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Nerva

12 (1) Coccejus Nerva, aus der Stadt Narnia54 gebürtig, regierte sechzehn Monate und zehn Tage. (2) Bald nachdem er die Regierung übernommen hatte, entstand das Gerücht, daß Domitianus noch lebe und bald erscheinen werde, worüber er so erschrak, daß er die Farbe wechselte, die Sprache verlor und sich kaum aufrecht erhalten konnte. Doch durch Parthenius beruhigt, faßte er neues Vertrauen und kehrte zu seiner gewöhnlichen ruhigen Haltung zurück. (3) Als er in der Curie vom Senate mit Glückwünschen empfangen wurde, war Arrius Antoninus, ein scharfsinniger und ihm innig befreundeter Mann, der Einzige von Allen, der, ihn umarmend und das Verhältniß eines Regenten mit Einsicht auseinandersetzend, äußerte, er wünsche dem Senate, dem Volke und den Provinzen Glück, keineswegs aber ihm selbst, für den es besser gewesen wäre, immer schlechter Fürsten zu spotten, als selbst die Wucht einer solchen Last auf sich zu nehmen, und sich nicht blos Beschwerden und Gefahren, sondern auch der übeln Nachrede von Feinden wie von Freunden auszusetzen, welche letztere, weil sie vorausssetzten, jeder Auszeichnung würdig zu sein, wenn sie Etwas nicht erpressen könnten, noch feindseliger gesinnt wären, als die Feinde selbst. (4) Nerva erließ Alles, was früher unter dem Namen von Strafgeldern zu den Abgaben hinzugekommen war, unterstützte vom Unglück heimgesuchte Städte, und befahl, Knaben und Mädchen dürftiger Eltern auf öffentliche Kosten in den Städten Italiens Unterhalt zu gewähren. (5) Sich nicht von böswilligen Menschen leiten zu lassen55, die sich an ihn drängten, warnte ihn folgende Aeußerung des Funius Mauricus, eines charakterfesten Mannes. Als dieser von Nerva zu einem freundschaftlichen Gastmahl eingeladen, unter den Anwesenden auch den Vejento erblickte, der unter Domitian zwar die consularische Würde bekleidet, aber Vielen durch heimliche Anklagen Verfolgungen zugezogen hatte, und im Gespräch auch des Catullus, eines Hauptangebers, Erwähnung geschehen war, gab er auf die Frage Nerva’s: was würde er jetzt machen, wenn er den Domitian überlebt hätte? die Antwort: „er würde mit uns speisen56.“ (6) Rechtsstreitigkeiten entschied dieser Kaiser nicht nur sehr geschickt, sondern auch sehr häufig. (7) Den Calpurnius Crassus, der die Soldaten durch gewaltige Versprechungen zu verführen gesucht hatte, aber entdeckt und überwiesen worden war, verwies er [blos] nebst seiner Gattin nach Tarentum, welche Gelindigkeit der Senat laut tadelte; und als man die Hinrichtung der Mörder Domitians forderte, gerieth er in solche Bestürzung, daß er weder dem Erbrechen, noch dem Durchfall zu wehren vermochte; dennoch aber widersetzte er sich [der Forderung] mit Entschiedenheit und erklärte, er wolle lieber sterben, als durch Preisgebung derer, die ihm die kaiserliche Gewalt verschafft hätten, die Würde des Thrones beflecken. (8) Die Soldaten jedoch suchten, ohne den Willen des Kaisers zu beachten, die Mörder auf und tödteten den Petronius mit einem Hiebe, den Parthenius aber erst, nachdem sie ihm die Schamtheile abgeschnitten und in’s Gesicht geschleudert hatten. Casperius jedoch kaufte sich mit einer großen Summe los und bewog, durch ein so großes Verbrechen noch übermüthiger gemacht, den Kaiser, den Soldaten vor dem versammelten Volke seinen Dank abzustatten, daß sie die ruchlosesten und schlechtesten aller Menschen getödtet hätten. (9) Nerva nahm den Trajanus an Sohnesstatt und zum Reichsgehülfen an, (10) mit dem er aber [nur noch] drei Monate lebte. Denn als er einst, von Zorn entflammt, mit sehr starker Stimme gegen einen gewissen Regulus eiferte, brach ihm ein heftiger Schweiß aus, (11) und da dieser zurücktrat, bildete ein starker Schüttelfrost den Anfang eines Fiebers, und nicht lange darauf endete sein Leben im sechs und dreißigsten Jahre. (12) Sein Leichnam wurde vom Senate mit denselben Ehren, wie einst der des Augustus, bestattet und auch in der Gruft des Augustus beigesetzt. An seinem Todestage trat eine Sonnenfinsterniß ein.

12 (1) Denn wer übertraf wohl den Nerva aus Narnia59 an Klugheit und Mäßigung? (2) Dieser Mann empfing, schon im Greisenalter stehend, im Lande der Sequaner60, wohin er aus Furcht vor dem Tyrannen sich begeben hatte, durch den Ausspruch der Legionen die Regierung, legte sie aber, als er sich überzeugte, daß dieselbe nur durch Männer geführt werden könne, die ihm an Körper- und Geisteskraft überlegen wären, schon nach sechzehn Monaten wieder nieder, nachdem er vorher noch das sogenannte Forum pervium61 geweiht hatte, wo der Minervatempel hoch und prächtig emporragt. (3) Wenn es überhaupt immer eine treffliche Sache ist, gehörig zu ermessen, wie viel man vermag, und sich nicht vom Ehrgeiz unüberlegt fortreißen zu lassen, so ist dieß besonders auf dem Throne der Fall, nach welchem die Menschen so begierig zu streben pflegen, daß selbst das höchste Greisenalter noch leidenschaftlich darnach trachtet. (4) Hierzu kommt noch, daß auch durch die Trefflichkeit seines von ihm selbst erwählten Nachfolgers immer mehr an’s Licht trat, welche tiefe Einsicht er besaß.

8 1 (1) Im Jahre 850. nach Erbauung der Stadt unter den Consuln Vetus und Valens nahmen die öffentlichen Angelegenheiten eine höchst vortheilhafte Wendung, indem die selben zum größten Glück den Händen würdiger Häupter anvertraut wurden. Es folgte nämlich in der Regierung auf den verworfenen Tyrannen Domitianus, Nerva, durch Mäßigung und strenge Sitten in seinem Privatleben ausgezeichnet, übrigens von mittlerem Adel. In Folge der Bemühungen des Befehlshabers der Leibwache, Petronius Secundus, und des Mörders von Domitian, Parthenius, wurde er noch in seinem hohen Alter auf den Thron gehoben, auf welchem er die größte Gerechtigkeitsliebe und Leutseligkeit bewies. (2) Mit gottähnlicher Vorsicht sorgte er für das Wohl des Staates dadurch am besten, daß er Trajanus an Sohnes statt annahm. Er starb in Rom ein Jahr, vier Monate, acht Tage nach seiner Thronbesteigung [98. n. Chr.], zwei und siebenzig Jahre alt. Auch er wurde unter die Götter versetzt.

Highlights

  • Anonyme Kaisergeschichte
  • Sueton: Kaiserbiographien
  • Curtius Rufus: Geschichte Alexanders des Großen

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