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Leben des Augustus

Übersetzung

FGrH 90 F 125 [71] Um ihre Ehrfurcht und Hochachtung zu bezeigen, nannten die Menschen diesen Mann Augustus; auch ehren sie ihn durch Tempel und Opfer, mögen sie nun auf Inseln wohnen oder auf dem Festlande, in Städten oder in besondern Völkerschaften, und dies sowohl wegen der Erhabenheit seiner Tugend, als um die ihnen erwiesenen Wohlthaten zu erwidern. Denn dies ist der Mann, welcher die höchste Macht und Einsicht besaß und, so weit die Kunde reicht, sowohl über die meisten Menschen herrschte, als auch den Gränzen des römischen Reiches die größte Ausdehnung gab. Und nicht nur die Völker der Griechen und Barbaren, sondern selbst ihre Gesinnung beruhigte er, anfänglich freilich durch Waffengewalt; darauf aber, als seine Menschenfreundlichkeit bekannter geworden war, brachte er sie ohne Anwendung von Gewalt allmählig dahin, ihm aus freien Stücken zu gehorchen. Völker, deren Namen man früher nicht einmal kannte, und die, so viel man weiß, niemals einer fremden Herrschaft unterworfen waren, brachte er zur ruhigen Unterwerfung, wie die, welche an den Ufern des Rheines und jenseits des jonischen Meeres wohnen, so wie die Völkerschaften Illyriens, welche man Pannonier und Dacier nennt.

FGrH 90 F 126 Welchen hohen Grad von Einsicht und Tugend dieser Mann entwickelt habe, sowohl in der Leitung der innern Angelegenheiten des Staates, als auch in der Führung bedeutender Kriege, nicht nur gegen innere, sondern auch gegen äußere Feinde, dies durch Wort und Schrift [72] darzuthun, ist eine erhabene Aufgabe, um durch die Erzählung solch’ herrlicher Thaten Nachruhm zu erwerben. Auch ich werde dessen Thaten darzustellen suchen, so daß Allen die Wahrheit sogleich einleuchte. Zuerst werde ich von seiner Abstammung und seiner Anlage reden, dann von seinen Eltern, seiner Erziehung und Unterrichtung, durch die er ein so großer Mann wurde. Sein Vater war C. Oktavius,2 ein Mann aus dem Stande der Senatoren. Seine Vorfahren, durch ihren Reichthum und ihre rechtliche Gesinnung ausgezeichnet, hatten ihm, dem frühe Verwaisten,3 ein bedeutendes Vermögen hinterlassen. Obgleich seine Vormünder dasselbe vergeudet hatten, so stand er doch von dem Rechtsverfahren gegen sie ab und begnügte sich mit dem, was übrig geblieben war.

FGrH 90 F 127 Als er 9 Jahre alt war, erregte er bereits die höchste Bewunderung der Römer, indem er schon in diesem zarten Alter das glänzendste Talent entfaltete; ja selbst bei den Männern ärntete er rauschenden Beifall, als er öffentlich vor einer großen Volksmenge sprach.4 Nachdem seine Großmutter gestorben war, wurde er bei seiner Mutter und deren Gatten Philippus erzogen, welcher ein Nachkomme derjenigen war, welche den König Philipp von Macedonien besiegt hatten. Bei diesem Philippus nun wie bei einem Vater erzogen, erregte er frühe große Hoffnungen und wurde schon damals von seinen Altersgenossen, den Söhnen der vornehmsten Familien, mit Hochachtung [73] behandelt; sehr viele Jünglinge schlossen sich an ihn an, und darunter nicht wenige, welche sich im Staatsdienste emporzuschwingen hofften. Wenn er vor die Stadt ritt oder Verwandte und andere Personen besuchte, begleitete ihn stets eine große Anzahl von Jünglingen, Männern und Altersgenossen. Seinen Geist übte er durch die edelsten Studien, seinen Körper durch würdige und kriegerische Uebungen, und wußte schneller als seine Lehrer das Erlernte in Anwendung zu bringen, so daß er sich deshalb im ganzen Lande große Bewunderung erwarb. Es überwachten ihn aber auch sorgfältig sowohl seine Mutter, als deren Gatte Philippus, indem sie täglich die über den Knaben gesetzten Lehrer und Aufseher fragten, was er gethan, wohin er gegangen, auf welche Weise und mit wem er den Tag zugebracht.
Während der Bürgerkrieg5 in der Stadt Rom wüthete, schickten ihn seine Mutter Atia und Philippus auf eines der väterlichen Landgüter. Als er 14 Jahre alt war,6 begab er sich auf das Forum, nachdem er die purpurverbrämte Toga abgelegt und die männliche angenommen hatte, ein Zeichen, daß er unter die Männer aufgenommen worden. Von dem ganzen Volke mit Bewunderung betrachtet, sowohl wegen der Schönheit seiner Gestalt, als des Adels seines Geschlechtes, opferte er den Göttern und wurde an die Stelle des verstorbenen L. Domitius7 in das Priesterkollegium aufgenommen, wozu das Volk sehr [74] gerne seine Zustimmung gab.8 Und so mit der Annahme der männlichen Toga zugleich mit der höchsten Würde geschmückt, verrichtete er die Opfer. Obgleich er nun dem Gesetze nach unter die Zahl der Männer aufgenommen war, so verbot ihm doch seine Mutter, seine Wohnung zu verlassen und irgend anderswo hinzugehen, als wohin er auch früher als Knabe gegangen war, nöthigte ihn, die frühere Lebensweise beizubehalten und in demselben Zimmer zu schlafen, das er vorher inne gehabt. Nur dem Gesetze nach war er ein Mann, im Uebrigen wurde er wie ein Kind beaufsichtigt. Er änderte nie seine Tracht, sondern kleidete sich immer nach vaterländischer Sitte.9
An den bestimmten Tagen besuchte er die Tempel aber wegen seiner Schönheit nur Nachts, um nicht durch seine wohlgefällige Gestalt und den Glanz seines Geschlechtes die Frauen zur Liebe zu verlocken. Denn es wurde ihm von denselben oft nachgestellt, ohne daß er jedoch auf irgend eine Weise verführt werden konnte. Mit wachsamer Sorgfalt hielt nicht nur seine Mutter jeden schädlichen Einfluß von ihm fern und beobachtete seine Schritte, sondern er schützte sich auch selbst durch seine Besonnenheit, in der er nicht minder, wie an Alter zunahm. Als zur Zeit des lateinischen Festes die Konsuln auf den Albanischen Berg gehen mußten, um die hergebrachten Opfer zu verrichten, und die Priester unterdessen ihre Nachfolger in der Rechtspflege sind,10 saß er in der Mitte des Marktes auf [75] dem Richterstuhle, und zahllose Menschen nahten sich ihm, um sich Recht sprechen zu lassen, viele aber auch aus keinem andern Grunde, als um sich an seinem Anblicke zu erfreuen. Denn er schien Allen sehenswerth, besonders, damals, als er überdies noch mit einer gewissen Würde und Feierlichkeit umgeben war.
Als C. Julius Cäsar die Kriege in Europa glücklich beendigt, auch den Pompejus in Macedonien besiegt und Aegypten erobert hatte, und nun bei seiner Rückkehr aus Syrien und dem Pontus Euxinus im Begriffe war, nach Afrika überzusetzen, um den Krieg dort gänzlich zu beendigen, wollte ihn der junge Cäsar auf diesem Zuge begleiten, um sich Kenntniß im Kriegswesen zu erwerben, stand aber ohne Widerrede von diesem Vorhaben ab, als er vernahm, daß seine Mutter Atia dagegen wäre. Aber auch der ältere Cäsar schien aus Wohlwollen gegen ihn durchaus nicht die Absicht zu haben, ihn den Feldzug mitmachen zu lassen, damit durch die Aenderung der ganzen Lebensart und Gewohnheit bei einem noch schwachen Körper seine Gesundheit keinen Schaden nehme. Dadurch wurde er von der Theilnahme an dem Feldzuge abgehalten.
Als Cäsar nach Beendigung dieses Krieges nach Rom gekommen war und nur sehr wenigen Gefangenen verzieh, weil sie seine frühern Kriege sich nicht hatten zur Warnung dienen lassen, ereignete sich Folgendes. Unter denen, welche mit dem jungen Cäsar auf’s innigste vertraut und befreundet waren, befand sich Agrippa, welcher mit ihm zugleich erzogen worden und fast sein beständiger Genosse war. Dessen Bruder, ein Gefährte des Cato, und von demselben sehr geschätzt, zugleich ein Theilnehmer an dem afrikanischen Kriege, war damals unter den Kriegsgefangenen. [76] Diesem hätte er nun gerne von Cäsar die Freiheit verschafft, nahm aber aus Scheu Anstand, da er früher noch niemals sich etwas von demselben ausgebeten hatte und zudem die feindliche Gesinnung desselben gegen die in diesem Kriege Gefangenen wahrnahm. Endlich faßte er Muth, brachte seine Bitte an und erlangte deren Gewährung. Er freute sich nun sehr, seinem Freunde den Bruder gerettet zu haben, und ärntete auch bei dem Volke großen Beifall, weil er seine ersten Bemühungen und Bitten zu nichts Anderm, als zu Gunsten seines Freundes verwendet hatte.
Darauf feierte Cäsar wegen der glücklichen Beendigung des afrikanischen und der übrigen Kriege einen Triumph und befahl dem jungen Oktavius, den er schon an Sohnes Statt angenommen hatte, und der dieses wegen der nahen Verwandtschaft gewisser Maßen auch war, seinem Wagen zu folgen, indem er ihn mit militärischen Auszeichnungen schmückte, als wenn er mit ihm an dem Kriege Theil genommen hätte. Auch bei den Opfern und feierlichen Zügen zu den Tempeln der Götter behielt er ihn gleichfalls ganz in seiner Nähe, während alle Andern ihm nachstehen mußten. Schon war Cäsar mit der Würde eines Imperators bekleidet, welche für die höchste bei den Römern gilt, und wurde im ganzen Reiche hoch gefeiert. Da sich der junge Oktavius sowohl bei Gastmählern als im Theater stets an seiner Seite befand und sah, daß er sich mit väterlichem Wohlwollen mit ihm unterhielt, faßte er mehr Muth, wartete, da ihn viele Freunde und Bürger ersuchten, ihnen bei Cäsar eine Gunst zu erbitten, die gelegene Zeit ab, bat mit aller Bescheidenheit und erlangte, um was er gebeten. Er wurde daher vielen seiner Verwandten von sehr großem Nutzen und beobachtete nur das, weder zur unrechten Zeit, noch auf eine lästige Weise sein Gesuch anzubringen. Und so gab er schon damals [77] viele Beweise seiner Menschenfreundlichkeit und seines angebornen Verstandes.
Da ihm Cäsar auch mit der Anordnung und Ausrüstung der Kampfspiele bekannt machen wollte, so übertrug er ihm, da es zwei Theater gab, ein römisches und ein griechisches, die Leitung des letztern, während er selbst die Aufsicht über das erstere übernahm. Indem er nun bemüht war, hiebei seine Sorgfalt und Menschenfreundlichkeit an den Tag zu legen, und an den heißesten und längsten Tagen bis zum Ende der Darstellung ausharrte, verfiel er in eine Krankheit, da er noch jung und an Anstrengung nicht gewöhnt war. Schwer erkrankt lag er darnieder, und Alle waren in Furcht und Besorgniß, es möchte diesen großen Geist ein widriges Geschick treffen, am meisten aber vor Allen Cäsar. Dieser war entweder selbst täglich bei ihm und sprach ihm Muth zu, oder schickte seine Freunde und duldete nicht, daß die Aerzte sich entfernten. Einst meldete man ihm, daß der Kranke der Auflösung entgegen gehe und sich sehr übel befinde. Da sprang er barfuß auf, eilte an das Lager desselben, bat voller Besorgniß die Aerzte auf’s dringendste, Alles aufzubieten, und blieb selbst bei ihm sitzen; erst als der Kranke sich erholt, wurde er wieder heiter.
Als er von der Krankheit genesen und der Gefahr zwar entgangen, aber noch schwach an Kräften war, mußte Cäsar in den Krieg ziehen, wohin er früher auch den jungen Oktavius mitzunehmen gedachte, der jedoch damals wegen seiner Krankheit nicht dazu im Stande war. Er ließ daher viele Aufseher bei ihm zurück, damit die genauste Lebensweise eingehalten würde, gab den Befehl, wenn er wieder zu Kräften gekommen wäre, ihm zu folgen, und zog dann in den Krieg. Es hatte nämlich der älteste Sohn Pompejus’ des Großen gegen Aller Erwarten in kurzer Zeit ein großes Heer zusammengebracht und gedachte, [78] seinen Vater zu rächen, und die von demselben erlittene Scharte, so viel er vermöchte, wieder auszuwetzen. Oktavius nun, in Rom zurückgelassen, sorgte zuerst auf’s angelegentlichste für die Wiederherstellung seiner Gesundheit und erlangte auch in Kurzem seine Kräfte wieder. Darauf verließ er die Stadt, um sich nach dem Willen seines Oheims (denn so nannte er Cäsar) zu dem Heere zu begeben. Da nun Viele die Reise mit ihm zu machen wünschten, weil sie große Hoffnungen daran knüpften, schlug er Allen, selbst seiner Mutter, dies Begehren ab, wählte unter seinen Dienern die gewandtesten und kräftigsten aus, beschleunigte seine Reise, durcheilte mit unglaublicher Schnelligkeit den langen Weg11 und befand sich bald in der Nähe Cäsar’s, der jedoch den ganzen Krieg in 7 Monaten schon beendigt hatte.
Bei seiner Ankunft in Tarrakon12 erregte seine Reise bei den heftigen Kriegsunruhen allgemeine Verwunderung. Da er daselbst seinen Oheim nicht fand, hatte er noch mancherlei Mühseligkeiten und Gefahren zu bestehen und langte endlich bei demselben in Spanien in der Nähe der Stadt Kalpe13 an. Cäsar empfing den Jüngling, den er krank verlassen hatte und nun den Nachstellungen der Feinde und Räuber glücklich entronnen unvermuthet vor sich sah, auf’s herzlichste wie sein Kind, umarmte ihn, ließ ihn nicht mehr von seiner Seite und behielt ihn immer um sich; auch lobte er seine Sorgfalt und die Beschleunigung der Reise, um zuerst von den von Rom Abgereisten anzukommen. Absichtlich fragte er ihn auch oft im Gespräche über [79] viele Dinge, um seinen Verstand zu prüfen. Als er nun fand, daß er scharfsinnig und von schnellem Begriffe war und in seinen Antworten kurz und treffend nur das Wesentliche berührte, liebte er ihn noch mehr und inniger. Darauf mußten sie nach Karthago14 schiffen, und der junge Oktavius erhielt den Befehl, mit nur 5 Dienern das Schiff seines Oheims zu besteigen. Er nahm aber zu den Dienern noch drei ihm theure Gefährten mit sich, fürchtete jedoch getadelt zu werden, wenn Cäsar es erführe. Es trat aber das Gegentheil ein. Denn derselbe freute sich über die Liebe, die er gegen seine Freunde hegte und lobte es, daß er stets tugendhafte Männer als Augenzeugen seiner Handlungen um sich haben wolle und so die nöthige Sorge dafür trage, sich schon jetzt einen guten Ruf im Vaterlande zu erwerben.
Cäsar hatte sich aber nach Karthago begeben, um denen, die es wünschten, Zutritt zu gewähren. Es hatten sich nämlich Viele dort eingefunden, und zwar einige, um einen Rechtsspruch in Privatstreitigkeiten zu erlangen, andere wegen öffentlicher Angelegenheiten, wiederum andere, um die Belohnungen für ihre geleisteten Dienste in Empfang zu nehmen. Allen ertheilte er deshalb Gehör.15 Auch sehr viele Statthalter waren dahin gekommen. Die Saguntiner, welche schwer angeklagt waren, wandten sich an Oktavius und baten um seine Hülfe. Dieser nahm sich ihrer Sache an, vertheidigte sie auf’s beste in einer öffentlichen Versammlung vor Cäsar, erwirkte ihre Freisprechung und entließ sie fröhlich nach Hause, während sie ihn laut priesen und ihren Retter nannten. Seitdem wandten sich Viele [80] mit der Bitte um seine Fürsprache an ihn, denen er allen sehr nützlich wurde, den einen, indem er sie von einer Anklage befreite, andern, indem er ihnen Geschenke erwirkte, wiederum andern dadurch, daß er ihnen zu Aemtern verhalf. Seine Sanftmuth, Menschenfreundlichkeit und bei Unterredungen sich offenbarende Einsicht waren in Aller Münde. Selbst Cäsar …

(Das Uebrige fehlt, ebenso der Anfang des folg. Kapitels.)

FGrH 90 F 128 Von den Zusammenkünften berauschter Jünglinge hielt er sich fern, wohnte keinem Gelage länger bei als bis zum Abend und speiste nicht vor der zehnten Stunde, außer wenn er sich bei Cäsar, Philippus oder Marcellus befand, welcher seine Schwester zur Ehe hatte, und durch seine ausgezeichnete Besonnenheit, so wie durch den Adel seines Geschlechtes einer der ersten unter den Römern war. Die Bescheidenheit, welche man gewöhnlich als eine diesem Alter eigenthümliche Tugend betrachtet, weil das folgende mit andern Vorzügen von der Natur begabt ist, behielt er bei und zeigte sie während seines ganzen Lebens durch die That. Und gerade deshalb, und nicht, wie Viele glauben, wegen der Verwandtschaft allein, schätzte ihn Cäsar so hoch. Dieser hatte nun zwar schon früher beschlossen, ihn an Kindes Statt anzunehmen, hielt aber in der Befürchtung, er möchte, was den im Glücke Erzogenen zu begegnen pflegt, durch die Hoffnung auf ein so großes Glück übermüthig gemacht, vom Pfade der Tugend abweichen und entarten, seine Absicht geheim; in seinem Testamente jedoch nahm er ihn, da er selbst keine männliche Nachkommenschaft hatte, an Sohnes Statt an und setzte ihn zum Erben seines ganzen Vermögens ein mit Ausnahme eines Viertels, das er für anderweitige Freunde und Bürger bestimmte, wie sich später zeigen wird.
Um diese Zeit bat Oktavius seinen Oheim, ihm zu erlauben, seine Mutter zu besuchen, und begab sich nach [81] erhaltener Erlaubniß auf die Reise. Als er nahe bei Rom auf dem Janikulus angekommen war, kam ihm in Begleitung einer großen Schaar von Menschen Jemand entgegen, der sich für einen Sohn des C. Marius16 ausgebend, in die Familie desselben aufgenommen zu werden wünschte und deshalb mehrere Frauen aus der Verwandtschaft Cäsars mitgebracht hatte, um seine Abstammung zu bezeugen. Aber weder die Atia noch deren Schwester konnte er zu einer solchen Lüge gegen ihr Geschlecht überreden; denn die Familie Cäsar’s war mit der des Marius verwandt,17 jener Jüngling gehörte jedoch keineswegs dazu. Als nun derselbe damals mit seiner zahlreichen Begleitung sich an den jungen Oktavius wandte, gab er sich viele Mühe, auch dessen Zustimmung zur Aufnahme in die Familie zu erlangen; nicht minder bemühten sich die ihn begleitenden Bürger, da sie ihn für einen Sohn des Marius hielten. Der junge Cäsar gerieth in große Verlegenheit und überlegte, was zu thun sei; denn wie einen Verwandten den Unbekannten zu empfangen, dessen Herkommen er nicht kannte, zu dessen Gunsten auch seine Mutter kein Zeugniß ablegte, war bedenklich; denselben aber sammt der ihn begleitenden Menge von Bürgern geradezu abzuweisen, hatte bei seiner großen Bescheidenheit wiederum keine geringe Schwierigkeit. Er erwiderte daher, den Menschen sanft von sich abweisend, daß Cäsar das Haupt seiner Familie und der Schutzherr des ganzen Staates und der römischen Herrschaft sei; zu diesem möge er gehen und ihn über seine Verwandtschaft aufklären; wenn er ihn überzeuge, [82] so würden sowohl er als die übrigen Verwandten sogleich dieselbe Ueberzeugung theilen, im entgegengesetzten Falle aber habe er keine Gemeinschaft mit ihm; unterdessen möge er, bevor Cäsar über diese Angelegenheit entschieden, weder zu ihm kommen, noch irgend eine Bitte wie an einen Verwandten an ihn richten. Dieser vernünftigen Antwort stimmten alle Anwesenden bei; nichts desto weniger aber begleitete ihn der Jüngling bis nach Hause.

FGrH 90 F 129 Bei seiner Ankunft zu Rom nahm er seine Wohnung in der Nähe des Philippus und seiner Mutter, lebte mit denselben und war fast immer um sie, außer wenn er einmal selbst einige seiner Altersgenossen bewirthen wollte. Doch geschah dies selten. Während dieses Aufenthaltes in Rom wurde er von dem Senate unter die Patricier aufgenommen. Auch lebte der junge Oktavius nüchtern und enthaltsam. Man muß sich zwar darüber wundern, doch können es seine Freunde bezeugen. Denn während eines ganzen Jahres enthielt er sich in einem Alter, in welchem die Jünglinge, und besonders die mit Glücksgütern gesegneten, von sinnlicher Kraft strotzen, des Genusses der Liebe und schonte seine Stimme und Kräfte.

Anmerkungen

1 S. Biogr. S. 22. Obgleich diese Schilderung im Grunde mehr eine deklamatorische Arbeit als eine treue geschichtliche Darstellung ist, so ist sie doch nichts desto weniger von einer gewissen Bedeutung, da sie Manches enthält, was man anderweitig vergeblich sucht und uns einen Blick in die Bildungsgeschichte des Mannes thun läßt, der später die Geschicke der Welt in Händen hatte.

2 Mehreres über denselben s. bei Vellejus Paterculus II 59 und Sueton im Leben des Augustus c. 3.

3 Nach Sueton Leb. d. Aug. c. 8 verlor er im vierten Lebensjahre seinen Vater Oktavius.

4 Valois vermuthet in jener Leichenrede, die er nach Sueton a. a. O. seiner Großmutter Julia im 12ten oder, wie derselbe nach dieser Stelle des Nik. verbessert haben will, im 10ten Jahre hielt. Ueber die Jugendgeschichte des Augustus s. auch Dio Cassius 45 1, ff.

5 Nämlich zwischen Cäsar und Pompejus.

6 Dieses stimmt mit der angeführten Stelle des Suetonius, wenn die vorgeschlagene Aenderung angenommen wird, da es daselbst heißt «daß er 4 Jahre nach der erwähnten Leichenrede die männliche Toga angenommen habe.»

7 Nämlich L. Domitius Ahenobarbus, welcher nach Cicero Philipp. 2 in der Schlacht bei Pharsalus getödtet worden war, und dessen Vater und Großvater schon im Collegium der Pontifices waren, wie Sueton im Leben Nero’s berichtet.

8 Nach dem Gesetze des Cn. Domitius wurde das Recht, die Priester zu wählen, dem Volke übertragen. Später wurde dasselbe von Sulla aufgehoben, aber nach dem Zeugnisse des Dio Cassius von dem Volkstribunen T. Labienus unter dem Consulate des Cicero wieder hergestellt.

9 Griechische Tracht war nämlich schon zu dieser Zeit bei vielen vornehmen Römern im Gebrauch.

10 Mehreres über dieses Fest und den während der Abwesenheit der Konsuln bestellten Aufseher der Stadt s. b. Orelli S. 205 u. 266.

11 Ebenso erzählt Sueton Leb. d. Aug. c. 8, u. erwähnt dabei noch, daß er auf dieser Reise Schiffbruch gelitten.

12 Stadt in Spanien, heute Tarragona.

13 Eine auf dem Berge Calpe in Bätica gelegene Stadt, welche auch Carteja oder Calpe Carteja genannt wird. Einige halten sie für das jetzige Gibraltar.

14 D. i. Neu Karthago in Spanien. Denn nach Sueton Aug. c. 47 war Augustus in allen röm. Provinzen außer in Afrika und Sardinien.

15 Die Uebersetzung folgt an dieser stark verdorbenen Stelle der Verbesserung Coray’s.

16 Ein gewisser Herophilus, ein Roßarzt, gab sich für einen Nachkommen des C. Marius aus, wie Valerius Maximus IX 15 weitläufiger berichtet. Bei Livius Epitom. 110 und bei Appian wird er C. Amatius genannt. Auch Cicero erwähnt seiner mehrmals.

17 C. Marius hatte die Julia, die Großmutter Cäsars zur Ehe gehabt, wie Plutarch berichtet.

Highlights

  • Anonyme Kaisergeschichte
  • Sueton: Kaiserbiographien
  • Curtius Rufus: Geschichte Alexanders des Großen

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