Apollodor’s
Mythologische Bibliothek
Erstes Buch
1 (1) Uranus [der Himmel] war der erste Beherrscher der ganzen Welt. Nach seiner Vermählung mit Ge [der Erde] zeugte er zuerst die Hecatoncheiren [Hunderthände] Briareus, Gyes und Cottus, ungeheuer große und starke Riesen, je mit hundert Händen und fünfzig Köpfen.
(2) Nach Diesen gebar ihm Ge die Cyclopen, Arges, Steropes, Brontes, von welchen Jeder nur ein Auge mitten auf der Stirne hatte. Diese Letzteren fesselte Uranus und warf sie in den Tartarus, einen finstern Ort im Hades [der Unterwelt], der eben so weit von der Erde, als diese vom Himmel entfernt ist.
(3) Wiederum zeugte er mit Ge Söhne, die sogenannten Titanen, Oceanus, Cöus, Hyperion, Crius, Iapetus und den Jüngsten von Allen, Cronus; und Töchter, die sogenannten Titaniden: Tethys, Rhea, Themis, Mnemosyne, Phöbe, Dione, Thia.
(4) Ge, zürnend über die Mißhandlung ihrer Kinder, die in den Tartarus geworfen waren, beredete die Titanen zur Empörung gegen ihren Vater, und gab zu diesem Zwecke dem Cronus eine stählerne Sichel, worauf sich die Titanen, mit Ausnahme des Oceanus, empörten. Cronus schnitt seinem Vater die Zeugungstheile ab, und warf sie ins Meer. Aus den Tropfen des rinnenden Blutes entstanden die Erinnyen [Furien] Alecto, Tisiphone und Megära. Nunmehr entthronten sie den Vater, brachten die in den Tartarus gestürzten Brüder zurück, und übergaben dem Cronus die Herrschaft.
(5) Dieser fesselte sie jedoch auf’s neue und sperrte sie in den Tartarus ein. Jetzt vermählte er sich mit seiner Schwester Rhea, verschlang aber die Kinder, die ihm geboren wurden, nachdem ihm Ge und Uranus geweissagt hatten, er werde von Einem seiner eigenen Kinder vom Throne gestoßen werden. So verschlang er seine erstgeborne Tochter Hestia [Vesta], hernach die Demeter [Ceres] und Here [Juno], nach Diesen den Pluto und den Poseidon [Neptun]. (6) Rhea, hierüber aufgebracht, begab sich, als sie mit Zeus [Jupiter] schwanger ging, nach Creta. Hier gebar sie in der Dictäischen Höhle den Zeus, und übergab ihn zur Erziehung den Cureten und den Nymphen, Adrastea und Ida, des Melisseus Töchtern. Letztere nährten den Knaben mit der Milch der Amalthea; die Cureten aber hüteten bewaffnet das Kind in der Höhle, und schlugen mit den Lanzen auf die Schilde, damit Cronus das Geschrei des Kindes nicht hören möchte. Rhea aber wickelte einen Stein in Windeln, und gab ihn statt des neugebornen Knaben dem Cronus zu verschlingen.
2 (1) Als Zeus zum Manne herangewachsen war, wußte er die Metis, des Oceanus Tochter, für seine Zwecke zu gewinnen; und Diese gab dem Cronus ein Brechmittel ein. Hievon angegriffen brach Cronus zuerst den Stein weg, dann die Kinder, welche er verschlungen hatte. In Verbindung mit Diesen begann jetzt Zeus den Krieg gegen Cronus und die Titanen. Zehn Jahre hindurch hatten sie schon den Kampf fortgesetzt, da verhieß Ge dem Zeus den Sieg, wenn er die in den Tartarus Eingekerkerten zu Hülfe nähme. Auf dieses Orakel hin tödtete Zeus die Campe, welche die Gefesselten bewachte, und bewirkte so ihre Befreiung. Hiefür gaben die Cyclopen dem Zeus Donner, Blitz und den Donnerkeil, dem Pluto einen Helm, dem Poeidon1 einen Dreizack. So bewaffnet überwältigten Diese die Titanen, kerkerten sie in den Tartarus ein, und stellten die Hecatoncheiren als Wächter auf. Sie selbst loosten um die Herrschaft, wobei dem Zeus die Herrschaft im Himmel, dem Poseidon die im Meere, dem Pluto die in der Unterwelt zufiel.
(2) Indessen hatten die Titanen Nachkommenschaft bekommen. Namentlich stammten von Oceanus und Tethys die Oceaniden Asia, Styx, Elektra, Doris, Eurynome, Amphitrite, Metis und viele Andere; von Cöus und Phöbe – Asteria und Leto, von Hyperion und Thia – Eos [Morgenröthe], Helius [Sonne], Selene [Mond]; von Crius und Eurybia, der Tochter des Pontus, – Asträus, Pallas, Perses; (3) von Iapetus und Asia, des Oceanus Tochter, Atlas, der auf seinen Schultern das Himmelsgewölbe trägt, ferner Prometheus und Epimetheus, endlich Menötius, welchen Zeus in Titanenkriege mit dem Donnerkeile traf, und in den Tartarus einkerkerte. (4) Von Cronus und der Philyra stammte der, zwei Naturwesen in sich vereinigende, Centaur Chiron, ab; von der Eos und dem Asträus die Anemi und Astra [Winde und Gestirne]; von Perses und Asteria die Hecate; von dem Pallas und der Styx, des Oceanus Tochter, die Nice, Cratos, Zelos und die Bia [Sieg, Gewalt, Kriegesruhm und Stärke]. (5) Das Wasser der Styx, das aus einem Felsen in der Unterwelt fließt, wurde von Zeus zum Schwurworte bestimmt; eine Ehrenauszeichnung, durch welche Zeus die Styx für die hülfreichen Dienste belohnte, die sie ihm mit ihren Kindern im Kampfe gegen die Titaten geleistet hatte.
(6) Weiter: Von dem Pontus und der Ge stammten Phorcus, Thaumas, Nereus, Eurybia, Ceto. Von Thaumas und Electra, des Oceanus Tochter, die Iris und die Harpyien; Aëllo, Ocypete; von Phorcus und Ceto die Phorciden, unter dem Namen der Gorgonen bekannt. Von Diesen wird in der Geschichte des Perses die Rede werden2. (7) Sodann von Nereus und Doris, der Tochter des Oceanus die Nereiden. Ihre Namen sind folgende: Cymothoë, Spio, Glauconome, Nausithoë, Halië, Erato, Sao, Amphitrite, Eunice, Thetis, Eulimene, Agave, Eudore, Doto, Pherusa, Galatea, Actäa, Pontomedusa, Hippothoë, Lysianassa, Cymo, Pione, Halimede, Plexaure, Eucrate, Proto, Calypso, Panope, Cranto, Neomeris, Hipponoë, Deïanira, Polynoë, Autonoë, Melite, Dione, Nesäa, Dero, Euagore, Psamathe, Eumolpe, Jone, Dynamene, Ceto, Limnoria.
3 (1) Zeus vermählte sich nun mit Here [Juno] und zeugte die Hebe, die Ilithyia und den Ares [Mars]. Nebenbei aber vermischte er sich noch mit vielen Sterblichen und Unsterblichen des andern Geschlechts.
Mit Themis, der Tochter des Uranus, zeugte er Töchter, die Horen [Stunden], Irene, Eunomia, Dice, und die Mören [Parzen]: Clotho, Lachesis und Atropos; mit Dione die Aphrodite [Venus]; mit Eurynome, einer Tochter des Oceanus, die Charitinnen [Grazien]: Aglaia, Euphrosyne, Thalia; mit der Styx die Persephone [Proserpina]; mit der Mnemosyne die Musen, zuerst Calliope, dann Clio, Melpomene, Euterpe, Erato, Terpsichore, Urania, Thalia und Polymnia.
(2) Von Calliope und Oeager, oder, wie die Sage will, von Apollo stammt Linus, welchen Heracles [Hercules] tödtete, ab, und Orpheus, jener Meister im Zitherspiele und Gesange, der durch seine Lieder Steine und Bäume in Bewegung setzte. Als Diesem seine Gattin Eurydice am Bisse einer Schlange gestorben war, stieg er in den Hades hinab, um sie wieder herauszuführen. Er bewog auch wirklich den Pluto zu dem Versprechen, sie zurückzugeben, wobei er jedoch die Bedingung eingehen mußte, daß er auf dem Rückwege sich nicht umwenden wolle, bevor er zu Hause angekommen sey. Allein er traute nicht, wendete sich um, sah seine Gattin, und sie kehrte wieder zum Hades zurück. Orpheus ist es auch, der die Mysterien des Dionysus [Geheiminisse des Bacchus] erfunden hat. Er fand endlich, von den Mänaden [Bacchantinnen] zerrissen, in der Gegend von Pieria [am Berg Olympus] sein Grab.
(3) Clio war verliebt in Pierus, den Sohn des Magnes. Diese Liebe hatte die grollende Aphrodite angefacht, weil Clio ihr die Liebe zu Adonis zum Verbrechen gemacht hatte. Der Knabe Hyacinthus, die Frucht der Liebe der Clio zu Pierus, wurde von Thamyris, dem Sohne des Philammon und der Nymphe Argiope, geliebt; das erste Beispiel leidenschaftlicher Neigung eines Mannes gegen eine Person seines Geschlechts [Knabenliebe]. Den Hyacinthus tödtete nachher Apoll, der selbst in ihn verliebt war, unvorsätzlicher Weise durch einen Wurf mit dem Discus [der Wurfscheibe]. Thamyris, ausgezeichnet durch Schönheit und Zitherspiel mit Gesang, ließ sich in einen musikalischen Wettstreit mit den Musen ein, unter der Verabredung, daß er mit jeder Einzelnen von ihnen der Liebe pflegen dürfte, wenn er vorzüglicher erfunden würde; Jene aber ihm nehmen dürften, was sie wollten, falls er besiegt werden sollte. Die Musen waren ihm überlegen, und nahmen ihm Augen uud Zitherspiel.
(4) Von der Euterpe und dem Flusse Strymon stammte Rhesus, welchen Diomedes vor Troja tödtete. Einige geben Demselben auch die Calliope zur Mutter.
Von der Thalia und dem Apollo stammten die Corybanten ab; von Melpomene und Achelous die Sirenen, von welchen in der Geschichte des Odysseus [Ullysses] gesprochen werden wird.
(5) Here gebar ohne Zuthun eines Mannes den Hephästus [Vulkan]; nach Homers Aussage jedoch auch ihn von Zeus. Dieser warf ihn aus dem Himmel, als er der gefesselten Here beistehen wollte. Zeus hatte sie nämlich zur Strafe aus dem Olymp herabgehängt, weil sie dem Heracles auf seiner Heimfahrt nach der Eroberung von Troja einen Sturm zugesendet hatte. Hephästus fiel auf Lemnos zur Erde, und wurde, wiewohl an den Füßen gelähmt, von Thetis noch gerettet.
(6) Zeus hatte auch Umgang mit Metis, ungeachtet sie sich in verschiedene Gestalten verwandelte, um seinen Umarmungen zu entgehen. Als sie schwanger wurde, verschlang er sie schnell, weil sie gesagt hatte, sie werde nach der jetzt bevorstehenden Geburt eines Mädchens einen Knaben gebären, der die Herrschaft über den Himmel bekommen würde. Dieses fürchtend, verschlang er sie. Als aber die Zeit der Geburt gekommen war, schlug ihn Prometheus, oder, nach der Behauptung Anderer, Hephästus mit einer Axt vor den Kopf, und es entsprang an dem Flusse Triton Athene [Minerva] in voller Rüstung dem Haupte des Gottes.
4 (1) Von den Töchtern des Cöus stürzte sich Asteria, in eine Wachtel verwandelt, selbst in’s Meer, indem sie der Umarmung des Zeus entgehen wollte; von ihr schreibt sich eine Stadt her, die zuerst Asteria, nachher Delus genannt wurde.
Leto [Latona] wurde wegen ihres Umgangs mit Zeus von Here über die ganze Erde verfolgt, bis sie endlich nach Delus kam, woselbst sie zuerst die Artemis [Diana], sodann von Dieser bei der Geburtsarbeit unterstützt, den Apollo gebar.
Artemis blieb als Liebhaberin der Jagd Jungfrau. Apollon, von Pan, einem Sohne des Zeus und der Thymbris, in der Wahrsagerkunst unterrichtet, kam nach Delphi, wo damals Themis Orakel ertheilte. Hier wollte der Wächter des Orakels, die Schlange Python, nicht gestatten, daß er sich der Zauberkluft nähere; allein Apollo tödtete ihn, und übernahm des Orakels Besorgung.
Nicht lange hernach brachte er auch den Tityus um. Dieser war ein Sohn des Zeus und der Tochter des Orchomenus, Elare, die Zeus umarmt, und sodann, aus Furcht vor Here, unter die Erde verborgen hatte. Ihren riesenmäßigen Sohn, Tityus, mit welchem sie schwanger gegangen war, brachte Zeus an’s Tageslicht herauf. Dieser Riese kam nach Pytho, sah hier die Leto und wollte sie, zitternd vor brennendem Verlangen, in seine Umarmung ziehen; sie aber rief ihre Kinder zu Hülfe, die ihn mit ihren Pfeilen niederschoßen. Die Strafe blieb auch nach dem Tode nicht aus, indem im Hades Geier an seinem Herzen nagen.
(2) Unter die von Apollo Getödteten gehört auch des Olympus Sohn, Marsyas. Dieser hatte die Doppelpfeife gefunden, welche Athene weggeworfen hatte, weil sie ihr Gesicht verunstaltete, und ließ sich nun mit Apollo in einen tonkünstlerischen Wettstreit ein. Die Beiden waren übereingekommen, daß der Sieger mit dem Besiegten nach Belieben schalten und walten dürfte. Als die Zeit der Entscheidung gekommen war, begann Apolo den Wettkampf damit, daß er die Zither umgekehrt nahm, und den Marsyas dasselbe (mit seinem Instrumente) thun hieß; als Dieser es nicht konnte, und sonach Apollo als Sieger erfunden ward, hängte er den Marsyas an einer überragenden Fichte auf, streifte ihm mit einem Messer die Haut ab, und brachte ihn also um.
(3) Den Orion tödtete Artemis in Delus. Man hält ihn für einen Erdegebornen Riesen; Pherecydes läßt ihn von Poseidon und Euryale abstammen. Wenigstens war es Poseidon, der ihm die Gabe verlieh, über das Meer hinzuschreiten. Dieser Orion vermählte sich mit der Side, welche aber von Here in den Hades geworfen wurde, weil sie der Göttin den Vorzug der Schönheit hatte streitig machen wollen. Wiederum begab er sich nach Chios und warb um die Hand der Merope, der Tochter des Oenopion [Weintrinker]. Oenopion aber machte ihn trunken, blendete ihn, während er im Schlafe lag und warf ihn an’s Ufer. Orion raffte sich auf und gelangte nach Lemnus zur Schmiede des Hephästus3, raubte daselbst einen der Gesellen, lud ihn auf seine Schulter, und ließ sich von ihm den Weg gegen Morgen zeigen. Als er in diesen Gegenden angekommen war, traf ihn ein Strahl der Sonne, der ihm sein Gesicht wieder gab, und nun eilte er schleunigst zu Oenopion zurück. Allein Diesen hatte indessen eine [von seinen Mitbürgern] künstlich bereitete unterirdische Wohnung schützend aufgenommen. (4) Den Orion entführte die Eos, welche sich in ihn verliebt hatte, und brachte ihn nach Delos. Sie wurde nämlich von Aphrodite zu beständigen Liebschaften verleitet, weil sie mit Ares heimlichen Umgang gehabt hatte. (5) Orion aber kam um, wie Einige sagen, weil er die Artemis zum Discuswerfen aufgefordert hatte. Nach Andern wurde er von den Pfeilen der Artemis erlegt, weil er der Opis, einer von den Märchen, welche aus den Gegenden jenseits des Boreas angekommen waren, Gewalt angethan hatte.
(6) Poseidon vermählte sich mit Amphitrite, der Tochter des Oceanus, und zeugte mit ihr den Triton und die Rhode, welche nachher Helius zur Gattin nahm.
5 (1) Pluto war in Persephone [Proserpina] verliebt, und raubte sie heimlich, wobei ihm Zeus seinen Beistand lieh. Ihre Mutter, Demeter [Ceres], lief deswegen auf der ganzen Erde umher, und suchte sie mit Fackeln bei Tag und bei Nacht. Als sie nun von den Hermionern erfuhr, daß Pluto sie geraubt habe, verließ sie, zürnend auf die Götter, den Olymp. Sie nahm sodann die Gestalt einer gewöhnlichen Frau an, und kam so nach Eleusis. Hier setzte sie sich zuerst auf den, von ihr so genannten Felsen, Agelastus [Trauerfelsen], neben den Brunnen, welcher Callichorus [Schönbrunn] heißt; sodann begab sie sich zu Celeus, dem damaligen Könige der Eleusiner. Im Innern des Pallasts fand sie Frauen, welche sie einluden, sich zu ihnen zu setzen; und hier gewann eine alte Frau, Namens Jambe, durch Scherze der Göttin ein Lächeln ab. Daher sollen, sagt man, die an den Thesmophorien [dem Feste der Demeter] bei den Frauen üblichen Scherze ihren Ursprung haben.
Metanira, die Gemahlin des Celeus, hatte einen kleinen Knaben. Demeter übernahm dessen Erziehung, und wollte ihn unsterblich machen. Zu diesem Ende legte sie den Säugling die Nächte über in’s Feuer, und entlastete ihn auf diese Weise von dem sterblichen Fleische. Da nun Demophon [so hieß der Knabe] Tag für Tag ganz auffallend zunahm, so belauschte Metanira die Handlungen der Göttin. Als sie ihn nun im Feuer versteckt liegend fand, schrie sie laut auf, und wurde dadurch selbst die Veranlassung, daß den Knaben das Feuer verzehrte. Jetzt gab sich die Göttin zu erkennen, (2) verschaffte aber zu einigem Ersatze dem älteren Sohne der Metanira, Triptolemus, einen mit geflügelten Drachen bespannten Wagen, und gab ihm Waizen, mit dem er von seinem Luftwagen herab den ganzen Erdboden besäete. Panyasis4 nennt den Triptolemus einen Sohn des Eleusin; denn zu Diesem, sagt er, sey Demeter gekommen. Pherecydes dagegen nennt ihn einen Sohn des Uranus und der Ge.
(3) Zeus hatte indessen dem Pluto befohlen, die Jungfrau5 zurückzuschicken; da gab ihr Pluto, damit sie nicht längere Zeit bei ihrer Mutter verweilen sollte, den Kern einer Granatfrucht zu essen, den sie auch, nicht ahnend, was damit zusammenhing, wirklich verzehrte. Ascalaphus, der Sohn des Acheron und der Gorgyra trat in dieser Sache als Zeuge wider sie auf, und Demeter wälzte dafür im Hades einen schweren Felsen auf ihn. Persephone aber war sonach gezwungen, ein Drittheil jedes Jahres bei Pluto zu verweilen, die übrige Zeit brachte sie bei den Göttern zu.
So viel von Demeter.
6 (1) Ge, erzürnt über das Schicksal der Titanen, gebar von Uranus die Giganten, ungeheure, unüberwindliche Riesen. Sie hatten gräßliche Gesichter und von ihrem Haupte und Kinne wallte langes dichtes Haar herab; statt der Füße hatten sie geschuppte Drachenschwänze. Ihr Geburtsort war nach Einigen Phlegrä, nach Andern Pallene. Diese schleuderten nun Felsen gegen den Himmel und zusammengebundene Baumstämme, wobei sich vor allen Porphyrion auszeichnete und Alcyoneus, welcher wohl auch unsterblich war, doch nur so lange er auf demjenigen Theile der Erde kämpfte, auf welchem er geboren war. Dieser war es auch, der die Rinder des Helius aus Erythia wegtrieb. Nun war den Göttern ein Orakelspruch ertheilt worden, daß von Göttern Keiner der Giganten vernichtet werden könnte, und daß Diese nur dann sterben würden, wenn ein Sterblicher mitkämpfte. Ge hatte dieß in Erfahrung gebracht, und suchte deswegen ein Arzneimittel, um sie auch für Sterbliche unverletzlich zu machen. Aber Zeus kam ihr zuvor; er verbot der Eos [Morgenröthe], der Selene [Mond] und dem Helius [Sonne] zu scheinen, schnitt eilig die Arzneikräuter selbst ab, und ließ den Heracles durch die Athene zur Theilnahme am Kampfe auffordern. Dieser erlegte zuerst durch einen Pfeilschuß den Alcyoneus, der aber, sobald er die Erde berührte, mit erneuter Lebenswärme und Kraft sich wieder erhob. Nun gab Athene dem Heracles den Rath an die Hand, ihn aus Pallene [seinem Geburtslande] wegzuschleppen. Er that’s und Alcyoneus starb.
(2) Jetzt ging Porphyrion in voller Hitze auf Heracles und Here los, um einzeln mit ihnen zu kämpfen. Allein Zeus flößte ihm schnell ein Verlangen nach Here ein. Als nun Porphyrion ihren umhüllenden Schleier zerriß, um ihr Gewalt anzuthun, schrie sie nach Hülfe. Da traf ihn Zeus mit dem Donner, und Heracles tödtete ihn vollends mit seinen Pfeilen. Von den Uebrigen wurde dem Ephialtes durch Apollo das linke, durch Heracles das rechte Auge ausgeschossen. Den Eurytus tödtete Dionysus mit dem Thyrsus; den Clytius nach der Sage Hecate, eher wohl Hephästus durch Würfe mit glühenden Eisensteinen. Auf den fliehenden Enceladus warf Athene die Insel Sicilien; dem Pallas schnitt sie die Haut ab, und bedeckte damit während der Dauer der Schlacht ihren eigenen Körper. Polybotes, von Poseidon über das Meer verfolgt, kam nach Cos; Poseidon riß ein Stück dieser Insel ab, und warf es auf ihn. Dieses Stück heißt jetzt Nisyron, Hermes, in der Schlacht mit dem Helme des Aïs bewaffnet, tödtete den Hippolytus, Artemis den Gration. Ebenso die Mören [Parzen] den Agrius und Thoon, welche mit ehernen Keulen kämpften. Die Uebrigen schmetterte Zeus mit Donnerkeilen nieder, und Alle, die auf diese Weise gefällt waren, erschoß Heracles mit seinen Pfeilen.
(5) Als nun die Götter den Sieg über die Giganten erfochten hatten, ließ sich Ge, noch heftiger erzürnt, von Tartarus umarmen, und gebar ihm in Cilicien den Typhon. Dieser, halb Mensch, halb Thier von Gestalt, übertraf alle bisherigen Kinder der Ge an Größe und Stärke. Von oben herab bis an die Lenden war er eine Riesengestalt von menschlicher Bildung und zwar so unermeßlich groß, daß er alle Berge überragte, und sein Haupt öfters die Sterne berührte. Dabei hatte er Hände, die, ausgestreckt, vom Aufgange der Sonne bis zum Niedergange reichten. Aus denselben ragten hundert Drachenköpfe empor. Von den Lenden abwärts hatte er übermäßig große Gewinde von Vipern, deren Geschlängel sich mit großem Gezische selbst bis zum Haupte hinauf erstreckte. Sein ganzer Leib war gefiedert. Struppiges Haar an Haupt und Kinn flatterte im Winde. Feuer entstrahlte seinen Augen. Solch ungeheures Scheusal war Typhon. Zusammengeballte Felsen zum Himmel hinaufschleudernd, fuhr er los, mit Zischen und Geschrei, eine kochende Feuermasse aus seinem Munde strudelnd.
Als ihn die Götter gegen den Himmel heranstürmen sahen, da flohen sie eiligst nach Aegypten, und wandelten sich, von ihm verfolgt, in Thiergestalten um. Zeus warf mit Donnerkeilen nach Typhon, so lang’ er noch ferne war; als er aber näher kam, machte er ihn mit einer eisernen Sichel stutzig, brachte ihn zum Fliehen und verfolgte ihn bis zum Berge Caucasus6, der Syrien überragt. Dort sah er ihn, und ließ sich mit ihm in’s Handgemenge ein. Typhon aber, umflochten von seinen Vipergewinden, hielt ihn von sich entfernt, entriß ihm die Sichel, schnitt ihm die Sehnen an Händen und Füßen ab, lud ihn auf die Schultern und brachte ihn über das Meer nach Cilicien. In der Corycischen Höhle angelangt, warf er ihn ab, legte auch die Sehnen, in ein Bärenfell gewickelt, daselbst nieder, und stellte die Delphyne dabei als Wächterin auf, einen jungen weiblichen Drachen, halb Thier, halb Mensch. Allein Hermes [Merkur] und Aegipan stahlen die Sehnen weg, und fügten sie dem Zeus heimlich wieder zusammen.
Da raffte sich Zeus, im Gefühle der wieder erlangten eigenthümlichen Kraft, plötzlich auf, fuhr auf einem Wagen mit Flügelpferden aus dem Himmel herab, schleuderte mit Donnerkeilen, und verfolgte den Typhon bis auf einen Berg, Nysa genannt, woselbst die Mören [Parzen] den Verfolgten überlisteten; denn überredet von ihnen, daß er dadurch noch größere Kraft erlangen würde, genoß er von den eintägigen [Gift-]Früchten. Um so lebhafter wurde er jetzt weiter verfolgt, und kam nach Thrazien, wo er in der Gegend des Berges Hämus nochmals kämpfend, mit ganzen Bergen um sich warf. Diese aber wurden durch den Donnerkeil auf ihn zurückgeschleudert, so daß er auf dem Berge Blut in Menge spie. Eben hiervon soll der Berg den Namen Hämus [Blutsberg] erhalten haben. Er ward nun endlich gezwungen, durch das Sicilische Meer zu fliehen, und Zeus warf in Sicilien den Aetna auf ihn, einen außerordentlich hohen Berg, aus dem noch bis auf unsere Zeiten von den geschleuderten Blitzen, wie man sagt, Feuer in die Höhe geblasen wird. Doch hiervon sey mit Diesem genug von uns gesagt.
7 (1) Prometheus bildete Menschen aus Wasser und Erde, wußte ihnen auch, von Zeus unbemerkt, Feuer beizubringen, indem er es in einen hohlen Pflanzenstengel verbarg. Als Zeus es merkte, befahl er dem Hephästus, ihn an den Caucasus [einen Berg in Scythien] anzuschmieden. So angeschmiedet, brachte Prometheus viele Jahre in Banden zu, während welcher Zeit täglich ein Adler geflogen kam, und die Lappen seiner Leber abfraß, die sich jedoch des Nachts jedesmal wieder ersetzten. Diese Strafe für den Raub des Feuers litt Prometheus, bis Heracles ihn späterhin befreite, wie wir in der Geschichte des Heracles berichten werden.
(2) Prometheus hatte einen Sohn, Deucalion. Dieser beherrschte die Gegend um Pthia als König, und vermählte sich mit Pyrrha, der Tochter des Epimetheus und der Pandora, des ersten Weibes, das die Götter gebildet hatten. Als nun Zeus das eherne Geschlecht zu vertilgen beschlossen hatte, zimmerte Deucalion, auf den Rath des Prometheus, einen Kasten, belud denselben mit den nöthigen Lebensbedürfnissen, und stieg mit Pyrrha hinein. Nun goß Zeus Regen in Menge vom Himmel herab, und überschwemmte den größten Theil von Hellas, so daß alle Menschen zu Grunde gingen, bis auf Wenige, die auf die nächsten Hochgebirge geflohen waren. Damals trennten sich sogar die Thessalischen Gebirge [durch die Gewalt der Fluthen] und alle Gegenden außerhalb des Isthmus und des Peloponnes waren überschwemmt. Deucalion aber trieb in seinem Kasten neun Tage und eben so viele Nächte hindurch auf diesem Meere umher, landete endlich auf dem Parnaß, stieg hier, da der Platzregen aufgehört hatte, aus, und opferte dem Zeus Phyxius [Fluchtbeförderer]. Zeus schickte den Hermes [Mercur] zu ihm, und erlaubte ihm, zu bitten, was er wollte. Da äußerte Jener den Wunsch, es möchten, ihm zur Gesellschaft, wieder Menschen entstehen. Zeus gewährte es, und auf seinen Befehl hob nun Deucalion Steine auf, und warf sie rückwärts über seinen Kopf. Die nun, welche Deucalion warf, wurden Männer, die von Pyrrha Geworfenen, Weiber7. Deucalion bekam auch Kinder von Pyrrha; zuerst den Hellen, der jedoch nach Einigen ein Sohn von Zeus war; sodann den Amphictyon, der nach dem Cranaus über Attica herrschte, endlich eine Tochter, Namens Protogenia, die von Zeus einen Sohn, Namens Aëthlius, bekam. (3) Von Hellen und der Nymphe Orseïs stammten Dorus, Xuthus, Aeolus. Hellen benannte die sonst so genannten Griechen nach sich selbst Hellenen. Unter seine Söhne vertheilte er das Land. Xuthus, der den Peloponnes bekommen hatte, zeugte mit Creusa, der Tochter des Erechtheus, den Achäus und den Jon, von denen die Achäer und Jonier ihren Namen erhalten haben. Dorus hatte die Gegend jenseits des Peloponnes erhalten, und benannte die Einwohner nach sich Dorier. Aeolus endlich, der über die Gegend um Thessalien herrschte, nannte die Einwohner Aeolier. In seiner Ehe mit Enarete, der Tochter des Deïmachus zeugte er sieben Söhne: Cretheus, Sisyphus, Athamas, Salmoneus, Deïon, Magnes, Perieres, und fünf Töchter: Canace, Alcyone, Pisidice, Calyce, Perimede.
Von Perimede und Achelous stammen Hippodamas und Orestes; von Pisidice und Myrmidon Antiphus und Actor. (4) Mit Alcyone verehlichte sich Ceyx, des Heosphorus Sohn. Beide Letzteren kamen durch ihren Stolz zu Falle. Er nannte nämlich seine Frau Here, sie ihren Mann Zeus. Zur Strafe verwandelte sie Zeus in Vögel, sie in einen Meereisvogel, ihn in eine Seemöwe. Canace gebar von Poseidon den Opleus und Nereus, den Epopeus und Aloëus und den Triops. Aloëus vermählte sich mit der Tochter des Triops, Iphimedia. Diese verliebte sich aber in Poseidon, streifte deswegen beständig am Meere umher, schöpfte mit den Händen die Wogen herauf, und füllte damit ihren Schoos. Poseidon zeugte auch wirklich in ihrer Vermischung zwei Söhne, den Otus und Ephialtes, [nach ihrem Großvater] Aloïden genannt. Diese wuchsen alle Jahre eine Elle in die Breite, und eine Klafter [Mannslänge] in die Höhe. Als sie nun neun Jahre alt, und somit neun Ellen breit, neun Klafter hoch waren, faßten sie den Entschluß, die Götter zu bekriegen, stellten den Ossa auf den Olymp und auf den Ossa den Pelius, und drohten, mittelst dieser Berge in den Himmel hinaufzusteigen. Auchwollten sie das Meer auf die Berge gießen, und so, nach ihrer prahlerischen Behauptung, das Meer zum festen Lande, das Land zum Meere machen.
Nun warben sie, Ephialtes um Here, Otus um Artemis. Den Ares hatten sie gebunden, allein Hermes entriß ihnen Denselben heimlich wieder, und Artemis räumte die Aloïden auf Naxus durch List aus dem Wege; sie verwandelte sich nämlich in eine Hirschkuh und sprang mitten zwischen ihnen durch. Beide hatten zugleich auf das Thier gezielt, und durchbohrten sich so gegenseitig mit ihren Wurfspießen.
(5) Von Calyce und Aëthlius stammte Endymion, der mit Aeolischen Ansiedlern, die er aus Thessalien geführt hatte, Elis bevölkerte. Auch er soll nach Einigen ein Sohn des Zeus seyn. Wegen seiner ausgezeichneten Schönheit entbrannte Selene [die Göttin des Mondes] für ihn, und Zeus gewährte ihm eine Freibitte. Er benützte diese Erlaubniß dazu, sich immerwährenden Schlaf, Unsterblichkeit und ewige Jugend zu erbitten.
(6) Von Endymion und der Nymphe Neïs oder, wie Einige angeben, der Iphianassa stammt Aetolus. Dieser hatte den Sohn des Phoroneus, Apis, ermordet, und floh deswegen in die Gegend von Cures, wo er die Söhne der Pthia und des Apollo, Dorus, Laodocus, und Polypötes, die ihn gastfreundlich aufgenommen hatten, tödtete. Die Gegend benannte er nach sich Aetolien.
(7) Von Aetolus und Pronoë, des Phorbas Tochter, stammten Pleuron und Calydon, von welchen die gleichnamigen Städte in Aetolien ihre Namen erhielten. Pleuron vermählte sich mit Xantippe, des Dorus Tochter, und zeugte einen Sohn Agenor, sodann Töchter: die Sterope, Stratonice und Laophonte. Von Calydon und Aeolia, der Tochter des Amythaon kommen her die Epicaste und Protogenia; von Letzterer und dem Ares – Oxylus.
Agenor, Pleurons Sohn, vermählte sich mit Epicaste, des Calydon Tochter, und zeugte den Porthaon und die Demonice, von welcher mit Ares – Evenus, Molus, Pylus und Thestius abstammen.
(8) Evenus zeugte die Marpessa, welche, während auch Apoll um sie warb, Idas, der Sohn des Aphareus, raubte. Hiezu hatte er von Poseidon einen geflügelten Wagen bekommen.
Evenus setzte ihm auf einem Wagen nach; als er aber an den Fluß Lycormas gekommen war, ohne daß er ihn hatte einholen können, so tödtete er seine Pferde, und stürzte sich selbst in den Fluß. (Von ihm bekam der Fluß den Namen Evenus.) (9) Idas aber gelangte nach Messene. Da begegnete ihm Apoll und entriß ihm die Jungfrau. Den über die Ehe mit derselben zwischen Beiden entstandenen Kampf schlichtete Zeus, indem er der Jungfrau befahl, selbst zu wählen, welchem von Beiden sie angehören wollte. Aus Furcht, Apoll möchte sie verlassen, wenn sie altere, wählte sie den Idas zum Gemahle. (10) Thestius bekam von Eurythemis, der Tochter der Cleoböa, an weiblicher Nachkommenschaft die Althäa, Leda, Hypermnestra: an männlicher den Iphicus, Evippus, Plexippus und Europylus. Von Porthaon und Euryte, des Hippodamas Tochter, stammten die Söhne Oeneus, Agrius, Alcathous, Melas, Leucopeus, und die Tochter Sterope, aus deren Ehe mit Achelous die Sirenen herstammen sollen.
8 (1) Oeneus, König in Calydon, bekam von Dionysus das erste Senkreis des Weinstocks. In seiner Ehe mit Althäa, des Thestius Tochter, zeugte er den Toxeus, den er selbst tödtete, weil er über den Graben gesprungen war8; außer Diesem den Thyreus und Clymenus und eine Tochter, Gorge, welche Andrämon zur Gattin nahm; sodann die Deïanira, die jedoch Althäa nach Andern von Dionysus bekommen haben soll. Diese verstand, die Pferde zu lenken und legte sich auf kriegerische Uebungen. Um ihre Hand kämpften (2) Heracles mit Achelous miteinander. Althäa bekam ferner von Oeneus einen Sohn, Meleager, der auch für einen Sohn des Ares [Mars] gilt. Als diefer sieben Tage alt war, traten, so erzählt man, die Mören herzu und sagten: Meleager wird sterben, wann das auf dem Heerde brennende Scheit verbrannt ist. Althäa hörte Dieß nicht sobald, als sie das brennende Scheit vom Heerde wegriß, und in einen Kasten niederlegte. Mit dem Tode des Meleager, der ein unverwundbarer und heldenmüthiger Mann geworden war, ging es folgendermaßen zu.
Oeneus hatte die Erstlinge der jährlichen Früchte, die in der Gegend gewachsen waren, allen Göttern zu Ehren geopfert, und einzig die Artemis vergessen. Die grollende Göttin ließ deswegen einen ungeheuer großen und starken Eber los, der nicht nur das Besäen des Landes verhinderte, sondern auch weidende Viehheerden und die Menschen, welche ihm aufstießen, zerriß. Gegen diesen Eber bot Oeneus alle Helden aus Hellas auf, und versprach Dem, der die Bestie tödten würde, das abgezogene Fell als Preis. Die zu dieser Eberjagd Versammelten waren Folgende: Meleager, des Oeneus, Dryas des Ares Sohn, Diese aus Calydon; Idas und Lynceus, des Aphareus Söhne, aus Messene; Castor und Polydeuces [Pollux], Söhne des Zeus und der Leda, von Lacedämon; Theseus, des Aegeus Sohn, von Athen; Admetus des Pheres Sohn, von Pherä [in Thessalien]; Ancäus und Cepheus, Lycurgs Söhne, aus Arcadien; Jason, Aesons Sohn von Jolcus: Iphicles, Sohn des Amphitryon aus Thebe; Pirithous, Sohn des Ixion, aus Larissa. Peleus, des Aeacus Sohn, aus Phthia; Telamon, des Aeacus Sohn, aus Salamin; Eurytion, des Actor Sohn, aus Phthia; Atalanta, des Schöneus Tochter, aus Arcadien. Amphiaraus, der Sohn des Oecles [oder Oecleus] aus Argos. Endlich noch die Söhne des Thestius. Als diese Versammlung beisammen war, beherbergte sie Oeneus neun Tage lang. Am zehnten kam dem Cepheus und Ancäus und einigen Andern der Gedanke, es sey doch unter ihrer Würde, mit einem Weibe auf die Jagd auszuziehen; allein Meleager, der zwar schon eine Frau hatte, Cleopatra, die Tochter des Idas und der Marpessa, jedoch auch mit Atalanta Kinder zu zeugen wünschte, ruhte nicht, bis sie sich entschlossen, mit dieser Letztern auf die Jagd auszuziehen.
Als sie nun den Eber umstellt hatten, wurden Hyleus und Ancäus von dem Thiere getödtet. Den Eurytion tödtete Peleus wider Willen mit seinen Spieße. Den Eber aber schoß gerade Atalanta zuerst mit dem Bogen in den Rücken, sodann Amphiaraus ins Auge. Nun traf ihn Meleager in die Weichen [Flanken, zwischen den Rippen und Hüften], tödtete ihn so und gab das Fell der Atalanta. Die Söhne des Thestius hielten das für eine Schande, daß in Gegenwart von Männern ein Weib den Preis davon tragen sollte, entrießen ihr deswegen das Fell und behaupteten, es komme ihnen nach dem Vorrechte des Geschlechtes zu, falls nicht etwa Meleager es vorwegnehmen wollte. (3) Da ergrimmte Meleager, schlug die Söhne des Thestius todt, und stellte das Fell der Atalanta wieder zu. Althäa aber, tief betrübt über den gewaltsamen Tod ihrer Brüder, zündete jenes Holzscheit an, und Meleager verschied augenblicklich. Andern Nachrichten zufolge soll Merenger nicht auf diese Weise gestorben seyn.
Während die Söhne des Thestius um das Thier stritten, weil es Iphicles zuerst getroffen hatte, brach, – so erzählt man, – ein Krieg zwischen den Cureten und den Calydoniern aus. Meleager machte sich auf, und tödtete Einige von den Söhnen des Thestius. Althäa fluchte ihm deswegen, und er blieb von da an zornig zu Hause. Als aber die Feinde nun schon die Mauern bedrohten, und die Bürger ihn flehendlich baten, so eilte er, von seiner Gattin mit Mühe beredet, zur Hülfe hinaus, und starb kämpfend, nachdem er die übrigen Söhne des Thestius vollends getödtet hatte.
Nach dem Tode des Meleager erhängten sich Althäa und Cleopatra selbst, und die Weiber, welche den Todten beklagten, wurden in Vögel [Perlhühner] verwandelt.
(4) Nach dem Tode der Althäa vermählte sich Oeneus mit Periböa, des Hipponous Tochter, die er nach der Aussage des Verfassers der Thebaïde9 als Ehrenpreis erhalten hatte, tachdem Olenus [die Stadt in Aetolien] gefallen war.
Nach Hesiodus dagegen wäre Periböa durch, ihren Vater Hipponous von der Achäischen Stadt Olenus aus zu Oeneus, der gerade nicht in Hellas war, geschickt worden, aber mit dem Auftrage, sie zu tödten, weil sie von Hippostratus, dem Sohne des Amarynceus, geschändet worden war.
(5) Andere endlich behaupten, Hipponous habe seine eigene Tochter auf die Nachricht, daß sie von Oeneus geschwächt worden sey, Diesem schwanger zugeschickt.
Wie Dem sey, Tydeus wurde dem Oeneus von ihr geboren. Doch gibt Pisander10 die Gorge als dessen Mutter an, indem Oeneus nach dem Rathschlusse des Zeus gegen seine eigene Tochter von Liebe entbrannt sey.
Als Tydeus ein kräftiger Mann geworden war, mußte er landesflüchtig werden, weil er, wie Einige sagen, den Bruder des Oeneus, Alcethous, getödtet hatte; nach dem Berichte des Verfassers der Alcmäonide11, wegen der Ermordung der Söhne des Melas, welche sich gegen Oeneus aufgelehnt hatten, Pheneus, Euryalus, Hyperlaus, Antioches, Eumedes, Sternops, Xanthippus, Sthenelus; nach Pherecydes, weil er seinen eigenen Bruder Olenias umgebracht hatte.
Agrius wollte die Strafe an ihm vollziehen, da floh er nach Argus, und kam zu Adrastus, verehlichte sich mit dessen Tochter Deïpyle, und zeugte den Diomedes.
Tydeus überzog nun in Gesellschaft des Adrastus Theben mit Krieg, wurde aber von Melanippus verwundet und starb.
(6) Die Söhne des Agrius, Thersites, Onchestus, Prothous, Celeutor, Lycopeus, Melanippus, entrißen dem Oeneus die Herrschaft, und übertrugen sie ihrem Vater. Ueberdieß sperrten sie den noch lebenden Oeneus ein, und mißhandelten ihn mit Schlägen. Allein Diomedes kam späterhin mit einem Begleiter heimlich aus Argos zurück, und tödtete alle Söhne des Agrius, mit Ausnahme des Onchestus und Thersites, welche eiligst nach dem Peloponnes entflohen waren. Das Reich übertrug er, da Oeneus schon alt war, dessen Schwiegersohne, Andrämon. Den Oeneus selbst brachte er nach dem Peloponnes. Die entflohenen Söhne des Agrius aber legten sich nahe bei dem Altare des Telephus in Arcadien in Hinterhalt und mordeten den Greis. Diomedes brachte den Leichnam nach Argos und begrub ihr daselbst, woher die Stadt von ihm Oenoë genannt wird; heirathete die Aegialea, die Tochter des Adrastus, nach Andern des Aegialeus, und machte nun den Kriegszug gegen Theben und Troja mit.
9 (1) Einer von den Söhnen des Aeolus, Athamas, der einen Theil von Böotien beherrschte, zeugte mit Nephele einen Sohn, Phrixus und eine Tochter, Helle. Wiederum verehlichte er sich [neben seiner ersten Gattin] mit Ino, von welcher er den Leachus und Melicertes bekam. Ino stellte den Kindern der Nephele nach, und beredete zu dem Ende die Weiber des Landes, den Waizen vor der Aussaat zu dörren. Diese nahmen ihn, von den Männern ungesehen, und thaten es. Die Erde [Gäa] nahm den gedörrten Waizen in sich auf, brachte aber den jährlichen Ertrag nicht hervor. Deswegen schickte Athamas Gesandte nach Delphi, um das Mittel zu erfragen, wie das Land von seiner Unfruchtbarkeit befreit werden könnte. Ino aber wußte auch diese Abgesandten dahin zu bringen, daß sie sagten, es sey prophezeit worden, die Unfruchtbarkeit werde aufhören, wenn Phrixus dem Zeus zu Ehren geschlachtet werde. Auf diese Nachricht hin ließen die Einwohner des Landes dem Athamas keine Ruhe, bis er den Phrixus vor den Opferaltar stellte. Nephele aber raubte ihn mit Hülfe ihrer Tochter weg, und gab ihm einen Widder mit goldenem Vließe, den sie von Hermes bekommen hatte. Auf diesem ritten sie [Bruder und Schwester] durch die Luft über Land und Meer hin. As sie aber das zwischen dem Vorgebirge Sigeum und dem Chersonnes liegende Meer unter sich hatten, glitt Helle ab, und fiel in die Tiefe, wo sie ihren Tod fand. Von ihr bekam dieser Theil des Meeres den Namen Hellespont [Helle’s Meer]. Phrixus kam glücklich zu den Colchiern. Der König der Landes, Aeëtes, ein Sohn des Helius und der Perseïs, und Bruder der Circe und Pasiphaë, der Gemahlin des Minos, nahm ihn gastfreundlich auf, und gab ihm eine seiner Töchter, Chalciope, zur Gattin. Phrixus opferte nun dem Zeus Phyxius [dem Beförderer der Flucht] den Widder mit dem goldenen Vließe, und machte dessen Fell dem Aeëtes zum Geschenke. Dieser nagelte es um einen Baum im Haine des Ares.
Von Chalciope, der Tochter des Aeëtes, bekam Phrixus vier Söhne, Argus, Melas, Phrontis und Cytisorus.
(2) Athamas wurde nachher durch den Groll der Here auch seiner mit Ino gezeugten Kinder beraubt. Er wurde nämlich rasend, und schoß in diesem Zustande den Learchus selbst mit seinen Pfeilen nieder. Mit Melicertes stürzte sich Ino selbst in’s Meer. Da nun Athamas wegen seines Mordes aus Böotien flüchtig werden mußte, forschte er von dem Gotte, wo er einen Aufenthalt finden würde. Er bekam den Orakelspruch: „Er sollte wohnen an dem Orte, wo er bei wilden Thieren Gastfreundschaft finden würde.“ So durchzog er eine große Strecke Landes, bis er endlich auf Wölfe stieß, die sich an Schafkeulen erlabten. Als diese seiner ansichtig wurden, verließen sie den, eben getheilten, Raub und ergriffen die Flucht. Athamas baute nun die Gegend an, nannte sie nach sich Athamantia, und vermählte sich mit Themisto, des Hypseus Tochter, mit welcher er den Leucon, Erythrius, Schöneus und Ptous zeugte.
(3) Sisyphus, des Aeolus Sohn, baute Ephyra, jetzt Corinth genannt, und vermählte sich mit Merope, des Atlas Tochter. Ihr Sohn Glaucus bekam in seiner Ehe mit Eurymeda einen Sohn, Bellerophontes, der die feuerschnaubende Chimära tödtete.
Sisyphus wird im Hades gestraft. Er wälzt mit Anwendung der Hände und des Kopfs ein Felsstück, und bestrebt sich, dasselbe auf einer Anhöhe zu überstürzen. Allein es rollt, von ihm aufwärts gestoßen, mit Gewalt zur Tiefe zurück. Diese Strafe leidet er wegen der Tochter des Asopus, Aegina. Er soll nämlich Zeus, den heimlichen Entführer des Mädchens, dem suchenden Asopus verrathen haben. [Vergl. III, 12, 6.]
(4) Deïon, Herrscher von Phocis und vermählt mit Diomede, des Xuthus Tochter, hatte eine Tochter Asteropeia und Söhne, Aenetus, Actor, Phylacus und Cephalus, welcher Letztere die Tochter des Erechtheus, Procris, ehlichte, nachher aber von der Eos, die sich in ihn verliebt hatte, geraubt wurde.
(5) Perieres, der Messene in Besitz genommen hatte, vermählte sich mit Gorgophone, des Perseus Tochter, von welcher er die Söhne Aphareus, Leucippus und Tyndareos, auch Icarius bekam. Viele geben jedoch dem Perieres nicht den Aeolus, sondern den Cynortas, des Amyclas Sohn, zum Vater. Deswegen wollen wir zu der Geschichte der Nachkommen des Perieres bei dem Atlantischen Geschlechte zurückkommen. [Vergl. III, 10, 3. 4.] (6) Magnes, der Sohn des Aeolus, ehlichte die Nymphe Naïs, und bekam von ihr Söhne, den Polydectes und Dictys. Diese bauten die Insel Seriphus an.
(7) Salmoneus wohnte zuerst in der Gegend von Thessalien; kam aber nachher nach Elis und baute daselbst eine Stadt. Der Uebermüthige wollte sich dem Zeus gleich stellen, wurde aber für diese Gottlosigkeit bestraft. Er gab sich für Zeus aus, befahl, daß ihm zu Ehren geopfert werden sollte, und entzog so dem Gotte die gebührenden Opfer. Er schleppte an seinem Wagen ausgetrocknete Felle und eherne Kessel nach, und hieß Das – donnern; warf brennende Kerzen in die Luft, und hieß Das – blitzen. Zeus aber erschlug ihn mit dem Donner und vertilgte die von ihm erbaute Stadt samt allen ihren Bewohnern.
(8) Tyro, die Tochter des Salmoneus und der Alcidice, die bei Cretheus, ihres Vaters Bruder, erzogen worden war, verliebte sich in den Fluß Enipeus, an dessen Bette sie unaufhörlich ihre Besuche machte, ihre [Liebes-] Thränen mit seinen Wellen mischend. Poseidon nahm die Gestalt des Enipeus an, und beschlief sie; sie gebar darauf heimlich Zwillinge und setzte sie aus. Während die Säuglinge so dalagen, trieben Pferdehirten vorüber, und eine Stute berührte mit dem Hufe eines der Kinder, so daß ein Theil des Gesichtchens mit Blut unterlief. Ein Pferdehirte aber nahm die beiden Knaben auf, erzog sie und nannte den Blutrünstigen Pelias, den Andern Neleus. Als sie herangewachsen waren, lernten sie ihre Mutter kennen, und tödteten ihre Stiefmutter Sidero. Sie hatten nämlich erfahren, daß ihre Mutter von Dieser mißhandelt worden war, und erhoben sich deswegen gegen sie. Sidero floh zwar eiligst in den Hain der Here; aber Pelias tödtete sie am Altare selbst, wie er sich denn überhaupt immer unehrerbietig gegen Here betrug. (9) Später standen die Brüder selbst wider einander auf; Neleus wurde vertrieben, und kam nach Messene, wo er Pylus erbaute. Hier ehlichte er die Zoditer des Amphion, Chloris, die ihm eine Tochter schenkte, Namens Pero, nebst mehreren Söhnen, Taurus und Asterius, Pylaon, Deïmachus, Eurybius, Epidaus, Rhadius, Eurymenes, Evagoras, Alastor, Nestor, Periclymenus. Letzterem hatte Poseidon die Gabe verliehen, verschiedene Gestalten anzunehmen. Allein, ob er gleich, im Kampfe mit Heracles, als Dieser Pylos zerstörte und plünderte, bald ein Löwe, bald eine Schlange, bald eine Biene wurde, so starb er doch von Heracles Hand, zugleich mit den übrigen Söhnen des Meleus. Nestor war der Einzige, der gerettet wurde, da er sich, eben bei den Gereniern [in Messenien] aufhielt, wo er erzogen ward. Dieser vermählte sich nachher mit Anaxibia, des Cratieus Tochter, und zeugte mit ihr Töchter, die Pisidice und Polycaste; und Söhne, den Perseus, Stratius, Aretus, Echephron, Pisistratus, Antilochus und Thrasymedes.
(10) Pelias hatte seinen Wohnsitz in der Gegend von Thessalien aufgeschlagen, und sich mit Anaxibia, des Bias Tochter, nach Andern mit Philomache, des Amphions Tochter, vermählt. Seine Nachkommenschaft bestand in einem Sohne, Acastus, und Töchtern, Pisidice, Pelopia, Hippothoë, Alcestis. (11) Cretheus baute Jolcus, und ehlichte die Tochter seines Bruders Salmoneus, Tyro, die ihm die Söhne Aeson, Amythaon, Pheres gebar. Amythaon wohnte in PyIus und vermählte sich mit Idomene, des Pheres Tochter; von ihr bekam er zwei Söhne: Bias und Melampus. Der Letztere lebte auf dem Lande, und vor seiner Wohnung stand eine Eiche, in der ein Schlangennest war. Während nun seine Diener die Schlangen tödteten, sammelte er Holz und verbrannte die älteren Thiere; die junge Schlangenbrut zog er auf. Als diese Jungen herangewachsen waren, umstanden sie einst, während er schlief, aufgerichtet seine Schultern von beiden Seiten, und reinigten sein Gehörorgan mit ihren Zungen. Als er erschrocken sich aufrichtete, verstand er die Stimmen der über ihn hinfliegenden Vögel. Von ihnen unterrichtet, sagte er den Menschen die zukünftigen Dinge vorher. Er lernte nun auch noch die Kunst, aus den Opfern zu weisssagen, und hielt endlich am Flusse Alphëus eine Unterredung mit Apollo. Sonach wurde er der ausgezeichnetste Wahrsager.
(12) Bias, Sohn des Amythaon, warb um Pero, die Tochter des Neleus. Dieser versprach, bei der Menge von Freiern, Dem seine Tochter, der ihm die Rinder des Iphiclus bringen würde. Diese befanden sich in Phylace [in Thessalien] unter Bewachung eines Hundes, so daß weder Mensch noch Thier ihnen nahe kommen konnte. Bias suchte vergeblich, die Rinder wegzustehlen, und rief deswegen seinen Bruder zur Mithülfe auf. Melampus verstand sich dazu, sagte aber voraus, der Dieb werde ertappt werden, jedoch nach einjährigem Gefängnisse die Kinder in seine Gewalt bekommen. Seinem Versprechen gemäß ging er nun nach Phylace ab, wurde auch, wie er vorausgesagt hatte, über dem Diebstahl ertappt, in Banden gelegt, und im Hause bewacht. Als das Jahr fast zu Ende war, hörte er, wie unter dem Dache die Holzwürmer hausten. Er richtete nur die Frage an sie, wie viel von dem Gebälke schon zernagt sey, und da sie ihm antworteten, es sey nur der kleinste Theil davon noch übrig, so verlangte er, sogleich in ein anderes Gebäude geführt zu werden. Kaum war Dieß geschehen, so stürzte seine bisherige Wohnung zusammen. Phylacus war hierüber sehr verwundert, und als er inne wurde, daß er den vorzüglichsten Wahrsager vor sich habe, ließ er ihn der Bande entledigen, und forderte ihn auf, zu sagen, auf welche Weise sein Sohn Iphiclus Kinder bekommen könnte. Melampus versprach Auskunft hierüber unter der Bedingung, daß er die Rinder bekäme. Jetzt schlachtete er zwei Stiere, zerstückte sie, und rief den Weissagevögeln. Da erschien denn ein Geier, und von diesem erfuhr er Folgendes: Phylacus habe einst auf dem Felde Widder zum Opfer geschlachtet, und sodann das noch blutige Messer neben Iphiclus hingelegt. Da habe den Knaben eine Furcht angewandelt, er sey entflohen; Jener aber habe dasselbe sogleich in die heilige Eiche hineingestoßen, so daß die den Baum umgebende Rinde es bedeckte. Wenn dieses Messer wieder aufgefunden sey, fuhr der Geier fort, so solle er den Rost davon abschaben, und dem Iphiclus zehen Zage lang zu trinken geben, dann werde Dieser einen Sohn zeugen. Das war es, was Melampus von dem Geier erfuhr. Das Messer fand sich, und nachdem Iphiclus den abgeschabten Rost zehen Tage lang getrunken hatte, ward ihm ein Sohn zu Theil, der den Namen Podarces erhielt. – Nun trieb Melampus die Rinder nach Pylus, erhielt die Tochter des Neleus und gab sie seinem Bruder zur Gattin. So hielt er sich eine Zeitlang in Messene auf; als aber Dionysus die Frauen in Argos in Wuth gerathen ließ, heilte er sie gegen Abtretung eines Theils des Königreichs und wohnte nun daselbst mit Bias.
(13) Von Bias und Pero stammt Talaus ab, und von Diesem und Lysimache, der Tochter des Abas und Enkelin des Melampus, stammen Adrastus, Parthenopäus, Pronax, Mecisteus, Aristomachus, und die Eriphyle, welche Amphiaraus zur Gattin nahm.
Parthenopäus bekam einen Sohn, Promachus, der mit den Epigonen gegen Theben zog.
Von Mecisteus stammt Euryalus, der gegen Troja zog; von Pronax – Lycurgus. Adrastus und Amphithea, die Tochter des Pronax bekamen Töchter, die Argia, Deïpyle, Aegialia; und Söhne, Aegialeus und Eyanippus. (14) Pheres, Sohn des Cretheus, erbaute Pherä in Thessalien, und zeugte den Admetus und Lycurgus. Lycurgus bewohnte die Gegend um Nemea, ehlichte die Eurydice, nach Andern die Amphithea, und zeugte den Opheltes, Archemorus zugenannt.
(15) Admetus beherrschte Pherä, und bewarb sich um Alcestis, des Pelias Tochter, gerade zu der Zeit, da Apoll sich bei ihm um Lohn verdingt hatte. Weil aber Pelias seine Tochter nur Dem zu geben versprochen hatte, der einen Wagen mit Löwen und wilden Ebern bespannen würde, so nahm sich Apoll seines damaligen Dienstherren an, spannte die Thiere zusammen, und gab dem Admetus das Gespann, der sie zu Pelias brachte und die Alcestis heimführte. Bei seinem Hochzeitopfer vergaß er die Artemis. Dafür fand er, als er das Brautgemach aufschloß, dasselbe von Drachengewinden angefüllt. Apoll versprach, die Göttin zu versöhnen, und erlangte von den Mören die Zusage, daß Admetus, wenn es bei ihm zum Sterben käme, vom Tode befreit seyn sollte, falls Jemand sich fände, der freiwillig den Tod für ihn übernähme, sey es Vater, oder Mutter, oder Weib. Als aber seine Todesstunde kam, wollte weder Vater noch Mutter für ihn sterben. Da übernahm Alcestis für ihn den Tod, wurde aber von der Jungfrau [Persephone] wieder zurückgeschickt. Nach Andern wurde sie von Heracles dem Hades wieder abgekämpft.
(16) Von Aeson, dem Sohne des Cretheus und der Tochter des Autolycus, Polymede, stammte Jason ab. Dieser wohnte in Jolcus, wo Cretheus und Pelias sich in die Herrschaft theilten. Letzterem gab der Gott auf seine Befragung über den Bestand seiner Herrschaft den Orakelspruch: er sollte sich vor dem Einschuhigen hüten. Eine Weissagung, die er anfangs nicht zu deuten wußte, nachher aber gar wohl verstand. Als er nämlich an dem Meere dem Poseidon ein Opfer brachte, hatte er außer vielen Andern auch den Jason dazu eingeladen. Diesen hatte die Liebe zur Landwirthschaft auf dem Felde aufgehalten, so daß er sich beeilen mußte, um noch zum Opfer zu kommen. Er durchwatete deswegen den Fluß Anaurus und trat einschuhig an’s Land, weil er den andern Schuh im Flußbette verloren hatte. Pelias sah ihn, und dieser Anblick erinnerte ihn an den Orakelspruch. Er trat deswegen dem Jason entgegen, mit der Frage: Was würdest du wohl, wenn du die Macht in Händen hättest, mit einem deiner Mitbürger angefangen habe, wenn dir ein Orakel gesagt hätte, daß du von Demselben würdest getödtet werden? Jason, sey es, daß er zufällig anderswoher auf diesen Gedanken verfiel, oder veranlaßt durch den Groll der Here, die sich von Pelias verachtet sah, und ihm dafür gerne die Medea auf den Hals geschickt hätte [vergl. I, 9, 27.] antwortete: das goldne Widderfell müßte mir ein Solcher holen. – Diese Antwort war kaum aus seinem Munde, als Pelias ihm befahl, sich nach dem Vließe auf den Weg zu machen. – Dieses Fell war in Colchis in einem Haine des Ares an einer Eiche aufgehängt, und wurde von einem nie schlafenden Drachen bewacht. Um nun den Auftrag in’s Werk zu setzen, forderte Jason den Argus, des Phrixus Sohn, zur Theilnahme an dem Abenteuer auf. Dieser ließ auf Anrathen der Athene ein Schiff von fünfzig Rudern verfertigen, das von dem Erbauer den Namen Argo bekam. Athene selbst fügte in das Vordertheil des Schiffs ein Stück von der redenden Dodonischen Eiche ein. Als nun das Schiff ausgerüstet war, so gab die Göttin dem Iason auf seine Anfrage die Erlaubniß, die Anker zu lichten, wenn er vorher die Helden von Hellas um sich versammelt hätte. Seinem Aufrufe zufolge bildete sich nun eine Sammlung von folgenden Helden: Tiphys, des Hagnius Sohn, der Steuermann des Schiffs; Orpheus, Oeagers Sohn; Zetes und Calaïs, Söhne des Boreas; Castor und Polydeuces, Söhne von Zeus; Telamon und Peleus, Söhne des Aeacus; Heracles, des Zeus Sohn; Theseus, Sohn des Aegeus; Idas und Lynceus, Söhne des Aphareus; Amphiaraus, des Oecleus, Cäneus, des Coronus, Palämon, des Hephästus oder des Aetolus Sohn. Cepheus, der Sohn des Alëus; Laërtes, des Arcisius, Autolycus, des Hermes Sohn; Atalanta, die Tochter des Schöneus; Menötius, Sohn des Actor; Actor, Sohn des Hippasus; Admetus, des Pheres Sohn. Acastus, des Pelias, Eurytus, des Hermes, Meleager, des Oeneus, Ancäus, des Lycurg, Euphemus, des Poseidon, Pöas, des Thaumacus, Butes, des Teleon Sohn; Phanus und Staphylus, die Söhne des Dionysus; Erginus, des Poseidon, Periclymenus, des Neleus, Augeas, des Helius, Iphicus, des Thestius, Argus, des Phrixus, Euryalus, des Mecisteus, Peneleos, des Hippalmus, Leïtus, des Alector, Iphitus, des Naubolus Sohn; Ascalaphus und Jalmenus, Söhne des Ares; Asterius, der Sohn des Cometus und des Elatus Sohn, Polyphemus.
(17) Diese stachen nun unter Jasons Anführung in die See, und landeten zuerst auf Lemnus, einer Insel, die damals gerade ohne Männer war, und von einer Königin, Hypsipyle, des Thoas Tochter, beherrscht wurde. Dieß war so zugegangen. Die Weiber auf Lemnus hatten die Aphrodite mit Geringschätzung behandelt, und waren dafür von der Göttin mit einem üblen Geruch bestraft worden. Dieser Umstand hatte ihre Ehmänner veranlaßt, Mädchen aus dem benachbarten Thracien gefangen wegzuführen, und zum ehlichen Umgange für sich zu gebrauchen. Als sich auf diese Weise die Lemnischen Weiber verschmäht sahen, tödteten sie ihre Väter und Ehemanner. Die einzige Hypsipyle hatte ihrem Vater Thoas einen Schlupfwinkel angewiesen, und ihn so gerettet.
Während dieses Weiberregiments nun landeten die Seefahrer auf Lemnos und beschliefen die Weiber. Hypsipyle, die dem Jason zu Theil geworden war, gebar nachher zwei Knaben, Eunëus und Nebrophonus.
(18) Von Lemnus aus landeten sie an der Küste der Dolionen, und fanden bei Cyzicus, dem Könige derselben, eine gastfreundliche Aufnahme. In der Nacht fuhren sie von da weiter, wurden aber von einem Gegenwinde ergriffen, und landeten, ohne es zu wissen, abermals bei den Dolionen. Diese standen im Wahne, ein Pelasgisches Geschwader vor sich zu haben (denn von dieser Völkerschaft wurden sie beständig bekriegt), und begannen ein Gefecht, worin kein Theil den andern erkannte. Die Argonauten tödteten Viele, unter diesen auch den Cyzicus. Als nun der Anbruch des Tags sie ihren Irrthum erkennen ließ, beklagten sie ihn sehr, und schnitten sich trauernd die Haare ab. Dem Cyzicus veranstalteten sie ein prachtvolles Begräbniß, schifften sich nach der Bestattung ein, und landeten in Mysien.
(19) Hier ließen sie den Heracles und Polyphemus zurück. Es war nämlich Hylas, der Sohn des Thiodamas, der Geliebte des Heracles, wegen seiner Schönheit von den Nymphen geraubt worden, als er ausgegangen war mit dein Auftrage, Wasser zu schöpfen. Polyphemus hatte ihn schreien gehört, sein Schwert gezogen, und war der Stimme nachgelaufen, weil er glaubte, daß Jener von Räubern entführt werde, und stieß nun auf Heracles, dem er die Sache erzählte. Während aber Beide den Hylas suchten, waren die Anker gelichtet worden. Polyphemus ließ sich in Mysien nieder, und baute die Stadt Cios, deren Herrscher er wurde. Heracles kehrte nach Argos zurück.
Nach Herodotus12 wäre der Letztere damals gleich von Anfang nicht mit abgesegelt, sondern eben im Dienste der Omphale gestanden. Pherecydes läßt ihn in Aphetä, einer Stadt Thessaliens, zurückbleiben, auf die Klage der Argo, daß sie eine solche Körpermasse nicht zu tragen vermöchte. Nach Demaratus Ueberlieferung wäre er auf dieser Fahrt nach Colchis gekommen. Dionysus läßt ihn selbst Führer der Argonauten werden.
(20) Von Mysien aus gelangten sie in das Land der Bebrycer [Bithynien], wo Amycus, ein Sohn des Poseidon und der Bithynis, herrschte. Dieser, ein starker Mann, pflegte die an seiner Küste landenden Fremdlinge zu nöthigen, daß sie sich in einen Faustkampf mit ihm einließen, und räumte sie auf diese Weise aus dem Wege. Er näherte sich nun auch damals der Argo, und forderte den Rüstigsten zum Faustkampfe heraus. Polydeuces unternahm es, sich mit ihm einzulassen, und versetzte ihm dabei einen so gewaltigen Schlag in den Nacken, daß er starb. Da zogen die Bebrycer gegen ihn heran, aber die Erlesensten der Seefahrer griffen zu den Waffen, schlugen sie in die Flucht, und tödteten Viele.
(21) Sie fuhren nun weiter und kamen zur Thrazischen Stadt Salmydessus, wo der blinde Seher Phineus sich aufhielt. Er war dem Vernehmen nach ein Sohn des Agenor, oder nach Andern des Poseidon, und wurde des Augenlichts beraubt, einer Erzählung nach von den Göttern, weil er den Menschen die Zukunft enthüllt hatte; einer andern Sage nach von Boreas und den Argonauten, weil er auf Zureden der Stiefmutter seine eigenen Kinder geblendet hatte; nach Andern endlich von Poseidon, weil er die Kinder des Phrixus über die Fahrt von Colchis nach Hellas belehrt hatte. Die Götter hatten ihm auch die Harpyien über den Hals geschickt, gefiederte Wesen, die, wenn dem Phineus der Tisch gedeckt war, vom Himmel herabflogen, das Meiste wegraubten, und die wenigen übrigen Brocken mit solchem Gestank angefüllt zurückließen, daß sie zum Essen durchaus untauglich waren.
Die Argonauten hätten gerne von ihm das Nähere über ihre Fahrt erfahren. Er versprach auch, ihnen die nöthige Belehrung zu geben, wenn sie ihn von den Harpyien befreieten. Jene setzten ihm nun einen mit Speisen besetzten Tisch vor, und sogleich flogen auch die Harpyien mit Geschrei herab und raubten die Speisen. Als das die Söhne des Boreas, Zetes und Calaïs, sahen, die selbst beflügelt waren, rießen sie ihre Schwerter heraus und verfolgten sie durch die Luft. Nach dem Spruche des Schicksals war den Harpyien bestimmt, durch die Söhne des Boreas umzukommen, und den Söhnen des Boreas, dann zu sterben, wenn sie in der Verfolgung nicht zum Ziele gelangen sollten. Von den verfolgten Harpyien fiel die Eine [gegenüber von dem Peloponnes]13 in den Fluß Tigres, der nun von ihr den Namen Harpys führt. Diese hieß Nicothoë, oder nach Andern Aëllopus. Die andere, mit Namen Ocypete oder Ocythoë, von Hesiodus Ocypode genannt, floh gegen die Propontis, und kam bis zu den Echinadischen Inseln, welche nun von ihr Strophaden genannt werden [Umkehrinseln]: sie kehrte sich nämlich um, als sie im Fluge über dieselben gekommen war, fiel aber, als sie gegen das Ufer hin kam, vor großer Ermattung mit ihrem Verfolger zugleich nieder. Apollonius in seinen Argonauten läßt Dieselben bis zu den Strophaden verfolgt werden und unbestraft bleiben, nachdem sie geschworen, den Phineus in’s künftige unangefochten zu lassen.
(22) Nach seiner Befreiung von den Harpyien belehrte nun Phineus die Argonauten über ihre Fahrt, namentlich auch über die Symplegaden. Dieß waren gewaltige Felsen im Meere, welche, von heftigen Winden getrieben, gegenseitig zusammenstießen, und so die Durchfahrt durch’s Meer versperrten. Dabei stieg dichter Nebel von ihnen auf, und das Zusammenschlagen verursachte ein entsetzliches Gekrach. Selbst den Vögeln war es unmöglich, zwischen ihnen hindurch zu kommen. Phineus rieth nun den Schifffahrern, eine wilde Taube hindurchfliegen zu lassen. Wenn sie sähen, daß diese glücklich hindurch wäre, so sollten sie ohne Bedenken hindurchschiffen; sähen sie aber dieselbe umkommen, so sollten sie die Durchfahrt nicht erzwingen wollen.
Auf diese Nachricht hin segelten sie ab, und ließen, als sie in die Nähe der Felsen gekommen waren, eine wilde Taube vom Vordertheile des Schiffs abfliegen. Sie flog glücklich hindurch, doch so, daß das Zusammenschlagen der Felsen ihr noch das Aeußerste des Schwanzes hinwegnahm. Die Seefahrer nahmen nun den Augenblick wahr, da die Felsen auseinanderfuhren, ruderten dann hitzig drauf los, und kamen mit Hülfe der Here, welche das Aeußerste des Hintertheils am Schiffe abhieb, hindurch. Von diesem Augenblicke an standen die Symplegaden fest: denn es war Bestimmung des Schicksals, daß sie gänzlich feststehen sollten, sobald ein Schiff zwischen ihnen hindurch käme.
(23) Die Argonauten kamen nun weiter zu den Mariandynern [einem Volke Bithyniens], wo sie der König Lycus freundschaftlich aufnahm. Hier hatte der Seher Idmon das Unglück, von einem Eber gestoßen zu werden und starb. Auch Tiphys fand seinen Tod, und Ancäus übernahm dessen Stelle am Steuerruder. Sie fuhren nun weiter, ließen den Fluß Thermodon [rechts] und das Gebirge Caucasus [links] zur Seite liegen, und kamen an den Fluß Phasis im Colchischen Gebiete. Als das Schiff in den Hafen eingelaufen war, begab sich Jason zu Aeëtes, machte denselben mit dem Auftrage des Pelias bekannt, und forderte ihn zur Abgabe des Fells auf. Dieser versprach, es ihm zu überliefern, wenn er ohne fremde Beihülfe die erzfüßigen Stiere anjochte. Aeëtes hatte nämlich zwei ausgezeichnet große feuerschnaubende Stiere mit ehernen Füßen von Hephästus zum Geschenk erhalten. Diese sollte, so verlangte Aeëtes, Jason anjochen, und sodann Drachenzähne säen. Schon früher hatte Cadmus in Theben einen Theil dieser Zähne gesäet, und die zweite Hälfte war von Athene dem Aeëtes zum Geschenke gemacht worden.
Während nun Jason in Verlegenheit war, wie er es nur anzugreifen hätte, um die Stiere unter das Joch zu bringen, stieg in Medea’s Herz eine Liebe zu ihm auf. Diese Medea war die Tochter des Aeëtes und der Idyia, einer Oceanide, und eine Zauberin. Aengstlich besorgt, Jason’s Leben möchte durch die Stiere gefährdet werden, versprach sie ihm ohne ihres Vaters Wissen bei der Anjochung der Stiere zu helfen, und ihm das Fell einzuhändigen, wenn er ihr eidlich die Ehe zusicherte, und sie auf der Heimfahrt nach Hellas mitnähme. Jason schwur, und empfing hierauf von ihr ein Zaubermittel, mit welchem er, nach ihrer Anweisung, Schild, Schwert und sich selbst salben sollte, bevor er an’s Werk ginge. So gesalbt, sagte sie, sey er auf die Dauer eines Tages fest gegen Feuer und Eisen. Auch entdeckte sie ihm, daß, wenn die Zähne gesäet seyen, gewaffnete Männer aus der Erde gegen ihn aufsteigen werden.
Wenn er Diese (belehrte sie ihn weiter) in einen Haufen gesammelt, erblickt hätte14, so sollte er aus der Ferne einen Stein mitten unter sie werfen, und den hierüber unter ihnen selbst entstandenen Kampf dazu benützen, sie niederzumachen. Jason faßte Alles wohl auf, salbte sich mit dem Zaubermittel und trat in den heiligen Tempelhain, wo er die Stiere aufsuchte, und sie trotz ihres Anstürmens und Feuerschnaubens anjochte. Nun säete er die Zähne, worauf sich bewaffnete Männer aus der Erde erhoben. Er aber ersah ihren dichtesten Haufen und warf ungesehen Steine unter sie. Hierauf entstand unter ihnen selbst ein Kampf, während dessen Jason hinzueilte, und sie niederstreckte.
Jetzt war zwar durch Anjochung der Stiere der Auftrag vollzogen, allein Aeëtes gab dennoch das Fell nicht heraus. Er hatte nämlich im Sinne, die Argo zu verbrennen und die Mannschaft zu tödten. Da führte Medea den Jason in der Nacht eiligst zu dem Vließe, schläferte den Wache haltenden Drachen mit Zauberkräutern ein, nahm das Fell und schiffte sich mit Jason auf der Argo ein, begleitet von ihrem Bruder Absyrtus, der ihr auch gefolgt war. Und nun wurden noch in der Nacht die Anker gelichtet.
(24) Als Aeëtes das freche Wagstück der Medea erfuhr, machte er sich auf, um das Schiff zu verfolgen. Medea sah ihn sich nähern, und tödtete [schnell besonnen] ihren Bruder, zerstückte seinen Leichnam und warf die Stücke in’s Meer. [Sie erreichte ihren Zweck;] Aeëtes sammelte die Glieder seines Sohnes, und verspätete sich in der Verfolgung. Deswegen kehrte er um, vergrub, was er von seines Sohnes Gliedern hatte retten können, und nannte den Ort Tomi [Stücke]. Von seinen Colchiern sandte er nun Viele aus, die Argo aufzusuchen, mit der Drohung, sie die Strafe der Medea leiden zu lassen, wenn sie dieselbe nicht brächten, und so zerstreuten sich Diese, der Eine da, der Andere dorthin, um ihre Nachforschungen anzustellen. Die Argonauten hatten sich indessen durch den Mord des Absyrtus den Zorn des Zeus zugezogen. Sie hatten schon die Mündungen des Flusses Eridanus [Po] im Rücken, da brach ein gräßliches Unwetter über sie los, und warf sie in der Irre umher.
Als sie nun eben an den Absyrtischen Inseln vorbeischifften, sprach das Schiff, und verkündigte, der Zorn des Zeus würde sich nicht legen, wenn sie nicht nach Ausonien reiseten, und sich durch Circe vom Morde des Absyrtus reinigen ließen. Diesem Ausspruche zufolge fuhren sie [im Eridanus stromaufwärts] an den Ligyschen und Celtischen Völkerstämmen vorüber, schifften [vom Eridanus in den Rhodanus, und aus diesem] durch das Sardonische [Sardinische] Meer, ließen Tyrrhenien [Etrurien] auf der Seite liegen und kamen nach Aeäa. Hier flehten sie die Circe um Reinigung von der Mordschuld an und wurden entsündigt.
(25) Als sie an den Sirenen vorüberschifften, stimmte Orpheus einen Gegengesang an, und hielt so die Argonauten zurück [den verlockenden Tönen zu folgen]. Der einzige Butes ließ sich verführen, zu ihnen hinauszuschwimmen; allein Aphrodite riß ihn noch weg, und versetzte ihn nach Lilybäum.
Sie waren jedoch kaum den Sirenen entronnen, da drohte dem Schiffe neue Gefahr von der Charybdis, der Scylla und den Planctischen Felsen, über welchen dichte Flammen- und Rauchsäulen hoch empor wirbelten. Zwischen diesen brachte Thetis, aufgemuntert von Here, und unterstützt von den Nereïden, das Schiff glücklich hindurch. Nun fuhren sie an der Insel Thrinacia [Sicilien] vorüber, wo Helius seine Rinderheerden hatte, und kamen zur Insel der Phäacen, Cercyra [Corcyra, Corfu], auf welcher Alcinous König war.
Die Colchier, welche das Schiff nicht finden konnten, schlugen zum Theil an den Ceraunischen Gebirgen15 ihre Wohnung auf, zum Theile begaben sie sich in das Illyrische Gebiet und bauten die Absyrtischen Inseln an. Nur Einigen von ihnen gelang es, zu den Phäacen zu kommen, und so die Argo einzuholen. Diese baten den Alcinous um Auslieferung der Medea, worauf ihnen Dieser den Bescheid gab, er wolle sie dem Jason geben, wenn sie schon sein Weib geworden; wenn sie aber noch Jungfrau sey, so wolle er sie ihrem Vater zurücksenden. Da eilte die Gattin des Alcinous, Arete, die Medea mit Jason zu verbinden. (26) In Folge dessen blieben die Colchier bei den Phäacen; die Argonauten schifften mit Medea weiter und wurden in der Nacht von einem heftigen Sturm befallen. Apollo stand auf den Melantischen Höhen, beschoß mit seinen Pfeilen das Meer und schreckte die Seefahrer mit Blitzen. Da erblickten sie in der Nähe eine Insel, an der sie vor Anker gingen. Wegen der unerwarteten Erscheinung wurde dieses Eiland von ihnen Anaphe16 benannt. Hier errichteten sie dem Apollo Aegletes [dem Blitzeschleuderer], einen Altar, opferten, und wendeten sich dann zum Schmause. Die von Arete der Medea geschenkten zwölf Dienerinnen äfften dabei die Vornehmsten im Scherze nach, woher sich auch jetzt noch die Gewohnheit der Weiber erhalten hat, bei Opfern Spässe zu treiben.
Nach ihrer Abfahrt von da wurde ihnen die Landung auf Creta von Talos verweigert. Dieß war nach Einigen ein Mann aus dem ehernen Geschlechte, nach Andern ein Geschenk des Hephästus an Minos. (Er war nämlich von Erz.) Andere nennen ihn Taurus. Er hatte eine einzige Ader, die sich vom Nacken bis zu den Fersen hinab erstreckte, und da, wo die Hautoberfläche der Ader hervortrat, war zum Schutze ein eherner Nagel durchgeschlagen. Dieser Talos machte dreimal des Tags die Runde um die Insel, um sie zu bewachen. Daher kam es, daß er damals auch die Argo heranfahren sah, und mit Steinen nach ihr warf. Medea schaffte ihn durch Ueberlistung aus dem Wege, indem sie ihn mit Zauberkräutern wahnsinnig machte, nach Andern, indem sie ihm unter dem Versprechen, ihn unsterblich zu machen, den Nagel herauszog, und so durch Abzapfung alles Blutes tödtete. Nach einer dritten Sage hätte ihn ein Pfeilschuß des Pöas, der ihn am Fersen verwundete, getödtet.
Eine Nacht über hielten sie sich hier auf, und landeten sodann an Aegina, um Wasser einzunehmen, was eine Veranlassung zum Streite unter ihnen selbst wurde. Von da fuhren sie zwischen Euböa und Locris hin, und kamen endlich nach Iolcus, nachdem die ganze Fahrt vier Monate gedauert hatte.
(27) Pelias hatte keine sonderliche Freude an der Rückkehr der Argonauten, und wollte den Aeson tödten. Dieser bat selbst um den Tod, vollendete das Opfer, sprengte noch ohne Furcht das Blut des Stiers und starb. Jasons Mutter verfluchte den Pelias wegen dieser That, und erhängte sich dann mit Hinterlassung eines unmündigen Sohnes, Promachus. Aber auch diesen, von ihr nachgelassenen, Sohn tödtete Pelias.
Jason kam jetzt zurück und übergab das Fell. Die Ausführung seines Entschlusses, wegen der erlittenen Schändlichkeiten sich zu rächen, verschob er auf gelegene Zeit, und schiffte für jetzt mit seiner Erlesenen nach dem Isthmus, woselbst er dem Poseidon das Schiff weihte.
Nun forderte er Medea auf, ihm ein Mittel ausfindig zu machen, wie er sich an Pelias rächen könne. Diese verfügte sich in den Pallast des Pelias, und redete seinen Töchtern zu, ihren Vater zu zerhacken und zu kochen, indem sie ihnen versprach, mittelst ihrer Zauberkräuter denselben zu verjüngen. Um sich Glauben zu verschaffen, zerstückte sie einen Schafbock, kochte ihn, und machte ihn so wieder zum Lamm. Die Töchter glaubten nun, zerhackten ihren Vater und kochten ihn.
(28) Acastus aber begrub den Vater unter Theilnahme der Einwohner von Jolcus, und verjagte den Jason mit der Medea aus Colchus. Diese kamen nun nach Corinth und lebten zehen Jahre lang in erwünschtem Glücke. Nach Verfluß dieser Zeit aber versprach der König Creon von Corinth dem Jason seine Tochter Glauce zur Gattin. Deswegen schickte Jason die Medea weg und heirathete Jene. Medea rief die Götter an, bei welchen ihr Jason geschworen hatte, und klagte ihnen wiederholt seine Undankbarkeit. Seiner Gemahlin aber schickte sie ein durch trügerische Mittel bezaubertes Gewand zu. Als Diese das Kleid mit Hülfe ihres Vaters anlegte, wurde sie von fressendem Feuer verzehrt. Auch ihre eigenen Kinder von Jason, Mermerus und Pheres, brachte Medea um. Hierauf empfing sie von Helius einen mit geflügelten Drachen bespannten Wagen, auf dem sie nach Athen entfloh. Bei ihrer Flucht ließ sie, wie man sagt, ihre noch unmündigen Kinder zurück, und setzte dieselben auf den Altare der Here Acräa [der hochthronenden], damit sie um Reinigung von ihrer Mordschuld bitten sollten. Die Corinthier aber nahmen sie von da weg, und bedeckten sie mit Wunden. Medea kam in Athen an, vermählte sich hier mit Aegeus und bekam einen Sohn, Medus, wurde aber später, weil sie Böses gegen Theseus im Sinne hatte, aus Athen flüchtig und sammt ihrem Sohne verbannt. Dieser bezwang nachher eine Menge fremder Völker, nannte das ganze von ihm unterjochte Land Medien, und beschloß sein Leben auf einem Feldzuge gegen die Indier.
Medea kam unerkannt nach Colchus, fand den Aeëtes durch seinen Bruder Perses des Reichs beraubt, tödtete Diesen, und setzte ihren Vater wieder auf den Thron.
Zweites Buch
1 (1) Nachdem wir nun das Geschlecht des Deucalion durchgegangen haben, wenden wir uns zunächst zu dem des Inachus.
Oceanus und Tethys bekamen einen Sohn, Inachus, nach welchem ein Fluß in Argos Inachus benannt wird. Von ihm und Melia, der Oceanide, stammten Phoroneus und Aegialeus. Als Aegialeus kinderlos gestorben war, wurde die ganze Gegend Aegialia genannt. Phoroneus gelangte nun zur Herrschaft über den ganzen, später so benannten, Peloponnes, und erzeugte mit der Nymphe Laodice den Apis und die Niobe. Apis mußte den Versuch, die Regierung des Peloponnes, den er nach sich Apia benannte, in schnöde Gewaltherrschaft umzuwandeln, mit dem Leben bezahlen. Er unterlag einer Verschwörung von Thelxion und Telchin. Nach seinem kinderlosen Tode vergöttert, erhielt er den Namen Serapis.
Niobe war die erste Sterbliche, mit der Zeus sich vermischte. Sie gebar ihm den Knaben Argus; nach dem Berichte des Acusilaus auch den Pelasgus, von welchem die, den Peloponnes bewohnenden, Pelasger sich benennen. Nach Hesiodus jedoch wäre Pelasgus selbst ein Eingeborner des Landes gewesen. Wir werden später auf ihn zurückkommen.
(2) Argus folgte nun dem Phoroneus17 in der Herrschaft, und nannte den Peloponnes nach sich Argus. In seiner Ehe mit Evadne, der Tochter des Strymon und der Neära zeugte er den Jasus, Piras, Epidaurus und den Criasus, der die Herrschaft erhielt.
Des Jasus Sohn ist Agenor, und Dessen Sohn Argus, mit dem Zunamen Panoptes [der Allessehende], weil er am ganzen Körper Augen hatte. Er zeichnete sich durch Stärke aus, tödtete den Stier, der Arcadien verwüstete, und bekleidete sich mit dessen Fell. Einem Satyr, welcher den Arcadiern Beleidigungen zufügte und ihre Heerden wegtrieb, stellte er sich entgegen, und tödtete ihn. Man erzählt ferner von ihm, er habe die Tochter des Tartarus und der Ge, Echidna, welche die Vorübergehenden beraubte, im Schlafe überfallen und getödtet. Auch rächte er den Mord des Apis, indem er die Schuldigen umbrachte.
(3) Von Argus und der Ismene, des Asopus Tochter, stammt Jasus, dessen Tochter die Jo gewesen seyn soll. Castor18, der Verfasser der „Verwirrungen in der Zeitrechnung“ und viele Trauerspieldichter nennen Inachus als Vater der Jo. Hesiodus und Acusilaus geben ihr den Piren zum Vater. Sie war eine Priesterin der Here und wurde von Zeus geschwächt. Von Here ertappt, verwandelte Dieser das Mädchen durch Berührung in eine weiße Kuh, und läugnete mit einem Schwur, ihr beigewohnt zu haben. Deswegen sagt Hesiodus, durch Liebesschwüre lade man den Zorn der Götter nicht auf sich. Here erbat sich aber von Zeus die Kuh und stellte als Wächter bei ihr Argus, den Allessehenden, auf, welchen Asclepiades19 einen Sohn von Arestor; Pherecydes20, von Inachus; Cercops21, von Argus und Ismene, der Tochter des Asopus, seyn läßt. Acusilaus22 nennt ihn einen Erdegebornen. Dieser band sie an den Oehlbaum, der in dem Haine von Mycene stand. Von Zeus beauftragt, suchte Hermes die Kuh wegzustehlen, wurde aber von Hierax verrathen, und da er es sonach nicht ingeheim thun konnte, so warf er mit einem Steine den Argus zu Tode, woher er den Beinamen Argustödter erhielt. Here aber schickte der Kuh eine Bremse zu und machte sie so rasend. In diesem Zustande kam sie zuerst zu dem, nach ihr so benannten, Ionischen Meerbusen, setzte sodann ihren Weg durch Illyrien fort, lief über den Hämus und setzte über die, damals so genannte, Thracische Meerenge, die nun von ihr den Namen Bosporus [Rindsfurth] trägt. Angekommen in Scythien und dem Cimmerischen Lande streifte sie weit and breit in der Wüste umher, durchschwamm sodann einen großen Theil des Meers von Europa und Asia, und kam zuletzt nach Aegypten, wo sie ihre frühere Gestalt wieder bekam und an dem Flusse Nilus den Knaben Epaphus gebar. Diesen verbargen die Kureten auf die Bitte der Here. Allein Zeus merkte es und brachte die Cureten um. Jo aber wandte sich, ihren Sohn zu suchen, und durchirrte ganz Syrien, denn hier – war sie benachrichtigt worden – werde Derselbe von der Gemahlin des Königs der Byblier erzogen. Nachdem sie ihren Sohn gefunden, kam sie nach Aegypten, und vermählte sich mit Telegonus, der damals die Aegyptier beherrschte. Hier errichtete sie ein Standbild der Demeter, welche die Aegyptier Isis nannten. Auch der Jo gaben sie gleicherweise den Namen Isis.
(4) Epaphus, König der Aegyptier, ehlichte die Memphis, des Nilus Tochter, und baute die nach ihr benannte Stadt Memphis. Auch zeugte er eine Tochter, Libye, von der die Gegend den Namen Libyen erhielt.
Libye gebar dem Poseidon Zwillinge, den Agenor und Belus. Agenor begab sich weg nach Phönicien, woselbst er der Stammvater eines großen Königshauses wurde. Wir werden deswegen weiter unten [s. 3. Buch], besonders auf ihn zu sprechen kommen; Belus dagegen blieb als Herrscher in Aegypten, nahm Anchinoë, des Nilus Tochter, zur Ehe, und bekam Zwillinge, den Aegyptus und Danaus; nach Euripides auch noch den Cepheus und Phineus. Dem Danaus wies Belus seinen Aufenthalt in Libyen, dem Aegyptus in Arabien an. Der Letztere unterwarf sich nachher auch das Land der Melampoden, das er nach sich Aegypten benannte. Er bekam von vielen Weibern fünfzig Söhne, Danaus eben so viele Töchter. Als nun später die Söhne des Aegyptus sich empörten, ließ Danaus aus Furcht vor ihnen, nach dem Rathe der Athene, ein fünfzigruderiges Schiff (das erste dieser Art) bauen, schiffte seine Töchter ein und ergriff die Flucht. Dann landete er auf Rhodus und errichtete der Lindischen Athene ein Standbild. Von da kam er nach Argus, wo ihn der damalige König Gelanor die Herrschaft abtrat. Die Gegend litt gerade an Wassermangel; Poseidon hatte nämlich die Quellen versiegen lassen, erbittert auf Inachus, weil Dieser die Gegend für das Eigenthum der Athene erklärt hatte. Danaus schickte deshalb seine Töchter aus, Wasser zu schöpfen. Eine von denselben, Amymone, schoß, während sie auf Wasser ausging, einen Pfeil nach einem Hirsche, traf aber einen schlafenden Satyr. Dieser fuhr auf und begehrte dem Mädchen beizuwohnen. Die plötzliche Erscheinung des Poseidon zwang nun zwar den Satyr zur Flucht, allein Amymone mußte sich dem Poseidon hingeben, und nun zeigte Dieser ihr die Quellen in Lerna.
(5) Jetzt kamen des Aegyptus Söhne nach Argos, versicherten dem Danaus das Ende ihrer Feindschaft und verlangten seine Töchter zu Gemahlinnen. Dem Danaus flößten jedoch ihre Versprechungen kein Vertrauen ein; auch hatte er ihnen seine Flucht noch nicht vergessen. Allein gerade Das bewog ihn, zu den Eheverbindungen seine Einwilligung zu geben, und die Mädchen an sie zu verloosen. Nur die Aelteste, Hypermnestra wählte er für Lynceus aus, die Gorgophone für Proteus; denn diese beiden Söhne hatte Aegyptus mit einer Gemahlin von königlichem Blute gezeugt. Von den Uebrigen wurden dem Busiris und Enceladus und Lycus und Deïphron die Töchter des Danaus, die er von Europa hatte, durch’s Loos zu Theil, nämlich Automate, Amymone, Agave, Scäa. [Diese Töchter des Danaus waren mütterlicher Seits aus königlichem Blute entsprossen. Gorgophone und Hypermnestra dagegen waren Töchter der Elephantis. Dem Lynceus fiel auch die Calyce zu.23] Ferner bekam Istrus die Hippodamia, Chalcodon die Rhodia, Agenor die Cleopatra, Chätus die Asteria, Diocorystes die Cleodamia, Alcis die Glauce, Alcmenor die Hippomedusa, Hippothous die Gorge, Euchenor die Iphimedusa, Hippolytus die Rhode. Diese zehen Söhne hatten eine Arabische Mutter. Die ihnen zugefallenen Mädchen waren Töchter der Hamadryaden [Baumnymphen], die Einen der Atlantia, die Andern der Phöbe. Dem Agaptolemus fiel Pirene zu, dem Cercestes die kleine Doris, dem Eurydamas Pharte, dem Aegius Mnestra, dem Argius Evippe, dem Archelaus Aneribia, dem Menachus Nelo. Diese sieben Männer hatten eine Phönicische Mutter, ihre Mädchen eine Aethiopische. Ungeloost wurden wegen der Namengleichheit die Töchter der Memphis den Söhnen einer Tyrischen Mutter zu Theil. So bekam Clitus die Clite, Sthenelus die Sthenele, Chrysippus die Chrysippe. Die zwölf Söhne der Nymphe Caliadne loosten um die Töchter der Flußnymphe [Najade] Polyxo. Die Söhne hießen Eurylochus, Phantes, Peristhenes, Hermus, Dryas, Potamon, Cisseus, Lixus, Imbrus, Bromius, Polyctor, Chthonius; die Mädchen aber: Autonoe, Theano, Electra, Cleopatra, Euridice, Glaucippe, Anthelia, Cleodore, Evippe, Euroto, Stygne und Bryce. Die Söhne, welche Aegyptus von den Gorgonen hatte, loosten um die Töchter der Pieria; und so erhielt Periphas die Actäa, Oeneus die Podarce, Aegyptus die Dioxippe, Metalces die Adyte, Lampus die Ocypete, die Pylarge Idmon. Folgendes sind die jüngsten Söhne. Idas bekam die Hippodice, Daïphron die Adiante, beides Töchter der Herse; Pandion die Callidice, Arbelus die Oeme, Hyperbius die Celäno, Hippocorystes endlich die Hyperippe; Söhne der Hephästine, Töchter der Crino. – Nunmehr, als Jedem seine Ehfrau zugeschieden war, theilte der Geber des Festes seinen Töchtern Dolche aus, und Diese tödteten ihre Bräutigame, sobald sie eingeschlafen waren. Die einzige Hypermnestra rettete den Lynceus, weil er ihre jungfräuliche Ehre geschont hatte. Danaus sperrte sie deswegen ein und ließ sie bewachen. Die übrigen Töchter des Danaus bergruben die Köpfe der jungen Ehemänner in Lerna, und bestatteten die Leichname außerhalb der Stadt. Von diesem Verbrechen würden sie auf Befehl des Zeus durch Athene [Minerva] und Hermes gereinigt. Die Hypermnestra gab Danaus nachher doch dem Lynceus zur Ehe; für seine übrigen Töchter stellte er einen Öffentlichen Wettkampf an, und überließ sie den Siegern als Preis. Amymone bekam von Poseidon einen Sohn, Namens Nauplius. Dieser war als Seefahrer grau geworden und wurde jedesmal unwillig: bei’m Tode Soldher , die in’s Meer fielen. Nun traf ihn aber selbst das Loos, demselben Tode zu unterliegen, über den er bei Andern ungehalten geworden war. Vor seinem Tode hatte er sich nach dem Berichte der Trauerspieldichter mit Clymene, des Catreus Tochter, nach dem Verfasser der „Rückkehren“24 mit Philyra, nach Cecrops mit Hesione vermählt, und den Palamedes, Oeax und Nausimedon gezeugt.
2 (1) Lynceus, der dem Danaus in der Regierung von Argos folgte, zeugte mit Hypermnestra einen Sohn Abas: Von Diesem und Ocalia, der Tochter des Mantineus, stammten Zwillingssöhne, Acrisius und Prötus, die schon Händel mit einander hatten, als sie noch in Mutterleibe waren. Groß geworden kämpften sie um die Herrschaft und wurden bei dieser Gelegenheit die Erfinder der runden Schilde. Acrisius gewann die Oberhand und vertrieb den Prötus aus Argos. Dieser begab sich nun nach Lycien zu Iobates, nach Andern zu Amphianax, und verehlichte sich mit dessen Tochter, die nach Homer, Antia, nach den Trauerspieldichtern Stheneböa hieß. Sein Schwiegervater führte ihn aber mit einem Heere Lycier wieder zurück, und er nahm die Stadt Tiryns ein, welche ihm die Cyclopen mit einer Mauer umgaben. Nun theilten die Brüder das ganze Gebiet von Argos unter sich und beherrschten Acrisius – Argos, Prötus – Tiryns. (2) Acrisius bekam von der Tochter des Lacedämon, Eurydice, eine Tochter Namens Danaë; Prötus deren drei von Stheneböa, nämlich Lysippe, Iphinoë und Iphianassa. Als diese Mädchen erwachsen waren, wurden sie wahnsinnig, nach Hesiodus, weil sie die Religionsgebräuche des Dionysus mißbilligten; nach Acusilaus, weil sie das Bildniß der Here verachtet hatten. In ihrem Wahnsinne durchirrten sie ganz Argos. Wiederum liefen sie, gänzlich verstört, durch Arcadien und den Peloponnes, und rannten in der Wüste umher.
Melampus, der Sohn des Amythaon und der Tochter des Abas, Idomene, war ein Seher, und der erste Erfinder der Heilkunde durch Arzneikräuter und Reinigungsmittel. Er versprach, die Mädchen zu heilen, falls er ein Drittheil der Herrschaft bekäme. Da nun Prötus die Heilung unter so lästigen Bedingungen nicht zugab, wurden die Mädchen noch rasender, und der Zustand theilte sich auch den übrigen Weibern mit; denn auch Diese verließen jetzt ihre Häuser, mordeten ihre eigenen Kinder, und irrten in die Wüsteneien hinaus. Nunmehr, als das Uebel den höchsten Grad erreicht hatte, willigte Prötus in die verlangten Bedingungen. Allein Melampus steigerte jetzt auch seine Forderungen und wollte sich erst dann zur Heilung verstehen, wenn sein Bruder Bias einen gleich großen Theil des Landes bekäme, wie er. Prötus befürchtete, Jener möchte, wenn er die Heilung länger verzögerte, noch mehr fordern, und gestattete die Heilung auf diese Bedingungen. Melampus nahm nun die Kräftigsten unter den Jünglingen zu sich, und verfolgte die Frauen mit jauchzendem Lärm und begeistertem Tanzen von den Bergen herab bis nach Sicyon. Während der Verfolgung starb die Aelteste der Töchter, Iphinoë. Den übrigen Beiden wurden Reinigungsmittel beigebracht, wodurch sie glücklich wieder zum Verstande kamen. Diese gab Prötus dem Melampus und Bias zur Ehe. Er selbst zeugte nachher einen Sohn, Megapenthas.
3 (1) Bellerophontes, der Sohn des Glaucus und Enkel des Sisyphus, hatte unvorsätzlicher Weise seinen Bruder Deliades (statt dessen von Einigen Piren, von Andern Alcimenes genannt wird) getödtet. Er begab sich deswegen zu Prötus und wurde entsündigt. Stheneböa, von unreiner Liebe gegen ihn entflammt, schickte ihm eine Einladung zu einer heimlichen Zusammenkunft zu. Auf seine Weigerung aber verläumdete sie ihn bei Prötus, und gab vor, Bellerophontes habe ihr eine schamlose Einladung zugesandt. Auf Dieses schickte Prötus, der keinen Zweifel in die Aussage seiner Gattin setzte, Jenen mit einem Briefe an Jobates, worin er Diesen aufforderte, den Bellerophontes aus dem Wege zu räumen. Jobates gab Demselben in Folge dieses Schreibens den Auftrag, die Chimära zu tödten, in der Ueberzeugung, daß er seinen Untergang durch dieses Thier finden würde, dessen Bezwingung für eine ganze Schaar, geschweige für einen Einzelnen, eine sehr schwierige Aufgabe war. Es hatte nämlich das Vordertheil eines Löwen, den Schwanz eines Drachen, und drei Köpfe, von denen der mittlere, ein Bockshaupt, Feuer spie. Mit der vereinten Kraft dreier Thiere verwüstete dieses Ungethüm das Land und zerriß die Viehheerden. Diese Chimära soll, nach Homers Angabe, von Amisodarus herangefüttert worden, und nach dem Berichte des Hesiodus ein Sprößling des Typhon und der Echidna gewesen seyn.
(2) Bellerophontes bestieg nun den Pegasus, in dessen Besitz er war, ein geflügeltes Pferd, von Medusa und Poseidon abstammend, erhob sich in die Luft, und erlegte von ihm herab die Chimära mit Pfeilen. Nach Beendigung dieses Kampfs gab ihm Jobates den Auftrag, mit den Solymern zu kämpfen, und als er auch Dieses vollbracht, befahl er ihm, mit den Amazonen zu streiten. Auch Diese wurden von ihm getödtet. Jetzt wählte der König unter seinen Lyciern Diejenigen aus, welche sich durch Jugendkraft auszuzeichnen schienen, und befahl ihnen, Demselben aufzulauern und ihn zu tödten. Allein Bellerophontes brachte auch Diese sammt und sonders um; und Jobates, staunend über seine Kraft, eröffnete ihm nun nicht blos den Inhalt des Briefs, sondern bat ihn auch, bei ihm zu bleiben, gab ihm seine Tochter Philonoë zur Gemahlin, und übertrug ihm sterbend das Reich als Erbgut.
4 (1) Acrisius befragte das Orakel wegen männlicher Nachkommenschaft, und erhielt von dem Gotte die Antwort, seine Tochter würde einen Sohn gebären, der ihn selbst um’s Leben bringen würde. Dadurch geschreckt, baute Acrisius ein unterirdisches, ehernes Gemach, worin er die Danaë bewachen ließ. Allein sie wurde dennoch geschwächt; von Prötus, wie Einige sagen, die eben hierin die Veranlassung zu dem Bruderzwiste finden wollen. Nach Andern wäre Zeus der Thäter gewesen, der, in einen Goldregen verwandelt, durch das Sparrenwerk des Dachs in den Schoos der Danaë herabrieselte und ihr so beiwohnte. Es währte nicht lange, so erfuhr Acrisius, seine Tochter habe den Perseus geboren. Allein, daß sie mit Zeus zu thun gehabt habe, davon konnte er sich nicht überzeugen; er legte daher die Tochter sammt dem Knaben in eine Kiste, und warf sie in’s Meer. Die Kiste trieb an dem Ufer von Seriphus an, und Dictys nahm den Knaben heraus und sorgte für dessen Erziehung.
Der König der Insel Seriphus, Polydectes, Bruder des Dictys, entbrannte später in Liebe gegen Danaë; weil er jedoch seinen Zweck bei ihr nicht zu erreichen wußte, da Perseus schon in’s männliche Alter getreten war: so berief er seine guten Freunde und unter Diesen namentlich auch den Perseus, zu sich, und erklärte ihnen, er habe im Sinne, sich der Sammlung von Beiträgen zu einem Hochzeitgeschenke für die Tochter des Oenomaus, Hippodamia, zu unterziehen. Da nun Perseus versicherte, bei ihm würde er keine Fehlbitte thun, und sollte es sich auch von dem Haupte der Gorgo handeln: so nahm ihn Jener beim Worte, schlug, während er sich von den Uebrigen Rosse erbat, solche von Perseus aus, und trug ihm dagegen auf, das Haupt der Gorgo zu bringen. Perseus machte sich auf den Weg und kam, unter Leitung des Hermes und der Athene, zu den Töchtern des Phorcus, Enyo, Pephredo und Dino. Dieß waren Töchter der Ceto und des Phorcus, Schwestern der Gorgonen, grauhaarig von Geburt an; sie hatten alle Drei mit einander nur ein Auge und einen Zahn, in deren Gebrauche sie gegenseitig abwechselten. Perseus nahm ihnen Beides weg, und erklärte auf ihre Bitte um Zurückgabe, er werde es ihnen nicht vorenthalten, wenn sie ihm den Weg zu den Nymphen zeigten. Diese Nymphen hatten Flügelschuhe und eine Tasche von der Art, die man Schubsack nennt25, auch einen Helm von Hundsfell. Nachdem die Phorciden ihm den Weg gezeigt hatten, gab er ihnen Zahn und Auge zurück, und kam zu den Nymphen. Hier fand er denn, was er suchte, warf den Schubsack um, schnallte die Flügelschuhe an seine Knöchel, und setzte den Helm auf’s Haupt. Mit dem letzteren bekleidet, konnte man sehen, Wen man wollte, ohne jedoch von Andern gesehen zu werden. Noch erhielt er von Hermes eine eherne Sichel und kam nun fliegend zu dem Oceanus, wo er die Gorgonen schlafend fand. Sie hießen Stheno, Euryale, Medusa. Die Letzte allein war sterblich; ihr Haupt zu holen, war deswegen Perseus ausgeschickt worden. Die Gorgonen hatten Häupter, mit Drachenschuppen übersäet, große Hauzähne wie Schweine, eherne Hände und goldne Flügel, mit welchen sie flogen. Jeden, der sie sah, verwandelten sie in Stein. Perseus stand nun bei den Schlafenden, und mit abgewandtem Angesicht, den Blick gegen seinen ehernen Schild gerichtet, in welchem er das Bild der Gorgo sah, schnitt er ihr, indem Athene ihm die Hand führte, das Haupt ab. Kaum war Dieß vollbracht, da entsprang dem Körper der Gorgo Pegasus, ein geflügeltes Roß, und Chrysaor, der Vater des Geryones. Beide waren von Poseidon gezeugt.
(3) Perseus schob nun das Haupt der Medusa in seinen Schubsack, und entfernte sich wiederum rücklings. Die Gorgonen aber hatten sich indessen vom Lager erhoben und verfolgten den Perseus, konnten ihn jedoch wegen des Helms, der ihn verbarg, nicht erblicken.
Als er nun nach Aethiopien kam, wo Cepheus herrschte, fand er dessen Tochter, Andromeda, daliegen, einem Meerhaifische zum Fraß hingeworfen. Cassiëpea, die Gattin des Cepheus hatte nämlich den Nereïden den Vorzug der Schönheit streitig gemacht und geprahlt, schöner als alle zu seyn. Darüber zürnten die Nereïden gewaltig, und Poseidon, seinen Zorn mit dem ihrigen verbindend, ließ eine Ueberschwemmung und einen Haifisch über das Land kommen. Auf den Orakelspruch des Ammon, der dem Lande Befreiung von der Plage versprach, falls die Tochter der Cassiëpea, Andromeda, dem Haifische zum Fraße vorgeworfen würde, mußte sich Cepheus, von den Aethiopiern gedrängt, bequemen, den Schritt zu thun, und band seine Tochter an einen Felsen. Perseus sah sie, verliebte sich in das Mädchen, und versprach dem Cepheus, das Seeungeheuer aus dem Wege zu räumen, wenn er ihm die gerettete Tochter zur Gattin geben wollte. Der Vertrag wurde beschworen; Perseus unternahm das Abenteuer, tödtete den Fisch und erlöste die Andromeda. Ihr früherer Verlobter, Phineus, des Cepheus Bruder, nahm hievon Anlaß, dem Perseus nachzustellen; als aber Dieser die Hinterlist erkundet, hielt er Jenem und seinen Mitverschwornen das Gorgonenhaupt entgegen und verwandelte sie so augenblicklich in Steine.
Er kam jetzt nach Seriphus, wo er seine Mutter traf, die wegen der von Polydectes versuchten Gewaltthätigkeiten mit Dictys zu den Altären geflohen war. Er begab sich deswegen zu Polydectes und hielt dem Könige und dessen zu Hülfe gerufenen Freunden abgewandten Gesichts das Gorgonenhaupt vor, wodurch Alle, die es sahen, Jeder in seiner augenblicklichen Stellung, in Stein verwandelt wurden. Er machte nun den Dictys zum Könige in Seriphus und gab die Flügelschuhe, den Schubsack und Helm dem Hermes, das Gorgonenhaupt aber der Athene. Hermes überließ die genannten Gegenstände wieder den Nymphen, und Athene setzte das Haupt der Gorgo in die Mitte ihres Schildes. Einige sagen auch, Athene selbst habe der Medusa das Haupt abgeschlagen; und zwar, weil Gorgo sich mit ihr in der Schönheit hatte messen wollen.
(4) Perseus eilte jetzt mit Danaë und Andromeda nach Argos, um den Acrisius aufzusuchen. Dieser aber verließ Argos aus Furcht vor dem Orakelspruch und begab sich in das Pelasgische Land. Hier hatte der König der Larissäer, Teutamius, zur Todesfeier seines Vaters Kampfspiele angeordnet, und Perseus begab sich ebenfalls hin, um an den Kämpfen Theil zu nehmen. Er machte die fünferlei Uebungen durch, traf aber beim Werfen der Wurfscheibe den Fuß des Acrisius und tödtete ihn auf der Stelle. Als er sich nun überzeugte, daß hiedurch der Orakelspruch in Erfüllung gegangen sey, so begrub er den Acrisius außerhalb der Stadt. Er scheute sich jedoch, nach Argos in den Landestheil des durch ihn Getödteten zurückzukehren, begab sich deswegen nach Tiryns und tauschte mit dem Sohne des Prötus, Megapenthes, dem er Argos übergab. Megapenthes herrschte sonach über die Argiver, Perseus über die Stadt Tiryns, deren Mauern er erweiterte, so daß sie auch Midea und Mycene umschloßen.
(5) Von Andromeda bekam er Söhne, und zwar, ehe er nach Hellas kam, den Perses, den er bei Cepheus zurückließ (von Diesem sollen die Perserkönige abstammen); in Mycene den Alcäus, Sthenelus, Helëus, Mestor und Electryon: endlich eine Tochter, Gorgophone, die nachherige Gemahlin des Perieres. Von Alcäus und Hipponome, der Tochter des Menöceus, stammte hinwiederum ein Sohn, Amphitryon, und eine Tochter, Anaxo.
Von Mestor und Lysidice, der Tochter des Pelops, stammt Hippothoë. Diese raubte Poseidon, brachte sie auf die Echinadischen Inseln und beschlief sie daselbst, worauf sie den Taphius gebar, der Taphus baute und die Leute daselbst Teleboer [Fernschreier] nannte, weil er fernweggezogen war von seinem Vaterlande. Taphius bekam einen Sohn, Pterelaus. Diesen machte Poseidon durch goldnes Haar, das er auf seinem Haupte wachsen ließ, unsterblich. Pterelaus bekam eine Tochter Comätho und an männlicher Nachkommenschaft den Chromius, Tyrannus, Antiochus, Chersidamas, Mestor, Everes.
Electryon nahm die Tochter des Alcäus, Anaxo, zur Ehe und zeugte eine Tochter Alcmene, und Söhne, den Stratobates, Gorgophonos, Philonomos, Celäneus, Amphimachus, Lysinomus, Chiromachus, Anactor, Archelaus; und nach Diesem noch einen unehlichen Sohn von einer Phrygischen Sclavin, Midea, den Licymnius.
Von Sthenelus und Nicippe, des Pelops Tochter, stammten Alcinoe und Medusa, nachher auch Eurystheus, welcher König von Mycene wurde. Als es nämlich an dem war, daß Heracles geboren werden sollte, sagte Zeus in der Götterversammlung: der Sohn, welcher jetzt dem Perseus geboren würde, sollte über Mycene herrschen. Here aber beredete aus Eifersucht die Ilithyia, die Entbindung der Alcmene aufzuhalten, und beschleunigte dagegen die Geburt des Eurystheus, des Sohnes von Sthenelus, obgleich Dieser erst ein siebenmonatliches Kind war.
(6) Während Electryon über Mycene herrschte, kamen die Söhne des Pterelaus in Begleitung der Taphier, verlangten das Reich des Mestor im Namen dieses ihres mütterlichen Großvaters zurück, und trieben, da Electryon ihre Forderung nicht beachtete, seine Rinder weg. Die Söhne des Electryon widersetzten sich, und so kam es, daß sie sich in Folge jenes Vorschlags26 gegenseitig tödteten. Von den Söhnen des Electryon kam nur Licymnius, welcher noch sehr jung war, mit dem Leben davon; von Denen des Pterelaus Everes, welcher als Wache bei den Schiffen geblieben war. Die Entflohenen von den Taphiern raubten die weggetriebenen Heerden, schifften mit denselben davon und gaben sie dem Könige der Elier, Polyxenus, zur Verwahrung. Amphitryon aber löste sie bei Polyxenus aus und trieb sie nach Mycene zurück. Electryon wollte den Tod seiner Söhne rächen, übergab deswegen das Reich dem Amphitryon mit seiner Tochter Alcmene, nahm einen Eid von ihm, daß er bis zu seiner Rückkehr sie unberührt lassen wolle, und gedachte die Teleboer mit Krieg zu überziehen. Als Dieser aber die Rinder von ihm in Empfang nahm, und eine Kuh entsprang, warf Amphitryon den Knüttel, den er in der Hand hatte, nach ihr. Dieser sprang von den Hörnern ab auf das Haupt des Electryon und tödtete ihn.
Dieß war dem Sthenelus ein willkommener Vorwand, um den Amphitryon aus ganz Argos zu verjagen, und die Regierung über Mycene und Tiryns selbst zu übernehmen; die Stadt Midea übergab er den Söhnen des Pelops, Atreus und Thyestes, welche er zu diesem Zwecke hatte zu sich rufen lassen. Amphitryon, mit Alcmene und Licymnius in Theben angelangt, wurde von Creon seiner Blutschuld entladen, und gab seine Schwester Perimede dem Licymnius zur Ehe. Als jetzt Alcmene erklärte, sie würde sich nur Demjenigen zur Gattin hingeben, der ihrer Brüder Tod rächete, verstand sich Amphitryon dazu, die Teleboer zu bekriegen, und lud Creon ein, ihm in der Sache beizustehen. Dieser sicherte ihm seine Hülfe zu, falls Jener vorher das Cadmëische Land, von dem wilden Fuchse befreite, der gerade diesen Landstrich verheerte. Gleichwohl war für das Gelingen dieser Unternehmung geringe Aussicht vorhanden, da nach dem Spruche des Verhängnisses der Fuchs gar nicht einmal einzuholen war. (7) Allein das Land war übel daran, die Thebaner mußten alle Monate einen Knaben aus der Stadt dem Thiere vorwerfen, das sich durch das Zerreißen Vieler zu entschädigen drohte, wenn einmal die bestimmte Lieferung unterbliebe. Amphitryon machte sich deswegen auf den Weg nach Athen zu Cephalus, des Deïoneus Sohne, und beredete Diesen gegen einen Theil der den Teleboern abgenommenen Beute, jenen Hund auf das Thier zu hetzen, welchen Procris von Minos bekommen, und aus Creta mitgebracht hatte. Auch diesem war ein Verhängniß geworden, nämlich Alles, was er verfolgte, zu ergreifen. Zeus machte der Verfolgung des [unerreichbaren] Fuchses durch den [Alles erreichenden] Hund dadurch ein Ende, daß er Beide in Stein verwandelte. Amphitryon zog nun aus, begleitet von folgenden Kampfgenossen: Cephalus von Thoricus in Attica; Panopeus, einem Phoceer; Helëus, dem Sohne des Perseus, aus Helus, der Argeer Stadt, und Creon aus Theben und verwüstete mit Diesen die Inseln der Taphier. So lange jedoch Pterelaus lebte, konnte er Taphus nicht gewinnen; als aber die Tochter des Pterelaus, Comätho, von Liebe zu Amphitryon entflammt, ihrem Vater das goldne Haar vom Haupte schnitt, worauf Pterelaus starb: so brachte Jener alle Inseln in seine Gewalt. Die Comätho tödtete Amphitryon, schiffte mit der gewonnenen Beute nach Theben, und übergab die Inseln dem Helëus und Cephalus, welche nun Städte erbauten und beherrschten, denen sie ihre eigenen Namen beilegten.
(8) Indessen hatte Zeus die Abwesenheit des Amphitryon aus Theben benützt, und war in einer Nacht, die er bis zur dreifachen Zeit verlängerte, in Amphitryons Gestalt zu Alcmene gekommen, hatte bei ihr geschlafen, und ihr erzählt, was mit den Teleboern sich zugetragen hatte. Als nun Amphitryon nach Hause kam, fand er bei seiner Frau die freundliche Aufnahme nicht, die er erwartet hatte und fragte, woher Das rühre. Sie gab ihm zur Antwort, er sey ja bereits in der vorigen Nacht zurückgekommen und habe bei ihr gelegen. Ueber diese befremdende Antwort gab ihm nachher Tiresias den Aufschluß, daß Zeus seiner Frau einen Besuch gemacht habe.
Alcmene gebar zwei Knaben, von Zeus den Heracles, der um eine Nacht älter war, als sein Bruder; von Amphitryon den Iphicles. Als Jener acht Monate alt war, schickte Here zwei sehr große Schlangen über die Wiege, in der Absicht, das Kind zu verderben. Während nun Alcmene den Amphitryon zu Hülfe rief, richtete sich Heracles auf, würgte die Schlangen, je eine mit einer Hand, und brachte sie so um. Nach Pherecydes hätte Amphitryon selbst die Schlangen in die Wiege geworfen, um zu erfahren, welcher von beiden Knaben sein Sohn sey; und daraus, daß Iphicles floh, Heracles sich entgegen stellte, ersehen, daß Iphicles der von ihm Gezeugte sey.
(9) Heracles wurde von Amphitryon im Wagenlenken unterrichtet; von Autolycus im Ringen; im Bogenschießen von Eurytus; in der Kunst, schwerbewaffnet und geordnet zu fechten von Castor; im Zitherspiel und Gesang von Linus. Der Letztere, ein Bruder des Orpheus, war nach Theben gekommen und hatte sich daselbst eingebürgert. Heracles schlug ihn mit der Zither todt. Jener erzürnte ihn nämlich durch heftiges Hofmeistern und führte so seinen Tod herbei. Als nun Einige dem Heracles wegen des Mordes einen Proceß an den Hals hängen wollten, las er ihnen das Gesetz des Rhadamanthys vor, welcher sagt: „Wer sich an Einem räche; der die Veranlassung zu Händeln gegeben habe, sey nicht zu strafen,“ und so bewirkte er seine Lossprechung. Doch fürchtete Amphitryon, er möchte sich wieder Aehnliches zu Schulden kommen lassen, und schickte ihn deswegen zu den Ochsenheerden. Hier wuchs er auf, und that sich durch Größe und Stärke vor Allen hervor. Auch war er als Sohn von Zeus furchtbar anzusehen. Er war vier Ellen lang und Feuerglanz entstrahlte seinen Augen. Nie fehlte er im Schießen des Pfeils und Werfen des Spießes. Während seines Aufenthaltes unter den Ochsenheerden tödtete er, achtzehn Jahre alt, den Cithäronischen Löwen. Dieser, vom Cithäron herabrennend, richtete unter den Rindern des Amphitryon und Thestius Verheerungen an. (10) Letzterer war König in Thespiä. Heracles begab sich zu ihm, in der Absicht, den Löwen zu fangen. Jener bewirthete ihn fünfzig Tage lang und legte ihm, wenn er auf die Jagd ausgegangen war, alle Nacht eine Tochter auf’s Lager. Ihm waren nämlich von Megamede, der Tochter des Arnäus, fünfzig Töchter geboren worden, und es lag ihm daran, daß Alle von Heracles Kinder bekommen sollten. Heracles, in der Meinung, es sey Eine, die ihm beständig beiwohne, beschlief Alle. Nachdem er nun den Löwen bezwungen hatte, warf er desselben Haut um sich und gebrauchte den Rachen als Helm. (11) Auf seiner Heimkehr von der Jagd begegneten ihm Herolde, von Erginus gesandt, um von den Thebanern den gewöhnlichen Tribut in Empfang zu nehmen. Diesen Tribut erlegten die Thebaner dem Erginus aus folgendem Grunde. Perieres, der Wagenlenker des Menöceus, hatte den König der Minyer, Clymenus in Onchestus, einem Haine das Poseidon, durch einen Steinwurf verwundet. Man brachte den Verwundeten halbtodt nach Orchomenus und hier trug er sterbend seinem Sohne Erginus auf, seinen Tod zu rächen. Erginus führte daher ein Heer gegen Theben und ging, nachdem er nicht Wenige von den Thebanern getödtet, mit ihnen ein Versöhnungsbündniß ein, gegründet auf das eidliche Versprechen, daß ihm die Thebaner zwanzig Jahre lang einen jährlichen Tribut, bestehend in je hundert Rindern, erlegen wollten. Mit den Herolden, die, um diesen Tribut zu erheben, nach Theben zogen, traf Heracles zusammen, und behandelte sie auf eine schmähliche Weise. Er schnitt ihnen Ohren und Nasen ab, band ihnen mit Stricken die Hände um den Nacken, und sagte, diesen Tribut sollten sie dem Erginus und den Minyern bringen. Hierüber entrüstet, zog Dieser aufs neue gegen Theben zu Felde. Heracles aber, von Athene mit Waffen ausgerüstet, übernahm den Oberbefehl, tödtete den Erginus; schlug die Minyer in die Flucht und zwang sie, den Thebanern den doppelten Tribut zu entrichten. Im Gefechte war Amphitryon, der wacker gekämpft hatte, umgekommen. Heracles aber bekam, als Preis der Tapferkeit, von Creon seine älteste Tochter, Megara, zur Gattin, die ihm drei Knaben gebar, Therimachus, Creontiades, Deïcoon. Seine jüngste Tochter gab Creon dem Iphiclus, der schon vor Automedusa, der Tochter des Alcathus, einen noch jungen Sohn, Jolaus, hatte. Die Alcmene heirathete, nach Amphitryons Tode, der Sohn des Zeus, Rhadamanthos, welcher nach Ocalia in Böotien geflohen war, und daselbst seinen Wohnsitz aufgeschlagen hatte.
Von Eurytus vorher im Bogenschießen unterrichtet, bekam Heracles von Hermes ein Schwert, von Apoll Pfeile, von Hephästus einen goldnen Köcher, endlich von Athene einen Waffenrock; eine Keule schnitt er sich selbst in Nemea.
(12) Nach seiner Schlägerei mit den Minyern hatte er das Unglück, durch die grollende Here in Wahnsinn versetzt zu werden. In diesem Zustande warf er nicht nur seine eigenen Kinder von der Megara in’s Feuer, sondern auch zwei von denen des Iphiclus. Er verdammte sich deshalb selbst zur Verbannung, und wurde von Thestius gereinigt. In Delphi angelangt, fragte er den Gott, wo er wohnen sollte? Die Pythia redete ihn damals zuerst mit dem Namen Heracles an, während er vorher Alcides geheißen hatte, und gab ihm die Auskunft: wohnen sollte er in Tiryns. Daselbst habe er dem Euristheus zwölf Jahre lang zu dienen, und die [zwölf]27 Arbeiten zu verrichten, welche Dieser ihm auftragen würde. Auf diese Weise, gab sie ihm zum Schlusse zu erkennen, würde ihm, nach Vollbringung der Arbeiten die Unsterblichkeit zu Theil werden.
5 (1) Diesem Bescheide zufolge ging Heracles nach Tiryns und setzte in’s Werk, was ihm von Eurystheus befohlen wurde. Der erste Auftrag, den Dieser ihm gab, bestand darin, daß er das Fell des Nemäischen Löwen herbeibringen sollte. Dieß war ein unverwundbares Thier, von Typhon erzeugt. Er zog also gegen den Löwen aus, und kam auf seiner Fahrt nach Cleonä, wo er von einem armen Taglöhner, Namens Molorchus, gastfreundlich aufgenommen wurde. Dieser wollte eben dem Zeus ein Opferthier schlachten; Heracles bat ihn aber, dasselbe noch dreißig Tage aufzuheben; käme er bis dahin glüdlick von der Jagd zurück, so möchte er es Zeus, dem Retter, schlachten; falls er aber unterläge, möchte er es ihm selbst als einem zur Unsterblichkeit eingegangenen Helden zum Todtenopfer bringen. Nachdem er in Nemea angelangt war und den Löwen aufgesucht hatte, schoß er zuerst mit Pfeilen nach ihm; da er aber merkte, daß derselbe unverwundbar sey, verfolgte er ihn mit erhobener Keule, bis der Löwe in eine, auf beiden Seiten offene, Höhle sich flüchtete. Nun verrammelte Heracles die eine Oeffnung, rückte durch die andere dem Thiere zu Leibe, schlang den Arm um seinen Nacken, schnürte ihm die Kehle zu und hielt es fest, bis es erstickte. Jetzt legte er den Löwen auf seine Schultern, um ihn nach Mycene zu bringen. Es war der letzte von den dreißig Tagen, als er mit Molorchus wieder zusammentraf, der eben im Begriffe stand, für ihn, als einen Todten, das Opferthier darzubringen. Heracles opferte nun Zeus dem Retter, und brachte den Löwen nach Mycene. Auf Eurystheus machte die Stärke, welche Heracles hiebei an den Tag legte, einen so gewaltigen Eindruck, daß er ihm für die Zukunft verbot, in die Stadt zu kommen, uud ihm befahl, die Beweise seiner geleisteten Arbeiten nur vor den Thoren zu zeigen. Auch sagt man, er habe sich aus Furcht sogar ein ehernes Behältniß unter der Erde machen lassen, um sich darin zu verbergen, und habe einen Herold, den Copreus, des Eliers Pelops Sohn, gebraucht, um dem Heracles seine Aufträge zukommen zu lassen. Dieser Copreus hatte den Iphitus getödtet und war deswegen nach Mycene geflohen, wo er bei Eurystheus Reinigungsopfer und Aufenthalt fand.
(3) Als zweite Arbeit trug er ihm auf, die Lernäische Wasserschlange [Hyder] zu tödten. Diese, im Sumpfe zu Lerna aufgewachsen, stieg aufs Land heraus, zerriß die Heerden und verwüstete das Feld. Die Hyder war unmäßig groß, und hatte neun Häupter, von denen acht sterblich, das in der Mitte stehende unsterblich war. Er bestieg nun einen Wagen, Jolaus lenkte die Pferde, und so ging es auf Lerna los. Als er die Hyder auf einem Hügel bei den Quellen der Amymone gefunden hatte, wo ihre Höhle war, ließ er die Pferde halten, und zwang jene durch Schüsse mit brennenden Pfeilen, ihren Schlupfwinkel zu verlassen. Als sie nun hervorkam, packte er sie kräftig und hielt sie fest. Sie aber umschlang einen seiner Füße, ohne sich auf Weiteres einzulassen. Ob er nun gleich mit der Keule die Köpfe abschlug, so konnte er damit doch nicht zum Ziele kommen; war nämlich ein Haupt abgeschlagen, so wuchsen deren zwei hervor. Auch kam der Hyder ein sehr großer Krebs zu Hülfe, der ihn empfindlich in den Fuß kneipte. Deswegen rief er, als er diesen getödtet, auch seinerseits den Jolaus zu Hülfe, der einen Theil des nahen Waldes anzündete, mit den Bränden die neuwachsenden Häupter bei ihrem Entstehen überbrannte, und sie so am Hervortreten hinderte. Auf diese Weise wurde er der hervorwachsenden Köpfe Meister, schlug nun auch das unsterbliche Haupt ab, vergrub es an dem Wege, der durch Lerna nach Eleus führt, und wälzte einen schweren Stein darüber. Den Rumpf der Hyder spaltete er in zwei Theile und in die Galle tauchte er seine Pfeile.
Eurystheus aber erklärte, daß diese Arbeit nicht [unter die zwölfe] gerechnet werden dürfe, da er nicht allein, sondern mit Hülfe des Jolaus die Hyder besiegt habe.
(3) Die dritte Arbeit, welche er ihm auftrug, bestand darin, daß er die Cerynitische Hirschkuh lebendig nach Mycene bringen sollte. Diese Hirschkuh hielt sich in Oenoë auf, hatte goldne Geweihe und war der Artemis heilig. Deswegen wollte sie Heracles auch weder tödten noch verwunden, und verfolgte sie ein ganzes Jahr lang. Endlich floh das Thier, durch die Verfolgung ermüdet, auf den sogenannten Artemisischen Berg und von da zum Flusse Ladon. Als es über diesen setzen wollte, traf er dasselbe mit einem Pfeile28, ergriff es, legte es auf seine Schultern und eilte durch Arcadien. Da begegnete ihm Artemis mit Apoll, wollte ihm die Beute entreißen, und schalt auf ihn, daß er das ihr geheiligte Thier habe tödten wollen. Er schützte jedoch die Nothwendigkeit vor, schob alle Schuld auf Eurystheus, und besänftigte so den Zorn der Göttin. Und nun brachte er das Thier lebendig nach Mycene.
(4) Seine vierte Arbeit sollte nach dem Auftrage des Eurystheus seyn, den Erymanthischen Eber lebendig beizuschaffen. Dieses Thier hauste schändlich in Psophis und war aus einem Gebirge, Erymanthus genannt, hergekommen. Auf seiner Wanderung durch Pholoë nun fand Heracles gastfreundliche Aufnahme bei einem Centauren, Pholus, einem Sohne des Silenus und der Nymphe Melia; Dieser setzte dem Heracles das Fleisch gebraten vor, während er selbst es roh verzehrte. Als aber Heracles auch um Wein bat, erklärte Jener, er trage Bedenken, das gemeinschaftliche Faß der Centauren zu öffnen. Heracles aber sprach ihm Muth ein und öffnete das Faß. Dieß war nicht sobald geschehen, als die Centauren, angelockt durch den Geruch, die Höhle des Phorus umringten, mit Felsstücken und Fichtenstämmen bewaffnet. Die Ersten nun, welche es wagten, einzudringen, Anchius und Agrius, jagte Heracles durch Feuerbrände, die er warf, zurück; die Uebrigen verfolgte er mit Pfeilschüssen bis Malea. Von da29 flüchtete sie sich zu Chiron, der, durch die Lapithen von dem Berge Pelius vertrieben, sich bei Malea niedergelassen hatte. Eben als sie mit Diesem zusammentrafen, hatte Heracles auf die Centauren mit dem Bogen gezielt, und schoß einen Pfeil ab, der, durch den Arm des Elatus, unglücklicherweise in das Knie des Chiron fuhr und dort stecken blieb. Heracles lief bekümmert hinzu, zog den Pfeil heraus und legte ein Heilmittel auf, das Chiron selbst dazu hergab. Da jedoch die Wunde unheilbar war, so ließ er sich in die Höhle bringen und wünschte daselbst zu sterben. Vergeblicher Wunsch, da er unsterblich war! Nur erst, als Prometheus in ihm denjenigen Unsterblichen fand, den er als freiwilligen Einsteher an seiner Statt dem Zeus zum Tode stellen konnte, starb er. Die übrigen Centauren flohen, die Einen da-, die Andern dorthin. Einige derselben kamen zum Berge Malea, Eurytion nach Pholoë, Nessus zum Flusse Evenus; die Uebrigen fing Poseidon in Leucosia30 auf und bedeckte sie mit einem Berge. Heracles kehrte jetzt nach Pholoë zurück und fand hier neben mehreren Andern auch den Pholus todt. Dieser hatte nämlich aus einem Leichnam den Todespfeil gezogen; während er sich nun wunderte, wie ein so kleines Ding so große Männer hatte niederwerfen können, entglitt das Geschoß seiner Hand, fuhr ihm in den Fuß und tödtete ihn plötzlich. Heracles begrub den Pholus und begab sich sodann weiter, um den Eber zu jagen. Er trieb denselben mit Geschrei aus einem Dickichte heraus und verfolgte ihn in tiefen Schnee hinein, fing das erschöpfte Thier mit einem Stricke und brachte es nach Mycene.
(5) Als fünfte Arbeit trug er ihm auf, den Mist von dem Vieh des Augeas in einem Tage allein aus dem Viehhofe herauszuschaffen. Augeas war König in Elis und nach den verschiedenen Sagen ein Sohn des Helius oder des Poseidon oder des Phorbas. Er hatte eine Menge Viehheerden; Heracles kam zu ihm und versprach ihm, ohne vom Auftrage des Eurystheus Etwas zu erwähnen, den Mist in einem Tage herauszuschaffen, wenn er ihm den zehnten Theil seines Viehes überließe. Augeas, der nicht an die Möglichkeit glaubte, versprach’s. Heracles aber nahm den Sohn des Augeas, Phyleus, zum Zeugen, riß den Grund des Viehhofs auf einer Seite auf, leitete die, unweit davon fließenden, Flüsse Alphëus und Penëus durch einen Nebenkanal herzu und ließ sie durch eine andere Oeffnung ausströmen. Als aber Augeas erfuhr, daß Dieß aus Auftrag des Eurystheus geschehen sey, verweigerte er den Lohn, läugnete überdieß geradezu, einen Lohn versprochen zu haben, und erklärte sich bereit, die Streitsache einem richterlichen Ausspruche anheimzustellen. Als die Richter beisammensaßen, ein Urtheil zu geben, trat Phyleus, von Heracles aufgefordert, auf, zeugte gegen seinen Vater und erklärte, daß er allerdings über einen Lohn mit Jenem übereingekommen sey. Da ergrimmte Augeas und befahl, ehe noch ein Spruch gethan war, dem Phyleus und Heracles, sich aus Elis fortzupacken. Phyleus begab sich nun nach Dulichium und wohnte allda; Heracles aber ging nach Olenus zu Dexamenus, um vor der Hand da zu bleiben. Er kam eben dazu, als Dieser dem Centauren Eurytion seine Tochter Mnesimache gezwungener Weise zur Frau geben sollte. Von ihm zu Hülfe gerufen, tödtete er den Eurytion, gerade als derselbe der Jungfrau Gewalt anthun wollte. Eurystheus aber ließ auch diese Arbeit nicht zur bestimmten Zahl31 gelten, weil sie um Lohn verrichtet worden sey.
(6) Es kam die sechste Arbeit, die er ihm auftrug, an die Reihe. Er sollte die Stymphalischen Vögel verjagen. In der Arcadischen Stadt Stymphalus lag nämlich ein Sumpf, Stymphalis genannt, von einem großen Gehölze dicht umschattet. Dahin hatten sich unermeßlich viele Vögel geflüchtet, aus Furcht, von den Wölfen geraubt zu werden. Da nun Heracles in Verlegenheit war, auf welche Weise er die Vögel aus dem Gehölze vertreiben könnte, so gab ihm Athene eherne Klappern, die sie von Hephästus bekommen hatte. Diese schlug er auf einer unweit des Sumpfes liegenden Anhöhe zusammen und schreckte so die Vögel. Sie hielten das Getöse nicht aus, flogen furchtsam auf, und so gelang es Heracles, sie mit Pfeilen zu erlegen.
(7) Als siebente Arbeit trug er ihm auf, den Cretischen Stier herzuführen. Nach der Aussage des Acusilaus war dieß der nämliche, welcher dem Zeus die Europa über’s Meer getragen hatte. Nach Andern war es der, welcher von Poseidon aus dem Meere heraufgeschickt worden war, als Minos versprochen hatte, dem Poseidon zu opfern, was zuerst aus dem Meere auftauchen würde. Den Minos hatte damals, wie man sagt, die herrliche Gestalt des Stiers, der sich seinen Blicken darbot, verleitet, denselben unter seine Ochsenheerde zu stecken, und dem Poseidon einen andern zu opfern, und der Gott, hierüber erzürnt, hatte den Stier wild werden lassen. Gegen diesen nun zog Heracles aus und kam nach Creta. Auf seine Bitte, denselben wegnehmen zu dürfen, erklärte Minos, daß er Nichts dagegen habe, wenn Jener damit zurecht käme. Er ergriff ihn glücklich, setzte ihn zu Eurystheus über, zeigte ihm denselben, und ließ ihn sofort frei. Der Stier durchirrte hierauf ganz Sparta und Arcadien, streifte über den Isthmus nach Marathon in Attica und fügte den Inwohnern vielen Schden zu.
(8) Als achte Arbeit trug er ihm auf, die Stutten des Thraciers Diomedes nach Mycene zu bringen. Dieser war ein Sohn des Ares und der Cyrene, König der Bistonen, eines Thracischen, sehr kriegerischen Volkes. Es besaß Stutten, welche Menschenfleisch fraßen. Heracles schiffte sich mit einigen freiwilligen Begleitern ein, übermannte die bei den Krippen der Stutten aufgestellten Wächter, und brachte die Pferde an’s Gestade des Meers. Als aber die Bistonen mit Waffen zu Hülfe eilten, gab er die Stutten dem Abderus zu bewachen. Dieser war ein Sohn des Hermes, ein Locrier aus Opus, des Heracles Liebling, den aber die Stutten packten und zerrißen. Heracles kämpfte nun mit den Bistonen, tödtete den Diomedes, zwang die Uebrigen zur Flucht und gründete bei dem Grabmahle des zerrissenen Abderus eine Stadt gleichen Namens. Nun überlieferte er dem Eurystheus die Stutten; Dieser aber ließ sie los, und so kamen sie auf den Berg, Olymp genannt, wo sie von den wilden Thieren zerrissen wurden.
(9) Nun sollte Heracles, dem neunten Auftrage gemäß, den Gürtel der Hippolyta bringen. Dieß war die Königin der Amazonen, welche die Gegend um den Fluß Thermodon bewohnten; eine große Nation in kriegerischer Hinsicht, da sie männliches Wesen nicht nur hochschätzten, sondern auch selbst sich anzueignen suchten32. Hatten sie sich je einmal mit Männern eingelassen, und geboren, so erzogen sie nur die Kinder weiblichen Geschlechts. Sie preßten auch die rechte Brust hinweg, um im Wurfspießwerfen nicht gehindert zu seyn, ließen aber die linke an ihrer Stelle, um säugen zu können. Hippolyta trug, als Zeichen ihres Rangvorzugs vor Allen, den Gürtel des Ares. Nach diesem Gürtel wurde Heracles ausgeschickt, weil des Eurystheus Tochter, Admete, nach ihm gelüstete. Er nahm zu dem Ende freiwillige Kampfgenossen mit sich auf ein Schiff und landete auf der Insel Paros. Hier wohnten die Söhne des Minos, Eurymedon, Chryses, Nephalion, Philolaus. Nun hatten von der gesammten Schiffsmannschaft zwei das Unglück, durch die Söhne des Minos umzukommen. Heracles, über die Thäter entrüstet, tödtete sie auf der Stelle; die übrigen Inwohner schloß er ein und belagerte sie, bis Abgesandte mit der Bitte an ihn kamen, als Ersatz für die Umgekommenen nach eigener Wahl zwei aus ihrer Mitte zu nehmen. Er hob jetzt die Belagerung auf, wählte sich den Alcäus und Sthenelus, Enkel des Minos, aus, und begab sich nach Mysien zu Lycus, des Dascylus Sohne, der ihn gastfreundlich aufnahm. Er half dafür dem Lycus, als der Bebrycer König in’s Land einfiel, tödtete unter vielen andern Feinden auch den König Mygdon, des Amycus Bruder, nahm die Stadt der Bebrycer und gab dem Lycus ein Stück des Landes, das Dieser seinem ganzen Umfange nach Heraclea nannte.
Er lief nun in den Hafen von Themiscyra ein, wo ihm Hippolyta entgegen kam, und, nachdem sie die Absicht seines Kommens erkundet, ihm den Gürtel versprach. Allein Here begab sich in der angenommenen Gestalt einer Amazone zu der Menge der Uebrigen und sagte, die Königin werde von Fremdlingen, die angekommen seyen, geraubt. Da rannten Diese bewaffnet und zu Pferde gegen das Schiff an. Als Heracles Dieselben bewaffnet sah, glaubte er darin eine Hinterlist zu entdecken, tödtete die Hippolyta, nahm ihr den Gürtel ab, schiffte nach einem, mit den Uebrigen bestandenen, Kampfe davon und landete in Troja.
Diese Stadt war damals durch den Zorn des Apollo und Poseidon gerade in übler Lage. Apollo und Poseidon begaben sich nämlich in Menschengestalt zu Laomedon, um seinen frechen Uebermuth zu prüfen, und versprachen ihm, um Lohn Pergamus mit einer Mauer zu versehen. Nach vollendeter Arbeit verweigerte er ihnen den Lohn. Deswegen schickte Apollo eine Pest und Poseidon einen großen Meerfisch, der mit einer Sturmfluth auf’s Land kam und die Menschen auf dem Felde wegraubte. Auf den Ausspruch des Orakels: es würde Befreiung von dem Uebel erfolgen, falls Laomedon seine Tochter Hesione dem Fische zum Fraße hinwärfe, setzte er Dieselbe aus, und fesselte sie an die dem Meere nächstgelegenen Felsen. Heracles sah sie ausgesetzt daliegen, und versprach, ihre Rettung zu übernehmen, wenn ihm Laomedon die Stutten gäbe, welche Zeus als Ersatz für den Raub des Ganymedes gegeben hatte. Laomedon versprach’s, Heracles tödtete den Fisch und rettete die Hesione. Allein Laomedon verweigerte auch hier wieder die Belohnung und so fuhr Heracles unter der Drohung, Troja mit Krieg zu überziehen, weg und landete bei der Stadt Aenus.
Hier wurde er von Poltys gastfreundlich aufgenommen, schiffte sodann weiter, nachdem er am Gestade von Aenia den Sarpedon, Sohn des Poseidon und Bruder des Poltys, einen übermüthigen Frevler, mit seinen Pfeilen getödtet hatte. Er kam nun nach Thasus, einer Insel, die er nach Unterjochung der inwohnenden Thracier den Söhnen des Androgeus [Aliäus und Sthenelus] zum Bewohnen überließ. Von Thasus brach er nach Torone auf und tödtete hier im Ringkampfe den Polygonus und Telegonus, Söhne des Proteus und Enkel des Poseidon, die ihn herausgefordert hatten. Jetzt brachte er den Gürtel nach Mycene und gab ihn dem Eurystheus.
(10) Als zehnte Arbeit wurde ihm bestimmt, die Rinder des Geryones von Erythia zu bringen. Erythia war eine nahegelegene Insel des Oceanus, die jetzt Gadera heißt. Diese bewohnte Geryones, Sohn des Chrysaor und der Callirrhoe, einer Tochter des Oceanus. Er hatte einen aus drei Männern zusammengesetzten Körper; sein Leib lief nämlich in der Gegend des Magens in einen zusammen und theilte sich von den Weichen und Lenden an wieder in drei Leiber. Er besaß rothe Rinder, die dem Hirten Eurytion anvertraut waren. Bewacht wurden sie von dem zweiköpfigen Hunde Orthrus, einem Sprößlinge der Echidna und des Typhon.
Auf seinem Zuge nach den Rindern des Geryones durch Europa, kam er bei vielen wilden Völkerschaften vorbei und betrat Libyen. (Auch Tartessus hatte er berührt.) Als Denkzeichen seines Zuges errichtete er auf den Gränzen Europas und Libyens zwei sich gegenüberstehende Säulen. Als ihn auf seiner Reise Helius [der Sonnengott] sehr brannte, spannte er den Bogen gegen den Gott. Dieser, seinen Muth bewundernd, lieh ihm einen goldnen Kahn, in welchem er über den Ocean fuhr. Nun kam er nach Erythia, und schlug seine Wohnung auf dem Gebirge Abas auf. Der Hund merkte es nicht sobald, als er auf ihn losfuhr; allein Heracles empfing ihn mit dem Knüttel, erschlug ihn und tödtete auch den Rinderhirten Eurytion, der dem Hunde zu Hülfe geeilt war. Menötius, der eben die Rinder des Hades daselbst weidete, meldete dem Geryones das Geschehene. Dieser machte sich auf, traf den Heracles bei dem Flusse Anthemus, wie er die Rinder wegtrieb, ließ sich mit ihm in einen Kampf ein, erlag aber seinen Pfeilschüssen. Heracles schiffte die Rinder in seinen Kahn ein, fuhr nach Tartessus über und stellte sodann dem Helius den Kahn wieder zu. Er durchzog nunmehr Abderia und kam nach Ligya, woselbst Alebion und Dercynus, Poseidons Söhne, den vergeblichen Versuch, ihm die Rinder zu rauben, mit dem Leben bezahlen mußten. Während seines Zugs durch Tyrrhenien riß in Rhegium ein Stier aus, stürzte sich schnell in’s Meer, und schwamm nach Sicilien über. (Bei dieser Gelegenheit erhielt das nebenanliegende Land, durch das der Stier gekommen war, den Namen Italien, weil Stier auf Tyrrhenisch Italus heißt.)
Der Flüchtling kam nun auf ein Feld des Eryx, Königs der Elymer. Dieser, ein Sohn des Poseidon, steckte den Stier unter seine eigenen Heerden. Heracles gab indessen die Rinder dem Hephästus zur Verwahrung und eilte, den Verlornen aufzusuchen. Als er ihn unter den Heerden des Eryx fand, verlangte er denselben zurück. Dieser verweigerte jedoch seine Auslieferung, wenn nicht Jener ihn im Ringen unter sich bekäme. Heracles bekam ihn im Ringkampfe dreimal unter sich, tödtete ihn nun, nahm den Stier hinweg und brachte ihn sammt den Andern an das Jonische Meer. Als er aber an den Buchten des Meers angelangt war, machte Here die Rinder wüthend, so daß sie sich in die Gebirgsthäler von Thracien zerstreuten. Er lief ihnen nach, fing einige derselben gegen den Hellespont hin wieder ein, und trieb sie weiter. Diejenigen, welche er nicht mehr zu erreichen wußte, blieben von da an wild. Nachdem nun die Rinder wenigstens zum Theile, mühsam wieder beigebracht waren, ergoß er sich in Verwünschungen gegen den Fluß Strymon, der ihn durch sein damals schiffbares Bette aufhielt. Heracles füllte es mit Felsstücken und bildete so eine, für Schiffe fortan unbrauchbare, Furth. Jetzt brachte er die Rinder zu Eurystheus und übergab sie ihm. Dieser brachte sie der Here zum Opfer dar.
(11) Die Arbeiten waren nun in einem Zeitraume von acht Jahren und einem Monate vollbracht. Allein Eurystheus hatte die Arbeit mit dem Vieh des Augeas und die mit der Hyder nicht gelten lassen; deswegen übertrug er dem Heracles eine eilfte Arbeit, nämlich die goldnen Aepfel der Hesperiden zu bringen.
Diese befanden sich nicht, wie Einige gesagt haben, in Libyen, sondern auf dem Atlas bei den Hyperboreern. Ge hatte sie der Here bei ihrer Vermählung mit Zeus zum Geschenke gemacht. Sie wurden von einem unsterblichen, hundertköpfigen Drachen, einem Sprößlinge des Typhon und der Echidna, bewacht, der die Gabe hatte, sehr verschiedene und stets veränderte Stimmen von sich zu geben. Nächst ihm waren auch die Hesperiden als Wächterinnen aufgestellt: Aegle, Erythia, Hestia und Arethusa.
Heracles machte sich auf den Weg, und kam zum Flusse Echedorus. Hier forderte ihn Cycnus, des Ares und der Pyrene Sohn, zum Zweikampfe heraus. Um dessen Fall zu rächen, übernahm Ares selbst den Zweikampf; aber ein mitten zwischen Beide geschleuderter Blitz trennte die Kämpfer. Er schritt nun weiter durch das Illyrische, eilte über den Fluß Eridanus und kam zu den Nymphen des Zeus und der Themis. Diese verriethen an ihn den Nereus, welchen er schlafend ergriff und band, ob er sich gleich in mancherlei verschiedene Gestalten verwandelte. Er ließ ihn auch nicht früher los, als bis er von Demselben erkundet hatte, wo die Aepfel und die Hesperiden zu finden seyen. Nachdem er darüber belehrt war, durchzog er Libyen. Ueber dieses Land herrschte ein Sohn des Poseidon, Antäus, der die Fremden zum Ringen zwang und sie so aus dem Wege räumte. Heracles, ebenfalls gezwungen, mit Demselben zu ringen, umschlang ihn mit den Armen, hob ihn auf, zerquetschte ihn frei in der Luft und tödtete ihn auf diese Weise; denn, wenn er die Erde berührte, bekam er jedesmal neu verstärkte Kraft. Dieses Umstands wegen haben ihn auch Einige für einen Sohn der Ge [Erde] ausgegeben.
Von Libyen aus ging er nach Aegypten. Ueber dieses Land herrschte Busiris, Sohn des Poseidon und der Lysianassa, der Tochter des Epaphus. Dieser opferte die Fremdlinge auf einem Altare des Zeus, einem Orakelspruche zufolge. Aegypten war nämlich neun Jahre lang von Unfruchtbarkeit heimgesucht gewesen. Da kam von Cypern her Phrasius, seiner Kunst ein Wahrsager, und verhieß das Aufhören der Unfruchtbarkeit, wenn man jährlich einen fremden Mann dem Zeus schlachten würde. Busiris machte den Anfang mit jenem Wahrsager selbst, und schlachtete dann die Fremdlinge, welche nach Aegypten kamen. So wurde denn auch Heracles ergriffen, und zu den Altären geführt. Aber er riß die Bande entzwei und erschlug den Busiris sammt seinem Sohne Amphidamas und dem Herolde Chalbes.
33[Nachdem er hierauf Asien durchwandert, landete et bei Thermydrä, dem Hafen der Lindier34. Hier spannte er einem Ochsentreiber einen Ochsen vom Wagen ab, opferte ihn und ließ sich’s dabei trefflich schmecken. Der Ochsentreiber, welcher sich keine Hülfe zu verschaffen wußte, stellte sich auf einen Berg, und verfluchte ihn von da herab. Deswegen auch jetzt noch, wenn man dem Heracles opfert, dieses mit Verwünschungen geschieht.] Als er nach Arabien kam, tödtete er den Emathion, des Tithonus Sohn, und, nachdem er Libyen bis zum äußeren Meere durchzogen, schiffte er hinüber, an der Stelle, wo er den Kahn erhalten hatte. Auf dem jenseitigen Ufer des festen Landes angelangt, erschoß er auf dem Caucasus jenen Adler, der die Leber des Prometheus fraß, einen Sprößling der Echidna und des Typhon, mit seinen Pfeilen. So befreite er den Prometheus, nahm die Feffeln hinweg35, und stellte dem Zeus als Ersatzmann den unsterblichen Chiron, der an Jenes Statt sterben wollte.
Als er aber zu den Hyperboreern und bei Atlas ankam, gab ihm Prometheus den Rath, er sollte sich nicht selbst nach den Aepfeln auf den Weg machen, sondern den Atlas dahin schicken, und einstweilen das Tragen des Himmels über sich nehmen. Heracles folgte dem Rathe und übernahm es. Atlas pflückte bei den Hesperiden drei Aepfel und kam zu Heracles zurück, wollte aber nun den Himmel nicht mehr tragen. [Heracles, als fügte er sich, erklärte36,] daß er sich nur einen Bausch von Stricken um den Kopf winden wolle. Als Atlas das hörte, legte er die Aepfel auf die Erde und trat unter das Himmelsgewölbe. Allein Heracles nahm die Aepfel vom Boden auf und ging davon. – Nach Andern hätte er dieselben nicht durch Atlas erhalten, sondern selbst gepflückt, nachdem er den bewachenden Drachen getödtet. – Er brachte nun die Aepfel dem Eurystheus, der sie dem Heracles als Geschenk zurückgab. Von Diesem erhielt sie Athene, die sie wieder an ihren Ort zurücktrug; denn es war ihrer heiligen Bestimmung zuwider, irgendwo anders niedergelegt zu werden.
(12) Als zwölfte Arbeit wurde ihm aufgetragen, den Cerberus aus dem Hades zu bringen. Dieser hatte drei Hundsköpfe, einen Drachenschwanz und auf dem Rücken die Köpfe verschieden gestalteter Schlangen. Um sich für diese Fahrt zu befähigen, ging Heracles zu Eumolpus nach Eleusis und begehrte, in die Geheimnisse eingeweiht zu werden. Zwar wurden damals Fremde nach den Gesetzen nicht zur Einweihung zugelassen; gleichwohl wurde der Anfang mit seiner Einweihung gemacht, nachdem er von Pylias an Kindesstatt angenommen worden war. Da er aber zum eigentlichen Schauen der Geheimnisse nicht gelangen konnte, weil er vom Morde des Centauren noch nicht gereinigt war, so ließ er sich jetzt entsündigen, worauf von Eumolpus seine Einweihung vollbracht wurde.
Er kam nun nach Tänarus, der Stadt in Laconica, wo die Mündung des Eintritts in den Hades ist, und stieg durch dieselbe hinab. Sobald ihn die Schatten erblickten, ergriffen sie die Flucht mit Ausnahme des Meleager und der Gorgone Medusa. Segen die Letztere zückte er, als lebte sie, das Schwert, wurde aber von Hermes belehrt, daß es nur ein leeres Bild sey. Als er ganz in die Nähe der Pforten des Hades gekommen war, traf er den Theseus und den Pirithous, der sich als Freyer der Persephone eingefunden hatte und deswegen gefesselt worden war. Als sie den Heracles sahen, streckten sie die Hände nach ihm aus, als könnten sie mittelst seiner Kraft sich wieder zur Oberwelt hinaufschaffen. Er ergriff den Theseus bei der Hand und richtete ihn auf. Seinen Versuch, auch den Pirithous aufzurichten, mußte er aufgeben, weil die Erde bebte. Er wälzte jetzt auch den Stein von Ascalaphus ab, und schlachtete eins von den Rindern des Hades, um die Seelen mit Blut zu tränken. Der Hirte dieser Rinder, Menötius, Sohn des Ceuthonymus, forderte ihn deswegen zum Ringen heraus. Heracles aber packte ihn mitten um den Leib, zerbrach ihm die Rippen und gab ihn nur auf Bitte der Persephone frei. Jetzt bat er den Pluto um den Cerberus und erhielt von ihm die Erlaubniß, denselben wegzuführen, wenn er seiner ohne die Waffen, die er trage, mächtig werde. Heracles fand ihn an der Mündung des Acheron, griff ihn, blos mit seinem Brustharnisch bedeckt, und in die Löwenhaut gehüllt, an, umschlang seinen Kopf mit den Armen, und ließ ihn nicht los, ob er gleich von dem Drachen, der sich am Hintertheile des Thiers befand, gebissen wurde. So wurde er, den Nacken des Ungethüms festhaltend und zusammenschnürend, Meister über dasselbe, ergriff es und kam auf seinem Rückwege durch Trözen herauf. Den Ascalaphus verwandelte jedoch Demeter nun in eine Nachteule.
Heracles zeigte dem Eurystheus den Cerberus und brachte ihn dann in den Hades zurück.
6 (1) Nachdem die Arbeiten volbracht waren, kam Heracles nach Theben und trat die Megara an Jolaus ab. Er bekam aber selbst wieder Lust zu einer Heirath, und, als er hörte, daß Eurytus, der Herrscher von Oechalia, die Hand seiner Tochter Jole als Kampfpreis für Denjenigen ausgesetzt habe, der ihn und seine Söhne im Bogenschießen besiegen würde, so begab er sich nach Oechalia, wo er jedoch seine Absicht mit der Heirath nicht erreichte, ob er gleich Jene im Bogenschießen übertraf. Iphitus zwar, der Aelteste unter den Söhnen, versprach dem Heracles die Jole; Eurytus aber und die Uebrigen verweigerten Dieselbe, indem sie die Besorgniß vorschützten, er möchte die Kinder, die er etwa bekäme, wieder um’s Leben bringen.
(2) Nicht lange nachher, als Autolycus in Euböa Rinder gestohlen hatte, nannte Eurytus den Heracles als den Thäter. Iphitus wollte das nicht glauben, und begab sich zu Heracles. Er traf ihn, als er eben aus Pheäë kam, wo er die gestorbene Alcestis dem Admet gerettet hatte, und forderte ihn auf, ihm die Rinder suchen zu helfen. Heracles versprach’s und nahm ihn gastfreundlich auf; in einem Anfalle von wiederkehrendem Wahnsinn aber stürzte er ihn über die Mauern von Tiryns herab. Um von diesem Morde gereinigt zu werden, begab er sich zu Neleus, dem Könige der Pylier. Da jedoch Neleus wegen seiner freundschaftlichen Verhältnisse mit Eurytus ihn mit Abscheu von sich stieß; so ging er nach Amyclä und wurde von Deïphobus, des Hippolytus Sohne, gereinigt. Indessen wurde er doch wegen der Ermordung des Iphitus von einer schweren Krankheit befallen und wandte sich deshalb nach Delphi, ob er dort Genesung fände. Da ihm nun die Pythia den Spruch verweigerte, wollte er das Heiligthum plündern, trug den Dreifuß weg und errichtete ein eigenes Orakel. Apoll ließ sich deswegen mit ihm in einen Kampf ein, den aber Zeus schlichtete, indem er einen Donnerkeil zwischen die Streitenden warf. Jetzt erhielt Heracles einen Orakelspruch, nach welchem er von seiner Krankheit befreit werden sollte, wenn er zu dreijährigem Dienste verkauft würde und als Sühne für den Mord das Handgeld dem Eurytus gäbe.
(3) Diesem Orakel zufolge verkaufte Hermes den Heracles, und es erstand ihn Omphale, des Jardanes Tochter, Königin der Lydier, welcher ihr Gatte Tmolus sterbend die Herrschaft hinterlassen hatte. Eurytus nahm jedoch das ihm zugestellte Handgeld nicht an. Im Dienste der Omphale griff Heracles die bei Ephesus sich aufhaltenden Cercoper und fesselte sie. Auch den Syleus, der in Aulis die Fremden, welche ihm aufstießen, zum Graben zwang, tödtete er nebst seiner Schwester Xenodice, nachdem er ihm vorher seine Weinstöcke mit den Wurzeln ausgegraben hatte.
Als er an der Insel Doliche anfuhr, sah er den Leichnam des Icarus, von den Wellen herangespült, am Gestade liegen; begrub ihn und nannte die Insel statt Doliche Icaria. Für diesen Dienst errichtete Dädalus [des Icarus Vater] in Pisa ein sehr wohl getroffenes Bildniß des Heracles. Dieser aber, von der Dunkelheit der Nacht getäuscht, hielt es für belebt und zerschmetterte es mit einem Stein.
In die Zeit seiner Knechtschaft bei Omphale soll auch die Fahrt nach Colchi fallen, so wie die Jagd des Calydonischen Ebers und die Landung des Theseus von Trözen her auf dem Isthmus.
(4) Nach Beendigung der Knechtschaft von seiner Krankheit geheilt, schiffte er gegen Ilium mit achtzehn Fünfzigruderern, nachdem er ein Heer von auserlesenen Männern, die freiwillig dem Zuge folgen wollten, versammelt hatte. Als die landung daselbst bewerkstelligt war, übertrug er dem Oïcleus die Wache bei den Schiffen; er selbst aber mit den übrigen Helden rückte gegen die Stadt vor. Indessen war Laomedon mit einer Masse Volks über die Schiffe gekommen und tödtete den Oïcleus im Kampfe, wurde aber, als er sich wieder entfernen wollte, von den Gefährten des Heracles umzingelt. Die Belagerung wurde nun scharf betrieben, Telamon brach durch die Mauer und kam zuerst in die Stadt ein; nach ihm Heracles. Als Dieser sah, daß Telamon zuerst eingedrungen war, zückte er das Schwert und ging auf ihn los. Sobald Telamon Dieß bemerkte, las er [schnell besonnen] die nächst liegenden Steine zusammen und gab auf die Frage von Jenem, was er denn da mache, zur Antwort: Einen Altar bau’ ich für Heracles Callinicus [den herrlichen Sieger]. Da lobte ihn Dieser und ertheilte ihm nachher, als er die Stadt erobert und den Laomedon sammt seinen Söhnen, mit Ausnahme des Podarces, niedergeschossen hatte, des Laomedon Tochter, Hesione, als Siegespreis. Auch gab er Dieser noch die Erlaubniß, nach eigener Wahl Einen von den Gefangenen mit sich zu nehmen. Sie wählte ihren Bruder Podarces; Heracles aber erklärte: der müße erst Sclave gewesen seyn; dann möge sie ihn um den Preis, welchen sie für ihn geben wolle, hinnehmen. Als er nun verkauft war, riß sie ihr Kopfzeug vom Haupte und gab es für ihn hin. Daher bekam Podarces den Namen Priamus [der Losgekaufte].
7 (1) Als nun Heracles auf der Heimfahrt von Troja begriffen war, ließ Here schwere Ungewitter losbrechen, worüber aber Zeus so ergrimmt wurde, daß er sie aus dem Olymp schwebend herabhängte. Heracles landete jetzt bei Co; die Coer hielten ihn für den Führer einer Seeräuberflotte, warfen mit Steinen und suchten ihn so am Landen zu hindern. Er gewann aber die Oberhand, nahm die Insel bei der Nacht und tödtete den König Eurypylus, den Sohn der Astypaläa und des Poseidon. Im Gefechte wurde Heracles von Chalcodon verwundet, jedoch von Zeus herausgerissen, so daß er keinen weiteren Schaden nahm. Nachdem er Co geplündert, kam er mit Hülfe der Athene nach Phlegra und unterstützte die Götter im Kampfe wider die Giganten.
(2) Nicht lange hernach zog er gegen Augeas zu Felde, versammelte zu diesem Ende ein Arcadisches Heer und zog freiwillige Mitstreiter von den Helden Griechenlands an sich. Als Augeas hörte, daß er von Heracles sollte mit Krieg überzogen werden, übertrug er die Feldherrnstelle bei den Eliern dem Eurytus und Cteatus, welche zusammengewachsen waren und an Stärke alle damaligen Menschen übertrafen. Sie waren Söhne der Molione und des Actor, der Sage nach des Poseidon. Actor aber war ein Bruder des Augeas. Nun hatte Heracles während des Feldzugs das Unglück, krank zu werden, und schloß deswegen mit den Molioniden ein Friedensbündniß. Als Diese aber nachher erfuhren, daß er krank sey, überfielen sie das Heer und tödteten eine Menge seiner Leute. Heracles zog sich auch dießmal zurück. Zum Zweitenmal aber, drei Isthmiaden später, da die Molioniden von den Eliern abgesandt waren, um im Namen der Stadt gemeinsam das Opfer zu bringen, – lauerte ihnen Heracles in Cleone auf, tödtete sie, führte ein Heer gegen Elis und nahm die Stadt ein. Auch den Augeas mit seinen Söhnen brachte er um’s Leben, führte den verjagten Phyleus zurück und setzte ihn in’s Reich ein. Er stiftete nun die Olympischen Spiele, errichtete dem Pelops einen Altar, und baute sechs Altäre37 für die zwölf Götter.
(3) Nach der Einnahme von Elis zog er gegen Pylus zu Felde, nahm die Stadt und tödtete Periclymenus, den Streitbarsten unter den Söhnen des Neleus, der während des Kampfs bald diese, bald jene Gestalt annahm. Hierauf tödtete er den Neleus und seine Söhne insgesammt mit Ausnahme des Nestor, der noch jung war und bei den Gereniern erzogen wurde. Während der Schlacht hatte er sogar den Hades verwundet, der den Pyliern zu Hülfe gekommen war.
Nach der Einnahme von Pylus zog er gegen Lacedämon, um die Söhne des Hippocoon zu bestrafen. Er war auf sie erbost, einmal, weil sie dem Neleus im Kampfe beigestanden waren; noch mehr aber, weil sie den Sohn des Licymnius [Oeonus] getödtet hatten. Als Dieser nämlich den Pallast des Hippocoon betrachtete, stürzte ein großer Molossischer Schäferhund auf ihn heraus; er begrüßte ihn mit einem Steinwurfe und traf. Da rannten die Söhne des Hippocoon hervor und schlugen ihn mit ihren Knüppeln todt. Um seinen Tod zu rächen, versammelte Heracles ein Heer gegen Lacedämon und lud, als er nach Arcadien kam, unter Andern auch den Cepheus mit seinen zwanzig Söhnen zum Kampfe ein; Cepheus jedoch, befürchtend, es möchten ihm die Argiver in’s Land fallen, wenn er Tegea verließe, schlug die Theilnahme am Feldzuge ab. Heracles aber, der von Athene in einer ehernen Urne eine Locke der Gorgo erhalten hatte, übergab dieselbe der Tochter des Cepheus, Sterope, mit der Bestimmung: sie sollte, wenn das Heer anrücke, die Locke, ohne auf sie hinzublicken, dreimal über die Mauern in die Höhe halten; dann werden die Feinde die Flucht ergreifen. – Hierdurch wurde Cepheus bewogen, mit seinen Söhnen auszuziehen: aber in der Schlacht kam er sammt seinen Söhnen um, und außer Diesen Iphiclus, des Heracles Bruder.
Heracles aber tödtete den Hippocoon und seine Söhne, bezwang die Stadt, führte den Tyndareus zurück und setzte ihn in’s Reich ein.
(4) Als Heracles auf seiner Fahrt Tegea berührte, schwächte er daselbst die Auge, eine Tochter des Alëus, ohne zu wissen38, daß sie eine Priesterin der Athene war. Sie gebar das Kind heimlich und legte es in dem Tempel der Athene nieder. Als hierauf die Gegend von einer Pest scharf heimgesucht wurde, trat Alëus forschend in den Tempel ein und fand die Geburt der Tochter. Er setzte das Kind auf dem Parthenischen Berge aus, wo es durch Fürsehung der Götter erhalten wurde. Eine Hirschkuh nämlich, die unlängst geworfen hatte, reichte ihm die Zitzen, und Hirten hoben nachher das Kind auf und gaben ihm den Namen Telephus. Die Auge übergab der Vater dem Nauplius, des Poseidon Sohne, um sie in’s Ausland zu verkaufen. Dieser trat sie an Teuthras, Herrscher in Teuthrania, ab, welcher sie zur Gattin nahm.
(5) Heracles kam nun nach Calydon und freite um Deïanira, des Oeneus Tochter. Er mußte um diese Heirath mit [dem Stromgott] Achelous kämpfen, der sich in einen Stier verwandelt hatte, und brach ihm ein’s von seinen Hörnern ab. Jetzt heirathete er die Deïanira. Das Horn tauschte jedoch Achelous gegen das der Amalthea wieder ein. Letztere war eine Tochter des Hämonius und besaß ein Ochsenhorn, welches nach der Aussage des Pherecydes die Kraft hatte, Speise oder Trank, was man wünschen mochte, im Ueberflusse anzuschaffen.
(6) Nunmehr zog Heracles mit den Calydoniern gegen die Thesproter zu Felde und eroberte die Stadt Ephyra, den Herrschersitz des Phylas, mit dessen Tochter Astyoche er sich einließ und so der Vater von Tlepolemus wurde. Während seines Aufenthalts bei Diesen schickte er zu Thespius und ließ ihm sagen: er sollte sieben von seinen Söhnen bei sich behalten, drei nach Theben absenden, die übrigen vierzig aber nach der Insel Sardo schicken, um dort eine Niederlassung zu gründen.
Nachdem Dieß geschehen war, schmauste er bei Oeneus; bei dieser Gelegenheit versetzte er dem Knaben des Architeles, Eunomus, als Derselbe ihm Waschwasser über die Hände goß, einen solchen Stoß mit den Faustknöcheln, daß er starb. Es war ein Verwandter des Oeneus. Der Vater des Knaben verzieh zwar, da das Unglück unvorsätzlich geschehen war; allein Heracles wollte doch lieber, dem Gesetze zufolge, der Landesverweisung sich unterwerfen und entschloß sich, zu Ceyx nach Trachin abzugehen. Er nahm Deïanira mit und kam zum Flusse Evenus, an welchem der Centaure Nessus saß und die bei dem Flusse Ankommenden um Lohn übersetzte, indem er behauptete, von den Göttern in Rücksicht auf seine Rechtlichkeit das Fahrrecht erhalten zu haben. Heracles durchschritt nun zuerst selbst den Fluß. Die Deïanira überließ er dem Nessus, der ihn um Lohn ansprach, zum Hinüberschaffen. Dieser aber legte während des Uebersetzens die Hand an sie und wollte ihr Gewalt anthun. Heracles hörte sie schreien und schoß den Nessus, als er an’s Land trat, in’s Herz. Wie er nun eben sterben wollte, rief er Jene herbei und sagte zu ihr: wenn sie ein Mittel haben wollte, um sich der Liebe des Heracles zu versichern, so solle sie den Saamen, den er hatte zur Erde fallen lassen, und das aus seiner Pfeilwunde rinnende Blut vermischen. Sie that’s und steckte das Mittel zu sich.
(7) Heracles durchzog nun die Gegend der Dryoper, und, da es ihm gerade an Nahrung gebrach, als ihm Thiodamas begegnete, der ein Paar Ochsen wegtrieb: so jochte er den einen der Ochsen los und ließ sich denselben trefflich schmecken.
Nach seiner Ankunft in Trachin, wo ihn Ceys freundschaftlich aufnahm, unterjochte er die Dryoper.
Er brach jedoch nochmals von da auf und leistete dem Könige der Dorier, Aegimius, im Kriege Beistand. Grenzstreitigkeiten hatten den Lapithen Veranlassung gegeben, unter Anführung des Coronus Denselben mit Krieg zu überziehen. Als er sich so belagert sah, rief er den Heracles zur Hülfe auf und versprach ihm einen Theil des Landes zur Belohnung. Heracles leistete ihm Beistand, tödtete den Coronus mit den Uebrigen und übergab Jenem das ganze Land, ohne Entgeld.
Er tödtete auch den Laogoras mit seinen Kindern, einen König der Dryoper, der in einem Haine des Apoll Schmäuße hielt, einen übermüthigen Mann und Kampfgenossen der Lapithen.
Als er nach Iton kam, forderte ihn Cycnus, des Ares und der Pelopia Sohn zum Zweikampfe heraus. Heracles stellte sich ein und tödtete ihn. Bei seiner Ankunft in Ormenius verweigerte ihm der König Amyntor die Durchreise. Da er sich nun auf seinem Marsche aufgehalten sah, so erschlug er auch Diesen.
Jetzt kam er nach Trachin zurück und versammelte ein Heer gegen Oechalia, um sich an Eurytus zu rächen [vergl. C. 6, 1. 2.]; mit ihm zogen aus Arcadier und Melier von Trachin, Locrer und Epicnemidier. Er tödtete den Eurytus mit seinen Söhnen und nahm die Stadt. Jetzt begrub er die Gefallenen seines Bundesheers, den Hippasus, des Ceyx Sohn, den Argeus und Melas, Söhne des Licymnius, plünderte die Stadt, und führte die Jole als Gefangene mit sich fort. Bei Cenäum, einem Vorgebirge Euböa’s landete er und errichtete dem Cenäischen Zeus einen Altar. Im Begriffe zu opfern, schickte er den Lichas nach Trachin, um sich dort ein weißes Kleid holen zu lassen. Von Diesem erfuhr Deïanira, was mit Jole vorgegangen war. Aus Besorgniß nun, er möchte Diese lieber gewinnen, und überzeugt, das vergossene Blut des Nessus sey wirklich ein Liebesmittel, bestrich sie mit demselben das Kleid. Heracles zog es an und opferte. Als nun das Kleid warm wurde und dadurch das Gift der Hyder in die Haut eindrang und sie in Fäulniß brachte: hob er zuerst den Lichas an beiden Füßen in die Höhe und schleuderte ihn in’s Meer39; dann riß er das Kleid ab, das ihm schon wie angewachsen am Leibe klebte, so daß ihm Stücke Fleisch mit abgerissen wurden. Von solchem Mißgeschick ergriffen, ließ er sich zu Schiffe nach Trachin bringen. Deïanira, die indessen Kunde von dem Vorfalle bekommen hatte, erhängte sich selbst. Heracles aber gab dem Hyllus, seinem ältesten Sohne von der Deïanira, den Befehl, die Iole zu ehlichen, sobald er in’s männliche Alter getreten sey; begab sich sodann auf den Berg Oeta (der zum Trachinischen Gebiete gehört), errichtete daselbst einen Scheiterhaufen und befahl, ihn unten anzuzünden, wenn er ihn bestiegen habe. Niemand wollte sich hiezu verstehen, bis Pöas, der nach seinen verlaufenen Schafen umherlief und gerade vorbeikam, ihn anzündete. Diesem schenkte denn auch Heracles seine Pfeile.
Als der Holzstoß brannte, nahm ihn – so erzählt die Sage – eine Wolke auf und trug ihn unter Donnerschlägen gen Himmel. Von da an wurde er der Unsterblichkeit theilhaftig, mit Here versöhnt, und bekam ihre Tochter Hebe zur Ehe, von welcher ihm die Söhne Alexiares und Anicetus geboren wurden.
(8) Seine Kinder sind folgende: Von des Thespius Töchtern und zwar insbesondere von Procris, Antileon und Threpsippus, von Lyse Eumides, von ….40 Creon, von Epilaïs Astyanax, von Certhe Jobes, von Eurybia Polylaus, von Patro Archemachus, von Meline Laomedon, von Clytippe Eurycapys; Eurypylus von Eubote, von Aglaia Antiades. Sodann Onesippus von Chryseïs, von Oria Lanomenes. Teles von Lysidice, von Entelide Menippides, von Anthippe Hippodromus, Teleutagoras von Euryce, Pylus von Hippote. Ferner von Euböa Olympus, von Nice Nicodromus, von Argele Cleolaus, von Exole Erythras, von Xanthis Homolippus, von Stratonice Atromus, Celeustanor von Iphis, Laothoës von Antis, von Antiope Alopius, Astybias von Calametis, von Phileïs Tigasis, von Aeschreïs Leucones, von Anthia41 . . . . , von Eurypyle Archedicus, von Dynaste Eratus, von Asopis Mentor, von Eone Amestrius, von Tiphyse Lynceus, Halocrates von Olympusa, von Heliconis Phalias, von Hesychia Oestrebles, von Terpsicrate Euryops, von Eleuchia Buleus, Antimachus von Nicippe, Patroclus von Pyrippe, Nephus von Praxithea, von Lysippe Erasippus, Lycurgus von . . . . ,42 Lycius von Toxicrate, Bucolus von Marse, Leucippus von Eurytele, von Hippocrate Hippozygus. Dieß die Söhne von den Töchtern des Thespius. Von den Andern stammen folgende ab: von Deïanira, des Oeneus Tochter, Hyllus, Ctesippus, Glenus, Onites. Von Megara, Creons Tochter, Therimachus, Deïcoon, Creontiades, Deïon. Von Omphale Agelaus, dem Stammvater des Crösus’schen Geschlechts. Von Chalciope, des Europylus Tochter, Thettalus; von Epicaste, der Tochter des Augeas, Thestalus; von Parthenope, des Stymphalus Tochter, Everes; von Auge, des Alëus Tochter, Telephus; von Astyoche, der Tochter des Phylas, Tlepolemus; von Astydamia, Amyntors Tochter, Ctesippus. Endlich von Autonoë, der Tochter des Pireus, Palämon.
8 (1) Nachdem Heracles unter die Götter versetzt war, flohen seine Söhne vor Eurystheus und begaben sich zu Ceyx. Als aber Eurystheus unter Kriegsdrohungen ihre Auslieferung verlangte, hielten sie sich nicht mehr für sicher, verließen Trachin und flohen durch Hellas. Von ihm verfolgt, gelangten sie nach Athen, setzten sich auf den Altar des Eleos [des Mitleids] und flehten um Beistand. Die Athener lieferten sie auch nicht aus, sondern unternahmen einen Krieg gegen Eurystheus und tödteten seine Söhne, Alexander, Iphimedon, Eurybius, Mentor und Perimedes. Den Eurystheus selbst, der auf einem Wagen floh, und schon die Scironischen Felsen im Rücken hatte, holte Hyllus noch ein und tödtete ihn. Er hieb ihm den Kopf ab und gab denselben der Alcmene, welche ihm mit spitzigen Holzpflöcken die Augen ausgrub.
(3) Nach dem Tode des Eurystheus zogen die Heracliden in den Peloponnes ein und nahmen alle Städte weg. Ein Jahr lang hatten sie mit der Wiederbesitznahme zu thun. Während dieser Zeit wüthete durch den ganzen Peloponnes eine Pest, die nach der Erklärung eines Götterspruchs durch Schuld der Heracliden selbst entstanden war, indem Diese zurückgekehrt seyen, bevor sie es rechtmäßiger Weise konnten. Deswegen verließen sie den Peloponnes wieder, kamen nach Marathon und wohnten daselbst. Nur Tlepolemus, der (vor ihrem Austritt aus dem Peloponnes) den Licymnius unvorsätzlicher Weise getödtet hatte (indem Dieser ihm unter den Stock gelaufen war, als er Einen seiner Sclaven schlug), war in ziemlich zahlreicher Begleitung nach Rhodus geflohen, wo er sich nun aufhielt.
Hyllus hatte nach dem Befehle seines Vaters die Jole geehlicht und suchte nun Mittel, die Rückehr für die Heracliden zu bewerkstelligen. Deswegen ging er nach Delphi und fragte daselbst an, wie Das wohl zu machen sey? Der Gott antwortete: Wenn sie die dritte Frucht erwarteten, so würde ihnen die Rückkehr gelingen. Hyllus glaubte unter der dritten Frucht den Zeitraum von drei Jahren verstehen zu müßen, wartete so lange und suchte dann mit einem Heere zum Wiederbesitz zu gelangen, „eine Unternehmung, die sich in einer Schlacht mit dem Arcadischen Könige Echemus, mit dem Tode des Hyllus und einem Vertrage endigte, nach welchem die Heracliden fünfzig, nach Andern hundert Jahre Nichts gegen den Peloponnes unternehmen sollten. Ein Versuch zur Wiedereinnahme von Seiten des Cleodäus lief nicht glücklicher ab, als der seines Vaters Hyllus. Nach ihm zog sein Sohn, Aristomachus, ein Urenkel“43
des Heracles gegen den Peloponnes, als Tisamenus, ein Sohn des Orestes, über die Peloponnesier herrschte. Es fiel wieder eine Schlacht vor, in der die Peloponnesier den Sieg davon trugen, und Aristomachus blieb.
Als Dessen Söhne herangewachsen waren, fragten sie das Orakel über die Rückkehr. Da nun der Gott den früheren Ausspruch wiederholte, so kagte Temenus: sein Vater sey diesem Ausspruche zu seinem Verderben gefolgt. Der Gott aber erklärte: an den Unglücksfällen seyen sie selbst schuldig, weil sie die Orakelsprüche nicht zu deuten wissen; Diese nämlich meinen die dritte Frucht nicht der Erde, sondern des Geschlechts [die dritte Generation], und unter dem Engpasse44 verstehen sie [nicht den Isthmus selbst, sondern] jenen weiteren Schlund, nämlich das dem Isthmus zur Rechten liegende Meer. Sobald Temenus Dieß vernahm, rüstete er ein Heer aus und baute Schiffe in Locri, da, wo jetzt der Ort von ihm Naupactus (Schiffswerfte) heißt. Als sich das Heer daselbst versammelt hatte, wurde Aristodemus vom Blitz erschlagen und hinterließ Zwillingssöhne von Argia, der Tochter des Autesion, den Eurysthenes und Procleus.
(3) Aber auch das Heer hatte in Naupactus Unglücksfälle durchzumachen. Es fand sich nämlich ein Seher bei demselben ein, der begeistert war und Orakelsprüche ertheilte. Sie aber hielten ihn für einen Zauberer, der zum Verderben des Heers von den Peloponnesiern abgesandt sey; deswegen warf Hippotes, der Sohn des Phylas, Enkel des Antiochus und Urenkel des Heracles, einen Wurfspieß nach ihm, der ihn traf und tödtete. In Folge dieses Vorfalls gingen die Schiffe zu Grunde und die Seemacht war dahin; die Landtruppen litten durch eine Hungernodth und so löste sich das Heer auf. Temenus befragte das Orakel über dieses Unglück. Die Antwort des Gottes war: es sey um des Sehers willen geschehen; der Mörder müße auf zehen Jahre des Landes verwiesen und dem Dreiäugigen die Feldherrnstelle übertragen werden. In Folge dessen verbannten sie den Hippotes und forschten nach dem Dreiäugigen. Da stießen sie auf Oxylus, des Andrämon Sohn, der zu Pferde saß und einäugig war; denn das andere Auge hatte er sich mit einem Pfeile ausgestoßen. Derselbe war wegen eines Mords nach Elis geflohen und jetzt nach Verfluß eines Jahrs eben auf der Rückreise von da nach Aetolien begriffen. Sie fanden hierin die Bestimmung des Orakels erfüllt und machten ihn zum Heerführer. Nun griffen sie die Feinde an, gewannen mit den Land- und Seetruppen die Oberhand und tödteten den Tisamenus, des Orestes Sohn.
Von ihrer Seite fielen die Söhne des Aegimius, Pamphilus und Dymas, welche ihnen im Kampfe beigestanden waren.
Als sie nunmehr den Peloponnes erobert hatten, errichteten sie dem Zeus, ihrem väterlichen Ahnherrn, drei Altäre, worauf sie opferten und sodann die Städte durch’s Loos vertheilten. Das erste Loos war Argos, das zweite Lacedämon, das dritte Messene. Sie ließen sich eine Urne voll Wasser bringen, und nun ward beschlossen, daß Jeder ein Loos hineinwerfen sollte. Temenus und die Söhne des Aristodemus, Procles und Eurysthenes warfen Steine hinein; Cresphontes aber, der Messene gewinnen wollte, warf eine Erdscholle hinein. Da diese sich auflöste, so konnten nur die zwei Loose zum Vorscheine kommen. Als nun das erste für Temenus, das zweite für die Söhne des Aristodemus gezogen war, bekam Cresphontes Messene. Auf den Altären, auf welchen sie opferten, fanden sie, Jeder auf dem seinigen, treffende Zeichen; Diejenigen welche Argos erhalten hatten, eine Kröte; Die, denen Lacedämon zugefallen war, einen Drachen; Die endlich, welche Messene bekommen hatten, einen Fuchs. Hinsichtlich dieser Zeichen ließen sich die Wahrsager so vernehmen: Die eine Kröte gefunden haben, werden am besten thun, in der Stadt daheim zu bleiben, denn das Thier habe keine Schutzwehr, wenn es auf der Wanderung sey; Die mit dem Drachen werden gewaltige Angreifer seyn; Die mit dem Fuchse sich durch List auszeichnen.
Temenus nun, mit Hintansetzung seiner Söhne Agelaus, Eurypylus und Callias hielt sich ganz an seine Tochter Hyrnetho und ihren Gatten Deïphontes, weswegen seine Söhne die Titanen um Lohn vermochten, ihren Vater zu morden. Als aber der Mord vollführt war, erkannte das Heer nach Recht und Gerechtigkeit der Hyrnetho und dem Deïphontes das Reich zu.
Cresphontes wurde nach kurzer Regierung über Messene sammt seinen zwei Söhnen ermordet. Polyphontes gelangte jetzt zur Herrschaft, da er Einer von den Heracliden war, und ehlichte des Ermordeten Gemahlin, Merope, wiewohl wider ihren Willen. Aber auch er wurde aus dem Wege geräumt; denn als Merope ihren dritten Sohn bekam, Aepytus mit Namen, so übergab sie Denselben ihrem Vater zur Erziehung. Als er nun erwachsen war, kehrte er heimlich zurück, tödtete den Polyphontes und übernahm die Herrschaft seines Vaters.
Drittes Buch
1 (1) Wir haben nunmehr das Inachische Geschlecht durchlaufen, soweit es die Nachkommen des Belus betrifft und Diese bis zu den Heracliden herabgeführt, und wenden uns nun sogleich zu der Geschichte des Agenor. Es wurde nämlich oben [II. Buch, 1. Cap.] von uns bemerkt, Libya habe zwei Söhne von Poseidon gehabt, den Belus und den Agenor. Von Belus, dem Könige der Aegypter, stammten die bisher Aufgeführten.
Agenor kam nach Phönicien, verehlichte sich mit Telephassa und zeugte mit ihr eine Tochter Europe und Knaben, den Cadmus, Phönix und Cilix. Andere geben der Europe nicht den Agenor, sondern den Phönix zum Vater. Zeus entbrannte für sie, verwandelte sich in einen zahmen Stier, ließ sie aufsitzen und trug sie durch das Meer nach Creta. Hier feierte er sein Beilager mit ihr, und sie gebar den Minos, Sarpedon und Rhadamanthys. Nach Homer jedoch ist Sarpedon ein Sohn des Zeus von der Laodamia, des Bellerophontes Tochter. Als Europe verschwunden war, sandte ihr Vater Agenor seine Söhne aus, sie zu suchen und erklärte ihnen, sie dürften ihm nicht mehr vor Augen kommen, bevor sie Europe gefunden hätten. Mit Diesen ging auch die Mutter Telephassa auf’s Suchen aus; auch schloß sich Thasus an, des Poseidon oder, nach Pherecydes, des Cilix Sohn. Alle angestellten Nachforschungen waren jedoch vergeblich, und da sie nun die Unmöglichkeit einsahen, die Europe aufzufinden, gaben sie den Gedanken an Heimkehr auf und ließen sich, der Eine da, der Andere dort, nieder: Phönix in Phönicien, in dessen Nähe Cilix, der den ganzen, unter ihm stehenden, Landstrich unweit des Flusses Pyramus – Cilicien nannte. Cadmus und Telephassa schlugen ihren Sitz in Thracien auf. Gleichermaßen baute auch Thasus auf einer bei Thracien gelegenen Insel eine Stadt Thasus, und wohnte daselbst.
(2) Die Europe aber nahm Asterion, der Creterkönig, zur Gemahlin und erzog ihre Kinder. Als diese herangewachsen waren, bekamen sie Streit mit einander; sie verliebten sich nämlich in einen Knaben, Namens Miletus, einen Sohn des Apollo und der Tochter des Cleochus, Aria. Da aber der Knabe sich vorzugsweise zu Sarpedon hielt, bekriegte Minos seinen Bruder und gewann die Oberhand. Jene flohen; Miletus landete in Carien, woselbst er eine Stadt gründete, die er nach sich Miletus nannte; Sarpedon dagegen leistete dem Cilix, der mit den Lyciern im Kampfe lag, gegen Abtretung von einem Theile des Gebiets Beistand und wurde so König in Lycien. Ihm verlieh Zeus, drei Menschenalter hindurch zu leben. Andere nennen Atymnius, einen Sohn des Zeus und der Cassiepea als den Gegenstand von Sarpedons Liebe, um Dessen willen er jenen Streit begonnen habe.
Rhadamanthys floh, nachdem er den Inselbewohnern Gesetze gegeben hatte, wiederum nach Böotien und ehlichte die Alcmene. Seit seinem Tode verwaltete er im Hades mit Minos das Richteramt.
Minos [II, des Ersteren Enkel] wurde als König von Creta dessen Gesetzgeber. Er vermählte sich mit Pasiphaë, der Tochter des Helius und der Perseïs oder, nach Asclepiades, mit der Crete, des Asterion Tochter, und bekam von ihr an männlicher Nachkommenschaft den Catreus, Deucalion, Glaucus und Androgeos; an weiblicher die Acalle, Xenodice, Ariadne und Phädra, und von der Nymphe Paria den Eurymedon, Nephalion, Chryses, Philolaus; von der Dexithea den Euxanthius.
(3) Nach dem kinderlosen Tode des Asterion wollte Minos die Herrschaft über Creta sich zueignen. Da man ihm Dieß nicht gestatten wollte, versicherte er, von den Göttern die Herrschaft erhalten zu haben, und setzte, um sich Glauben zu verschaffen, hinzu: es werde auf jedes seiner Gebete Gewährung erfolgen. Jetzt opferte er dem Poseidon und bat ihn, einen Stier aus den Fluthen steigen zu lassen, den er Demselben zu opfern versprach. Poseidon ließ wirklich einen ausgezeichnet schönen Stier erscheinen, und Minos brachte die Herrschaft an sich; den Stier aber steckte er unter seine Heerde und opferte einen andern. (Er war nahezu der Erste unter allen Beherrschern von Jnsein, der seine Herrschaft auf das Meer ausdehnte.)
(4) Allein Poseidon, erzürnt über ihn, weil er den Stier nicht geopfert hatte, machte diesen wild und leitete es ein, daß Pasiphaë von Begierde, nach ihm entflammt wurde. Verliebt in den Stier bediente sie sich [zu Befriedigung ihrer Lüste] der Hülfe des Dädalus, eines Baumeisters und Bildhauers, den ein Mord aus Athen vertrieben hatte. Dieser verfertigte eine hölzerne Kuh auf Rädern, machte sie inwendig hohl, zog einer Kuh die Haut ab, nähte dieselbe über die nachgebildete, stellte diese sodann auf die Aue, wo der Stier zu weiden gewohnt war, und steckte die Pasiphaë hinein. Da kam der Stier und besprang sie, wie eine rechte Ruh. Sie gebar hierauf den Asterius, Minotaurus genannt, der das Gesicht eines Ochsen hatte, am übrigen Körper aber wie ein Mensch gestaltet war. Minos schloß ihn in Folge gewisser Orakelsprüche in das Labyrinth ein, wo er ihn verwahrte. Dieses Labyrinth, ein Kunstwerk des Dädalus, war ein Gebäude, welches in dem Gewirre seiner Krümmungen den Ausgang nicht mehr finden ließ.
Das weitere, den Minotaurus, den Androgeos, die Phädra und die Ariadne Betreffende soll übrigens bei der Geschichte des Theseus unten vorkommen.
2 (1) Als Töchter von Catreus, dem Sohne des Minos, werden genannt Aërope, Clymene und Apemosyne. Sein Sohn hieß Althemenes.
Catreus befragte das Orakel über sein Lebensende, worauf ihm der Gott erwiederte, er werde durch eines seiner Kinder um’s Leben kommen. Catreus suchte diesen Ausspruch zu verheimlichen; Althamenes erfuhr ihn aber doch, und weil er besorgte, selbst der Mörder seines Vaters zu werden, so verließ er Creta mit seiner Schwester Apemosyne, wählte einen Landungsplatz auf Rhodus, stieg daselbst aus und nannte den Ort Cretenia. Eines Tages bestieg er den sogenannten Atabyrischen Berg, von wo aus er die Aussicht auf die umliegenden Inseln hatte. Als nun sein Blick auf Creta fiel, gedachte er der vaterländischen Götter und baute dem Atabyrischen Zeus einen Altar.
Nicht lange hernach wurde er Mörder seiner Schwester. Hermes hatte sich nämlich in sie verliebt, und da er die Fliehende nicht einzuholen vermochte, weil sie geschwinder auf den Füßen war, so streute er frisch abgezogene Felle auf den Weg, auf welchen sie bei ihrem Rückwege von Cretenia, wohin sie geflohen war, ausglitt und von ihm geschwächt wurde. Sie offenbarte ihrem Bruder, was vorgegangen war; er aber, in der Meinung, der Gott müße nur zur Ausrede dienen, sprang auf sie los und tödtete sie mit einem Fußtritte.
(2) Die Aërope und Clymene übergab Catreus dem Nauplius, mit dem Auftrage, sie in fremde Länder zu verkaufen. Die Eine von ihnen, Aërope, ehlichte Plisthenes, und sie gebar ihm die Söhne Agamemnon und Menelaus. Die Clymene nahm Nauplius selbst zur Gattin, und wurde der Vater von Oeax und Palamedes. Späterhin wünschte Catreus, der indessen zu Jahren gekommen war, das Reich seinem Sohne Althamenes zu übergeben, und kam deshalb nach Rhodus. Vom Schiffe aus gerieth er mit seinen Helden an eine öde Stelle der Insel, wo er von den Rinderhirten verfolgt wurde, welche der Meinung waren, es seyen Räuber eingefallen. Zwar versuchte er, mit ihnen zu sprechen und ihnen den wahren Stand der Dinge zu eröffnen; allein das Hundegebell ließ sie Nichts verstehen und so warfen sie ihn mit Steinen, bis Althamenes dazu kam, der dem Catreus einen Wurfspieß nachschleuderte und ihn so, ohne ihn zu kennen, tödtete. Als er nachher erfuhr, was geschehen war, wurde er auf sein Gebet von einer Erdschlucht verschlungen.
3 (1) Deucalions Kinder waren Idomeneus und Crete, und ein außerehlicher Sohn, Molus.
Glaucus45, noch ein Kind, fiel, als er einer Maus nachlief, in ein Honigfaß und starb. Als er verschwunden war, stellte Minos große Nachforschungen an und befragte das Orakel über die Auffindung des Knaben. Die Cureten erklärten ihm, er habe eine dreifarbige Kuh unter seinen Heerden, und Der, welcher am besten anzugeben wisse, mit Was ihr Anblick zu vergleichen sey, werde auch den Knaben wieder lebendig herbeischaffen. Als nun die Seher auf seine Einladung sich versammelt hatten, verglich Polyidus, der Sohn des Cöranus, die Farbe der Kuh sehr passend mit der Frucht eines Brombeerstrauches. Er wurde hierauf zum Suchen des Knaben genöthigt, und fand Denselben mittelst eines Orakels, das er einholte. Da aber Minos sagte: er müße seinen Sohn auch wieder lebendig haben, so wurde Jener mit dem Leichname zusammengesperrt. Während er so in großer Verlegenheit war, was wohl jetzt anzufangen sey, sah er einen Drachen auf den Leichnam losgehen. Diesen tödtete er durch einen Steinwurf, in der Furcht, selbst sterben zu müßen, wenn er mit diesem Mitleid habe. Nun erschien aber ein zweiter Drache, entfernte sich wieder, als er das Aas des ersten erblickte, und kam bald darauf mit einem Kraute zurück, das er auf den ganzen Körper des ersten legte. Sobald das Kraut aufgeleget war, stand Dieser auf. Polyidus staunte bei dem Anblicke, legte dasselbe Kraut auf den Leichnam des Glaucus, und Dieser stand auf.
(2) Minos nahm den Knaben zurück, ließ aber nun den Polyidus nicht so ohne Weiteres nach Argos zurückkehren; vielmehr sollte Derselbe vorher den Glaucus die Wahrsagerkunst lehren. Polyidus sah sich gezwungen und lehrte sie ihn. Als er aber im Begriffe stand, sich einzuschiffen, befahl er dem Glaucus, ihm in den Mund zu spucken. Glaucus that’s und hatte ebendamit die Wahrsagerkunst wiederum [für immer] vergessen.
So viel mag von den Nachkommen der Europe genug seyn.
4 (1) Des Cadmus Mutter, Telephassa, war gestorben. Er begrub sie und begab sich sodann, von den gastfreien Thraciern freundlich entlassen, nach Delphi, um Nachricht über seine verlorene Schwester Europe einzuziehen. Der Gott gab ihm die Auskunft: Er solle wegen der Europe sich nicht so viele Mühe machen, sondern eine Kuh zur Wegweiserin nehmen und da eine Stadt gründen, wo dieselbe ermattet niedersinke.
Nachdem er solchen Ausspruch erhalten, zog er durch das Gebiet der Phoceer und fand bald unter den Heerden des Pelagon eine Kuh, der er auf dem Fuße nachfolgte. Diese lief durch Böotien und sank da nieder, wo jetzt die Stadt Theben steht.
Nun wollte er die Kuh der Athene opfern und schickte deswegen Einige seiner Begleiter aus, um aus der Quelle des Ares Wasser zu holen. Diese war aber von einem Drachen bewacht, einem Sprößlinge des Ares (wie Einige behaupten), der Mehrere von den Dahingesandten zerriß. Cadmus hierüber entrüstet, tödtete den Drachen, und säete auf Anrathen der Athene die Zähne desselben. Kaum war Dieß geschehen, so erhoben sich aus der Erde bewaffnete Männer, welche man Sparten [Gesäete] nannte. Diese tödteten einander selbst, Einige, indem sie unvorsätzlich in Kampf geriethen; die Uebrigen, weil sie einander nicht kannten. Nach Pherecydes Erzählung hätte Cadmus, als er die bewaffneten Männer aus der Erde wachsen sah, Steine unter sie geworfen, und Jene wären, in der Meinung, die Würfe kämen aus ihrer Mitte, kämpfend auf einander losgegangen. Doch retteten sich fünfe Derselben: Echion, Udäus, Chthonius, Hyperenor und Pelor.
(2) Cadmus mußte für seinen, an dem Drachen verübten, Mord dem Ares ein volles Jahr dienen. (Damals umfaßte aber ein Jahr den Zeitraum von acht Jahren.)
Nach abgelaufener Dienstzeit rüstete ihm Athene die Herrschaft zu, Zeus gab ihm die Harmonia, der Aphrodite und des Ares Tochter, zur Gattin, und alle Götter verließen den Olymp, um in der Cadmeischen Burg [Theben] die Hochzeit durch einen Schmaus zu verherrlichen. Cadmus verehrte seiner Braut einen Schleier [Shawl] und jenes künstliche Halsband, das er nach Einigen von Hephästus, nach Pherecydes von Europe erhalten hatte, die von Zeus damit soll beschenkt worden seyn. Cadmus bekam Töchter, die Autonoë, Ino, Semele, Agave, und einen Sohn, Polydorus. Die Ino nahm Athamas zur Gattin; die Autonoë Aristäus; Echion die Agave. In Semele verliebte sich Zeus und hatte heimliche Zusammenkünfte mit ihr. Sie aber, von Juno hinterlistiger Weise dazu verleitet, lag dem Zeus auf sein Bersprechen ihr jeglichen Wunsch zu gewähren, mit der Bitte an, er möchte in der nämlichen Gestalt zu ihr kommen, in der er um Here geworben habe. Zeus, durch sein Wort gebunden, kam vor ihr Lager auf einem Wagen, umgeben von Blitz und Donner und den Donnerkeil schleudernd. Da warf der Schrecken die Semele in Todesunmacht nieder und sie gebar ein sechsmonatliches Kind. Zeus aber entriß die unreife Frucht dem Brande, und ließ sie sich in seine Lende einnähen. Semele war kaum verschieden, so verbreiteten die übrigen Töchter des Cadmus das Gerücht, Semele habe bei irgend einem Sterblichen gelegen, habe auf Zeus gelogen, und sey deswegen vom Blitz erschlagen worden. Aber zur gesetzten Zeit gebar Zeus, die Naht sprengend, den Dionysus, und übergab ihn dem Hermes. Dieser brachte ihn zu Ino und Athamas und beredete sie, ihn als Mädchen zu erziehen.
Die ergrimmte Here setzte Dieselben dafür in Wuth, so daß Athamas seinen ältesten Sohn Learchus wie einen Hirsch jagte und tödtete; Ino aber den Melicertes in einen siedenden Kessel warf, hernach ihn herausriß und mit dem Leichname des Knaben sich in die Fluthen stürzte. Sie heißt von da an Leucothea, der Knabe – Palämon. So werden sie von den Schiffern genannt, denen sie im Sturme Hülfe bringen.
Dem Melicertes zu Ehren wurden die Isthmischen Kampfspiele angeordnet, deren Stifter Sisyphus war.
Den Dionysus verwandelte Zeus in einen jungen Ziegenbock und entzog ihn auf diese Art der Rachsucht der Here. Hermes nahm ihn und brachte ihn zu Nymphen, welche zu Nysa in Asien wohnten, und die nachher Zeus mit dem Namen Hyaden unter die Gestirne versetzte.
(4) Autonoë bekam von Aristäus einen Sohn, Actäon, der von Chiron erzogen und zum Jäger gebildet, nachher auf dem Cithäron von seinen eigenen Hunden zerrissen wurde. Er kam, wie wenigstens Acusilaus erzählt, deswegen auf diese Art um’s Leben, weil ihm Zeus zürnte, daß er um Semele geworben hatte; nach der Aussage Mehrerer aber, weil er die Artemis im Bade gesehen hatte. Die Göttin soll ihn nämlich sogleich in einen Hirsch verwandelt, und seine Koppel von fünfzig Hunden in Wuth versetzt haben, von denen er dann, weil sie ihn nicht mehr kannten, in Stücke zerrissen wurde. Als Actäon umgekommen war, fingen die Hunde, die ihren Herrn vermißten, ein Geheul an, suchten ihn überall und kamen endlich zu der Höhle des Chiron, wo sie ein, von diesem verfertigtes, Bild des Actäon fanden, was ihrer Betrübniß ein Ende machte. Der Dichter sagt46:
So den herrlichen Leib, gleich, wilden Thieren umringend,
Fraßen die grimmigen Hund’. Es stand Harpyia47 zunächst ihm,
Dann Argenne, bei ihr die Pterela, kräftige Köter,
Dann kurzfüßig und rasch kam Lynceus, auch Amarynthus.
(Wie er sie Alle gewählt, so kannt’ er sie Alle mit Namen.)
Nach dem Willen des Zeus ging so Actäon zu Grunde,
Denn es tranken zuerst das schwarze Blut des Gebieters
Spartus, weißlich geschweift, und der schnell hinrennende Bores;
Ihnen folgten mit Wuth losstürzend die Uebrigen Alle.
5 (1) Dionysus, [Bacchus] der Erfinder des Weinbaus, wurde von Here in Wahnsinn versetzt. In diesem Zustande durchirrte er Aegypten und Syrien. Zuerst fand er bei Proteus, dem Könige der Aegyptier, Aufnahme; sodann begab er sich nach Cybele in Phrygien. Hier wurde er von Rhea gereinigt, lernte die geheimen Religionsgebräuche kennen, und eilte dann, von Jener mit einer Rüstung beschenkt, durch Thracien. Lycurgus aber, Sohn des Dryas, der König der Edoner, welche an dem Flusse Strymon wohnen, behandelte ihn auf eine übermüthige Weise und jagte ihn von sich. Dionysus selbst floh in das Meer zu Thetis, des Nereus Tochter; die Bacchantinnen, sammt dem ganzen Schwarm der Satyrn, die in seinem Gefolge waren, wurden gefangen, die Bacchantinnen jedoch sogleich wieder in Freiheit gesetzt. Den Lycurgus bestrafte Dionysus mit Wahnsinn. In diesem Zustande versetzte Derselbe seinem Sohne Dryas, in der Meinung, eine Weinranke abzuhauen, einen Hieb mit dem Beile, und kam erst wieder zum Verstande, nachdem er seinen Sohn durch diese Verstümmelung getödtet hatte. Allein noch hielt die Unfruchtbarkeit des Landes an; da erklärte der Gott, es werde wieder Frucht tragen, wenn Lycurgus getödtet wäre. Als das die Edoner hörten, führten sie ihn auf den Pangäischen Berg und banden ihn. Hier wurde er dann, nach dem Willen des Dionysus, von Pferden zerrissen und starb.
(2) Dionysus durchzog nun Thracien und kam nach Theben, wo er die Weiber nöthigte, ihre Wohnungen zu verlassen, und auf dem Cithäron das Bacchusfest zu feiern. Pentheus, der Sohn des Echion von der Agave, der von Cadmus das Reich übernommen hatte, suchte Dieß zu hintertreiben. Als er aber, um die Bacchantinnen auszukundschaften, auf den Cithäron kam, wurde er von seiner Mutter Agave, die ihn im Wahnsinne für ein wildes Thier hielt, in Stücke zerrissen.
Nachdem Dionysus auf diese Weise sich den Thebanern hatte als Gott zu erkennen gegeben, begab er sich nach Argus; aber auch hier mußte er wieder eine geringschätzige Behandlung erfahren und machte deswegen die Weiber wahnsinnig, so daß sie die Leiber ihrer Säuglinge, die sie bei sich auf den Bergen hatten, auffraßen.
(3) Als er im Begriffe war, von Icarien nach Naxus übersetzen, miethete er von Tyrrhenern ein dreiruderiges Raubschiff. Sie nahmen ihn ein, ließen aber Naxus zur Seite liegen und ruderten eiligst auf Asien los, um ihn daselbst zu verkaufen. Er aber verwandelte Mastbaum und Ruder in Schlangen und füllte den Schiffsraum mit Epheu und Oboëtönen. Das machte die Schiffsleute rasend; sie stürzten sich fliehend in’s Meer und wurden in Delphine verwandelt.
So lernten in ihm die Menschen den Gott erkennen und erwiesen ihm Verehrung. Jetzt führte er seine Mutter aus dem Hades, nannte sie Thyone, und stieg mit ihr zum Himmel empor.
(4) Cadmus verließ mit Harmonia Theben, und kam zu den Encheleern. Diese lagen gerade im Kampfe mit den Illyriern und hatten von dem Gotte das Orakel bekommen: sie würden über die Illyrier den Sieg davon tragen, wenn sie dem Cadmus und der Harmonia den Heerbefehl übertrügen. Sie gehorchten, nahmen Diese zu Führern gegen die Illyrier und gewannen die Oberhand. Von da an herrschte Cadmus über die Illyrier und bekam einen Sohn, den er Illyrius nannte. Nachher verwandelte er sich mit Harmonia in einen Drachen und wurde von Zeus in das Elysische Gefilde aufgenommen.
(5) Polydorus, welcher König in Theben geworden war, vermählte sich mit Nyctëis, der Tochter des Nycteus, der ein Sohn des [Sparten] Chthonius war48 und zeugte den Labdacus. Dieser folgte dem Pentheus im Untergange nach, da er gleiche Gesinnungen mit ihm hegte. Da nun Labdacus einen erst einjährigen Sohn, den Lajus, hinterließ, so riß Lycus, ein Bruder des Nycteus auf die Dauer der Minderjährigkeit Desselben die Regierung an sich. Beide [Lycus und Nycteus] waren nämlich in Folge eines Mords, den sie an Phlegyas, dem Sohne des Ares und der Chryse, der Böotis Tochter, begangen hatten, flüchtig geworden und hatten sich in Hyria niedergelassen, wo sie wegen der Verwandtschaft mit Pentheus das Bürgerrecht erhielten. Nun war Lycus von den Thebanern zum Feldherrn erwählt worden, und als solcher bemächtigte er sich der Herrschaft. Nachdem er zwanzig Jahre lang die Zügel der Regierung in Händen gehabt, wurde er von Zethus und Amphion ermordet. Hiezu gub Folgendes die Veranlassung: Antiope war die Tochter des Nycteus. Als Dieselbe in Folge ihres Umgangs mit Zeus schwanger wurde, floh sie vor den Drohungen ihres Vaters nach Sicyon zu Epopeus, den sie heirathete. Nycteus gab sich in der Verzweiflung selbst den Tod, nachdem er zuvor den Lycus beauftragt hatte, ihn an Epopeus und Antiope zu rächen. Dieser zog daher gegen Sicyon zu Felde, bekam es in seine Gewalt, tödtete den Epopeus und führte die Antiope gefangen weg. Sie gebar während ihrer Gefangenschaft in Eleutherä, einer Stadt Böotiens, zwei Knaben, die, nachdem sie von ihr ausgesetzt waren, ein Rinderhirte fand, aufzog und den Einen Zethus, den Andern Amphion nannte. Zethus legte sich auf Viehzucht, Amphion übte sich im Gesang und Saitenspiel, da er von Hermes eine Lyra zum Geschenk erhalten hatte. Die Antiope sperrte Lycus ein und mißhandelte sie, wobei ihm seine Gattin, Dirce, behülflich war. Allein ihre Bande fielen von selbst ab, und so wußte sie heimlich auf das Landgut ihrer Söhne zu entkommen, bei denen sie um Aufnahme bat. Nachdem Diese ihre Mutter wieder erkannt hatten, tödteten sie den Lycus, banden die Dirce an einen Stier und warfen sie, als sie zu Tode geschleift war, in eine Quelle, die von ihr den Namen Dirce führt. Sie rißen nunmehr die Herrschaft an sich und umgaben die Stadt mit einer Mauer, wozu die Steine nach den Tönen von Amphions Lyra sich zusammenfügten. Lajus wurde von ihnen verjagt, hielt sich von da an im Peloponnes als Fremdling bei Pelops auf, verliebte sich in Dessen Söhnlein Chrysippus, dem er im Wagenrennen Unterricht zu geben hatte, und entführte den Knaben.
(6) Zethus vermählte sich mit Thebe, von der die Stadt Theben den Namen hat; Amphion mit Niobe, des Tantalus Tochter, welche ihm sieben Söhne gebar: Sipylus, Minytus, Ismenus, Damasichthon, Agenor, Phädimus, Tantalus; und eben so viele Töchter: Ethodaïa, oder wie Andere sie nennen, Neära; Cleodoxe, Astyoche, Phthia, Pelopia, Astycratia, Ogygia. Hesiodus gibt die Zahl auf zehen Söhne und gehen Töchter; Herodorus49 auf zwei männliche, drei weibliche Nachkömmlinge; Homer auf sechs Söhne und sechs Töchter an. Niobe wollte diesen Vorzug großer Fruchtbarkeit vor Leto geltend machen, worüber aber Diese voll Entrüstung die Artemis und den Apollo gegen die Kinder von Jener aufhetzte. Da erschoß denn Artemis die Mädchen in der Nähe ihres Hauses; die Söhne tödtete Apoll alle zugleich, als sie auf dem Cithäron jagten. Gerettet wurde von den Söhnen nur Amphion, von den Mädchen die Aelteste, Chloris, welche nachher Neleus zur Gattin nahm. Nach der Telesilla50 Bericht wurden Amycla und Meliböa gerettet, dagegen auch Amphion von ihren Pfeilen erlegt. Niobe selbst verließ Theben und kam nach Sipylus zu ihrem Vater Tantalus. Hier wurde sie von Zeus auf ihre flehende Bitte in einen Stein verwandelt; doch selbst des Steines Thränen fließen Tag und Nacht.
(7) Nach Amphions Ende übernahm Lajus die Herrschaft, heirathete die Tochter des Menöceus, welche Einige Jocaste, Andere Epicaste nennen. Obgleich nun der Gott das Orakel gegeben hatte: er sollte kein Kind zeugen, weil der Gezeugte seinen Vater morden würde, – so wohnte er dennoch, vom Weine erhitzt, seiner Gattin bei. Dem neugebornen Kinde durchstach er mit Metallspitzen die Fersen und übergab es einem Hirten zum Aussetzen. Dieser setzte es auf dem Cithäron aus. Dort fanden die Viehhirten des Corinthischen Königs Polybus das Kind und brachten es zu dessen Gemahlin Periböa. Diese nahm den Knaben an Kindesstatt auf, ließ seine Füße heilen und nannte ihn seiner geschwollenen Füße wegen Oedipus. Der Knabe wuchs heran, und zeichnete sich unter seinen Altersgenossen durch Stärke aus, weswegen ihm von Denselben aus Neid der Schimpfname „Bastard“ beigelegt wurde. Er suchte deshalb von Periböa Etwas zu erfahren, konnte aber nicht auf’s reine kommen. Nun wandte er sich wegen seiner leiblichen Aeltern nach Delphi und bekam von dem Gotte zur Antwort: Er sollte nicht in sein Vaterland reisen, sonst würde er seinen Vater tödten und sich mit seiner Mutter vermischen. Diesem Ausspruche zufolge verließ er Corinth, in der Meinung, wirklich ein Sprößling Derer zu seyn, die man für seine Aeltern ausgab. Als er nun zu Wagen durch Phocis kam, begegnete er in einem Hohlwege dem Lajus und Polyphontes, die auf einem Wagen fuhren. Der Letztere, ein Herold des Lajus, befahl ihm auszuweichen, und tödtete, da er nicht folgte und so ein Aufenthalt entstand, eines seiner Pferde. Hierüber ergrimmt, tödtete Oedipus den Polyphontes und den Lajus und begab sich hierauf nach Theben. (8) Den Lajus begrub der König der Platäer, Damasistratus; das Reich trat Creon an, der Sohn des Menöceus.
Während seiner Regierung betraf Theben ein nicht geringes Unheil. Es sandte nämlich Here die Sphinx, die Tochter der Echidna und des Typhon, mit einem Frauenantlitz, Brust, Füßen und Schwanz eines Löwen und Flügeln von einem Vogel.
Diese hatte von den Musen ein Räthsel gelernt, welches sie jetzt, auf dem Phicëischen Berge gelagert, den Thebanern vorlegte. Das Räthsel war folgendes: „Es hat eine Stimme, wird vierfüßig, zweifüßig, dreifüßig.“ Nun war den Thebanern der Götterspruch geworden: sie dürften dann Erlösung von der Sphinx erwarten, wenn sie das Räthsel löseten. Deswegen kamen sie öfters zusammen, und forschten, was wohl darunter verstanden sey. Fanden sie es nicht, so ergriff sie jedesmal Einen und fraß ihn auf.
Viele waren bereits auf diese Weise umgekommen, und zuletzt Hämon, der Sohn des Creon selbst; da verhieß Creon Demjenigen das Reich mit der Hand der Wittwe des Lajus, der das Räthsel lösen würde. Oedipus hörte Dieß und löste das Räthsel auf folgende Weise: Die Sphinx meine den Menschen, der vierfüßig geboren werde, indem das Kind auf allen Vieren krieche; herangewachsen sey der Mensch zweifüßig, gegen das Alter hin aber nehme er, als dritten Fuß, den Stab hinzu. Jetzt stürzte sich die Sphinx von ihrer Höhe herab; Oedipus aber übernahm das Reich, ehlichte, ohne es zu wissen, seine Mutter und zeugte mit ihr Knaben, den Polynices und Eteocles, und Mädchen, die Ismene und Antigone. Andere jedoch geben den Kindern die Eurygania, des Hyperphas Tochter zur Mutter.
(9) Als sich aber später das Geheimniß aufhellte, erhängte sich Jocaste mit einem Strick; Oedipus aber blendet sich die Augen, entwich aus Theben und legte noch einen Fluch auf seine Söhne, weil sie ihm keinen Beistand geleistet hatten, als sie sahen, daß er die Stadt verlassen mußte. Er kam nun mit Antigone nach Colonus in Attica, wo sich der Hain der Eumeniden befindet. Dort setzte er sich als Hülfesuchender nieder, wurde von Theseus aufgenommen, und tsarb bald darauf.
6 (1) Eteocles und Polynices kamen durch Verabredung hinsichtlich der Herrschaft dahin überein, daß Jeder von Beiden abwechselnd je ein Jahr lang regieren sollte. Einige behaupten nun, Porynices habe zuerst regiert und nach Verfluß eines Jahres das Reich an Eteocles abgetreten; Andere sagen, Eteocles habe zuerst regiert und die Regierung nicht aus den Händen geben wollen. Wie dem sey, Polynices wurde aus Theben verjagt, und kam nach Argos, wohin er das obenerwähnte Halsband und den Schleier mitnahm. Ueber Argos herrschte damals Adrastus, des Talaus Sohn. Er näherte sich Dessen Pallast bei Nacht, und kam in’s Handgemenge mit Tydeus, des Oeneus Sohn, der aus Calydon geflohen war. Auf den plötzlichen Lärm erschien Adrastus und trennte die Streiter; und da ihm jetzt der Ausspruch eines Wahrsagers beiging, daß er seine Töchter mit einem Eber und einem Löwen zusammen jochen würde: so wählte er Beide zu Bräutigamen; sie hatten nämlich auf ihren Schilden der Eine das Bild eines Ebers, der Andere das eines Löwen. Tydeus bekam Deïpyle zur Gattin, die Argia Polynices. Adrastus gab nunmehr Beiden das Versprechen, sie in ihre väterlichen Reiche zurückzuführen. In Folge Dessen betrieb er zuerst den Feldzug gegen Theben und versammelte seine Helden um sich.
(2) Allein Amphiaraus, der Sohn des Oïcles, ein Wahrsager, der voraussah, daß Alle, die den Feldzug mitmachten, mit Ausnahme des Adrastus umkommen müßten, trug nicht nur selbst Bedenken, mit auszuziehen, sondern machte auch die Uebrigen abwendig.
Polynices aber ging zu Iphis, dem Sohne des Alector und bat ihn um Auskunft, auf welche Art Amphiaraus gezwungen werden könnte, den Feldzug mitzumachen. Dieser antwortete: „Wenn Eriphyle das Halsband bekäme.“ Amphiaraus verbot nun zwar der Eriphyle, von Polynices Geschenke anzunehmen. Polynices aber gab ihr das Halsband doch und bat sie, den Amphiaraus zum Kriegszuge zu bewegen. Dieß stand allerdings in ihrer Gewalt. Amphiaraus hatte nämlich früher einen Streit mit Adrastus gehabt, und bei der Wiederaussöhnung geschworen: er wollte in Allem, worüber er mit Adrastus verschiedener Meinung sey, Eriphyle entscheiden lassen. Als es nun auf Theben losgehen sollte und Adrastus zur Theilnahme einlud, Amphiaraus abmahnte; so beredete Eriphyle, die das Halsband angenommen hatte, ihren Gatten, den Zug mitzumachen. In die Nothwendigkeit versetzt, mit auszuziehen, gab nun Amphiaraus seinen Söhnen den Auftrag, wenn sie herangewachsen seyen, die Mutter zu ermorden und Theben mit Krieg zu überziehen.
(3) Adrastus versammelte nun das Heer und trat mit sieben Führern schleunigst den Zug gegen Theben an. Diese Führer waren: Adrastus, des Talaus Sohn; Amphiaraus, Sohn des Oïcles; Capaneus, Sohn des Hipponous; Hippomedon, des Aristomachus oder, nach Andern, des Talaus Sohn; Diese aus Argos. Polynices, Sohn des Oedipus aus Theben. Tydeus, des Oeneus Sohn, ein Aetolier; Parthenopäus, Sohn des Milanion, ein Arcadier. Einige zählen den Tydeus und Polynices nicht mit, sondern rechnen zu den Sieben den Eteoclus, des Iphis Sohn und den Mecisteus.
(4) Sie kamen zuerst nach Nemea, wo Lycurgus herrschte, und nahmen daselbst Wasser ein. Als Wegweiserin zur Quelle gebrauchten sie die Hypsipyle, die hier in Diensten des Lycurgus war. Die Lemnischen Weiber hatten nämlich [vergl. Buch I, Cap. 9, 17.] später den durch sie geretteten Thoas entdeckt und getödtet, und die Hypsipyle an Lycurgus verkauft. Diese nun hatte, um den Weg zur Quelle zu weisen, das noch ummündige Söhnlein der Eurydice und des Lycurgus, Namens Opheltes, dessen Wärterin sie war, im Stiche gelassen; und ein Drache hatte indessen das allein gelassene Kind umgebracht. Die Begleiter des Adrastus machten sich nun zwar über den Drachen her, schlugen ihn todt und bestatteten den Knaben zur Erde. Amphiaraus aber erklärte: „da haben sie ein Vorzeichen, woran sie sehen können, wie es ihnen ergehen werde.“ Jetzt nannten sie den Knaben Archemorus [Erstling, Vorgänger im Tode], und stifteten ihm zu Ehren die Nemeïschen Spiele, bei welchen Adrastus zu Pferde den Sieg davon trug; Eteoclus im Wettlaufe, im Faustkampfe Tydeus; zu Wagen und im Werfen der Scheibe Amphiaraus; Laodocus im Wurfspießwerfen; im Ringen Polynices; im Pfeilschießen Parthenopaus.
(5) Als sie auf dem Cithäron ankamen, schickten sie den Tydeus ab, um den Eteocles aufzufordern, daß er, dem Vertrage gemäß, dem Polynices das Reich abtreten sollte. Da Eteocles sich dessen weigerte, so stellte Tydeus den Versuch an, Einzelne von den Thebanern herauszufordern, die er Alle besiegte. Nun bewaffneten sie zwar fünfzig Mann, die ihm, als er wegging, auflauerten; aber auch Diese tödtete er Alle, bis auf Mäon, und kehrte sodann zu seinem Heere zurück.
(6) Die Argiver rückten nun wohl gerüstet gegen die Mauern heran und besetzten die sieben Thore der Stadt. Adrastus stellte sich bei dem Omoloischen Thore auf; Capaneus bei dein Ogygischen; Amphiaraus bei dem Prötischen; Hippomedon bei dem Oncaischen; Polynices bei dem Hypsistischen; Parthenopäus bei dem Electrischen; Tydeus endlich bei dem Crenischen.
Auch Eteocles bewaffnete seinerseits die Thebaner, ernannte Heerführer, stellte sie gleich und gleich in Schlachtordnung, und befragte das Orakel, wie man wohl über die Feinde Meister werden würde.
(7) Nun war bei den Thebanern ein Seher, Tiresias, der Sohn des Everes und der Nymphe Chariclo, von dem Geschlechte des Udäus, des Sparten. Er war blind geworden. Ueber dieses Gebrechen und seine Wahrsagerkunst haben sich verschiedene Sagen erhalten. Einige nämlich behaupten, er sey von den Göttern geblendet worden, weil er den Menschen Dinge verrieth, welche jene gerne geheim gehalten hätten. Nach Pherecydes hätte ihn Athene geblendet51. Tiresias sah nämlich die Athene nackt, als sie mit seiner Mutter Chariclo, ihrer lieben Freundin, im Bade war. Da spritzte ihm die Göttin mit den Händen Wasser in die Augen und blendete ihn auf diese Weise. Chariclo bat die Göttin, sein Augenlicht wieder herzustellen; da sie Dieß nicht konnte, so reinigte sie sein Gehör, so daß er alle Stimmen der Vögel verstand. Auch schenkte sie ihm einen schwärzlichen Stab, mit dessen Hülfe er, gleich Sehenden, wandeln konnte.
Hesiodus aber erzählt, er habe bei Cyllene Schlangen sich begatten sehen, habe sie durch einen Schlag verwundet; und sey dadurch aus einem Manne zum Weibe geworden. Als er dieselben Schlangen abermals bei der Begattung beobachtete [und schlug52], wurde er wieder Mann. Als daher einst Here und Zeus mit einander stritten, ob die Weiber oder die Männer mehr Vergnügen bei’m Beischlafe empfänden: so befragten sie den Tiresias53. Er gab zur Antwort: Unter zehn Theilen des Vergnügens bei’m Beischlafe seyen neun auf Seiten der Weiber54. Hierauf blendete ihn Here, Zeus aber ertheilte ihm die Wahrsagerkunst. (Es wurde ihm auch hohes Alter zu Theil.) Dieser Tiresias nun verkündigte den Thebanern den Sieg, falls Menöceus, des Creon Sohn, sich selbst zum Schlachtopfer hergäbe. Als Menöceus Dieß hörte, gab er sich vor den Thoren selbst den Tod. Nun brach die Schlacht los, die Cadmeer wurden anfangs bis an die Mauern zurückgedrängt, und Capaneus hatte schon eine Leiter ergriffen, auf der er die Mauern erstieg; aber Zeus schlug ihn mit dem Donner nieder und jetzt wandten sich die Argiver zur Flucht. (8) Nachdem aber Viele gefallen waren, so entschloßen sich, nach dem Gutdünken beider Heere, Eteocles und Polynices zu einem Zweikampfe wegen der Herrschaft und tödteten sich gegenseitig. Nun entbrannte die Schlacht aufs neue, wobei sich die Söhne des Astacus durch Tapferkeit auszeichneten. Ismarus nämlich tödtete den Hippomedon, Leades den Eteoclus, Asphodicus55 den Parthenopäus, (welcher jedoch nach Euripides von dem Sohne des Poseidon, Periclymenus getödtet wurde). Melanippus, der Letzte von den Söhnen des Astacus, verwundete den Tydeus. Als Dieser halbtodt dalag, brachte Athene ein Arzneimittel, das sie auf ihre Bitte von Zeus erhalten hatte, herzu, um ihn unsterblich zu machen. Dieß merkte Amphiaraus, der dem Tydeus gram war, weil Derselbe seiner Meinung zuwider die Argiver zum Feldzuge gegen Theben beredet hatte. Er schlug deswegen dem Melanippus, den Tydeus, selbst schon verwundet, noch getödtet hatte, das Haupt ab und brachte es Diesem. Tydeus spaltete es und schlürfte das Hirn aus. Bei diesem Anblicke hielt Athene, schaudernd vor Abscheu, ihre Gutthätigkeit zurück and weigerte sich, jenes Mittel anzuwenden. Amphiaraus floh zum Flusse Ismenus, und Periclymenus war eben im Begriffe, ihm im Rücken eine Wunde beizubringen, als Zeus noch zuvorkommend einen Blitz auf Jenen schleuderte und die Erde spaltete, worauf Amphiaraus mit seinem Wagen und Wagenlenker Baton (oder, wie Andere ihn nennen, Elattonus) verschlungen, und von Zeus unsterblich gemacht wurde.
Den Adrastus allein rettete sein Roß Arion. Demeter hatte es mit Poseidon erzeugt, indem sie sich während der Zeugung die Gestalt einer Erinnye gab.
7 (1) Creon übernahm nun die Herrschaft über die Thebaner, ließ die Leichname der Argiver unbegraben hinwerfen, erließ ein scharfes Verbot gegen das Begraben derselben und stellte Wächter dazu auf. Antigone, eine der Töchter des Oedipus brachte dessen ungeachtet den Leichnam des Polynices heimlich hinweg und begrub ihn. Allein hiebei wurde sie von Creon ertappt und selbst lebendig in’s Grab gelegt.
Adrastus erreichte glücklich Athen, floh zum Altare des Elëus und flehte, einen Oehlzweig in der Hand, um Unterstützung zum Begraben der Todten. Die Athener nahmen sich seiner an, zogen mit Theseus zu Felde, eroberten Theben und gaben die Leichname ihren Verwandten zum Begraben. Als nun der Scheiterhaufen des Capaneus angezündet war, stürzte sich seine Gattin Evadne, des Iphis Tochter, hinein und verbrannte zugleich mit ihm.
(2) Zehen Jahre nachher entschloßen sich die Söhne der Umgekommenen, Epigonen [Nachkömmlinge] genannt, zu seinem neuen Feldzuge gegen Theben, um den Tod der Väter zu rächen. Als sie nun das Orakel befragten, verhieß ihnen der Gott den Sieg, wenn sie den Alcmäon zum Anführer hätten. Alcmäon war zwar anfangs nicht willens, den Oberbefehl in diesem Feldzuge zu übernehmen, bevor er an seiner Mutter Rache genommen hätte; doch ließ er sich dazu bewegen. Eriphyle bekam nämlich von Thersander, des Polynices Sohn, auch vollends den Schleier, und beredete darauf auch ihre Söhne, an dem Feldzuge Theil zu nehmen. Alcmäon übernahm den Oberbefehl und die Argiver zogen gegen Theben. Die Streiter waren folgende: Alcmäon und Amphilochus, Söhne des Amphiaraus; Aegialeus, der Sohn des Adrastus; Diomedes, des Tydeus, Promachus, des Parthenopäus; Sthenelus, des Capaneus; Thersander, des Polynices; und Euryalus, des Mecisteus Sohn.
(3) Diese zerstörten zuerst die umliegenden Dörfer und fochten sodann mit Tapferkeit und Muth, als die Thebaner, angeführt von Laodamas, dem Sohne des Eteocles, heranzogen. Nur Aegialeus wurde von Laodamas getödtet, Dieser starb hierauf von der Hand des Alcmäon. Als ihr Heerführer gefallen war, flohen die Thebaner hinter ihre Mauern zurück. Jetzt gab ihnen Tiresias den Rath, sie sollten einen Herold mit Friedensunterhandlungen an die Argiver schicken, sie selbst sollten indessen die Flucht ergreifen. Sie gingen den Vorschlag ein, schickten einen Herold zu den Feinden, luden während dessen ihre Kinder und Frauen auf Wagen, und flohen aus der Stadt. In der Nacht kamen sie bei der sogenannten Quelle Tilphussa an; Tiresias trank aus ihr und endigte daselbst sein Leben. Die Thebaner zogen weit hinweg, bauten die Stadt Hestiäa und schlugen da ihren Wohnsitz auf.
(4) Die Argiver, späterhin vor der Flucht der Thebaner in Kenntniß gesetzt, drangen in die Stadt, sammelten die Beute und schleiften die Mauern. Einen Theil der Beute schickten sie dem Apoll nach Delphi, ebenso die Tochter des Tiresias, Manto. Sie hatten nämlich das Gelübde gethan, im Falle der Eroberung Thebens, das Beste von der Beute ihm zu weihen.
(5) Als Alcmäon nach der Einnahme von Theben erfuhr, daß seine Mutter Eriphyle auch seinetwegen Geschenke genommen habe, ärgerte er sich noch mehr und mordete seine Mutter in Folge eines Orakelspruchs, den er von Apoll erhalten hatte. Einige erzählen, er habe diese That mit Hülfe seines Bruders Amphilochus vollbracht; Andere, er habe es allein gethan. Den Alcmäon verfolgte eine Erinnye wegen des Muttermords. Er wurde wahnsinnig und kam zuerst nach Arcadien zu Oïcleus, von da nach Psophis zu Phegeus. Von Diesem entsündigt, heirathete er dessen Tochter Arsinoë und gab ihr das Halsband und den Schleier. Als jedoch das Land um seinetwillen unfruchtbar wurde, rieth ihm der Gott durch ein Orakel, sich zu Achelous56 zu begeben, neben welchem ihm eine Stadt57 würde zugetheilt werden. Er begab sich nun zuerst zu Oeneus nach Calydon, wo er gastfreundlich aufgenommen wurde. Sodann kam er zu den Thesproten, wurde aber aus der Gegend verjagt. Endlich gelangte er zu den Quellen des Achelous, wurde durch ihn gereinigt, nahm desselben Tochter, Callirrhoë zur Gattin, baute ein Stück Landes, das Achelous hergeschwemmt hatte, an, und wohnte daselbst.
Calirrhoë bezeugte späterhin ein Verlangen, das Halsband und den Schleier zu besitzen und erklärte sich gegen Alcmäon, sie wolle Nichts mit ihm zu thun haben, wenn er ihr diese Dinge nicht verschaffe. Alcmäon ging deshalb nach Psophis, sagte dem Phegeus, es sey ihm Befreiung von seinem Wahnsinn geweissagt, wenn er das Halsband und den Schleier als Weihgeschenk nach Delphi bringe. Dieser ließ sich bereden und gab Beides her. Ein Diener verrieth es aber, Alcmäon habe den Putz zu sich genommen, um ihn der Callirrhoë zu bringen; deswegen lauerten ihm die Söhne des Phegeus auf, und so wurde er auf dessen Befehl aus dem Wege geräumt. Die deswegen scheltende Arsinoë legten die Söhne des Phegeus in eine Kiste und brachten sie so nach Tegea, wo sie dieselbe dem Agapenor übergaben, mit der erdichteten Angabe, sie habe den Alcmäon gemordet.
(6) Als Callirrhoë das traurige Ende des Alcmäon erfuhr, bat sie den Zeus, da er ihr eine vertrauliche Stunde schenkte, er möchte doch ihre mit Alcmäon gezeugten Söhne groß werden lassen, damit sie des Vaters Ermordung rächen könnten. Da wuchsen die Knaben plötzlich heran und zogen aus, ihren Vater zu rächen. Um dieselbe Zeit nun, als die Söhne des Phegeus, Pronous und Agenor, um das Halsband und den Schleier als Weihgeschenke zu überbringen, nach Delphi kamen, und bei Agapenor einkehrten, langten auch die Söhne des Alcmäon, Amphoterus und Acarnan ebendaselbst an, und brachten die Mörder ihres Vaters um; wendeten sich dann nach Psophis, traten in den Palast ein und tödteten den Phegeus mit seiner Gemahlin. Sie wurden bis Tegea verfolgt, aber durch den Beistand der Tegeaten und einiger Argiver gerettet, nachdem die Psophidier die Flucht ergriffen.
(7) Sie verkündigten Dieß zuerst ihrer Mutter und gingen sodann nach Delphi zurück, wo sie, nach dem Befehle des Achelous, das Halsband und den Schleier als Weihgeschenk niederlegten. Hierauf reiseten sie nach Epirus, sammelten Ansiedler und gründeten Acarnanien.
Euripides dagegen erzählt, es habe Alcmäon zur Zeit seines Wahnsinns mit Manto, der Tochter des Tiresias, zwei Kinder gezeugt, den Amphilochus und eine Tochter, Tisiphone. Er habe sodann die Kinder nach Corinth gebracht und dem Könige der Corinthier, Creon, zur Erziehung übergeben. Die Tisiphone, ein ausgezeichnet schönes Mädchen, sey von des Königs Gemahlin verkauft worden, aus Furcht, Creon möchte Dieselbe zu seiner Gattin erheben. Alcmäon habe sie gekauft und als Sclavin gebraucht, da er nicht wußte, daß sie seine Tochter war. Darauf sey er nach Corinth gekommen, um seine Kinder zurückzufordern, und habe dann auch seinen Sohn zurückbekommen.
Amphilochus baute, den Orakelsprüchen des Apoll zufolge, das Amphilochische Argos.
8 (1) Wir wollen uns nunmehr wieder nach Pelasgus umsehen, welchen Acusilaus, wie oben gesagt wurde, einen Sohn des Zeus und der Niobe, Hesiodus aber einen Eingebornen nennt. Von Diesem und des Oceanus Tochter, Meliböa, oder nach Andern, der Nymphe Cyllene, stammte Lycaon ab. Er war König der Arkadier und hatte mit vielen Frauen fünfzig Kinder gezeugt, nämlich den Mänalus, Thesprotus, Helix, Nyctimus, Peucetius, Caucon, Mecisteus, Hopleus, Macareus, Macednus, Horus, Polichus, Acontes, Evämon, Ancyor, Archebates, Carteron, Aegäon, Pollas, Eumon, Canethus, Prothous, Linus, Corethon, Mänalus, Teleboas, Physius, Phassus, Phthius, Lycius, Halipherus, Genetor, Bucolion, Socleus, Phineus, Eumetes, Harpaleus, Portheus, Platon, Hämon, Cynäthus, Leon, Harpalycus, Heräeus, Titanas, Mantinus, Clitor, Stymphalus, Orchomenus58.
Diese übertrafen alle Menschen an Uebermuth und Ruchlosigkeit. Zeus, um ihre Ruchlosigkeit zu prüfen, kam in dürftiger Taglöhnersgestalt zu ihnen. Sie luden ihn als Fremden zu Tische schlachteten einen Knaben von den Inwohnern der Gegend, mischten dessen Eingeweide unter das heilige Opfer, und setzten es, auf den Rath des ältesten Bruders Mänalus, zum Essen vor. Zeus aber stieß den Tisch um, woher der Ort jetzt Trapezus heißt. Den Lycaon und dessen Söhne erschlug er mit dem Donner, mit Ausnahme des Jüngsten, Nyctimus; die Ge nämlich streckte die Hände empor, ergriff Zeus bei seiner Rechten, und machte so seinem Zorn ein Ende.
(2) Nachdem Nyctimus das Reich angetreten hatte, brach die Deucalionische Fluth herein, die, nach der Behauptung Einiger, in der frevelhaften Ruchlosigkeit der Söhne des Lycaon ihren Entstehungsgrund gehabt haben soll. – Nach Eumelus59 und einigen Anderen hätte Lycaon auch eine Tochter gehabt, Namens Callisto, die jedoch Hesiodus als eine von den Nymphen, Asius60 als Tochter des Nycteus, Pherecydes als Tochter des Ceteus aufführt. Diese Callisto nun war eine Jagdgenossin der Artemis, trug das nämliche Kleid wie sie, und schwur, Jungfrau zu bleiben. Allein Zeus verliebte sich in sie und that ihr Gewalt an, nach Einigen in der Gestalt der Artemis, nach Andern in der des Apoll. Um die Sache vor Here zu verbergen, verwandelte er sie in eine Bärin; Here aber brachte die Artemis dahin, daß sie dieselbe als ein wildes Thier mit ihren Pfeilen niederschoß. Nach einer andern Erzählung hätte sie Artemis niedergeschossen, weil sie ihre Keuschheit nicht bewahrt hatte. Als Callisto starb, entriß ihr Zeus das Kind, gab es der Maja in Arcadien zum Auferziehen, und nannte es Arcas. Die Callisto versetzte er unter die Gestirne mit dem Namen des Bären [Arctus].
9 (1) Arcas zeugte mit Leanira, der Tochter des Amyclas, oder mit Meganira, des Crocons Tochter, oder endlich nach Eumelus, mit der Nymphe Chrysopelia die Söhne Elatus und Aphidas. Diese theilten das Land unter sich, so jedoch, daß die ganze Herrschergewalt in des Elatus Händen war. Dieser zeugte mit Laodice, des Cinyrus Tochter, den Stymphalus und den Pereus; Aphidas aber den Aleus und die Stheneböa, welche nachher des Prötus Gattin wurde.
Aleus bekam von Neära, der Tochter des Pereus, eine Tochter, Auge, und Söhne, den Cepheus und Lycurgus. Auge, von Heracles geschwächt (II, 7, 4.), verbarg zwar, nachdem sie geboren hatte, das Kind in dem Tempel der Athene, deren Priesterin sie war. Allein, da die Erde unfruchtbar blieb und die Orakel die Eröffnung machten, es sey in dem Tempel der Athene etwas Entheiligendes: so wurde sie von ihrem Vater ertappt und dem Nauplius zur Ermordung übergeben. Von Diesem ließ jedoch Teuthras, der König der Mysier, sich Dieselbe abtreten und ehlichte sie61. Jenes Kind wurde auf dem Parthenischen Berge ausgesetzt und von einer Hirschkuh gesäugt, woher es den Namen Telephus [Hirschsauger] erhielt. Er wurde von den Rinderhirten des Corythus erzogen und begab sich nachher nach Delphi, um seine Aeltern zu erfragen. Unterrichtet von dem Gotte, kam er nach Mysien, wurde von Teuthras an Kindesstatt angenommen, und übernahm nach dessen Tode die Herrschaft.
(2) Von Lycurgus und Cleophile oder Eurynome stammten Ancäus, Epochus, Amphidamas und Iasus. Amphidamas hatte einen Sohn Milanion und eine Tochter Antimache, welche Eurystheus ehlichte. Iasus bekam von Clymene, der Tochter des Minyas, eine Tochter Atalante; da er aber männliche Nachkommenschaft wünschte, setzte er sie aus. Eine umherstreifende Bärin reichte ihr öfters die Zitzen, bis Jäger sie fanden und bei sich aufzogen.
Als Atalante erwachsen war, lebte sie in reiner Jungfräulichkeit und hielt sich bewaffnet in einer Einöde als Jägerin auf. Einst versuchten es ein Paar Centauren, Rhöcus und Hyläus, ihr Gewalt anzuthun; aber sie schoß Dieselben mit Pfeilen nieder. Sie wohnte auch mit den andern Helden der Jagd des Calydonischen Ebers, so wie den, wegen des Pelias angestellten, Kampfspielen bei, in welchen sie mit Peleus rang und den Sieg davon trug. Als sie später ihre Aeltern gefunden hatte, lag ihr Vater ihr sehr an, sich doch zu verehlichen. Deshalb begab sie sich auf einen zur Rennbahn tauglichen Platz, schlug in der Mitte desselben einen drei Ellen langen Pfahl in die Erde und bestimmte diesen als Auslaufpunkt für die Freier, denen sie selbst bewaffnet nachlief. Jedem, den sie erreichen konnte, war der Tod, Dem, den sie nicht erreichen würde, ihre Hand bestimmt. Schon waren auf diese Weise Viele umgekommen, als Milanion, der in sie verliebt war, die Laufbahn betrat. Er hatte von Aphrodite goldne Aepfel erhalten, und warf dieselben, während er vor Jener davon lief, auf die Bahn. Das Mädchen konnte sich nicht enthalten, die hingeworfenen aufzuheben; daher siegte Milanion im Wettlaufe und erhielt sie zur Gattin. Eines Tages, so erzählt die Sage, hatten Beide während der Jagd62 den Hain des Zeus betreten und sich daselbst dem Liebesgenuß hingegeben. Deswegen wurden sie in Löwen verwandelt.
Hesiodus und einige Andere geben übrigens der Atalante nicht den Iasus, sondern den Schöneus zum Vater; Euripides den Mänalus. Auch soll nach der Letzteren Aussage nicht Milanion, sondern Hippomenes Jene zur Gattin erhalten haben. Wie dem sey, Atalante gebar von Milanion oder Ares den Parthenopäus, der nachher den Feldzug gegen Theben mitmachte.
10 (1) Atlas zeugte mit der Tochter des Oceanus, Pleione, auf dem Arcadischen Berge Cyllene sieben Töchter, welche Pleiaden genannt wurden: Alcyone, Merope, Celäno, Electra, Sterope, Taygete und Mäa. Von Diesen trat Sterope in die Ehe mit Oenomaus; Merope mit Sisyphus. Mit Zweien vermischte sich Poseidon, und zeugte zuerst mit Celäno den Lycus, dem er auf den Inseln der Seligen seinen Wohnsitz anwies; sodann mit Alcyone eine Tochter, Aethusa, die reizende Geliebte des Apoll und nachherige Mutter des Eleuther, und zwei Söhne: Hyrieus und Hyperenor.
Von Hyrieus und der Nymphe Clonia stammen Nycteus und Lycus; von Nycteus und Polyro – Antiope; von Antiope und Zeus – Zethus und Amphion.
Mit den übrigen Töchtern des Atlas hatte Zeus vertraulichen Umgang. (2) Mäa [Maja], die Aelteste, die mit Zeus zusammen kam, gebar in einer Höhle des Berges Cyllene den Hermes. Dieser wurde eingewindelt in eine Wiege gelegt, schlich sich aber heraus, machte sich nach Pierien auf den Weg und stahl daselbst die Rinder, welche Apollo hütete. Um durch die Fußstapfen nicht verrathen zu werden, band er Sohlen an die Füße und brachte die Rinder nach Pylus. Hier verbarg er dieselben in einer Höhle, mit Ausnahme von zweien, die er schlachtete. Die Felle von diesen nagelte er an Felsen fest, kochte Einiges von dem Fleische und verzehrte es; das Uebrige verbrannte er. Jetzt eilte er schleunigst auf Cyllene zurück. Vor der Höhle fand er eine waidende Schildkröte, nahm sie aus, spannte über die Höhlung Saiten von den Därmen der Rinder, die er geschlachtet hatte, und machte so eine Leier, zu der er auch das Stäbchen [Plectrum] erfand. Apollo, mit dem Suchen der Rinder beschäftigt, kam nach Pylus, wo er die Einwohner zur Rede setzte. Sie gaben ihm zur Antwort, sie hätten wohl einen Knaben dieselben wegtreiben sehen, könnten aber nicht sagen, wohin sie getrieben worden seyen, da sie keine Fußstapfen finden könnten. Indessen entdeckte Apollo den Dieb durch Wahrsagerkunst, kam zu Mäa auf Cyllene und klagte den Hermes des Diebstahls an; sie aber zeigte ihm denselben in den Windeln. Apollo brachte ihn dessen ungeachtet vor Zeus und forderte die Rinder zurück. Da nun Dieser dem Hermes befahl, die Rinder herauszugeben, so läugnete er die Sache geradezu. Doch konnte er den Zeus nicht von seiner Unschuld überzeugen und führte deswegen den Apollo nach Pylus, wo er ihm die Rinder auslieferte. Als aber Apollo die Leier hörte, so tauschte er sie gegen die Rinder ein. Hermes hütete nun dieselben und fügte während dieser Zeit wiederum eine Hirtenflöte zusammen, auf der er blies. Apollo bot ihm, um auch diese zu bekommen, einen goldnen Stab, womit er als Viehhirte für seine Dienste belohnt worden war. Jenem aber war dieser Stab nicht genug; er wollte für die Flöte auch noch die Wahrsagerkunst haben. Apollo ging es ein, gab ihm den Stab und lehrte ihn das Wahrsagen mit Steinchen.
Zeus aber machte jetzt den Hermes zu seinem und der unterirdischen Götter Boten.
(3) Taygete bekam von Zeus einen Sohn Lacedämon, von dem auch das Land Lacedämon benannt wurde. Von Lacedämon und Sparta, der Tochter des Eurotas, welcher ein Sohn des eingebornen Lelex und der Najade [Wassernymphe] Cleocharia war, stammen Amyclas und Eurydice, die nachherige Gattin des Acrisius. Von Amyclas und Diomede, der Tochter des Lapithas, stammen Cynortes und Hyacinthus. Letzterer soll ein Liebling des Apollo gewesen seyn, den Dieser wider Willen mit der Wurfscheibe traf und so tödtete. Des Cynortes Sohn war Perieres, welcher, wie Stesichorus63 berichtet, des Perseus Tochter, Gorgophone zur Gattin nahm, die ihm den Tyndareos, Icarius, Aphareus und Leucippus gebar. Aphareus zeugte mit Arene, der Tochter des Oebalus, die Söhne: Lynceus, Idas und Pisus. Viele machen jedoch den Idas zu einem Sohne des Poseidon. Lynceus zeichnete sich durch sehr scharfes Gesicht aus, so daß er auch Das erblickte, was unter der Erde war. Leucippus zeugte mit Philodice, der Tochter des Inachus, Töchter: Hilaïra und Phöbe, welche die Dioscuren raubten und ehlichten.
Außer Diesen zeugte er die Arsinoë, welche in Folge einer Zusammenkunft mit Apollo den Asclepius [Aesculapius] gebar. Einige behaupten jedoch, des Asclepius Mutter sey nicht Arsinoë, des Leucippus Tochter, sondern Coronis, die Tochter des Phlegius in Thessalien. In Diese – sagen sie – habe sich Apollo verliebt und sie sogleich umarmt; sie aber habe, gegen ihres Vaters Wunsch, vorgezogen, mit Ischys, des Elatus Sohne, als Gattin zu leben. Apollo verfluchte den Raben, der ihm diese Botschaft brachte, und machte denselben, der bis dahin weiß gewesen war, schwarz; die Coronis brachte er um. Als sie verbrannt wurde, riß er das Kind aus dem Holzstoß, und brachte es zu Chiron, dem Centauren. Bei Diesem wurde der Knabe auferzogen, und in der Heilkunde und Jagd unterrichtet. Zum geschickten Wundarzt herangebildet, übte er seine Kunst sehr eifrig und rettete nicht nur Einige vom Tode, sondern weckte selbst schon Verstorbene auf. Er hatte nämlich von Athene das aus den Adern der Gorgo geflossene Blut bekommen, wovon er das aus den linken Blutadern geflossene zum Verderben, das aus den rechten zum Heile der Menschen anwandte. Und durch das letztere weckte er die Todten auf. (Ich habe in einigen Nachrichten gefunden, daß durch ihn Hyppolytus auferweckt worden sey; ferner Capaneus und Lycurgus, wenigstens werden Diese von Stesichorus in seiner Eriphyle64 und von dem Verfasser der Naupactischen Gesänge65 als Wiederauferstandene genannt. So auch von Panyasis Tyndareos; Hymenäus von den Orphischen Dichtern66; endlich macht Mnesagoras den Glaucus, des Minos Sohn, unter den Wiedererstandenen namhaft.)67
(4) Zeus befürchtete, die Menschen möchten durch Aufnahme der Heilkunde einander gegenseitig retten, und erschlug deswegen Jenen mit dem Donner. Hierüber erbost, tödtete Apollo die Cyclopen, welche dem Zeus den Donnerkeil geschmiedet hatten. Zeus wollte ihn dafür in den Tartarus werfen; da aber Leto eine Fürbitte einlegte, so befahl er ihm, ein Jahr lag bei einem Menschen zu dienen. Demzufolge begab sich Apollo nach Pherä zu Admetus, dem Sohne des Pheres; diente demselben als Hirte und machte, daß alle Kühe desselben Zwillingskälber warfen.
Einige behaupten jedoch, Aphareus und Leucippus seyen Söhne des Perieres (dem Sohne des Aeolus), Cynortas sey der Vater des Perieres, und Oebalus des Letztern Sohn68. Von Oebalus und der Najade Batea stammten Tyndareos, Hippocoon und Icarion ab.
(5) Hippocoon bekam folgende Söhne: Dorycleus, Scäus, Enarephorus, Eutyches, Bucolus, Lycon, Tebrus, Hippothous, Eurytus, Hippocorystes, Alcinous, Alcon. Da Hippocoon eine solche Nachkommenschaft hatte, so vertrieb er den Icarion und Tyndareos aus Lacedämon. Sie flohen zu Thestius und leisteten ihm Beistand in seinem Kriege wider die Gränznachbarn. Auch nahm Tyndareos die Tochter des Thestius, Leda, zur Gattin. Späterhin, nachdem Heracles den Hippocoon und seine Söhne getödtet hatte, kehrten sie zurück, und Tyndareos übernahm die Herrschaft.
(6) Icarius zeugte mit Periböa, einer Najade, die Söhne: Thoas, Damsippus, Imeusimus, Aletes, Perileos und eine Tochter, Penelope, die nachherige Gattin des Odysseus.
Von Tyndareos und Leda stammt Timandra, welche Echemus ehlichte, und Clytämnestra, des Agamemnon Gemahlin, endlich Philonoë, die von Artemis die Unsterblichkeit erhielt.
(7) Leda wurde von Zeus in der Gestalt eines Schwans, und in derselben Nacht von Tyndareos umarmt, und so gebar sie von Zeus den Polydeuces und die Helene; von Tyndareos den Castor [und die Clytämnestra69]. Einige jedoch behaupten, Helene sey die Tochter von Zeus und der Nemesis; Diese nämlich habe sich, um den Zudringlichkeiten des Zeus zu entgehen, in eine Gans verwandelt; Zeus aber habe in Gestalt eines Schwans sie dennoch zu Falle zu bringen gewußt. In Folge dieser Befruchtung habe sie ein Ei gelegt, welches dann ein Hirte auf den Wiesen gefunden und der Leda gebracht habe. Diese habe es in einem Kasten aufbewahrt, und die zur ordnungsmäßigen Zeit daraus geschlüpfte Helene wie eine eigene Tochter erzogen. Das Mädchen wurde ausgezeichnet schön, und deswegen von Theseus geraubt, der sie nach Athen brachte. Polydeuces aber und Castor zogen gegen Athen, eben als Theseus im Hades war, eroberten die Stadt, nahmen die Helene weg und führten Aethra, des Theseus Mutter, als Gefangene mit sich fort.
(8) In Sparta versammelten sich jetzt zur Hochzeitfeier der Helene die Herrscher von Hellas. Die Freier waren folgende: Osysseus, Sohn des Laërtes; Diomedes, des Tydeus; Antilochus, des Nestor; Agapenor, des Ancäus; Sthenelus, des Capaneus; Amphimachus, des Cteatus; Thalpius, des Eurytus; Meges, des Phyleus; Amphilochus, des Amphiaraus; Menestheus, des Peteos; Schedius, des Epistrophus70; Polyxenus, des Agasthenes; Peneleos, des Leïtus; Ajar, des Oïleus Sohn; Ascalaphus und Jalmenus, Söhne des Ares; Elephenor, des Chalcodon Sohn; Eumelus, des Admetus; Polypötes, des Pirithus; Leonteus, des Coronus Sohn; Podalirius und Machaon, des Asclepius Söhne; Philoctetes, des Pöas; Eurypylus, des Evämon; Protesilaus, des Iphiclus; Menelaus, des Atreus Sohn; Ajax und Teucer, die Söhne des Telamon, und des Menötius Sohn, Patroclus.
(9) Der Anblick einer solchen Menge erregte bei Tyndareos die Besorgniß, es möchten, wenn für Einen entschieden sey, die Andern sich auflehnen. Nun versprach Odysseus, wenn Jener ihm zur Ehe mit Penelope verhelfen würde, einen Ausweg vorzuschlagen, wie jede Unruhe abgewendet werden könnte; Tyndareos versprach, ihm dazu zu verhelfen, und nun rieth Odysseus, alle Freyer durch einen Eid zu verpflichten, daß sie dem erkornen Bräutigame beistehen wollten gegen jeden Andern, der ihm etwa wegen dieser ehlichen Verbindung etwas anhaben wollte. Tyndareos hatte Dieß nicht sobald vernommen, als er den Freiern den Eid abnahm. Nun wählte er selbst den Menelaus zum Bräutigame und warb bei Icarius für Odysseus um Penelope.
11 (1) Menelaus zeugte mit Helene die Hermione, nach Einigen auch den Nicostratus; mit seiner Aetolischen Sclavin Pieris, oder, wie sie Acusilaus nennt, Teridaë, den Megapenthes; mit der Nymphe Cnossia (nach Eumelus) den Xenodamus.
(2) Von den Söhnen der Leda übte sich Castor im Kriegswesen, Porydeuces im Faustkampfe; Beide wurden wegen ihrer Mannhaftigteit Dioscuren [Zeussöhne vorzugsweise] genannt. Diese wünschten des Leucippus Töchter zu Gemahlinnen, raubten Dieselben aus Messene und vermählten sich mit ihnen.
Polydeuces zeugte mit Phöbe den Mnesileos; Castor mit Hilaïra den Anogon. In Verbindung mit den Söhnen des Aphareus, Idas und Lynceus, machten sie einst Beute in Arcadien und übertrugen dem Idas die Theilung. Dieser zerstückte einen Stier in vier Theile und bestimmte, daß, Wer seinen Theil zuerst aufgezehrt habe, die Hälfte der Beute, der zweite das Uebrige haben sollte. Nun verschlang Idas in aller Eile zuerst seinen eigenen, dann seines Bruders Antheil und brachte mit demselben die Beute nach Messene. Die Dioscuren aber zogen gegen Messene zu Felde, machten sich, neben der früheren, mit neuer reicher Beute beladen, auf den Rückweg und lauerten dem Idas und Lynceus unter einer Eiche auf. Allein Lynceus wurde des Castor ansichtig, machte den Idas auf ihn aufmerksam und Dieser tödtete ihn. Jetzt verfolgte sie Polydeuces und streckte den Lynceus durch einen Wurf mit dem Spieße nieder. Während er aber den Idas verfolgte, wurde er von Demselben mit einem Steine an den Kopf geworfen, daß er schwindelnd niederstürzte. Da erschlug Zeus den Idas mit dem Donner, und führte den Polydeuces zum Himmel empor. Polydeuces nahm jedoch, da Castor todt war, die Unsterblichkeit nicht an; deswegen erlaubte Zeus Beiden, je einen Tag um den andern, theils bei den Göttern, theils unter den Todten zuzubringen. Nachdem auf diese Weise die Dioscuren zu den Göttern versetzt waren, ließ Tyndareos den Menelaus nach Sparta holen und übertrug ihm die Herrschaft.
12 (1) Von Electra, des Atlas Tochter, und Zeus stammten Jasion und Dardanus. Jasion war in Demeter verliebt, und wurde, als er eben die Göttin entehren wollte, vom Blitz erschlagen. Dardanus, betrübt über den Tod des Bruders, verließ Samothrace und begab sich auf das gegenüber liegende feste Land. Hier herrschte Teucrus, der Sohn des Flusses Scamander und der Nymphe Idäa, nach welchem auch die in der Gegend umherziehenden Hirten den Namen Teucrer führten. Jener wurde von dem Könige gastfreundlich aufgenommen, bekam einen Strich Landes und seine Tochter Batea zur Gemahlin, gründete eine Stadt, Namens Dardanus, (2) und nannte nach dem Tode des Teucrus die ganze Gegend Dardania.
Von den Söhnen, die er bekam, Ilus und Erichthonius, starb der Erstere kinderlos. Erichthonius übernahm die Herrschaft, vermählte sich mit Astyoche, des Simoïs Tochter, und zeugte den Tros.
Als Diesem das Reich zugefallen war, nannte er die Gegend nach sich [Troja], nahm die Calirrhoë, des Scamanders Tochter, zur Gattin, zeugte eine Tochter, die Cleopatra, und Söhne, den Ilus, Assaracus und Ganymedes. Den Letzten ließ Zeus, seiner Schönheit wegen, durch einen Adler rauben, und übertrug ihm das Mundschenkenamt bei den Göttern im Himmel.
Von Assaracus und Hieromneme, des Simoïs Tochter, stammt Capys; von ihm und Themis, der Tochter des Ilus, Anchises, mit welchem Aphrodite [Venus], von Liebeslust entflammt, sich verband, worauf sie den Aeneas gebar und den Lyrus71, der kinderlos starb.
(3) Ilus begab sich nach Phrygien, woselbst er gerade zu einem, von dem Könige angeordneten, Kampfspiele kam, in welchem er beim Ringkampfe den Sieg davon trug. Er erhielt als Preis fünfzig Jünglinge und eben so viele Mädchen, wozu ihm der König, einem Orakelspruche zufolge, noch eine scheckige Kuh gab, mit der Bestimmung, daß er da, wo die selbe sich niederlegen würde, eine Stadt gründen sollte. Ilus folgte der Kuh, und da diese bei dem sogenannten Hügel der Phrygischen Ate sich regte, so gründete er daselbst eine Stadt und nannte sie Ilium. Er bat nun den Zeus, ihm irgend ein Zeichen erscheinen zu lassen, und fand am folgenden Tage das vom Himmel gefallene Palladium [Bild der Pallas] vor seinem Zelte liegen. Es war drei Ellen hoch, hatte geschlossene Füße, und hielt in der rechten Hand einen erhobenen Spieß, in der andern Rocken und Spindel.
Die Geschichte von dem Palladium wird folgendermaßen erzählt:
Athene wurde nach der Sage, von ihrer Geburt an bei Triton erzogen, der eine Tochter, Pallas, hatte. Eines Tags nun, als die beiden Jungfrauen ihren kriegerischen Uebungen oblagen, traten sie zu einem Wettkampfe einander gegenüber. Eben wollte Pallas einen Hieb führen, da hielt Zeus, dadurch erschreckt, die Aegide [einen Schild von Ziegenfell] vor. Jene blickte furchtsam auf, wurde in diesem Augenblicke von Athene verwundet und fiel. Athene aber, von tiefer Trauer um sie ergriffen, ließ ein sehr ähnliches Bild derselben verfertigen, legte demselben die Aegide, vor der Pallas sich gefürchtet hatte, als Brustharnisch um, stellte das Bild neben die Bildsäule des Zeus und hielt es hoch in Ehren. Als aber späterhin Electra nach ihrer Schwächung zu diesem Bildnisse ihre Zuflucht nahm, warf Zeus (zugleich mit der Ate) auch das Palladium in die Gegend von Ilium hinab. Ilus aber baute zu dessen Verehrung einen Tempel.
Das ist es, was in Beziehung auf das Palladium erzählt wird.
Ilus vermählte sich mit Eurydice, der Tochter des Adrastus, und zeugte den Laomedon. Dieser ehlichte des Scamanders Tochter, Strymo; nach Andern die Placia, des Atreus Tochter, oder auch, wie Einige sagen, die Leucippe72, und zeugte die Söhne Tithonus, Lampon, Clytius, Hicetaon, Podarces, und die Töchter Hesione, Cilla und Astyoche; endlich mit der Nymphe Calybe den Bucolion.
(4) Den Tithonus raubte Eos [Aurora] aus Liebe, und brachte ihn nach Aethiopien; daselbst von ihm umarmt, gebar sie die Söhne Emathion und Memnon. (5) Als Ilium von Heracles erobert wurde, wie wir etwas weiter oben erzählt haben, herrschte daselbst Podarces, mit dem Zunamen Priamus [II, 6, 4.]. Dieser verehlichte sich zuerst mit Arisbe, des Merops Tochter, von der er einen Sohn Aesacus bekam. Dieser nahm Asterope, die Tochter des Cebren, zur Gattin, und wurde nachher, da er ihren Tod bejammerte, in einen Vogel verwandelt. Priamus aber trat die Arisbe an den Hyrtacus ab und schritt zu einer zweiten Ehe mit Hecabe [Hecuba], des Drymas, oder, andern Nachrichten zufolge, des Cisseus Tochter. Noch Andere nennen als ihre Aeltern den Fluß Sangarius und die Metope. Ihr erster Sohn war Hector. Als die Geburt ihres zweiten Kindes herannahte, hatte sie im Traume die Vorstellung, sie habe ein brennendes Holzscheit geboren, das die ganze Stadt verheere und verbrenne. Als Priamus von Hecabe den Traum erfuhr, ließ er seinen Sohn Aesacus holen. Dieser war nämlich ein Traumdeuter, von seinem mütterlichen Großvater Merops in dieser Kunst unterrichtet. Aesacus erklärte, der Sohn werde das Verderben des Vaterlandes werden, und schlug die Aussetzung des Kindes vor. Priamus gab deswegen das kaum geborene Kind einem Sclaven, um es auf den Ida zu tragen und daselbst auszuseßen. Der Sclave hieß Agelaus. Nach fünf Tagen, während welcher eine Bärin das von Demselben ausgesetzte Kind gesäugt hatte, fand er es unbeschädigt. Er hob es auf, nahm es mit sich, erzog es auf seinem Felde gleich einem eigenen Kinde und nannte es Paris. Zum Jünglinge herangewachsen, zeichntete sich Derselbe durch Schönheit und Körperkraft vor Vielen aus, und erhielt später den Zunamen Alexander [Hülfsmann, Retter], weil er die Räuber vertrieb und den Hirten beistand. Nicht lange hernach gelang es ihm, seine Aeltern aufzufinden. Nach ihm gebar Hecabe Töchter: die Creusa, Laodice, Polyxene und Cassandra. Diese Letzte hätte Apollo gerne genossen und versprach, ihr dafür die Wahrsagerkunft beizubringen. Sie ließ sich darin unterrichten, erhörte aber die Wünsche des Gottes nicht, weswegen Apollo ihren Weissagungen den Glauben der Leute raubte. Wiederum gebar Hecabe Söhne: den Deïphobus, Helenus, Pammon, Polites, Antiphus, Hipponous, Polydorus, Troïlus. Als Vater des Letzten wird Apollo angegeben.
Von andern Gemahlinnen bekam Priamus folgende Söhne: den Melanippus, Gorgythion, Philämon, Hippothous, Glaucus, Agathon, Chersidamas, Evagoras, Hippodamas, Mestor, Atas, Doryclus, Lycaon, Dryops, Bias, Chromius, Astygonus, Telestas, Evander, Cebriones, Melius, Archemachus, Laodocus, Echephron, Idomeneus, Hyperion, Ascanius, Democoon, Arrhetus, Deïoptes, Clonius, Echemon, Hypirochus, Aegeoneus, Lysithous, Polymedon; und die Töchter: Medusa, Medesicaste, Lysimache und Aristodeme.
(6) Hector nahm die Andromache, des Eëtion Tochter, zur Gattin; Alexander die Oenone, die Tochter des Flusses Cebren. Diese hatte von Rhea die Wahrsagerkunst gelernt und warnte den Alexander zum voraus, er sollte doch nicht Helena’s wegen zu Schiffe gehen. Da er ihrem Abrathen kein Gehör gab, so forderte sie ihn auf, sich an sie zu wenden, falls er verwundet würde; denn sie allein vermöchte ihn zu heilen. Er entführte jetzt die Helena aus Sparta. Nach der Einnahme von Troja wurde er von Philoctetes durch die Heraclëischen Pfeile verwundet, und kehrte zu Oenone auf den Ida zurück. Allein Diese, noch empfindlich über seine Untreue, erklärte, sie heile ihn nicht. Alexander ließ sich sofort nach Troja bringen und starb. Oenone aber, die indessen anderes Sinnes geworden war, kam jetzt doch mit den zur Heilung nöthigen Mitteln herbei, fand ihn aber nicht mehr am Leben und erhängte sich selbst.
Der Fluß Asopus, ein Abkömmling des Oceanus und der Tethys; nach Acustlaus, der Pero und des Poseidon; nach Andern des Zeus und der Eurynome, hatte sich mit Metope, der Tochter des Flusses Ladon, vermählt, und mit ihr zwei Söhne, Ismenus und Pelagon, und zwanzig Töchter gezeugt. Eine der Letzteren, Aegina, wurde von Zeus entführt. Asopus suchte sie und kam nach Corinth, wo er von Sisyphus erfuhr, daß Zeus der Räuber sey. Allein Zeus traf den Verfolger mit dem Donner und trieb ihn so in das alte Bette zurück. Daher kommt es, daß man noch heut zu Tage Kohlen im Bette dieses Flusses findet.
Die Aegina brachte Zeus auf die damals sogenannte Insel Oenone, jetzt nach dem Mädchen Aegina benannt, genoß ihrer Liebe und zeugte mit ihr einen Sohn, Aeacus. Da Dieser so ganz allein auf der Insel war, so schuf Zeus für denselben die Ameisen in Menschen um. Zur Gattin nahm Aeacus die Endeïs, des Sciron Tochter, von der er die Söhne Peleus und Telamon bekam. Pherecydes nennt Telamon den Freund, nicht Bruder des Peleus, indem Derselbe nach ihm ein Sohn des Actäus und der Glauce, der Tochter des Cychreus, wäre. Wiederum ließ sich Aeacus mit Psamathe, der Tochter des Nereus, ein, ungeachtet sie, um seinen Liebkosungen zu entgehen, sich – –73 verwandelt hatte, und zeugte mit ihr einen Sohn, Phocus.
Aeacus war der gottesfürchtigste Mann seiner Zeit. Hieraus erklärt sich folgende Thatsache: Hellas wurde einst wegen des Pelops von Unfruchtbarkeit heimgesucht. Dieser hatte nämlich in einem Kriege mit dem Arcadischen Könige Stymphalus, da er sich außer Stande sah, Arcadien zu erobern, die Maske friedlicher Gesinnungen gebraucht, um den Stymphalus zu morden, und hatte seine zerhackten Glieder umhergestreut. Hierauf gaben die Orakel den Ausspruch: Hellas würde von den gegenwärtigen Uebeln befreit werden, wenn Aeacus für dasselbe bäte. Aeacus that’s und Hellas wurde von der Unfruchtbarkeit befreit. Auch nach seinem Tode steht Aeacus in Ehren bei Pluto und hat die Schlüssel des Hades in Verwahrung.
Die Ueberlegenheit, welche Phocus in den Kampfübungen an den Tag legte, veranlaßte, wie erzählt wird, seine Brüder, Peleus und Telamon, ihm nach dem Leben zu trachten, und Telamon, den das Loos traf, eine Kampfübung mit ihm anzustellen, warf ihm die Wurfscheibe an den Kopf, daß er starb. Nun schaffte er ihn mit Hülfe des Peleus weg und verbarg den Leichnam in einem Gehölze. Der Mord wurde jedoch ruchtbar und so mußten Beide, von Aeacus verbannt, aus Aegina entweichen.
(7) Telamon ging nach Salamin zu Cychreus, dem Sohne des Poseidon und der Salamis, des Asopus Tochter. Dieser [Cychreus] hatte eine Schlange, welche die Insel verheerte, getödtet und so die Herrschaft über dieselbe erlangt74. Er starb kinderlos und hinterließ dem Telamon das Reich. Dieser vermählte sich mit Periböa, der Tochter des Alcathus und Enkelin des Pelops, und zeugte mit ihr, in Folge der Gebete, welche Heracles zu diesem Zwecke für ihn verrichtete, einen männlichen Nachkommen, den er Ajax nannte, weil gleich nach jenen Gebeten ein Adler [Griechisch: Aëtos] sich hatte sehen lassen.
Telamon zog auch mit Heracles gegen Troja, erhielt daselbst als Ehrenpreis die Hesione, des Laomedon Tochter, und bekam von ihr einen Sohn, Namens Teucer.
13 (1) Peleus floh nach Phthia zu Eurytion, dem Sohne des Actor, wurde von Demselben entsündigt und erhielt von ihm, nebst dem dritten Theile des Landes, dessen Tochter, Antigone zur Gattin. Er bekam von ihr eine Tochter, Polydora, mit der sich nachher Borus, des Perieres Sohn, vermählte.
(2) Von da zog er mit Eurytion auf die Jagd des Calydonischen Ebers, warf einen Wurfspieß nach dem Schweine, traf aber den Eurytion und tödtete ihn so wider Willen. Er ergriff deshalb auf’s neue die Flucht und kam vor Phthia nach Jolcus zu Acastus, von dem er sich entsündigen ließ.
(3) Jetzt machte er auch die Kampfspiele mit, die wegen des Pelias angestellt wurden und kämpfte dabei mit Atalante.
Astydamia, des Acastus Gemahlin, verliebte sich hier in Peleus und ließ ihm eine Einladung zu einer geheimen Zusammenkunft zustellen. Da aber ihr Vorschlag nicht angenommen wurde, so ließ sie seiner Gemahlin die Nachricht bringen, Peleus sey im Begriffe, sich mit Sterope, der Tochter des Acastus zu verehlichen, worauf sich Jene den Würgestrick um den Hals legte.
Auch bei Acastus verläumdete sie den Peleus, als habe er ihr Verführer seyn wollen. Acastus konnte sich, trotz dieser Anzeige, nicht entschließen, Den zu tödten, welchen er entsündigt hatte; dagegen veranlaßte er ihn, auf den Pelion zu jagen. Da hier wegen der Jagd ein Wettstreit entstand, so schnitt Peleus den wilden Thieren, die er in seine Gewalt bekam, die Zungen aus und legte sie in seine Jagdtasche. Die Begleiter des Acastus, denen diese Thiere nachher in die Hände fielen, lachten den Peleus aus, als hätte er gar Nichts erjagt. Er aber zog Alle die Zungen, die er hatte, hervor, zeigte sie ihnen, und erklärte, so viele Thiere habe er in seine Gewalt gebracht.
Nachdem hierauf Peleus auf dem Berge Pelion sich schlafen gelegt hatte, schlich sich Acastus von ihm weg, verbarg ihm sein Schwert in Kuhmist und ging heim. Als Jener wieder aufstand und eben sein Schwert suchte, wurde er von den Centauren ergriffen, und es fehlte nicht viel, so wäre er umgebracht worden. Doch wurde er von Chiron noch gerettet, und Dieser half ihm auch durch Nachsuchen wieder zu seinem Schwerte.
(4) Die Tochter des Peleus, Polydora, nahm Borus, der Sohn des Perieres, zur Gattin, und bekam von Derselben einen Sohn, Menesthius benannt, der aber eigentlich den Fluß Spercheus zum Vater hatte. Peleus selbst vermählte sich zum zweitenmale mit Thetis, des Nereus Tochter, um deren Hand Zeus und Poseidon sich gestritten, und nur erst entsagt hatten, als Themis prophezeite, der Sohn Derselben würde größer als sein Vater werden. Nach Andern hätte Zeus bereits voll Begier nach ihrer Umarmung gestrebt, als ihm Prometheus noch zu beherzigen gab: der Sohn, den er mit Dieser zeugte, würde Herr des Himmels werden. Andere sagen: Thetis habe die Umarmung des Zeus verschmäht, da sie von Here auferzogen worden war. Zeus aber habe im Zorne seinen Willen ausgesprochen, daß sie sich mit einem Sterblichen verehlichen müße. In Folge dessen belehrte Chiron den Peleus, wie er sie ergreifen und festhalten könne, während sie allerlei Gestalten annehme. Dieser paßte die rechte Zeit ab und ergriff sie schnell, ließ Dieselbe auch, ob sie gleich bald Feuer, bald Wasser, bald ein wildes Thier wurde, nicht früher los, als bis er sah, daß sie ihre alte Gestalt wieder angenommen hatte. Er vermählte sich mit ihr auf dem Pelion. Daselbst feierten die Götter das Hochzeitfest mit Schmausen und Gesang. Auch machte Chiron dem Peleus ein Geschenk mit einem Spieße von Eschenholz; Poseidon mit zwei unsterblichen Rossen, Balius und Xanthus. (6) Als Thetis von Peleus ein Kind bekam, wollte sie es unsterblich machen, verbarg es, von Peleus ungesehen, des Nachts im Feuer und vertilgte so, was vom Vater her an ihm sterblich war. Bei Tage salbte sie es mit Ambrosia. Peleus aber belauschte sie einst, und schrie laut auf, als er seinen Sohn im Feuer zappeln sah. Thetis, auf diese Weise verhindert, ihr Vorhaben zu Ende zu bringen, verließ den Knaben noch unmündig und begab sich zu den Nereïden. Peleus brachte nunmehr den Knaben zu Chiron. Dieser nahm ihn auf, nährte ihn mit der Leber von Löwen und wilden Schweinen und mit Bärenmark, und hieß ihn Achilleus. Vorher war sein Name Ligyron [der Wimmernde], weil er seine Lippen nie an eine Brust gebracht hatte.
(7) Hierauf verband sich Peleus mit Jason und den Dioscuren, zerstörte Jolcus, tödtete die Astidamia, die Gemahlin des Acastus, ließ ihre Glieder umherstreuen und führte das Heer über sie hinweg in die Stadt. (8) Als nun Achilleus neun Jahre alt war, erklärte Calchas, Troja könne ohne ihn nicht genommen werden. Thetis, welche voraussah, daß ihm dieser Feldzug den Tod bringen müßte, steckte ihn in Mädchenkleider und verwahrte ihn so als Jungfrau unter den Mädchen des Lycomedes auf Scyrus. Während er hier erzogen wurde, beschlief er des Lycomedes Tochter, Deïdamia, und bekam von ihr einen Sohn, Pyrrhus, nachher Neoptolemus genannt. Odysseus suchte den Achilleus, dessen Aufenthalt ihm verrathen worden war, bei Lycomedes75 und entdeckte ihn mittelst einer Kriegstrompete, die er blasen ließ. Auf diese Weise kam Achilleus nach Troja.
Ihn begleitete Phönix, des Amyntor Sohn. Dieser war von seinem Vater geblendet worden, weil die Phthia, seines Vaters Beischläferin, ihn fälschlich beschuldigt hatte, er habe sie verführt. Peleus brachte ihn zu Chiron, der sein Augenlicht wieder herstellte, und machte ihn dann zum Könige der Doloper. Gefährte des Achilleus war ferner Patroclus, der Sohn des Menötius und der Tochter des Acastus, Sthenele, oder der Periapis, des Pheres Tochter, oder nach der Aussage des Philocrates76, der Polymele, des Peleus Tochter. Patroclus hatte, noch als Kind77, über Würfel im Spiele Streit bekommen, und den Knaben Clysonymus, des Amphidamas Sohn, erschlagen. Demzufolge war er in Begleitung seines Vaters flüchtig geworden, hielt sich seitdem bei Peleus auf und wurde der Liebling des Achilleus78.
14 (1) Cecrops war der erste Beherrscher Atticas, und gab dem Lande, statt seines früheren Namens Acte, nach sich, den Namen Cecropia. Er war ein Eingeborner des Landes und sein Körper halb der eines Mannes, halb der eines Drachen.
Unter seiner Regierung, sagt man, gefiel es den Göttern, sich Städte zum besonderen Besitze auszusuchen, in welchen sie Jeder vorzugsweise seine Verehrung beobachtet zu sehen wünschten. So kam denn Poseidon zuerst nach Attica, stampfte mit dem Dreizack auf den Boden und ließ mitten in der Burg Meerwasser hervorquellen, das man jetzt das Erechtheïsche nennt. Nach ihm kam Athene, nahm den Cecrops zum Zeugen der Besitzergreifung und ließ einen Oehlbaum hervorsprossen, der noch jetzt in dem Pandrosium79 gezeigt wird. Da nun Athene und Poseidon über den Besitz der Gegend uneins wurden, so legte Zeus den Streit zwischen Beiden dadurch bei, daß er Schiedsrichter aufstellte, und zwar nicht, wie Einige behaupteten, den Cecrops und Cranaus, noch auch den Erechtheus, sondern die zwölf Götter. Durch ihren richterlichen Ausspruch wurde die Gegend der Athene zuerkannt, in Folge des Zeugnisses von Cecrops, daß sie zuerst den Oehlbaum habe hervorsprossen lassen. Athene benannte nun die Stadt nach sich selbst Athen. Poseidon aber, grimmig erbost, überströmte die Thriasische Ebene und setzte Attica unter Wasser.
(2) Cecrops nahm nun die Jungfrau Agraulus, des Actäus Tochter, zur Gattin, und zeugte einen Sohn Erysichthon, welcher kinderlos starb, und Töchter: Agraulus, Herse, Pandrosus.
Von Agraulus und Ares stammt Alcippe. Ihr wollte Halirrhothius, der Sohn des Poseidon und der Nymphe Euryte, Gewalt anthun, wurde aber von Ares auf der That ertappt und getödtet. Poseidon erhob deshalb auf dem Areopagus, wo die zwölf Götter zu Gerichte saßen, Klage wider Ares; allein Dieser wurde freigesprochen80.
(3) Herse und Hermes hatten einen Sohn, Cephalus. Diesen entführte die Eos [Aurora], die sich in ihn verliebt hatte, genoß seiner Liebe in Syrien, und gebar einen Sohn Tithonus. Dieser zeugte den Phaëthon, dessen Sohn Astynous war, der Vater des Sandacus. Der Letztere kam aus Syrien nach Cilicien, gründete eine Stadt Calenderis, verehlichte sich mit Pharnace, des Megessares Tochter und zeugte den Cinyras81. Dieser kam mit einem Haufen Volks nach Cyprus, wo er die Stadt Paphus anlegte. Daselbst vermählte er sich mit Metharme, einer Tochter des Cyprischen Königs Pygmalion, und zeugte den Oxyporus und den Adonis; außer Diesen die Töchter Orsedice, Laogore und Bräsia. Diese gaben sich, dem Willen der erzürnten Aphrodite gemäß, fremden Männern zum Genusse preis und kamen in Aegypten um’s Leben.
(4) Adonis starb noch als Knabe, nach dem Willen der grollenden Artemis von einem Schweine auf der Jagd verwundet. Hesiodus nennt ihn einen Sohn des Phönix und der Alphesiböa. Panyasis aber gibt ihm den Assyrerkönig Thias zum Vater, der auch eine Tochter Smyrna hatte. Weil Diese Mangel an Achtung gegen Aphrodite blicken ließ, so wurde sie von der beleidigten Göttin zur Liebe gegen ihren Vater entflammt. Unter Beihülfe ihrer Amme theilte sie zwölf Nächte hindurch ihres Vaters Bette, ohne daß Dieser Etwas merkte. Sobald er es jedoch inne wurde, verfolgte er sie mit gezücktem Schwerte. Als sie sich eingeholt sah, flehte sie zu den Göttern, sie unsichtbar werden zu lassen. Die Götter, von Mitleiden bewogen, verwandelten sie in einen Baum, den man Smyrna [Myrrhe] nennt. Zehen Monate nachher – so erzählt man – platzte der Baum und Adonis wurde geboren. Aphrodite, von seiner Schönheit angezogen, verbarg ihn noch als unmündiges Kind, von den Göttern ungesehen, in eine Kiste und stellte ihn der Persephone zu, die ihn aber nicht bald wieder herausgeben wollte, sobald sie ihn erblickt hatte. Durch einen richterlichen Ausspruch des Zeus wurde nun das Jahr in drei gleiche Theile getheilt, wonach Adonis einen Theil sich selbst leben durfte, einen bei Persephone und den letzten bei Aphrodite zubringen sollte. Seinen eigenen Theil wußte nun Adonis nicht besser zu benützen, als daß er auch diese Zeit über bei Aphrodite blieb. Späterhin starb Adonis, von einem Schweine auf der Jagd verwundet.
(5) Nach Cecrops Tode übernahm der Eingeborne, Cranaus, die Regierung, während welcher die Deucalionische Fluth entstanden seyn soll. Dieser holte sich eine Gemahlin in Lacedämon, die Pedias, des Menys Tochter, und zeugte mit ihr die Cranaë, Cranächme, und die Atthis. Nachdem die Letzte als Jungfrau gestorben war, nannte Cranaus das Land Atthis.
(6) Den Cranaus verjagte Amphictyon und ergriff das Ruder des Staats. Ihn nennen Einige einen Sohn des Deucalion, Andere geben ihn für einen Eingebornen aus. Nach einer Regierung von zwölf Jahren vertrieb ihn Erichthonius. Dessen Abstammung leiten Einige von Hephästus und der Tochter des Cranaus, Atthis; Andere von Hephästus und der Athene her, Letzteres unter folgenden Umständen. Athene kam zu Hephästus, um Waffen bei ihm zu bestellen. Da ergriff ihn, der gerade von Aphrodite verlassen worden war, wollüstiges Verlangen nach Athene, und er fing an, ihr nachzulaufen, worauf sie entfloh. Als er, (jedoch mit vieler Noth, weil er lahm war) sie erreicht hatte, machte er einen Versuch sie zu umarmen. Sie aber, eine reine züchige Jungfrau, duldete es nicht. Dennoch befleckte er die Göttin am Bein. Von Eckel ergriffen, nahm sie ein Stück Wolle, wischte es ab und warf’s auf den Boden. Jetzt ergriff sie die Flucht und aus dem zu Boden Geworfenen entstand Erichthonius. Diesen zog Athene, ohne Wissen der übrigen Götter, auf und wollte ihn unsterblich machen. Sie legte ihn in eine Kiste, übergab dieselbe der Pandrosus, des Cecrops Tochter, zur Verwahrung und verbot ihr, die Kiste zu öffnen. Allein die Schwestern der Pandrosus, von Neugierde getrieben, öffneten die Kiste, erblickten das Kind, von einer Schlange umringelt, und wurden sofort, wie Einige erzählen, von der Schlange selbst getödtet. Nach Andern wurden sie durch die zürnende Athene in Wahnsinn versetzt, und stürzten sich selbst von der Burg herab. Erichthonius, von Athene selbst in ihrem Heiligthume erzogen, vertrieb in der Folge den Amphictyon und herrschte über Athen. Er stellte das Bildniß der Athene in der Burg auf und stiftete das Fest der Panathenäen. Seine Gemahlin wurde Pasithea, eine Najade, welche ihm den Knaben Pandion gebar.
(7) Erichthonius war gestorben, und hatte sein Grab in dem Heiligthume der Athene erhalten. Unter der Regierung seines Nachfolgers, Pandion, kamen Demeter und Dionysus nach Attica; Demeter wurde jedoch von Celeus in Eleusin, Dionysus von Icarius aufgenommen, dem der Gott eine Weinranke zum Geschenke machte. Nachdem Icarius die Zubereitung des Weins gelernt hatte, wollte er den Menschen das Gnadengeschenk des Gottes zu Theil werden lassen, und kam zu einigen Hirten, welche, nachdem sie den Trank gekostet, den ungemischten Wein von Lust und in unmäßigen Zügen tranken, dann aber sich vergiftet glaubten und ihn ermordeten. Als sie jedoch am andern Tage zur Besinnung gekommen waren, begruben sie ihn. Seiner Tochter Erigone, die den Vater suchte, entdeckte ein anhänglicher Hund, Namens Mära, der den Icarius begleitet hatte, den Leichnam; und Jene, vom Schmerz wegen ihres Vaters überwältigt, erhängte sich selbst.
(8) Pandion vermählte sich mit Zeuxippe, seiner Mutter Schwester und zeugte mit ihr Töchter, die Procne und Philomela, und Zwillingssöhne, den Erechtheus und Butes. Als nun wegen der Landesgränzen ein Krieg mit Labdacus ausbrach, rief er den Tereus, des Ares Sohn, aus Thracien zu Hülfe, und gab ihm, nach glücklich unter seiner Beihülfe beendigtem Kriege seine Tochter Procne zur Ehe. Tereus zeugte mit ihr einen Sohn, Itys, verliebte sich aber nun auch in Philomela und wußte Diese dadurch seinen Wünschen geneigt zu machen, daß er vorgab, Procne (die er auf seinem Landgute verborgen hielt) sey gestorben.
Er schloß also eine zweite Ehe mit Philomela, schnitt ihr aber, nachdem er ihr beigewohnt, die Zunge aus82. Sie wob jedoch einige Worte in einen Schleier [Shawl], und that auf diese Weise der Procne kund, was ihr selbst begegnet war. Diese suchte nun ihre Schwester auf, tödtete den Knaben Itys, kochte ihn, und setzte ihn dem nichtsahnenden Tereus zur Speise vor. Darauf nahm sie sammt ihrer Schwester eiligst die Flucht. Sobald es Tereus merkte, ergriff er ein Beil und verfolgte sie. Die beiden Frauen, als sie sich zu Daulia in Phocis eingeholt sahen, baten die Götter, sie möchten sie all Vögel verwandeln. Procne wurde zur Nachtigall, Philomele zur Schwalbe. Auch Tereus wurde in einen Vogel, und zwar in einen Wiedehopf, verwandelt.
15 (1) Nach dem Tode des Pandion theilten seine Söhne das väterliche Erbe unter sich. Die Zügel der Regierung ergriff Erechtheus, das Priesterthum der Athene und des Erechtheïschen Poseidon bekam Butes. Erechtheus nahm zur Gattin die Praxithea, eine Tochter des Phrasimus und der Diogenia, des Cephisus Tochter, und bekam von ihr die Söhne Cecrops, Pandorus, Metion [und Orneus83]; und die Töchter: Procris, Crëusa, Chthonia und Orithyia, die von Boreas geraubt wurde.
Mit Chthonia vermählte sich Butes; mit Crëusa, Xuthus; und Cephalus, der Sohn des Deïon, mit Procris. Diese aber gab dem Pteleon, gegen einen goldnen Kranz, den er ihr zum Geschenke machte, ihre Ehre preis. Von Cephalus ertappt, floh sie zu Minos. Dieser verliebte sich in sie und vermochte sie, auch seinen Lüsten zu genügen. Wo aber ein Weib mit Minos sich also einließ, das war sicher verloren. Pasiphaë nämlich hatte, weil Minos gar vielen Weibern beizuwohnen pflegte, ihm ein Arzneimittel beizubringen gewußt, dessen Wirkung darin bestand, daß, sobald er sich mit einer Andern zu thun machte, Derselben Würmer in den Leib drangen, worauf der Tod erfolgte. Nun besaß er einen schnellen Hund und einen gut treffenden Spieß, um welche Stücke Procris ihm ihren Leib preis gab. Vorher hatte sie ihm jedoch von der Circëischen Wurzel zu trinken gegeben, um selbst keinen Schaden zu nehmen.
Jetzt wandelte sie aber eine neue Furcht an, die vor der Gemahlin des Minos; daher begab sie sich nach Athen, söhnte sich mit Cephalus aus, und theilte seine Jagdstreifereien, da sie eine geschickte Jägerin war. Während sie nun einst im Verfolgen eines Wildes begriffen war, warf Cephalus, der sie im Dickicht nicht erkannte, einen Wurfspieß, traf und tödtete so die Procris. Er wurde im Areopagus gerichtet, und ewige Verbannung über ihn ausgesprochen.
(2) Die Orithyia raubte Boreas, eben als sie über den Fluß Ilissus setzte, und genoß ihrer Liebe. Sie gebar die Töchter Cleopatra und Chione und die Söhne Zetes und Calaïs, welche beflügelt waren. Letztere nahmen an der Seefahrt des Jason Theil, und kamen bei der Verfolgung der Harpyien um’s Leben. Nach Acusilaus wurden sie in der Gegend der Insel Tenos von Heracles umgebracht.
(3) Mit Cleopatra vermählte sich Phineus, und bekam von ihr die Söhne Plexippus und Pandion. Nachdem ihm Cleopatra diese Söhne geboren hatte, nahm er Idäa, des Dardanus Tochter, zur Gattin. Diese gab ihre Stiefsöhne bei Phineus fälschlich an, als hätten sie ihr ungebührliche Anträge gemacht. Phineus glaubte es und blendete Beide. Als aber nachher die Argonauten mit Boreas vorbeischifften, übten Diese Rache an ihm.
(4) Chione ergab sich dem Poseidon und, nachdem sie ohne Vorwissen ihres Vaters den Eumolpus geboren, warf sie das Kind in’s Meer, damit ihre Schande nicht offenbar würde. Poseidon nahm den Knaben auf und brachte ihn nach Aethiopien, woselbst er Denselben der Benthesicyme, seiner Tochter von der Amphitrite, zur Erziehung übergab. Nachdem Derselbe in Benthesicyme’s Behausung herangewachsen war, gab ihm ihr Gemahl die Eine von seinen Töchtern zur Gattin. Er aber vergriff sich auch an der Schwester seiner Frau und wollte ihr Gewalt anthun. Deßwegen wurde er verbannt und wandte sich mit seinem Knaben Ismarus zu dem Thracischen Könige Tegyrius. Dieser gab seinem Sohne seine Tochter zur Gattin. Späterhin kam es jedoch an den Tag, daß Jener gegen Tegyrius Böses im Schilde führte, und so floh er zu den Eleusiniern, mit denen er ein Freundschaftsbündniß schloß. Nachher als Ismarus gestorben war, kam er auf eine Einladung des Tegyrius zurück, legte den alten Streit bei und übernahm das Reich. Als nun ein Krieg zwischen den Eleusiniern und den Athenern ausgebrochen, wurde er von den Ersteren zur Hülfe aufgerufen und stand ihnen mit einem starken Haufen Thracier kräftig bei. Nun befragte Erechtheus das Orakel, wodurch die Athener den Sieg für sich gewinnen könnten, und erhielt von dem Gotte zur Antwort: Er würde den Krieg zu glücklichem Ende bringen, wenn er Eine seiner Töchter schlachtete. Als er nun die Jüngste schlachtete, so tödteten sich die Uebrigen selbst; sie hatten nämlich, wie Einige berichten, einen gemeinschaftlichen Eid geschworen, Alle mit einander zu sterben. Da nun nach dieser Metzelei die Schlacht losbrach, tödtete Erechtheus den Eumolpus.
(5) Nachdem aber Poseidon auch das Ende des Erechtheus und seines Hauses herbeigeführt hatte, trat Cecrops, der Aelteste von den Söhnen des Erechtheus, die Regierung an. Dieser verehlichte sich mit Metiadusa, des Eupalamus Tochter, und zeugte einen Sohn, den Pandion.
Dieser folgte dem Cecrops in der Regierung, wurde aber von den Söhnen des Metion in einem Aufruhre verjagt. Er begab sich nach Megera zu Pylas, und vermählte sich mit dessen Tochter Pylia. Mittelst dieser Verbindung wurde er nachher auch wiederum König des Staates. Pylas tödtete nämlich seines Vaters Bruder, Bias, und übergab demzufolge das Reich dem Pandion; er selbst begab sich mit einem Haufen Volks nach dem Peloponnes, wo er die Stadt Pylus gründete.
Dem Pandion wurden während seines Aufenthalts in Megara folgende Söhne geboren: Aegeus, Pallas, Nisus und Lycus. Einige behaupten jedoch, Aegeus sey der Sohn des Scyrius gewesen und von Pandion nur für den seinigen ausgegeben worden.
(6) Nach Pandion’s Tode zogen seine Söhne gegen Athen zu Felde, vertrieben die Metioniden und theilten das Reich in vier Theile, so jedoch, daß Aegeus die Gewalt ungetheilt behielt. Er verehlichte sich zum erstenmale mit Meta, des Hoples Tochter, zum zweiten mit Chalciope, der Tochter des Rhexenor. Weil er aber kinderlos blieb, so bekam er Furcht vor seinen Brüdern, begab sich zu der Pythia und befragte das Orakel wegen der Geburt von Söhnen. Der Gott gab ihm zur Antwort:
„Früher Offne du nicht des Schlauchs vorragendes Ende,
Bis du, kräftigster Held, zur Burg der Athener gekommen.“
(7) Da er nicht wußte, was er aus diesem Orakel machen sollte, so trat er den Rückweg nach Athen an und kehrte auf seiner Durchreise in Trözen bei Pittheus, dem Sohne des Pelops, ein. Dieser errieth den Sinn des Orakels, machte ihn trunken und legte ihn mit seiner Tochter Aethra zusammen.84 In derselben Nacht aber kam auch Poseidon zu ihr. Aegeus befahl nun der Aethra, falls sie einen Sohn gebäre, ihn aufzuziehen, ohne zu sagen, Wer sein Vater sey; ließ auch unter einem Felsstück ein Schwert und Schuhe zurück, mit der Bemerkung, sie sollte ihm seinen Sohn mit diesen Stücken zusenden, sobald Derselbe im Stande wäre, das Felsstück abzuwälzen, und die Stücke wegzunehmen. Er selbst ging jetzt nach Athen and feierte den Festkampf der Panathenäen, in welchem der Sohn des Minos, Androgeos, Alle besiegte. Diesen schickte Aegeus gegen den Marathonischen Stier, durch welchen er das Leben verlor. Einige jedoch behaupten, die von ihm besiegten Wettkämpfer haben ihm, als er sich nach Theben zum Kampfspiele des Lajus begeben wollte, aufgelauert und ihn aus Neid ermordet. Minos opferte eben auf Paros den Charitinnen [Grazien], als dieses Ende seines Sohnes ihm hinterbracht wurde. Da riß er den Kranz vom Haupte, hieß die Blasinstrumente schweigen, vollendete aber dessen ungeachtet das Opfer. Deßwegen opfert man noch heut zu Tage den Charitinnen auf Paros ohne Blasinstrumente und Kränze.
(8) Nicht lange hernach bekriegte dieser mächtige Seeheld Athen mit einer Flotte, nahm Megara weg, wo Nisus, der Sohn des Pandion, herrschte, und tödtete den Megareus, des Hippomenes Sohn, welcher aus der Stadt Onchestus dem Nisus zu Hülfe gekommen war. Auch Nisus starb, von seiner eigenen Tochter verrathen. Mitten auf seinem Kopfe befand sich nämlich purpurfarbiges Haar, an dessen Erhaltung sein Leben geknüpft war. Seine Tochter Scylla, die sich in den Minos verliebt hatte, riß dieses Haar ihrem Vater aus – und er starb. So wurde Minos Megara’s mächtig, ließ aber die Jungfrau mit den Füßen an das Hintertheil seines Schiffes binden, und so untertauchen.
Der Krieg zog sich indessen doch in die Länge; da er nun Athen nicht zu gewinnen vermochte, so flehte er deßhalb zu Zeus, er möchte an den Athenern die Strafe vollziehen, worauf denn Hungersnoth und Pest über die Stadt hereinbrach. Das Erste, was unter diesen Umständen die Athener thaten, war, daß sie, einem alten Orakelspruche zufolge, die ledigen Töchter des Hyacinthus, Antheïs, Aegleïs, Enthenis, Lytäa und Orthäa auf dem Grabeshügel des Gerästus, eines Cyclopen, schlachteten. Der Vater dieser Mädchen, Hyacinthus, war aus Lacedämon nach Athen gekommen und hatte daselbst seinen Wohnsitz aufgeschlagen. Als aber Dieß nichts half, befragten sie das Orakel, wie sie des Uebels los werden könnten, worauf ihnen der Gott erwiederte: sie müßten dem Minos die Strafe erlegen, die er selbst bestimmen würde. Sie schickten deßwegen Gesandte an Minos und forderten ihn auf, die Genugthunng zu bestimmen. Minos befahl ihnen, sieben Jünglinge und eben so viele Jungfrauen wehrlos dem Minotaurus zur Speise zu schicken.
Dieser war im Labyrinthe eingeschlossen, aus dem Niemand, der hineinging, den Weg zurückfinden konnte, indem es durch vielfache Windungen den unbekannten Weg verschloß.85
Dädalus hatte es erbaut, der Sohn des Eupalamus und Enkel des Metion und der Alcippe, ein sehr geschickter Baumeister und der erste Erfinder der Standbilder.
Er hatte sich aus Athen flüchtig gemacht, weil er seinen Schüler Talos, den Sohn seiner Schwester Perdix,86 von der Burg herabgestürzt hatte, aus Furcht, Dieser möchte, vermöge seiner Künstleranlage, ihn übertreffen. Derselbe hatte nämlich den Kinnbacken einer Schlange gefunden und damit ein Holz sehr zierlich zersägt. Als nun der Leichnam aufgefunden war, mußte sich Jener vor das Gericht des Areopagus stellen, wurde verdammt und floh zu Minos. [Hier half er der Pasiphaë ihr wollüstiges Gelüste nach einem Stiere des Poseidon befriedigen, indem er eine hölzerne Kuh bildete. Auch baute er das Labyrinth, in welches die Athener jährlich sieben Jünglinge und eben so viele Mädchen dem Minotaurus zum Fraße liefern mußten.87]
16 (1) Theseus nun, der Sohn des Aegeus von der Aethra, wälzte, als er herangewachsen war, das Felsstück ab, hob die Schuhe und das Schwert auf und kam zu Fuße nach Athen. Die Straße dahin reinigte er von den Bösewichtern, von welchen sie umlagert war. Zuerst tödtete er in Epidaurus den Periphetes, den Sohn des Hephästus und der Anticlea [der von der Keule, die er trug, den Zunamen Keulenträger erhalten hatte88]. Schwach an Füßen, führte Derselbe eine eherne Keule, mit welcher er die Vorübergehenden erschlug. Theseus entriß sie ihm und führte sie von da an selbst.
(2) Sodann tödtete er den Sinis, den Sohn des Polypemon und der Sylea, der Tochter des Corinthus. Dieser führte den Beinamen Fichtenbeuger. Er hatte nämlich auf der Corinthischen Landenge sich niedergelassen, und zwang die Vorübergehenden, Fichten, die er herabbeugte, festzuhalten. Da die Reisenden zu schwach waren, um diefelben so zu halten, so würden sie von den Bäumen in die Höhe geschleudert, und gänzlich zerrissen.
Jetzt machte es Theseus dem Sinis, wie Dieser es Andern gemacht, und räumte ihn also aus dem Wege . . . . .
Anmerkungen
43 Die hier bezeichnete Stelle versucht eine Lücke des Textes auszufüllen. Der Uebersetzer.
