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Antiquitas
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1. Buch

Vorwort zum 1. Buch*
[des Pompeius Trogus]

[7] Im ersten Buche ist Folgendes enthalten: Die Herrschaft der Assyrier vom Ninus bis zum Sardanapalus, nach welchem sie durch den [8] Arbaces1 auf die Meder übergetragen wurde, bis zu deren letztem Könige Astyages. Dieser wurde von seinem Enkel Cyrus vom Throne gestoßen, und die Perser bemächtigten sich der Herrschaft. Wie Cyrus den Crösus, König von Lydien, mit Krieg überzog, ihn besiegte und gefangen nahm. [Hier wird in einer Abschweifung die Lage der Aeolischen und Ionischen Städte behandelt und die Urgeschichte der Lydier und der Tuscier in Italien.] Nach Cyrus bezwang sein Sohn Cambyses Aegypten. [Es wird auf den Ursprung der Städte2 Aegyptens zurückgegangen.] Als Cambyses gestorben war, erhielt Darius nach Ermordung der Magier die Regierung in Persien und unternahm nach der Eroberung Babylons den Scythischen Krieg.

1 (1) [44] Im Anfange war die Herrschaft über Völkerstämme und Völkerschaften in der Hand von Königen, welche nicht das Buhlen um Volksgunst, sondern ihre unter den Guten bewährte Mäßigung zu der Höhe dieser Würde erhob. (2) Das Volk war durch keine Gesetze gebunden; die Machtsprüche der Fürsten vertraten die Stelle der Gesetze. (3) Herrschende Sitte war es, die Grenzen des Reichs mehr zu schützen, als weiter hinauszurücken; innerhalb seines Vaterlandes sah Jeder sein Reich begrenzt. (4) Zuerst unter Allen veränderte Ninus, der König der Assyrier3 die alte und den Völkern gleichsam urväterliche Sitte aus bis dahin unbekannter Herrschbegierde. (5) Er überzog zuerst die Grenznachbarn mit Krieg und unterjochte die zum Widerstande noch unfähigen Völkerschaften bis zu den Grenzen Libyens4. (6) Freilich waren der Zeit nach Sesostris, König von Aegypten5, und Tanaus, König von Scythien6, älter, von denen der Eine nach Pontus7, der Andere bis nach Aegypten vordrang; (7) allein sie führten in weiter Ferne, nicht in [45] der Nachbarschaft Krieg, und suchten nicht Herrschaft für sich, sondern für ihre Völker Ruhm, und zufrieden mit dem Siege, enthielten sie sich der Herrschaft. Ninus [aber] sicherte sich die Größe der von ihm erstrebten Herrschergewalt durch fortwährenden Besitz. (8) Indem er also nach Unterjochung der zunächst Wohnenden, durch diesen Zuwachs an Streitkräften verstärkt, zu Anderen fortzog, und jeder letzte Sieg ein Hülfsmittel zu einem ihm folgenden neuen wurde, unterwarf er sich die Völker des gesammten Morgenlandes. (9) Seinen letzten Krieg führte er mit Zoroaster, dem Könige der Bactrianer8, der zuerst die Zauberkünste erfunden und die Entstehung der Welt und die Bewegung der Gestirne sehr genau erforscht haben soll. (10) Nachdem er diesen getödtet hatte, starb auch er selbst mit Hinterlassung eines noch unmündigen Sohnes Ninyas und einer Gattin Semiramis.

2 (1) Diese, welche weder dem noch Unreifen die Regierung zu übergeben, noch sie selbst öffentlich zu führen wagte, da so viele und so große Völkerschaften kaum Einem Manne, geschweige einer Frau, geduldig gehorchen würden, gibt sich statt der Gemahlin des Ninus für dessen Sohn, statt einer Frau für einen Jüngling aus. (2) Beide nämlich hatten eine mittlere Körpergröße und eine gleich zarte Stimme und auch die Beschaffenheit der Gesichtszüge war bei Mutter und Sohn einander ähnlich. (3) Sie bedeckt daher Arme und Beine mit Kleidungsstücken, das Haupt [aber] mit einem Turban, und damit es nicht den Schein gewinne, als verberge sie Etwas unter der neuen Kleidung, befiehlt sie auch ihrem Volke, dieselbe Tracht anzulegen, welche Art sich zu kleiden seitdem das ganze Volk beibehalten hat. (4) So täuschte sie gleich vom Anfang an über [46] ihr Geschlecht und wurde für einen Jüngling gehalten. (5) Hierauf vollbrachte sie große Thaten, und als sie durch die Bedeutenheit derselben die Mißgunst überwunden glaubte, gestand sie, wer sie sei und wen sie zum Scheine vorgestellt habe. (6) Und dieß entzog ihr keineswegs ihre königliche Würde, sondern erhöhte [vielmehr] ihre Bewunderung, weil sie als Weib nicht blos Frauen, sondern selbst Männer an Tapferkeit überträfe. (7) Sie erbaute Babylon und umgab die Stadt mit einer Mauer von Backsteinen, zwischen welche sie statt des Mörtels9 Erdharz streichen ließ, welcher Stoff sich in jenen Gegenden an vielen Stellen findet und von der Erde ausgeschwitzt wird. (8) Auch gab es noch viele andere glänzende Thaten dieser Königin, da sie nämlich, nicht zufrieden damit, die von ihrem Gemahl erworbenen Grenzen des Reichs zu behaupten, auch Aethiopien ihrer Herrschaft beifügte, (9) aber auch die Indier mit Krieg überzog, in deren Land außer ihr und Alexander dem Großen10 Niemand eingedrungen ist. (10) Zuletzt wurde sie, da sie den Beischlaf ihres Sohnes begehrt hatte, von eben demselben getödtet, nachdem sie zwei und dreißig Jahre11 lang nach Ninus im Besitz des Reichs gewesen war. (11) Ihr Sohn Ninyas, zufrieden mit dem von seinen Aeltern erkämpften Reiche, gab alle kriegerische Thätigkeit auf und alterte, als hätte er das Geschlecht mit seiner Mutter vertauscht, selten von Männern erblickt, unter dem Schwarme seiner Frauen. (12) Auch seine Nachkommen folgten diesem Beispiele und ertheilten den Völkern ihre Bescheide durch Unterhändler. (13) Die Herrschaft behaupteten die Assyrier, welche später Syrer genannt wurden, tausend dreihundert Jahre lang.

3 (1) Zuletzt regierte bei ihnen Sardanapallus12, ein Mann, verdorbener als ein Weib. (2) Als diesen sein über [47] Medien gesetzter Statthalter, Namens Arbactus13 [einmal] zu sehen14 wünschte (was Keinem vor ihm gestattet worden war) und nur nach großer Mühe mit genauer Noth erlangt hatte, vor ihn gelassen zu werden, fand er ihn in Frauenkleidung unter Schaaren von Buhldirnen purpurfarbene Wolle am Rođen spinnend und die Tagesaufgaben unter die Mädden vertheilend, indem er an Weichlichkeit des Körpers und wollüstigem Blick der Augen alle Weiber übertraf. (3) Bei diesem Anblick entrüstet darüber, daß einem solchen Weibe eine so große Menge von Männern unterthan wären und einem Wollarbeiter Schwert und Waffen Führende geborchten15, begab er sich zu seinen Genossen, berichtete ihnen, was er gesehen, und erklärte, dem könnte er nicht gehorchen, der lieber ein Weib sein wollte, als ein Mann. (3) Es bildet sich also eine Verschwörung und Sardanapallus wird bekriegt. (4) Als er dieß erfahren, sieht er sich, nicht wie ein Mann, der sein Reich vertheidigen will, sondern wie Weiber aus Todesfurcht zu thun pflegen, zuerst nach einem Schlupfwinkel um, bald darauf aber schreitet er mit wenigen und ungeordneten Leuten zum Kampfe hervor. (5) Besiegt zieht er sich in seinen Palast zurück, worin er nach Errichtung und Anzündung eines Scheiterhaufens sich und seine Schätze den Flammen übergibt, hierin allein einem Manne ähnlich handelnd. (6) Nach ihm wurde sein Mörder16 Arbactus, welcher Statthalter von Medien gewesen war, zum König eingesetzt17. Er trug die Herrschaft von den Assyriern auf die Meder über.

4 (1) Nach vielen Königen kam nach der Ordnung der [48] Thronfolge die Regierung an den Astyages18. (2) Dieser sah im Traume aus dem Schooße seiner Tochter, der einzigen, die er besaß, einen Weinstock hervorwachsen, von dessen Rebschossen ganz Asien überschattet wurde. (3) Die darüber zu Rathe gezogenen Wahrsager ertheilten die Antwort, es werde ihm von derselben Tochter ein Enkel geboren werden, dessen Größe [dadurch] vorherverkündigt würde, und ihm werde der bevorstehende Verlust des Thrones angedeutet. (4) Durch diese Antwort erschreckt, gab er seine Tochter weder einem angesehenen Manne, noch einem Staatsbürger19 zur Ehe, damit nicht väterlicher und mütterlicher Adel dem Enkel hochfahrenden Sinn einflöße, sondern einem Manne des Mittelstandes aus dem damals noch unberühmten Volksstamme der Perser, Namens Cambyses20. (5) Da er aber auch so die Furcht vor dem Traumgesichte nicht los wurde, ließ er seine schwangere Tochter zu sich rufen, damit ihre Leibesfrucht so recht unter den Augen des Großvaters getödtet werden sollte. (6) Als das Kind zur Welt gekommen, wird es dem Harpagus, einem Theilhaber der Geheimnisse des Königs21, zur Ermordung übergeben. (7) Dieser aber, welcher fürchtete, daß, wenn die Regierung nach dem Tode des Königs an seine Tochter gekommen wäre, weil Astyages keinen männlichen Sprößling gezeugt hatte, Jene die Rache wegen des getödteten Kindes, die sie am Vater nicht hätte nehmen können, am Diener vollstrecken werde, übergibt den Knaben einem Hirten der königlichen Heerden, um ihn auszusetzen. (8) Zufällig war gerade zu derselben Zeit auch dem Hirten ein Sohn geboren worden. (9) Als nun dessen Frau von der Aussetzung des königlichen Kindes hörte, [49] bittet sie auf’s inständigste, ihr den Knaben zu bringen und zu zeigen. (10) Der Hirt, von ihren Bitten bestürmt, kehrt in den Wald zurück und findet neben dem Kinde eine Hündin, welche den Kleinen säugte und gegen wilde Thiere und Vögel vertheidigte. (11) Selbst auch von Mitleid gerührt, von welchem er sogar eine Hündin gerührt gesehen, trägt er den Knaben nach seiner Hütte, indem ihm dieselbe Hündin ängstlich folgt. (12) Als ihn die Frau auf den Arm nahm, schmiegte er sich liebkosend an sie, wie an eine Bekannte, und es zeigte sich an ihm eine solche Lebendigkeit und ein so holdes Lächeln eines schmeichelnden Kindes22, daß sie den Hirten sogar bat23, er möchte ihr erlauben, den Knaben, sei es zu dessen Glücke selbst, sei es um ihrer eigenen Hoffnung willen24, aufzuziehen. (13) Und so wurde denn das Loos der Kleinen vertauscht und dieser als der Sohn des Hirten erzogen, jener als der Enkel des Königs ausgesetzt. (14) Die Pflegemutter führte später den Namen Spaco, weil die Perser eine Hündin so nennen25.

5 (1) Der Knabe erhielt nachher, als er unter den Hirten lebte, den Namen Cyrus26. Als er, bald darauf durch’s Loos zum König unter seinen Spielkameraden erwählt, aus Muthwillen einige Widerspenstige mit Peitschenhieben gezüchtigt [50] hatte, brachten die Aeltern der Knaben, die entrüstet darüber waren, daß Freigeborne von einem königlichen Sclaven Hiebe bekommen hätten, wie sie nur Sclaven gebührten, eine Klage an den König, und dieser wurde, als der herbeigeholte und zur Rede gestellte Knabe, ohne seine Miene im Geringsten zu verändern, antwortete, er habe als König gehandelt, die Festigkeit des Knaben bewundernd, wieder an seinen Traum und dessen Deutung erinnert. (4) So erkannte er denn, da auch die Aehnlichkeit der Gesichtszüge, die Zeit der Aussetzung und das Geständniß der Hirten zusammenstimmten, in ihm seinen Enkel. (5) Und weil er nun durch die [von demselben] unter den Hirten ausgeübte Königsgewalt seinen Traum bereits erledigt glaubte27, bezwang er wenigstens in Bezug auf den Knaben sein [Rache] drohendes Gemüth. (6) Dagegen auf seinen Freund Harpagus heftig erzürnt, tödtete er, um die Rettung seines Enkels zu rächen, dessen Sohn und setzte ihn dem Vater bei einen Gastmahle als Speise vor. (7) Harpagus aber verhehlte für den Augenblick seinen Schmerz und verschob den Haß gegen den König auf eine günstige Gelegenheit zur Rache. (8) As dann nach Verlauf einiger Zeit Cyrus zum Jüngling herangewachen war, schrieb er diesem, von Gram über seine Kinderlosigkeit gemahnt, wie er von dessen Großvater nach Persien weggeschickt worden sei, wie der Großvater befohlen habe, ihn als kleines Kind zu tödten, wie er durch seine Wohlthat erhalten worden sei, wie er den König gegen sich aufgebracht und wie er seinen Sohn verloren habe. (9) Indem er ihm den Uebergang der Meder verspricht, fordert er ihn auf, sich ein Heer zu verschaffen und den stracks zum Throne führenden Weg zu betreten. (10) Weil ihm der Brief nicht öffentlich überbracht werden konnte, da die Wachen des Königs alle Zugänge besetzt hielten, so wird er in einen ausgeweideten Hasen gesteckt und der Hase einem treuen Sclaven übergeben, um ihn dem Cyrus nach Persien zu [51] überbringen; auch werden ihm Jagdnetze mitgegeben, damit die List unter der Maske eines Jägers28 verborgen bleibe.

6 (1) Als Jener den Brief gelesen hatte, wurde er auch durch einen Traum aufgefordert, dasselbe zu unternehmen, zugleich aber auch ermahnt, daß er den Ersten, dem er am folgenden Tage begegnen würde, sich als Gefährten bei seinem Vorhaben beigesellen sollte. (2) Er trat daher vor Tagesanbruch seinen Gang auf das Land an, und begegnete einem Sclaven Namens Söbares aus dem Sclavenkerker irgend eines Meders. (3) Als er auf die Frage nach dessen Herkunft hörte, er sei in Persien geboren, nahm er ihm die Fesseln ab, machte ihn zu seinem Gefährten, und kehrte nach Persepolis29 zurück. (4) Hier rief er das Volk zusammen und befahl, daß Alle mit Aexten zur Hand sein und einen die Straße umgebenden Wald fällen sollten. (5) Als sie dieß unverdrossen gethan hatten, lud er sie am folgenden Tage zu einem reich ausgestatteten Gastmahle ein, (6) und als er sie darauf durch das Gelag selbst munterer geworden sah, fragte er sie, welches Lebensloos sie vorziehen würden, wenn ihnen die Wahl gelassen wäre: das der gestrigen Arbeit, oder das des gegenwärtigen Schmauses? Wie nun Alle riefen: „das des gegenwärtigen Schmauses“, sagte er, ihr ganzes künftiges Leben werde der gestrigen Arbeit ähnlich sein, solange sie den Medern unterthan wären, dem heutigen Mahle aber, wenn sie ihm folgten. (7) Alle waren dessen froh, und so überzog er die Meder mit Krieg. (8) Astyages, seines Verschuldens gegen Harpagus uneingedenk, übertrug ihm den Oberbefehl im Kriege; (9) dieser aber überlieferte das empfangene Heer sogleich durch förmliche Uebergabe30 dem Cyrus, und rächte die Grausamkeit des Königs durch treulosen Abfall. (10) Als Astyages dieß erfuhr, zog er von allen Seiten her Hülfstruppen zusammen, und rückte selbst [52] gegen die Perser aus; er stellt nach lebhafter Erneuerung des Kampfes einen Theil des Heeres im Rücken seiner Streiter auf, befiehlt die Zaudernden mit dem Schwerte gegen den Feind zu treiben, (11) und verkündet seinen Leuten, wenn sie nicht siegten, so würden sie in ihrem Rücken eben so tapfre Männer finden, als vor sich; sie möchten also zusehen, ob sie als Fliehende diese, oder als Kämpfende jene Schlachtreihe zu durchbrechen genöthigt sein wollten. (12) Auf diese Nothwendigkeit zu kämpfen hin überkam sein Heer ein außerordentlicher Muth, (13) und da nun die geworfene Schlachtreihe der Perser allmälig zurückwich, laufen ihnen ihre Mütter und Frauen entgegen, flehen sie, in den Kampf zurückzukehren, (14) und zeigen ihnen, als sie zaudern, die Kleider aufhebend ihre Schaam mit der Frage, ob sie in den Schooß ihrer Mütter oder Frauen zurückfliehen wollten? (15) Durch diese Zurechtweisung aufgehalten, kehren sie in die Schlacht zurück, und nöthigen durch ihr Einstürmen die, vor Denen sie eben noch flohen, selbst zu fliehen. (16) In diesem Treffen wird Astyages gefangen; doch nam ihm Cyrus nichts weiter, als die Herrschaft, spielte gegen ihn mehr den Enkel, als den Sieger, und gab ihn dem Volke der Hyrcaner zum Oberhaupte31, denn nach Medien zurückkehren mochte er selbst nicht. (17) Dieß war das Ende des Reichs der Meder. Sie haben dreihundertundfünfzig Jahre geherrscht.

7 (1) Im Anfange seiner Regierung machte Cyrus den Söbares, den Genossen seines Unternehmens, den er in Folge des nächtlichen Gesichtes aus dem Sclavenkerker befreit und bei allen Handlungen zum Begleiter gehabt hatte, zum Statthalter von Persien und gab ihm seine Schwester zur Ehe. (2) Allein die Staaten, welche den Medern zinsbar gewesen waren, und nun glaubten, daß mit der veränderten Herrschaft auch ihre Lage sich verändert habe, fielen vom Cyrus ab, welcher Umstand [53] für Cyrus die Quelle vieler Kriege wurde. (3) Als er darauf nach Unterjochung der meisten gegen die Babylonier32 Krieg führte, kam diesen der König der Lydier33 Crösus, dessen Macht und Reichthum zu jener Zeit ausgezeichnet war, zu Hülfe, floh aber besiegt und schon sich allein überlassen, in sein Reich zurück34. (4) Cyrus trug nun, als nach dem Siege in Babylonien Alles beigelegt war, den Krieg auch nach Lydien hinüber. (5) Hier schlägt er das durch das Unglück des früheren Kampfes schon muthlos gewordene Heer des Crösus ohne alle Mühe. Crösus selbst wird gefangen. (6) Doch je weniger Gefahr der Krieg gehabt hatte, desto milder war auch der Sieg. (7) Dem Crösus wurde das Leben, ein Theil seines Vermögens und die Stadt Barene35 gelassen, wo er, wenn auch kein königliches, doch ein der königlichen Würde sehr nahe kommendes Leben führen konnte. (8) Diese Milde war dem Sieger von nicht geringerem Nutzen, als dem Besiegten; (9) denn aus ganz Griechenland strömten auf die Kunde, daß Crösus mit Krieg überzogen worden, Hülfstruppen zusammen, wie zur Löschung eines allgemeinen36 Brandes. (10) So groß war die Zuneigung zu Crösus in allen Städten, und Cyrus würde einen schweren Kampf mit Griechenland zu bestehen gehabt haben, wenn er gegen Crösus grausamere Maßregeln beschlossen hätte. (11) Nach Verlauf einiger Zeit, als Cyrus mit andern Kriegen beschäftigt war, empörten sich die Lydier, denen, abermals besiegt, die Waffen und Pferde weggenommen und die Weisung ertheilt wurde, künftig Gastwirthschaft, Schauspielerkünste [54] und Kuppelei zu treiben. (13) So verlor das einst durch Betriebsamkeit mächtige und persönlich tapfere Volk, durch Weichlichkeit und Schwelgerei entkräftet, seine alte Mannhaftigkeit, und die, welche vor Cyrus der Krieg unbesiegbar gemacht hatte, bezwang, in Ueppigkeit versunken, Müssiggang und Trägheit. – (14) Die Lydier hatten vor Crösus viele, durch mancherlei Erlebnisse denkwürdige Könige, doch keiner ist seinem Schicksal nach mit Candaules37 zu vergleichen. (15) Dieser pflegte seine Gemahlin, in die er ihrer Schönheit wegen sterblich verliebt war, gegen Jedermann zu preisen, nicht zufrieden mit dem stillen Bewußtsein seiner Wonnegenüsse, wenn er nicht auch die Geheimnisse seiner Ehe offenkundig machte, (16) gerade als ob Stillschweigen davon ein Schaden der Schönheit wäre. (17) Zuletzt zeigte er sie sogar, um seinen Betheuerungen Glauben zu verschaffen, seinem Vertrauten Gyges nackt. (18) Durch diese Handlung machte er nicht nur seinen Freund, der dadurch zum Ehebruche mit seiner Gemahlin gereizt wurde, zu seinem Feinde, sondern entfremdete sich auch seine Gattin, deren Liebe er gleichsam einem Andern überlassen hatte. (19) Denn kurze Zeit darauf wurde die Ermordung des Candaules der Preis38 der [neuen] Vermählung, und die Gattin, ausgestattet mit dem Blute ihres Gemahls39, gab den Thron ihres Mannes und ihre Person zugleich dem Ehebrecher hin.

8 (1) Nachdem Cyrus Asien unterjocht und das ganze Morgenland40 seiner Herrschaft unterworfen hatte, überzog er die [55] Scythen mit Krieg. (2) Königin der Scythen41 war damals Tamyris42, die, keineswegs durch die Ankunft der Feinde nach Weiberart erschreckt, dieselben, obgleich sie ihnen den Uebergang über den Fluß Oaxes43 wehren konnte, herüberkommen ließ, weil sie glaubte, daß theils ihr der Kampf innerhalb der Grenzen ihres Reiches leichter, theils den Feinden die Flucht wegen des im Wege stehenden Flusses schwerer sein werde. (3) So schlug denn Cyrus, nachdem er sein Heer übergesetzt hatte und einige Zeit lang in Scythien vorgerückt war, ein Lager auf. (4) Dann ließ er am folgenden Tage, mit erheuchelter Furcht, als habe er zurückfliehend das Lager im Stiche gelassen, Weines die Fülle und was [sonst] zu einem Gastmahle nöthig war, zurück. (5) Als dieß der Königin gemeldet worden war, sendete sie ihren Sohn, einen jungen Menschen, mit dem dritten Theile ihrer Truppen zu seiner Verfolgung aus. (6) Nachdem man das Lager des Cyrus erreicht hatte, ließ es der des Kriegs unkundige Jüngling, als wäre er zu einem Gastmahle, nicht zum Kampfe gekommen, geschehen, daß seine Barbaren, den Feind ganz außer Acht lassend, sich mit Wein überluden, an den sie nicht gewöhnt waren, (7) und so wurden die Scythen eher durch Trunkenheit, als durch Kampf besiegt. (8) Denn als Cyrus dieß erfahren hat, kehrt er bei Nacht zurück, überfällt die Berauschten und macht alle Scythen sammt dem Sohne der Königin nieder. (9) Nach Verlust eines so großen Heeres und, was sie noch weit mehr schmerzen mußte44, ihres einzigen Sohnes, ergoß Tamyris den Schmerz über ihre Kinderlosigkeit nicht in einen Strom von Thränen, sondern sann auf den Trost der Rache, und berückte die über den eben erlangten Sieg frohlockenden Feinde durch eine gleiche Hinterlist. (10) Indem sie sich nämlich stellte, als hätte [56] sie in Folge des erlittenen Schlages alles Vertrauen verloren, floh sie zurück und zog den Cyrus bis zu einem Engpasse sich nach. (11) Hier hatte sie auf den Bergen Truppen im Hinterhalte aufgestellt und metzelte zweimalhunderttausend Perser sammt dem Könige selbst nieder45. (12) Bei diesem Siege aber war auch das merkwürdig, das nicht einmal ein Verkündiger der so gewaltigen Niederlage übrig blieb. (13) Das abgehauene Haupt des Cyrus läßt die Königin in einen mit Menschenblut angefüllten Schlauch werfen unter folgender Verwünschung seiner Grausamkeit: „Sättige dich, sprach sie, mit Blut, wornach du gedürstet hast und worin du stets unersättlich gewesen bist.“ (14) Cyrus herrschte dreißig Jahre, nicht bloß im Anfange seinier Regierung, sondern ununterbrochen im ganzen Verlauf dieses Zeitraums wunderbar ausgezeichnet.

9 (1) Ihm folgte sein Sohn Cambyses, welcher dem Reiche des Vaters Aegypten beifügte; (2) aber unwillig über den abergläubischen Gottesdienst der Aegyptier, die Tempel des Apis46 und der übrigen Gottheiten zu zerstören befahl. (3) Auch zur Erstürmung des hochberühmten Ammonstempels47 sendete er ein Heer aus, welches aber durch Stürme und von Sandmassen verschüttet zu Grunde ging. (4) Nachmals erblickte er im Schlafe seinen Bruder Mergis48 als künftigen König, (5) und durch diesen Traum aufgeschreckt, trug er kein Bedenken, [57] nach seinen Tempelfreveln auch noch einen Brudermord zu begehen. (6) Denn es war schwer [zu erwarten], daß derjenige der Seinigen schonen sollte, der mit Verachtung der Religion sogar gegen die Götter gewüthet hatte. (7) Zu dieser so grausamen Dienstleistung wählt er aus seinen Freunden einen gewissen Magier Namens Gometes49. (8) Inzwischen starb er selbst50, durch sein zufällig der Scheide entglittenes Schwert im Schenkel schwer verwundet, und büßte so die Strafe, sei es für den befohlenen Brudermord, sei es für den verübten Tempelfrevel. (9) Auf erhaltene Kunde davon kommt der Magier, ehe der Verlust des Königs ruchbar wurde, durch eine Frevelthat den Ereignissen zuvor, streckt den Mergis, dem der Thron gebührte, nieder und schiebt ihm seinen Bruder Oropastes unter. (10) Er war nämlich von zierlicher Gestalt51 und ihm an Körperbildung ungemein ähnlich, und so wird denn, da Niemand einen Betrug dabei vermuthete, Oropastes statt Mergis als König eingesetzt. (11) Die Sache blieb aber um so mehr verborgen, weil sich bei den Persern die Person des Königs hinter dem Schimmer der Majestät verborgen hält. (12) Um nun die Gunst des Volkes zu gewinnen, gestatten die Magier auf drei Jahre Freiheit von Abgaben und Kriegsdiensten, (13) um ihre Herrschaft, die sie durch Betrug erlangt hatten, durch Gnadengeschenke zu befestigen. (14) Diese Sache aber war zuerst dem Ostanes, einem vornehmen und in seinen Vermuthungen äußerst scharfsichtigen Manne, verdächtig. (15) Daher läßt er sich durch Zwischenhändler bei seiner Tochter, die zu den Kebsweibern des Königs gehörte, erkundigen, ob der König ein Sohn des Cyrus sei. (16) Jene [58] erwidert, daß sie dieß weder selbst wisse, noch von einer Andern erfahren könne, da Jede von ihnen abgesondert eingeschlossen sei. (17) Darauf heißt er ihr dem Könige, wenn er schliefe, den Kopf genau zu befühlen; denn dem Magier hatte Cambyses beide Ohren abschneiden lassen. (18) Als er nun durch seine Tochter die Gewißheit erlangt hat, daß dem Könige die Ohren fehlen, theilt er die Sache den Vornehmen der Perser mit, regt sie zur Ermordung des falschen Königs an, und bindet sie durch einen feierlichen Eid. (18) Nur Sieben waren Mitwisser dieser Verschwörung, und diese begeben sich auf der Stelle, damit nicht, wenn man Zeit zur Reue ließe, die Sache durch irgend Einen ausgeplaudert würde, mit unter den Kleidern versteckten Schwertern in den königlichen Palast. (20) Hier gelangen sie, indem sie niederstoßen, wer ihnen in den Weg kommt, bis zu den Magiern, denen es jedoch selbst auch nicht an Muth zu ihrer Vertheidigung fehlte, (21) da sie zwei der Verschwornen mit gezücktem Schwerte tödten. (22) Sie werden jedoch von der Mehrzahl ergriffen, und da Gobryas Einen von ihnen mitten umfaßt hält, seine Genossen aber zaudern, um nicht ihn statt des Magiers zu durchbohren, weil die Sache an einem finstern Orte vorging, befiehlt er ihnen dem Magier das Schwert in den Leib zu stoßen, sei es auch durch seinen eigenen Körper. (23) Durch eine günstige Lenkung des Schicksals jedoch blieb er unverletzt und der Magier wurde getödtet.

10 (1) Nach Ermordung der Magier war zwar der Ruhm jener vornehmen Männer, den Thron wieder hergestellt zu haben, groß, noch weit größer aber in der Beziehung, daß sie bei dem Streite über [die Wiederbesetzung] desselben einig zu werden vermochten. (2) Denn sie standen einander an trefflichen Eigenschaften und edler Herkunft so völlig gleich, daß diese Gleichheit dem Volke die Wahl unter ihnen zu einer sehr schweren machte. (3) Sie selbst fanden daher einen Weg, wie sie das entscheidende Urtheil über sich der Religion und dem Schicksal anheimstellen könnten, (4) und trafen unter einander die Verabredung, daß sie alle am frühesten Morgen eines bestimmten Tages ihre [59] Rosse vor den königlichen Palast führen wollten, und daß derjenige König sein sollte, dessen Pferd während Sonnenaufgangs zuerst wiehern würde. (5) Die Perser glauben nämlich nicht nur, die Sonne sei der einzige Gott52, sondern sagen auch, die Pferde seien demselben Gotte geheiligt. (6) Unter den Verschwornen nun befand sich Darius, des Hystaspes Sohn, zu welchem, da er des Thrones wegen in Unruhe war, sein Pferdewärter sagte, wenn [nur] der Umstand53 seinen Sieg aufhalte, so sei keine Schwierigkeit vorhanden. (7) Hierauf führt er in der Nacht vor dem festgesetzten Tage das Pferd an denselben Ort und läßt es hier eine Stute bespringen, weil er glaubte, die genossene Lust der Begattung werde schon zur Folge haben, was [auch wirklich] erfolgte. (8) Als sich daher am folgenden Tage alle zur bestimmten Stunde versammelt hatten, ließ das Pferd des Darius, sowie es den Ort erkannte, aus Verlangen nach der Stute sofort ein Wiehern hören und gab, während die andern säumig blieben, zuerst das seinem Herrn Glück bringende Anzeichen. (9) So groß aber war die Mäßigung der Uebrigen, daß sie, sobald sie das Anzeichen vernommen hatten, von den Pferden sprangen und den Darius als König begrüßten. (10) Auch das gesammte Volk setzte denselben, der Entscheidung seiner Häuptlinge folgend, zum Könige ein. (11) So wurde die durch Herzhaftigkeit von sieben der edelsten Männer errungene Herrschaft über die Perser durch einen so unbedeutenden Umstand einem Einzigen übertragen54. (12) Es scheint ganz unglaublich, daß sie mit solcher Ergebung auf das Verzicht leisteten, wofür sie, um es den Magiern zu entreißen, [selbst] zu sterben bereit gewesen wären. (13) Doch stand freilich Darius, abgesehen von seiner schönen Gestalt und seinen dieser Herrschaft würdigen Vorzügen, auch in verwandtschaftlicher Verbindung mit den alten [60] Königen55. (14) Er nahm nun im Anfange seiner Regierung eine Tochter des Cyrus zur Gemahlin56, in der Absicht, durch diese Ehe mit einer Königstochter seine Regierung zu befestigen, damit sie nicht sowohl auf einen Fremden übergegangen, als vielmehr an das Haus des Cyrus zurück gekommen zu sein schiene. (15) Einige Zeit darauf, als die Assyrier abgefallen waren und Babylon eingenommen hatten, die [Wieder]eroberung dieser Stadt aber schwierig war, ließ sich, weil der König in ängstlicher Verlegenheit war, einer von den Mördern der Magier, Namens Zopyrus, in seinem Hause am ganzen Leibe durch Hiebe zerfleischen, sich Nase, Ohren und Lippen abschneiden, und stellte sich so dem überraschten Könige vor. (16) Wie nun Darius, ganz erstaunt, nach den Ursachen und dem Urheber einer so scheußlichen Zerfleischung fragte, belehrt er ihn in’s Geheim, in welcher Absicht er es gethan habe, und begibt sich nach Verabredung des Planes für die Zukunft unter der Firma eines Ueberläufers nach Babylon. (17) Hier zeigt er dem Volke seinen zerfleischten Körper, klagt über die Grausamkeit des Königs, von dem er bei der Bewerbung um den Thron nicht durch Vorzüglichkeit, sondern durch ein Anzeichen, nicht durch das Urtheil von Menschen, sondern durch das Wiehern eines Pferdes besiegt worden sei; (18) er heißt sie an Freunden57 ein Beispiel nehmen, wovor sich Feinde zu hüten hätten, (19) und ermahnt sie mehr Vertrauen auf die Waffen, als auf ihre Mauern zu setzen, und geschehen zu lassen, daß er in seinem noch frischen Hasse den Krieg gemeinschaftlich mit ihnen führe. (20) Die edle Geburt des Mannes war Allen ebenso bekannt, als seine Tapferkeit, und hinsichtlich seiner Zuverlässigkeit fürchteten sie nichts, da sie ja die Wunden seines Körpers und die Spuren seiner Mißhandlung gleichsam zu Unterpfändern derselben hatten. (21) Er wird daher mit Zustimmung Aller zum Anführer ernannt, und mit einer kleinen Schaar, [61] die er empfangen hat, liefert er den der Verabredung nach weichenden Persern zu wiederholten Malen glückliche Gefechte. (22) Endlich wird ihm das ganze Heer anvertraut, er aber überliefert es dem Darius und bringt auch die Stadt selbst in dessen Gewalt. (23) Hierauf überzieht Darius die Scythen mit Krieg, was im folgenden Buche erzählt wird58.

Anmerkungen

* Auf diese kurze Einleitung lasse ich die von einem uns unbekannten Grammatiker abgefaßten und mit den (gewöhnlich dem Florus zugeschriebenen) Argumenten des Livius vergleichbaren Vorworte zu den einzelnen Büchern des Trogus Pompejus folgen**, durch welche wir, so schlecht und monoton sie auch geschrieben sind, wenigstens die Reichaltigkeit jenes Originalwerks und die Mangelhaftigkeit des von Justinus gelieferten Auszugs zu erkennen in den Stand gesetzt werden. Wir haben daher auch alle vom Justinus übergangene Partien darin der leichteren Uebersicht wegen in Klammern eingeschlossen.

** Sie finden sich wohl in sämmtlichen Ausgaben des Justinus und erschienen auch, besonders herausgegeben, unter dem Titel: Trogi Pompeii historiarum prologi, emend. edidit G. H. Grauert. Monast. 1827. 8.

1 So hat Jeep aus Handschr. richtig edirt: vulgo: per Arbactum.

2 Grauert hält das Wort urbium für unächt. Ohne dasselbe wäre zu übersetzen: auf die Urgeschichte Aegyptens.

3 Er lebte etwa 2000 Jahre v. Chr. Das Assyrische Reich im weiteren Sinne mit den Hauptstädten Ninive und Babylon umfaßte alles Land Westasiens zwischen dem Euphrat und Indus.

4 D. h. des nördlichen Afrika’s mit Ausschluß von Aegypten.

5 Nach Justin II, 3 war er 1500 Jahre älter als Ninus, in Wahrheit lebte er aber viel später, und zwar fällt seine Regierung nach den neuesten Untersuchungen in die Jahre 1288 bis 1217 v. Chr.

6 Der Name dieses fabelhaften Königs ist wahrscheinlich auf den des Flusses Tanais (jetzt Don) zurückzuführen. Scythien nannten die Alten früher den ganzen ihnen wenig bekannten Nordosten Europa’s und Asiens; in späterem und engerem Sinne aber verstanden sie darunter die Länder zwischen dem Don, dem schwarzen Meere und der Donau. Vgl. Justin II, 1.

7 So hieß das Küstenland Asiens am schwarzen Meere zwischen den Flüssen Halys (jetzt Kiftl Irmak) und Phasis (jetzt Rioni oder Fachs).

8 Zoroaster war eigentlich nicht König, sondern nur Gesetzgeber und Stifter einer neuen Religion (des Feuercultus), die ihren Hauptsitz in Bactrien oder dem Lande am Südufer des Oxus (jetzt Gihon oder Amur Darja) und dem nördlichen Abhange des Paropamisus (jetzt Hindukusch), d. h. im heutigen Balkh hatte, sich aber von da aus sehr weit verbreitete und späterhin namentlich im Persischen Reiche die herrschende wurde. Er lebte wahrscheinlich zur Blüthezeit des Bactrisch-Medischen Reichs um’s Jahr 70 vor Cyrus.

9 Harena (arena), eigentlich Sand, steht hier wohl statt Harenatum (arenatum), d. i. mit Sand vermischter Kalkmörtel.

10 Vrgl. Justin XII, 7 ff.

11 Nach der von Jeep aufgenommenen Lesart duo et triginta. Gewöhnlich wird duo et quadraginta, drei und vierzig edirt.

12 Um’s Jahr 800 v. Chr.

13 Bei andern Schriftstellern heißt er Arbaces. Medien lag östlich von Assyrien am Südufer des Caspischen Meeres und umfaßte die heutigen Provinzen Aserbeidjan und Ghilan, den Westen von Masenderan und ganz Irak Adjem.

14 Natürlich auch zu sprechen, kurz persönlich mit ihm zu verkehren.

15 Ich folge des gewichtigen Gegensatzes wegen der gewöhnlichen, auch von mehrern Handschriften unterstützten Lesart tractantique lanam ferrum et arma habentes parere. Jeep edirt nach seinen Handschriften tractantesque ferrum et a. h. p., d. h. „und das Schwert Handhabende und Waffen Besitzende ihm gehorchten.“

16 D. h. derjenige, der die Ursache seines Selbstmordes war.

17 Im Jahre 825 vor Chr.

18 Im Jahre 5 vor Chr.

19 D. h. einem Eingebornen, Einheimischen.

20 Die Perser waren allerdings damals ein noch wenig bekanntes, armes und den Medern unterworfenes Bergvolk im eigentlichen Persis, südlich von Medien am Persischen Meerbusen; Cambyses aber gehörte nach Herod. I, 107 keineswegs dem Mittelstande, sondern dem vornehmsten Stamme des Volks, den Pasargaden, und zwar dem edeln Geschlechte der Achämeniden an,

21 Nach der gewöhnlichen Lesart regis amico et arcanorum participi, „einem Freunde des Königs und Theilhaber seiner Geheimnisse“; allein Jeep hat die Worte amico et nach den meisten Handschriften weggelassen.

22 Nach der Lesart Jeep’s blandientis infantis risus, d. h. ein Lächeln, wie es sich bei einem schmeichelnden Kinde zeigt.

23 Die hier gewöhnlich noch sich findenden Worte [quo] suum partum pro illo exponeret mit folgendem [permitteret] que („er möchte ihr Kind statt jenes aussetzen und [erlauben etc.]“), hat Jeep nach der Auctorität mehrerer Handschriften gestrichen, da sie auch durch das Folgende überflüssig werden. Uebrigens hatte die Frau nach Herod. I, 112 ein todtes Kind geboren und dieses statt Cyrus aussetzen lassen, was die Sache glaublicher macht.

24 Die sich erfüllen konnte, wenn der Knabe einst auf den Thron gelangte.

25 Nach Herod. I, 110 hätte sie schon vorher diesen Namen (griechisch Kyno) geführt und daher schreibe sich diese ganze Sage von der den ausgesetzten Cyrus säugenden Hündin u. s. w.

26 Sein eigentlichei Name war Agradatus, und den Namen Cyrus (griechisch Kyros, was nur eine Gräcisirung des Persischen Kores, Koresch, d. h. die Sonne, ist) nahm er wahrscheinlich erst später als König von Persien an.

27 Justinus schreibt: quoniam defunctus sibi somnio videretur, weil er den Traum (d. h. die gefürchteten Folgen desselben) überstanden zu haben glaubte, da er ja durch jene Ausübung der Königsgewalt bereits in Erfüllung gegangen.

28 Nach der von Jeep aufgenommenen Lesart der besten Handschriften venatoris.

29 Der prächtigen, noch in ihren Ueberresten bewundernswürdigen Haupt- und Residenzstadt Persiens, die von Alexander dem Großen zerstört wurde.

30 Nach der Lesart der besten Handschriften per deditionem. Die frühere Lesart war per proditionem, „durch Verrath“.

31 Nach der von Jeep hergestellten Lesart der besten Handschriften eumque ducem genti Hyrcanorum praeposuit. Die gewöhnliche Lesart ist eumque maximae genti Hyrcanorum praeposuit („er setzte ihn über das sehr bedeutende Volk der Hyrcaner“). Diese wohnten an der Südostküste des caspischen Meeres im heutigen Korkan.

32 Das von Nabopolassar im J. 625 v. Chr. gestiftete und besonders unter dessen Nachfolger, dem großen Eroberer Nebukadnezar (zwischen 600 und 580 v. Chr.), blühende Neu-Babylonische oder Chaldäisch-Babylonische Reich wurde damals vom Nabonidus beherrscht, dessen Herrschaft Cyrus im Jahr 536 ein Ende machte.

33 Lydien, eine Landschaft Kleinasiens an der Westküste, mit der Hauptstadt Sardes, war unter Crösus (560–546 v. Chr.) der Mittelpunkt eines mächtigen kleinasiatischen Reiches.

34 Nach Jeep’s Lesart victusque iam desolatus in regnum refugit. Doch könnte desolatus vielleicht auch „von Allem entblößt“ bedeuten.

35 Denn so ist nach Ktesias mit Bongarst statt der gewöhnlichen Lesart Barce unstreitig zu schreiben. Barene war eine Stadt Mediens in der Nähe von Ecbatana.

36 D. h. Alle bedrohenden.

37 Er regierte etwa 730–716 v. Chr. Die früheren Könige nennt Herodot I, 6–25.

38 Dübner billigt die Conjectur Gronov’s pretium statt praemium; aber auch wenn man praemium mit Jeep beibehält, scheint es doch in der Bedeutung von pretium genommen werden zu müssen. Gyges erkaufte gleichsam durch den Mord des Candaules die Hand seiner Gemahlin. Benecke erklärt die Stelle etwas gezwungen also: „Gyges belohnte die Heirath, die Jene ihm versprochen hatte, mit der Ermordung des Candaules.“

39 An deren Ausstattung oder Mitgift das Blut ihres Gatten klebte.

40 Unter Asien ist hier nur Klein- oder Vorderasien zu verstehen, und auch das ganze Morgenland ist blos hyperbolische Bezeichnung des Medisch-Assyrischen und des Babylonischen Reiches.

41 Genauer: des scythischen Volkes der Massageten. Vgl. Herod. I, 6.

42 Bei den griechischen Schriftstellern heißt sie Tomyris.

43 Nach der auf Gutschmid’s Rath von Jeep aus Handschriften hergestellten Lesart Oaxis. Es kann nämlich nur der Fluß Oxus (jetzt Gihon oder Amur Darja) gemeint sein. Gewöhnlich wird fälschlich Araxis edirt.

44 Nach der von Jeep aus allen seinen Handschriften hergestellten Lesart et quod gravius dolendum.

45 Die Katastrophe erfolgte im J. 529 v. Chr.

46 Apis (ägyptisch Hapi, d. h. der Verborgene) oder der heilige Stier der Aegyptier, der in Memphis einen prachtvollen Tempel hatte, war eigentlich nur eine Incarnation des Osiris, dessen Seele unter der leiblichen Hülle des Apis-Stieres verborgen sein sollte.

47 Der ägyptische Gott Ammon (in der Landessprache Am’n, den Griechen und Römer mit ihrem höchsten Gotte verglichen und daher Zeus oder Jupiter Ammon nannten, und welchen ein Paar Widderhörner an den Schläfen charakterisirten) hatte auch auf einer Oase der libyschen Wüste (jetzt Sivah genannt) einen berühmten, mit einem Orakel verbundenen Tempel. Von einer „Erstürmung“ desselben aber konnte ganz gut die Rede sein, da die großartigen und umfangreichen Tempelanlagen höchst wahrscheinlich auch stark befestigt waren.

48 So haben alle Handschriften, denen Jeep folgt. Die richtige Form des Namens aber ist nach andern Schriftstellern Smerdis.

49 Die Handschriften und Ausgaben vor Jeep haben Cometen; da es aber der persische Name Gammáta ist, schreibt Jeep auf Gutschmid’s Rath Gometen. Die Magier waren übrigens der Priester- und Gelehrtenstamm der Perser und hatten großen Einfluß auf das Volk und die Regierung.

50 Im J. 522 v. Chr.

51 Nach der von Jeep aus den meisten Handschriften aufgenommenen Lesart erat enim decorus et corporis lineamentis persimilis. Nach der gewöhnlichen Lesarterat enim et oris et corporis l. p. müßte übersetzt werden: „er war ihm nämlich an Gesichtszügen und Körperbildung ungemein ähnlich.“

52 Dieß ist nicht ganz richtig. Die Sonne war nur die Hauptgottheit der Perser, die bei ihrem Naturcultus auch den Mond, die Sterne, die Erde, die Elemente u. s. w., kurz alle wichtigeren Theile der Natur göttlich verehrten.

53 Nämlich: wessen Pferd zuerst wiehern würde.

54 Dieß erfolgte im Jahr 521 v. Chr.

55 Denn er stammte aus derselben edlen Familie der Achämeniden, zu der auch Cyrus und Cambyses gehörten.

56 Oder nach Herod. III, 88 die beiden Töchter Atossa und Artystone.

57 D. h. an ihm, einem bisherigen Freunde des Darius.

58 Nach Jeep’s Lesart refertur. Gewöhnlich wird referetur (was erzählt werden wird) edirt. Man hat daran zu denken, daß Justinus nur einen Auszug aus einem schon vorliegenden Werke liefert.

Highlights

  • Anonyme Kaisergeschichte
  • Sueton: Kaiserbiographien
  • Curtius Rufus: Geschichte Alexanders des Großen

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