Skip to content
Antiquitas
Menu
  • Startseite
  • Autoren
  • Werke
  • Impressum
Menu

Mahngedicht

Fleuch Buhlschaften und laß nicht wilde Gelüste dich reizen.1
Spinne Betrug nicht an und besudle mit Blute die Hand nicht.
Sammle nicht unrecht Gut: das Erlaubte gebrauche zum Leben.
Gib dich zufrieden mit dem, was du hast, und begehre nicht Fremdes.
Schwatze Verlogenes nie, sag‘ immer und offen die Wahrheit.
Erstlich die Gottheit ehre, sodann die, welche dich zeugten.
Jedem ertheile sein Recht und nach Gunst nicht wende das Urtheil.
Tritt nicht nieder den Armen; nach Unrecht richte du Niemand:
Richtest du schlecht, so wird auch dich einst richten die Gottheit.
Lügnerisch Zeugniß fliehe, verkündige nur, was gerecht ist.
Hab’ auf die Keuschheit Acht und in Allem bewahre die Treue.
Gibt stets richtiges Maß: Maß ist lobwürdig in Allem.
Drück’ an der Wage den Balken nicht hinab, schwebend erhalt’ ihn.
Niemals schwöre du falsch, unwissentlich nicht, noch aus Vorsatz:
Meineid, wer ihn auch schwur, ist ein Gräuel der ewigen Gottheit.
Sein kein Dieb an dem Samen: verflucht ist, wer ihn entwendet.
Zahle den Lohnarbeiter und nicht mißhandle den Armen.
Gibt wohl Acht auf die Zung’ und verschließ’ in der Brust die Gedanken.
Thue nicht selbst Unrecht, noch dulde du solches an Andern.
Gib unverzüglich dem Bettler und heiß’ nicht morgen ihn kommen;
Reich’ aus gefülleter Hand dem Bedürftigen und geleite den Blinden.
Nimm Schiffbrüchiger helfend dich an: unsicher ist Seefahrt.
Sei Hilflosen ein Retter, dem Fallenden reiche die Hand dar.
Gleich geht’s Allen: das Leben ein Ring, stets wechselnd der Glücksstand.
Ist Reichthum dir bescheert, mild öffne die Hand dem Bedrängten.
Was die die Gottheit gab, das theile mit dem, der in Noth ist.
Ganz sei gemeinsam das Leben und Alles verbunden in Eintracht.
Gürt’ um die Lenden das Schwert, zum Mord nicht, sondern zur Abwehr:
– Hättest du nie dieß nötig, so wenig im Recht, als im Unrecht! –
Ist der Getödtete gleich dein Feind, du besudelst die Hand doch.
Meide des Nachbars Feld, nicht überschreite die Gränzmark;2
Auch nicht sollst du verwüsten die wachsende Frucht in dem Saatland.
Einerlei Ehre genieße, wer fremd herkam, mit den Bürgern,
Denn wir Alle ja fühlen die Armuth, die uns umherwirft,
Und kein Land in der Welt gibt bleibenden Boden den Menschen.
Gierde nach Geld und nach Gut ist aller Verworfenheit Mutter.
Jegliche Zeit sind Silber und Gold Lockspeisen der Menschen:
Geld, o du Wurzel des Bösen, du Lebensverderber, du Todfeind,
Wär’st du den Sterblichen doch kein solch ersehnetes Unheil!
Denn deinwegen ist Kampf und ist Raub (in der Welt) und Gemetzel;
Feind sind Kinder den Eltern und Brüder den leiblichen Brüdern.
Birg nicht andre Gedanken im Herzen, als wie du sie aussprichst.
Aendre dich nicht nach dem Ort, wie das Felsengewächs, der Polypus.3
Wer sich mit Willen vergeht, ist schlecht; wen aber die Noth trieb,
Nenn’ ich zuletzt nicht so: wohl prüfe bei Jedem die Absicht.
Mache mit Weisheit nicht, noch mit Stärke dich breit, noch mit Reichthum:
Einzig nur Gott ist weis’, ist mächtig und allseits glücklich.4
Auch nicht quäle den Herz mit vorübergegangenen Leiden,
Denn, was gescheh’n ist, läßt niemals ungeschehen sich machen.
Schlage nicht jählings zu, und des Zorns Aufwallen bezähme:
Hat doch Mancher, der schlug, schon unabsichtlich gemordet.
Was dich ergreift, sei billig; zu hoch Nichts, Nichts zu verwegen;5
Wirklichen Vortheil schaffet den Sterblichen nie, was zuviel war:
Ueppige Nahrung reizet zu maßausschreitender Wollust;
Reiches Besitzthum bläht sich und wächst bis zu frevelem Muthe.
Wo sich Gereiztheit regt, da zeugt sie verderblichen Wahnsinn.
Trieb ist Verlangen nach Was, unmäßiger artet in Wuth aus.
Eifer zum Guten ist edel, doch der zum Gemeinen verwerflich.
Muth zum Schlechten verderbt; groß fördert er, strebst du nach Edlem.
Würdig ist Liebe zur Tugend, zur Wollust mehrt sie die Schande.
Stets ist genehm der gefällige Mann im Kreise der Bürger.
Halte das richtige Maß im Essen und Trinken und Reden:
Maß ist in Allem das Best’, Ausschreiten desselben verwerflich.
Nicht mißgönne den Freunden ihr Gut, noch behandle sie schnöd drum:
Wohnen doch mißgunstlos auch die Himmlischen unter einander.
Nicht blickt neidisch der Mond auf Helios’ hellere Strahlen;
Nicht zu den himmlischen Höh’n empor aus der Tiefe der Erde;
Nicht auf die Meere die Ström’; ungestöret bewahren sie Eintracht.
Trennte die Seligen Zwist, nicht würde bestehen der Weltraum.
Uebe besonnenen Sinn, enthalte dich schimpfliches Handelns.
Folge der Bosheit nicht, durch Rechtthun tilge die Rache.
Güte gebiert Vortheil, doch Zwietracht wieder nur Zwietracht.
Trau’ nicht plötzlich, bevor du das Ziel nicht sicher erblickest.
Billig besiegt Gutthäter man durch Gutthaten in Mehrzahl.
Schöner bewirthest du schnell am spärlichen Tische den Gastfreund,
Als bei tückischem Zögern an Reihen (von Tafeln) zur Unzeit.
Werd’ ein drückender Gläubiger nie dem bedürftigen Manne;
Auch nicht nimm aus dem Neste die sämmtlichen Vögel mit einmal,
Schone der Mutter, damit auf’s Neue sie Junge dir schenke.
Laß das Gericht niemals unwissende Leute verwalten.
Herr ist der Weise des Wissens, der Kunsterfahr’ne der Künste.
Nicht ist in Vielem gelehrt, wer Nicht auffaßte vom Vortrag,
Denn unverständig ist Jeder, der niemals Gutes gelernt hat.
Auch nicht sollst du zu Freunden schmarotzende Schmeichler dir wählen;
Denn groß ist, wo man trinkt und schmauset, die Zahl der Genossen,
Welche den Zeitpunkt hätscheln, wo Sättigung ihnen sich darbeut:
Wenig befriedigt sie nicht, noch viel, weil all’ unersättlich.
Niemals traue dem Pöbel, veränderlich ist ja die Menge:
Pöbel und Wasser und Feuer, es läßt sich keines bezähmen.
Auch nicht schwäche die Kraft durch zwecklos Sitzen am Feuer.
Spende den Göttern ihr Maß, denn (richtiges) Maß ist das Beste.
Gib Antheil an der Erde den nichtbestatteten Leichen;6
Oeffne die Gruft der Entschlafenen nicht; was den Augen entrückt ist,
Ziehe du nicht an das Licht, und errege der Himmlischen Zorn nicht.
Unrecht ist’s, das Gebilde des menschlichen Leibs zu zerlegen:7
Ueber ein Kleines ersteht aus der Erde zum Lichte (wir hoffen’s),
Was rückbleibt von den Todten, und alsdann werden sie Götter;
Denn, von den Keren verschont, lebt in den Verblich’nen der Geist fort:
Nämlich der Geist ist Gottes, den Menschen verlieh’n, und sein Abbild,
Aber von Erd’ ist der Körper und wird, wenn er völlig in diese
Wieder gelöst ist, Staub, doch der Geist schwebt auf in die Lüfte.8
Spare den Reichtthum nicht und gedenke, daß Sterben dein Loos ist;
Nicht ist erlaubt, Glücksgüter und Schätz‘ in den Ais zu bringen.
Gleich macht Alle der Tod, doch den Seelen gebietet die Gottheit;
Allen gemeinsam ist die Wohnung der Seligen, Heimath der Ais,
Allen gemeinsam die Stätte, den Dürftigen wie den Gebietern.
Lange Zeit nicht leben wir Sterbliche, nur eine Zeit lang,9
Aber der Geist, unsterblich und frisch, lebt immer und ewig.
Weder im Unglück zage, noch blähe dich, wenn es dir wohl geht:
Zeigt sich doch selbst dem Beherzten so viel Unsich’res im Leben.
Schicke dich fein in die Zeit und blase nicht gegen die Winde;
Leid, und Erlösung vom Uebel den Leidenden, kommt unversehens.
Habe nicht Lust an Geprahl, auf daß dein Geist nicht verwild’re;
Uebe dich, zierlich zu reden, es ist gar förderlich Jedem:
Wehr ist die Rede dem Mann, die schärfer noch schneidet, als Eisen.
Wehr gab Jeglichem Gott: die Natur, durch Lüfte zu fliegen,
Hat er den Vögeln verlieh’n; Raschheit und Stärke dem Löwen;
Hörner, die selbst aufsprießen, den Stieren, und Stacheln den Bienen
Als angeborenen Schutz; Bollwerk ist die Sprache den Menschen:
Sprache, das trefflichste Theil der von Gott herstammenden Weisheit.
Weit vor gehet dem Starken der Mann, den Wissen gebildet;
Ländergebiet und Städte regiert und Schiffe die Weisheit.
Unrecht ist’s, vor der Strafe den frevelnden Mann zu verstecken,
Sondern sich weg vom Verbrecher zu wenden ist strenge geboten.
Wer zu den Schuften sich hält, der stirbt nicht selten mit ihnen.
Niemals nimm von den Dieben gestohlenes Gut in Verwahrung:
Beide zumal sind Diebe, der Hehler so gut, wie der Stehler.
Was ihm gebührt, gib Jedem: das Best‘ ist Billigkeit immer.
Alles genieß‘ im Beginn sparsam, daß zuletzt du nicht darbest.
Nicht entziehe dem Vieh unrechtlicher Weise die Nahrung.10
Stürzet dem Feind sein Vieh auf dem Wege, so hilf ihm zum Aufsteh’n.
Wer irr ging und zur See umtreibt, den lasse nicht hilflos.
Besser, anstatt Anfeinder, erwirbt man gefällige Freunde.
Gleich im Beginne vertilge den Schaden und heile die Wunde.
Fleisch, angefressen von Thieren, genieße nicht; solcherlei Stücke
Laß schnellfüßigen Hunden: das Thier frißt, was von dem Thier kommt.
Mische nicht giftige Tränk‘, enthalte dich zaub’rischer Bücher.
Zärtlichen Kindlein nahe dich nicht mit gewaltsamen Händen.
Spaltungen fleuch und Gezänke, sobald vor der Thüre der Krieg steht.
Thue dem Schuft nicht Gutes: es heißt das Samen in’s Meer streu’n.
Stets sei thätig, damit vom eig’nen Geschäfte du lebest,
Denn aus diebischer Hand lebt jeglicher Mann, der Nichts thut.
Auch nicht esse die Tisch-Abfälle vom Mahle des Andern,
Sondern in Ehren genieße, was selbst du besitzest zum Leben.
Wer nicht Künste versteht, umgrabe das Land mit der Hacke.
Allerlei gibt’s im Leben zu thun, wenn thätig du sein willst:
Willst als Schiffer du schiffen: das Meer beut Raumes genug dar;
Willst Landbau du betreiben: es gibt umfassende Fluren;
Ohne Bemüh’n fällt Nichts, was geschieht, gut aus für die Menschen,
Selbst für die Himmlischen nicht; viel hilft Anstrengung zur Tugend.
Sieh‘, es verlässet der Erde verborg’ne Gemächer die Ameis‘
Und kriecht vor, da sie Nahrung bedarf, sobald auf den Feldern
Abgemäht die Saat und der Boden mit Früchten gefüllt ist.
Selbst nun trägt sie die Bürde des eben gedroschenen Weizens,
Oder der Gerste davon; stets drängt ein Träger den andern:
Also sammeln im Sommer das Futter sie ein für den Winter,
Ohne zu ruh’n. Nur klein ist die Schaar, doch stets unverdrossen.
Meisterlich auch arbeitet die luftdurchschwärmende Biene,
Sei’s in des Felsens gewölbeter Klüftung, sei’s im Geröhricht,
Sei’s in gehöhleter Eiche der Vorwelt, oder in Stöcken,
Wo mit unzähligen Zellen der Schwarm sein wächsernes Haus baut.
Bleibe nicht unvermählt, daß nicht dein Name vergehe;
Gib dein Theil der Natur: zeug‘ Andre, wie selbst du gezeugt wardst.
Gib dein Ehegemahl nicht preis, du befleckest die Kinder:
Kein ehebrecherisch Lager erzeugt gleichmäßigen Nachwuchs.
Taste das Bett nicht an von des Vaters zweiter Gemahlin;
Ehre sie, als Nachfolg’rin der eigenen Mutter, wie diese.
Auch nicht nahe dem unantastbaren Lager der Schwester
Und bleib‘ fern von dem Bette der Nebenweiber des Vaters.
Auch darf nimmer ein Weib ihr Kind im Leibe vernichten,11
Noch das gebor’ne zum Fraß vorwerfen den Hunden und Geiern.
Niemand übe Gewalt an der Frau, wann schwanger sie gehet.
Auch nicht sollst du verschneiden den zeugungsfähigen Jüngling,
Noch auch habe zu schaffen mit unvernünftigen Thieren.
Nöthige nie ein Weib zum eheschändrischen Beischlaf,
Noch weich‘ ab vom Gesetz der Natur zu verruchtem Genusse:
Liebe des Mannes zum Mann wird selbst ja von Thieren verabscheut.
Niemals spiele das Weib in der Liebe die Rolle des Mannes.
Auch nicht raffe dich hin ungezügelte Liebe zu Weibern:
Denn kein Gott ist die Liebe; verblendet ist, wen sie ergriffen.
Auch nicht sollst du das Lager verschwägerter Weiber besteigen.
Liebe dein Ehegemahl, denn was ist süßer und besser,
Als wenn bis in das Alter das Weib Eintracht mit dem Mann hält
Und nie zwischen Gemahl und Gemahlin ein Zank sich erhebt?
Auch soll Keiner Gewalt anthun unvermähleten Jungfrau’n.
Nimm kein schuftiges Weib, die Vermögen besitzet, zur Hausfrau,
Daß nicht Sklave der Gattin du sei’st ob der traurigen Mitgift.
Rosse von edlem Geschlecht erspäh’n wir von Hause zu Hause,12
Stiere mit nervigem Hals und die wildesten unter den Hunden:
Doch um ein wackeres Weib, da streiten wir Thoren uns niemals;
Ebensowenig verschmähet ein Weib den begüterten Schurken.
Auch nicht füge zur Ehe die Eh‘: zum Uebel das Uebel.13
Wegen des Erbguts laß dich in Streit nie ein mit Verwandten.
Sei nicht streng mit den Kindern; im Gegentheil, zeige dich gütig.
Wenn sich ein Knabe vergeht, dann weis‘ ihn zurechte die Mutter,
Oder die Häupter der eig’nen Familie, oder des Volkes.
Lasse dem männlichen Kinde das Haar nie wachsen in Locken,
Auch nicht flicht auf der Scheitel ihm schräg umlaufende Zöpfe:
Weiblichen Wesen nur ziemt, nicht männlichen, üppiger Haarschmuck.
Hüte die Jugendblüte des lieblich gestalteten Knaben,
Denn gar Mancher ist lüstern nach männlichem Liebesgenusse;
Aber das Mädchen verwahr‘ im festverschloßnen Gemache
Und laß, eh‘ sie vermählt, nie außer dem Hause sie sehen:
Körperreize der Kinder zu hüten ist schwer für die Eltern.
Lieb‘ und fromme Gesinnung bethätige gegen Verwandte.
Ehrfurcht zolle den Silbergelocketen; räume den Alten
Sitz und jegliche Würd‘, und dem Greisen von edeler Abkunft
– Altersgenossen des Vaters – erzeige die nämlichen Ehren.14
Was jedweder an Nahrung bedarf, das reiche den Dienern;
Gib das Bestimmte dem Knecht, auf daß sein Herz dir gehöre;
Niemals drücke dem Diener ein Mal als Zeichen der Schand‘ auf.
Bringe dem Knecht nicht Schaden, indem beim Herrn du ihn anschwärz’st;
Laß selbst Rath dir gefallen vom Einsicht zeigenden Diener. –
Läuterung ist’s für den Geist, wenn rein du den Körper bewahrest.
Dieß die geheiligten Lehren des Rechtthuns: wer sie befolget,
Wird, bis zum äußersten Alter, ein herrliches Leben verbringen.





V. 5




V. 10




V. 15




V. 20




V. 25




V. 30




V. 35




V. 40




V. 45




V. 50




V. 55




V. 60




V. 65




V. 70




V. 75




V. 80




V. 85




V. 90




V. 95




V. 100




V. 105




V. 110




V. 115




V. 120




V. 125




V. 130




V. 135




V. 140




V. 145




V. 150




V. 155




V. 160




V. 165




V. 170




V. 175




V. 180




V. 185




V. 190




V. 195




V. 200




V. 205




V. 210




V. 215

1 V. 1. Im Interesse unsers deutschen Sittlichkeitsgefühls übersetze ich nach der Lesart [—] in der Schier’schen Ausgabe, anstatt nach der gewöhnlichen – diplomatisch allerdings richtigern – [—].

2 V. 32. Zwischen diesem und V. 33. steht in den meisten Ausgaben ein Vers, der wörtlich auch als V. 64. wiederkehrt. Ich habe ihn – nach dem Vorgange Gaisfords – an ersterer Stelle weggelassen, weil er offenbar blos wegen des Wortspiels: [—], hier hereinkam, sonst aber den Zusammenhang offenbar mehr stört, als fördert.

3 V. 44. Anspielung auf die Meinung der Alten, daß der an dem Felsen festhängende Polyp (die Koralle) nach Umständen die Farbe des erstern annehme. Vgl. Theognis V. 215 u. ffg.; Plinius, Hist. Nat. 9, 29. Bd. 1, S. 581 der Ausg. von Hardouin – „Nach dem Ort“, d. h. wo du gerade bist, sei’s aus Beruf, oder aus freier Wahl.

4 V. 48. Das griechische [—] entspricht dem bekannten Horazischen „ab omni parte beatus.“ Carm. 2, 16, 28.

5 V. 53. Doch wohl besser, als die andere Uebersetzung: „Was du verlangst“; denn im „ergriffen werden“ liegt mehr der Begriff des Passiven, wie im Griech. [—].

6 V. 93. Nach dem religiösen Glauben der Alten konnte, so lange der Körper eines Menschen noch nicht beerdigt war, dessen Seele keine Ruhe finden, sondern mußte hundert Jahre lange entweder um den L eichnam, oder um die Ufer des Styx herumirren. Es ward deßhalb als heilige Pflicht geachtet, wenn Jemand eine unbeerdigte Leiche traf, ihr entweder den Liebesdienst der Beerdigung zu erweisen, oder, wenn Zeit und Umstände dieses nicht gestatteten, sie wenigstens mit einigen Händen voll Erde oder Staub zu bestreuen, was, als Symbol der Beerdigung, die gleiche wohlthätige Wirkung hatte, wie diese selbst, nämlich die Beruhigung der Seele. Vgl. über diesen Gegenstand Virgil Aen. 6, 365 und Horaz Carm. 1, 28, 23–25. – Ich habe das Griechische […] hier absichtlich ganz nach dem Worte übersetzt, weil ich dadurch den Vortheil erhielt, dass nun die doppelte Art der Beruhigung der Seele, nämlich einmal durch wirkliches Beerdigen des Körpers, und dann durch bloßes Bestreuen mit Erde, zugleich ausgedrückt ist.

7 V. 96. Ich folge hier der Erklärung Bruncks und Gaisfords, welche die Stelle vom Seciren der Leichname verstehen, als der nach den Begriffen des Altherthums – sowohl bei Heiden, als Juden und Christen, vgl. die Einl. – natürlichern. Andere denken hier an Selbstmord: weniger wahrscheinlich, da dieser von den Alten vielfach als Heldenthat gepriesen wird.

8 V. 102. „Gelöst“, hier gleichbedeutend mit „aufgelöst“, wie schon aus dem Zusammenhange ganz ungezwungen hervorgeht.

9 V. 108. Das wunderschöne Wortspiel, welches in den beiden Gegensätzen „Lange Zeit“ und „Zeit lang“ liegt, hat mich dazu verleitet, lieber einen schlechten Vers, als durch dessen Verwischung einen guten zu machen. Der Trochäus „Lange“, statt des durch das Metrum gebotenen Spondeus, mag wegen der stark hervortretenden Betonung noch hingehen; aber „eine“, als doppelte Kürze, ist freilich etwas stark, allein es ist – wie schon gesagt – ein Opfer, das ich dem Wortspiele gebracht habe.

10 V. 131. Der Text dieses Verses ist im Griechischen so unbestimmt, und die Erklärungen der Commentatoren so von einander abweichend, daß ich selbst nur annähernd übersetzen konnte. Meine Erklärung erschien mir natürlicher und näher liegend, als eine andere, welche die pythagoräische [—] (Enthaltsamkeit von dem Genusse des Fleisches und Blutes der Thiere) im Auge hat.

11 V. 171–179. Aus naheliegenden Gründen ist hier nicht immer ganz nach den Worten des Originals, wohl aber genau nach dem Sinne übersetzt worden.

12 V. 189–192. Ganz dasselbe findet sich bei Theognis V. 183–196, vgl. unsere Anmerkung zu jener Stelle. – Nachgeahmt ist sie von Göthe in Hermann und Dorothea, Gesang 7.

13 V. 193. „Nicht füge zur Ehe die Eh’“ – enthält das Verbot der Polygamie; nämlich: gehe keine zweite oder weitere Ehe ein, wenn du schon verehlicht bist.

14 V. 209. Nämlich: die gleichen Ehren, wie dem Vater selbst.

Highlights

  • Anonyme Kaisergeschichte
  • Sueton: Kaiserbiographien
  • Curtius Rufus: Geschichte Alexanders des Großen

Info

  • Impressum

Falls du Fehler bemerkst, Verbesserungsvorschläge oder einfach Fragen hast, kontaktiere uns und schreibe an info@antiquitas.org!

© 2026 Antiquitas | Powered by Minimalist Blog WordPress Theme