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6. Buch

Übersetzung

1 (1) [64] Unter dem Consulate des Marcus Aemilius Lepidus und Aulus Catulus [J. R. 674.], als eben Sulla dem Staate wieder Ruhe gegeben hatte, entbrannten neue Kriege: einer in Spanien, ein anderer in Pamphylien und Cilicien, ein dritter in Macedonien, ein vierter in Dalmatien. (2) Es war nämlich Sertorius, ein Glied der Marianischen Partei, der aus Furcht vor dem Schicksal der Uebrigen, welche ermordet worden waren, Spanien zum Krieg aufreizte. Als Feldherren wurden gegen ihn ausgeschickt Quintus Cäcilius Metellus, ein Sohn von Jenem, der den König Jughurta besiegt hatte, und der Prätor Cajus Domitius. Durch Hertulejus, einen Feldherren von Sertorius, wurde Domitius erschlagen: (3) Metellus kämpfte mit schwankendem Erfolge gegen Sertorius. Nachher, als man die Ueberzeugung erhielt, daß Metellus für sich allein dem Kriege nicht gewachsen sey, wurde Cnejus Pompejus nach Spanien geschickt. So zwei Feldherren gegenüberstehend focht Sertorius öfters mit ungleichem Glück. Erst nach acht Jahren wurde er von seinen eigenen Leuten ermordet, und diesen Krieg beendigten nun der junge Cnejus Pompejus und Quintus Metellus Pius: beinahe ganz Spanien [65] wurde unter die Oberherrschaft des Römischen Volkes gebracht.

2 (1) Nach Macedonien ward Appius Claudius nach seinem Consulate gesandt. Er hatte kleine Gefechte mit verschiedenen Völkerschaften, welche die Gegend um den Rhodope1 bewohnten und starb daselbst an einer Krankheit. (2) Als sein Nachfolger wurde der Consul des vorigen Jahres Cajus Scribonius Curio hingeschickt. Dieser schlug die Dardaner und drang bis an die Donau vor: auch erwarb er sich die Ehre eines Triumphs und endigte den Krieg innerhalb drei Jahren.

3 Nach Cilicien und Pamphylien wurde der gewesene Consul Publius Servilius gesandt, ein sehr wackerer Mann. Er unterwarf Cilicien, belagerte und eroberte die berühmtesten Städte Lyciens, Phaselis, Olympus, das Cilicische Corycus. Auch griff er die Isaurier an, brachte sie zur Unterwerfung, und beendigte den Krieg innerhalb drei Jahren. Er war der erste Römer, der einen Zug über den Taurus machte. Nach seiner Rückkehr erhielt er einen Triumph, und ward mit dem Beinamen „der Isaurier“ beehrt.

4 Nach Illyrien wurde als Proconsul Cajus Cosconius gesandt: er unterwarf einen großen Theil von Dalmatien, nahm Salonä weg und kehrte, zwei Jahre darauf, nach Beilegung des Kriegs zurück.

5 (1) Um dieselbe Zeit versuchte der Consul Marcus Aemilius Lepidus, der College des Catulus, einen Bürgerkrieg [66] anzufachen: doch wurde innerhalb eines Sommers seine Unternehmung niedergeschlagen. (2) So hatten zu ein und derselben Zeit viele Triumphe statt, der des Metellus über Spanien, der zweite des Pompejus über Spanien, des Curio über Macedonien, des Servilius über Isaurien.

6 (1) Im Jahre der Stadt 676 unter dem Consulate des Lucius Licinius Lucullus und Marcus Aurelius Cotta starb Nicomedes, der König von Bithynien, und setzte durch seine letzte Willenserklärung das Römische Volk zu seinem Erben ein. Mithridates aber brach den Frieden und machte Anstalt, in Bithynien und Kleinasien wieder einzufallen. (2) Es wurden die beiden Consuln gegen ihn abgeordnet, welche verschiedenes Schicksal hatten. Cotta wurde von ihm in einer offenen Feldschlacht bei Chalcedon besiegt, in die Stadt geworfen und eingeschlossen. (3) Mithridates zog sich aber von da nach Cicykus, um, nach Einnahme dieses Platzes, ganz Kleinasien angreifen zu können: da trat ihm der andre Consul Lucullus entgegen, und während sich der König mit der Berennung von Cicykus aufhielt, schloß er ihn im Rücken ein, schwächte ihn durch Hunger und schlug ihn in vielen Gefechten: nachher trieb er ihn nach Byzanz (das jetzige Constantinopel) und brachte seinen Heerführern auch in einem Seetreffen eine Niederlage bei. So vernichtete Lucullus in Einem Winter und Sommer ungefähr 100,000 Mann von des Königs Truppen.

7 (1) Im Jahre der Stadt 678. erhielt Marcus Licinius Lucullus, ein Vetter von Lucullus, der den Krieg gegen Mithridates führte, Macedonien zur Provinz. (2) Auch in Italien brach plötzlich ein neuer Krieg aus. [679.] Es durchbrachen [67] nämlich 74 Fechter unter Anführung von Spartacus, Crixus und Oenomaus die Fechterschule zu Capua, entflohen, trieben sich in Italien herum und erregten in diesem Lande einen Krieg, der fast nicht geringer war, als jener, den Hannibal entzündet hatte. Es wurden nämlich viele Feldherren und zwei Consuln zugleich von ihnen besiegt, worauf sie ein bewaffnetes Heer von beiläufig 60,000 Mann zusammenbrachten: in Apulien wurden sie indeß von dem Proconsul Marcus Licinius Crassus besiegt, und nachdem Italien viel gelitten hatte, wurde nach drei Jahren diesem Krieg ein Ende gemacht.

8 (1) Im Jahre der Stadt 681. unter dem Consulate von Publius Cornelius Lentulus und Cnejus Aufidius Orestes hatten im Römischen Reich blos zwei Kriege von Bedeutung statt, der Mithridatische und Macedonische. Es führten dieselben die beiden Lucullus, Lucius und Marcus. (2) Nach der Schlacht von Cycikus, in welcher er Mithridates geschlagen und nach dem Seetreffen, in welchem er seine Heerführer gedemüthigt hatte, verfolgte Lucius Lucullus den König, eroberte Paphlagonien und Bithynien wieder, und fiel selbst in sein Reich ein: Sinope2 und Amisus,3 die vornehmsten Städte in Pontus eroberte er. (3) Im zweiten Treffen bei der Stadt Cabira, zu welchem Mithridates eine ungeheure Streitmasse aus seinem ganzen Reich hergeführt hatte, wurde der Letztere, nachdem von 5000 Römern dessen 30,000 Kerntruppen zermalmt waren, in die Flucht gejagt und sein Lager geplündert. (4) [68] Jedoch wurde Mithridates nach seiner Flucht von Tigranes, König in Armenien, der damals mit großem Glanze regierte, die Perser wiederholt überwunden, Mesopotamien, Syrien und einen Theil Phöniciens besetzt hatte, aufgenommen.

9 (1) Lucullus verlangte nun die Auslieferung des verjagten Feindes, und rückte auch in das Reich des Tigranes, des Fürsten der Armenier, ein, und nahm Tigranocerta,4 eine Stadt in der Provinz Arzannene, die vornehmste Armeniens: den König selbst, der mit 600,000 geharnischten Reitern und 100,000 Bogenschützen und Bewaffneten heranrückte, schlug er mit 18,000 Mann dergestalt, daß ein großer Theil der Armenier zu Grunde ging. Von da zog er sich nach Nisibis5, und bekam auch diese Stadt nebst dem Bruder des Königs in seine Gewalt. (2) Indessen ließen sich die Personen, welche Lucullus mit einer Heeresabtheilung in Pontus zurückgelassen hatte, um die von den Römern eroberten Plätze zu bewachen, Nachläßigkeiten und Habsucht zu Schulden kommen und gaben so dem Mithridates Gelegenheit, wieder in Pontus einzudringen, so daß dort der Kampf sich erneuerte. (3) Als Lucullus, nach der Einnahme von Nisibis, Anstalten zu einem Feldzuge gegen die Perser machte, wurde er von einem Nachfolger abgelöst.

10 Der andre Lucullus, welcher Macedonien verwaltete, war der erste Römer, der die Bessier6 bekriegte, und sie in einer mörderischen Schlacht auf dem Gebirge Hämus schlug: die Stadt Uscudama, welche die Bessier bewohnten, nahm er an demselbigen Tage, an welchem er sie angriff: [69] er eroberte Cabyle und drang bis an die Donau. Hierauf griff er eine Menge am Pontus [schwarzen Meere] gelegene Städte an. Daselbst zerstörte er Apollonia [Sizeboli], nahm Calatis [Kilia], Parthenopolis, Histrus, [Proschloviza], Tomi [Tomiswar], Burziao.7 Nach Beendigung des Kriegs kehrte er nach Rom zurück. Doch hielten beide Feldherrn einen Triumph: derjenige Lucullus indeß, welcher gegen Mithridates gefochten hatte, mit größerem Ruhm, weil er als Sieger über so viele Reiche zurückgekehrt war.

11 (1) Als der Macedonische Krieg beendigt war, und der Mithridatische, den der König nach dem Abzuge des Lucullus, mit zusammengebrachten Hülfsvölkern erneuert hatte, noch fortdauerte, entstand noch der Krieg mit Creta. In diesen wurde Cäcilius Metellus geschickt, und eroberte nach bedeutenden Kämpfen die ganze Provinz innerhalb drei Jahren. Er erhielt den Beinamen „der Creter“ und triumphirte über die Insel. (2) Um diese Zeit [J. R. 656.] wuchs auch Libyen8 mittelst eines Vermächtnisses von Seiten seines Königs Apio dem Römischen Reiche zu: es lagen in diesem Lande die berühmten Städte, Berenice, Ptolemais und Cyrene.

12 (1) Während dieser Vorgänge machten Seeräuber alle Meere so unsicher, daß die Römer, in der ganzen Welt Sieger, nur auf die See nicht ohne Gefahr sich wagen konnten. Es wurde nun der Krieg gegen Jene dem Cnejus Pompejus übertragen [685.], (2) welchem er innerhalb weniger Monate mit [70] eben so viel Glück als Behendigkeit ein Ziel setzte. Bald nachher [686.] wurde ihm auch der Krieg gegen die Könige Mithridates und Tigranes übertragen: er übernahm denselben, schlug Mithridates in Kleinarmenien mittelst eines nächtlichen Ueberfalls und plünderte sein Lager: während dem Könige 40,000 Mann getödtet wurden, verlor er blos 20 von seinem Heer und zwei Centurionen. (3) Mithridates entfloh in Gesellschaft seiner Gemahlin und zweier Begleiter. Da Derselbe nun gegen seine eigene Familie wüthete, wurde er durch einen Soldatenaufruhr, welchen sein Sohn Pharnaces veranlaßte, zum Selbstmorde genöthigt, und nahm Gift. So endete Mithridates [688.]. Er starb bei Bosporus, ein Mann von hoher Thatkraft und Geistesfähigkeit. Er regierte sechzig Jahre, lebte zwei und siebenzig und hatte vierzig Jahre Krieg mit Rom.

13 Pompejus bekriegte nun den Tigranes. Dieser unterwarf sich ihm, erschien selbst im Lager des Pompejus 16 Meilen von Artaxata, ließ sich vor Demselben auf’s Knie nieder und legte sein Diadem in dessen Hände. Pompejus stellte ihm dieses zurück, behandelte ihn mit Achtung, strafte ihn jedoch um einen Theil seines Reichs und eine starke Geldsumme. Es wurde ihm Syrien, Phönizien und Sophene9 abgenommen: überdieß 6000 Talente Silbers, welche er an das Römische Volk bezahlen sollte, weil er ohne Grund mit demselben Krieg angefangen hätte.

14 (1) In kurzem griff Pompejus auch die Albaner10 an [71] und schlug ihren König Orodes dreimal: endlich ließ er sich durch Zuschriften, mit Geschenken begleitet, erbitten, ihm Verzeihung und Frieden zu gewähren. Auch den König Artoces von Iberien11 besiegte er in einer Feldschlacht und empfing die Huldigung Desselben. Kleinarmenien verschenkte er an Dejotarus, König von Galatien, weil sich Dieser im Mithridatischen Kriege mit ihm vereinigt hatte. Dem Attalus und Pylämenes gab er Paphlagonien zurück: den Aristarchus setzte er den Colchiern12 zum König. In kurzem schlug er auch die Ituräer13 und Araber (2) und als er nach Syrien rückte, erhob er Seleucia,14 nicht ferne von Antiochien, zu einer freien Stadt, weil dasselbe dem König Tigranes die Aufnahme verweigert hätte. Den Antiochenern gab er ihre Geißel zurück: die Daphneer beschenkte er mit einigen Ländereien, damit der dortige Hain an Raum gewänne: denn er hatte an den Reizen dieser Gegend und dem Reichthum an Wasser Wohlgefallen gefunden. Hierauf rückte er nach Judäa und nahm dessen Hauptstadt, Jerusalem, [689.] ein. 12,000 Juden wurden erschlagen, die übrigen mußten sich unterwerfen. Nach diesen Thaten zog er sich nach Kleinasien zurück, und endigte diesen vieljährigen Krieg.

15 Unter dem Consulat des Redners Marcus Tullius Cicero und Cajus Antonius im Jahr der Stadt 689. verschwur sich Lucius Sergius Catilina, ein Mann von sehr vornehmer Abkunft, aber von durchaus schlechtem Charakter, mit [72] einigen Männern von Stande, aber von unternehmendem frechem Wesen, zum Verderben des Vaterlandes. Er ward von Cicero genöthigt, die Stadt zu verlassen, seine Verbündeten wurden ergriffen und im Gefängniß erdrosselt. Von Antonius, dem andern Consul, wurde Catilina selbst in einem Treffen geschlagen und getödtet.

16 Im Jahre der Stadt 690., unter dem Consulate von Decius Junius Silanus und Lucius Murena, triumphirte Metellus über Creta, und Pompejus wegen des Seeräuber- und Mithridatischen Kriegs. Niemals hatte man einen Triumph von solchem Glanz gesehen. Vor seinem Wagen wurden geführt die Söhne des Mithridates, der Sohn von Tigranes und der jüdische König Aristobulus: auch wurde eine sehr große Summe Gelds, und unermeßlicher Werth an Gold und Silber vorangetragen. Um diese Zeit hatte im ganzen Reich kein Krieg von Bedeutung Statt.

17 (1) Im Jahre der Stadt 693. [v. Chr. 59.] wurde Cajus Julius Cäsar, der nachmalige Alleinherrscher, mit Lucius Bibulus zum Consul ernannt. Ihm wurde die Verwaltung von Gallien und Illyrien mit 10 Legionen übertragen. (2) Er besiegte zuerst die Helvetier, welche jetzt Sequaner heißen. Sodann rückte er unter sehr schwierigen Kämpfen, stets siegreich bis an den Britannischen Ocean vor. (3) Er bezwang innerhalb neun Jahren fast ganz Gallien, welches zwischen den Alpen, der Rhone, dem Rhein und dem Meere liegt, und einen Umfang von 3,200,000 Schritten15 hat. Bald trug er auch den Krieg nach Britannien, wo vor ihm die Römer nicht einmal [73] dem Namen nach bekannt waren: er besiegte auch dieses Land, nahm ihm Geißel ab und machte es zinsbar. Gallien aber legte er unter dem Namen eines Tributs eine jährliche Abgabe von 40 Millionen Sestertien16 auf. Auch die Deutschen jenseits des Rheins griff er an, und schlug sie in sehr blutigen Gefechten. Mitten unter so vielen glücklichen Erfolgen litt er doch dreimal Verluste: einmal, als er persönlich anwesend war, im Gebiet der Arverner, und zweimal während seiner Abwesenheit in Deutschland. Es wurden nämlich seine Unterfeldherren, Titurius und Aurunculejus mittelst eines Hinterhalts erschlagen.

18 (1) Um dieselbe Zeit, im Jahr der Stadt 697., wurde Marcus Licinius Crassus, College von Cnejus Pompejus dem Großen bei seinem zweiten Consulat, gegen die Parther17 geschickt. Er ließ sich jedoch bei Carrä, den Vorbedeutungen und Vorzeichen zuwider, in ein Treffen ein, wurde von Surena, dem Feldherrn des Königs Orodes, geschlagen und zuletzt mit seinem Sohne, einem jungen Manne vom besten Rufe und hohen Vorzügen getödtet. (2) Die Reste des Heeres wurden vom Quästor Cajus Cassius gerettet. Es verbesserte Dieser die verzweifelte Lage der Römer mit seltenem Talent und so großer Tapferkeit, daß er wieder über den Euphrat rücken konnte und die Perser in vielen Treffen schlug.

19 (1) Hierauf folgte ein unglückseliger, beweinenswerther, bürgerlicher Krieg, durch welchen, außer den Unglücksfällen [74] in Folge von Schlachten, das ganze Schicksal des Römischen Volkes umgestaltet wurde. (2) Als nämlich Cäsar siegreich aus Gallien zurückkehrte, sprach er zum zweitenmale die Consulwürde an, und forderte, daß man ihm dieselbe ganz unbedenklich übertragen sollte. Der Consul Marcellus, Bibulus, Cato, Pompejus widersetzten sich und er erhielt Befehl, seine Heere zu entlassen und nach Rom zurück zu kommen. Dadurch gekränkt, rückte er von Ariminum, wo er seine Soldaten versammelt hatte, mit dem Heere gegen seine Vaterstadt. (3) Die Consuln nebst Pompejus so wie der Senat und gesammte Adel entwichen aus Rom, und setzten nach Griechenland über: in der Gegend von Epirus, Macedonien und Achaja bereitete sich der Senat, den Pompejus an der Spitze, zum Kriege gegen Cäsar.

20 (1) Cäsar rückte [703.] in die verlassene Stadt ein, und warf sich zum Diktator auf. Von da zog er nach Spanien. (2) Daselbst schlug er die sehr starken und tapferen Heere des Pompejus unter Anführung der drei Feldherren Lucius Afranius, Marcus Petrejus, Marcus Varro. (3) Hierauf kehrte er zurück, setzte nach Griechenland über, und kämpfte da mit Pompejus. Im ersten Treffen wurde er besiegt und zur Flucht genöthigt: jedoch entkam er, weil Pompejus bei’m Eintritte der Nacht ihn nicht verfolgen mochte. Bei dieser Gelegenheit äußerte Cäsar, Pompejus verstehe nicht zu siegen: denn dieses wäre der einzige Tag gewesen, an dem er hätte überwunden werden können. (4) Es kam nun bei Altpharsalus in Thessalien zur zweiten Schlacht, wo von beiden Seiten ungeheure Heeresmassen aufgestellt waren. In der Schlachtlinie des Pompejus standen 40,000 Mann zu Fuß, 600 zu Pferd [75] auf dem linken und 500 auf dem rechten Flügel: ferner Hülfstruppen aus dem ganzen Morgenland, der ganze Adel, unzählige Senatoren, vormalige Prätoren und Consuln, die schon über große Nationen Sieger gewesen waren. Cäsar hatte in seiner Linie nicht ganz 30,000 Mann zu Fuß und 1000 zu Pferde [704.].

21 (1) Noch nie waren so viele Römische Krieger auf Einem Punkt unter so ausgezeichneten Anführern, wie diesesmal, zusammengetroffen. Ohne Mühe hätten sie den ganzen Erdkreis unterjochen können, wenn man sie gegen Nichtrömer geführt hätte. (2) Indeß wurde mit äußerster Anstrengung gefochten: zuletzt unterlag Pompejus, und sein Lager wurde geplündert. (3) Er selbst entfloh und nahm den Weg nach Alexandrien, um vom König von Aegypten, zu dessen Vormund er wegen der Jugend des Letztern vom Senat bestellt worden war, Unterstützung zu erhalten. Dieser ließ sich mehr durch den Gang der Ereignisse, als durch Freundschaftsrücksichten leiten, und befahl den Pompejus zu tödten. Sein Haupt und seinen Siegelring überschickte er Cäsarn, der bei dem Anblick des Hauptes eines so großen Mannes, der einst sein Tochtermann gewesen, Thränen vergossen haben soll.

22 (1) Bald kam Cäsar auch nach Alexandrien. Auch ihm wollte der König Nachstellungen bereiten, er wurde deswegen bekriegt, (2) geschlagen, und kam im Nil um, wo sein Körper, mit einem goldenen Panzer angethan, gefunden wurde. (3) Cäsar bemächtigte sich Alexandriens und setzte Cleopatra, die Schwester des Ptolemäus, mit welcher er in einem buhlerischen Umgang stand, auf den Thron. Von hier aus zog Cäsar gegen Pharnaces, einen Sohn Mithridates des Großen, [76] der Pompejus in Thessalien unterstützt hatte, von Pontus aus den Krieg erneuerte, und viele Provinzen des Römischen Volks besetzte. Er schlug ihn in einer Feldschlacht und bedrängte ihn hierauf so, daß er sich selbst den Tod gab [705.].

23 (1) Hierauf kehrte er nach Rom zurück [706.], und machte sich zum drittenmal zum Consul mit Marcus Aemilius Lepidus, der vor einem Jahre unter seiner Diktatur Reiterobrist gewesen war. Von da zog er nach Afrika, wo in Gemeinschaft mit König Juba von Mauretanien der bedeutendste Theil des Adels sich wieder zum Kriege rüstete. (2) An ihrer Spitze standen Publius Cornelius Scipio aus dem uralten Geschlecht Scipio’s des Afrikaners, Dieser war auch der Schwiegervater Pompejus des Großen gewesen, ferner Marcus Petrejus, Quintus Varus, Marcus Porcius Cato, Lucius Cornelius Faustus, ein Sohn des Diktators Sulla. Diesen lieferte Cäsar eine Schlacht, und blieb nach langen Gefechte Sieger. Cato, Scipio, Petrejus, Juba entleibten sich selbst. Faustus, ein Tochtermann des Pompejus, wurde von Cäsar getödtet.

24 Nach einem Jahre [707.] begab sich Cäsar wieder nach Rom, nahm zum viertenmal das Consulat an, und zog sogleich nach Spanien, wo die Söhne des Pompejus, Cnejus und Sextus, zur Erneurung des Krieges furchtbare Mittel gesammelt hatten. Viele Treffen wurden geliefert: das letzte bei der Stadt Munda, in welchem Cäsar beinahe geschlagen wurde, und als seine Leute flohen, sich selbst tödten wollte, um nicht nach einem so hohen Kriegsruhm im sechs und fünfzigsten Jahre noch in die Gewalt von so jungen Männern zu gerathen. Endlich stellte er seine Linien wieder her [77] und siegte: der ältere von Pompejus Söhnen ward erschlagen, der jüngere entfloh.

25 Hierauf kehrte Cäsar, nachdem er im ganzen Reich die bürgerlichen Kriege beigelegt hatte, nach Rom zurück. Allein er nahm nun im Widerspruch mit der Weise des Römischen Freistaats ein allzu anmaßendes Betragen an. Staatsämter, welche früher das Volk vergeben, ertheilte er allein nach Laune, erhob sich nicht mehr von seinem Sitze, wenn der Senat zu ihm kam, und benahm sich auch noch in andern Beziehungen wie ein König oder wohl gar wie ein Zwingherr. Da verschworen sich gegen ihn 60 oder mehr Römische Senatoren und Ritter. Die Ausgezeichnetsten unter den Verschworenen waren zwei Brutusse, von dem Geschlecht jenes Brutus, welcher der erste Consul in Rom gewesen war und die Könige vertrieben hatte, dann Cajus Cassius und Servilius Casca. So wurde denn Cäsar in einer Senatssitzung, an der er mit den übrigen Gliedern auf der Curie Theil nehmen wollte, mit drei und zwanzig Stichen ermordet.

Anmerkungen

1 Das Gebirge Rhodope lag mitten in Thrazien, und war ein Zweig des Hämus.

2 Jetzt Sinap.

3 Jetzt Samsour.

4 An der Stelle dieser Stadt soll jetzt Sered liegen.

5 Jetzt Nesibin.

6 Ein Thrazisches Bergvolk.

7 Jene Städte lagen theils an der Westküste des schwarzen Meeres, theils im Innern des heutigen Bulgariens.

8 Jetzt das Land Barka. Die neuern Namen der Städte sind Bernich, Tolmete, Kairoan.

9 Theil von Großarmenien bei dem heutigen Simsat.

10 Bewohner der Caucasischen Landenge bis zur Westseite des Kaspischen Meeres.

11 Heut zu Tage Theile von Georgien und Imirette.

12 Das jetzige Mingrelien und Guriel.

13 Eine Palästinische Völkerschaft.

14 In der Nähe dieses Seleucia’s, jetzt Kepse, steht Suedie.

15 Diese Angabe entspricht ungefähr 640 geographischen Meilen.

16 Etwa 3,819,854 Gulden.

17 Dieselbe Völkerschaft wird bald Perser, bald Parther genannt: weil die Parther einen großen Theil des Altpersischen Reichs inne hatten.

Highlights

  • Anonyme Kaisergeschichte
  • Sueton: Kaiserbiographien
  • Curtius Rufus: Geschichte Alexanders des Großen

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