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8. Buch

1. Im Jahre 850. nach Erbauung der Stadt unter den Consuln Vetus und Valens nahmen die öffentlichen Angelegenheiten eine höchst vortheilhafte Wendung, indem die selben zum größten Glück den Händen würdiger Häupter anvertraut wurden. Es folgte nämlich in der Regierung auf den verworfenen Tyrannen Domitianus, Nerva, durch Mäßigung und strenge Sitten in seinem Privatleben ausgezeichnet, übrigens von mittlerem Adel. In Folge der Bemühungen des Befehlshabers der Leibwache, Petronius Secundus, und des Mörders von Domitian, Parthenius, wurde er noch in seinem hohen Alter auf den Thron gehoben, auf welchem er die größte Gerechtigkeitsliebe und Leutseligkeit bewies. Mit gottähnlicher Vorsicht sorgte er für das Wohl des Staates dadurch am besten, daß er Trajanus an Sohnes statt annahm. Er starb in Rom ein Jahr, vier Monate, acht Tage nach seiner Thronbesteigung [98. n. Chr.], zwei und siebenzig Jahre alt. Auch er wurde unter die Götter versetzt.

2. Sein Nachfolger wurde Ulpius Crinitus Trajanus, zu Italica1 in Spanien geboren und von einer mehr alten, als berühmten Familie. Sein Vater war nämlich der Erste in derselben, der Consul war: zum Imperator wurde er aber bei Agrippina in Gallien erhoben. Seine Staatsverwaltung war so beschaffen, daß man ihm mit Recht vor allen anderen Regenten den Vorzug gibt. Ihm war seltene Menschenfreundlichkeit und Tapferkeit eigen. Die Grenzen des Römischen Reichs, das seit Augustus mehr vertheidigt, als auf eine bemerkenswerthe Weise vergrößert worden war, dehnte er weit und breit aus; er gewann die Städte jenseits des Rheins in Deutschland wieder: Dacien unterwarf er nach seinem Siege über Decebalus, und gewann jenseits der Donau eine Provinz in denjenigen Bezirken, welche jetzt die Thaiphalen,2 Viktoalen und Thervinger3 inne haben. Diese Provinz hatte einen Umfang von einer Million Schritten. [200 geographischen Meilen].

3. Den Parthamastres, der Armenien besetzt hatte, tödtete er, und nahm so dieses Land den Parthern, in deren Händen es sich befand, wieder ab. Den Albanern gab er einen König. Die Könige der Iberier, Sauromaten,4 Bosporaner, Araber, Osdroëner5 und Colchier mußten ihm huldigen. Das Land der Corduener,6 Marder7 und Meder eroberte er; Anthemusia, einen ansehnlichen Strich von Persien, Seleucia,8 Ktesiphon, Babylon und Messene9 bezwang und behauptete er: bis an die Grenzen Indiens und das rothe Meer rückte er vor und richtete daselbst drei Provinzen ein, aus Armenien, Assyrien, Mesopotamien nebst den Völkern, welche zunächst Madena10 wohnen. Arabien gab er nachher auch die Gestalt einer Provinz. Auf dem rothen Meer baute er eine Flotte, um mittelst derselben das Indische Gebiet zu verwüsten.

4. Indeß überstrahlte seinen Kriegsruhm die Leutseligkeit und Mäßigung, mit der er die Römer sowohl, als die Provinzbewohner wie seines gleichen behandelte: die Personen aus seiner Umgebung beehrte er oft mit freundlichen Besuchen in Zeiten von Krankheiten oder an festlichen Tagen, und ließ wechselseitig gemeinschaftliche Mahle veranstalten, wobei der Rangunterschied verschwand: öfters sah man ihn in ihrem Wagen fahren; nicht Ein Senator ward von ihm gekränkt; niemals erlaubte er sich zur Bereicherung des öffentlichen Schatzes eine ungerechte Handlung; freigebig gegen Jederman bereicherte er aus öffentlichen und Privatmitteln und erhob zu Aemtern alle Diejenigen, mit welchen er auch nur in geringerem Grade vertraut geworden war; das ganze Reich schmückte er mit Werken der Baukunst; den Gemeinden ertheilte er mancherlei Freiheiten; Ruhe und Gelindigkeit war der Charakter seiner ganzen Wirksamkeit: ein Beweis hievon ist, daß während seiner ganzen Regierung nur Ein Senator verurtheilt wurde, und selbst Dieser, ohne Wissen Trajans, durch den Senat. Wegen dieser Eigenschaften wurde er im ganzen Reiche als Ebenbild der Gottheit geachtet, und ihm während seines Lebens und nach seinem Tode jede Art von Verehrung gezollt.

5. Von ihm wird unter anderen edlen Aeußerungen folgende berichtet. Seine Freunde machten ihm bemerklich, es dürfte sein Benehmen allzu herablassend erscheinen, worauf er die Antwort gab: er bemühe sich, als Kaiser gegen Privatpersonen sich also zu verhalten, wie er es in seinem Privatstande von den Kaisern gewünscht habe. Als Krieger und Staatsmann mit dem höchsten Ruhm gekrönt, starb er auf dem Rückwege von Persien in dem Isaurischen Seleucia an einem Durchlauf. Er erreichte ein Alter von drei und sechzig Jahren, neun Monaten, vier Tagen: seine Regierung hatte gedayert neunzehen Jahre, sechs Monate, fünfzehen Tage. Er wurde unter die Götter versetzt, und allein von allen Kaisern innerhalb der Stadt begraben. Seine Gebeine wurden in einer goldenen Urne auf dem von ihm erbauten Forum beigesetzt, und über denselben eine Säule errichtet, deren Höhe 144 Fuß hat.11 Sein Andenken genoß so viel Ehre, daß bis auf unsre Zeiten der gewöhnliche Zuruf an die Regenten im Senate dieser ist: sey glücklicher als Augustus, und besser als Trajanus! Ueberhaupt ist zwar der Ruhm seiner guten Eigenschaften so entschieden, daß derselbe sowohl Schmeichlern, als der Wahrheit getreuen Lobrednern Stoff darbietet zum glänzendsten Muster.

6. Nach dem Tode Trajans [116. n. Chr.] wurde Aelius Hadrianus zum Kaiser gewählt, ohne daß Trajan dieß eigentlich gewollt hatte: indeß hatte sich die Gemahlin Trajan’s, Plotina, für ihn verwendet. Obwohl er nämlich der Sohn einer Muhme Desselben war, so hatte ihn Trajan bei seinem Leben doch nicht an Kindesstatt annehmen wollen. Auch er war zu Italica in Spanien geboren. Eifersüchtig auf den Ruhm Trajan’s entsagte er alsbald drei Provinzen, durch welche Trajan das Reich vergrößert hatte, rief die Heere aus Assyrien, Mesopotamien und Armenien zurück und verordnete, daß der Euphrat die Grenze des Reichs seyn sollte. Seine Freunde brachten ihn von ähnlichen Absichten mit Dacien ab, durch die Vorstellung, daß ja sonst eine Menge Römischer Bürger den Barbaren preisgegeben würden. Es hatte nämlich Trajan an seinem Siege über Dacien eine außerordentliche Menge Menschen dahin versetzt, um das Feld und die Städte anzubauen: denn es war Dacien durch den langwierigen Krieg mit Decebalus sehr entvölkert worden.

9. Hadrianus hatte übrigens während der ganzen Zeit seiner Regiewung Frieden im Reich. Nur einmal ließ er durch einen Statthalter Krieg führen. Er durchreiste das Römische Reich, und baute viel. In der lateinischen Sprache drückte er sich mit rednerischem Geschick aus, im Griechischen hatte er gelehrte Kenntnisse. Sanftmuth wird eben nicht an ihm gerühmt: den öffentlichen Einnahmen und der Kriegszucht widmete er dagegen viele Aufmerksamkeit. Er starb in Campanien, über sechzig Jahre alt, nachdem er ein und zwanzig Jahre, zehen Monate, neun und zwanzig Tage regiert hatte [138. n. Chr.]. Der Senat zeigte keine Neigung, ihm göttliche Ehre zu erweisen: indeß bestand sein Nachfolger Titus Aurelius Fulvius Antoninus mit Nachdruck darauf, obwohl der gesammte Senat sich öffentlich widersetzte, und so erhielt er dieselbe endlich.

8. So folgte dann nun auf Hadrian Titus Antoninus Fulvius Bojonius, der auch unter dem Beinamen Pius bekannt ist. Seine Familie war berühmt, jedoch nicht sehr alt, er selbst ein sehr ausgezeichneter Mann, der mit vollem Recht mit Numa Pompilius verglichen wird, wie man Trajan dem Romulus an die Seite stellte. Sehr rechtschaffen als Privatmann zeigte er noch erhabenere Gesinnungen auf dem Thron: gegen Niemanden war er hart, vielmehr gegen Jedermann voll Freundlichkeit. Uebrigens war sein Kriegsruhm nicht besonders glänzend, indem er mehr auf die Erhaltung, als die Erweiterung der Provinzen bedacht war. Dagegen suchte er die redlichsten Männer für die Geschäfte der Staatsverwaltung aus: Würdige behandelte er mit Auszeichnung, Leute von schlechter Gesinnung verabscheute er, jedoch ohne Bitterkeit: bei den befreundeten Königen war er eben so geachtet, als gefürchtet. Ja die meisten barbarischen Völker legten die Waffen nieder, brachten ihre Streitigkeiten und Rechtshändel vor ihn und unterwarfen sich seinem Ausspruche. Antoninus war vor seiner Thronbesteigung sehr reich, brachte aber sein Vermögen durch Verwendung für den Sold der Krieger und durch Freigebigkeit gegen seine Freuade sehr herab: den öffentlichen Schatz dagegen hinterließ er wohlhabend. Seine Gutmüthigkeit erwarb ihm den Beinamen des Frommen. Er starb drei und siebenzig Jahre alt, im drei und zwanzigsten Jahre seiner Regierung, auf seinem Landgute Lorium 12 Meilen von der Hauptstadt. Auch er wurde unter die Götter versetzt und mit Recht als heilig verehrt [161. n. Chr.].

9. Nach ihm regierte Marcus Antoninus Verus. Unstreitig stammte er aus einer sehr vornehmen Familie: denn von väterlicher Seite leitete er seine Abkunft von Numa Pompilius, und in mütterlicher Linie von einem Sallentinischen Könige ab. Sein Mitkaiser war Lucius Antoninus Verus. Zum erstenmal standen jetzt zwei Männer am Staatsruder, mit gleichen Befugnissen versehen, während bis dahin das Römische Reich immer nur Einen Kaiser gehabt hatte.

10. Diese beiden Regenten vereinigte Geschlecht und Verwandtschaft. Es hatte nämlich Verus Antoninus eine Tochter von Marcus Antoninus zur Gemahlin: Marcus Antoninus aber war ein Tochtermann von Antoninus dem Frommen durch seine Gemahlin Galeria Faustina die Jüngere, sein Geschwisterkind. Die beiden Kaiser führten Krieg mit den Parthern, welche seit dem Siege Trajan s über sie nun zum erstenmale wieder die Waffen ergriffen hatten. Verus Antoninus zog selbst in das Feld: blieb jedoch in Antiochien und in der Nähe von Armenien stehen, und ließ durch seine Feldherren, übrigens mit großem Erfolge die Unternehmungen ausführen. Seleucia, die berühmteste Stadt Assyriens, mit 40,000 Menschen, eroberte er: über die Parther trug er einen Triumph davon, den er in Gemeinschaft mit seinem Bruder, der zugleich sein Schwiegervater war, feierte. Er starb im Venetianischen anf einer Reise von der Stadt Concordia nach Altinum.12 Im Wagen an der Seite seines Bruders wurde er von einem Schlagflusse befallen, ein Zufall, welchen die Grichen Apoplexie nennen. Sein Charakter hatte nicht viel Menschenfreundliches, indeß erlaubte er sich aus Achtung gegen seinen Bruder keine Gewalthandlung. Er hatte eilf Jahre regiert und wurde unter die Götter versetzt.

11. Nach ihm behielt Marcus Autoninus die Zügel der Regierung allein. Es ist leichter, den Charakter dieses Mannes zu bewundern, als würdig zu preisen. Von den frühesten Jahren seines Lebens an zeigte er die gelassenste Gemüthsart, so daß er schon in seiner Kindheit weder aus Freude noch Schmerz die Miene wechselte. Er war ein Anhänger der stoischen Philosophie: übrigens machten ihn nicht blos seine Lebensgrundsätze, sondern auch Wissenschaftlichkeit zum Philosophen: schon als Jüngling war er so sehr Gegenstand der Bewunderung, daß Hadrianus darauf dachte, ihm den Thron zu hinterlassen: da er indeß schon Antoninus den Frommen an Sohnesstatt aufgenommen hatte, verordnete er, daß Marcus dessen Schwiegersohn würde, damit er auf diesem Wege zur Regierung gelangen möchte.

13. Apollonius von Chalcedon war sein Lehrer in der Philosophie: in die Griechische Literatur wurde er von einem Enkel Plutarch’s, Sextus von Chäronea, eingeführt: über lateinische Literatur hörte er die Vorträge des berühmten Redner’s Fronto. Er stellte sich in seinem Betragen auf die gleiche Linie mit allen Römern, und ließ sich durch seinen erhabenen Posten zu keiner Anmaßung verleiten: er half willig und gerne: die Provinzen behandelte er mit ungemeiner Milde und Schonung. Gegen die Deutschen wurden unter diesem Fürsten glückliche Thaten verrichtet. Er selbst führte Einen Krieg mit den Marcomannen,13 dessen Wichtigkeit übrigens von keinem andern in der Geschichte erreicht wird, fo daß man ihn mit den Punischen vergleicht. Dieser Krieg wurde deshalb um so gefährlicher, weil das ganze Römische Heer aufgelöst war: es war nämlich unter diesem Kaiser eine pestartige Krankheit ausgebrochen, welche nach dem Persischen Sieg, in Rom, Italien und den Provinzen eine große Menge Menschen, namentlich fast alle Truppen, darniederwarf und entkräftete.

15. Mit Anstrengungen und Klugheit endigte der Kaiser den Marcomannischen Krieg, nachdem er drei Jahre lang ununterbrochen bei Carnuntum14 verweilt hatte. Die Quaden, Vandalen, Sarmaten, Sueven und alle Barbaren hatten an diesem Kriege Theil genommen, in welchem Antonin viele Tausende von Menschen erschlug, Pannonien von seiner Dienstbarkeit befreite: sodann hielt er in Rom mit seinem Sohne Commodus Antoninus, den er schon zum Cäsar erklärt hatte, einen Triumph. Die Bedürfnisse dieses Kriegs hatten die Staatskasse erschöpft: nun fehlte es an Mitteln zu Geschenkeaustheilungen. Da indeß der Kaiser weder den Provinzen noch dem Senate eine Auflage machen wollte, so veranstaltete er auf dem Platze des vergötterten Trajan’s einen Aufstreichsverkauf des kaiserlichen Prachtgeräthes im Einzelnen. Hiezu wurden bestimmt: goldene Gefäße, crystallene und murrhinische15 Pokale, seidene und goldene Prachtgewänder von ihm und seiner Gemahlin, viel Schmuck an Edelsteinen. Zwei volle Monate dauerte dieser Verkauf, der viel Geld einbrachte. Nach dem Siege wurde den Käufern ihre Auslage zurückgestellt, welche die erhandelten Gegenstände dafür zu erstatten Lust hatten: indeß wurde Niemand übel angesehen, der das Erkaufte lieber behalten wollte.

14. Personen von Auszeichnung gestattete Antoninus, Gastmahle in demselben Geschmack, wie bei Hof, und mit derselben Bedienung zu halten. Die öffentlichen Kampfspiele nach dem Siege waren in einem so großartigen Styl angelegt, daß auf einmal hundert Löwen vorgekommen seyn sollen. Nachdem er durch Tapferkeit und Milde den Staat auf eine hohe Stufe von Glük erhoben hatte, starb er im achtzehenten Jahre seiner Regierung, und ein und sechzigsten seines Lebens. Die allgemeine Begeisterung für ihn versetzte ihn unter die Götter [180. n. Chr.].

15. Der Nachfolger Cajus Antoninus Commodus hatte keine Eigenschaft mit seinem Vater gemein, außer, daß auch er glücklich gegen die Deutschen focht. Den Monat September wollte er nach seinem Namen Commodus genannt wissen. Ueppigkeit und gemeine Wollust gaben ihm eine niedrige Richtung, und oft sah man ihn in der Fechterschule und hernach sogar im Amphitheater in Fechterwaffen mit Menschen von dieser Classe kämpfen. Er starb eines plötzlichen Todes, so daß man dafür hielt, er sey entweder erdrosselt, oder durch Gift aus der Welt geschafft worden. Zwölf Jahre und acht Monate hatte er nach seinem Vater regiert: mit dem Fluche der Welt beladen, wurde er noch nach seinem Tode für einen Feind des menschlichen Geschlechts erklärt.

16. Auf ihn folgte Pertinax, ein schon hochbetagter Mann, nahe an siebenzig Jahre alt: er war Stadtpräfekt, als er durch einen Senatsbeschluß auf den Thron gerufen wurde. Am achtzigsten Tage seiner Regierung ward er in einem Aufstande der Prätorianer (Leibwache) durch die verbrecherischen Ränke des Julianus getödtet.

17. Nach ihm riß Salvius Julianus das Staatsruder an sich, ein Mann von guter Abkunft und ausgezeichneten Kenntnissen in der Rechtswissenschaft. Er war ein Enkel von Salvius Julianus, der unter dem vergötterten Hadrianus das Gesetzbuch, genannt das immer gültige Edikt, entwarf. Bei der Mulvischen Brücke wurde er von Severus geschlagen und in seinem Pallast ermordet. Er hatte nach seiner Thronbesteigung sieben Monate gelebt [193. n. Chr.].

18. Septimius Severus übernahm nun die Staatsverwaltung: er stammte aus Afrika, aus der Stadt Leptis16 in der Provinz Tripolis. Er ist in der ganzen Geschichte der Kaiser vor und nach ihm der Einzige aus Afrika. Er war zuerst Anwalt des kaiserlichen Schatzes, dann Kriegstribun und stieg durch viele und verschiedene Posten und Würden bis zur obersten Leitung des gesammten Staats empor. Er wünschte sich den Namen Pertinax beigelegt zu sehen, zur Ehre jenes Pertinax, der von Julianus getödtet worden war. Er war sehr sparsam, von wilder Gemüthsart: er führte viele Kriege und mit Glück. Den Pescennius Niger, der in Aegypten und Syrien die Fahne des Aufruhrs erhoben hatte, erlegte er bei Cycikus. Er besiegte die Parther, die Araber und Adiabener im Binnenlande [Mesopotamiens]. Die Araber schlug er also, daß er aus ihrem Gebiet eine Provinz einrichtete: er hieß deshalb der Parther, Araber und Adiabener.17 Im ganzen Römischen Reich traf er viele Verbesserungen. Unter ihm warf sich auch Clodius Albinus, der bei Ermordung des Pertinax gemeinschaftliche Sache mit Julianus gemacht hatte, in Gallien zum Kaiser auf, wurde aber bei Lyon geschlagen und getödtet.

19. Neben seinem Kriegsruhm zeichnete sich übrigens Severus auch durch Thätigkeit für das bürgerliche Leben aus: er war wissenschaftlich gebildet, und besaß namentlich in der Philosophie umfassende Kenntnisse. Seinen letzten Krieg hatte er in Britannien zu führen, und um die wiedergewonnenen Provinzen auf die sicherste Weise zu verwahren, führte er in einem Raume von 52,000 Schritten einen Wall von einem Meere zum andern auf. Er starb zu Eboracum18 in hohem Alter, im sechzehenten Jahre und dritten Monate seiner Regierung [211. n. Chr.] und erhielt den Beinamen „der Göttliche.” Den Thron hinterließ er seinen zwei Söhnen, Bassianus und Geta: dem Bassianus indeß ließ er vom Senat den Namen „Antoninus” beilegen. Er hieß also Marcus Aurelius Antoninus Bassianus, und folgte seinem Vater in der Regierung. Denn Geta wurde für einen Feind des Staats erklärt und alsbald ermordet.

20. Marcus Aurelius Antoninus Bassianus, der auch Caracalla hieß, war nach seinem Charakter fast derselbe, wie sein Vater: nur etwas rauher und herrischer. Zu Rom baute er prachtvolle Bäder, welche die Antoninischen heißen: sonst verrichtete er nichts Denkwürdiges. Er fröhnte einem unbändigen Hange zur Wollust, wovon seine Vermählung mit seiner Stiefmutter Julia einen Beweis gibt. Er starb in Osdroëne bei Edessa, mit einen Feldzuge gegen die Parther beschäftigt, im sechsten Jahre und zweiten Monate seiner Regierung, kaum drei und vierzig Jahre alt. Es wurde ihm ein öffentliches Leichenbegängniß veranstaltet [217. n. Chr.].

21. Hierauf wurde Opilius Macrinus, Anführer der Leibwache, mit seinem Sohne Diadumenus zum Kaiser gemacht. Diese führten, während der sehr kurzen Zeit ihrer Regierung, nichts von Bedeutung aus: denn ihre Herrschaft dauerte nur ein Jahr und zwei Monate. Beide wurden in einem Soldatenaufstande erschlagen.

22. Nach ihnen wurde Marcus Aurelius Antoninus zum Kaiser gewählt. Dieser galt für einen Sohn von Antoninus Caracalla: er war aber ein Priester des Tempels des Heliogabalus.19 Der Senat und die Soldaten in Rom empfingen ihn mit den größten Erwartungen: er befleckte sich aber mit jeder Art von Schändlichkeit. Er überließ sich der niedrigsten, schamlosesten Unzucht und kam nach zwei Jahren und acht Monaten in einem Soldatenaufstand um, und mit ihm seine Mutter Soämia, eine Syrerin [222. n. Chr.].

23. Sein Nachfolger war Aurelius Alexander. Zum Cäsar wurde er vom Heer, zum Augustus vom Senat ernannt. Er war noch sehr jung, erfocht aber in einem gegen die Perser unternommenen Krieg über ihren König Xerxes20 einen sehr glänzenden Sieg. Auf der Erhaltung der Kriegszucht bestand er mit großer Strenge: einige unruhige Legionen löste er völlig auf. Als geheimen Rath oder Staatskanzler gebrauchte er Ulpianus, den Begründer der Rechtswissenschaft. Er genoß auch in Rom vielen Beifall. Er kam in Gallien durch einen Soldatenaufruhr um, im dreizehenten Jahre und achten Tage seiner Regierung. Gegen seine Mutter Mammäa hatte er ungemeine kindliche Zärtlichkeit bewiesen.

Anmerkungen

1 Lag in der Nähe des jetzigen Sevilla und war von Scipio Afrikanus erbaut worden.

2 Ein ziemlich unbekanntes Volk an der Donau.

3 Beides Westgothische Völker im heutigen Ungarn.

4 Darunter sind die Asiatischen Sarmaten gemeint.

5 Osdroëne machte den westlichen Theil von Mesopotamien aus.

6 Ein Volk in Großarmenien am Tigris.

7 Ein Räubervolk in den nördlichen Gebirgen Mediens.

8 Eine vormals sehr große Stadt in Babylonien.

9 Ein Inselland, durch die Arme des Tigris gebildet, bei dessen Mündung.

10 Ein Distrikt an der Grenze Armeniens und Mediens.

11 Diese ist die noch jetzt stehende Trajanssäule.

12 Diese beiden Städte im Venetianischen liegen in Trümmern.

13 Ein Volk aus Böhmen, das die Römische Grenze damals bedrohte.

14 In Oberpannonien, in der Gegend des jetzigen Haimburg gelegen.

15 Einige vermuthen, daß die murrhinischen Gefäße Aehnlichkeit mit dem Porcellan hatten: Andre, daß sie aus dem Steine Steatites [Speckstein] verfertigt waren.

16 Jetzt Lebida.

17 Bewohner des ehemaligen Assyriens, ostwärts von der jetzigen Stadt Mosul.

18 York.

19 Heliogabalus, oder richtiger Elagabal, ein Wort Phönizischen Ursprungs heißt der Gott des Berges, unter welchem Namen auch die Sonne verehrt wurde. Diesen Namen führt auch der Kaiser selbst.

20 Dieser Stifter des zweiten Persischen Reichs heißt sonst Artaxerxes.

Highlights

  • Anonyme Kaisergeschichte
  • Sueton: Kaiserbiographien
  • Curtius Rufus: Geschichte Alexanders des Großen

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