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Galba

Erste Referenz!

1 (1) [5]1 Der Athener Iphikrates verlangte von dem Miethsoldaten Geldgier und Genußsucht, damit er, um für seine Gelüsten Befriedigung finden zu können, sich desto tollkühner in den Kampf stürzen solle. Die allgemeine Ansicht dagegen verlangt von dem Soldaten überhaupt, daß er, wie ein kräftiger, gesunder Körper, ohne alle eigenen, persönlichen Antriebe sich lediglich nach dem Antrieb, den ihm der Feldherr giebt, bewegen soll. So erzählt man auch von Paulus Aemilius folgende Anekdote. Als er das in Makedonien stehende Heer übernahm, fand er bei demselben nichts als Geschwätzwerk und unberufenes Treiben vor, wie wenn die Armee der General wäre. Er erließ daher einen Tagbefehl des Inhalts: „jeder einzelne Mann solle nur seinen Arm tüchtig und seinen Säbel schneidig erhalten; für alles Andere werde er selbst sorgen!“ Auch Plato sah, daß der beste Führer und Feldherr nichts auszurichten vermöge, wenn seine Truppen nicht geordnet und von Einem Geiste geleitet seien; aber die Tugend des Gehorsams brauchte nach seiner Ansicht so gut wie die Befähigung zum Herrschen, neben einer edlen Naturanlage, zugleich noch eine vernünftige Erziehung, welche am meisten geeignet ist, die wilde Leidenschaftlichkeit im Handeln durch die Beimischung eines sanften, humanen Elements zu mildern. Die Beweise hiefür liegen in so manchem traurigen Ereigniß und insbesondere in den Leiden Roms nach dem gewaltsamen Ende Nero’s. Dort findet man die sprechendsten Beispiele, daß es nichts Schrecklicheres giebt in einem Reiche, als eine militärische Macht, die sich nur durch rohe, gedankenlose Triebe leiten läßt. Nicht umsonst verglich Demades nach Alexanders Tode die makedonische Armee mit dem geblendeten Kyklopen Polyphem, als er dieselbe so viele ungeordnete halbverrückte Bewegungen machen sah. [6] Auch über das römische Reich brachen Unfälle und Erschütterungen herein, wie in den Zeiten der Titanen. Es wurde in viele Stücke zerrissen und drohte an allen Punkten in sich selbst zusammenzustürzen. Aber der Grund hievon lag nicht sowohl in der Herrschsucht derer, die man zu Kaisern ausrief, als in der Geldgier und Zügellosigkeit des Militärs, das seine obersten Führer, – wie Nägel, – einen durch den andern hinaustrieb. Wohl hat Dionysius den Lykophron von Pherä, der nur zehn Monate über Thessalien herrschte, dann aber alsbald wieder umgebracht wurde, mit einem spöttischen Witze auf die Schnelligkeit der Veränderung einen „Theaterkönig“ genannt. Aber die Residenz der Cäsaren, das Palatium, nahm in einer noch kürzeren Zeit vier Kaiser in seinen Räumen auf, indem man nur eben, wie auf der Bühne, den Einen herein, den Andern hinausführte. Der einzige Trost für die leidende Menschheit lag darin, daß man kein weiteres Gericht über die Schuldigen zu halten brauchte; man durfte nur zusehen, wie sie sich selbst unter einander umbrachten. Der Erste in der Zahl und der es zugleich am allermeisten verdiente, war derselbe Mann, der den Köder ausgeworfen und die Soldaten gelehrt hatte, von einem Thronwechsel gerade soviel zu erwarten, als ihm zu versprechen gut dünkte. Das schönste Unternehmen brachte er in Mißkredit durch die Bezahlung; die Revolution gegen einen Nero wurde dadurch zur gemeinen Verrätherei.

2 (1) Nymphidius Sabinus war, wie oben berichtet2, neben Tigellinus Kommandant der kaiserlichen Garden3. Sobald Nero’s Sache vollständig aufgegeben werden mußte und dessen Fluchtversuch nach Aegypten in sicherer Aussicht stand, handelte er so, als wäre der Kaiser nicht mehr anwesend, sondern bereits geflohen. Er veranlaßte die Truppen, den Galba zum Imperator auszurufen und versprach dafür den Garden, welche auch den Namen Prätorianer führten, auf den Mann 7500 Drachmen als Donativ, den Soldaten der auswärts stehenden Truppentheile 1250 Drachmen, – eine Summe, die unmöglich aufgetrieben werden konnte, ohne der [7] ganzen Welt tausend und aber tausend Mal so viel Jammer anzuthun, als Nero selbst ihr angethan hatte. Dieß war es, was für den Augenblick den Nero und bald darauf auch den Galba in’s Verderben stürzte. Den Einen gaben sie preis, weil sie etwas bekommen wollten; den Andern ermordeten sie, weil sie nichts bekamen. Hierauf suchten sie einen weiteren Mann, der ihnen die gewünschte Summe zu geben bereit war. Allein sie rieben sich dabei in ihren Empörungen und Verräthereien schon vorher auf, ehe sie das Ziel ihrer Wünsche erreichten. Eine genaue Erzählung aller Einzelheiten, die sich hiebei ereigneten, ist die Aufgabe einer zusammenhängenden pragmatischen Geschichte; dagegen das Beachtenswerthe, was sich im Handeln oder Erleiden für die einzelnen Cäsaren ergeben hat, darf auch ich nicht übergehen.

3 (1) Daß Sulpicius Galba der reichste Mann aus dem Privatstande war, der je die Schwelle des kaiserlichen Palastes betrat, wird allgemein anerkannt. Zudem gab ihm die Familie der Servier in Hinsicht seiner vornehmen Geburt ein hohes Ansehen. Indessen war er noch stolzer auf seine Verwandtschaft mit Catulus4, einem Manne, der zu seiner Zeit durch seine Eigenschaften, wie durch seinen Ruhm, ungemein hervorragte, so gerne er den größeren Einfluß an Andere überließ. Galba stand übrigens auch mit Nero’s Gemahlin in einem freilich etwas entfernteren Verwandtschaftsverhältniß und gieng daher, durch die gnädige Verwendung der Livia, als Consul aus dem Palatium hervor. Er soll ferner in Germanien eine Armee mit Ehren kommandirt und als Proconsul in Afrika sich eine seltene Anerkennung erworben haben. Indessen zog ihm die schlichte Einfachheit in seiner Lebensweise, die Sparsamkeit bei größeren Ausgaben, das Bestreben, hierin nichts Ueberflüssiges zu thun, späterhin, nachdem er Imperator geworden war, den Vorwurf einer gewissen Knauserei zu, während er unmittelbar zuvor eben hiedurch in dem ehrenvollen Rufe einer wohlgeordneten, sittlich vernünftigen Gesinnung gestanden hatte. Von Nero wurde er als Präfect nach Spanien geschickt; denn [8] Nero hatte noch nicht gelernt, jeden Bürger zu fürchten, der etwa ein hohes Ansehen genoß. Während nun Galba schon von Natur für einen Mann von sanftmüthigem Charakter galt, traute man ihm wegen seines Alters auch noch eine gewisse kluge Bedächtigkeit zu.

4 (1) In Spanien plünderten die heillosen Procuratoren damals für Nero die einzelnen Provinzen auf eine grausame und unbarmherzige Weise aus. Galba konnte diesem Uebelstande nicht weiter abhelfen. Aber dadurch, daß er sichtbar den Jammer theilte und das Unrecht mitempfand, gewährte er dennoch den Unglücklichen, die man rechtswidrig verurtheilte oder gar verkaufte, eine gewisse Erleichterung ihres Elends, einen gewissen Trost. Auch als man auf Nero Spottlieder machte, dieselben vielfach verbreitete und herumsang, hinderte er dieß nicht und theilte keineswegs den Unwillen der Prokuratoren darüber, – eine Haltung, wodurch er sich die Liebe der Einwohnerschaft noch in höherem Grade erwarb. Denn er war bereits mit ihnen genau bekannt, indem er im achten Jahre seines Regiments stand, als der Prätor von Gallien, Junius Vindex, seinen Aufstand gegen Nero ausführte. Soviel man nun erzählt, kamen noch vor dem offenen Ausbruch der Rebellion Briefe von Vindex an Galba. Allein letzterer traute ihnen ebensowenig, als er andrerseits den Anzeiger und Verkläger machte, wie dieß verschiedene höhere Generale thaten, welche die an sie gerichteten Schreiben dem Nero einsandten und dadurch ihr Möglichstes zum Verunglücken der Unternehmung beitrugen. Später betheiligten sie sich dennoch und mußten nun zugestehen, daß sie ebensosehr an sich selbst, als an ihm, zum Verräther geworden waren. Nachdem jetzt Vindex offen zu den Waffen gegriffen hatte, richtete er abermals an Galba eine schriftliche Aufforderung, die oberste Leitung zu übernehmen und dem starken Körper, der einen Kopf suche, in seiner Person einen solchen zu geben. Gallien „habe ja bereits hunderttausend Mann Soldaten und könne eine noch weit größere Anzahl aufstellen.“ Galba legte die Sache seinen Freunden zur Berathung vor. Einige stimmten für Zuwarten, um zu beobachten, ob Rom eine lebhaftere, energische Stellung zu der Revolution einnehmen würde. Hiegegen erklärte sich der Befehlshaber der prätorischen Legion, Titus [9] Vinius. „Galba, (sagte er,) was ist’s mit dieser Berathung? Die Frage, ob wir dem Nero treu bleiben wollen, heißt soviel als: – es nicht mehr sein. Nero ist also unser Feind. Deßwegen dürfen wir die Freundschaft des Vindex nicht von uns weisen, dürfen ihn nicht auf der Stelle verklagen, oder gar bekämpfen. Er wünscht ja nur, dich lieber als Regenten Roms zu erblicken, anstatt Nero’s, als Despoten.“

5 (1) Hierauf machte Galba durch öffentliches Ausschreiben einen Tag bekannt, an welchem er auf Verlangen die einzelnen Freilassungen ertheilen werde. Ein Gerücht und Gerede, das sich schon vorher verbreitete, veranlaßte nun die Ansammlung einer großen Menge von Menschen, die zur Revolution geneigt waren. Dennoch war Galba kaum auf dem Tribunal sichtbar geworden, als ihn bereits Alles einstimmig mit dem Namen Imperator begrüßte. Er ließ sich jedoch diesen Titel nicht sogleich gefallen, sondern beschränkte sich darauf, über Nero seine Klagen auszusprechen und die hervorragenden Männer, die von demselben ermordet worden waren, schmerzlich zu bedauern. Zum Schluß erklärte er, seine ganze Sorge dem Vaterland widmen zu wollen, jedoch ohne Cäsar oder Imperator zu heißen, – nur als General des römischen Senats und Volks. Wie richtig und wohlüberlegt Vindex durch die Berufung Galba’s zur obersten Leitung handelte, bestätigte sich durch das Zeugniß des Nero selbst. Gegen den Ersteren zeigte dieser scheinbar eine völlige Verachtung, als ob ihm die Ereignisse in Gallien durchaus gleichgültig wären; sobald er jedoch von Galba hörte, warf er im Zorn den Tisch um, woran er gerade nach genommenem Bade frühstückte. Indessen erklärte der Senat den Galba für einen Feind des Vaterlands. Da nun Nero gegenüber von seinen Freunden selbst auch lustig sein und seinen Muth zeigen wollte, that er die Aeußerung: „er brauche Geld und habe jetzt zufällig einen ganz guten Grund und Vorwand bekommen. Er werde das Vermögen der Gallier, sobald sie wieder unterworfen seien, als gemachte Kriegsbeute wegführen lassen; die Habseligkeiten des Galba könne man [10] sogleich verwenden oder verkaufen, da dieser Mann sich bereits als offenen Feind kundgegeben habe!“ Und so gab denn er Befehl, sämmtliches Eigenthum des Galba zu versteigern, und Galba, der dies hörte, ließ seinerseits gleichfalls den ganzen Besitzstand Nero’s in Spanien zum öffentlichen Verkauf ausbieten und fand hiebei zahlreiche, noch weit eifrigere Liebhaber.

6 (1) Während nun viele Heerführer von Nero abfielen und lediglich alle sich an Galba anschlossen, handelte nur Clodius Macer in Afrika und Virginius Rufus in Gallien, als dortiger Kommandant der germanischen Truppen, für sich allein, ohne jedoch die gleichen Absichten zu hegen. Clodius, welcher bei seiner Grausamkeit und Habsucht viele Räubereien und Mordthaten sich hatte zu Schulden kommen lassen, schwankte unentschlossen hin und her, weil er seine Herrschaft ebensowenig behaupten, als aufgeben konnte. Virginius dagegen, an der Spitze der mächtigsten Legionen stehend, die ihn oftmals zum Kaiser ausrufen und seine Annahme sogar erzwingen wollten, erklärte: „daß er weder selbst die oberste Leitung übernehmen, noch die Verleihung derselben an einen andern dulden werde, wenn nicht der Senat einen solchen erwähle!“ Schon diese Umstände versetzten den Galba anfänglich in keine geringe Unruhe. Als aber die beiden Heere des Virginius und Vindex gewissermaßen mit Gewalt ihre Generale, – wie Wagenlenker, die nicht im Stande sind, ihre Zügel fest in der Hand zu behalten, – zu einer großen, gewaltigen Schlacht5 fortrissen und Vindex sich im Schmerz über zwanzigtausend gefallene Gallier selbst entleibte, da verbreitete sich das Gerücht, als beabsichtigten alle, in Folge dieses großartigen Sieges, den Virginius zur Annahme des Thrones zu bewegen, widrigenfalls sie wieder zu Nero zurücktreten würden. Erst hiedurch gerieth Galba in die äußerste Besorgniß und wandte sich brieflich an Virginius mit der Aufforderung, „gemeinschaftliche Sache mit ihm zu machen, um den Römern die Herrschaft und ihre Freiheit zu erhalten.“ Hierauf begab er sich nebst seinen Freunden wieder nach Clunia, einer spanischen Stadt, zurück, wo er seine Zeit mehr mit reumüthigen [11] Gefühlen über das Vorgefallene und mit sehnsüchtigem Verlangen nach seiner altgewohnten Unthätigkeit ausfüllte, als mit Ausführung irgend einer durch die Umstände gebotenen Maßregel.

7 (1) Es war bereits Sommer, als einmal kurz vor Abenddämmerung ein gewisser Icelus, ein Freigelassener, nach einer siebentägigen Reise von Rom her eintraf. Obgleich dieser Mann erfuhr, daß Galba sich bereits zur Ruhe begeben, gieng er doch ohne Weiteres frischweg auf dessen Schlafzimmer zu, machte trotz des entschiedenen Abwehrens der Kammerdiener die Thüre auf, trat ein und meldete Folgendes: „als Nero zwar noch am Leben, aber nirgend mehr sichtbar gewesen, habe zuerst die Armee, hierauf Volk und Senat den Galba zum Kaiser ausgerufen; gleich darauf habe man Nachricht von Nero’s Tode bekommen. Er habe dieser Nachricht nicht getraut, sei dann aber zu der Leiche hingegangen, und als er sie mit eigenen Augen habe daliegen gesehen, habe er sich alsbald auf den Weg gemacht.“ Diese Mittheilungen erweckten in Galba wieder die freudigste, gehobenste Stimmung. Auch lief eine Masse von Menschen vor seiner Thüre zusammen, welche nun von ihm in ihrem muthigen Vertrauen fest bestärkt wurden. Freilich erschien die Geschwindigkeit noch unbegreiflich. Allein zwei Tage später traf auch Titus Vinius nebst einigen Andern aus dem Lager ein und brachte ganz genaue Nachrichten über die Beschlüsse, welche man im Senat gefaßt. Der Letztere rückte dafür in eine sehr angesehene Stellung vor; dem Freigelassenen ertheilte Galba das Recht, goldene Ringe zu tragen6. Derselbe hieß von nun an Marcianus Icelus und besaß überhaupt unter den Freigelassenen den größten Einfluß.

8 (1) In Rom hatte indessen Nymphidius Sabinus nicht in ruhiger Weise und allmälig, sondern kurzweg, mit Einem Male, im Sturmschritt, die Gewalt auf seine eigene Person übergetragen. Den Galba betrachtete er nur als einen alten Mann, dessen Kräfte bei seinen hohen Jahren kaum noch ausreichten, um sich in einer Sänfte nach Rom hintragen zu lassen; denn allerdings, – Galba [12] war bereits ein Dreiundsiebziger. Ferner hegte, wie er wußte, die Armee von Rom schon längst wegen Sabinus die besten Gesinnungen und zeigte eben jetzt ausschließlich nur gegen ihn die höchste Anhänglichkeit, und zwar wegen der Größe des Donativs, das ihn als Wohlthäter erscheinen ließ, den Galba dagegen als Schuldner. Aus diesen Gründen schickte er denn unverzüglich seinem Mitbefehlshaber Tigellinus den Befehl zu, „das Schwert niederzulegen.“ Daneben veranstaltete er große Festmahle und bewirthete dabei alle gewesenen Consuln und höheren Offiziere auf’s Glänzendste. Doch fügte er bei den Einladungen auch noch Galba’s Namen bei, während er übrigens im Lager viele Leute anstiftete, welche sagen mußten: „man müsse an Galba schicken und sich den Nymphidius für alle Zeit zum Oberkommandanten erbitten, ohne Mitbefehlshaber!“ Auch der Senat that Vieles zur Erhöhung seiner Ehre und Macht. Man nannte ihn einen Wohlthäter, lief ihm alle Tage massenhaft in’s Haus und ertheilte ihm die Befugniß, bei jedem Beschluß die erste Abstimmung und nachher die Bestätigung zu geben. Aber alles dieß vermochte nur seine Frechheit zu steigern, so daß er binnen Kurzem von den servilen Menschen nicht bloß gehaßt, sondern auch gefürchtet wurde. Ein Beispiel genüge! Die Consuln hatten einige öffentliche Sklaven gewählt, um dem Kaiser die gefaßten Beschlüsse zu überbringen. Auch hatten sie denselben die sogenannten Diplome (Urkunden) mit Siegel eingehändigt, nach deren Vorzeigung die einzelnen Stadtmagistrate den Wechsel der Gespanne vornehmen lassen, wodurch das Weiterreisen der Kuriere beschleunigt wird. Hierüber gerieth Nymphidius in die heftigste Aufregung, weil man nicht von ihm Siegel und Soldaten genommen hatte, um sie in’s Lager zu schicken. Er soll sogar in Betreff der Consuln schlimme Absichten gehegt haben. Erst als diese sich entschuldigten und um Verzeihung baten, ließ er seinen Ingrimm wieder einigermaßen fahren. Dem Volke zu Gefallen hinderte er auch nicht, daß man jeden Anhänger des Nero, der ihnen in den Weg lief, auf die scheußlichste Weise umbrachte. So wurde der Gladiator Spiculus7 auf dem [13] Forum unter die Statuen Nero’s, die man wegschleppte, hinunter geworfen und zerquetscht. Auch einen gewissen Aponius, welcher zu den Delatoren gehörte, stieß man um und ließ beladene Steinwägen über ihn hinfahren. Viele Andere wurden in Stücke gerissen, worunter Manche, die gar nichts vergangen hatten, so daß Mauritius, thatsächlich und nach der öffentlichen Meinung einer der edelsten Männer im Senat, äußerte: „er fürchte, daß man bald den Nero vermissen werde!“

9 (1) So näherte sich denn Nymphidius immer mehr dem Ziele seiner Hoffnungen. Auch ließ er sich’s nicht ungerne gefallen, wenn man ihn einen Sohn von Tiberius’ Nachfolger, dem Cäsar Cajus (Caligula) nannte. Denn Caligula hatte, noch als junger Mann, mit Nymphidius’ Mutter, einer ziemlichen Schönheit, nähere Bekanntschaft gehabt; diese aber war die Tochter einer Lohnnähterin von einem Freigelassenen des Kaisers, Namens Kallistus. Uebrigens war ihr Verhältniß zu Caligula ohne Zweifel jünger, als Nymphidius’ Geburt, und man munkelte, daß er eigentlich ein Sohn des Fechters Martianus sei, in welchen sich Nymphidia wegen seiner Berühmtheit verliebt hatte. Auch schien er nach der Aehnlichkeit seines Aeußeren mehr diesem anzugehören. Jedenfalls mußte er Nymphidia als seine Mutter anerkennen. Ungeachtet dieser Verhältnisse begnügte er sich nicht damit, den Sturz Nero’s lediglich für sein eigenes Werk auszugeben. Selbst der Preis, den er dafür in Ehrenauszeichnungen und Reichthümern einerntete, schien ihm nicht genügend, – ebensowenig das, daß er jetzt Tag und Nacht mit Nero’s Sporus8 zusammenlebte, den er sogleich vom Scheiterhaufen weg, während der Leichnam noch brannte, zu sich hatte kommen lassen und jetzt als seine Frau, unter dem Namen Poppäa, bei sich behielt. Nein, er suchte sich auch in die Thronfolge einzuschleichen. Manches ließ er zu diesem Zwecke persönlich in Rom durch seine Freunde betreiben, wobei auch einige Frauen, sowie mehrere Senatoren, ihm behilflich waren. Einen von seinen [14] Freunden, Gellianus, schichte er nach Spanien, um dort die Verhält nisse auszufundschaften.

10 (1) Für Galba gieng nach Nero’s Tode Alles vortrefflich. Nur Virginius Rufus, welcher noch immer unentschieden war, bereitete ihm Sorge. Außerdem, daß dieser Mann an der Spitze einer starken, sehr tapferen Truppenmacht stand, kam noch sein Sieg über Vindex dazu, wie auch die Unterwerfung von einem beträchtlichen Bestandtheile des römischen Reichs, dem gesammten, in eine aufrührerische Bewegung gerathenen Gallien. Es schien also leicht denkbar, daß er den Anforderungen, das Regiment zu übernehmen, Folge leisten würde. Kein Anderer besaß ja einen so bedeutenden Namen, keiner einen so hohen Ruhm, wie Virginius. Er konnte bei den römischen Verhältnissen am ehesten den Ausschlag geben, da er am wesentlichsten zur Befreiung von einer drückenden Tyrannei, wie von drohenden Kämpfen in Gallien, beigetragen hatte. Allein Virginius blieb auch diesmal seinen ursprünglichen Grundsätzen treu und wahrte dem Senat das Recht der Kaiserwahl. Und doch lag, sobald Nero’s Ende bekannt geworden war, nicht nur der große Haufe der Soldaten ihm abermals mit Bitten an, sondern Einer von den Obersten im Zelte zog sogar sein Schwert gegen ihn mit den Worten: „Kaiserthum, oder Tod!“ Als jedoch der Befehlshaber einer Legion, Fabius Valens, der Erste wurde, welcher seine Truppen dem Galba schwören ließ, und zugleich von Rom Nachrichten über die Beschlüsse des Senats einliefen, bewog Virginius, wenn gleich mit schwerer Mühe, seine Soldaten, gleichfalls den Galba als Kaiser auszurufen. Und als Galba ihm einen Nachfolger sandte in der Person des Flaccus Hordeonius, ließ er sich auch diese Maßregel willig gefallen. Er übergab ihm seine Armee, reiste dem vorrückenden Galba entgegen und kehrte dann wieder mit ihm zurück, ohne besonders auffallende Beweise sei es von Ungnade oder Auszeichnung zu empfangen. Von dem Einen lag der Grund in Galba selbst, welcher den Mann sehr hochachtete; das Andere verschuldeten Galba’s Freunde, und namentlich Titus Vinius, welcher aus Neid den Virginius demüthigen zu müssen glaubte. Er wußte freilich nicht, daß er hiemit nur dem guten Genius des Virginius in die Hände arbeitete, welcher den wackeren [15] Mann aus dem Bereich von Kriegen und Leiden aller Art, wie sie die andern Generale fortwährend trafen, hinaus und dagegen in ein stürmefreies, fried- und ruhevolles Leben hineinversetzen wollte.

11 (1) Die Abgesandten des Senats trafen Galba in der Nähe von Narbo9, einer gallischen Stadt. Sie begrüßten ihn und forderten ihn zugleich auf, recht bald sich dem römischen Volke zu zeigen, das mit Sehnsucht auf ihn warte. Der neue Kaiser benahm sich ihnen gegenüber bei jeder Begegnung und jedem Zusammensein mit der populärsten Freundlichkeit. Namentlich ließ er bei der Tafel, trotzdem daß so viel fürstliches Geräthe und Dienerschaft zur Stelle war, die ihm Nymphidius von Nero’s Hinterlassenschaft zugesandt hatte, hievon keinerlei Gebrauch machen, sondern durchweg nur das verwenden, was ihm selbst angehörte. Man lobte dieß, weil man dabei in ihm einen Mann von großer Gesinnung erblickte, der über eitle Prachtliebe erhaben sei. Aber bald erklärte Vinius dieses edle, bescheidene, bürgerliche Benehmen für „Demagogie“ und für eine Ziererei, die sich selbst einer hohen Stellung nicht würdig erachte. Dadurch bewog er den Galba, von nun an die reichen Habseligkeiten Nero’s wirklich zu verwenden und bei Einladungen alle kaiserliche Pracht sehen zu lassen. Ueberhaupt ließ der alte Mann binnen kurzem ahnen, daß er vollständig unter Vinius’ Einfluß gerathen werde.

12 (1) Nun war aber Vinius ein Mann, der nicht nur über alle Maßen geldgierig war, wie kein anderer Mensch, er hatte auch hinsichtlich des weiblichen Geschlechts viele Sünden auf dem Gewissen. So machte er z. B. noch als junger Mann seinen ersten Feldzug unter Calbisius Sabinus mit, brachte die lüderliche Frau dieses Generals im Soldatenhabit Nachts in das Lager hinein und schändete sie auf dem Fahnenplatze (den die Römer principia nennen). Wegen dieses Vergehens ließ ihn Kaiser Cajus (Caligula) in’s Gefängniß setzen; aber nach dessen Tode gelang es ihm durch einen glücklichen Zufall, wieder loszukommen. Ferner stahl er einmal an der Tafel bei Kaiser Claudius einen [16] silbernen Becher. Der Kaiser erfuhr es und ließ ihn am folgenden Tage abermals zur Tafel laden. Als er wirklich kam, befahl Claudius der Dienerschaft, demselben nichts mehr von Silber, sondern lauter irdenes Geschirr heranzubringen und vorzusetzen. So erschien denn dieser Vorfall durch des Kaisers spaßhafte Mäßigung als Etwas, das mehr Lachen, als Zorn, verdiente. Was er jedoch bei seinem großen Einfluß auf Galba, den er in völliger Abhängigkeit erhielt, in Geldsachen anstiftete, hat zu manchen tragischen Auftritten und schweren Unglücksfällen bald den wirklichen Grund abgegeben, bald wenigstens den Vorwand geliefert.

13 (1) Nymphidius hatte den Gellianus eigentlich nur zu Galba geschickt, um dort zu spioniren. Bei seiner Rückkunft hörte er, daß Cornelius Labo zum Präfekten des Hofs und der Leibgarde ernannt sei, – Vinius habe vollständig das Heft in der Hand, – ihm selbst (dem Gellianus) sei jede Annäherung an den Kaiser, jede persönliche Besprechung unmöglich gewesen, weil Jedermann ihn mißtrauisch angesehen und beobachtet habe. Ueber diese Nachrichten gerieth Nymphidius sogleich in eine große Bestürzung. Er versammelte die Offiziere seiner Armee und erklärte: „Galba selbst sei ein gutmüthiger alter Mann von gemäßigten Gesinnungen; er könne aber nicht im mindesten nach seinen eigenen Gedanken handeln, weil er vollständig – und nicht in der besten Weise, – von Vinius und Labo am Gängelbande geführt werde. Ehe also diese Beiden in der Regierung unvermerkt den gleichen Einfluß eroberten, wie ihn Tigellinus besessen, müsse man an den Regenten eine Gesandtschaft von der Armee schicken, um ihn darüber zu belehren, daß sein Erscheinen allgemein einen viel besseren, erwünschteren Eindruck machen werde, wenn er von seinen Freunden nur diese einzigen Beiden zuvor abschüttle.“ Dieser Vorschlag fand jedoch keinen Beifall. Man hielt es für unpassend und befremdlich, einen ergrauten Regenten wie einen jungen Menschen, der zum erstenmal die Süßigkeit einer unumschränkten Macht verkostet, über die Wahl seines näheren Umgangs zu hofmeistern. Deßwegen schlug er jetzt einen andern Weg ein, indem er dem Galba Schreckensbriefe schrieb, – bald: die Zustände in Rom seien sehr unterminirt und in der Schwebe, – bald: Clodius [17] Macer halte in Afrika die Proviantzufuhr zurück, – dann wieder: man bemerke unruhige Bewegungen unter den deutschen Legionen, und von den Truppen in Syrien und Judäa höre man Aehnliches. Allein Galba schenkte diesen Mittheilungen lediglich keine Aufmerksamkeit und keinen Glauben; daher beschloß Nymphidius, ihm mit dem Handeln zuvorzukommen. Freilich – Clodius Celsus aus Antiochien, ein einsichtsvoller, dabei dem Nymphidius wohlgesinnter und treuer Mann, widerrieth ihm die Sache mit der Bemerkung: „er glaube nicht, daß in Rom ein einziges Quartier den Nymphidius als Kaiser erkennen werde.“ Allein Viele lachten ihn aus, und Mithridates aus Pontus, der zugleich über den kahlen Kopf und die Runzeln Galba’s spöttelte, äußerte sich dahin: „im Augenblick halte man in Rom den Galba noch für etwas Rechtes; aber man brauche ihn nur zu sehen, dann werde sich zeigen, daß er für jeden Tag eine Schande sei, an dem man ihn „Kaiser“ schelte!“

14 (1) Man faßte jetzt den Beschluß, den Nymphidius ungefähr um Mitternacht in’s verschanzte Lager zu führen und dort zum Kaiser auszurufen. Aber der erste Tribun, Antonius Honoratus, versammelte mit Anbruch des Abends die unter ihm stehenden Soldaten und machte ihnen, wie sich selbst, die stärksten Vorwürfe darüber, „daß sie in kurzer Zeit so oftmals einen Umschlag bei sich eintreten ließen, und zwar ohne allen vernünftigen Grund, ohne dafür etwas Besseres zu bekommen, lediglich weil sie der Teufel von einer Verrätherei in die andere hineinjage. Im ersten Fall hätten sie doch einen Vorwand gehabt an Nero’s Verbrechen. Aber jetzt werden sie auch an Galba zum Verräther! Welchen Muttermord, oder Gattenmord sie dem Galba vorwerfen könnten? Oder ob sie sich auch wieder zu schämen brauchten, weil ihr Kaiser ein Musikant sei, oder ein Komödiant? Aber (fuhr er fort,) sogar bei Nero kam es uns nicht in den Sinn, ihn um solcher Gründe willen zu verlassen. Nein, wir haben bloß Nymphidius’ Versicherungen geglaubt, daß Nero zuerst uns verlassen habe und nach Aegypten durchgegangen sei! Wollen wir also hinter Nero auch noch den Galba aufopfern, und den Sohn einer Nymphidia zum Kaiser wählen, dagegen Livia’s Sohn umbringen, wie wir den der Agrippina umgebracht? Nero mußte uns [18] büßen für seine Thaten; nachdem wir an ihm die Züchtiger geworden – wollen wir jetzt nicht für Galba seine gute, getreue Garde sein?“ Diese Worte des Tribunen fanden allgemeine Zustimmung bei den Soldaten, welche jetzt auch ihre Kameraden aufsuchten und auf forderten, in der Treue gegen den Kaiser zu verharren. Die Mehr zahl wurde hiedurch wieder gewonnen. Als sich darauf ein lautes Geschrei erhob, meinte Nymphidius vielleicht, nach der Angabe einiger Schriftsteller, daß ihn die Sol daten bereits zum Kaiser ausriefen; vielleicht wollte er auch den Lärm und Aufstand zeitig genug stillen. Er trat also unter großer Fackelbegleitung vor, mit einem Redeconcept in der Hand, das Cin gonius Barro abgefaßt und er selbst auswendig gelernt hatte, um die Soldaten zu haranguiren. Beim Anblick der verschlossenen Lager thore und der vielen Bewaffneten, die überall auf der Mauer stan den, gerieth er jedoch in Angst. Er trat näher und fragte: „was sie wollten und auf wessen Befehl sie unter den Waffen stünden?“ Darauf schallte ihm ein allgemeines, einstimmiges Geschrei entgegen, „daß sie nur Galba als ihren Kaiser kennen!“ Nymphidius kam jetzt vollends herbei, wünschte ihnen Glück dazu und hieß auch sein Gefolge das Gleiche thun. Allein von der Thorwache, die ihn mit etlichen Wenigen eintreten ließ, wurde er jetzt selbst mit einer Lanze geworfen. Zwar fieng der vor ihm stehende Septimius den Wurf noch mit seinem großen Schilde auf; als aber Andere mit bloßen Schwertern heranstürmten, flüchtete er sich, wurde verfolgt und in einer Soldatenbaracke niedergemacht. Man schleppte den Leichnam in’s Freie und setzte ein Gitter herum, worauf ihn am folgenden Tage Jedermann sehen durfte, der Lust hatte.

15 (1) Nachdem Nymphidius dieses traurige Ende gefunden, befahl Galba auf die Nachricht davon, daß auch von dessen Mitverschworenen alle sterben sollten, die nicht durch eigene Hand sich alsbald den Tod gegeben hatten. Unter dieser Anzahl befand sich auch Cingonius, der Verfasser der oben berührten Rede, sowie Mithridates aus Pontus. Die Wegschaffung solcher Männer von ziemlicher Bedeutung, ohne vorhergegangenes Gericht angeordnet, erschien [118] freilich gar nicht populär oder gesetzlich, wenn auch wohlverdient. Denn allgemein erwartete man ein anderes Regierungssystem, in dem man sich, wie gewöhnlich, von den schönen Worten am Anfang täuschen ließ. Noch einen schmerzlicheren Eindruck machte es, als ein gewesener Consul und treuer Freund des Nero, Petronius Turbilianus, den Befehl zur Selbstentleibung erhielt. Wenn Galba einen Macro in Afrika durch Trebonianus, oder einen Fontejus in Germanien durch Valens aus dem Wege räumen ließ, so hatte er wenigstens einen Vorwand in seiner Furcht, indem diese unter Waffen und an der Spitze von Armeen standen. Aber bei Turbilianus, einem allein stehenden, wehrlosen alten Mann, gab es kein Hinderniß, um ihn gerichtlich zu belangen, wenn man die Mäßigung, die man in allen Ausschreiben proklamirte, nun auch thatsächlich einzuhalten gedachte. Solche Dinge finden nothwendig den obenerwähnten Tadel. Beim weiteren Vorrücken – bis auf 25 Stadien von der Hauptstadt – stieß Galba auf die Unordnung und den Tumult der Matrosen, welche die Straße schon vorher besetzt hatten und ihn dort auf allen Seiten umschwärmten. Es waren die Leute, welche Nero zu Einer Legion organisirt und für „Soldaten“ erklärt hatte. Jetzt waren sie da, um ihr Soldatenthum bestätigen zu lassen. Für alle anderen Menschen, die dem Kaiser entgegenzogen, blieb es unmöglich, ihn zu Gesicht zu bekommen oder zu hören; so groß war der Tumult und das Geschrei, womit sie für ihre Legion die Fahnen und ein Standquartier forderten. Galba, der die Sache verschieben wollte, befahl ihnen, ein anderes Mal davon zu reden. Allein sie erklärten dieses Hinausschieben nur für eine besondere Form von einer abschlägige Antwort, äußerten laut ihren Unwillen darüber und sparten auch ihr Geschrei nicht, während sie neben ihm herliefen. Einige zogen sogar das Schwert, weßwegen Galba nun seinen Reitern Befehl ertheilte, unter sie einzusprengen. Kein Mann leistete Widerstand. Ein Theil wurde sogleich zu Boden geworfen, ein anderer Theil auf der Flucht niedergehauen. So waren es denn für Galba keine schönen und günstigen Auspicien, wenn er unter einem Blutbad und über Leichenhaufen in Rom seinen Einzug hielt. Aber wenn ihn früher vielleicht Mancher [20] verachtete, weil man in ihm nur einen schwachen, alten Mann erblickte, so war er jetzt für alle ein Gegenstand des Schreckens und der Angst geworden.

16 (1) Der Wunsch, hinsichtlich der verschwenderischen Maßlosigkeit, welche Nero bei seinen Geschenken gezeigt hatte, einen recht großen Umschwung darzustellen, schien den Galba andrerseits die Gränze des Anständigen verfehlen zu lassen. Als z. B. Canus, ein hochberühmter Virtuose der damaligen Zeit, bei der kaiserlichen Tafel die Flöte spielte, ertheilte ihm Galba dafür die freundlichsten Lobsprüche, gab auch Befehl, seine Schatulle zu holen. Er nahm aber nur einige Goldstücke heraus und übergab sie dem Canus mit den Worten: „dieß sei ein Präsent aus seinem eigenen Beutel, nicht aus der Staatskasse!“ Diejenigen Geschenke, welche Nero an Schauspieler und Gladiatoren verabreicht hatte, sollten nach Galba’s Befehl wieder mit aller Strenge zurückverlangt werden bis auf ein Zehntel ihres Betrags. Was aber dabei eingieng, war nur eine unbedeutende Kleinigkeit. Denn die meisten Empfänger waren lustige Kameraden, die in den Tag hinein lebten, und hatten das Geld längst wieder durchgebracht. Daher ließ Galba nach Allen fahnden, die irgend Etwas von ihnen gekauft oder sonst bekommen hatten, um es diesen wieder abzupressen. Allein die Sache fand bald keine Gränzen mehr, sondern dehnte sich über immer weitere Kreise aus. Dieß erregte Unzufriedenheit gegen Galba. Aber auch gegen Vinius erwachte Mißgunst und Haß, weil er den Regenten gegen alle anderen Personen eine ganz gemeine Knauserei zeigen ließ, während er selbst ihn schmählich mißbrauchte, Alles von ihm nahm und dann wieder verkaufte. Hesiod sagt zwar:
„Trink vom beginnenden Faß und endenden, bis du genug hast!“10
Da aber Vinius in Galba nur einen schwachen, alten Mann erblickte, so leerte er den Becher des Glücks auf einmal, weil Anfang und Ende hier, wie er glaubte, zusammenfallen mußten.

17 (1) [21] Der ergraute Mann erlitt eine Unbilde erstens durch das schlechte Regiment des Vinius an sich, sodann dadurch, daß Vinius auch die besten Absichten Galba’s in schlechten Credit brachte und vereitelte. Alles Dieß geschah z. B. bei der Bestrafung von Nero’s Anhängern. Er ließ die Hauptschurken hinrichten, worunter sich Helius, Polykletus, Petinus und Patrobius befanden. Das Volk klatschte Beifall und schrie, als man dieselben über das Forum zum Tode führte: „Das sei ein schöner Festzug, an dem alle Götter ihre Freude hätten!“ Aber man verlangte auch von Himmel und Erde noch den Lehr- und Hofmeister des Despotismus, den Tigellinus11. Indessen hatte dieser Edle den Vinius noch zeitig genug durch ein großartiges Handgeld gewonnen. Und so mußte denn wohl ein Turpilianus sterben, den man haßte, weil er selbst seinen Fürsten trotz dessen Schlechtigkeit nicht verrathen, oder hassen wollte; außerdem hatte er lediglich keine große Schuld auf sich geladen; dagegen ein Mensch, der den Nero zu einem so todeswürdigen Verbrecher gemacht und nachdem dieß geschehen war, ihn verlassen und verrathen hatte, – der blieb am Leben! Ein sprechendes Beispiel davon, daß man bei Vinius Alles ausrichten und erwarten durfte, sobald man nur schenkte. Kein Schauspiel wäre dem römischen Volke erwünschter gewesen, als den Tigellinus hinrichten zu sehen. In jedem Theater, in jedem Circus forderte man unaufhörlich seinen Tod und war höchst verblüfft über ein Edict des Kaisers, worin es hieß: „Tigellinus werde nicht mehr lange leben; eine auszehrende Krankheit reibe seine ganze Kraft auf; man möge also den Kaiser nicht zu grausamen Maßregeln drängen und aus der Regierung einen Despotismus machen!“ Ueber den Unwillen des Volks bei diesem Edict lachte man nur. Tigellinus veranstaltete sogar ein Dankopfer für seine Rettung und hielt dabei ein glänzendes Gelage. Und Vinius erhob sich nach der Tafel von der Seite des Kaisers, um durch die Straßen zu ziehen und seine Tochter, welche Wittwe war, zu Tigellinus zu führen. Letzterer schenkte ihr im Uebermuth 250,000 Drachmen und befahl [22] zugleich seiner Favorit-Mätresse, ihren Halsschmuck abzunehmen und jener Dame anzulegen, – einen Schmuck, der gleichfalls 150,000 Drachmen im Werthe gehabt hahen soll!

18 (1) Von dort an wurde auch über vernünftige Handlungen immer gescholten, z. B. über das Verfahren gegen die Gallier, welche gemeinschaftlich mit Vindex sich erhoben hatten. Man glaubte, daß nicht sowohl die Gnade des Kaisers, als eine Bestechung des Vinius, ihnen den Steuernachlaß und das Bürgerrecht verschafft habe. Durch solche Dinge verfiel natürlich die Masse des Volks in eine feindselige Stimmung gegen die Regierung. Die Soldaten, die ihr Donativ nicht bekamen, tröstete Anfangs noch die Hoffnung, daß er, wenn auch nicht gerade so viel, doch wenigstens die Summe, die Nero gegeben hatte, gleichfalls verabreichen werde. Galba hörte von ihnen unzufriedene Aeußerungen und ließ ein Wort fallen, wie es einem großen Fürsten anstand; „er sei gewohnt, (sagte er) seine Soldaten auszuheben, nicht zu kaufen.“ Als sie davon hörten, wurden sie erst recht von furchtbarem, wildem Haß gegen ihn erfüllt. Denn sie glaubten, daß er nicht bloß für seine Person ihnen ihr Recht entziehe, sondern auch den Kaisern nach ihm hiedurch eine Norm und Anweisung für ihr Verfahren gebe. Indessen blieb zu Rom die Bewegung noch unter der Decke. Eine gewisse Scheu vor dem anwesenden Kaiser brachte etwas Lahmes und Zögerndes in den revolutionären Geist, und der Umstand, daß man nirgends einen sichtbaren Anfang zu einer Veränderung erblicken konnte, drängte gleichfalls in räthselhafter Weise ihre feindselige Stimmung in die Verborgenheit zurück. Dagegen ließen sich die früher unter Virginius gestandenen, jetzt dem Flaccus untergebenen Truppen in Germanien, welche wegen ihrer gewonnenen Schlacht gegen Vindex gar große Ansprüche machten und doch nichts bekamen, von ihren Vorgesetzten nicht mehr in Ordnung halten. Den Flaccus selbst, der in Folge eines heftigen Podagras körperlich ganz heruntergebracht und auch in den Geschäften unerfahren war, rechneten sie ohnehin für lediglich gar nichts. Und als einmal ein Schauspiel gegeben wurde, wobei die Kriegstribunen und Centurionen nach römischem Brauch dem Kaiser Galba [23] Heil und Segen anwünschten, machte die Masse der Soldaten zuerst nur einen störenden Lärm; hierauf, als die Offiziere ihre Gebete und Wünsche wiederholten, schrieen sie drein: „wenn er’s werth ist!“

19 (1) Aehnliche Zeichen von Uebermuth fanden sich auch bei den unter Tigellinus stehenden Legionen, worüber von den Vorgesetzten häufig Meldungen bei Galba einliefen. Dieser gerieth jetzt in Furcht, weil er, wie er glaubte, nicht bloß wegen seines Alters, sondern auch wegen seiner Kinderlosigkeit geringgeschätzt wurde. Er gedachte also, einen jungen Mann aus vornehmer Familie zu adoptiren und zum Thronfolger zu ernennen. Dieß war Marcus Otho, der Sprößling eines guten Hauses, aber durch Ueppigkeit und Sinnengenuß schon seit seinem Knabenalter so verdorben, wie wenige andere Römer. Wie Homer den Alexandros nur „der schöngelockten Helena Gatte“ nannte und ihn also nach seiner Frau bezeichnet, weil er sonst nichts Anderes zu seiner Ehre anzugeben weiß: so war Otho gleichfalls in Rom eine allbekannte Persönlichkeit, namentlich durch seine Vermählung mit Poppäa12. In diese Dame, damals Gemahlin des Crispinus, verliebte sich Nero; weil er sich jedoch vor seiner eigenen Gattin13 scheute und auch seine Mutter noch fürchtete, so schickte er zuerst den Otho an Poppäa, um bei ihr einen Versuch zu machen. Denn an Otho besaß er bei dessen Lüderlichkeit einen guten Freund und Kameraden und ließ sich von ihm sogar oft wegen Knauserei und Schäberei aufziehen, was ihm nur Spaß machte. So hatte Nero einmal den Otho mit einer sehr theuren Salbe salben und besprengen lassen; am folgenden Tag lud Otho den Nero ein. Man hatte indessen auf allen Seiten goldene und silberne Röhren angebracht, welche plötzlich hervortraten und nun die wohlriechende Essenz wie Wasser ausströmen ließen, so daß alles ganz naß wurde. Aber auch die Poppäa hatte er, in Nero’s Interesse, als Vormann zur Untreue verführt. Durch die Hoffnungen auf den Besitz des Kaisers, die er ihr machte, hatte er sie bestochen und sodann zur Trennung [24] von ihrem bisherigen Gatten beschwatzt. Als sie jedoch in der Eigenschaft seiner Gemahlin zu ihm kam, genügte ihm sein Antheil an ihrer Person nicht; dagegen war es ihm unleidlich, mit einem Andern theilen zu müssen. Auch Poppäa selbst fühlte sich, wie man erzählt, über diese Eifersucht gar nicht unglücklich. Sie soll sogar, wenn Otho sich nicht in der Nähe befand, vor Nero die Thüre geschlossen haben, sei es, um bei ihm keine Uebersättigung im Genuß aufkommen zu lassen, oder auch, wie Einige behaupten, weil sie eine förmliche Vermählung mit dem Kaiser nicht wünschte, während sie dagegen bei ihrem Hange zur Sinnlichkeit es nicht verschmähte, einen Liebhaber an ihm zu besitzen. Otho gerieth also durch diese Verhältnisse in wirkliche Lebensgefahr und es lag außer aller Berechnung, daß Nero, der um der Heirath mit Poppäa willen seine Gattin und Schwester umgebracht hatte, jetzt gegen Otho so schonend verfuhr.

20 (1) Dieser besaß übrigens an Seneca einen wohlwollenden Freund. Seneca’s Zureden und Aufmunterung verdankte er es auch, daß ihn Nero als Statthalter vou Lusitanien an den Ocean schickte. Dort ließ er sich gegen seine Untergebenen nie eine Unfreundlichkeit oder einen Druck zu Schulden kommen, wohl wissend, daß seine jetzige hohe Stellung ihm nur gegeben war, um seine Verbannung in anständiger Weise zu verdecken. Nach Galba’s Abfall war Otho der erste von allen Generalen, der auf seine Seite trat, und unverzüglich alles Gold und Silber, das er an Pokalen und Tischen besaß, für ihn zum Münzeschlagen in Stücke hauen ließ. Auch machte er ihm von seiner Dienerschaft diejenigen zum Geschenk, welche darauf abgerichtet waren, einem hohen Herrn in seinen täglichen Bedürfnissen manierlich aufzuwarten. Und wie er ihm in Allem seine Treue bewies, so gab er ihm auch eine Probe von seiner Geschäftstüchtigkeit, worin er keinem Dritten nachzustehen schien. Unterwegs verbrachte er oft viele Tage lang den ganzen Weg in dem gleichen Reisewagen mit ihm. Doch wußte er auf gemeinschaftlichen Reisen und im täglichen Verkehr auch dem Vinius durch schöne Worte und Präsente sich gefällig zu erweisen, überließ ihm freiwillig den ersten Rang und hatte hauptsächlich eben dadurch, wenigstens in zweiter Linie, den größten Einfluß für sich [25] selbst gesichert. Ohne sich einem Neide auszusetzen, genoß er den Vortheil, jedem uneigennützig nach seinem Bedürfnisse dienen und sich überhaupt gegen Jedermann freundlich und leutselig zeigen zu können. Am meisten nahm er sich der Militärpersonen an und beförderte auch Viele zu Offiziersstellen, theils durch unmittelbare Fürbitte beim Monarchen, theils durch Fürsprache bei Vinius und den beiden Freigelassenen Icelus und Asiaticus; denn dieß waren die einflußreichsten Personen am Hofe. So oft er den Galba zu Tische lud, schmierte er, wie man sagt, jedesmal die escortirende Cohorte, indem er ein Goldstück auf jeden Mann austheilte. Unter dem Scheine, dem Galba hiemit eine Ehre anzuthun, wirkte er ihm viel mehr entgegen und köderte das Militär.

21 (1) Galba dachte nun um diese Zeit an die Ernennung eines Nachfolgers, als welchen Vinius den Otho bei ihm anzubringen suchte, übrigens auch dieß nicht ohne eigennützige Absichten. Er that es nur mit Rücksicht auf die Verheirathung seiner Tochter, indem eine Uebereinkunft getroffen war, wornach Otho diese zur Gemahlin nehmen sollte, wenn er von Galba adoptirt und zum Thronerben ernannt würde. Indessen ließ sich an Galba stets wahrnehmen, daß er die Staatsinteressen seinen eigenen Interessen vorangehen ließ und nicht denjenigen einzusetzen wünschte, welcher ihm selbst der angenehmste, sondern welcher für das römische Volk der nützlichste wäre. Es scheint sogar, daß er nicht einmal bei seinem Privatvermögen den Otho zum Universalerben bestimmt hatte, indem er den lüderlichen, verschwenderischen Charakter dieses Mannes kannte, der mit einer Summe von fünfzig Millionen Drachmen in Schulden steckte. Daher hörte er den Vinius nur mit aller Ruhe an, ohne Etwas zu sagen, und verschob seine Verfügung. Nachdem er sich selbst zum Consul und den Vinius zu seinem Collegen ernannt hatte, erwartete man mit Bestimmtheit wenigstens auf den Anfang des Jahres die Proklamirung eines Nachfolgers. Auch die Armee wünschte am liebsten vor allen Andern die Ernennung Otho’s.

22 (1) Indeß er noch zögerte und sich Alles überlegte, überraschte ihn der Ausbruch der Unruhen in Germanien. Denn der Haß der [26] Soldaten gegen Galba war durchaus allgemein, weil er ihnen ihr Donativ nicht gab. Als besondern Grund brachten sie die schmähliche Wegwerfung des Virginius Rufus vor, ferner: – daß diejenigen gallischen Stämme, welche gegen sie gekämpft, Geschenke erhielten, dagegen alle, welche sich nicht an Vindex angeschlossen, dafür bestraft würden; nur gegen Vindex fühle Galba eine gewisse Dankbarkeit, ehre ihn noch im Tode und zeichne ihn durch öffentliche Leichenopfer aus, wie wenn er von ihm allein zum römischen Kaiser ernannt worden wäre. Während solche Aeußerungen im Lager bereits ganz unverholen herumgingen, kam der Neumond des ersten Monats heran, die so genannten Calendae Januariae. Flaccus hatte die Truppen zusammenkommen lassen, um dem Kaiser den an diesem Tage herkömmlichen, erneuerten Eid zu schwören. Aber wie sie nun kamen, wurden die Statuen des Galba von ihnen umgeworfen und niedergerissen; dagegen schworen sie unaufgefordert dem römischen Senat und Volk, worauf sie sich zerstreuten. Jetzt lag den Offizieren die Besorgniß nahe, daß der Abfall von Galba zur völligen Insubordination führen könnte. Deßwegen sprach Einer in ihrer Mitte: „Was soll das, Kameraden? Wir schaffen uns keinen neuen Kriegsherrn und halten nicht fest an dem jetzigen. Das sieht aus, als ob wir nicht dem Galba, sondern überhaupt jedem Kommandirenden und jedem Kommando davon laufen möchten. Flaccus Hordeonius ist freilich nichts Anderes, als das leere Schattenbild von Galba; von dem wollen wir nichts! Aber nur einen Tagmarsch von uns entfernt steht Vitellius, Statthalter der andern germanischen Provinz, dessen Vater Censor, dreimaliger Consul und gewissermaßen Mitregent des Kaisers Claudius war. Er selbst besitzt an seiner Armuth, worüber Einige schelten, den glänzendsten Beweis seiner Rechtschaffenheit und Großherzigkeit. Wohlauf, den laßt uns wählen und der Welt zeigen, daß wir eine Kaiserwahl besser verstehen, als die in Spanien und Lusitanien!“ Hiezu wollten sich nun Manche bereits verstehen, Andere nicht. Indessen schlich sich ein Fahnenträger fort und machte dem Vitellius Meldung in der Nacht, als gerade viele Gäste bei ihm tafelten. Das Gerücht verbreitete sich auch zu den verschiedenen Armeen, und der [27] Erste war Fabius Valens, Kommandant einer Legion, welcher am folgenden Tage mit einer starken Reiterschaar heransprengte und den Vitellius als Kaiser begrüßte. An den früheren Tagen schien dieser der Sache mit aller Bestimmtheit ausweichen zu wollen; aber jetzt, übervoll von Wein und genossenem Mittagsmahl, trat er vor, wie man erzählt, und ließ sich wenigstens die Beilegung des Namens: Germanicus gefallen, während er den angebotenen Titel eines Cäsars noch nicht annahm. Gleich darauf vergaß auch die Armee unter Flaccus ihren schönen demokratischen Eid für den Senat und schwor dagegen dem Vitellius, als ihrem Kaiser, gleichfalls Treue und Gehorsam!

23 (1) So war denn Vitellius in Deutschland zum Kaiser ausgerufen. Auf die Nachricht von den dortigen Unruhen wollte Galba die Vornahme der Adoption nicht länger mehr hinausschieben. Aber wohl wissend, daß einige seiner Freunde für Dolabella14, die meisten jedoch für Otho stimmen würden, während ihm Keiner von Beiden gefiel, ließ er plötzlich, ohne zuvor ein Wort zu sagen, den Piso15 berufen. Dieß war ein Sohn des Crassus und der Scribonia, welche Nero gemordet hatte, – ein Jüngling, der bei seiner natürlichen Anlage zu jeder Art von Tugenden doch namentlich die Eigenschaft der Solidität und des Ernstes am hervorragendsten zeigte. Galba begab sich nach dem Prätorianerlager, um ihn daselbst zum Cäsar und Thronfolger zu ernennen. Uebrigens schon bei seinem Austritt aus dem Palaste erfolgten alsbald bedenkliche Anzeichen von Oben. Und sobald er im Lager anfieng, seine mitgebrachte Rede theils frei zu sprechen, theils abzulesen, donnerte und blitzte es so furchtbar, Gewitterregen und Dunkelheit verbreiteten sich dergestalt über Lager und Stadt, daß man deutlich sah, wie der Himmel die unter so unseligen Aussichten beabsichtigte Adoption nicht zulassen oder billigen wollte. Auch bei den Soldaten stand es schief; denn sie machten finstere Gesichter, weil ihnen auch dießmal kein Donativ verabreicht wurde. [28] An Piso bewunderten es alle Anwesenden, daß er, wie man an dem Ton seiner Stimme und dem Ausdruck seines Gesichts abnehmen konnte, solch eine hohe Gunst ohne Betäubung, um nicht zu sagen, ohne alle tiefere Empfindung annahm. Auf der andern Seite ließen sich bei Otho schon in seinem Aeußeren viele Anzeichen deutlich wahrnehmen, welche bewiesen, daß er das Fehlschlagen seiner Hoffnungen nur mit den Gefühlen von Bitterkeit und Zorn zu ertragen vermochte. In erster Linie der Anwartschaft gewürdigt und seinem Ziele so nahe gerückt, erblickte er jetzt in seiner Zurücksetzung einen Beweis von Feindseligkeit und Uebelwollen Galba’s gegen ihn. Er war deßhalb auch nicht ohne Besorgniß für die Zukunft. Den Piso fürchtete er, den Galba verabscheute er, dem Vinius zürnte er, – und so entfernte er sich wieder, erfüllt von den vielfachsten Leidenschaften. Denn auch das Aufgeben seiner Hoffnungen, eine vollständige Resignation duldete seine Umgebung nicht, welche immer aus Wahrsagern und Chaldäern bestand. Unter diesen war es namentlich Ptolemäus, der auf ihn einwirkte, und zwar durch die Berufung darauf, „daß er ihm oftmals vorausgesagt: Nero werde ihn nicht umbringen, sondern zuerst sterben, während Otho selbst am Leben bleiben und Fürst über Rom werden würde; habe er nun das Erste richtig prophezeit, so dürfe man – (behauptete er) – auch an dem Weiteren nicht verzweifeln.“ Einen starken Einfluß übten auch solche Leute aus, die ihm heimlich ihr Bedauern ausdrückten und ihr Gejammer mit dem seinigen vereinigten über den Undank, den er erfahren habe! Am zahlreichsten waren jedoch die ehemals in Ehren gestandenen Freunde des Nymphidius und Tigellinus, die jetzt weggeworfen waren und in elenden Verhältnissen lebten. Diese schlossen sich zu ihrem Unglück an ihn an, theilten seinen Unwillen und hetzten ihn auf.

24 (1) Unter Letzteren befand sich auch Veturius und Barbius, der Eine sogenannter Optio, der Andere Tesserarius16; denn so heißt man diejenigen, welche den Dienst des Rapports und der Paroleaustheilung zu versehen haben. Mit diesen und ähnlichen Leuten [29] verkehrte Otho’s Freigelassener, Onomastus, sehr häufig und bestach einen Theil mit Geld, einen Andern durch gemachte Aussichten; sie waren jedoch zum voraus kernfaul und es fehlte ihnen nur noch der Vorwand. Sonst wäre es unmöglich das Werk von nur vier vollen Tagen gewesen, bei einer innerlich gesunden Armee die Treue geradezu in Untreue zu verkehren; denn soviel Zeit vergieng zwischen Adoption und Ermordung. Am sechsten Tage wurden sie umgebracht; es war nach römischer Rechnung der 18. vor den Kalenden des Februars (d. h. der 15. Januar). An diesem Tage brachte Galba gleich in der Frühe den Göttern im Palatium ein Opfer dar. Seine Freunde waren zugegen. Der Opferpriester Umbricius nahm die Eingeweide in die Hand, sah sie an – und schon im gleichen Augenblick erklärte er ganz unverblümt und offen: „es sei ein Zeichen einer großen Verwirrung vorhanden und eine heimtückische Gefahr bedrohe das Leben des Kaisers!“ Fast war es, als ob der Himmel den Otho mit Händen packte, um ihn auszuliefern. Denn dieser stand unmittelbar hinter Galba und beobachtete mit Aufmerksamkeit Alles, was Umbricius sagte und vorzeigte. Während er aber in der größten Bestürzung dastand und vielfach in der Angst die Farbe wechselte, trat plötzlich sein Freigelassener Onomastus heran und meldete, „daß die Bauleute gekommen seien und daheim auf ihn warteten!“ Dieß war der Verabredung gemäß das Zeichen, wornach Otho sich jetzt zu den Soldaten begeben sollte. „Er habe ein altes Haus gekauft und wolle den Verkäufern die verdächtigen Stellen daran zeigen!“ Mit diesen Worten entfernte er sich und gieng durch das sogenannte „Haus des Tiberius“ nach dem Forum, – auf den Platz, wo eine goldene Säule stand, an welcher die Kunststraßen von Italien insgesammt auslaufen17.

25 (1) Dort bestand, wie man sagt, die ganze Anzahl derjenigen, die ihn in ihrer Mitte aufnahmen und als Kaiser begrüßten, lediglich aus 23 Personen. Obgleich er nun keineswegs im Verhältniß zu seiner physischen Weichlichkeit und weibischen Schwächlichkeit auch [30] am Geiste heruntergekommen war, vielmehr jeder Gefahr gegenüber eine gewisse unbeugsame Keckheit besaß, so schwand ihm doch auf einmal aller Muth. Aber die Anwesenden litten keine Furcht, umgiengen seine Sänfte mit bloßem Schwert und kommandirten: Marsch! so oft er auch dazwischen hineinrief: „er sei verloren!“ und seine Träger zur Eile aufforderte, um fort zu kommen. Denn einige Leute hörten die Sache, waren jedoch bei der winzigen Anzahl der Wagehälse mehr verwundert, als ängstlich betroffen. Während man ihn nun in der genannten Weise über das Forum hintrug, kamen noch Weitere in gleicher Zahl des Weges daher, und dann folgten abermals einzelne Trüpplein von drei oder vier Mann. Und jetzt bildeten sie schon einen Gesammtzug, riefen ihn als Kaiser aus und streckten das bloße Schwert vor sich her. Von den Kriegstribunen kommandirte Martialis die Lagerwache. Er wußte nichts von der Sache, war aber vollständig überrascht und ließ sie daher in seiner Betroffenheit und Angst zum Lagerthor herein. Sobald Otho innen war, warf sich ihm Niemand mehr entgegen. Wer von dem Unternehmen nichts wußte, wurde von den Eingeweihten, die sich in vorbereiteter Weise zusammenschaarten, umringt; dann liefen sie – anfänglich aus Angst, später auf Zureden – eben auch mit, – ganz verzettelt – einzeln oder paarweise. In das Palatium wurde sogleich eine Meldung an Galba gemacht. Der Opferpriester war noch anwesend, das Opferfleisch noch in seinen Händen, so daß sogar Leute, welche sonst in derartigen Dingen einen ganz eigensinnigen Unglauben hegen, dießmal betroffen wurden und sich über die Andeutungen des Himmels verwunderten. Als jetzt ein bunter Volkshaufen sich vom Forum heranwälzte, stellte sich Vinius und Lako nebst einigen Freigelassenen, das bloße Schwert in der Hand, dem Kaiser selbst zur Seite. Piso verließ den Palast, um sich zu dem Wachpiket im Hofe zu begeben. Und da die illyrische Legion in der sogenannten „Vipsaniushalle“ lagerte, so wurde Marius Celsus, ein sehr wackerer Mann, dorthin abgeschickt, um sich rechtzeitig ihrer zu versichern.

26 (1) Galba beabsichtigte, sich öffentlich zu zeigen, Vinius wollte dieß nicht dulden, Celsus und Lako sprachen ihm zu und machten [31] dem Vinius heftige Vorwürfe, als plötzlich ein gewaltiges Geschrei sich erhob: „Otho sei in dem Lager ermordet!“ Gleich darauf erschien Julius Atticus, einer von den ausgezeichneteren Soldaten unter der Leibwache; er stürzte mit entblößtem Schwert heran und rief laut, daß er den Feind des Kaisers getödtet habe. Dann drängte er sich durch die Voranstehenden und zeigte dem Galba sein blutbeflecktes Schwert. Galba sah ihn an mit den Worten: „Wer hat dies befohlen?“ – „Die Treue und der Eid, den ich geschworen!“ war die Antwort des Burschen. Die ganze Menschenmasse schrie ihm Beifall zu und klatschte in die Hände, worauf der Kaiser in die Sänfte stieg und sich weiter tragen ließ, in der Absicht, dem Jupiter ein Dankopfer zu bringen und sich der Bürgerschaft zu zeigen. Aber kaum hatte er das Forum berührt, da drehte sich gleichsam der Wind und es kam ihm ein Gerücht entgegen, wornach Otho Herr des Lagers sei. Wie es nun bei einer so großen Menschenmasse geht – die Einen schrieen ihm ein Zurück! die Andern ein Vorwärts! zu, die Einen riefen: „er solle nur muthig sein,“ die Andern: „er dürfe nicht trauen!“ Kurz, die Sänfte schwankte dahin und dorthin, wie auf der stürmischen See, und war vielfach am Umwerfen. Da zeigten sich zuerst Reiter, dann Fußvolk, das durch die Basilika des Paulus heranstürmte und mit lautem, einstimmigem Geschrei die Entfernung Aller, die nicht Soldaten seien, verlangte. Jetzt entstand ein allgemeines Davonlaufen der Massen, die sich jedoch nicht, wie bei einer Flucht, zerstreuten, sondern nach den Hallen und den hochgelegenen Punkten des Forums eilten, als gäbe es hier ein Spektakel für sie anzusehen. Nachdem Atilius Vergelio die Standsäule des Galba zu Boden gestürzt, begann offene Fehde und die Wurfspieße flogen um die Sänfte her. Als sie ihn nicht trafen, gingen sie mit gezogenem Schwert auf ihn los. Und Niemand half ihm, oder leistete Widerstand, einen Mann ausgenommen, den Einzigen unter Millionen, den die Sonne anschaute, – den Einzigen, der dem römischen Reiche Ehre machte. Es war ein Centurio, Sempronius Densus, der von Galba keine besondere Gnade empfangen hatte, aber jetzt sich, um Ehre und Recht zu retten, schirmend vor die Sänfte hinstellte. Zuerst hob er nur seine Rebengerte (womit die Centurionen verdiente Schläge austheilen, wo man’s [32] braucht) gegen die anrennenden Soldaten in die Höhe und befahl mit lauter Stimme, das Leben des Kaisers zu verschonen. Nachher, als sie ihn thätlich anpackten, zog er sein Schwert und wehrte sich lange Zeit, bis er durch einen Schlag in die Kniekehle zu Boden sank.

27 (1) Galba war, weil die Sänfte umschlug, in der Nähe des sogenannten Curtiussees kopfüber herausgefallen. Jetzt liefen sie heran und schlugen auf ihn los. Allein er war bepanzert. Deßwegen streckte er ihnen den Nacken hin, mit den Worten: „thut’s, wenn’s dem römischen Volke so besser ist!“ Er empfieng nun manchen Hieb und Stoß auf die Beine oder Arme; todtgemacht wurde er, nach den meisten Angaben, von einem gewissen Camurius, Soldat der 15. Legion. Manche nennen auch einen Terentius, einen Lecanius, oder Fabius Fabulus, welcher – wie man erzählt, – den Kopf, den er ihm abhieb, in seinem Rock zusammenfaßte und so forttrug, weil derselbe wegen völligen Mangels an Haaren nirgends gepackt werden konnte. Nachher, als seine Kameraden es nicht leiden wollten, daß er seine Heldenthat so verstecke, – „er solle sie aller Welt offenkundig machen!“ – habe er den Kopf auf eine Lanze gesteckt und frischweg in die Höhe gehoben, – den Kopf eines hochbetagten Mannes, eines wackeren Regenten, eines Oberpriesters und Consuln! – sei damit in wildem Lauf, wie eine Bacchantin, weiter gerannt, indem er sich oftmals herumdrehte und die Lanze schwang, woran das Blut noch niederrieselte! Und Otho soll, als man ihm den Kopf brachte, laut geschrieen haben: „Das ist noch nichts, Kameraden! Piso’s Kopf müßt ihr mir zeigen!“ Und nach kurzer Zeit kam auch Piso’s Kopf daher getragen. Denn verwundet war der junge Mann geflohen, wurde verfolgt und von einem gewissen Murcus am Vestatempel niedergehauen. Auch Vinius wurde niedergehauen, trotz seiner Betheurung, daß er ein Theilhaber an der Verschwörung gegen Galba gewesen sei. „Er sterbe gegen Otho’s Absicht!“ schrie er wiederholt. Aber man schnitt ihm eben auch den Kopf ab, wie dem Lako, und trug dann beide Köpfe zu Otho, von dem man ein Geschenk dafür verlangte. Wie es bei Archilochus heißt:
[33] „Von den sieben Todten, die wir an den Füßen fortgeschleppt,
Waren tausend Mann die Mörder; –“
so war es auch hier. Eine Menge von Leuten, welche bei dem Mord keinen Finger gerührt hatten, dagegen ihre Hände und Schwerter mit Blut färbten, zeigten das vor und verlangten ein Präsent, in dem sie dem Otho eine Eingabe überreichten. Hundertundzwanzig von diesen Schriftstücken wurden späterhin noch aufgefunden; diese Leute ließ Vitellius aufsuchen und insgesammt hinrichten. Auch Marius Celsus kam in das Lager. Man machte ihm von allen Seiten Vorwürfe, daß er die Soldaten zur Vertheidigung Galba’s habe bewegen wollen. Ja, der Pöbel verlangte mit lautem Geschrei seinen Tod, aber Otho wollte dieß nicht. Weil er sich jedoch fürchtete, offen zu widersprechen, so erklärte er nur, „ihn nicht so gar schnell tödten lassen zu können; es seien einige Sachen, die er vorher von diesem Manne herausbringen müsse!“ Er befahl also nur, ihn sicher im Gefängniß zu verwahren und übergab ihn zu diesem Behuf an diejenigen Leute, denen er noch am ehesten traute.

28 (1) Unverzüglich wurde jetzt der Senat zusammenberufen. Da war es nun, als ob die Menschen, oder als ob die Götter wären andere geworden: sobald sie beisammen waren, schwuren sie dem Otho einen Huldigungseid, wie er kurz zuvor ihn selbst geschworen, aber nicht gehalten hatte. Man ertheilte ihm den Namen Cäsar und Augustus, während noch die Leichname ohne Kopf in consularischer Amtstracht auf dem Pflaster des Forums herumlagen. Weil man aber mit den Köpfen nichts anzufangen wußte, so gab man den des Vinius um 2500 Drachmen an dessen Tochter ab; den des Piso bekam seine Gattin Verania auf ihre Bitten; den des Galba endlich verschenkte man an die Sklaven des Patrobius18! Die nahmen ihn, mißhandelten ihn noch in der übermüthigsten Weise, dann warfen sie ihn auf den Boden – da, wo man die Delinquenten der Cäsaren hinrichtet. Dieser Platz heißt Sessorium. Galba’s Rumpf wurde von Helvidius Priscus, mit Genehmigung [34] Otho’s, fortgeschafft und Nachts von einem Freigelassenen, Namens Argeios, begraben.

29 (1) Dieß ist die Geschichte Galba’s, eines Mannes, der an Geburt und Reichthum hinter wenigen Römern überhaupt zurückstand, während er in beiden Hinsichten in seiner Zeit den ersten Rang einnahm. Unter der Regierung von fünf Kaisern hatte er gelebt, und zwar in Ehre und Ansehen gelebt, so daß er eben mehr durch sein Ansehen, als durch seine Macht, den Sturz Nero’s herbei führte. Unter den sonstigen hiebei Betheiligten befanden sich Manche, die Niemand des Thrones würdig achtete; Manche schätzten sich selbst nicht so hoch. Galba wurde berufen und folgte dem Rufe zum Kaiserthum. Er hatte dem Wagniß des Vindex einen Namen geliehen und dessen Aufstand, der Anfangs nur für eine unbedeutende Bewegung galt, zu einem inneren Kriege gemacht, indem man an ihm einen Mann bekam, der den Thron zu übernehmen vermochte. Ja, er durfte glauben, nicht sowohl das Regiment für sich hinzunehmen, sondern der Regierung seine eigene Person vielmehr zu geben. Seine Absicht gieng dahin, über ein Volk, das von Tigellinus und Nymphidius zahm gemacht war, jetzt so gut zu herrschen, wie einst Scipio, Fabricius und Camillus das Rom ihrer Zeit beherrscht hatten. Da er aber vom Alter beschlichen wurde, so zeigte er sich als ächten Imperator im alten Sinne des Worts nur im Kriegswesen und der Armee gegenüber. Außerdem gab er sich vollständig dem Einflusse eines Vinius, Lako und seiner Freigelassenen hin, bei denen Alles mit Geld zu machen war, – gerade wie Nero sich gleichfalls den unersättlichsten Menschen hingegeben hatte. Die Folge war, daß sich Niemand nach seiner Regierung zurücksehnte, die Meisten jedoch die Art seines Todes aufrichtig bedauerten.

Anmerkungen

1 Plutarch soll nach einem von seinem Sohne Lamprias herrührenden Verzeichniß seiner Schriften auch das Leben der acht ersten römischen Kaiser beschrieben haben, wovon jedoch nur noch Galba und Otho übrig sind.

2 Wahrscheinlich in einer verloren gegangenen Biographie Nero’s.

3 Mit dem Titel praefectus praetorio.

4 Zu Zeiten des Pompejus, Cäsar und Cicero, ein bekannter Staatsmann, dessen Enkelin Galba’s Mutter war.

5 Bei Besontium (Besançon).

6 D. h. ernannte ihn zum Ritter.

7 Ein Liebling Nero’s, der von ihm mit dem Vermögen vieler hingerichteter vornehmer Männer beschenkt wurde.

8 Sporus, ein schöner junger Eunuche, den Nero statt der verschmähten Poppäa zur – Frau nahm und unter dem Namen Sabina mit den Auszeichnungen einer Kaiserin bei sich hatte!

9 Jetzt Narbonne im südlichen Frankreich.

10 Nach meiner Uebersetzung Hesiods; Werke und Tage V. 368.

11 Tigellinus war nach Burrhus Tode Praefectus praetorio, der treue Gehülfe bei allen Schandthaten Nero’s.

12 Sie galt für die schönste Dame in Rom, die sich auch durch Witz und Artigkeit im Umgang auszeichnete.

13 Dieß war damals noch Octavia, Tochter des Kaisers Claudius und der Messalina.

14 Ein naher Verwandter Galba’s, der später auf Vitellius’ Befehl hingerichtet wurde.

15 Piso stammte durch seinen Vater von Crassus, durch die Mutter von Pompejus ab.

16 Beides war eine Art von Unteroffizieren.

17 Diese metallene, übergoldete Säule stand auf dem Forum beim Saturnustempel; die Entfernung der bedeutendsten Städte war auf ihr nach je tausend Schritten eingegraben, weßhalb sie milliarium aureum hieß. August hatte sie errichten lassen.

18 Patrobius war ein nichtswürdiger Freigelassener Nero’s, den Galba hatte hinrichten lassen.

Highlights

  • Anonyme Kaisergeschichte
  • Sueton: Kaiserbiographien
  • Curtius Rufus: Geschichte Alexanders des Großen

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