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Caligula

3 (1) Caligula regierte vier Jahre. (2) Er war ein Sohn des Germanicus; und weil er im Lager geboren war, erhielt er von der Fußbekleidung der Soldaten den Beinamen Caligula. (3) Vor seiner Thronbesteigung mat er Allen theuer und beliebt, in seiner Regierung aber ein solcher, daß man nicht mit Unrecht allgemein urtheilte, es habe nie einen grausameren Herrscher gegeben. (4) Er entehrte seine drei Schwestern, (5) schritt in der Tracht seiner Götter20 einher und nannte sich Jupiter wegen seiner Blutschande, Liber21 aber wegen seines bacchantischen Gefolges. (6) Vielleicht hätte es sich geziemt, dieß nicht dem Gedächtniß zu überliefern, indessen ist es doch von Nutzen, alle Handlungen der Fürsten zu kennen, damit die Schlechten [unter ihnen] wenigstens aus Furcht vor dem Rufe [bei der Nachwelt] der gleichen Thaten vermeiden. (7) Im kaiserlichen Palaste nöthigte er Ehefrauen von Stande, sich öffentlich der Unzucht preiszugeben. (8) Er war der Erste, der sich ein Diadem aufsetzte und Herr nennen ließ. (9) In dem dreitausend Schritte betragenden Zwischenraume der Dämme am Meerbusen von Puteoli ließ er zwei Reihen von Schiffen an einander fügen, auf ihnen durch Aufschutt von Sand einen festen Weg, wie auf dem Lande, herstellen, und ritt und führ darüber, [erst] auf einem reich geschmückten Rosse, mit einem Eichenkranze geziert, [dann] gleich einem Triumphator, mit einem von Gold strotzenden Mantel angethan, in einem Zweigespann22. (10) Endlich fand er seinen Untergang, von der Hand der Soldaten ermordet.

3 (1) Als Claudius [Tiberius] entweder eines natürlichen oder durch Nachstellungen bewirkten14 Todes gestorben war, nachdem er dreiundzwanzig Jahre lang regiert und das neunundsiebzigste Lebensjahr erreicht hatte, wurde Casus Cäsar mit dem Beinamen Caligula nach dem Wunsche Aller aus Dankbarkeit gegen seinen Vater und seine Vorältern zum Kaiser gewählt. (2) Augustus war nämlich durch seine Tochter Urgroßvater desselben, seine Großväter aber waren von mütterlicher Seite Agrippa und von väterlicher Drusus, der Vater des Germanicus, von dem er gezeugt wurde. (3) Deren bescheidener Sinn und ihr mit Ausnahme des Augustus frühzeitig erfolgter Tod, zugleich auch der von Tiberius herbeigeführte Untergang der Mutter und Brüder15 des Caligula hatten das Volk gerührt. (4) Deshalb beeiferten sich Alle, das Unglück einer so erlauchten Familie durch die Aussichten des Jünglings zu lindern, dann aber auch, weil er im Lager geboren (woher er auch seinen von den Soldatenstiefeln16 entlehnten Beinamen bekam) für sehr gut angeschrieben und beliebt bei den Legionen galt. (5) Außerdem glaubten alle Einsichtsvolleren, er werde seinen Vätern ähnlich werden, was aber ganz anders kam, gewissermaßen nach einem Gesetze der Natur, welche gleichsam absichtlich sehr oft schlechte Söhne von guten, und ungebildete von gelehrten Vätern gezeugt werden und andere ähnliche oder entgegengesetzte Fälle eintreten läßt; (6) durch welche Erfahrung belehrt nicht wenige weise Männer es für heilsamer hielten, der Kinder ganz zu entbehren. (7) Uebrigens kamen sie in Betreff des Caligula [mit diesem Urtheile] allerdings der Wahrheit sehr nahe, obgleich er die Abscheulichkeit seiner Seele lange Zeit durch sittsames Betragen und unter der Maske der Folgsamkeit versteckt hatte, so daß jene Aeußerung über ihn, es habe weder jemals einen bessern Diener, noch einen grausameren Herrn gegeben, nicht ohne Grund allgemeine Verbreitung sand. (8) Endlich, als er die Herrschaft erlangt hatte, wirkte er, wie denn dergleichen Charaktere ihre wahren Gesinnungen zu verbergen wissen, dem Volk gegenüber, im Senate und beim Heere Treffliches17, und als ihm eine Verschwörung angezeigt wurde, äußerte er gleichsam ungläubig, eine solche sei kaum denkbar gegen einen Mann, dessen Leben niemandem zur Last falle oder Schaden bringe. (9) Nachdem er aber einmal zuerst nur einige wenige Unschuldige verschiedener ihnen Schuld gegebener Verbrechen wegen hatte hinrichten lassen, ließ er, gleich einem wilden Thiere, das einmal Blut gekostet hat, seiner Natur freien Lauf, und so wurde denn drei Jahre lang das ganze Reich durch vielfache Hinrichtungen der Senatoren und gerade der trefflichsten Männer geschändet. (10) Ja er schritt sogar, indem er Unzucht mit seiner eigenen Schwester trieb und die Ehen der vornehmsten Männer schändete, in Götterkleidung einher und nannte sich seines blutschänderischen Treibens wegen Jupiter18, und wegen des ihn umgebenden bacchantischen Gefolges Liber19. (11) Nicht minder zog er bei der Aussicht zu einem Feldzuge nach Germanien hinüber seine Legionen an einem Orte zusammen und befahl ihnen, am Strande der See Muscheln und runde Steinchen aufzulesen, (12) während er selbst bald in einem wallenden Gewande und in der Tracht der Venus dabei zugegen war, bald im Waffenschmuck sich rühmte, er hole sich Beute nicht von Menschen, sondern von Göttern, weil er nämlich gehört hatte, daß die Griechen, welche Alles gern übertreiben, dergleichen Seegeschöpfe20 Nymphenaugen nennen. (13) Hierdurch übermüthig gemacht, wollte er sich Herr21 genannt wissen und das Zeichen der königlichen Würde um seine Stirne flechten22. (14) Dieß war die Ursache, daß einige Männer, denen noch römischer Mannessinn inwohnte, unter Leitung des Chärea, den Staat durch Ermordung dieses Ungeheuers befreien wollten, und man würde sich, dem Beispiele des Brutus bei Vertreibung der Tarquinier folgend, für diese herrliche That entschieden haben, wenn der Kriegsdienst nur noch von römischen Bürgern versehen worden wäre. (15) Aber seitdem aus träger Schlaffheit das Verlangen entsprang, Ausländer und Barbaren zur Bildung des Heeres zusammenzutreiben, ist durch Sittenverderbniß die Freiheit unterdrückt und die Habsucht vergrößert worden. (16) Während nun nach einem Senatsbeschlusse die Familie und die ganze Verwandtschaft der Cäsaren, auch das weibliche Geschlecht nicht ausgenommen, von Bewaffneten verfolgt wurde, fand zufällig ein aus Epirus gebürtiger Soldat der Cohorten, welche den Palast an den geeignetsten Punkten besetzt hielten, den in einem häßlichen Schlupfwinkel versteckten Tiberius Claudius, zog ihn hervor und rief seinen Kameraden zu, wenn sie klug wären, so hätten sie hier einen Kaiser. (17) Und allerdings erschien er, weil er blödsinnig war, den Unverständigen überaus sanftmüthig, welcher Umstand ihn auch gegen die Verruchtheit seines Oheims Nero geschützt und bei seinem Bruderssohne Caligula keine Eifersucht erregt, ja ihm sogar die Herzen der Soldaten und des Volks gewonnen hatte, da er während der wüthenden Tyrannenherrschaft seiner Verwandten als ein Mitleidswerther verachtet wurde. (18) Während die Meisten sich so über ihn äußerten, umringten ihn plötzlich, ohne daß sich Jemand dagegen erklärte, die Haufen [der Soldaten], welche in der Stadt anwesend waren, und zu gleicher Zeit strömten auch die übrigen und eine große Menge Volks herbei. Als der Senat die Sache erfuhr, schickte er eiligst Abgeordnete, um dem gewagten Unternehmen Einhalt zu thun. (19) Wie aber die Stadt und alle Stände durch mannigfache und gräuliche Aufstände zerrüttet wurden, fügte sich Alles gleichsam wie auf ein Machtgebot. (20) So befestigte sich zu Rom die monarchische Gewalt, und deutlicher als je zeigte es sich, daß alle Unternehmungen der Menschen, wenn sie nicht vom Glücke begünstigt werden, nichtig und erfolglos sind.

12 (1) Sein Nachfolger war Cajus Cäsar, mit dem Beinamen Caligula, ein Enkel von Drusus, dem Stiefsohn August s, und Neffe von Tiberius. Er war ein ruchloser, blutdürstiger Mensch, neben dem die Abscheulichkeiten Tiber’s als gering erschienen. (2) Er unternahm einen Krieg gegen Deutschland, rückte in’s Gebiet der Sueven74 ein, ohne etwas Bedeutendes auszuführen. (3) Mit seinen Schwestern lebte er in Unzucht: von Einer Derselben erkannte er sogar eine Tochter an. (4) Habsucht, Wollust, Grausamkeit machten ihn aller Welt zur Plage, da wurde er neun und zwanzig Jahre alt, im dritten Jahre, zehenten Monate und achten Tag seiner Regierung in seinem Pallaste ermordet.

Highlights

  • Anonyme Kaisergeschichte
  • Sueton: Kaiserbiographien
  • Curtius Rufus: Geschichte Alexanders des Großen

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