Erste Referenz!
[117]81 Diocletianus war ein Dalmatier und von niedriger Herkunft. Seine erste Handlung als Kaiser war, daß er den Aper, als Urheber von Numerianus Ermordung, in einer Versammlung der Soldaten, mit seinem Schwerte durchbohrte. Den übrigen ließ er Verzeihung angedeihen. Den Karinus überwand er in einem Treffen und tödtete ihn.82 Maximianus, welcher den Beinamen Herculianus in der Folge führte, wurde von demselben zum Mitkaiser ernannt und unterdrückte die Bagauden, Gallische Bauern, welche, von Amandus und Aelianus angeführt, Unruhen angefangen hatten. Als Karausius, ein Mann von dunkler Herkunft, durch Tapferkeit sich in diesem Kriege hervorthat und unter den Soldaten sich Ruhm erwarb, so wurde er ernannt, eine Flotte auszurüsten, und die seeräuberischen Einfälle [118] der Franken und Sachsen abzutreiben.83 Nachdem er viele Barbaren gefangen, und die Beute weder den Landeseinwohnern, noch den Kaisern abgeliefert hatte, fiel er in Verdacht, daß er die Barbaren absichtlich herankommen ließe, um, wenn sie vorbeisegelten, sie auffangen, und mit ihrer Beute sich bereichern zu können. Sein Leben zu retten, warf er sich zum Kaiser auf, und bemeisterte sich Britanniens. Zu gleicher Zeit beunruhigte Achilleus Aegypten, die Quinquegentianer84 Afrika und Narseus den Orient. Aus diesen Ursachen ernannten die beiden Kaiser den Julius Konstantius und den Maximianus Galerius zu Cäsarn. Der erstere nahm des Herkulius Theodorus Stieftochter, Galerius des Diocletianus Valerianus Tochter zur Gemahlin. Und weil die Last der Kriege zu heftig drückte, so theilten sie gewissermaßen die Herrschaft: Konstantius überkam alle Provinzen jenseits der Alpen; Herkulius Afrika und Italien; Galerius die Illyrischen Küstenländer bis an die Pontische Meerenge; den Rest behielt Diocletianus. Die meisten Anmaßer des Kaiserthrons wurden von ihnen unterdrückt, und der Cäsar Maximianus abgeschickt, um die Einfälle der Perser zurückzutreiben; und [119] anfänglich von dem Könige Narseus geschlagen; doch begab sich dieser unter Römischen Schutz. In Afrika bezwang er die Quinquegentianer. Achilleus machte in Aegypten wenig zu schaffen, und wurde nach seiner Niederlage hingerichtet. Diesen Sieg verfolgte Diocletianus auf eine grausame Weise; und erfüllte ganz Aegypten mit Achtserklärungen und Hinrichtungen. Doch machte er auch viele kluge Anstalten. Mit dem Karausius, den man vergebens bekriegt hatte, schloß man Friede. Nach sieben Jahren wurde er von Alectus umgebracht; der wiederum nach dreijährigem Besitze von Britannien, unter Anführung des Asclepiodotus, Oberster der Leibwache, unterdrückt; und also Britannien nach einer zehnjährigen Anmaßung wieder zum Römischen Reiche gebracht wurde. Der Cäsar Constantius kämpfte in Gallien gegen die Lingonen mit abwechselndem Glücke. Hierauf führten sie andere Kriege, theils mit vereinigten Kräften, theils einzeln; sie bezwangen die Karpier und Bastarnen, besiegten die Sarmaten, von welchen Völkern sie außerordentlich viele Gefangene in das Römische Gebiet übersezten. Als bei herannahendem Alter Diocletianus zur Staatsverwaltung sich minder aufgelegt fühlte, rieth er dem Herkulius, mit ihm zugleich in den Privatstand zurückzutreten, und das Steuerruder des Staats stärkern und jüngern Händen zu übergeben. Ungern gab ihm sein Amtsgehilfe nach; doch vertauschten sie an Einem Tage den Purpur [120] gegen die Toga, zu Nikomedia Diocletianus, und Herkulius zu Mailand. In der Herrschaft folgten ihnen als ernannte Kaiser Konstantius und Galerius. Bei der Vertheilung der Römischen Welt unter sich, begnügte sich Konstantius mit Gallien, und überließ an Galerius die übrigen Provinzen.
1 (1) [121] – – – – weil der Raum zwischen den säkularischen Spielen das längste menschliche Leben ausmacht.85 Denn was der Römer Seculum nennt, heißt bei dem Griechen Aeon. (2) Es dient, um Pestilenzen, Seuchen und Krankheiten zu heilen, und nahm seinen Ursprung aus folgender Veranlassung. (3) Valesius, von welchem das Valerianische Geschlecht stammt, war unter dem [122] Sabinervolke sehr angesehen. (4) Vor seinem Hause stand ein Hain von sehr großen Bäumen. Als ein Bliz diese traf und verbrannte, war er in grosser Verlegenheit über dessen eigentliche Bedeutung. (5) Nun überfiel seine Kinder eine Krankheit, (6) welche der Kunst der Aerzte widerstand, und ihn veranlaßte von einem Wahrsager zum andern zu gehen. Diese zogen aus der Art, wie das Feuer vom Himmel gefallen war, die Vermuthung, daß es eine Wirkung vom Zorne der Götter sey; und daher suchte billigerweise Valesius durch Sühnopfer und Vermittlung der Wahrsager die Gottheit zu versöhnen. (7) Weil er aber nebst seiner Gattin in Sorgen war, und mehr, als jemals, den Tod seiner Kinder befürchtete, fiel er vor der Vesta nieder, und gelobte, ihr statt der Kinder, die Seelen zweier Erwachsenen, nämlich seine und seines Weibes. (8) Indem er aber auf den Hain zurückblickte, glaubte er eine Stimme zu hören, die ihm befahl, die Kinder nach Tarent zu führen, und dort Tiberwasser auf den Altären des Pluto und der Proserpine zu wärmen, und den Kindern als Trank einzugeben. (9) Auf diesen Befehl verzweifelte er noch stärker an seiner Kinder Genesung, weil Tarent gar weit in Italien läge, und dorten kein Tiberwasser zu bekommen sey. Ueberdies erweckte ihm das keine [123] gute Hoffnung, daß er auf dem Altar unterirdischer Götter das Wasser erwärmen solle.
2 (1) Sogar die Wahrsager waren hierüber verlegen, doch beschloß derselbe, auf nochmaliges Befragen, dem Gotte zu gehorsamen. (2) Er brachte demnach seine Kinder auf ein Tiberschiff, und nahm Feuer86 mit. Wie sie aber vor Hitze beinahe starben, steuerte er an die Seite des Gestades, wo der Fluß ganz sanft strömte. (3) Nebst seinen Kindern begab er sich von da in die Hütte eines Hirten, und hörte dorten, daß er seine Herberge in Tarent nehmen müsse. (4) Denn diesen Namen führte ein, neben dem Japygischen Vorgebirge liegender, Ort. (5) Ueber diesen glücklichen Zufall dankte Valesius der Gottheit, gab dem Schiffer Befehl, ans Land zu steuern; stieg aus, und erzählte die Sache den Hirten. (6) Nun schöpfte er Wasser aus der Tiber, erwärmte es auf einem von ihm daselbst errichteten Altare, und gabs den Kindern zu trinken. Gleich auf das Trinken überfiel sie ein Schlaf, worauf sie gesund wurden. (7) Im Traume aber sahen sie ein Gesicht: daß man der Proserpine und dem Pluto schwarze Opferthiere darbringen, und [124] drei auf einander folgende Nächte mit Gesang und Reihentanz feiern solle. Diesen Traum erzählten sie ihrem Vater: es habe ein großer und gottähnlicher Mann befohlen, dieses auf dem Marsfelde zu verrichten; da wo fürs Pferderennen ein Platz leer gelassen ist. (8) Als nun Valesius einen Altar daselbst aufbauen wollte, und die Steinhauer deswegen einen Platz ausgruben, fand man einen fertigen Altar, mit der Inschrift: dem Pluto und der Proserpina. Hierdurch noch deutlicher belehrt, was er thun müsse, opferte er auf diesem Altare die schwarzen Opferthiere, und beging daselbst die Nachtfeier.
3 (1) Dieser Altar und die Cärimonie dieser Opferhandlung entstund aus folgender Veranlassung. Römer und Albaner führten Krieg miteinander. (2) Da sie nun beiderseits unter den Waffen waren, erschien jemand von wundersamer Gestalt, mit einem schwarzen Felle bekleidet, und schrie: Pluto und Proserpine hätten befohlen, daß, bevor sie handgemein würden, sie ihnen ein Opfer unter der Erde darbringen sollten. (3) Dieses gesprochen, verschwand er. Damals entsezten sich die Römer über diese Erscheinung, erbaueten unter der Erde den Altar, brachten das Opfer dar, und bedeckten ihn dann mit einer Grube von zwanzig Fuß Erde, damit er jedem Andern, nur den Römern nicht, unbekannt bleiben möchte. (4) Diesen fand Valesius, [125] brachte das Opfer, beging die Nachtfeier und erhielt davon den Namen, Manius Valerius Tarentinus. (5) Denn die unterirdischen Götter nennt der Römer Manes; und gesund werden heißt in seiner Sprache Valere; und der Beiname Tarentinus ward ihm von dem Opfer in Tarent. Als nun in der Folge im ersten Jahre nach den Königen eine Pestilenz in der Stadt entstund, (6) so opferte auf diesem Altare Publius Valerius Poplicola dem Pluto und der Proserpine einen schwarzen Stier und eine schwarze Kuh, und rettete die Stadt von der Krankheit. Auf den Altar sezte er die Aufschrift: Ich Publius Valerius Poplicola habe das Feuerfeld dem Pluto und der Proserpine geweiht, und dem Pluto und der Proserpine Spiele gefeiert für die Befreiung der Römer.87
4 (1) [126] Als nun in der Folgezeit Krankheiten und Kriege überhand nahmen, dreihundert und zwei und funfzig Jahre nach Erbauung der Stadt, gedachte [127] der Senat, in den Orakeln der Sibylla ein Befreiungsmittel von den Uebeln zu finden, und gab den dazu bestellten Männern den Auftrag, die [128] Orakel zu durchforschen. (2) Da nun diese weissagten, das Unglück werde aufhören, wenn sie dem Pluto und der Proserpine opferten, suchte man den Ort auf, und brachte unter dem vierten Konsulate des Marcus Potitus Opfer nach der Vorschrift dar. (3) Nach vollendetem Opfer und erfolgter Befreiung deckten sie den, in einem äußersten Ende des Marsfeldes liegenden, Altar wieder zu. (4) Zwar wurde auf eine Zeitlang dieses Opfer vernachläßigt; es erneuerte aber bei eingefallenem Unglücke die Feier wiederum Octavianus Augustus. Unter dem Konsulate des Lucius Censorinus und Marcus Mallius88 Publius waren sie vorher und zu Augustus Zeiten unter dem Lucius Censorinus und Kajus Sabinus begangen worden. Atejus Kapito89 hatte die Gesetze der Spiele erklärt: die Zeit aber, da das Opfer mußte dargebracht und die Spiele aufgeführt werden, hatten die zur Bewahrung der Sibyllinischen Aussprüche bestellten Funfzehner ausgeforschet. (5) Nach dem Augustus aber feierte Klaudius das Fest, ohne die bestimmte Zahl der Jahre zu beobachten. Nach diesem Domitianus, welcher sich an Klaudius [129] nicht kehrte, sondern den Zeitraum der Jahre seit der Feier des Augustus berechnete, und für gut fand die vom Anfange an überlieferte Regel zu beobachten. (6) Nach diesen ordnete Severus, nebst seinen beiden Söhnen Antonius und Geta, eben dieses Fest unter dem Konsulate des Chilo und Libo an, nach Verlauf von beinahe hundert und zehen Jahren.
5,3 unsicher
5 (1) Folgendes ist schriftlichen Ueberlieferungen zu Folge die gesezmäßige Art der Feier des Fests. Herolde giengen vor dem Feste umher, und ermahnten jedermann zu einem Schauspiele zu kommen, welches sie weder vorher gesehen hätten, noch in Zukunft sehen würden. (2) In der Folgezeit aber, wenige Tage vor Aufführung der Spiele, theilten die Funfzehner, auf einer Erhöhung sitzend, in dem Kapitolium und dem Palatinischen Tempel, dem Volke die Reinigungen aus; nämlich: (3) Fackeln, Schwefel und Harz. Sklaven nehmen hieran keinen Theil, sondern blos Freye. (4) Wenn nun das ganze Volk an den genannten Plätzen und in dem Dianentempel, welcher auf dem Aventinischen Hügel erbauet ist, sich versammelt hat: so empfängt jeder Weizen, Gerste und Bohnen; und dann feiert man den Parcen in aller Zucht die nächtlichen Spiele. (6) Kömmt aber die Zeit des Festes selbst heran, welches man drei Tage lang auf dem Marsfelde und eben so viele Nächte [130] begehet, so werden die Opferthiere an dem Gestade der Tieber in Tarent geweiht. Man opfert dem Jupiter, der Juno, dem Apollo, der Latona und Diana; und außerdem den Parcen und Ilithyjen,90 der Ceres, dem Pluto und Proserpine. (7) An dem ersten Tage der Spiele in der zweiten Stunde der Nacht91 opfert der Kaiser nebst den Funfzehnern auf dreien, am Ufer des Flusses aufgerichteten Altären, drei Lämmer; und wenn er die Altäre mit Blut besprengt hat, verbrennt er die Opfer ganz. (8) Auf dem, nach Art eines Zeltes erbauten Schauplatze, werden Lichter und Holzstöße angezündet, ein neu verfertigter Hymnus abgesungen und Schauspiele aufgeführt, welche der Heiligkeit des Festes gemäß sind. (9) Zur Belohnung erhalten diejenigen, die Dienste dabei thaten, die Erstlinge der Früchte, von Weizen, Gersten und Bohnen. (10) Denn solche Früchte werden, laut meiner obigen Bemerkung, dem ganzen Volke ausgetheilt. An dem auf diese Nacht folgenden Tage92 geht man hinauf ins Kapitolium, bringt dort die bestimmten Opfer, begiebt sich von da auf die errichtete Schaubühne, und giebt dem Apollo [131] und der Diana zu Ehren Schauspiele. (11) Vornehme Matronen kommen an dem zweiten Tage, zu einer, vom Orakel bestimmten Stunde, zusammen, thun Gebete zu dem Gotte, und singen nach Sitte ihre Lobgesänge. (12) Am dritten Tage aber singen in dem Tempel Apollo’s auf dem Palatinischen Berge dreimal neun Knaben mit eben so viel Jungfrauen, Kinder noch lebender vornehmer Aeltern, Hymnen in Römischer und Griechischer Sprache, und Päane, wodurch die den Römern unterworfenen Städte im Wohlstande erhalten werden.93 (13) Auch andere Gebräuche werden nach der von der Gottheit vorgeschriebenen Weise verrichtet; wodurch die Römische Herrschaft unversehrt blieb. (14) Damit man aber auch glaube, daß dieses wahrhaftig sich also bewährt habe, will ich den Orakelspruch der Sibylla beifügen, welcher schon vor meinen Zeiten von Andern ist angeführt worden.
