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Hadrian

14 (1) Aelius Hadrianus, von Italischem Stamme63, ein Sohn des Aelius Hadrianus, eines aus Adria64, einer kleinen Stadt des Picenischen Gebiets, welche auch dem Adriatischen Meere seinen Namen gab, stammenden Vetters des Kaisers Trajanus65, regierte zwei und zwanzig Jahre. (2) Als überaus bewandert in der griechischen Literatur, wurde er von sehr Vielen das Griechlein genannt. Die wissenschaftlichen Beschäftigungen und Sitten der Athener eignete er sich begierig an, und war nicht nur ihrer Sprache mächtig, sondern auch in den übrigen Künsten, im Singen, im Saitenspiel und in der Arzneikunde wohl erfahren, ein Tonkünstler, Metzkünstler, Maler und Bildner aus Erz und Marmor, der beinahe dem Polyklet und Euphranor66 gleich kam. Dazu war er auch ungemein witzig, so daß es scheint, als habe sich selten einmal bei irgend einem Menschen eine feinere Bildung gefunden. (3) Sein Gedächtniß war stärker, als irgend Jemand glauben wird, er wußte die Namen von Ortschaften, Geschäften, Soldaten, auch Abwesenden, [geläufig] herzusagen. (4) Er war unermeßlicher Anstrengungen fähig; denn alle Provinzen seines Reiches bereiste er zu Fuß, indem er der Schaar seiner Begleiter vorauseilte, alle [zerstörten] Städte wiederherstellte und die Zahl ihrer Zünfte vermehrte. (5) Denn nach dem Muster der Legionen des Heeres hatte er Zimmerleute, Maurer67, Baumeister, kurz die ganze Classe von Leuten, die zur Errichtung und Verschönerung von Gebäuden dient, in Cohorten und Centurien eingetheilt. (6) Er war veränderlich, wankelmüthig und vielgestaltig; gleichsam zum Gebieter von Lastern wie von Tugenden geschaffen68, und die Heftigkeit seines Gemüths mit einer gewissen Kunst beherrschend, wußte er sein mißgünstiges, finsteres, wollüstiges und von Eitelkeit aufgeblasenes Wesen schlau zu verstehen, Enthaltsamkeit, Gefälligkeit und Milde zu heucheln und die Ehrsucht, von der er entbrannt war, zu verbergen. (7) Allzu lebhaft, war er geneigt, durch ernste und scherzhafte Reden und durch Schmähungen zu reizen und solche zu erwidern, einem Gedichte ein Gedicht, einem Witzworte ein Witzwort entgegenzusetzen, so daß man hätte glauben sollen, er habe sich auf Alles vollständig vorbereitet. (8) Seine Gemahlin Sabina wurde durch die beinahe sclavischen Mißhandlungen, die ihr widerfuhren, zum Selbstmord getrieben. Sie pflegte offen zu äußern, sie habe, weil sie seinen unmenschlichen Charakter durchschaut, sich alle Mühe gegeben, nicht zum Verderben der Menschheit von ihm schwanger zu werden. (9) Von der Wassersucht, die er lange Zeit geduldig ertragen hatte, überwältigt und von Schmerzen gepeinigt, die er nicht mehr aushalten konnte, ließ er mehrere Senatoren hinrichten. (10) Nachdem er sich von vielen Königen Frieden durch heimliche Geschenke erkauft hatte, rühmte er sich öffentlich, er habe durch Ruhehalten mehr erlangt, als die Uebrigen durch Waffengewalt. (11) Die Staats- und Hofämter und nicht minder die Militärstellen setzte er auf den Fuß, auf welchem sie, bis auf wenige durch Constantin getroffene Veränderungen, noch heutzutage fortbestehen. (12) Er lebte zwei und sechzig Jahre und starb dann eines traurigen Todes, von quälenden Schmerzen fast in allen Gliedern in dem Grade aufgerieben, daß er häufig die treuesten seiner Diener anflehte, ihn zu tödten und nur durch die Wachsamkeit seiner ihm theuersten Freunde abgehalten wurde, gegen sein eigenes Leben zu wüthen.

14 (1) So kehrte denn Aelius Hadrianus, ein Mann, der sich mehr für die Wissenschaften und die Beschäftigungen des Friedens eignete, nachdem er im Orient den Frieden hergestellt hatte71, nach Rom zurück. (2) Hier fing er nach griechischer Sitte oder nach dem Beispiele des Numa Pompilius den religiösen Gebräuchen, der Gesetzgebung, den Gymnasien und den Lehrern der Wissenschaften eine solche Fürsorge zu widmen an, (3) daß er sogar eine Schule der freien Künste, ein Athenäum, wie man es zu nennen pflegt, gründete, (4) und daß Rom nun auch nach Sitte der Athenienser die Mysterien der Ceres und der so genannten eleusinischen Libera72 eifrig feierte. (5) Darauf, wie es bei ruhigen Verhältnissen gewöhnlich der Fall ist, in seiner Thätigkeit nachlassend, begab er sich auf’s Land und zog sich zuerst nach Tibur73 zurück, indem er die Regierung der Stadt dem Cäsar Lucius Aelius überließ. (6) Er selbst erbaute nun, wie es die Sitte reicher, vom Glück begünstigter Leute ist, Paläste, stellte Gastmähler an, kaufte Statuen und Gemälde, kurz widmete Allem, was Gegenstand des Luxus und der Schwelgerei ist, eine fast zu ängstliche Aufmerksamkeit. (7) Hieraus entstanden ungünstige Gerüchte; man sagte, er habe unzüchtigen Umgang mit Jünglingen gepflogen und sei von schimpflicher Liebesglut für Antinous entflammt gewesen, und dieß sei auch die einzige Ursache, weshalb er eine Stadt, die des Jünglings Namen trage74, erbaut und ihm Bildsäulen errichtet habe. (8) Andre freilich wollen darin eine Handlung gewissenhafter Dankbarkeit finden, weil, als Hadrian eine Verlängerung seines Lebens gewünscht und die Magier verlangt hätten, daß dann ein Anderer sich an seiner Statt freiwillig dem Tode weihen müsse, während alle Uebrigen sich weigerten, Antinous sich dazu erboten habe; darin hätten die oben erwähnten Gunstbezeugungen ihren Grund. (9) Wir wollen die Sache dahingestellt sein lassen, obgleich wir den vertrauten Umgang zwischen Personen von ganz ungleichem Alter bei einem wollüstigen Temperamente immer für etwas verdächtig halten. (10) Da unterdessen der Cäsar Aelius gestorben war, Hadrian selbst aber nicht mehr Geisteskraft genug besaß und daher gemißachtet wurde, so rief er zur Erwählung eines neuen Cäsar den Senat zusammen. (11) Während die Senatoren eiligst herbeikamen, bemerkte Hadrian zufällig den Antoninus, wie er die ängstlichen Schritte seines greisen Vaters oder Schwiegervaters, ihn am Arme führend, leitete. Durch diesen Anblick außerordentlich erfreut, nahm er ihn auf gesetzmäßige Weise an Kindesstatt an und ernannte ihn zum Cäsar, worauf er sogleich eine große Anzahl von Senatoren, welche seiner gespottet hatten, hinrichten ließ75. (12) Nicht lange darauf jedoch starb er zu Bajä76 an der Auszehrung als ein noch ziemlich kräftiger Greis, nachdem er zweiundzwanzig Jahre weniger einen Monat regiert hatte. (13) Der Senat konnte aber nicht einmal durch die Bitten des [neuen] Kaisers dazu bewogen werden, dem Verstorbenen göttliche Ehren zuzuerkennen; so sehr betrauerte er noch den Verlust so vieler seiner Mitglieder. (14) Als jedoch die, deren Tod man betrauert hatte, plötzlich wieder zum Vorschein kamen77 und Jeder seine Anverwandten in die Arme schloß, beschloß der Senat, was er früher verweigert hatte.

6 (1) Nach dem Tode Trajans [116. n. Chr.] wurde Aelius Hadrianus zum Kaiser gewählt, ohne daß Trajan dieß eigentlich gewollt hatte: indeß hatte sich die Gemahlin Trajan’s, Plotina, für ihn verwendet. Obwohl er nämlich der Sohn einer Muhme Desselben war, so hatte ihn Trajan bei seinem Leben doch nicht an Kindesstatt annehmen wollen. Auch er war zu Italica in Spanien geboren. (2) Eifersüchtig auf den Ruhm Trajan’s entsagte er alsbald drei Provinzen, durch welche Trajan das Reich vergrößert hatte, rief die Heere aus Assyrien, Mesopotamien und Armenien zurück und verordnete, daß der Euphrat die Grenze des Reichs seyn sollte. Seine Freunde brachten ihn von ähnlichen Absichten mit Dacien ab, durch die Vorstellung, daß ja sonst eine Menge Römischer Bürger den Barbaren preisgegeben würden. Es hatte nämlich Trajan an seinem Siege über Dacien eine außerordentliche Menge Menschen dahin versetzt, um das Feld und die Städte anzubauen: denn es war Dacien durch den langwierigen Krieg mit Decebalus sehr entvölkert worden.

7 (1) Hadrianus hatte übrigens während der ganzen Zeit seiner Regierung Frieden im Reich. Nur einmal ließ er durch einen Statthalter Krieg führen. (2) Er durchreiste das Römische Reich, und baute viel. In der lateinischen Sprache drückte er sich mit rednerischem Geschick aus, im Griechischen hatte er gelehrte Kenntnisse. Sanftmuth wird eben nicht an ihm gerühmt: den öffentlichen Einnahmen und der Kriegszucht widmete er dagegen viele Aufmerksamkeit. (3) Er starb in Campanien, über sechzig Jahre alt, nachdem er ein und zwanzig Jahre, zehen Monate, neun und zwanzig Tage regiert hatte [138. n. Chr.]. Der Senat zeigte keine Neigung, ihm göttliche Ehre zu erweisen: indeß bestand sein Nachfolger Titus Aurelius Fulvius Antoninus mit Nachdruck darauf, obwohl der gesammte Senat sich öffentlich widersetzte, und so erhielt er dieselbe endlich.

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  • Anonyme Kaisergeschichte
  • Sueton: Kaiserbiographien
  • Curtius Rufus: Geschichte Alexanders des Großen

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