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Einleitung

Das Leben des Pythagoras ist – noch mehr, als das aller übrigen Philosophen des griechischen Alterthums – in ein mythisches Dunkel gehüllt: die fabelhaften Sagen über ihn sind fast so alt, als er selbst. Schon zu Herodot’s und Aristoteles’ Zeit war dieß der Fall; noch mehr Sagenhaftes über ihn geben die neuaristotelischen Quellen des Diogenes von Laërte; vor Allen aber waren es die Neuplatoniker – Porphyrius, Jamblichius u. A. – welche, nach dem Vorgange des Apollonius von Tyana, die Lebensgeschichte dieses Weisen zum völligen theurgischen Roman verarbeitet haben. Es können uns daher alle diese Ueberlieferungen nur wenig über die Lebensumstände, den Charakter und die Lehre des Pythagoras aufklären; so viel scheint indeß sicher zu sein, daß sein Vaterland die Insel Samos, eines der bedeutendsten Eilande des ägeischen Meeres, daß er ein Abkömmling der tyrrhenischen Pelasger war, und daß die Zeit seiner Geburt zwischen die 50. und 52. Olympiade (580–586 v. C.) zu setzen ist.

Eben so wenig wissen wir von der Bildungsgeschichte des Pythagoras. Die Alten gaben ihm, außer einem gewissen Hermodamas und Kreophylos, noch den Thales, Bias, Anaximander und Pherekydes, ja selbst die delphische Priesterin Themistoklea zu Lehrern, ohne daß jedoch eine dieser Angaben hinreichend beglaubigt wäre. Die Neuplatoniker lassen ihn seine Philosophie aus den Geheimlehren und Kulten des ganzen Orients eklektisch zusammenbilden. Auch erzählt man von vielen und großen Bildungsreisen des Pythagoras, von denen allen aber vielleicht nur die einzige nach Aegypten geschichtlich ist, deren Isokrates (Busir. 28.) Erwähnung thut, und die von Herodot (2, 81.) wie es scheint, vorausgesetzt wird; die übrigen erscheinen schon wegen ihrer schlechten Gewährsmänner und mährchenhaften Auschmückungen mehr als zweifelhaft. Sicherer ist, daß Pythagoras – angeblich in seinem vierzigsten Lebensjahre – nach Großgriechenland übersiedelte und sich namentlich in Kroton, einer achäischen Pflanzstadt, aufhielt. Mit mannigfachen, nicht gewöhnlichen Kenntnissen, namentlich in Mathematik und Musik, ausgerüstet1, stiftete er hier eine Gesellschaft, welche sich noch bei seinen Lebzeiten über die bedeutendsten Städte Großgriechenlands ausbreitete. Diese Gesellschaft wird als ein festgegliederter, geheimer Orden mit vielfachen Gebräuchen und Weihen geschildert: ihre Mitglieder sollen nur nach strenger Prüfung zugelassen, zuerst in einem zwei- bis fünfjährigen Stillschweigen geübt und nachher in verschiedene Classen eingetheilt worden sein; die höchste Classe, die der eigentlichen Pythagoräer, soll vollkommene Gütergemeinschaft, eine genaue priesterliche Lebensordnung und eine Geheimlehre, nebst besonderen Erkennungszeichen, Weihen und gottesdienstlichen Handlungen gehabt haben; Enthaltung von Fleisch, Bohnen u. a. wird als Eigenthümlichkeit derselben hervorgehoben. Berühmt sind die weiblichen Genossinnen des pythagoräischen Bundes; auch von seinem politischen Einflusse wird viel erzählt. Was über diesen letztern Punkt mit geschichtlicher Wahrscheinlichkeit ausgemittelt werden kann, läßt sich darauf zurückführen, daß die von Pythagoras gestiftete Gesellschaft eine sittlich-religiöse Reform des griechischen Lebens bezweckte, daß sie durch gewisse religiöse Weihen und Lehren, durch gemeinschaftliche Uebung der Musik, Mathematik und Philosophie, ohne Zweifel auch der Gymnastik, durch eine der dorischen Aristokratie zugeneigte Politik, auch durch einige wenige Eigenheiten im äußern Leben verknüpft war, und daß sie in mehreren der unteritalischen Städte eine nach den Verhältnissen zu- oder abnehmende politische Bedeutung erlangte. Wie weit übrigens die Ausbildung dieser Gesellschaft dem Pythagoras selbst, wie weit einer spätern Zeit angehört, läßt sich nicht mehr ermitteln. Ihr Einfluß – so wird erzählt – erregte den Haß der demokratischen Partei in Kroton, und als einst die Pythagoräer, 300 an der Zahl (denn so viel waren es Glieder des engern Bundes), bei einander versammelt waren, umzingelten die Krotoniaden das Haus und verbrannten es sammt allen darin Befindlichen. Bei dieser Veranlassung lassen Einige auch den Pythagoras selbst umkommen; nach Anderen, wie z. B. Diogen. Laërt. 9, 40, soll er jedoch noch nach Metropont entflohen und hier ruhig und geehrt in hohem Alter – angeblih 80–90jährig – gestorben sein; nach Hermippos wäre er im Kriege der Agrigentiner gegen die Syrakusaner gefallen. – Nach lange andauernden Parteikämpfen in den großgriechischen Städten erlangte die pythagoräische Partei wieder die Oberhand, und zur Zeit des Archytas stand sie in Tarent und anderen Städten wieder an der Spitze des Staates; mit Archytas aber ging die letzte Blüthe des Pythagoräismus zu Grabe. – Was Diogenes von Laërte und noch Spätere über Theano, die Schülerin und Frau des Pythagoras, über seine Tochter Damo und seinen Sohn Telauges berichten, verdient keinen Glauben.

Von Ueberbleibseln des Pythagoras sind die einzigen, zuverlässig constatirten, die Fragmente aus den drei Büchern des Philolaos (herausgeg. u. erkl. von Böckh, Berlin 1819), eines Tarentiners, durch welchen die pythagoräische Philosophie ihre höchste Vollendung erreichte. Die von uns übersetzten „goldenen Sprüche“ (Χρυσὰ ἔπη) sind, obgleich theilweise schon im Alterthum dem Pythagoras selbst beigelegt, ebenso, wie der Ἱερὸς λόγος, und was sonst noch von Späteren diesem Philosophen zugeschrieben wird, entschieden unächt, denn Allem nach hat Pythagoras, wie auch vielfach bezeugt wird, selbst Nichts geschrieben. Schon Hierokles, der Erklärer der „goldenen Sprüche“, erklärt sie als Gemeingut der pythagoräischen Schule. Nach Meiners2 sind sie als die Arbeit eines der jüngeren Pythagoräer anzusehen, die aber weder vollständig, noch ohne fremde Interpolation auf uns gekommen ist. – Unserer Uebersetzung haben wir, wie auch bei Phokylides, den Text der Gaisford’schen Ausgabe (Poëtae min. graec. Oxon. 1814. Vol. I. pag. 482–599) zu Grunde gelegt.

1 Diogen. Laërt. VIII, 6. IX, 1.

2 Geschichte des Ursprungs, Fortgangs und Verfalls der Wissenschaften. Bd. I. S. 579 u. ffg.

Highlights

  • Anonyme Kaisergeschichte
  • Sueton: Kaiserbiographien
  • Curtius Rufus: Geschichte Alexanders des Großen

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