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Eklogen

Erste Idylle: Todtenfeyer

Timetas, Tityrus

Timetas

Tityrus, während du Schilf des Flusses in Körbe verflechtest,

Während die Fluren heiser umher von Cicaden ertönen,

Singe, wenn du ein Lied zum gefälligen Rohre gedichtet,

Denn dich lehrete Pan mit Hauch den Halm zu beleben,

Gütig verlieh dir Apoll den Gesang. Beginne das Lied mir,

Während die Böcke die Weiden, die Kühe benagen die Kräuter,

Und noch Thau und der frühern Sonne gelindere Wärme

Sorglos den Heerden vergönnt auf grüner Aue zu weiden.

Tityrus

Wie? du, jung und ein Liebling der Götter, verlangest von diesem

Grauen Alter, Geliebter, von diesen Jahren noch Lieder?

Ach! ich habe gelebt! Sang einst zum Rohre Gesänge,

Als noch sichere Jugend in froher Liebe mir hinschwand.

Weis ist mein Haupt und mit den Jahren erkühlte das Feuer,

Schon hängt meine Syringe geweiht dem ländlichen Faunus,

Jetzt hallt dein Lied die Flur; jüngst siegtest du über des Mopsus

Missertönende Flöte mit Scherz. Ich erkannte den Preis dir,

Und Meliboeus, der Greis, der mit mir beyde gehöret,

Rühmte wie ich deinen Sieg und sagte erhabenes Lob dir.

Ach! ein langes, rühmliches Leben durchlief er, und wohnt nun

Im verborgenen Theile des Alls, in seeligen Welten.

Auf drum, wenn Meliboeens Gedächtniss, des Guten, dir werth ist,

Singe mit lieblicher Flöte den theuren Manen zum Ruhme!

Timetas

Folge geziemt dem Befehl und liebes wird mir geboten.

Würdig war er, der Greis, im Liede von Phoebus gepriesen,

Mit der Flöte von Pan, der Leyer des Linus, mit Tönen

Orphischer Kunst besungen sein Lob und Handeln zu werden.

Doch, du wünschest ein Lied von meinem Rohre zu hören,

Wohl denn, höre was ich in jenen Kirschbaum am Flusse,

Seine Rinde diente dem Liede, darüber geschnitten.

Tityrus

Singe es, Lieber; doch störet uns hier die geschwätzige Pinje,

Lieber suchen wir dort die Buchen und Schatten der Ulme.

Timetas

Ja, hier singet sich’s schön; weich sind die Kräuter des Angers,

Schweigend ruhet der Hain, und sieh wie dort in der Ferne

In dem fetten Grase die Stiere weiden in Ruhe.

Aether, Vater der Wesen! Ursprung der Dinge, Gewässer!

Und du, Mutter der Lebenden, Erde! Erhaltende Luft, du!

Höret dieses mein Lied und bringt es unserm geliebten

Meliboeus, wenn dort die seelige Ruhe noch Theil nimmt.

Oder, wenn die Seelen der Guten in himmlischen Hallen,

In der gestirnten Wohnung der Erde noch achten und unser,

Neige dich, Meliboeus, der Muse herab, die du gütig

Einstens selber genährt, die du mit Beyfall belohntest.

Schön war, von allen ersehnt, dein glückliches Alter, es flossen

Ruhig die Jahre dir hin; das höchste Ziel eines Lebens

Schloss den schuldlosen Lauf des deinen mit rühmlichem Ende.

Dennoch folgen dir Klagen und unsere Thränen nicht minder,

Als wenn neidisch der Tod dich in der Blüthe geraubet.

Alle traf dieser Schlag, von allen erscholl eine Klage.

Ach, Meliboeus, du liegst von todter Kälte gelähmet!

Das ist der Menschen Geschick; dein greises Alter gehörte

Nach dem Schlusse der Götter dem Himmel. Es war dir die Brust voll

Vom Gefühle des Rechts, gewohnt die Klagen des Landmanns

Gern zu schlichten, und Streit mit freundlicher Rede zu mildern.

Mit dir blühte der Landbau, mit dir des Rechtes Verehrung

Auf den Fluren, ein Stein entschied den Zweifel der Gränzen.

Sanft war und ernst dein Gesicht, und unter der heiteren Stirne

Lächelte freundlich dein Aug‘, doch freundlicher schlug dir das Herz noch.

Künstlich lehrtest du Rohr der Lippe zu fügen, mit Wachs es

Zu verbinden, und so die harten Sorgen zu scheuchen.

Banntest Trägheit hinweg von der Jugend der Hirten, und reichtest

Häufig Geschenke von Werth der jungen Muse zum Lohne.

Heiter sangest auch du, uns Lust und Feuer, zu geben,

Oft auf Phoebeïscher Flöt‘ ein Lied, von allen gesegnet.

Seeliger Meliboeus, leb wohl! Es reichet Apollo,

Gerne lohnt er die Hirten, dir duftendes Laub und den Lorbeer,

Jeder der Faune giebt was er vermag, der Trauben vom Weinstock,

Jener Halme der Flur und Früchte von jeglichem Baume.

Vielbejahrt giebt Pales den Napf mit schäumender Milch dir;

Nymphen bringen dir Honig und farbige Kränze dir Flora,

Und, die höchste Feyer der Manen, es weihen die Musen

Dir den letzten Gesang; wir singen zum ländlichen Rohr dich.

Und des Waldes Platanus säuselt jetzt Meliboeus,

Und die Pinje rauschet nun dich, dich nennet nun Echo

In dem Liede des Hains, dein Nahme schallt von den Triften.

Und eh’r werden des Meeres grause Bewohner auf Fluren,

Eher der zottige Leu im Wasser hausen, der Taxus

Honig schwitzen, es wird, entbunden allen Gesetzen.

Eher der traurige Winter die Ernte, der Sommer Oliven,

Eher Blumen der Herbst und Trauben geben der Frühling,

Als meine Flöte dein Lob, o Meliboeus, wird schweigen.

Tityrus

Fahre, Geliebter, mir fort, verlass das begonnene Lied nicht,

Denn du singest so süss, dass dich Apollo belohnen

Und zur herrschenden Roma dich günstig einst wird geleiten;

Denn schon hat dir der Ruf die Bahn in den Wäldern geebnet,

Und des Neides Gewölk von deinen Liedern gescheuchet.

Aber schon senket die Sonn‘ das Gespann von der Höhe des Weltballs,

Und sie mahnet die Hirten das Vieh zum Flusse zu führen.

Neunte Idylle / Zweite Idylle: Donace

Idas, Alcon

Innig liebten Donace die Jünglinge Idas und Alcon,

Unerfahren noch beyde, entbrannt von glühender Liebe,

Strebeten ungestüm nach dem Genusse Donacens.

Einst, da Blumen sie las im nahen Garten des Thales,

Und mit weichem Akanth den Schooss sich sorglos gefüllet,

Stürmten beyde daher, und raubten glücklich verstohlen

Ihrer Flamme Genuss, die ersten Freuden der Liebe.

Da entbrannten sie beyde und hegten grössere Wünsche,

Wenig gemäss den Wünschen der Jugend von funfzehen Sommern.

Doch die harten Aeltern Donacens verschlossen das Mädchen,

Weil nicht rein mehr die Stimme mit sanftem Silber ihr tönte,

Weil ihre Rede von Seufzern gebrochen, das Köpfchen ihr schwankte,

Häufige Röthe sie färbte und schwellende Adern sie straften.

Da versuchten die Liebenden, sich mit sanfterem Liede

Ruhe zu singen der Brust und süsse Leiden zu klagen.

Beyde sich gleich an Alter und Liedern, und ähnlich gestaltet,

Beyde noch Pflaum auf der Wang‘ und ungeschoren das Haar noch,

Sangen im Wechselgesange sich Trost im Schatten des Platans,

Idas mit ländlichem Rohr und Alcon im klagenden Liede.

Idas

Die ihr die Wälder bewohnt, Dryaden, Napeen der Höhlen,

Und Najaden, die ihr mit blendendem Fusse auf Meeren

Wandelt, und Purpur-Blumen auf unsern Fluren erhaltet,

Sagt, wo find‘ ich Donacen, auf welcher Wies‘ und in welchen

Schatten treff‘ ich sie an, die rosigen Hände voll Liljen?

Dreymal sinkt schon die Sonne dem Harrenden, immer vergebens

Wart‘ in der Lieblingshöhle, Donacen, ich Armer, zu finden.

Und als wär‘ es ein Trost dem Hoffnungslosen, als könnte

Dieses dem wüthenden Schmerz je Lindrung schaffen, es haben

Nicht die Kühe drey Tage hindurch die Kräuter berühret

Auf den Wiesen, sie haben von keinem Bache getrunken;

Suchend stehen die Kälber am trockenen Euter der Mütter,

Und erfüllen um Speise die Luft mit schwachem Gebrülle.

Selbst ich habe seitdem nicht Körbe, die Milch zu bewahren,

Nicht aus weichem Schilfe noch biegsamer Weide geflochten.

Soll, was du lange gewusst, ich dir sagen? Du weisst, dass ich tausend

Kühe besitze, und nie von Milch die Eimer mir leer sind.

Ach, Donace, ich bin ja der Idas, dem öfter du Küsse

Freundlich gegeben, des Lied du schalkhaft oft unterbrochen,

Dessen irrende Lippen du oft auf dem Rohre gesucht hast

Ach! dich rührt um den Kranken nicht mehr die zärtliche Sorgfalt!

Blässer irr‘ ich umher, als Bux und weisse Violen.

Sieh, ich hasse die Speis‘, es ist mir widrig der Becher

Unsers Bacchus, es flieht mein Auge der tröstende Schlummer.

Ohne dich scheinet die Lilje mir schwarz, die Rose erblasset,

Weh mir! die Hyacinthe, die sanft erröthende, hauchet

Mir nicht Geruch, es duften mir weder Myrthe noch Lorbeer.

Aber kehrest du wieder, so wird die Lilje mir blendend,

Purpur kehret der Rose zurück, dann duftet die Myrthe

Und die röthliche Hyacinthe, mir grünet der Lorbeer.

Denn, so lang‘ Athene sich wählt die schwellende Oehlfrucht,

Bacchus die Rebe, Priap die Früchte liebet, so lange

Pales, die Gute, das Feld uns schützt, liebt Idas dich Eine.

So sang Idas zum Rohr. Verleih nun, Phöbus, was Alcon

Ihm im Liede entgegnet. Apollo liebt goldene Lieder.

Alcon

Pales, auf Bergen verehrt, und du, der Hirten Apollo,

Du, der Haine Sylvan, und unsre Göttin, Dione,

Die du des Eryx Gipfel bewohnst, für ewige Zeiten

Süsse Bande der Menschen zu knüpfen so mütterlich sorgest,

Sagt, bin ich strafbar? Warum flieht mich Donace, die Schöne?

Gaben bracht‘ ich ihr dar, wie Idas sie nimmer gegeben;

Bracht‘ eine Nachtigal ihr, mit schmelzend klagendem Liede;

Zwar umschloss sie sorgsam das Bauer aus Weiden geflochten,

Doch wenn das offene Thürchen ihr auch die Freyheit gegeben,

Und sie unter den Vögeln des Feldes nun munter geflattert,

Findet den Weg sie zurück und kennet ihr Häuschen von Weiden,

Liebet den Käfig bey ihr vor allen reitzenden Hainen.

Denke des zarten Häschens, der beyden Tauben, die ich dir

Jüngst noch gesandt, so gut sie mir die Wälder gewähret.

Und doch spottest du meiner Liebe noch immer, Donace?

Hältst du mich deiner nicht werth, verachtest den bäurischen Alcon,

Weil ich, ein Hirte, des Morgens zur Weide führe die Heerden?

Götter hüteten Stiere, der schöngelockte Apollo,

Schicksalkündende Faune, der sangreiche Pan und Adonis.

Heut noch erblickt‘ ich mich früh im hellen Spiegel der Quelle,

Ehe noch Phoebus den Saum des östlichen Himmels vergoldet,

Und kein zitterndes Licht noch in dem Wasser mich täuschte;

Wie ich mich sahe, so deckt der Pflaum noch kaum mir die Wange.

Ringelnd hängt mir das Haar, man rühmt mich schöner als Idas;

Ach! sonst sagtest du wohl mir es selbst in besseren Zeiten,

Lobtest den schneeigen Hals mir und die Röthe der Wangen,

Fandest schelmisch mein Aug‘ und schlank den Körper des Jüngling.

Sieh! ich blase das Rohr, ich singe zur Hirtenflöte,

Götter liebten sie einst, und Tityrus hauchte melodisch

Süsse Töne ihr ein, die ihn den Wäldern entrissen.

Auch mich brächten die Lieder von dir zur herrschenden Roma,

Wenn dort niedriger Strauch auch unter stolzen Cypressen,

Und das Haselgebüsche noch grünen könnte bey Pinjen.

Also sangen Donacen die Hirten bis an den Abend,

Bis der kühlere Hesper vom waldigen Hügel sie scheuchte,

Die gesättigten Rinder in sichere Ställe zu führen.

Dritte Idylle: Bacchus

Pan

Nyctilus und Mycon, mit ihnen Amyntas, der schöne,

Flohen die sengende Sonne im weiten Schatten der Eiche.

Jagdermüdet lag Pan unter Ulmen, nur eben entschlummert,

Sammelte Stärke durch Schlaf den matten Gliedern. Es hing ihm

Ueberm Haupte die Flöte am schlankgebogenen Aste.

Diese raubten mit List (sie wähnten mit ihr ihm die Lieder

Rauben und an des Gottes Rohr sich wagen zu können)

Ihm die Hirten, doch sie versagt ihre lieblichen Töne,

Weigert sich ihnen den Laut in des Liedes Gesetze zu fügen,

Und statt sanfter Weise entfährt ihr zischender Misslaut.

Da erwachte verwundert vom Schalle des kreischenden Rohres

Pan, gewahrte die Hirten und sprach: So Lieder ihr wünschet,

Sing‘ ich selber sie euch; denn keinem mag es gelingen

Auf den Halmen, die ich in Maenalischer Grotte gebildet.

Wohl! ich singe dich, Bacchus, von deiner Geburt, und erzähle

Dann der Reben Geschenk; dem Bacchus gebühren Gesänge.

So sprach Pan, der Bergedurchschwärmer, und hub nun das Lied an:

Der du die Stirn‘ umkränzest mit schweren Blüthen des Epheus,

Kränz‘ aus Weinlaub windest, geschmückte Tiger regierest,

Duftend fliesset hinab dir das Haar vom Nacken; dich sing‘ ich,

Wahrer Sprosse von Zeus. Ihn sah, wie die Himmel ihn sehen,

Semele einzig, als Zeus; so nahete er der Geliebten.

Da nahm mächtig der Gott, er sorgte für kommende Zeiten,

Aus der sterbenden Mutter, und trug zur reifenden Frucht ihn.

Nahrung gabet, Nymphen, ihr ihm, und greisere Faunen,

Und der lüsterne Satyr in weicher Grotte von Nysa.

Auch der Vater Silen erzog mit Sorgfalt den Kleinen,

Wärmt‘ ihn im Busen und schwang mit zurückgebogenem Arm ihn,

Neckt‘ ihn mit kitzelndem Finger und schaukelte dann ihn zur Ruhe,

Oder er schüttelt mit zitternden Händen die lärmende Klapper.

Und ihm lächelt der spielende Gott, rauft Haar‘ aus der Brust ihm,

Zupft ihm die spitzigen Ohren und klopft auf die glänzende Scheitel,

Schüttelt das kurze Kinn, und sucht mit dem Daumen die Nüstern

Platt zu drücken dem Alten, und spottet scherzend der Strafe.

Und so blühten dem Knaben heran die Jahre der Jugend,

Und schon glänzt ihm im goldigen Haar‘ ein sprossendes Hörnchen.

Da entkeimte dem Stocke zuerst die Traube der Freude.

Staunend sahn und erfreut Satyre die Gaben Lyaeens.

Pflücket, sprach ihnen der Gott, ihr Satyrn, pflücket die Früchte,

Tretet, ihr Jünglinge, nun die neugeschenkete Beere.

Jene vernehmen es kaum, so brechen sie Trauben vom Weinstock,

Tragen in Körben sie zu, und eilen mit fliegendem Fusse

Im gehöhleten Felsen die Frucht zu treten; nun schäumet

Auf den Hügeln umher die Traube, mit hüpfender Ferse

Presst sie der Winzer, und purpurn färbt der brausende Most ihn.

Und nun greifen Satyre, ein schelmisches Volk, zu den Bechern,

Wie der Zufall sie giebt, nicht schwierig lange zu wählen;

Dieser fasst einen Krug, der trinkt aus der Krümme des Hornes,

Jener höhlet die Hand und schafft zum Becher sie schleunig,

Der dort biegt sich zur Kufe hinab, mit schlürfenden Lippen

Schöpfet er Most, ein anderer füllt die schallenden Becken.

Hier fängt rücklings einer den Wein, der Kelter entquollen,

Schäumend rinnet der Saft am Munde hernieder und netzet

Sprudelnd Schultern und Nacken, und fliesset über die Brust ihm.

Ueberall lachet der Scherz, Gesang und freyere Reihen.

Lieb‘ erregt nun der Wein; im Taumel haschen Satyre

Flüchtige Nymphen, berauscht sie zu Gegenumarmung zu zwingen.

Der hascht eine beym Haar, der sucht sie am Kleide zu halten.

Da schlürft Vater Silenus zuerst mit gierigem Becher

Röthlichen Most, der Alte bedacht die schwächere Kraft nicht,

Dickberauschet seitdem vom süssen Safte, vom Taumel,

Der ihn gestern gelähmt, verspottet ihn alles mit Lachen.

Bacchus selber, der Gott, des grossen Donnerers Sprosse,

Keltert mit eigenem Fusse die Traub‘ und kränzet den Stab sich

Mit dem Laube des Weins, und reicht dem Luchse die Schale.

So sang Pan im Mänalischen Thale den horchenden Hirten,

Bis die sinkende Nacht sie rief die Schafe zu sammeln,

Und sie mahnte die Milch vom vollen Euter zu nehmen,

Und geronnen den Käs‘ in schneeige Kuchen zu schmiegen.

Vierte Idylle: Eros

Lycidas, Mopsus

Lycidas sang in dem Schatten der Pappel, es sang mit ihm Mopsus,

Hirten beyd‘ und beyde geübt im Rohr und im Liede,

Sangen alltägliches nicht, ein jeder sang seine Liebe.

Mopsus liebte Meroën, den schöngelockten Jolas

Liebte Lycidas heiss, und gleiches Feuer, verschieden

Nur im Geschlecht des Geliebten, trieb trostlos sie durch die Wälder.

Uebel spielten Jolas und Meroë oft mit den Armen,

Mieden bald wenig gedenk die bezeichneten Ulmen im Thale,

Bald die gewählten Buchen, erschienen nicht in den Höhlen,

Wie sie gelobt, gedachten nicht mehr am Bache zu spielen.

Bis einst, lange verzehrt vom Feuer, das jene verspottet,

Trostlos beyde die Wunden sich zeigten im einsamen Haine,

Und im Wechselgesang‘ erscholl die lindernde Klage.

Mopsus

Grausame, flüchtiger noch als leichte Winde, Meroë,

Warum fliehst du die ländliche Flöte, die Lieder des Hirten?

Sage, wen fliehest du? Bin ich überwunden dir rühmlich?

Warum munterst mit Blicken du auf und nährest die Hoffnung,

Die du, Harte, zerstörst? Kann ich dich, Spröde, wohl hassen?

„Jeder sing‘ was er liebt. Auch Lieder lindern die Schmerzen.“

Lycidas

Blicke doch endlich auf mich, o blühender, harter Jolas!

Ach, du blühest nicht immer, den Kräutern entfället die Blüthe,

Seine Rosen verlieret der Dorn, die Lilje verbleichet,

Lange behält nicht die Traube das Laub, die Pappel den Schatten;

Kurz ist der Schönheit Geschenk, es bleibt dir nicht mit den Jahre

„Jeder sing‘ was er liebt. Auch Lieder lindern die Schmerzen.“

Mopsus

Sieh‘, es folget das Reh dem Hirsche, die Kuh ihrem Stiere,

Ja, die Wölfin hat Liebe gefühlt, und Liebe die Löwin,

Und die Sänger der Lüfte, die schuppige Schaar fühlet Liebe,

Und die Berge, die Wälder, der Baum hat seine Geliebte.

Und du fliehest allein? Du quälst den liebenden Hirten?

„Jeder sing‘ was er liebt. Auch Lieder lindern die Schmerzen.“

Lycidas

Alles nähret und raubet die Zeit; der Genuss ist beschränket.

Frühling war es, da sah ich unter den Müttern noch jene

Kälber, die jetzt um die schneeige Kuh im Kampfe sich messen.

Auch dir schwellen die Nüstern, es wird dir stärker der Nacken,

Denn schon zählet dein Leben von zwanzig Ernten die Reihe.

„Jeder sing‘ was er liebt. Auch Lieder lindern die Schmerzen.“

Mopsus

Reitzende, hier komme her, es ruft in den Schalten die Hitze;

Schon sind die Heerden im Hain, es singet mit lieblicher Kehle

Nun kein Vogel nicht mehr, es furch’t mit gebogenem Zuge

Nicht die schuppige Schlange den Boden; ich singe hier einsam,

Mein Lied hallen die Wälder, ich übertön‘ die Cicade.

„Jeder sing‘ was er liebt. Auch Lieder lindern die Schmerzen.“

Lycidas

Auch du, grausamer Knab‘, verlier‘ in der sengenden Hitze

Nicht die schneeige Farbe, sie schwärzet die glänzende Wange.

Komm und ruhe mit mir in diesem Schatten des Weinlaubs.

Hier fliesst murmelnd der Quell, hier hängen dir von den Ulmen,

An den üppigen Ranken herab die röthlichen Trauben.

„Jeder sing‘ was er liebt. Auch Lieder lindern die Schmerzen.“

Mopsus

Wer Meroëns, der stolzen, Gespött zu dulden gewaget,

Der erträget Sithonischen Schnee und Libysche Hitze,

Trinket Gewässer des Meers, und fürchtet sorglos die Säfte

Nicht des schädlichen Tax, scheut nicht die Sardischen Kräuter,

Zwinget muthig das Joch zu tragen Marmorische Löwen.

„Jeder sing‘ was er liebt. Auch Lieder lindern die Schmerzen.“

Lycidas

Wer von Knaben entbrennt, der stähl‘ die eiserne Brust sich,

Werde der Eile entwöhnt und lerne lieben geduldig,

Nehme in zarten Jahren schon an die weisere Kälte,

Und ertrage auch Hohn; dann wird er Freude noch ernten,

Höret irgend ein Gott die Klage der leidenden Liebe.

„Jeder sing‘ was er liebt. Auch Lieder lindern die Schmerzen.“

Mopsus

Ach, was nützet es mir, dass mich die Mutter Amyntens,

Dreymal mit Binden und heiligem Laube und duftendem Weihrauch

Hat geheiligt, und knisternden Lorbeer auf Schwefel gebrennet,

Abgewendet den Kopf, die Asche dem Flusse geopfert,

Da ich Armer das ganze Feuer der Liebe geduldet?

„Jeder sing‘ was er liebt. Auch Lieder lindern die Schmerzen.“

Lycidas

Mycale hat auch bey mir mit mannichfarbigen Fäden,

Und mit tausend geheimen Kräutern den Umgang gehalten,

Hat gesungen, zu schrecken den Mond, die Schlangen zu tödten,

Felsen zu treiben, die Saat zu versetzen und Bäume zu stürzen;

Und doch scheinet mir immer nur schöner mein Liebling Jolas.

„Jeder sing‘ was er liebt. Auch Lieder lindern die Schmerzen.“

Highlights

  • Anonyme Kaisergeschichte
  • Sueton: Kaiserbiographien
  • Curtius Rufus: Geschichte Alexanders des Großen

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