinder, jetzt aber auf den einzigen Sohn beschränkt, auch dessen beraubt werden soll, nein, er selbst soll mit mir auf einen Scheiterhaufen gelegt werden. Also, mein teuerster Vater, wegen mir und mit mir wirst du sterben! Ich bin es, der dir das Leben raubt, die Fackel deines Greisenalters auslöscht. Was hast du auch mich Unseligen unter dem Zorne der Götter erzeugt? Etwa, um diese Früchte von mir zu gewinnen, die dich jetzt erwarten? Ich weiß nicht, ist meine Jugend beklagenswerter oder dein Alter? Ich werde in der besten Kraft der Jahre dahingerafft, du wirst dein Leben, das dir, wenn das Schicksal warten wollte, die Natur abgefordert hätte, unter Henkershand aushauchen. Da erinnert mich die Erwähnung meines Vaters, wie vorsichtig und zögernd nur ich das mir von Cebalinus Hinterbrachte anzeigen durfte. [209] Wollte doch Parmenio, als er gehört, der Arzt Philipp bedrohe den König mit Gift, diesen durch einen Brief abhalten das Mittel zu trinken, welches der Arzt ihm zu reichen vorhatte. Hat man nun meinem Vater geglaubt? Hat sein Brief irgendwelche Beachtung gefunden? Ich selbst, so oft ich etwas hinterbracht habe, was ich gehört, bin mit dem Spotte, als sei ich zu leichtgläubig, abgewiesen worden. Wenn man sowohl, wo man anzeigt, unbequem, als wo man schweigt, verdächtig ist, was soll man dann thun?“ Und als hier einer aus dem umstehenden Haufen ausrief: „Seinen Wohlthätern nicht nachstellen!“ entgegnete Philotas: „Ganz recht bemerkt, wer du auch sein magst. Also, habe ich wirklich nachgestellt, so weigere ich mich der Strafe nicht und schließe hier meine Rede, weil meine letzten Worte euch lästig erschienen sind.“ Hierauf wurde er von denen, die ihn bewachten, abgeführt.

41 (1) Es war unter den Führern ein gewisser Bolon, den Künsten des Friedens und feinerer Sitte fremd, ein alter Soldat, der aus niederem Stande sich zu dem Range, welchen er jetzt besaß, emporgehoben hatte: dieser hob, als die Übrigen schwiegen, in dummdreister und roher Weise an sie zu erinnern, wie oft jeder von ihnen aus dem von ihm gefundenen Quartiere verjagt worden sei, damit Philotas den Auswurf seiner Sklaven dahin unterbringen könnte, von wo er seine Kameraden vertrieben. Seine mit Gold und Silber bepackten Wagen hätten ganze Straßen lang gestanden, und nicht einmal in der Nähe seines Quartiers sei einer von den Kameraden aufgenommen worden, sondern durch Leute, die er als Wächter über seine Nachtruhe aufgestellt, seien alle weit weggewiesen worden, damit nicht dieses Weib, man möchte eher sagen durch das Schweigen als das Geräusch ihres Geflüsters gestört würde. Leute bäuerlicher Abkunft hätten ihm zum Gespött gedient, und er habe sie Phryger und Paphlagonier32 genannt, ja er sei nicht errötet, obwohl Makedonier von Geburt, Menschen, die seine Muttersprache redeten, mittels eines Dolmetschers anzuhören. Warum wolle er jetzt den Ammon gefragt haben? Habe er ja doch den Jupiter, als er Alexander für seinen [210] Sohn erklärte, der Lüge geziehen, wahrscheinlich aus Besorgnis, es möchte dieser Gnadenbeweis der Götter Anstoß erregen. Als er dem Leben seines Königs und Freundes nachgestellt, habe er den Jupiter nicht gefragt; jetzt schicke er ans Orakel, bis daß sein Vater, der über Medien gebiete, aufgewiegelt werde und mit dem seiner Bewachung anvertrauten Gelde verruchte Menschen zur Teilnahme an dem Verbrechen verlocke. Sie selbst wollten zum Orakel schicken, nicht um den Jupiter das zu fragen, was sie schon vom Könige gehört hätten, sondern um ihm Dank zu sagen und ihre Gelübde für die Rettung des besten Königs zu erfüllen. Da vollends geriet die ganze Versammlung in Wut, und voran die königlichen Leibwächter schrieen sie, sie wollten den Königsmörder mit ihren Händen zerreißen. Das nun hörte Philotas, der schrecklichere Martern fürchtete, mit ziemlichem Gleichmut.

42 (1) Als der König in die Versammlung zurückgekehrt war, vertagte er sie bis morgen, sei es, um ihn noch im Gefängnisse foltern zu lassen oder um alles genauer zu erfahren, und obwohl es bereits zu dunkeln begann, ließ er dennoch die Freunde zusammenrufen. Die übrigen nun stimmten dafür, daß er nach makedonischer Sitte gesteinigt würde, Hephästion aber und Kraterus und Cönus meinten, man müsse ihm die Wahrheit durch die Folter auspressen, worauf sich auch diejenigen, die anders gestimmt hatten, an deren Meinung anschlossen. Nach Beendigung der Beratung also erhob sich Hephästion nebst Kraterus und Cönus, um das Verhör mit Philotas anzustellen. Der König rief noch den Kraterus zu sich und hatte mit ihm eine Unterredung, deren Inhalt nicht bekannt geworden ist; dann zog er sich in die innern Gemächer seiner Wohnung zurück und erwartete nach Entfernung aller Zeugen bis tief in die Nacht den Ausgang des Verhörs. Als die Folterknechte vor Philotas’ Augen alle ihre Marterwerkzeuge ausbreiteten, rief er von freien Stücken: „Was zaudert ihr, den eingestandnen Feind und Mörder des Königs zu töten? Was bedarf es der peinlichen Frage? Ich habe es beabsichtigt, gewollt.“ Kraterus verlangte, er sollte, was er jetzt bekenne, auch auf der Folter aussagen. Während man ihn ergreift, ihm die Augen verbindet, die Kleider auszieht, ruft er vergeblich vor den tauben Ohren die Gottheiten des Vaterlandes und das Völkerrecht [211] an. Dann wurde er, war er doch einmal verdammt und waren es seine Feinde, die ihn dem Könige zu gefallen folterten, durch die äußersten Martern gepeinigt. Und zuerst, obwohl bald Feuer, bald Schläge, nicht mehr der Untersuchung halber, sondern als Strafe gegen ihn angewendet wurden, blieb er Herr nicht nur seiner Worte, sondern auch seiner Seufzer; wie jedoch der von Beulen schwellende Leib die auf die bloßen Knochen geführten Peitschenhiebe nicht mehr ertragen konnte, versprach er, wenn sie mit Foltern aufhörten, so wollte er sagen, was sie zu wissen verlangten. Doch forderte er, sie sollten ihm beim Leben Alexanders schwören, daß dann das Verhör zu Ende sei, und die Folterknechte entfernen. Nachdem er beides erlangt, sprach er: „Nun, Kraterus, sage, was du willst, daß ich aussagen soll.“ Wie aber dieser voll Zorn, daß er ihn zum besten habe, die Folterknechte wieder hereinrief, hob er an um Zeit zu bitten, bis er wieder zu Atem gekommen sei, er wolle alles, was er wisse, mitteilen. Mittlerweile verbreitete sich unter den Vornehmsten der Reiterei und hauptsächlich denen, welche mit Parmenio nahe verwandt waren, auf das Gerücht von Philotas’ Folterung, große Furcht, weil ein Gesetz der Makedonier bestimmte, daß die Verwandten solcher, welche dem Könige nachgestellt hätten, zugleich mit diesen getötet würden. Einige töteten sich daher selbst, andere flohen in die unwegsamen Gebirge und wüsten Einöden, und gewaltiger Schrecken herrschte im ganzen Lager, bis der König, von der Verwirrung in Kenntnis gesetzt, bekannt machen ließ, daß er für die Unschuldigen das Gesetz über die Bestrafung der Verwandten außer Wirksamkeit setze.

43 (1) Ob sich Philotas durch ein wahres oder falsches Geständnis von den Martern hat befreien wollen, bleibt eine ungewisse Vermutung, weil gleicherweise sowohl denen, welche die Wahrheit bekennen, als welche Falsches aussagen, Beendigung des Schmerzes in Aussicht gestellt wird. Seine Aussage war übrigens folgende: „Ihr wißt wohl, wie eng befreundet mein Vater mit Hegelochus war: ich meine den Hegelochus33, der in der Schlacht gefallen ist. Er ist für [212] uns die Ursache alles Unglückes geworden. Wie nämlich der König gebot, ihn als Sohn Jupiters zu begrüßen, rief er voll Unwillen darüber: „„Den sollen wir also als König anerkennen, der den Philipp als Vater verschmäht? Geschehen ist es um uns, wenn wir das zu ertragen vermögen. Nicht nur die Menschen, sondern auch die Götter verachtet, wer für einen Gott gehalten zu werden verlangt. Verloren ist uns Alexander, verloren unser König, und wir sind einem Stolze anheimgefallen, den weder die Götter, denen er sich gleichstellt, noch die Menschen, über die er sich erhebt, ertragen können. Haben wir uns mit unserm Blute einen Gott geschaffen, der uns verschmähe? Dem es zu viel dünke, sich in den Kreis der Sterblichen zu mischen? Glaubt mir, auch wir, wenn wir nur Männer sind, werden von den Göttern zu Söhnen angenommen. Wer hat den Mord von seinem Ahnherrn Alexander34, wer dann den des Archelaus35, und des Perdikkas36 gerächt? Und den Mördern seines Vaters hat er selbst verziehen37.““ Diese Reden führte Hegelochus über Tische. Am folgenden Tage rief mich gleich früh mein Vater zu sich. Er war düster und fand auch mich niedergeschlagen, denn wir hatten etwas gehört, was uns beunruhigen mußte. Um also zu erfahren, ob Hegelochus jene Worte vom Weine trunken ausgestoßen oder infolge eines in tiefer Seele gefaßten Entschlusses, hielten wir für das beste ihn holen zu lassen. Er kam, und nachdem er dieselben Reden von freien Stücken wiederholt hatte, fügte er hinzu, wenn wir es wagten uns an die Spitze zu stellen, so wolle er für sich die nächste Rolle nach uns beanspruchen, fehle es uns aber an Mut, Stillschweigen über den Plan beobachten. Dem Parmenio dünkte, so lange Darius noch lebe, die Sache unzeitgemäß, denn nicht sich, sondern dem Feinde zum Nutzen würde man Alexander tödten. Wäre aber Darius beseitigt, so werde als Lohn für die Ermordung des Königs Asien und der ganze Orient [213] seinen Mördern zufallen. Dieser Plan wurde gebilligt, und wir gaben uns gegenseitig das Wort darauf. Was Dymnus anlangt, so weiß ich nichts, obwohl ich nach diesem meinem Bekenntnis einsehe, daß es mir nichts nützt, bei diesem neuesten Verbrechen unbeteiligt zu sein.“ Da jedoch jene aufs neue die Folter anwandten und ihm sogar selbst mit ihren Spießen Antlitz und Augen zerschlugen, preßten sie ihm das Geständnis auch dieses Verbrechens aus. Auf ihre Aufforderung dann, ihnen der Ordnung nach den Plan des Verbrechens darzulegen, erwiderte er: da es den Anschein gehabt, daß der König lange in Baktra verweilen werde, so habe er gefürchtet, sein Vater, der ein so großes Heer befehlige und so große Schätze hüte, aber schon siebzig Jahr alt sei, könnte unterdes sterben und ihm dann, wenn er sich so bedeutender Mittel beraubt sähe, keine Veranlassung mehr bleiben den König zu töten. Darum habe er sich beeilt den Plan zur Ausführung zu bringen, so lange der Lohn desselben noch in seinen Händen wäre, sein Vater aber sei dabei unbeteiligt gewesen. Wenn sie ihm das nicht glaubten, so weigere er sich nicht neuer Foltern, obwohl er sie bereits nicht mehr ertragen könne. Als sich jene hierauf verständigt hatten, daß er genug verhört scheine, kehrten sie zum Könige zurück.

44 (1) Dieser ließ am folgenden Tage das Bekenntnis des Philotas vorlesen und ihn selbst, weil er nicht gehen konnte, herbeitragen. Da er alles bestätigte, so wurde Demetrius, der der Teilnahme an dem neuesten Verbrechen angeschuldigt war, vorgeführt. Mit vielen Beteuerungen und unerschrockenen Mutes und Antlitzes leugnete dieser, irgend etwas gegen den König beabsichtigt zu haben, und forderte sogar, daß man die Folter gegen ihn anwende. Da fielen Philotas’ Augen, indem er sich umsah, auf einen gewissen Kalis, der nicht fern von ihm stand. Er hieß ihn näher zu sich herantreten, und als dieser voll Bestürzung sich weigerte zu ihm hinzugehen, rief er: „Willst du dulden, daß Demetrius lüge, und ich wieder gemartert werde?“ Kalis verstummte und erblaßte, und die Makedonier argwöhnten, Philotas wolle Unschuldige in Verdacht bringen, weil der junge Mann weder von Nikomachus noch von Philotas selbst bei der Folterung genannt worden war. Doch dieser, wie er sah, daß die königlichen Feldherrn [214] ihn umstanden, bekannte, Demetrius und er selbst hätten die That beabsichtigt. Es wurden also alle, welche Nikomachus genannt hatte, nach vaterländischer Sitte auf ein gegebenes Zeichen zu Tode gesteinigt. So sah sich Alexander von großer Gefahr befreit: um von der Lebensgefahr zu schweigen, besonders auch von der, sich verhaßt zu machen; denn Parmenio und Philotas, die vornehmsten seiner Freunde, hätten, wenn sie nicht offenbar als Schuldige dastanden, nicht ohne große Aufregung des ganzen Heeres verurteilt werden können. So lange also die Untersuchung unentschieden war, so lange Philotas die That leugnete, erschien seine Folterung als Grausamkeit; nach seinem Bekenntnis galt er nicht einmal seinen Freunden mehr für bemitleidenswert.

Anmerkungen

1 Auch der fehlende Anfang des 6. Buches ist nach Freinsheims Ergänzung gegeben.

2 Die Versammlung fand zu Korinth statt.

3 Dies ist ungenau, denn schon auf der Verfolgung des Darius, nach dem Durchzug durch die kaspischen Pässe hatte er Parthiene betreten. Über die Bewohner dieser Landschaft s. Buch 4, Kapitel 45 Anm. 11.

4 Dieser Zusaß, sowie die folgenden Bemerkungen gehen auf das Skythenvolk im allgemeinen, nicht bloß auf den Stamm, der die ebenen und fruchtbaren Gegenden Parthienes in Besitz genommen hatte.

5 Borysthenes, jetzt Dniepr; Tanais, jetzt Don.

6 Diese Nachricht ist völlig unwahrscheinlich, aber der Name Hekatompylos (die Hundertthorige) war griechische Übersetzung des heimischen Namens. Die Stadt lag am Zusammentreffen aller großen Verbindungsstraßen des Landes, was jene Benennung veranlaßte.

7 Thrakisches Volk in Untermösien.

8 Zwischen Parthiene und dem Kaspischen See, altpers. Varkana, d. i. Wolfsland, jetzt Gurgan oder Dschordschan.

9 Da zwischen Hyrkanien und Parthiene Gebirge liegen, so ist damit die bequemere, aber weitere Heerstraße gemeint.

10 Dieser Fluß, sowie der nachher genannte Ridagnus lassen sich jetzt nicht mehr mit Sicherheit nachweisen. Jedenfalls befanden sie sich am Nordabhange des Gebirges.

11 Vom Regierungsantritt des Cyrus (559 v. Chr.) an gerechnet.

12 Durch Darreichung der Rechten. Dieser Handschlag wurde auch an Entfernte durch eine dritte Person übersendet.

13 Sämtliche hier genannte Völkerschaften und Orte lagen nicht an der südöstlichen Bucht des Kaspischen, sondern des Schwarzen Meeres. Der Verfasser scheint daher bei der Mangelhaftigkeit der damaligen Karten oder aus Flüchtigkeit beide Meere verwechselt zu haben.

14 Nur in der Nähe der Ufer ist das Wasser süß, wegen der vielen einströmenden Flüsse.

15 Diese Erscheinung wird noch jetzt an mehreren Punkten des Kaspischen Meeres beobachtet. Sie ist eine Folge heftiger und anhaltender Stürme, die das Wasser nach einer Seite hin aufstauen.

16 Man glaubte das Kaspische Meer in Verbindung entweder mit dem Schwarzen Meere oder mit dem Indischen Ozean (Arrian 5, 5, 4. 7, 16, 2). Doch war auch schon die richtigere Ansicht bekannt (Herodot I, 202).

17 Diese Art Manna wird noch jetzt in jenen Gegenden gefunden.

18 Der Name ist vielleicht verdorben. Bei Arrian (3, 23, 6) erfolgt das Zusammentreffen bei Zadracarta.

19 Im Westen von Hyrkanien, jetzt Taberistân.

20 S. zu 5, 21.

21 Es ist Zadracarta gemeint.

22 Über den Irrtum, der hier obwaltet, s. 6, 12 Anm. 1. Der Fluß Thermodon mit der Stadt Themiscyra befindet sich im Nordosten Kleinasiens, der Phasis (jetzt Rion) ergießt sich in Kolchis ins Schwarze Meer. Nach Justin (12, 3) machte Thalestris eine Reise von fünfundzwanzig Tagen, um mit Alexander zusammenzutreffen. Die ganze Erzählung, obwohl von mehreren Schriftstellern berichtet, erscheint nach den glaubwürdigsten Zeugnissen als bloße Fabel. S. Plutarch, Alexander 46.

23 Nicht der Don, sondern der in den Aralsee mündende Jarartes (i. Sir), der ebenfalls Tanaïs genannt und daher öfters mit dem Don verwechselt wurde. Vgl. 7, 29.

24 Satibarzanes war Statthalter der östlichvon Parthiene liegenden Provinz Ariana (6, 22). Alexander hatte nämlich, was Curtius zu erzäh lei vergessen hat, um diejen mädytigen Satrapen nicht unbeachtet beijeite lie gen zu lassen, sich zunächst aus Hyrkanien nach Ariana gewendet, und Sati barzanes hatte sich ihm unterworfen. Arrian 3, 25,1.

25 Müell glaubt aus der hier gegebenen Ortsschilderung die jebige Feste Kelaat zu erkennen.

26 Artako ana Hauptstadt der Arier. Die heutige, jedoch nicht am gleichen Plaße befindliche Hauptstadt des Landes ist verat.

27 Die Drangä oder Zarang ä wohnten um den Binnensee Zareh.

28 Er war damals siebzig Jahre alt.

29 Amyntas war der Sohn von Philipps älterem Bruder Perdikkas, also mit Alexander Geschwisterkind. Nach dem Tode seines Vaters Perdikkas war er der rechtmäßige Thronerbe, und sein Oheim Philipp führte Anfangs nur die Vormundschaft für ihn. Doch wußte dieser es bald dahin zu bringen, daß die Makedonier ihm selbst die Königswürde übertrugen.

30 Attalus war der Oheim der Kleopatra, welche König Philipp mit Zurücksetzung der Olympias in den letzten Jahren seines Lebens heiratete. Infolge der Zerwürfnisse, die durch diese Heirat in Philipps Familie entstanden, herrschte bittere Feindschaft zwischen ihm und Alexander, und letzterer ließ ihn nach dem Tode seines Vaters umbringen, s. 7, 1.

31 So nach Vogels Konjektur: si ipsi, acui permisit.

32 Beide Völker galten im Altertume für roh, ungesittet und wenig begabt. Von den Phrygern sagte das Sprichwort, sie müßten durch Schläge gezogen werden und kämen erst im Alter zu Verstand.

33 Wahrscheinlich derselbe, der nach Arrian (3, 11, 8) in der Schlacht bei Gaugamela das letzte Geschwader der Hetärenreiterei befehligte.

34 Der erste dieses Namens in der Makedonischen Königsreihe, Zeitgenosse des Xerxes. Von seinem gewaltsamen Tode berichtet nur diese Stelle.

35 Archelaus herrschte zur Zeit des Peloponnesischen Krieges und galt für einen der weisesten und glücklichsten Regenten seiner Zeit.

36 Der ältere Bruder Philipps und Oheim Alexanders. Seine Mutter Eurydice ließ ihn umbringen.

37 Dies bezieht sich nur auf die Begnadigung des Lynkesten Alexander, s. Curtius 7, 1. Die übrigen Teilnehmer am Morde waren getötet worden.

Highlights

  • Anonyme Kaisergeschichte
  • Sueton: Kaiserbiographien
  • Curtius Rufus: Geschichte Alexanders des Großen

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