Nur Weniges haben wir diesem Büchlein als Einleitung voranzuschicken. Von dem angeblichen Verfasser wissen wir, daß er ein Schüler des Sokrates und einer von denen war, die Zeugen seiner letzten Augenblicke und seiner Abschiedsreden gewesen sind. Außerdem ist uns von Cebes nichts bekannt, als daß er aus Theben in Böotien gebürtig war.
Er soll drei Dialogen verfaßt haben, von welchen zwei, Phrynichus und Hebdome betitelt, verloren gegangen sind, und nur unser „Gemälde“ übrig geblieben ist. Ungeachtet einige Stellen in diesem Schriftchen es zweifelhaft zu machen scheinen, ob Cebes, der Schüler des Sokrates, der wirkliche Verfasser gewesen sei, so sind doch die Gründe gegen die Aechtheit nicht so stark, daß man genöthigt wäre, den Glauben an die letztere, die sonst gut bezeugt ist, fallen zu lassen. Die angefochtenen Stellen könnten leicht als spätere Zusätze betrachtet werden. Der Geist des Büchleins ist wesentlich sokratisch. Einige Härten des Stils verrathen den Böotier.
Das Schriftchen ist eine philosophische Abhandlung im dichterischen Gewande und in dialogischer Form. Einige Jünglinge betrachten mit Verwunderung ein allegorisches Gemälde, dessen Sinn sie nicht errathen können. Ein ehrwürdiger Alter kommt ihnen zu Hülfe. Die Erklärung der Allegorie, die er ihnen gibt, bildet den Stoff des Dialogs. Die Moral desselben besteht in folgenden Sätzen: Nicht Sinnengenuß, nicht Reichthum, Macht und Ehre, überhaupt nicht äußere Glücksgüter können den Menschen wahrhaft glücklich und zufrieden machen, sondern nur die wahre Bildung. Diese aber besteht nicht in dem Besitz von allerlei gelehrten Kenntnissen, obwohl auch sie nicht zu verachten sind, sondern in Tugend und Rechtschaffenheit, oder vielmehr in der Erkenntniß davon, daß man nur durch Tugend glücklich sein könne.
Die vorliegende Uebersetzung schließt sich, wie die von Epiktet’s Handbüchlein, an den griechischen Text der Ausgaben von Schweighäuser, Korai und Dübner an, welche nur in wenigen Stellen von einander abweichen. Die fremden Uebersetzungen, welche ich vergleichen konnte, sind die lateinische bei Dübner (eine textgemäßere Ueberarbeitung der älteren lateinischen Uebersetzung des Odaxius), die ziemlich freie französische bei Korai, und die sehr gelungene deutsche von K. Pfaff, Stuttgart 1827.
